Filmreview: „Daddy’s Little Girl“ (2012)

Daddys-Little-Girl-2012
 
 
 

DADDY’S LITTLE GIRL

Story

 
 
 
Derek (Michael Thomson) und seine Ex-Frau Stacey haben keinen guten Draht zueinander. Seit der Scheidung gehen sich die beiden lieber aus dem Weg, als der gemeinsamen Tochter zuliebe das Kriegsbeil zu begraben. Immer wieder entbrennt Streit, weil sich das Fenster in Georgias Zimmer nicht schließen lässt. Mutter Stacy hat kein Geld für die Reparatur, weigert sich aber vehement Dereks Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ein großer Fehler, wie sich bald herausstellen wird. Denn die kleine Georgia wird aus ihrem Zimmer entführt und tot am unweit entfernten Strand gefunden. Weil die polizeilichen Ermittlungen auch sechs Monate nach dem Vorfall zu keinem Ergebnis führen, nimmt Vater Derek das Gesetz selbst in die Hand. Ihm gelingt es den Kindsmörder ausfindig zu machen und an ihm ein grausames Exempel zu statuieren.
 
 
 


 
 
 

DADDY’S LITTLE GIRL – Kritik

 
 
 
Es ist schon höchst fraglich, welch morbide Geschichten manch Scriptschreiber zu Papier bringen muss, um die schonungslose Darstellung widerwärtiger Folterszenen rechtfertigen zu können. In DADDY’S LITTLE GIRL ist es die Thematik des Kindesmissbrauchs, die als Grundlage dient damit der Horrorfan eine halbe Stunde am Stück das sehen darf, was in Filme wie der legendären HOSTEL-Reihe vor allem der Freiwilligen Selbstkontrolle (FSK) schlaflose Nächte bereitet hat. Die dürfte sich an diesem neusten Beitrag unmenschlichen Schlachthandwerks sichtlich die Zähne ausbeißen, rückt nämlich hier die eigentliche Problematik von der Trauerbewältigung nach einem Kindsmord ganz schnell im den Hintergrund, um Regisseur CHRIS SUN die Möglichkeit zu geben, möglichst viel selbstzweckhafte und detailfreudige Gewalt aneinanderzureihen. Leider verpufft mit dem ekelerregenden Foltergematsche auch die Ernsthaftigkeit der Geschehnisse, denn die zugrunde liegende Missbrauchs-Kontroverse wird spätestens mit dem elendig lang ausgewalzten Torturpart im Keim erstickt. Hier werden allerhand Abscheulichkeiten mittels zugegebenermaßen realistischen wirkenden F/X gezeigt, die von wirklich fingerfertigem Know How zeugen. Es werden Kniegelenke gebrochen, mit Stacheldraht im Beckenbereich des Opfers gehandwerkelt, Zähne herausgerissen und menschliches Fleisch verbrannt, nachdem es mit einem Cuttermesser bearbeitet wurde. Die Liste der dargestellten Grausamkeiten ist lang, wobei SUN mit fast schon detailgenauer Präzision damit beschäftigt ist zu zeigen, in welcher Art und Weise man an menschlichen Körpern sägen, hämmern und bohren kann.
 
