Filmreview: „All Cheerleaders Die“ (2013)

ALL-CHEERLEADERS-DIE-2013
 
 
 

ALL CHEERLEADERS DIE

Story

 
 
 
Eine Gruppe Cheerleader steigt aus ihrem nassen Grab, um sich als blutgierige Zombies an ihren Mördern zu rächen …
 
 
 


 
 
 

ALL CHEERLEADERS DIE – Kritik

 
 
 
Remakes von Horrorfilmen sind im Genre mittlerweile nichts Ungewöhnliches mehr. Leider versucht sich Hollywood vermehrt darin den ganz großen Klassikern der Horrorwelt eine Frischzellenkur zu verpassen, was bei Fans jedoch meist auf Unverständnis stößt. Bei denen läuten bereits Wochen vor Drehbeginn die Alarmglocken, setzen doch eingefleischte Filmliebhaber das überflüssige Neuverfilmen ihrer beliebten Klassiker mit einem Sakrileg gleich. So ganz unbegründet ist deren Recyclingboykott verständlicherweise nicht, schließlich wurden in letzter Zeit Filme durch die Wiederverwertungs-Maschinerie gejagt, welche Jahrzehnte nach ihrem Entstehen beim Zuschauer immer noch maximales Grauen bewirken und nicht zwingend eine Neuverfilmung benötigt hätten. Gerissenen Produzenten Hollywoods ist die Skepsis der Zuschauer jedoch egal, denn so lange sich damit schnell Geld verdienen lässt werden auch weiterhin bekannte Titel der Horrorwelt lieblos und kommerzorientiert in die Lichtspielhäuser gebracht.
 
ALL CHEERLEADERS DIE ist auch ein Streifen, der in die Rubrik „Horror-Remake“ einzuordnen ist. Doch bevor ein lautes Stöhnen die Runde machen wird, können wir Entwarnung geben, denn ALL CHEERLEADERS DIE ist einer jener Filme von dem niemand vermutet hätte, dass es ihn schon einmal gegeben hat. Horror-Maestro LUCKY MCKEE steckt hinter dem Reboot und hat weit vor Genre-Hits wie MAY – SCHNEIDERIN DES TODES (2002) und THE WOMAN (2011) mit dem No-Budget-Trash ALL CHEERLEADERS DIE versucht mehr oder weniger erfolgreich Fuß im Filmbusiness zu fassen. Zwölf Jahre nach Entstehung des Originals kommt der Horrorspaß noch einmal in die Wohnzimmer, natürlich mit mehr Budget, besseren Schauspielern und professionellen Effekten. Alles beginnt wie in jedem amerikanischen Highschool-Filmchen, wo Schüler als erstes nach Stereotypen gruppiert werden. Während Außenseiter und Eigenbrödler vergebens nach Aufmerksamkeit streben und versuchen Zuflucht in ihrer eigenen kleinen Welt zu finden, gibt es auch in ALL CHEERLEADERS DIE natürlich die selbstverliebten und coolen Kids der Schule, mit denen nicht immer gut Kirschen essen ist. Regisseur LUCKY MCKEE persifliert für sein Horror-Remake ganz luftig-locker sämtlich Highschool-Klischees auf überspitzt-zynische Weise und hat sichtlich Spaß daran, seine Figuren auch mal selbstironisch durch den Kakao zu ziehen. So gefällt, wie er die Objektivierung der Frau im Horrorfilm mit fast schon satirischem Unterton an den Pranger stellt. Schließlich wird das weibliche Geschlecht im Genre meist primär als Sexobjekt dargestellt, dem es des Öfteren an Intelligenz mangelt.
 
Der gar nicht mal so üble Mix aus BUFFY, GIRLS UNITED und CHARMED erzählt die Geschichte von Hobby-Hexe und Wahrsagerin Leena (SIANOA SMIT-MCPHEE), die mit argwöhnischen Augen die Entwicklung von Ex-Freundin Maddy (CAITLIN STASEY) beobachtet. Die schöne Brünette ist seit einiger Zeit darum bestrebt in der Cheerleader-Clique aufgenommen zu werden, um die dreisten Machenschaften von Football-Spieler Terry (TOM WILLIAMSON) aufdecken zu können. Der Mannschaftskapitän des schuleigenen Football-Teams gehört zwar zu den beliebtesten Schülern an der Highschool, wechselt aber Frauen wie Unterwäsche. Nachdem es Maddy gelungen ist die Cheerleader-Clique gegen das Football-Team aufzuhetzen, endet der Streit im Chaos: Das Auto der Mädchen kommt von der Straße ab und landet in den Fluten einen reißenden Flusses. Weil der abgebrühte Terry jedoch Angst vor den Konsequenzen hat flüchtet er lieber mit seinen Team-Kollegen und überlässt die Cheerleader ihrem Schicksal. Gott sei Dank ist Außenseiterin und Hexe Leena vor Ort. Sie beschwört die geheimnisvolle Macht ihrer magischen Steine und bewirkt, dass die Cheerleader mit einem unstillbaren Blutdurst von den Toten auferstehen. Dass die sonst so zickigen Schülerinnen mit ihrem frühzeitigen Ableben so rein gar nicht einverstanden sind, dürfte auf der Hand liegen. Kaum auf dem Schulhof zurückgekehrt heißt das neue Unterrichtsfach „Rache“.
 
Man nehme einfach von allem etwas. Mit dieser Einstellung hat LUCKY MCKEE genau jene Rezeptur gefunden, die das Horror-Genre auch bitter benötigt hat, denn mittlerweile hat sich der Horrorfilm zu einem langweiligen Tummelplatz der immer wieder gleichen Filmthemen entwickelt. ALL CHEERLEADERS DIE bedient sich unterschiedlicher Sub-Genre. So werden Elemente aus Slasher, Rache, Vampir- und Zombiefilmen zu etwas völlig Neuem zusammengewürfelt; ein kleiner Spritzer Selbstironie wird zur Quintessenz des wilden Genre-Cocktails. MCKEE, der zuvor eher ernste Filme über Frauen gedreht hat, die von ihren männlichen Filmkollegen missbraucht oder ungerecht behandelt wurden, wandelt mit ALL CHEELEADER DIE auf ungewöhnlich komödiantischen Pfaden, ohne jedoch zu sehr ins Alberne abzudriften. Anders als in seinen bisherigen Streifen, lässt er seine Heldinnen auch schon mal ungeniert furzen oder über sich selbst witzeln, findet aber stets den Absprung vor allzu platten Fäkal-Schweinereien. ALL CHEERLEADERS DIE macht alles richtig. Ein nahezu konstant ansteigender Grusel- und Gewaltfaktor hält sich mit erheiternder Komik die Waage und macht MCKEES Remake zu einem ganz besonderen Filmerlebnis, dass scheinbar sogar in Serie gehen soll. Der gut durchdachte Teenie-Horror endet mit einem vielversprechenden Cliffhanger und lässt auf herrlich absurde Splatter-Unterhaltung hoffen. Wenn es nach FILMCHECKER geht, darf die gern so schnell wie möglich in Produktion gehen, schließlich sind wir der Meinung: ALL CHEERLEADERS DIE gehört zweifelsohne zu den Genre-Überraschungen des Jahres.
 
 
 


 
 
 

ALL CHEERLEADERS DIE – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
LUCKY MCKEES Neuverfilmung seines Erstlings ALL CHEERLEADERS DIE sollte jeder Horrorfan gesehen haben. Der Streifen ist schräg, unterhaltsam, blutig, sexy, packend, bissig, durchdacht, raffiniert, selbstironisch, wild, clever – kurz: Einfach vollkommen anders. Ein Horror-Must-See! Noch Fragen?
 
 
 


 
 
 

ALL CHEERLEADERS DIE – Zensur

 
 
 
Eigentlich beginnt ALL CHEERLEADERS DIE so ziemlich harmlos. Kurz vor Ende wendet sich jedoch das Blatt und die Kids sterben wie die Fliegen. Einige Todesszenen sind dann doch recht grafisch, so dass die KEINE JUGENDFREIGABE-Kennzeichnung Liebhaber der etwas härteren Filmgattung freuen dürfte.
 
