Filmkritik: „Fender Bender“ (2016)

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FENDER BENDER

Story

 
 
 
Ein perverser Stalker in S/M-Lederkluft (der obskure Reißer ZIPPERFACE von 1992 lässt grüßen) macht Jagd auf attraktive Frauen. Das neueste Objekt seiner Begierde ist Teenager Hilary.

 
 
 


 
 
 

FENDER BENDER – Kritik

 
 
 
Schon einige Jahren herrscht die Mode, Horrorfilme bewusst auf nostalgisch zu trimmen, um sich in Ehrfurcht vor bestimmten Filmepochen, Stilen oder Regisseuren zu verbeugen. Ganz vorn mit dabei: die 1980er – eine Zeit in der das Horror-Genre Dank des stürmisch tobenden Videotheken-Booms für viele Filmproduzenten zum hochlukrativen Geschäft wurde. Die Folge des Horrorfilm-Hypes waren vor allem Fortsetzungen erfolgreicher Horror-Streifen und schmuddeliger Videomurks, der es – hierzulande besonders – wegen der genüsslich zelebrierten Gewalt nicht immer leicht mit den Zensurbehörden hatte. Auch das gezeichnete Filmplakat von FENDER BENDER lässt die Vermutung aufkommen, dass es sich hier um einen Film aus erwähnter Ära handeln muss. Damals war es noch üblich, dass Videocover und Kinoplakate mit Pinsel und Farbe erstellt wurden. Doch auch FENDER BENDER ist eigentlich kein Film aus genannter Zeit. Vielmehr verbirgt sich hinter dem Horror-Thriller eine Kooperation zwischen dem Horror-TV-Sender CHILLER und dem Heimkino-Label SHOUT! FACTORY, die hier gemeinsame Sache gemacht haben. Entstanden ist ein Horrorfilm neueren Datums, der längst vergessene Zeiten aufleben lässt und sich vor den Horror-Slashern der goldenen 1980er verbeugt. Da wird der Fan neugierig.
 
 
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Nimm nichts von Fremden und sprich nicht mit Unbekannten. Das, was Müttern ihren Kindern aus Sorge immer predigen, wird in FENDER BENDER zu bitteren Realität für die 17-jährige Hilary (MAKENZIE VEGA). Die ist erst seit Kurzem in Besitz eines Führerscheins und wird in einen Autounfall verwickelt. Doch der Verfall wird schnell abgehandelt. Statt die Polizei zu rufen, tauscht man Adressen und Telefonnummern aus – den Rest soll die Versicherung richten. Leider hat der Zwischenfall weit größere Konsequenzen für die Teenagerin als erwartet. Der Unfallbeteiligte (BILL SAGE) tickt nämlich im Kopf nicht ganz richtig und stellt der Schülerin nach. Was folgt, ist kein Zuckerschlecken. Der Unbekannte entpuppt sich als kompromissloser Stalker, der eine todbringende Leidenschaft für hübsche Frauen besitzt. Dass Hilary auch noch allein zu Hause ist und die Eltern auf Reisen, kommt dem Psychopathen gerade recht. Er schmiedet einen perfiden Plan und macht seinem neuen Opfer die Nacht zum Wach-Albtraum.
 
 
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MARK PAVIA ist wieder da. Der war länger von der Bildfläche verschwunden und dürfte noch vielen Horror-Zuschauern als Regisseur der atmosphärischen King-Verflimung THE NIGHT FLIER von 1997 in Erinnerung geblieben sein. Seither ist es um den Filmemacher verdächtig ruhig geworden. Mit FENDER BENDER feiert er nun seine Rückkehr als Regisseur und liefert zwar solide Arbeit hat, die Anbetracht der namhaften Geldgeber dann doch etwas enttäuscht. FENDER BENDER ist kein Überflieger, aber auch nicht unbedingt schlecht. Was den Gesamteindruck madig macht, sind die Anlaufschwierigkeiten mit denen der Streifen zu kämpfen hat. Lang dauert es nämlich, bis der ohnehin kurze Film Fahrt aufnimmt. So plätschert das Treiben nach dem bitterbösem Auftakt gemächlich daher, zeigt viel nutzloses Zeug und langweilt mit unwichtigen Szenenverläufen. Erst in den letzten 30 Minuten wächst FENDER BENDER (was übrigens so viel heißt wie „leichter Blechschaden“) zur eigentlichen Größe heran und entschädigt mit rasanter Killerhatz und fiesen Morden. Hier geht es ohne Längen zum Ziel. Unter Einsatz aggressiver Retro-Sounds, die vermutlich nicht ohne Grund an die Werke des jungen JOHN CARPENTER erinnern, geht der Killer reichlich schonungslos mit seinen Opfern um und bringt sie kaltblütig um die Ecke. Spätestens hier muss man zugeben, dass Regisseur MARK PAVIA weiß, was Horror-Zuschauer wollen. Die werden mit atmosphärischen Bildern und unbequemen Kameraeinstellungen verwöhnt, die mancherorts dann tatsächlich kurz die rauen und sleazigen 1980er aufleben lassen. Das straffe Tempo und ein makabres Ende lassen den schwierigen Start rasch vergessen. So reicht’s immerhin für einen kurzen Filmabend mit Bier und Chips. Das Slasher-Genre revolutionieren wird FENDER BENDER definitiv nicht.
 