DADDY’S LITTLE GIRL treibt das was man in Filmen wie 7 DAYS (2010) oder THE TORTURED – DAS GESETZ DER VERGELTUNG (in Deutschland übrigens um das „Gröbste“ erleichtert) gesehen hat auf die Spitze. Während man dort natürlich nicht minder zimperlich mit pädophilen Kindsmördern ins Gericht geht, dreht Macher CHRIS SUN noch etwas kräftiger an der Gewaltschraube, damit das foltergeile Horrorherz das zu sehen bekommt, was man halt nun einmal von neumodischen Horrorfilmen erwartet: Extremes Gekröse für die ganz Harten. Leider gerät die eigentliche Geschichte des Streifens bei soviel professionell umgesetzter Folterei vollkommen in Vergessenheit. Die wird nämlich zugunsten schaufreudiger Selbstjustiz ab Mitte rigoros aus dem Skript gestrichen, damit sich Vater Derek (MICHAEL THOMSON) vom anfänglich gesetzestreuen Schutzbefohlenen in einen selbsternannten Rächer verwandeln kann, der zuvor im Internet genau studiert hat, wie man bösen Menschen möglichst viel Leid antut. Leider ist die dargestellte Metamorphose nicht sonderlich nachhaltig oder glaubhaft, was man aber nicht Darsteller MICHAEL THOMSON in die Schuhe schieben kann. Der macht seine Sache nämlich ganz ordentlich und bereichert den kleinen Indie ungemein. Überhaupt sind die Darsteller für Low Budget Horror wie DADDY’S LITTLE GIRL durch die Bank weg gut gewählt. Da ärgert es schon ein wenig, dass die Kamera mal wieder nur auf nicht enden wollendes Gemetzel hält und sich Regisseur CHRIS SUN nicht tiefgründiger mit der eigentlichen Problematik beschäftigt hat.
 
 
 


 
 
 

DADDY’S LITTLE GIRL – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Unglaublich schmerzhafter Folterstreifen für nervenstarke Horrorfans. Leider ist es in DADDY’S LITTLE GIRL mal wieder so, dass eine äußerst ernste Thematik als Vorwand genutzt wird, damit möglichst viel Tortur gezeigt werden kann. Nachwuchsregisseur CHRIS SUN schlägt gleichen Weg ein, wie viele andere Horrormacher vor ihm. Er nutzt Extremgewalt als Mittel zum Selbstzweck um sich im Genre einen Namen zu erkämpfen. Da wird Mord und Totschlag mit kontroverser Kindsmissbrauchsthematik vermischt, damit auch ja viele Horrorfans hellhörig werden und sich das unnötige Folterwerk ins heimische Filmregal stellen. Immerhin wird in punkto Gewalt geklotzt und nicht gekleckert. Das in DADDY’S LITTLE GIRL Gezeigte ist hart an der Grenze zum Erträglichen und dürfte hierzulande (insofern überhaupt veröffentlicht) Grund genug sein, der deutschlandweiten Verbreitung (in ungeschnittener Form) einen Riegel vorzuschieben.
 
 
 


 
 
 

DADDY’S LITTLE GIRL – Zensur

 
 
 
Die dargestellte Gewalt in DADDY’S LITTLE GIRL wird nahezu fast schon zelebriert, so dass die hiesige FSK diesen Rachefilm verständlicherweise nicht ungeschnitten freigeben hat. Der Rechteinhaber PIERROT LE FOU hat den Film demnach in ungekürzter Form SPIO/JK prüfen lassen und die Einstufung „strafrechtlich unbedenklich“ für DADDY’S LITTLE GIRL erhalten. Verkauft werden darf der Film in dieser Filmfassung nur auf Filmbörsen, in Videotheken und in einschlägigen Online-Shops. Der Verkauf des kompletten Thrillers im stationären Handel erfolgt nur durch den Drogeriemarkt MÜLLER. Dort erhält der Horror-Fan die Scheibe auf Nachfrage – vorausgesetzt er ist auch volljährig. Neben der normalen Auflage im Keep Case ist auch ein Mediabook (auf 3000 Stück limitiert) erschienen, das über Österreich vertrieben wird. Die hier enthaltene Fassung ist ebenfalls ungekürzt.
 
