Filmreview: „Prowl“ (2010)

 

 

 

 

 

 

 

Nachdem Amber ein wirklich verlockendes Wohnungsangebot in Chicago erhält bittet Amber ihre Freunde sie auf dem Weg in die Großstadt und zur Kautionsübergabe zu begleiten.

Leider meint das Glück es nicht wirklich gut mit der Clique, denn nach nur wenigen Kilometern haben die Freunde eine Autopanne. Glücklicherweise begegnen sie einem Truckfahrer, der sich schließlich überreden lässt, die Freunde im Laderraum mitzunehmen. Nachdem, die Freunde lauthals im Laderaum vergnügt saufen und feiern stellt Amber plötzlich fest, dass irgendwas mit dem Truck und seinem Fahrer nicht stimmt, denn jegliche Kommunikationsversuche mit dem Truckfahrer scheitern. Als man auch noch feststellt, dass der Truck völlig vom Weg abkommt und eine ganz andere Fahrtroute einschlägt, geraten die Freunde in Panik.

 

 

„8 Film to die for“ – heißt die Devise des alljährlichen „After Darf Filmfestes“, dass jedes Jahr 8 sehenswerte phantastische Filme zum Besten gibt.

Auch „Prowl“ gehörte 2011 unter den 8 Filmen des Filmfestes und wird nun Ende September auch in unseren Gefilden (zusammen mit den übrigen 7 Kandidaten) durch UNIVERSUM Film veröffentlicht.

Mich hat die aktuelle Regiearbeit vom „Manhunt Backwood Massacre“ – Regisseur dabei leider nur bedingt überzeugt.

Beginnt der Film recht stimmig und lässt den geübten Horrorfan, mit dem Einstieg der Freunde in den Laderaum des Trucks, auf einen knallharten Backwood Horrorfilm hoffen, so enttäuscht „Prowl“ in ganzer Linie.

Scheinbar wollte Regisseur Patrik Syversen eigene Wege gehen und dem ausgelutschten Backwood –Terror – Genre neue Impulse geben, indem er den Zuschauer auf eine falsche Fährten locken und mit einem völlig anderen Storyverlauf überraschen wollte. Naja, leider geht dieses Vorgehen gehörig nach hinten los. Statt einem bösen Redneck-Folter Horror kommt man in den Genuss eines dreisten „30 Days of Night“ – Klons.

Nach gerade mal schlappen 30 Minuten werden die Leben aller übrigen Protagonisten innerhalb von Sekunden „verschossen“ – nur Amber und eine ihrer Freundinnen dürfen die restliche Laufzeit über davonlaufen, springen, flennen, schreien, sich verstecken und doof aus der Wäsche schauen. Das ist zwar alles schön gefilmt und gut gewollt, ist aber derartig unspektakulär ausgefallen, dass ich mich zusammenreißen musste nicht vor der Glotze wegzupennen. Immer wieder hatte ich das Gefühl alles schon gefühlte 1000 mal gesehen zu haben. Das ist wirklich beachtlich schade, zumal Syversen sich gerade bei der Filmeinleitung so arg Mühe gegeben hat. Dabei hilft es ihm auch nicht, noch mal zum Ende hin (der recht mageren 75Min. Filmlaufzeit) ordentlich Gas zu geben und Amber etwas meucheln, schlitzen und splattern zu lassen (zumindest im FSK16-freudigen Rahmen).

Amber-Darstellerin macht ihre Sache erstaunlich solide und glaubwürdig und ist der einzige Lichtstrahl in diesem total halbgaren Film.

Auch die notdürftig zusammengeschusterte Erklärung nach dem Sinn des ganzen ist derart dumm und unlogisch, dass man es gesehen haben sollte, um es überhaupt zu glauben. Trotz bahnbrechender Erklärungsversuche erschlossen sich mir trotzdem zig weitere 100 Fragen, die der Film leider nicht beantwortet konnte.

Ich glaube demnächst sollte der Schuster wieder bei seinen Leisten bleiben, zumal sein Vorgängerfilm „Manhunt Backwood Massacre“ doch beachtlich gut ausgefallen ist. Wirklich sehr schade, zumal „Prowl“ wirklich sehr gute Ansätze besitzt, die aber nicht wirklich genutzt oder  ausgebaut werden.

 

 

Fazit 5,5/10 Punkte

 

 

Halbgarer Mix aus Backwood- und Vampirhorror. Hat man alles schon irgendwo besser gesehen.

Fastfood – Horror für Zwischendurch.

Hellraiser80

Filmreview: „Wir sind die Nacht“ (2010)

 

Deutschland ist nicht gerade für ausufernde filmische Horrorkost bekannt.