 
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FENDER BENDER – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Ein bitterböser Mix aus DEATH PROOF und THE HITCHER, der die rauen Slasher der 1980er aufleben lässt. FENDER BENDER ist solide und schwächelt hauptsächlich wegen seinem unoriginellen Drehbuch, das zu lange braucht, um aus seinem Dornröschenschlaf zu erwachen. Nicht nur einmal hat man hier das Gefühl, als habe man versucht einen Gedankenblitz auf Spielfilmlänge zu blasen. Die Geschichte hinter FENDER BENDER gibt eigentlich nicht genug Substanz her, um daraus einen Langfilm zu machen. Trotzdem hat Regisseur MARK PAVIA daraus Unterhaltung fürs amerikanische Fernsehen gemacht, die zumindest in den letzten 30 Minuten funktioniert. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn sich Pavia die Geschichte für eine Horror-Serie oder als Segment in einer Horror-Anthologie aufgehoben hätte. Spätestens dort wäre FENDER BENDER ein Highlight geworden.
 
 
 


 
 
 

FENDER BENDER – Zensur

 
 
 
Für einen Slasher neueren Datums hält sich FENDER BENDER recht zurück – was jetzt aber nicht heißen soll, dass der Horrorthriller nicht auch Schauwerte zu bieten hat. Die meisten Morde sind nicht sehr zeigefreudig. Meist sticht der Killer nur mehrere Male mit einem Teppichmesser in die Körper seiner Opfer. Weiterhin wird ein Opfer von einem Auto überfahren – die Kamera hält drauf. Zudem wird eine andere Filmfigur angezündet. Man kann mit einer FSK16 rechnen.
 
 
 


 
 
 

FENDER BENDER – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Hitcher – Der Highway Killer (1986)
 
The Hitcher – Remake (2007)
 
Death Proof (2007)
 
Zipperface (1992)
 
Ratter – Er weiß alles über dich (2015)
 
Captivity (2007)
 
Come Back to Me (2014)
 
Crush – Gefährliches Verlangen (2013)
 

Filmkritik: „Nina Forever“ (2015)

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NINA FOREVER

Story

 
 
 

Sonnenschein Nina ist hartnäckig, denn trotz Motorradunfall mit tödlichem Ausgang taucht sie als Geist auf, um Ex-Freund Rob zu überraschen. Der ist über den unangemeldeten Besucher überhaupt nicht erfreut, taucht die Verflossene immer dann auf, wenn er gerade Sex hat.

 
 
 


 
 
 

NINA FOREVER – Kritik

 
 
 
Wir von FILMCHECHER haben in der Vergangenheit schon reichlich sonderbares Zeug besprochen und sind immer wieder überrascht, dass es vor allem vielen Newcomern gelingt mit unkonventionellem Horrorfilmen für Furore zu sorgen. Das dürfte auch für NINA FOREVER gelten, der immerhin schon viele Kinogänger entzückt haben soll, die sich mit Vorliebe auf Filmfesten tummeln, auf denen absurde Kuriositäten fernab kommerziellem Kino-Blödsinns gezeigt werden. Aus England stammt genannter Indie-Hit, der sich – wie hätte es auch anders sein sollen – mit typisch britischem Humor einem Thema widmet, das wohl schon jeder in seinem Leben mehr oder weniger durchlebt haben dürfte. Der Streifen erzählt von Schwierigkeiten die Ex aus dem Kopf des Partners zu bekommen, der trotz neuem Liebesglück mit der alten Beziehung nicht endgültig abschließen kann. Entstanden ist ein morbides aber gleichzeitig melancholisches Kammerspiel, das sich irgendwo zwischen NEKROMANTIK und SPRING bewegt und trotz ernster Problematik mit allerhand Wortwitz für einige Schmunzler sorgt.
 