 
 


 
 
 

ALL CHEERLEADERS DIE – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Scream – Schrei! (1996)
 
Scary Movie (2000)
 
Der Hexenclub (1996)
 
Der Pakt – The Covenant (2006)
 
Buffy – Im Bann der Dämönen (1997 – 1993)
 
Charmed – Zauberhafte Hexen (1998 – 2006)
 
100 Bloody Acres (2012)
 

Filmreview: „Rigor Mortis – Leichenstarre“ (2013)

rigor-mortis-2013
 
 
 

RIGOR MORTIS – LEICHENSTARRE

Story

 
 
 
Chin Siu-Ho (ganz Cinema Verité gespielt von, ja genau, Chin Siu-Ho) war mal Schauspieler. Jetzt hat er gar nüscht mehr. Familie ist ihm weggelaufen, Konto leer und die Rollen bleiben selbstverständlich auch aus. Also mietet sich der völlig gebrochene in eine Parzelle eines verarmten Wohnbunkers ein und bereitet schon mal den Strick vor. Leider gelingt ihm nicht mal die letzte Hängepartie so richtig und der greise Hausmeister Yau pflückt den fast verendeten Chin vom selbsgebauten Galgen. Dieser Yau war, als man an so etwas Unvernünftiges und Unzeitgemäßes noch glaubte, Vampirjäger buddhistisch/taoistischer Schule. Damit der Selbstmordkandidat mal auf andere Gedanken kommt, tragen ihm Yau und sein Assistent schließlich auf, sich um eine Mutter mit Kind, die auch im Appartementkomplex lebt, zu kümmern. Chin lernt einiges über die Geschichte des Gebäudes und der Menschen. So hat ein paar Türen weiter die verwitwete Schneiderin Mui einen fiesen Schwarzmagier mit der Wiederbelebung ihres Mannes betreut.
 
 
 


 
 
 

RIGOR MORTIS – Kritik

 
 
 
Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger war Hongkong so etwas wie der esoterikschwangere, Grenzen der Logik und des guten Geschmacks geflissentlich ignorierende Hinterwäldler-Cousin des westlichen Horrorfilms. Als in den USA machetenschwingende Muttersöhne ganze Zeltlager entvölkerten und in Kontinentaleuropa pizzagesichtige Zombies auf rotem Latex herumkauten, sprangen in den Horrorkrachern aus der damaligen britischen Kronkolonie vor Chinas Küste fusselbärtige Zauberer ihre Opfer an und kotzten auch mal verhexte Spinnentiere und Eidechsen aus (zum Beispiel BLACK MAGIC, 1975, oder der super-durchgedrehte THE BOXER’S OMEN, 1983). Vampire interessierten sich nicht für Holzpfähle oder (im Lande mit dem höchsten Knoblauchexport der Welt) stinkige Knollen, nein die waren meist blind, hopsten vorwärts, konnten nur mit klebrigem Reis zur Raison gebracht werden und reagierten fatal auf magische Schriftrollen (MR.VAMPIRE und Fortsetzungen, 1985ff.).
 
Irgendwann schämte man sich dann, in Indien ist das übrigens ähnlich, für die simple Unterhaltung, die Horror den vermeintlich noch simpleren Gemütern bietet und spezialisierte sich auf eine landeseigene Gattung blutiger und pedantisch durchchoreographierter Polizeiactionfilme, wie sie von späteren Hollywood-Regisseuren wie John Woo oder Ringo Lam durchexerziert wurden. Jetzt, Horror ist bei aller Albernheit ein monetär sicheres Pferd, sieht man in fernen Osten auch das Übernatürliche wieder lieber. Freilich ohne sich allzu sehr im überdrehten Knallchargieren alter Tage zu üben. Im Gegenteil, RIGOR MORTIS macht durchaus Zugeständnisse an die digital nachgefilterte Düsternis zeitgenössischen Mainstream-Horrors. Der Film schafft den Spagat, sich lokaler Genretraditionen zu bedienen und trotzdem die Moderne zu atmen. Faszinierend. Regiedebütant Juno Mak stand beim Verfassen des finalen Drehbuchs (ursprünglich war RIGOR MORTIS’ Script nur Zeitvertreib während anderer Dreharbeiten) mit Takashi Shimizu einer der Retter des japanischen Horrorkinos zur Seite. Ob der Mann hinter dem Ju-On-Franchise Mak nur dramaturgisch oder auch beim Produktionsdesign zur Seite stand, ist nicht bekannt. Sollte dem nicht so gewesen sein, haben wir hier einen Filmemacher am Start, von dem wir, mit seiner glasklaren Vorstellung von Atmosphäre und Optik, gepaart mit einer bewundernswerten Kenntnis seiner landestypischen Horror-Geschichte, noch einiges erwarten dürfen.
 
 
 


 
 
 

RIGOR MORTIS – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Finstere Neo-Horror-Großtat oder Hommage an vergessene Zeiten asiatischer B-Film-Kunst? RIGOR MORTIS ist beides und dürfte Fans der Moderne den gleichen Spaß machen wie ganz abgehangenen Hasen.
 
 
 


 
 
 

RIGOR MORTIS – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von RIGOR MORTIS – LEICHENSTARRE ist vollkommen ungeschnitten. Die Heimkinoversion wurde von der FSK für Volljährige freigegeben und besitzt den roten KEINE JUGENDFREIGABE-Flatschen.
 
 
 


 
 
 

RIGOR MORTIS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
Rigor-Mortis-Blu-ray

(c) Ascot Elite

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Jiang Shi; Hong Kong 2013

Genre: Action, Drama, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Kantonesisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 101 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover – Erstauflage zusätzlich im Schuber

Extras: Making of, Artworkgalerie, Deutscher Trailer, Originaltrailer, Trailershow, Erstauflage im Schuber

Release-Termin: 15.04.2014

 
 
 

Rigor Mortis – Leichenstarre [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

RIGOR MORTIS – Trailer

 
 
 


 
 

Christian Ladewig

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Kiss of the Damned (2012)
 
Dead Mine (2013)
 
Interview mit einem Vampir (1994)
 

Filmreview: „Afflicted“ (2013)

Afflicted-2013
 
 
 

AFFLICTED

Story

 
 
 
Derek reist mit seinem Freund Cliff um die Welt und entdeckt nach einem Schäferstündchen mit einer geheimnisvollen Frau, dass sein Körper übernatürliche Kräfte entwickelt. Die anfänglich faszinierenden Fähigkeiten werden jedoch schnell zum Albtraum als es Derek plötzlich nach Menschenblut dürstet …
 
 
 


 
 
 

AFFLICTED – Kritik

 
 
 
Willkommen in der vielfältigen Found-Footage-Welt, wo fast jedes Horrorfilmthema in irgendeiner Weise lukrativ wiederverwertet wird, um maximales Kapital rausschlagen zu können. Die Produktionskosten sind gering und die Bandbreite an unterschiedlichen Horrorstoffen umfangreich, so dass geistloser Wackelcam-Nachschub auch in den kommenden Jahren garantiert sein dürfte. Zwischen all den lieblos heruntergekurbelten Gruselstreifen dieser Art, scheint es dennoch immer mal wieder kleinen Horror-Perlen zu geben, die es tatsächlich schaffen dem allmählich nervenden Subgenre etwas Gutes abzugewinnen. Die zweiteilige Wackel-Anthologie V/H/S hat das mit Bravour bewiesen und auch die kürzlich besprochenen Schocker THE DEN (2013) und WER (2013) zeigen eindrucksvoll, dass man auch aus Filmen mit Shaky-Cam-Methodik packende Horrorunterhaltung zaubern kann. Nun gesellt sich zu den besseren Werken dieser Art der von DEREK LEE und CLIF PROWSE inszenierte Kracher AFFLICTED, der auf einschlägigen Filmfestival durchweg positiv aufgenommen wurde und knapp dreieinhalb Jahre Arbeit verschlungen hat. Für ihr Debüt haben es sich die beiden Nachwuchsregisseure nicht nehmen lassen auch gleich die Hauptrolle im Horrorhit zu übernehmen. Erste Erfahrungen als Schauspieler konnten die Freunde (die bereits seit dem 15. Lebensjahr zusammen Filme machen) bereits in ihren ersten Kurzfilmen sammeln, wo sie nicht nur hinter der Kamera standen, sondern auch davor agierten. Eigentlich entstand die Idee zu AFFLICTED aus der Not heraus. Die beiden ambitionierten Neulinge schrieben an einem Action-Thriller, von dem sie wussten, dass sie dafür unmöglich einen Geldgeber finden würden. Mit dem Ziel vor Augen endlich einen eigenen Langfilm zu drehen, zogen sich die beiden Filmliebhaber in ihr Kämmerlein zurück und steckten die Köpfe zusammen. Nach einigen Drehbuchversionen entstand die Idee zur kostengünstigen Fake-Doku AFFLICTED, die nicht nur das unbeliebte Subgenre neu erfinden, sondern erneut die Lust auf Wackelkamerafilme wecken sollte.
 
