Filmreview: „Rigor Mortis – Leichenstarre“ (2013)

rigor-mortis-2013
 
 
 

RIGOR MORTIS – LEICHENSTARRE

Story

 
 
 
Chin Siu-Ho (ganz Cinema Verité gespielt von, ja genau, Chin Siu-Ho) war mal Schauspieler. Jetzt hat er gar nüscht mehr. Familie ist ihm weggelaufen, Konto leer und die Rollen bleiben selbstverständlich auch aus. Also mietet sich der völlig gebrochene in eine Parzelle eines verarmten Wohnbunkers ein und bereitet schon mal den Strick vor. Leider gelingt ihm nicht mal die letzte Hängepartie so richtig und der greise Hausmeister Yau pflückt den fast verendeten Chin vom selbsgebauten Galgen. Dieser Yau war, als man an so etwas Unvernünftiges und Unzeitgemäßes noch glaubte, Vampirjäger buddhistisch/taoistischer Schule. Damit der Selbstmordkandidat mal auf andere Gedanken kommt, tragen ihm Yau und sein Assistent schließlich auf, sich um eine Mutter mit Kind, die auch im Appartementkomplex lebt, zu kümmern. Chin lernt einiges über die Geschichte des Gebäudes und der Menschen. So hat ein paar Türen weiter die verwitwete Schneiderin Mui einen fiesen Schwarzmagier mit der Wiederbelebung ihres Mannes betreut.
 
 
 


 
 
 

RIGOR MORTIS – Kritik

 
 
 
Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger war Hongkong so etwas wie der esoterikschwangere, Grenzen der Logik und des guten Geschmacks geflissentlich ignorierende Hinterwäldler-Cousin des westlichen Horrorfilms. Als in den USA machetenschwingende Muttersöhne ganze Zeltlager entvölkerten und in Kontinentaleuropa pizzagesichtige Zombies auf rotem Latex herumkauten, sprangen in den Horrorkrachern aus der damaligen britischen Kronkolonie vor Chinas Küste fusselbärtige Zauberer ihre Opfer an und kotzten auch mal verhexte Spinnentiere und Eidechsen aus (zum Beispiel BLACK MAGIC, 1975, oder der super-durchgedrehte THE BOXER’S OMEN, 1983). Vampire interessierten sich nicht für Holzpfähle oder (im Lande mit dem höchsten Knoblauchexport der Welt) stinkige Knollen, nein die waren meist blind, hopsten vorwärts, konnten nur mit klebrigem Reis zur Raison gebracht werden und reagierten fatal auf magische Schriftrollen (MR.VAMPIRE und Fortsetzungen, 1985ff.).
 
Irgendwann schämte man sich dann, in Indien ist das übrigens ähnlich, für die simple Unterhaltung, die Horror den vermeintlich noch simpleren Gemütern bietet und spezialisierte sich auf eine landeseigene Gattung blutiger und pedantisch durchchoreographierter Polizeiactionfilme, wie sie von späteren Hollywood-Regisseuren wie John Woo oder Ringo Lam durchexerziert wurden. Jetzt, Horror ist bei aller Albernheit ein monetär sicheres Pferd, sieht man in fernen Osten auch das Übernatürliche wieder lieber. Freilich ohne sich allzu sehr im überdrehten Knallchargieren alter Tage zu üben. Im Gegenteil, RIGOR MORTIS macht durchaus Zugeständnisse an die digital nachgefilterte Düsternis zeitgenössischen Mainstream-Horrors. Der Film schafft den Spagat, sich lokaler Genretraditionen zu bedienen und trotzdem die Moderne zu atmen. Faszinierend. Regiedebütant Juno Mak stand beim Verfassen des finalen Drehbuchs (ursprünglich war RIGOR MORTIS’ Script nur Zeitvertreib während anderer Dreharbeiten) mit Takashi Shimizu einer der Retter des japanischen Horrorkinos zur Seite. Ob der Mann hinter dem Ju-On-Franchise Mak nur dramaturgisch oder auch beim Produktionsdesign zur Seite stand, ist nicht bekannt. Sollte dem nicht so gewesen sein, haben wir hier einen Filmemacher am Start, von dem wir, mit seiner glasklaren Vorstellung von Atmosphäre und Optik, gepaart mit einer bewundernswerten Kenntnis seiner landestypischen Horror-Geschichte, noch einiges erwarten dürfen.
 