 
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NINA FOREVER handelt von der 19-jährigen Holly (ABIGAIL HARDINGHAM), die sich gerade zum Sanitäter ausbilden lässt und nebenbei in einem Supermarkt an der Kasse jobbt. Wie das Schicksal so will, lernt sie genau dort die erste, große Liebe kennen und landet prompt mit dem geheimnisvollen Rob (CIAN BARRY) im Bett. Leider endet das Schäferstündchen anders als erwartet, denn im Rausch der Triebe liegt plötzlich eine blutverschmierte Schönheit (FIONA O’SHAUGHNESSY) mit im Bett und beobachtet das Paar beim Liebesspiel. Nach anfänglicher Irritation klärt Rob auf. Bei der Frau handelt es sich um die Ex, die bei einem Motorradunfall ums Leben kam. Weil die Beziehung nie beendet wurde, erscheint die Tote immer dann, wenn sich der Liebste mit anderen Frauen vergnügt. Was anfänglich Probleme bereitet, wird bald zur Normalität. Weil die schüchterne Holly bis über beide Ohren verliebt ist, versucht sie mit der ungewöhnlichen Situation umzugehen. Leider stößt sie damit bald an ihre psychischen Grenzen.
 
 
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Eine Geschichte über Verlust, Trauer und dem (Nicht-)Loslassenkönnens. Hinter dem Horror-Drama stecken zwei Brüder, die mit ihrem Debütwerk eigene Erfahrungen verarbeiten, die als Inspirationsgrundlage gedient haben sollen. BEN und CHRIST BLAINE wollten nach eher erheiternden Kurzfilmen endlich mal einen Spielfilm machen, der eine andere Richtung einschlägt. Kurzum verknüpften sie Horror mit Humor und gewannen mit dem grotesken Genre-Mix auf einschlägigen Filmfestivals viele Preise. So wurde der Streifen auch auf dem FANTASY FILMFEST 2015 gezeigt, wo die schwarzhumorige Liebesromanze von Zuschauer gelobt wurde und sich innerhalb kürzester Zeit zum Indie-Geheimtipp entwickelte. Mit KICKSTARTER hatte alles angefangen. Wie wir bereits in einigen Kritiken zuvor mehrfach berichtet haben, ist die Finanzierung von Horrorfilmen durch Crowdfunding ein lohnendes Geschäft geworden. Auf Crowdfunding-Plattformen werden Zuschauer selbst zum Produzenten und spenden kleines Geld, damit interessante Filmprojekte gestartet werden können. Für viele Hobby-Regisseure ein interessantes Experiment, die nicht selten mit dem Publikum als Geldgeber den Sprung in die Liga nennenswerter Horrorfilmemacher geschafft haben.
 
 
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Wer aber meint, dass NINA FOREVER blutiges Splatter-Theater geworden ist, wird enttäuscht. Vielmehr ist NINA FOREVER eine mit Humor angereicherte, groteske Dreiecks-Geschichte, die dann doch mehr Drama ist, als blutrünstiger Horror. Statt Grausamkeiten zu bebildern, erforschen die beiden Regisseure die fragile Gefühlswelt ihrer Protagonisten und versehen die bizarre Handlung mit überraschend viel Tiefgang. Oftmals bleibt es wortkarg. Dafür sprechen Bilder Bände. So machen die Blaine-Brüder in Schlüsselsequenzen von Parallelmontagen Gebrauch, um die Verzweiflung zweier Menschen zu bekräftigen, die alle unternehmen, damit sie Vergangenes hinter sich lassen können. Leider hat auch NINA FOREVER mit einigen Problemchen zu kämpfen. Auch wenn die Idee zum Film originell ist und die Schauspieler für Low-Budget-Verhältnisse überzeugend agieren, stört ein wenig die unentschlossene Pendelei zwischen Ironie und Ernsthaftigkeit. Gerade dann, wenn der ohnehin gemächlich erzählte Streifen an Fahrt gewinnt wird der Erzählfluss durch Ninas schwarzhumorige Besuche ausgebremst. Zudem wirkt der Streifen gerade ab der Halbzeit ziellos und füllt die Handlung mit immer wieder gleichen Szenenverläufen – vermutlich damit Filmlänge erreicht werden kann. So sieht der Zuschauer stets gleiche Abläufe, in denen die Helden Sex haben und dabei von der zynisch plappernden Nina überrascht werden. Demzufolge braucht es knapp 90 Minuten, bis die Macher Stellung beziehen und zu einem Schluss kommen – auch wenn der nicht jedem Zuschauer zusagen dürfte.
 