Der übernatürliche Dokumentarfilm handelt vom erfolgreichen Software-Entwickler Cliff Prowse (CLIFF PROWSE), der mit seinem langjährigen Freund Derek Lee (DEREK LEE) beschließt, um die ganzen Welt zu reisen. Der aufregende Trip soll auf Video festgehalten werden, schließlich führt Cliff einen erfolgreichen Blog, der von Internetnutzern auf dem gesamten Globus gelesen wird. Die anfängliche Freude bekommt jedoch einen unerhofften Dämpfer, als der ahnungslose Derek erfährt, dass in seinem Hirn ein Aneurysma heranwächst und die Heilungschancen alles andere als rosig ausschauen. Trotzdem wollen sich die Freunde die aufregende Sause nicht entgehen lassen. Eine der ersten Stationen ist Paris, wo Derek nach einem Schäferstündchen mit einer mysteriösen Schönheit von seinem besten Kumpel niedergeschlagen im Hotelzimmer vorgefunden wird. Der Schreck sitzt tief, hindert die Freunde aber nicht daran, weiter die Welt zu erkunden. Nach anfänglichen Krankheitssymptomen beginnt Derek eine eigenartige Transformation zu durchleben. Sonnenlicht lässt binnen weniger Minuten die Haut verbrennen und Bärenkräfte sorgen für Erstaunen. Leider hat die unerwartete Verwandlung zum Superhelden auch Nebenwirkungen, denn Derek dürstet es nach menschlichem Blut. Bekommt er den Lebenssaft nicht innerhalb weniger Tage zu trinken, mutiert er zum unberechenbaren Killervampir, der sich bald nicht mehr unter Kontrolle hat und im Rausch den besten Kumpel tötet. Doch welche Ursachen hat die Mutation. Fragen, auf die Derek schon bald eine Antwort findet.
 
Die Idee Found-Footage mit Superhelden-Klischees zu verbinden ist nicht neu. Bereits 2012 hat Hollywood mit CHRONICLE – WOZU BIST DU FÄHIG Ähnliches ausprobiert und einen durchaus sehenswerten Mysterythriller in die Kinos gebracht, der vor allem durch verblüffend einfallsreiche Spezialeffekte überzeugen konnte. AFFLICTED ist aus ähnlichem Holz geschnitzt und kann quasi als Horror-Antwort zum Überraschungs-Hit von JOSH TRANK gesehen werden. DEREK LEE und CLIF PROWSE punkten mit fesselnden First-Person-Sequenzen, die vor allem in der zweiten Filmhälfte kaum Zeit zum Verschnaufen lassen. Während sich der erste Teil der Handlung auf die zunächst faszinierenden Fähigkeiten konzentriert und die Freunde beim Erkunden der Superkräfte begleitet, entwickelt sich AFFLICTED ab Filmmitte zur schweißtreibenden Hetzjagd durch Straßengassen und Wohnkomplexe, weil Derek mit seinem unkontrolliertem Blutdurst die Aufmerksamkeit der Sicherheitskräfte auf sich zieht. Die verfolgen den ohnehin gebeutelten Protagonisten auf Schritt und Tritt, wobei der Zuschauer die Ereignisse aus der Egoperspektive beiwohnen darf und sich während Dereks Flucht nicht selten in einer Spielfilmversion des Konsolen-Games MIRRORS EDGE wähnt. Es wird von Hauswand zu Hauswand gehangelt, aus schwindelerregenden Höhen gesprungen und durch finstere Gänge geflitzt; der Actionanteil ist nicht zu verachten und fesselt vermehrt durch Hochspannung statt literweise Kunstblut. Natürlich kommen auch hungrige Gorehounds auf ihre Kosten, auch wenn AFFLICTED sich eher dezent zurückhält mit der Zurschaustellung splattriger Raffinessen. Nach anfänglicher Freude über die neuen Fähigkeiten, folgt die Ernüchterung. Weil Derek im Jagdmodus Best Buddy Cliff zerfetzt hat, sieht er keinen anderen Ausweg, als sich selbst das Leben zu nehmen. Um nicht weitere Unschuldigen zu töten, steckt er sich eine Schrotflinte in den Mund und drückt ab. Leider ist der Super-Vampir unkaputtbar, denn wenige Minuten später regeneriert sich die üble Kopfwunde von selbst.
 
Die Macher DEREK LEE und CLIF PROWSE haben mit AFFLICTED einen Hammer-Film gedreht, der Found-Footage-Gegner eines Besseren belehrt. Statt die ewig gleiche Wackel-Rezeptur unspektakulär zu kopieren, fesseln die beiden Filmneulinge durch rasant und schnörkellos inszeniert Horrorunterhaltung mit verblüffenden Spezialeffekten, die ganz schnell die vielen üblen Wackelkamerafilme vergessen lassen. Übrigens halten die beiden Regisseure weitestgehend Abstand von den obligatorischen Bildtotalausfällen und der langsam nervenden Kamerawackelei, die es dem Zuschauer oftmals erschweren der Handlung überhaupt folgen zu können. Statt die eingerostete Klischeeliste für Found-Footage-Machwerke abzuhaken, beweisen LEE und PROWSE Mut zur Originalität und verknüpfen die oftmals leidlich unterhaltsame Filmart erfinderisch mit dem langlebigeren Vampirgenre. Herausgekommen ist ein Film, den sich Horrorfilmfans unbedingt vormerken sollten, denn AFFLICTED rockt auf ganzer Linie.
 
 
 


 
 
 

AFFLICTED – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
AFFLICTED erfindet das Found-Footage-Genre neu und gehört mit Abstand zum Besten, was diese Filmart bisher hervorgebracht hat. Wer die Superhelden-Schlacht CHRONICLE – WOZU BIST DU FÄHIG gemocht hat, wird diesen Film lieben. Kein Wunder haben doch die Macher DEREK LEE und CLIF PROWSE nicht nur stumpf kopiert, sondern einen Horrorstreifen geschaffen, der durch erfinderische Kameraführung, bemerkenswerte Spezialeffekte und jede Menge Originalität überzeugt. AFFLICTED ist eine technisch beeindruckende und spannungsgeladene Horror-Hatz bei der man irgendwie gar nicht so recht glauben will, dass es sich hier um einen Low-Budget-Indie handelt für den nur wenig Budget zu Verfügung gestanden hat. Das allein dürfte jedoch schon ausreichen, dass man auf das gespannt sein darf, was die Nachwuchsregisseure demnächst in die Kinos bringen werden. Das FILMCHECKER-Team hätte nie gedacht, dass das ausgelutsche Found-Footage-Filmthema noch einmal einen so kreativen Schub erhalten würde. Von daher können wir AFFLICTED nur jedem Filmfan empfehlen, der einen guten und packenden Horrorschocker sehen mag.
 
 
 


 
 
 

AFFLICTED – Zensur

 
 
 
AFFLICTED hat in der ungeschnittenen deutschen Fassung den blauen FSK16-Flatschen erhalten. Sonderlich grausam ist der Streifen nicht, demnach darf er bereits von Jugendlichen gesehen werden.
 