 
 


 
 
 

RIGOR MORTIS – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Finstere Neo-Horror-Großtat oder Hommage an vergessene Zeiten asiatischer B-Film-Kunst? RIGOR MORTIS ist beides und dürfte Fans der Moderne den gleichen Spaß machen wie ganz abgehangenen Hasen.
 
 
 


 
 
 

RIGOR MORTIS – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von RIGOR MORTIS – LEICHENSTARRE ist vollkommen ungeschnitten. Die Heimkinoversion wurde von der FSK für Volljährige freigegeben und besitzt den roten KEINE JUGENDFREIGABE-Flatschen.
 
 
 


 
 
 

RIGOR MORTIS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
Rigor-Mortis-Blu-ray

(c) Ascot Elite

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Jiang Shi; Hong Kong 2013

Genre: Action, Drama, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Kantonesisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 101 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover – Erstauflage zusätzlich im Schuber

Extras: Making of, Artworkgalerie, Deutscher Trailer, Originaltrailer, Trailershow, Erstauflage im Schuber

Release-Termin: 15.04.2014

 
 
 

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RIGOR MORTIS – Trailer

 
 
 


 
 

Christian Ladewig

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
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Dead Mine (2013)
 
Interview mit einem Vampir (1994)
 

Filmreview: „The House at the End of Time“ (2013)

The House at the End of Time
 
 
 

THE HOUSE AT THE END OF TIME

Story

 
 
 
Eine Familie erlebt in ihrem Haus den ultimativen Terror. Die Kinder verschwinden auf unerklärliche Weise, der Vater kommt unter ominösen Umständen ums Leben und Hausfrau Dulce (Ruddy Rodríguez) wird für das Chaos zur Verantwortung gezogen. Sie sucht nach Antworten und findet heraus, dass ein gut gehütetes Geheimnis um das vermeintlich sichere Heim rankt …
 
 
 


 
 
 

THE HOUSE AT THE END OF TIME – Kritik

 
 
 
Es gruselt wieder. Diesmal jedoch auf venezolanisch und das auch noch zum allerersten Mal in der Geschichte des Landes. LA CASA DEL FIN DE LOS TIEMPOS heißt das grandiose Stück Gänsehaut aus Venezuela und ist der beste Beweis dafür, dass guter Horror schon längst nicht mehr nur aus der Traumfabrik kommt. In der internationalen Horrorszene brodelt es und das gewaltig. Da kochen unerfahrene aber höchst ambitionierte Filmregisseure mit allerlei experimentellen Zutaten extravagante Süppchen, so dass nicht selten der Gaumen des Horrorfans Samba tanzt, wenn er Horrorstreifen aus fernen Ländern zu sehen bekommt. Hat man dann erst einmal Gefallen am Unkonventionellen gefunden, fällt es schwer den ewig gleichen Gewohnheitsfraß aus Hollywood zu goutieren, schließlich wird dort meist bevorzugt Altbekanntes immer nur neu und anspruchslos aufgewärmt. Nachwuchsregisseur ALEJANDRO HIDALGO macht all das richtig, was man eigentlich als Neuer in der Filmwelt beachten sollte. Der weiß nämlich, dass Horror dafür da ist, um Angst einzujagen. Zudem hat er eine wirklich gute Geschichte zu Papier gebracht, an der sich Gurkenzüchter wie M.NIGHT SHYAMALAN (THE VILLAGE, AFTER EARTH) ein Beispiel nehmen sollten. Letzterer hat ja ein goldenes Händchen dafür qualvoll-dumme Mystery-Thriller zu drehen, die den Zuschauer mit abstrusen und nahezu peinlich-beschämenden Überraschungsplots quälen. Hätte der einst talentierte Regisseur Leute wie ALEJANDRO HIDALGO an der Hand gehabt, SHYAMALAN müsste sich heute nicht für seine ach so strunz-doofen Machwerke schämen.
 