 
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Nichtsdestotrotz sollte man NINA FOREVER eine Chance geben. Gerade wegen seiner unkonventionellen Machart und den hervorragenden Schauspielern dürfte der Film vor allem Liebhabern filmischer Kuriositäten Herzklopfen bescheren. Wer es deftig mag, sollte aber Abstand halten. Auch wenn NINA FOREVER einen übel zugerichteten Geist, viel nackte Haut und irritierende Sex-Szenen besitzt, die der Horror-Romanze einen nekrophilen Touch verleihen, bleiben harte Schauwerte aus. Das ist aber auch gut so, schließlich versuchen sich Filmemacher seit Jahren mit Filmgewalt zu überbieten, vergessen dabei aber gute Geschichten zu erzählen. Letztere hat NINA FOREVER definitiv. Horrorfans mit Anspruch und Vorliebe zum Arthaus dürfte das freuen.
 
 
 


 
 
 

NINA FOREVER – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Morbide, melancholisch, schwarzhumorig und absurd. Der etwas andere Liebesfilm, den man der Liebsten zum Valentinstag schenken kann. NINA FOREVER ist kurioses und unkonventionelles Nischenkino mit Ecken und Kanten, das vor allem Horrorfans mit Anspruch und Vorliebe zum Arthaus viel Freude bescheren wird. Ein zu Recht auf Filmfesten gefeierter Geheimtipp, dem man unbedingt eine Chance geben sollte.
 
 


 
 
 

NINA FOREVER – Zensur

 
 
 
Wegen der freizügigen Sexszenen wird NINA FOREVER eine FSK16 erhalten. Gewalt gibt es im Film bis auf eine verletzten Hand nicht zu sehen. Der Lebenssaft der gezeigt wird fließt aus der toten Nina heraus, die sich bei einem Motorradunfall schwer verletzt hat. Als Geist taucht sie immer wieder mit gleichem Unfallwunden auf und räkelt sich mit Vorliebe auf weißen Bettlaken, die das Filmpaar regelmäßig wechseln müssen.
 
 
 


 
 
 

NINA FOREVER – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen liegenb bei EPIC PICTURES GROUP)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Weg mit Ex (2014)
 
Life After Beth (2014)
 
Spring (2014)
 

Filmkritik: „Chemical Peel“ (2014)

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CHEMICAL PEEL

Story

 
 
 
Der Tod kommt auf leisen Sohlen: Nach einem Zugunglück tritt Giftgas aus den Wagons und bahnt sich den Weg zu einer abgeschiedenen Hütte in der sechs Freundinnen einen Junggesellinnenabschied feiern. Die verbarrikadieren sich im Haus und warten auf Rettung.

 
 
 


 
 
 

CHEMICAL PEEL – Kritik

 
 
 
Immer wieder gern gesehen und im Genre doch stark vernachlässigt: Body-Horror. Zuletzt hat den ELI ROTH vor bereits zwölf Jahren mit CABIN FEVER recht erfolgreich aus der Versenkung geholt, bevor er sich mit cineastischen Filmgurken wie HOSTEL 2 (2007) oder THE GREEN INFERNO (2013) selbst in Aus katapultierte. Weil sich der Virus-Schocker gut verkaufen lies, mussten zwei Fortsetzungen folgen, die aber nicht mehr an die Popularität des Erstlings anknüpfen konnten.
 
Trotz eher zwiespältigen Ruf und bisher durchwachsenem Schaffen hat sich ROTH mittlerweile eine treue Fanbase aufbauen können, zu der vermutlich auch Regisseur HANK BRAXTAN gehören dürfte. Der hat sich für seinen CHEMICAL PEEL ziemlich unverfroren bei CABIN FEVER bedient und im Gegensatz zum Hütten-Horror äußerst kreativ am Ekel-Faktor geschraubt, damit sich dem Zuschauer möglichst schnell der Magen umdreht. Ein Zugunglück und austretendes Giftgas wird hier für eine unvorhersehbare Kette von Ereignissen verantwortlich gemacht, die für sechs Protagonistinnen ein tödliches Ende zur Folge haben wird. Die wollten eigentlich irgendwo abgeschieden einen Junggesellinnenabschied feiern, werden aber in einem Ferienhaus von giftigem Nebel überrascht, der Lungen verätzen lässt und aus Organen Mett macht. Für Horror-Fans eine feine Sache bringt doch BRAXTAN teils ziemlich unappetitlichen Melt-Horror (= Horror in dem Körper zerlaufen oder zerfließen) zurück auf die Mattscheibe, der seit PLANET SATURN LÄSST SCHÖN GRÜSSEN (1977) und dem kultigen Indie STREET TRASH (1987) leider ziemlich rar im Horror-Bereich geworden ist.
 