 
 


 
 
 

AFFLICTED – Deutsche Blu-ray

 
 
 
afflicted-blu-ray

(c) Sony Pictures Home Entertainment

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Afflicted; USA 2013

Genre: Horror, Mystery, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1, Englisch (Hörfilmfassung) DD 5.1, Italienisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch, Italienisch, Finnisch, Dänisch, Norwegisch, Schwedisch, Englisch für Hörgeschädigte

Bild: 1.78:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 85 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: „Hinter den Kulissen“ von Afflicted, Anatomie einer Szene: Der Sprung aus dem Fenster, Entfallene Szenen

Release-Termin: 04.09.2014

 

Afflicted [Blu-ray] ungeschnitten bei AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

AFFLICTED – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Absence (2013)
 
Chronicle (2011)
 
Cloverfield (2008)
 
Europa Report (2013)
 
Apollo 18 (2011)
 

Filmreview: „Kiss of the Damned“ (2012)

Kiss-of-the-Damned-2013
 
 
 

KISS OF THE DAMNED

Story

 
 
 
Wenn Zwei sich lieben, ärgert das die Dritte. Djuna ist Blutsaugerin, verliebt sich in Paolo und macht ihn zum Vampir. Alles hätte so schön werden können, wäre da nicht Djunas kleine Schwester, die einfach nie auf das hören will, was die Große ihr sagt …
 
 
 


 
 
 

KISS OF THE DAMNED – Kritik

 
 
 
Das waren noch Zeiten, als Eurohorror die Kinos unsicher machte und sich vor allem Vampire aus Großbritannien, Frankreich oder Italien von den oftmals eher züchtigen amerikanischen Blutsaugern abzuheben verstanden. In den 60er und 70er Jahren verging kein Jahr ohne Vampirfilm, wobei europäische Regisseure wie JESS FRANCO und HARRY KÜMEL versuchten dem angestaubten Vampirthema durch Beigabe von Sex und Gewalt neues Leben einzuhauchen. Regie-Neuling XAN CASSAVETES hatte schon immer eine Vorliebe für europäische Filme. Besonders jedoch haben sie die Werke von BERNARDO BERTOLUCCI und JEAN ROLLIN geprägt. Letzterer hatte Ende der 60er den französischen Vampirfilm LE VIOL DU VAMPIRE gedreht und rasch den Ruf des Schmuddel-Vampirfilm-Machers weg, weil sich in seinen Streifen bevorzugt schöne Frauen textilfrei vor der Kamera räkelten. Nicht wesentlich anders geht es in CASSAVETES Erstling KISS OF THE DAMNED zu. Drehbuchautorin, Regisseurin und Tochter des legendären JOHN CASSAVETES (Darsteller in ROSEMARY’S BABY oder TEUFELSKREIS ALPHA) hat sich recht unverfroren bei Klassikern wie Jess Francos ENTFESSELTE BEGIERDE (1973) und Tony Scotts THE HUNGER (1983) bedient. Schenkt man diversen Interviews Glauben, gehört VAMPYROS LESBOS (1971) zu einem der absoluten Lieblinsfilme der Newcomerin, die nun mit fast 50 Lenzen ihren ersten eigenen Film gemacht hat, der sich mit einer Mischung aus Erotikfilm und Vampirmythos vor den Euro-Trashern der 70er verbeugen möchte. Wie in genannten Schmuddelfilmchen wird auch in KISS OF THE DAMNED die erotische Anziehungskraft der Frau in den Mittelpunkt gerückt, schließlich gibt es kein Genre innerhalb des Phantastischen Films, das so sehr prädestiniert ist, Erotik mit Grusel zu verbinden wie der Vampirfilm.
 
Djuna (JOSEPHINE DE LA BAUME) trifft die Liebe ihres Leben in einer Videothek. Beim Stöbern durch die Filmregale lernt sie den attraktiven Drehbuchautoren Paolo (MILO VENTIMIGLIA) kennen, der den Reizen der mysteriösen Schönheit nicht widerstehen kann. Die beiden landen wenig später in der Kiste, wo der liebeshungrige Schönling mit dem Geheimnis seines Betthäschens konfrontiert wird. Djuna ist eine Vampirin, die zurückgezogen in einer Villa auf dem Land lebt und sich vom Blut wilder Tiere ernähren muss. Im Liebesrausch beißt die begehrenswerten Djuna den adretten Fremden, der fortan als Vampir an ihrer Seite lebt. Das Liebesglück scheint nahezu perfekt, wäre da nicht Djunas Schwester Mimi (ROXANE MESQUIDA), die den Turteltauben gleich mal die Freunde am Verliebtsein vermiesen muss. Sie quartiert sich in der abgelegenen Villa ein und streift nachts durch die Straßen der Großstadt, um ihren Durst nach Menschenblut zu stillen. Anders als die große Schwester will sich die rebellische Mimi nicht den Dogmen der Vampirgesellschaft unterwerfen, was Konflikte unter den Geschwistern schürt.
 
Satte Schwarz- und Blautöne treffen auf kräftiges Rot, das den weiblichen Blutsaugern vor allem gegen Ende ganz ungeniert aus den Mündern tropft. KISS OF THE DAMNED schaut wirklich über jeden Zweifel erhaben aus und schafft es, einen gewissen, künstlerischen Anspruch zurück ins Genre zu bringen. Der Zuschauer folgt langsamen Kamerafahrten und akkurat ausgeleuchtete Bildern, die von abwechslungsreichen Klängen begleitet werden. Mal lauscht der Zuschauer klassischen Tönen, die das romantische Schauern auf anspruchsvolle Weise unterstreichen; in einer anderen Szene sind es hämmernde Elektroklänge, die Erotik und Eleganz trefflich miteinander zu verknüpfen wissen. Optisch wird in KISS OF THE DAMNED einiges geboten, was nicht ausschließlich allein an den schönen Damen im Film liegen mag, die des Öfteren zur Freude des männlichen Horrorfans die Hüllen fallen lassen. KISS OF THE DAMNED ist definitiv ein Traum für die Sinne, was im Digitalzeitalter schon eine kleine Seltenheit darstellt, haben doch die Mehrzahl der letzten Horrorstreifen vornehmlich durch billigen Videolook, schlechte Effekte und geistlose Dramaturgie geglänzt. Regisseurin XAN CASSAVETES macht den Vampir-Klassikern alle Ehre und schafft es, zumindest atmosphärisch an die alten Kultschinken anzuknüpfen, vergisst jedoch bei soviel Liebe zum Old School, der Geschichte angemessene Aufmerksamkeit zu schenken. Die ist im Falle von KISS OF THE DAMNED schon etwas sehr dünn und arg trivial gestrickt, denn bis auf reichhaltig gekünstelt wirkender Erotik und einem vorhersehbaren Konflikt zwischen den Schwestern untereinander findet in dieser charmant gemeinten Blutsauger-Hommage kaum etwas Nennenswertes statt. Selbst die für das Filmthema obligatorischen Beißattacken sind überschaubar und werden ziemlich zurückhaltend eingesetzt. Zieht man ähnliche Vertreter aus letzter Zeit zum Vergleich heran, macht KISS OF THE DAMNED mit seinem nahezu kaum vorhandenen Härtegrad eine mehr als bescheidene Figur. Unterm Strich bleibt ein wirklich schön eingefangener Film, der visuell und akustisch vielen aktuellen Horrorfilmen weit voraus ist. Sieht man jedoch von der kunstvollen Umsetzung ab, bleibt nicht mehr viel übrig, was sich dem Zuschauer nennenswert ins Gedächtnis brennen dürfte. Daher sei KISS OF THE DAMNED nur den Filmfans empfohlen, die für rund 90 Minuten in Erinnerungen schwelgen möchten und sich auf eine Zeitreise begeben wollen zu einer Dekade, in der man in Vampirstreifen mehr Haut als Horror zu sehen bekam.
 
 
 


 
 
 

KISS OF THE DAMNED – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Eine optisch beeindruckende Verbeugung vor den ganz Großen erotischen Vampirstreifen der 60er und 70er Jahre. KISS OF THE DAMNED schaut einfach fabelhaft aus, was vor allem deshalb überrascht, weil es sich hier um ein Regiedebüt handelt. Leider kann im Falle von KISS OF THE DAMNED selbst die schönste Optik nicht vom mageren Inhalt ablenken. Regisseurin XAN CASSAVETES hat nicht nur den Film gedreht, sondern auch gleich das Drehbuch verfasst. Leider wurde die Geschichte über Liebe und Intrigen geradezu künstlich auf Spielfilmlänge aufgebläht und erinnert nicht selten an schlimmstes Seifenoper-TV der Privatsender. Ärgerlich, dass hier nicht mit mehr Sorgsam an der Handlung gefeilt wurde, denn hätte CASSAVETES weniger Zeit an der Optik und dafür mehr in die Story investiert, hätte aus KISS OF THE DAMNED ein absoluter Kultkandidat werden können. So bleibt das Debüt weit hinter den Erwartungen zurück und beschert dem Zuschauer gerade einmal 90 prickelnde Minuten mit zwei durchaus schmucken Schönheiten, die ab und an nackt durch die Kamera huschen dürfen – mehr aber auch nicht.
 