 
 


 
 
 

DADDY’S LITTLE GIRL – Deutsche Blu-ray

 
 
 
Daddys Little Girl Blu-ray uncut

(c) Pierrot Le Fou (Abbildung der ungeschnittenen Fassung in der Amaray-Variante)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Daddy’s Little Girl, Australien 2013

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 106 Min. (uncut)

FSK: SPIO/JK geprüft: strafrechtlich unbedenklich (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover, ein Mediabook mit gleichem Inhalt wie die herkömmliche Blu-ray ist ebenfalls bereits erschienen

Extras: Trailer

Release-Termin: Amaray: 04.06.2014 (Uncut-Fassung) – Mediabook: 10.07.2014 (Uncut-Fassung)

 
 
 

BR+DVD – Daddy’s Little Girl – Limitierte Uncut Mediabook Edition (Deutsche Uncut Auflage) ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 

Ungeschnittene Version in der Amaray-Variante bei Cyper-Pirates bestellen

 
 
 


 
 
 

DADDY’S LITTLE GIRL – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
7 Days (2010)
 
Big Bad Wolves (2013)
 
Tortured – Das Gesetz der Vergeltung (2010)
 

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Filmreview: „Axed“ (2012)

"Axed" (2012) - Filmplakat - Filmreview und Filmkritik auf Filmcheck
 
 
 

Axed

Story

 
 
 
Nachdem „Dad“ unglücklicherweise seinen Job verloren hat scheint er mit sich und seiner heilen Welt vollkommen abgeschlossen zu haben. Am nächsten Morgen düst er zusammen mit seiner unwissenden Frau und den beiden ahnungslosen Kindern hinaus aufs Land, wo er seine kleinen Familie mit deren düsteren Geheimnissen konfrontiert. Was anfänglich als munterer Landausflug beginnt, endet für die Nichtsahnenden in einem ausweglosen Fiasko, das für alle Beteiligten in einem blutigen Ende gipfelt.
 
 
 


 
 
 

Axed – Kritik

 
 
 
Geschichten, die vom scheinbar perfekten Familienidyll berichten, hinter deren Fassade Terror und Angst regieren hat das Kino bereits unzählige Male thematisiert. Ob in der sagenumwobenen „Stepfather“-Trilogie, dem Tatsachenbericht „An American Crime“ oder im kontroversen Thriller „Alexandras Project“ nichts scheint beunruhigender, schockierender und beängstigender als das Grauen, dass sich in den heimischen vier Wänden unter seinesgleichen abspielt – dort wo man eigentlich Zuflucht, Geborgenheit, Vertrauen und Zugehörigkeit erwartet und genießt, dort wo man sich verstanden fühlt und geliebt wird: der eigenen Familie.
 
Auch der aktueller Horrorthriller „Axed“ beschäftigt sich mit derart Unbehagen und erzählt die Geschichte von „Dad“, der sich in seiner Ausweglosigkeit von allen verraten, unverstanden und verlassen fühlt und so zu einer tickenden Zeitbombe mutiert. Welche Faktoren dazu beigetragen haben müssen, dass „Dad“ letztendlich zum Amokläufer mutiert, scheinen nur vage erklärt sieht der Zuschauer im Film einzig den Ehebruch seiner Frau und den Jobverlust als Auslöser für derart Affekthandlung. Denn kaum in einer idyllischen Landhütte angekommen, stellt er seine Familie auf recht zynische Art und Weise zur Rede und beginnt seine Unbehagen in Wort zu fassen und fordert Vergeltung. Die Mutter wird des Ehebruchs bezichtigt, der Sohn als homosexueller Schwächling und Feigling tituliert und die Tochter als freizügiges und leichtes Mädchen betitelt, dass der Mutter in nichts nachsteht.
 
Zugegeben, so erschreckend sich das alles liest, umso zynischer gestalten sich die Argumente des Vater, der die Anwesenden auf recht konsequent-bösartige Art und Weise in die Schranken weist. Schauspieler „Jonathan Hansler“ als sadistischer Familienvater spielt seine Rolle erschreckend gut und ist leider auch der einzige Lichtblick in diesem arg zähen und unbedeutenden Stelldichein. Seine Verkörperung des unzufriedenen und rachsüchtigen Betrogenen verleiht dem Hauch einer Handlung die halbwegs goutierbare Würze und bewahrt den Film vor dem vorzeitigen Untergang. „Axed“ verpulvert bereits im Trailer nennenswerte Höhepunkte und bietet im Film selbst kaum irgendetwas was überhaupt überzeugen, oder bei Stange halten könnte.
 