In CHEMICAL PEEL werden nicht nur Reizmägen auf eine harte Probe stellt. Sechs Bilderbuch-Zicklein haben sich ausgerechnet jenen Tag für Anfeindungen und Intrigen ausgesucht, an dem ihr letztes Stündlein geschlagen hat. Kein leichtes Unterfangen für den Zuschauer, dessen Geduld durch unerträglichen Zicken-Terror überstrapaziert wird, schließlich wird hier nicht selten gegackert wie im Hühnerstall, was CHEMICAL PEEL nicht sonderlich förderlich ist. Die Mädchen kramen nach längst vergessenen Geschichten, um sich gegenseitig in die Enge treiben zu können. Es werden Rachepläne geschmiedet und an eigenes Wohl gedacht. Vertraut ist sich am Ende hier keine der Anwesenden, obwohl anfänglich eigentlich von Freundschaft gefaselt wird. Stattdessen legt man sich gegenseitig Steine in den Weg, was in einer Situation wie der in CHEMICAL PEEL logischerweise kaum von Nutzen sein dürfte.
 
Unsympathische Charaktere müssen spektakulär sterben. Eine Regel, die sich im Horrorfilm immer wieder großer Beliebtheit erfreut. Macher HANK BRAXTAN macht es schwarzhumorig und verpasst seinen Terror-Ziegen einen makabren und ebenso blutigen Denkzettel. Nach einer erfolgreichen Flucht vor der biologischen Gefahr und endlosen Diskussionen später, geht es denn Frauen an den Kragen. Die tödlichen Dämpfe verschaffen sich einen Weg von draußen nach innen und sorgen für reichlich groteske Melt-Momente, die das Herz eines jeden Splatterfans schneller schlagen lassen dürften. So darf sich der Gorehound an einer Brechreiz erregenden „Wechseldusche“ einer Heldin erfreuen, die nur der Vorbote einiger Extravaganzen ist, die CHEMICAL PEEL dann doch besser machen, als man anfangs wahrscheinlich vermutet hat.
 
 
 


 
 
 

CHEMICAL PEEL – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
CABIN FEVER meets STREET TRASH. CHEMICAL PEEL ist garantiert nichts für schwache Reizmägen, denn hier erbrechen Heldinnen die eigenen Innereien und waschen sich bei einer Dusche mit chemisch verseuchtem Wasser das Fleisch von den Knochen. Der Ekel-Horror ist zurück, wenngleich er auch unter einigen Schwächen zu leiden hat. Die sind hier im Drehbuch zu suchen, denn im Falle von CHEMICAL PEELING haben mal wieder ziemlich viele kreative Köpfe an der Umsetzung gefeilt, so dass der Horror-Brei etwas versalzen wurde. Die Protagonisten sind das Problem, denn der Zuschauer bekommt hier intrigantes Geschnatter vor die Linse, das so ziemlich schnell zu nerven beginnt. Immerhin findet Regisseur HANK BRAXTAN im letzten Drittel die Zicken-Notbremse und entschädigt mit handwerklich souverän inszeniertem und schwarzhumorigem Splatter-Quatsch. Am Ende stellt sich die Frage, warum es von Melt-Horror eigentlich nicht mehr Streifen ähnlicher Machart gibt. In Zeiten immer wieder gleicher Rache, Folter- und Slasher-Gurken bietet so ein Schmelz-Schocker endlich mal nötige Abwechslung.
 
 
 


 
 
 

CHEMICAL PEEL – Zensur

 
 
 
In CHEMICAL PEEL geht es recht deftig zu. Ein unfreiwilliger Kopfschuss, blutiger Husten und zermatschte Köpfe. Alles recht explizit und zeigefreudig. Wir gehen von einer ungeschnittenen „keine Jugendfreigabe“ aus.
 
 
 


 
 
 

CHEMICAL PEEL – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Septic Man (2013)
 
Thanatomorphose (2012)
 
Street Trash (1987)
 
Slime City (1988)
 
Body Melt (1993)