 
 


 
 
 

KISS OF THE DAMNED – Zensur

 
 
 
Brutal ist KISS OF THE DAMNED keineswegs. Am Ende werden ganz zaghaft einige Unwissende ausgesaugt. Ansonsten gibt es die üblichen Bisswunden zu sehen. In Deutschland wird der Streifen ungeschnitten mit FSK16 veröffentlicht.
 
 
 


 
 
 

KISS OF THE DAMNED – Deutsche Blu-ray

 
 
 
KISS OF THE DAMNED-Blu-ray

(c) Capelight Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Kiss of the Damned; USA 2012

Genre: Drama, Horror, Liebesfilme

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 95 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Audiokommentar von Autorin und Regisseurin Alexandra Cassavetes, Interviews mit Schauspielerin Joséphine de La Baume und Roxane Mesquida und dem Schauspieler Milo Ventimiglia, Kinotrailer

Release-Termin: 25.04.2014

 
 
 

Kiss of the Damned [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

KISS OF THE DAMNED – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Vampyros Lesbos (1971)
 
Circus der Vampire (1972)
 
Draculas Hexenjagd (1972)
 
Bram Stoker’s Dracula (1992)
 

Review: „The Penny Dreadful Picture Show“ (2013)

THE PENNY DREADFUL PICTURE SHOW 2013
 
 
 

THE PENNY DREADFUL PICTURE SHOW

Story

 
 
 
Penny Dreadful (Eliza Swenson) sucht die große Liebe. Sie lädt sich einige Auserwählte in ihr Heim und zeigt ihnen gruselige Filme, in der Hoffnung deren Herz für sich gewinnen zu können …
 
 
 


 
 
 

THE PENNY DREADFUL PICTURE SHOW – Kritik

 
 
 
Wirft man den Namen ELVIRA in die Horror-Runde, dürfte vor allem das ältere Semester einiges zu erzählen haben. Schauspielerin CASSANDRA PETERSON hat nämlich Anfang der 80er eine beliebte Figur im amerikanischen TV verkörpert, die unter dem Namen ELVIRA zur Kultikone des modernen Horrorfilms avancierte. In schwarze Kleidung gehüllt und mit praller Oberweite, dunklem Make-up und schwarzer Perücke ausgestattet, präsentierte sie in der TV-Show MOVIE MACABRE (1981 – 1993) schmuddelig gedrehte B-Movies fernab vom glattgebügelten Mainstream. Auf ähnlicher Schiene fährt auch folgende Kurzgeschichtensammlung, die unter dem Titel THE PENNY DREADFUL PICTURE SHOW um die Gunst der Anthologie-Freunde buhlt. Filmmacher NICK EVERHART, LEIGH SCOTT und ELIZA SWENSON haben mit Titelheldin PENNY DREADFUL ihre ganz eigene Version der schwarzhumorigen Filmansagerin ELVIRA geschaffen, die mit fast schon kindlicher Naivität günstig gedrehte Horror-Shorts anmoderiert und auch mal zum Mordinstrument greift, wenn einer ihrer Verehrer sie beim Schauen jener Streifen stört, die da gerade über die Kinoleinwand flimmern. Leider wurmt es in PENNYS erstem Leinwandauftritt gewaltig, denn die drei kleinen von ihr ausgewählten Episoden sind von eher bescheidener Natur. Das dürfte vermutlich auch der Grund gewesen sein, warum der Film erst jetzt zu einer Veröffentlichung gekommen ist. THE PENNY DREADFUL PICTURE SHOW wurde nämlich bereits vor über einem Jahr fertiggestellt und wartete seither vergebens auf einen regulären Release. Im Zuge des US-Serienstarts der Horror-TV-Reihe PENNY DREADFUL (die natürlich nichts mit der vorliegenden Anthologie am Hut hat) war es nur taktisch klug den Release voranzutreiben, schließlich lässt sich bei fast identisch klingender Titelkreation so manch nicht bewanderter Horrorfan hinters Licht führen.
 
PENNY DREADFUL (halb Frankensteins Monster, halb Puppe) lebt in ihrer eigenen Welt. Zusammen mit ihren Freunden Ned und Wolfboy haust sie in einem heruntergekommenen Kino und schaut sie bevorzugt grausige Filme auf der großen Leinwand an. Auf der Suche nach der wahren Liebe erster Kuss lädt sich die kitsch-liebende Frankensteinbraut zwei nette Burschen ins Heim und führt ihnen ihre Lieblingsfilme vor:
 
 
SLASH IN THE BOX
 
Ein Pärchen macht in knappen drei Minuten recht unangenehme Erfahrungen mit einer scheinbar harmlosen Spieluhr. Wir sehen schlechte CGI-Effekte, etwas Blut und eine Geschichte, die im Grunde genommen gar keine ist. Welche Botschaft NICK EVERHART (Regie für eine der Segmente in CHILLING VISIONS: 5 SENSES OF FEAR) mit seiner dreiminütigen Episode an den Zuschauer bringen wollte, wird vermutlich nur er selbst wissen.
 
 
MORNING AFTER
 
Hier handelt es sich um eine Hommage an die berüchtigten Vampirfilme der 60er und 70er Jahre, die sich dank der legendären Hammer Studios auch heute noch großer Beliebtheit erfreuen. In dieser Geschichte verfällt eine junge Dame den Reizen eines lesbischen Vampirs und wird gebissen. Die Handlung des von ELIZA SWENSON (eigentlich Schauspielerin und jetzt Regieneuling) inszenierten Beitrags läuft nach Schema F ab und besitzt nicht einmal annähernd den „Biss“, den eigentlich jene Streifen besitzen sollten, die sich mit der Vampir-Problematik auseinandersetzen.
 
 
THE SLAUGHTER HOUSE
 
Wurde von LEIGH SCOTT (Macher von viel Trash-Mist) inszeniert und verbeugt sich vor einem der wichtigsten Horrorfilme der 70er: TEXAS CHAINSAW MASSACRE. In dieser Episode wird einfach mal der Spieß umgedreht und drogengeile Stadtkids terrorisieren eine zurückgebliebene Hinterwäldlerfamilie. Die Kurzgeschichte hat gute Ansätze, einen schaurig-dreckigen Look und leider unglaublich miserable Gewalteffekte, die aus dem Computer kommen. Zudem will man irgendwie nicht verstehen, was JEFFREY COMBS dazu geritten haben muss, sich knapp dreißig Minuten aufzuführen als habe er einen an der Klatsche.
 
 
THE SCOUT
 
Die Gechichte wurde von NICK EVERHART gedreht, hat es leider nicht in den fertigen Film geschafft. Dennoch schwirrt die Episode aber seit geraumer Zeit im Netz umher und wurde auch auf den bisherigen Heimkinoveröffentlichungen als Bonus beigefügt. Das vollständige Segment kann hier gesehen werden.
 