LA CASA DEL FIN DE LOS TIEMPOS orientiert sich in seiner Machart an die Anfangsgrusler des berüchtigten SHYAMALAN, der im Jahr 1999 mit seinem THE SIXTH SENSE einen Filmhit landete und quasi den wendungsreichen Horrorfilm mit Überraschungsmoment zurück in die Kinosäle holte. Ähnlich überraschend geht es auch in THE HOUSE AT THE END OF TIME zu. Der Film beginnt wie einer dieser typischen Geisterfilme und versucht den Zuschauer mit plötzlich schließenden Türen, schemenhaften Gestalten und merkwürdigen Geräuschen zu erschrecken. Was aber anfänglich austauschbaren Spukhorror vermuten lässt, entpuppt sich am Ende als wahrlich klug ersponnener und clever verschachtelter Mystery-Horror, der mit Geistern rein gar nix am Hut hat, sondern eher in der Zeitschleifenproblematik verschachtelt ist.
 
Im Mittelpunkt von THE HOUSE AT THE END OF TIME steht eine kleine Familie, die vor fünf Jahren eine alte Villa bezogen hat. Günstig war das Haus gewesen, drum wurde es schnell erworben. Jetzt muss die Rechnung für den niedrigen Kaufpreis gezahlt werden. Eines Nachts passieren seltsame Dinge. Die Kinder müssen mal wieder hungrig ins Bett, weil Vater Juan José (GONZALO CUBERO) partout keine Arbeit findet, um die leeren Mägen füllen zu können. Es kommt zum Streit zwischen den Eltern und das Familienoberhaupt verlässt wutentbrannt das Schlafzimmer. Was folgt lässt sich nicht erklären: Seltsame Schatten huschen durch die Gänge, die Kinder verschwinden unter mysteriösen Umständen, der Vater wird erdolcht im Schlafzimmer vorgefunden und Mutter Dulce (RUDDY RODRíGUEZ) wird für die unerklärlichen Vorkommnisse zur Verantwortung gezogen. Als sie nach 30 Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen wird, kehrt sie ergraut und gebrechlich an den Ort der Geschehnisse zurück. Noch immer herrscht hier eine Aura grausigen Unbehagens und mysteriöse Erscheinungen ängstigen die traumatisierte Dulce zu Tode. Die ältere Dame wird schon bald von der schicksalsreichen Vergangenheit eingeholt, fasst jedoch allen Mut zusammen und beginnt die Geheimnisse des geschichtsträchtigen Gebäudes zu entschlüsseln. Bei ihren Untersuchungen stößt sie auf ein Mysterium, für das sie keine plausiblen Erklärungen findet kann.
 
Welchen Mehrwehr so eine sorgfältig und gut durchdachte Geschichte doch haben kann. THE HOUSE AT THE END OF TIME ist einer jener Filme, die auch ohne großes Blutvergießen auskommen und fast gänzlich auf Effekthascherei verzichten. Hier wird mit minimalistischen Mitteln maximales Grauen verursacht. Sei es die morbid-farblose Kulisse, die oft an spanisches Horrorkino erinnert und düstere Gruselwerke wie JULIA’S EYES (2010) oder THE DEVIL’S BACKBONE (2001) ins Gedächtnis zurückkehren lassen. Oder die detailreich durchdachte Story, die den Zuschauer häppchenweise mit Informationen versorgt, aber nie zuviel verrät. Echte Spannung zeichnet sich hier ab, die sich konsequent durch den gesamten Film zieht. ALEJANDRO HIDALGO jongliert mit Rückblenden, schließlich sind viele Antworten der rätselhaften Story in der Vergangenheit zu suchen. Demnach bewegt sich die kleine Geschichte lückenhaft zwischen den Zeitebenen. Wir erfahren, was sich einst zugetragen hat und welch seelische Qualen Mutter Dulce nach der Haftentlassung erleiden muss. Am Ende wird eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart geschlagen bei der das Haus eine wichtige Schlüsselfunktion einnimmt. Aus anfänglichen Plot- und Logiklöchern ergibt sich ein plausibles Ganzes, wobei man Macher ALEJANDRO HIDALGO für das wirklich intelligente Drehbuch loben muss, das er da selbst verfasst hat.
 