Klammert man mal den gesamten Ittenbach/Buttgereit Animateursektor aus, so bleiben kaum nennenswerte deutsche Genrefilme über, die lohnen würden überhaupt geschaut zu werden.

Einzig in den 90ern bekam der stiefmütterlich behandelte deutsche Horrorfilm zumindest kurzweilig Aufmerksamkeit geschenkt. Durch die aus Amerika recht populär anschwemmende „Teenie-Slasher-Welle“, welche durch „Scream –Schrei!“ ihren Beginn fand, wurde auch Deutschland in Sachen „Teenie-Horror“ recht kreativ und produktiv.

Filme wie „Anatomie“, „Anatomie 2“ und „Flashback – Mörderische Ferien“ liefen mehr oder weniger erfolgreich in den Kinos, wobei „Anatomie“ sogar auch international (erfolgreich) vermarktet wurde.

Nun, über 10 Jahre später, in „Vampir“ – trächtigen Zeiten („Twilight“, „True Blood“ und Co. lassen grüßen) schickt auch Deutschland einen neuen Genrefilm ins internationale Rennen.

Dabei ist mir völlig unklar warum es gerade mit „Wir sind die Nacht“ ein Vampirfilm sein musste, der das angestaubte Deutsche Horrorgenre reanimieren sollte. Vermutlich nutzte der Vertrieb CONSTANTIN Film die Gunst der Stunde um im Fahrwasser von „Twilight“ auch etwas vom weltweit ausgeschlachtetem Vampirfilm-Markt abzubekommen und ein paar „Euronen“ zu erhaschen.

Wo war Deutschland eigentlich in der sehr international erfolgreich ausgewalzten „Saw“, „Hostel“ und „Backwoodhorror“ – Ära?

 

Berlin heute. Vampire ziehen durch die Gassen. Immer getrieben von Blutdurst, Luxus, Liebe und Sex. Auf der Flucht vor der Polizei gerät die junge Kleinkriminelle Lena bei einem illegalen Rave an den weiblichen Vampir Louise, die sich auch gleich in die ärmliche und introvertierte Lena verliebt und sie beisst. Daraufhin verwandelt sich auch Lena in ein Geschöpf der Nacht und genießt ab sofort den Luxus und die Freiheit des Vampirdaseins. Zumindest bis sie sich in den Polizisten Tom verliebt, zum Leidwesen für Louise. 

 

Eins vorweg, für einen deutschen Film harmoniert „Wir sind die Nacht“ beachtlich homogen.

Von der Ausstattung, über die (sehr nahe und reale) Schauspielerische Leistung bis hin zu den sehr guten Spezialeffekten hat Regisseur Dennis Gansel einen würdigen und wahrlich recht ordentlichen Vampirthriller geschustert, der für deutsche Verhältnisse, was die Gore- und Gewaltschraube angeht, grafisch auch recht explizit und hart daherkommt und sich vor der internationalen Konkurrenz nicht verstecken braucht.

Zumindest hebt sich „Wir sind die Nacht“ sehr positiv von seinen großen Vorbildern, wie „Twilight“ und „Vampire Diaries“ ab und richtet sich eher an ein älteres Publikum.

Sehr ausdrucksstark und interessant: Gansels Sicht von Berlin.

Durch den gekonnten Einsatz von Farbfiltern wirkt die Hauptstadt sehr kühl und ungemütlich, was verstärkt, dass alles um die Protagonisten in den Hintergrund und die Charaktere mehr in den Vordergrund rücken.

Leider hat mir zumindest die arg aufdringliche homosexuelle Komponente des Filmes weniger gefallen. Die Tatsache, dass es weibliche Vampire gibt, die seit Jahrhunderten nach der „wirklichen und wahren Liebe“ (Hilfe, Kitsch) suchen und demnach auch gleich in der nächstbesten Außenseiterin (was für ein Zufall!) das Opfer ihrer Leidens sehen, empfand ich doch schon als sehr unglaubwürdig und aufgesetzt. Ebenso, dass alle weiblichen Vampire im Laufe ihres bisherigen Daseins die gesamte männlichen Vampirsippschaft „ausgerottet“ haben soll ist doch mehr als grotesk.

 

Fazit 6,5/10 Punkte

 

Recht ordentlicher und kurzweiliger Vampirthriller aus Deutschen Landen, der gerade „Twilight“ – Liebhaber der etwas härteren Gangart munden dürfte. Wer bisher generell nix mit Vampirfilmen anfangen konnte sollte auch um „Wir sind die Nacht“ einen großen Bogen machen. Auch in dieser Produktion gibt es Unmengen an Vampirhauern, blutenden Hälsen, Titten und Erotik zu begutachten. Aber: wer einen Splatter-Action-Knaller a lá „Blade 1-3“ erwartet dürfte vermutlich auch enttäuscht werden!

 

Hellraiser80