 
Episoden-Horror ist seit dem Erfolg von THE ABC’S OF DEATH (2013) und natürlich der V/H/S-Teile gern gedrehter Stoff, um die Aufmerksamkeit der Horrorfans gewinnen zu können. Leider gibt’s da immer wieder sehr durchwachsenes Zeug zu sehen, das eher langweilt als unterhält. THE PENNY DREADFUL PICTURE SHOW zählt hierbei leider zu den weniger gelungenen Streifen innerhalb des Horror-Genres, denn in diesem Fall lenkt die nette Verpackung mal wieder vom eher trögen Inhalt ab. Die titelgebende PENNY präsentiert hier in eigensinnig schwarzhumoriger Weise drei unwichtige Horrorepisoden, die sich in ihrer Machart an der berüchtigten GESCHICHTEN AUS DER GRUFT-Serie orientieren. Der Horrorfan darf sich auf durchaus makabre Pointen freuen, die aber aufgrund geistloser Höhepunkte irgendwie rein gar nicht zünden wollen. Hier haben die Macher an der falschen Stelle gespart, denn was nützt eine Horror-Anthologie, wenn es den knappen Geschichten an Kreativität, Raffinesse und Spannung mangelt. In THE PENNY DREADFUL PICTURE SHOW ist die Gastgeberin der heimliche Star des Films, denn die hätte Potenzial gehabt in Serie zu geben. Dort wäre das schrullige Filmmonster vermutlich auch besser aufgehoben gewesen, entpuppt sich doch PENNYS Horroreinstand als zwanghaft zusammengekleistertes Horrorwerk, dem es eindeutig an Herzblut fehlt. Die Idee der PENNY DREADFUL mag auf Papier gestanden haben, konnte aber vermutlich allein nicht einen kompletten Spielfilm tragen. Drum wurden hastig drei uninspirierte Kurzgeschichten dazugekritzelt, damit man das holprige Machwerk als abendfüllenden Horrorfilm in den Handel bringen konnte. Immerhin gibt’s trotz schlechtem „Füllstoff“ auch einige Lichtblicke zu verzeichnen. Bei der Ausstattung des Filmsets hat sich das Regie-Trio um ELIZA SWENSON (die übrigens die PENNY spielt) beim Regie-Maestro TIM BURTON bedient. Der ist ja bekannt dafür optisch opulente Meisterwerke zu kreieren, die sich durch einen unverkennbaren Look auszeichnen. Ein ähnlich eigensinniges Bühnenbild besitzt auch die Rahmenhandlung in der PENNY DREADFUL PICTURE SHOW, das mit dezentem Gothic-Look glänzt und an Streifen aus der BURTON-Kreativschmiede erinnert. Weiterhin erfreut ein Wiedersehen mit SID HEIGH (HAUS DER 1000 LEICHEN) und Horror-Ikone JEFFREY COMB (WOULD YOU RATHER). Letzterer spielt hier die Rolle seines Lebens: Einen behinderten und stark kurzsichtigen Rollstuhlfahrer, der während der gesamten letzten Episode damit beschäftigt ist auf Krampf unrechnungsfähig zu sein und eine Puppe zu schütteln. Trotz einiger Starauftritte ist THE PENNY DREADFUL PICTURE SHOW nicht der Kracher, den man bei derart Cameos vermutlich erwartet hätte. Es ist bedauerlich, dass man hier nicht mehr Liebe zum Detail betrieben und sich etwas mehr Zeit für das Schreiben der einzelnen Kurzgeschichten genommen hat. Die gehören zum einfallslosestem, was das Genre zuletzt hervorgebracht hat und hinterlassen im Falle von THE PENNY DREADFUL PICTURE SHOW einen mehr als enttäuschenden Nachgeschmack. Vielleicht wird ja bei einer möglichen Fortsetzung alles anders und es steht mehr Kapital zur Verfügung. Denn fehlende Kohle ist hier mal wieder der Grund für mangelnde Qualität.
 
 
 


 
 
 

THE PENNY DREADFUL PICTURE SHOW – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Und es hätte alles so schön werden können: THE PENNY DREADFUL PICTURE SHOW hat wirklich gute Ansätze und einen charmanten Titelcharakter. Leider sind die Episoden in dieser Anthologie trotz Staraufgebot sehr durchwachsen. Sieht man einmal von der sehr gelungenen Rahmenhandlung ab, zeichnen sich die einzelnen Geschichten durch Ideenlosigkeit und unverschämt miserable Gore-Effekte aus, die unverständlicherweise mal wieder aus dem Computer kommen müssen. Immerhin macht das Zählen der Zitate Laune. In letzter Zeit scheint es im Horrorfilm nämlich zum guten Ton zu gehören, sich vor den ganz Großen des Genres zu verbeugen. THE PENNY DREADFUL PICTURE SHOW macht da keine Ausnahme, auch wenn der Streifen qualitativ Welten von jenen Filmen entfernt ist, die er zaghaft und unbeholfen zitiert. Auch wenn die drei Macher der Sammlung ganz viel Potenzial verschenkt haben; hier kommen Fans der kultigen GESCHICHTEN AUS DER GRUFT-Reihe auf ihre Kosten. Episoden-Moderatorin PENNY DREADFUL ist zwar nicht einmal annähernd so bissig wie der zynische Cryptkeeper aus der TV-Serie, macht aber optisch einiges her und hat manch flotten Spruch auf den Lippen. So sollte man die Erwartungen vor Sichtung herunterschrauben. Denn wer hier einen Film in der Machart von V/H/S oder THE ABC’S OF DEATH erwartet wird ganz schnell enttäuscht werden.
 
 
 


 
 
 

THE PENNY DREADFUL PICTURE SHOW – Zensur

 
 
 
THE PENNY DREADFUL PICTURE SHOW ist nicht sonderlich hart. Die Effekte kommen aus dem Computer und wurden teilweise schon sehr schlecht und billig in Szene gesetzt. Es gibt einen Kopfschuss in Zeitlupe, Kehlenschnitte und Durchpfählungen zu sehen. Das wirkt aufgrund der miesen Umsetzung nicht sonderlich grausam, dürfte aber für eine ungeschnittene KJ-Freigabe reichen.
 
 
 


 
 
 

THE PENNY DREADFUL PICTURE SHOW – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The ABC’s of Death (2012)
 
Scary or Die (2012)
 
The Theatre Bizarre (2011)
 
Chillerama (2011)
 
V/H/S (2012)
 
V/H/S 2 (2013)
 
Geschichten aus der Gruft (Serie)
 
Creepshow (1982)

Filmreview: „Bela Kiss: Prologue“ (2013)

Bela-Kiss-Prologue
 
 
 

BELA KISS: PROLOGUE

Story

 
 
 
Fünf Jugendliche geraten nach einem Bankraub ins Visier des sagenumwobenen Serienkillers Béla Kiss, der zu Beginn des letzten Jahrhunderts mehrere Frauen ermordet hat, aber nie gefasst wurde. Bisher blieb sein Verbleib ungeklärt, doch aus irgendeinem Grund weilt er auch über 100 Jahre später immer noch unter den Lebenden …
 
 
 


 
 
 

BELA KISS: PROLOGUE – Kritik

 
 
 
Wenn Horror aus Deutschland auf dem Programm steht, bekommen viele Filmfans das kalte Grausen. Verwunderlich ist das natürlich nicht, gehört doch das Horrorgenre in der Bundesrepublik zu einer bedrohten Filmspezies und findet, wenn überhaupt, nur im Amateursektor (ITTENBACH, WALZ und Co. lassen grüßen) Erwähnung. Dennoch werden neben anstrengenden Arthouse-Gurken und schmalzigen Tragikomödien auch ab und an ungeförderte Schauerwerke produziert, die dann still und leise in die Videotheken wandern, damit das Kinopublikum nicht merkt, wie desaströs angestaubt und zwanghaft sozialkritisch der deutsche Film ist. Dass das aber auch anders geht, haben einige wenige nationale Produktionen bewiesen. Filme, wie ANATOMIE und ZIMMER 205 – TRAUST DU DICH REIN (wir berichteten) haben sich von den biederen Konventionen des deutschen Spielfilms verabschiedet und sich stattdessen ein Beispiel am internationalen Treiben genommen. So kam es, dass im Jahr 2010 der vom ZDF mitfinanzierte RAMMBOCK nicht nur ausreichend Lob und Preise abstauben konnte; Deutschlands Antwort auf die beliebte Zombieproblematik wurde sogar gewinnbringend ins Ausland verkauft und dort mit natürlich weitaus reißerischem Namen in den Handel gebracht. Auch BELA KISS: PROLOGUE ist einer jener ambitionierten Streifen, der vermutlich im Ausland mehr Aufmerksamkeit erhaschen wird, als es im eigenen Land der Fall sein dürfte. Hierzulande wurde das Debütwerk bisher etwas sehr stiefmütterlich behandelt, erhielt aber Anfang 2013 immerhin einen limitierten Leinwandausflug. Mitbekommen haben das vermutlich nur die wenigsten Horrorfans, so dass jetzt ein Jahr später die Heimkinofassung ins Haus steht, damit sich Liebhaber des grausigen Meuchelns von der beachtlichen Qualität dieses Schauermärchens überzeugen können. Hinter dem Gruselausflug steckt das Team von MIRROR MAZE, bestehend aus den vier ehemaligen Filmstudenten LUCIEN FÖRSTNER, SYLVIA GÜNTHER, STEVEN WEBER und ERIC KAZAK. Die hatten die Idee aus der Biografie des berüchtigten Serienmörders BELA KISS ein Diplomprojekt zu machen. Viel Geld war nicht vorhanden und eine Förderung nicht möglich, da die Macher zum Zeitpunkt des Projektstarts noch Studenten waren, was eine Filmförderung ausschließt. So wurde viel improvisiert und hauptsächlich selbst finanziert, was dem fertigen Streifen aber zu keinem Zeitpunkt anzusehen ist.
 