Was wäre, wenn wir die Zeit beeinflussen könnten. Eine Frage, die sich vermutlich ein jeder schon einmal gestellt haben dürfte. THE HOUSE AT THE END OF TIME ist Indie-Horror, der sich die Frage zueigen macht und sie auf ganz eigene Weise versucht zu interpretieren. Für seinen ersten Gruselhit könnte Regie-Debütant ALEJANDRO HIDALGO die international erfolgreiche RUDDY RODRíGUEZ gewinnen, die nicht nur gern gesehene Kino, TV- und Theaterschauspielerin ist, sondern auch als gefragtes Model in den 80ern Karriere machte. Für THE HOUSE AT THE END OF TIME läuft sie noch einmal auf Hochform auf, lässt sich vom Make-up-Team um Jahrzehnte älter schminken und nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise voller Überraschungen. ALEJANDRO HIDALGOS Erstling ist willkommen abwechslungsreicher Horror mit einem Schuss Mystery, der zwar auf falsche Fährten lockt, den Zuschauer aber nie an der Nase herumführt. Wenn das Rätsel am Ende gelüftet wird und der Abspann über die Mattscheibe flimmert, dürfte sich der ein oder andere Filmfreund einen Wolf freuen, weil er soeben einen außergewöhnlich guten Film gesehen hat, von dem er dringend seinen Freunden erzählen muss. Wir haben uns schon lange nicht mehr so „unheimlich“ gut unterhalten gefühlt. Von daher gibt’s vom FILMCHECKER das Prädikat: Geheimtipp!
 
 
 


 
 
 

THE HOUSE AT THE END OF TIME – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Regie-Neuling ALEJANDRO HIDALGO wirft Klischees über Bord und bringt angenehm schauriges Horrorfutter in die Heimkinos bei dem sich der Horror vornehmlich im Kopf des Zuschauers abgespielt. Sein Debüt ist einer der besten Gruselstreifen der letzten Jahre von denen es in der Vergangenheit dank Found Footage und PARANORMAL ACTIVITY einfach viel zu viele gegeben hat. Der erste, in Venezuela produzierte Horrorfilm beeindruckt mit subtiler Schauerstimmung, morbider Atmosphäre und bedrückenden Bildern. Die erinnern in ihrer farblosen Tristesse ziemlich oft an viele spanische Horrorwerke jüngeren Datums, die ja bekanntlich weniger durch Gewalt- und Blutexzesse, als vielmehr durch unheimliche Momente und düstere Bildkompositionen aufgefallen sind. THE HOUSE AT THE END OF TIME überzeugt mit einem penibel ausgearbeiteten Drehbuch, überraschenden Wendungungen und konsequentem Spannungsbogen. Das FILMCHECKER-Team war angetan und meint: Wer THE HOUSE AT THE END OF TIME verpasst ist selber schuld!
 
 
 


 
 
 

THE HOUSE AT THE END OF TIME – Zensur

 
 
 
LA CASA DEL FIN DE LOS TIEMPOS oder THE HOUSE AT THE END OF TIME (so wie er in unseren Gefilden genannt wird) ist ein subtiler Gruselfilm, der eher durch unheimliche Stimmung und permanente Spannung unterhalten möchte. Hier gibt es nur ein Messer im Rücken zu sehen – das war’s auch schon an Gewaltmomenten. THE HOUSE AT THE END OF TIME ist mit dem blauen 16er-Stempel durch die FSK kommen.
 
 
 


 
 
 

THE HOUSE AT THE END OF TIME – Deutsche Blu-ray

 
 
 
The House at the End of Time Blu-ray

(c) Universum Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: La casa del fin de los tiempos; Venezuela 2013

Genre: Horror, Mystery, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Spanisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 1.78:1 – @24 Hz (1080p)

Laufzeit: ca. 101 Min.

FSK: FSK 16

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Keine

Release-Termin: 20.02.2015

 

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THE HOUSE AT THE END OF TIME – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
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The Sixth Sense (1999)
 
The Devil’s Backbone (2001)
 
Darkness (2002)
 
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