Die wenigen makaberen Wortwitze sind bereits nach der Hälfte der Filmlaufzeit aufgebraucht und „Dad“ schreitet in der zweiten Filmhälfte zur außergerichtlichen Bestrafung mit der titelgebenden Axt. Was folgt, ist typischer 08/15-Einheitsbreit, der nicht einmal Splatter-Freunde zufriedenstellen dürfte. Ein Flüchten hier, ein Einfangen dort, etwas Gewinsel da und eh sich der Filmfreund versieht ist der unbedeutende Spuk auch schon wieder vorbei. So wirklich innovativ und neu ist das alles leider nicht, sondern gestaltet sich erschreckend ernüchternd, belanglos und unwichtig! Die beiden fast volljährigen Kinder verhalten sich, wie hätte es auch anders sein sollen, bemerkenswert dumm, dass man als Filmfreund deren unklaren Interaktionen erst gar nicht hinterfragen sollte, denn es gibt hinter deren Handlungen keine nachvollziehbare Logik. Besonders Tochter „Megan“ stellt sich beim näheren Betrachten, als wahrhaftige Intelligenzbremse heraus, ist es doch sie selbst, die es schafft vor „Dad“ ein hilfreiches Handy zu verstecken, es aber in ihrer Aufregung nicht checkt, den Klingelton abzuschalten.
 
Was im Trailer noch auf einen frivolen Survival-Horrortrip der Extraklasse hoffen lies, ist in der Umsetzung leider weniger überzeugend, als vielmehr unsinnig. Nach einem recht sarkastischen und euphorisch-vielversprechenden Einstieg legt „Axed“ eine gehörige Bruchlandung hin und als Filmfreund mag man das Gefühl nicht loswerden wollen, als wären den Drehbuch-Schreibern bereits kurz nach Beginn des Szenarios die hilfreichen Ideen ausgegangen, die eigentlich dazu notwendig gewesen wären, um den restlichen Film zu tragen. So wirklich fesseln will „Axed“ leider nicht, unterhalten will dieser Nonsens leider auch nicht. Was bleibt ist eine gute Idee, und ein motivierter Schauspieler, der es zwar schafft der Vaterrolle die nötige bösartige Energie einzuverleiben, dessen Bemühungen aber aufgrund des unkreativen Drehbuches vollkommen unter gehen. Ein unwichtiger Film, der vollgepackt ist mit ausgelutschten Genre-Klischees und der routinierte Horrorfilmkenner kaum ein müdes Lächeln entlocken dürfte.
 
 
 


 
 
 

Axed – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
Steile Bruchlandung – Ein stimmiger und zynischer Beginn gipfelt in einem unbedeutenden Finale. Ein Film, dessen Trailer und vor allem das Film-Plakat mehr verspricht, als der eigentliche Film überhaupt zu bieten hat!
 
 
 


 
 
 

Axed – Zensur

 
 
 
Obwohl im Film selbst etwas roter Lebenssaft zu sehen ist, geht „Dad“ dennoch recht züchtig zur Sache. Das Filmplakat lässt auf einen axt-schwingenden Familienvater hoffen – dem ist aber leider nicht so! Vermutlich hätte es „Axed“ gehörig gut getan, wäre das Szenario etwas „zeigefreudiger“ in Sachen Gewalt ausgefallen. In der mir gesichteten ungeschnittenen britischen Version dürfte dieser Film bedenkenlos von der FSK mit einer ungeschnittenen „keine Jugendfreigabe“-Plakette abgesegnet werden.
 
 
 


 
 
 

Axed – Trailer

 
 
 


 
 
 

Hellraiser80

 
 
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