BELA KISS: PROLOGUE handelt vom mysteriösen Treiben des geheimnisumrankten ungarischen Serienmörders Béla Kiss, der um die Zeit des Ersten Weltkriegs mindestens 23 jungen Frauen ermordet und deren Leichen (darunter auch seine Frau) in großen Metallbehältern auf seinem Grundstück gebunkert haben soll. Gefasst wurde er nie und dass, obwohl er im Verlauf seines Lebens an verschieden Plätzen rund um den Globus gesichtet wurde. In BELA KISS: PROLOGUE wird der Mythos des geisteskranken Mörders fiktiv weitergesponnen und aus dem berüchtigten Irren ein blutgeiler Schlächter gemacht, der sich durch den Lebenssaft seiner Opfer am Leben erhält. Seine treusorgende Sippschaft führt im 21. Jahrhundert irgendwo in einem Wald nahe Budapest (wo auch sonst) ein verstecktes Stundenhotel. Dorthin flüchten ein paar Kleinkriminelle, die nach einem Bankraub einen sicheren Unterschlupf für sich suchen. Fast angekommen, vermiest ihnen ein besorgter Jäger die Freude am schnellen Geld. Der wird jedoch kurzerhand in die ewigen Jagdgründe befördert, und die Stimmung der Gruppe ist im Keller. Kaum im Hotel eingecheckt, geht der Streit erst richtig los. Die Freunde beginnen, einander zu misstrauen und Konflikte werden geschürt. Da verschwindet plötzlich einer nach dem anderen auf mysteriöse Weise und wird im Keller seines Lebenssaftes beraubt.
 
Wie bereits der Titel erahnen lässt, möchten die Macher des Films, dass deren neu kreiertes Franchise in Serie gehen soll. Ob das jedoch gelingen wird, bleibt abzuwarten, wünschenswert wäre es zumindest, gab es nach ANATOMIE (2000) und ANATOMIE 2 (2003) keine deutsche Horror-Reihe mehr im Kino zu sehen, die Lust auf mehr gemacht hätte. Den Anfang macht aber nun erst einmal BELA KISS: PROLOGUE, der für ein günstig gedrehtes Debütstück erstaunlich hochwertig anzuschauen ist und sich offensichtlich an den Regeln des amerikanischen Hochglanz-Horrorkinos orientiert. Für den Fan deutscher Filme eine etwas gewöhnungsbedürftige Angelegenheit, schaut BELA KISS: PROLOGUE nicht im Geringsten nach dem aus, was dem Gebührenzahler sonst so im Öffentlich Rechtlichen TV angedreht wird. Der Zuschauer erlebt verspielte Kamerafahrten, die fast schon künstlerisch um die Protagonisten schweben und ein detailverliebtes Ausstattung, bei der man stets spürt, dass hier enorm Herzblut investiert wurde (das Team hat bereits ein Jahr vor Drehbeginn Möbel aus Haushaltsauflösungen gesammelt, um Geld zu sparen). Zudem erfreut eine permanent unheimliche Atmosphäre, die anfänglich nicht so wirklich ahnen lässt, worauf der Film nun eigentlich hinauslaufen soll. Natürlich steht die titelgebende Hauptfigur im Mittelpunkt, die am Ende nach Haus zurückkehrt, um ihr krankes Hobby fortführen zu können: hübschen Frauen aufzulauern, um sie anschließend kaltblütig zu töten. Ungewöhnlicherweise fällt BELA KISS: PROLOGUE nicht mit der Tür ins Haus, denn der Antagonist findet hier nur in kurzen Rückblenden Erwähnung, in denen noch einmal die Etappen seines bisherigen Daseins beleuchtet werden. Der Film selbst konzentriert sich in erster Linie um KISS‘ Komplizen, die sich in einem Hotel niedergelassen haben und nun sehnsüchtig auf die Ankunft des „Meisters“ warten. Damit ihnen ohne dessen Anwesenheit nicht allzu langweilig wird, kommen ihnen einige neugierige Gäste gerade recht. Die stellen viele komische Fragen, spionieren auf dem Anwesen umher und finden sogar jene Metallbehälter, in denen KISS‘ seine ermordeten Opfer versteckt hält. Dass soviel unverfrorene Schnüffelei bestraft werden muss, merken die fünf Bankräuber recht schnell. Denn noch bevor die Freunde hinter das Geheimnis des gruseligen Hotels kommen, finden sie sich bereits im Keller wieder, wo sie kopfüber zum Ausbluten über Schüsseln aufgehangen werden. Auch wenn man sich bis dahin etwas sehr viel Zeit lässt, gefällt, wie rabiat es für deutsche Verhältnisse zur Sache geht. Das Team rund um LUCIEN FÖRSTNER hat die Hausaufgaben perfekt erledigt und BELA KISS: PROLOGUE entwickelt sich souverän zu einer blutigen Mixtur aus Vampirfilm, MICHAEL BAY’S TEXAS CHAINSAW MASSACRE (2003) und ELI ROTHS kontroversem HOSTEL (2005).
 
Ob BELA KISS: PROLOGUE fortgeführt wird, wird sich zeigen. Der Film wurde auf Englisch gedreht, was es erleichtert, den Streifen auch im Ausland zu verkaufen. Da kann man nur hoffen, dass man dort auf den Geschmack deutscher Blutwurst kommt und möglichst schnell ein Sequel gedreht wird. Bleibt die Produktion auf ähnlich technischem Niveau und hält an derartig schroffer Bildsprache fest, könnte deutscher Horror nach Frankreich und Spanien ebenso international Kasse machen.
 
 
 


 
 
 

BELA KISS: PROLOGUE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Lecker Blutwurst aus Deutschland. Ungewohnt blutig und rabiat geht es für deutsche Verhältnisse in BELA KISS: PROLOGUE zu. Wer Filme wie TEXAS CHAINSAW MASSACRE und HOSTEL mag, sollte definitiv einen Blick riskieren und die Scheibe kaufen, damit möglichst schnell eine Fortsetzung nachgeschoben wird.
 
 
 


 
 
 

BELA KISS: PROLOGUE – Zensur

 
 
 
BELA KISS: PROLOGUE ist auf Blu-ray und DVD ungeschnitten zu haben. Zu Beginn und am Ende kommt das Special Effect-Make up reichlich oft zum Einsatz und verfehlt seine Wirkung nicht. Daher hat es bei der FSK auch für eine KJ-Freigabe gereicht.
 
 
 


 
 
 

BELA KISS: PROLOGUE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
bela kiss prologue blu-ray
 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Bela Kiss: Prologue; Deutschland 2013

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 2.35:1 (1920x1080p)

Laufzeit: ca. 106 Min.

FSK: FSK 18 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: 2 Making Ofs, 2 Audiokommentare, B-Roll, Deleted Scenes, Special zur Deutschlandpremiere, Original 35mm-Aufnahmen, Bildergalerie, Storyboard-Vergleich, 2 Trailer

 
 
 
BELA KISS: PROLOGUE ist nun auf Blu-ray erschienen und glänzt mit einer prunkvollen Ausstattung und einem phänomenal hochwertigen Bild. Das kann für ein deutsches Indie-Projekt fast schon als Glanzstück betiteln werden, wenn man bedenkt, dass BELA KISS von unerfahrenen Filmstudenten umgesetzt wurde. Die Schärfe ist beachtlich und der Kontrast unglaublich satt. Hier lassen sich sogar Falten und Poren auf Händen und Gesichter erkennen; selbst die Tannennadeln der Bäume des Waldes lassen sich zählen, insofern man sich die Arbeit machen möchte. Leider gab es zu Beginn auch einen Bildfehler, der vermutlich so nicht gewollt gewesen ist. Während einer Flugszene über den Wald (00:13:15) werden die Bilder einige Sekunden lang verzehrt und unscharf dargestellt. Das verschandelt zwar die hübsche Naturaufnahme, ist aber zu verschmerzen. Auch beim Ton überzeugt der Streifen. Der Score ist kraftvoll und lässt die Boxen arbeiten, die Stimmen sind stets gut zu verstehen und eine dezent eingesetzte Geräuschkulisse bewirkt eine angenehme und stimmige Räumlichkeit. Wer sich nach dem Film noch über BELA KISS: PROLOGUE informieren möchte, kann in einer umfangreichen Auswahl an Bonusmaterial stöbern. Da es sich hier um einen deutschen Genrefilm handelt, sind demzufolge auch die meisten Extras in deutscher Sprache vorzufinden. Es gibt zwei Audiokommentare der Macher (in deutscher Sprache), ein Making of in Deutsch (14 Minuten, HD) und eins in Englisch (ca. 23 Minuten, HD, feste dt. Untertitel) sowie ein dreiminütiges Special zur Deutschlandpremiere des Streifens (in deutscher Sprache, HD). Weiter geht’s mit gelöschten Szenen, die es nicht in den fertigen Film geschafft haben (rund 8 Minuten, unbearbeitet Filmmaterial ohne Musik) und interessante Storyboard-Vergleiche (rund 8 Minuten) in denen man zwei Szenen parallel in Skizzen betrachten darf. Hinter dem Menüpunkt „B-Roll“ verstecken sich Filmaufnahmen vom Set, die von den Machern per Voice-over kommentiert werden (in deutscher Sprache, rund 15 Minuten). Außerdem haben es noch einige Original 35-mm-Aufnahmen auf die Scheibe geschafft, die das Leben von BELA KISS in Rückblenden schildern (rund 3 Minuten) sowie eine animierte Bildergalerie mit Fotos aus dem Film (rund 2 Minuten, mit Musik unterlegt). Der Trailer in deutscher und englischer Sprache darf natürlich nicht fehlen.
 
Die Blu-ray von BELA KISS: PROLOGUE ist ein Traum. Nicht nur das die Technik stimmt; ein derart dickes Bonuspaket hat man auf einer Horror-Blu-ray eines deutschen Horrorfilms vermutlich noch nie gesehen. Wir können diese Veröffentlichung nur empfehlen, denn hier stimmt das Preis/Leistungsverhältnis, auch wenn es leider keine deutsche Untertitlung für den Hauptfilm gibt.
 
 

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BELA KISS: PROLOGUE – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Michael Bay’s Texas Chainsaw Massacre (2003)
 
Texas Chainsaw Massacre: The Beginning (2006)

Wrong Turn 5 (2012)

Filmreview: „The Moth Diaries“ (2010)

 

Nach dem recht kontroversen Thriller „American Psycho“ aus dem Jahre 2000 wurde es verdächtig still um Regisseurin Mary Harron, die mit der Verfilmung des gleichnamigen Romans von Autor Bret Easton Ellis für gehörig Furore im Filmbusiness sorgte.

Doch statt sich dem, erwartendem Erfolg zu nutze zu machen und sich diversen weiteren interessanten Projekten zu widmen , übernahm die, nunmehr bereits 59jährige, Regie in einigen Folgen recht bekannter Serienformate.

Nun zehn Jahre nach ihrem letzten Kinoausflug möchte es Harrons wohlmöglich noch einmal wissen und realisierte die Filmadaption „The Moth Diaries“, eine weitere Romanverfilmung (Rachel Klein, „Die Sehnsucht der Falter“), die nun endlich den Weg in die amerikanischen Kinos geschafft hat.

Mit internationalen Lobpreisungen dürfte die Ausnahmeregisseurin diesmal nicht rechnen dürfen, richtet sich ihr aktuelles Werk an ein vorwiegend pubertäres und jüngeres „Twilight“- erprobtes Kinopublikum und setzt eher auf unspektakulären Mysterygrusel gepaart mit einigen Alltagsproblemchen vordergründig weiblicher Protagonisten.

 

 

Im Mittelpunkt der „Moth Diaries“ steht die junge Internatsschülerin Rebecca, die noch immer psychisch zu kämpfen hat, mit dem tragischen Selbstmord ihres geliebten Vaters.

Leidlich in das konservative englische Internatsleben eingelebt und sich einen vertrauten Freundeskreis aufgebaut, scheint ihr Leben erneut aus den Fugen zu geraten, als eine neue Schülerin der Mädchenklasse vorgestellt wird. Die mysteriös anmutende Außenseiterin erntet rasch Sympathie bei ihren neuen Klassenkameradinnen und gewinnt schnell die Gunst der übrigen Mädchen, ganz zum Leidwesen von Rebecca, denn die fühlt sich allmählich im Stich gelassen und findet kaum noch Beachtung bei ihren eigentlichen Freunden.

Nach einigen, recht seltsamen Vorkommnissen, steht für Rebecca definitiv fest, dass sich hinter der scheinbar freundlichen und liebenswerten Fassade der neuen Mitschülerin, das pure Böse versteckt muss.

 

 

Was sich hier auf den ersten Blick nach typischen 08/15-Teeniehorror liest, ist in der Umsetzung weniger Horror, als viel mehr Selbstfindungsdrama, dass mit einigen recht schicken, mystischen Elementen versehen wurde. Die Besetzung der neuen Schülerin ist mit „Lily Cole“, perfekt besetzt – die mysteriöse und stille Aura, die sich versprüht, lässt auf nichts Gutes schließen.

Mit ihrer kränklich wirkenden Gesichtsfarbe, den kleinen spitz-roten Lippen und den weit auseinanderstehenden, riesigen Augen ist sie für die Rolle der seltsamen Außenseiterin geradezu prädestiniert und verursacht bereits nach ihrem ersten Erscheinen ein merklich unangenehmes Gefühl beim Zuschauer.

Die Guten Ansätze der Geschichte verlieren sich leider dennoch bereits nach der Filmhälfte, zumal das Drehbuch mit vollkommen belanglos-hysterischen Mädchengebabbel zu kämpfen hat. Die wenigen stimmigen Momente kommen leider zu kurz, die Auflösung der Geschichte gestaltet sich zu unspektakulär und wirkt ein wenig altbacken.

Wohlmöglich hätte die Geschichte und der Film besser funktioniert, hätte Regisseurin Mary Harron die Vorkommnisse der Geschichte aus der Sicht der Außenseiterin Ernessa geschildert, denn dort liegt offensichtlich das Potenzial der Story und wohlmöglich wären die Vorkommnisse im Verlauf des Filmes plausibler erklärbar gewesen.

Da der Film sich vorwiegend an ein jüngeres Publikum richtet, dürfte sich selbiges schnell überfordert mit dem unterschwellig poetischen Kontext der Gegebenheiten fühlen und den Film, aufgrund des unzureichend erklärten Endes, als überflüssig abharken.

Unter dem Deckmantel eines seichten Vampirdramas werden in „The Moth Diaries“ typische Vampirthemen, wie die weibliche Sexualität und die Sehnsucht nach dem Tode fokussiert, gipfeln, und dass muss man dem Film zu Gute schreiben, weder in den typischen Stereotypen und Klischees eines traditionellen Vampirfilms, noch in genretypischen ausgewalzten Grausamkeiten.

Leider ist, dass alles nicht wirklich offensichtlich, sondern lässt nur spekulieren, zumindest dann, wenn man sich noch nicht mit der Filmvorlage „Die Sehnsucht der Falter“ beschäftigt hat.

 

The Moth Diaries“ ist ein kleines, ruhig erzähltes Vampir/Selbstfindungs-Drama, dass leider dennoch nicht vollends überzeugen kann. Statt genretypische Vampirstereotypen abzuhandeln, wird hier auf poetische Symbolkraft gesetzt, was zwar ganz erfischend anders wirkt, aber für unerfahrene Filmzuschauer nie wirklich offensichtlich ist. Otto-Normal-Filmfreund wird, ohne den Background und die Intension des Regisseurs/Buchautor zu kennen, vermutlich nach Filmende etwas fragend und ratlos den Kinosaal verlassen.

Eine plausiblere Grundaussage der Filmbotschaft, hätte diesen Genrebeitrag vermutlich über den Filmdurchschnitt gehoben. Daher nur:

 

 

 

5,5 / 10 Filmpunkte

 

Kleines, ruhig und poetisch erzähltes Vampirmär, dass mehr Drama ist, als Horror.

Männliches Genrefans dürfen sich vermutlich hier ausklinken – hier stehen vorwiegend „Frauenprobleme“ im Vordergrund. *g*

 

FSK-Prognose: ungeschnitten mit FSK16

 

 

Hellraiser80