Filmkritik: „Nightmare – Schlaf nicht ein!“ (2017)

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NIGHTMARE – SCHLAF NICHT EIN!

(SLUMBER)

Story

 
 
 

Eine Schlafforscherin bekommt einen besonders seltsamen Fall auf den Tisch, für den sie den rationalen Menschenverstand ausschalten muss, um ihn überhaupt verstehen zu können.

 
 
 


 
 
 

NIGHTMARE – Kritik

 
 
 
Seit einiger Zeit scheinen Filme über Schlafparalyse schwer im Kommen zu sein. Wir hatten hierzu schon des Öfteren Streifen vorgestellt, in denen Protagonisten während einer Schlaflähmung mit finsteren Gestalten Bekanntschaft gemacht haben. Dass diese Thematik Stoff für Horrorfilme liefert, ist nicht unbegründet. Millionen Betroffene leiden nämlich regelmäßig unter diesem beängstigenden Phänomen bei dem man sich zwar im Wachzustand befindet, aber leider nicht bewegen kann. Was beunruhigend klingt, ist jedoch vollkommen natürlich. Damit man sich nämlich in der Traumphase nicht ununterbrochen bewegt und vielleicht noch verletzt, lähmt der Körper zum Schutz die Muskulatur. Diese Starre wird aber wieder aufgehoben, sobald der Wachzustand eintritt. Dennoch kann es hin und wieder einmal vorkommen, dass es dem Körper nicht sofort gelingt, die Schlaflähmung vom Schlafzustand zu trennen. Das hat zur Folge, dass die Schlafparalyse nicht mit dem Aufwachen endet, sondern auch noch bis in den Wachzustand anhält. Für die meisten Leidtragenden eine beängstigende Erfahrung, die gerade dann Panik auslöst, wenn man zuvor in einem Albtraum gefangen war. Die Betroffenen sehen sich hierbei schutzlos ausgeliefert. Einige derer berichten sogar von Schattenwesen, die ihnen während der Paralyse-Phase nach dem Leben trachten wollten. Wenn das nicht Berichte sind, aus denen sich Horrorfilme machen lassen. Jene Vermutung hatte wohl auch Newcomer JONATHAN HOPKINS. Der probiert sich mit NIGHTMARE – SCHLAF NICHT EIN (Originaltitel: SLUMBER) im Angsteinjagen aus. Entstanden ist ein solider Gruseltrip ohne Höhepunkte. Die nächste Regiearbeit kann nur besser werden.
 
 
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Von Albträumen und Schlafstarre. NIGHTMARE – SCHLAF NICHT EIN erzählt die Geschichte von Schlafforscherin Dr. Alice Arnolds (MAGGIE Q – bekannt aus actiongeladenen Kinoblockbustern). Die hat als Kind den schlafwandelnden Bruder verloren, der offenbar wegen einer unheimlichen Präsenz aus dem Schlaf gerissen wurde und anschließend aus dem Fenster fiel. Seither ist die Forscherin traumatisiert und von Schuldgefühlen geplagt. Doch das Leben muss weitergehen. Leider wird die Schlafexpertin bald von der Vergangenheit eingeholt. Neue Patienten werden nämlich von seltsamen Vorkommnissen geplagt und suchen Hilfe. Alice nimmt sich der leidgeplagten Familie Morgan an und versucht Lösungen zu finden. Die Familie kann nämlich nicht mehr in Ruhe schlafen und hat Angst vor der Nachtruhe. Ist da etwa Traumdämon FREDDY KRUEGER zugange? Im Falle von NIGHTMARE ist es eine andere Kreatur, die es auf den Sohn der Familie Morgan abgesehen hat. Der wird von einem hinterlistigen Dämon heimgesucht, der Schlaflähmung ausnutzt, um dem Jungen schlimme Dinge während der Nachtruhe anzutun. Die Eltern sind machtlos und auch Dr. Arnolds weiß nicht so recht, wie sie mit dem Problem umgehen soll. Weil der kleine Patient jedoch die Forscherin an den eigenen Bruder erinnert, beginnt sie den rationalen Verstand auszuschalten und sich mit dem Okkulten zu beschäftigen. Leider bringt sich die Ärztin damit selbst in Gefahr.
 
 
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Hat sich hier wohl jemand von der Dokumentation THE NIGHTMARE inspirieren lassen? NIGHTMARE – SCHLAF NICHT EIN fasst nämlich auch die Thematik von boshaften Wesen auf, die Menschen während einer Schlaflähmung heimsuchen. Das macht neugierig. Aber irgendwie ist NIGHTMARE weder Fisch noch Fleisch. Der Film folgt einer konventionellen Handlung bei der Überraschungen und vor allem Köpfchen fehlen. Schnell wird nämlich klar, was hier passieren wird und welche Wege man geht, um den Spuk beenden zu können. So werden die Patienten während der Nachtruhe von unschönen Erlebnissen geplagt, denen niemand Glauben schenken möchte. Schlafmedizinerin Dr. Alice Arnolds nimmt sich ihrer an und liest ein paar Bücher über Traumdämonen, um am Ende ihre eigene Angst vor der Vergangenheit bewältigen zu können. Oh ja, da hat sich jemand wirklich Mühe beim Schreiben von Skript und Drehbuch gegeben. Wenn es handlungstechnisch nicht klappt, muss eben ein Ass aus dem Ärmel geschüttelt werden. Das nennt sich Atmosphäre und beschert NIGHTMARE zumindest hin und wieder stimmungsvolle Momente, die wohliges Gruseln garantieren. Sind die Patienten nämlich mit Träumen beschäftigt und macht sich ein Traumdämon am kleinen, schlafgelähmten Daniel Morgan (LUCAS BOND) zu schaffen, dürfen sich Besitzer moderner Heimkinoanlagen freuen. Die Tontechniker haben ganze Arbeit geleistet. Da grummelt es plötzlich aus allen Boxen und Gänsehaut entsteht auch ohne plakative Schockmomente. Subtiles Angsteinjagen nennt man das, was im Grunde nichts Schlechtes ist. Dennoch hätte eine klügere Handlung NIGHTMARE – SCHLAF NICHT EIN bei weitem besser gemacht. So geht der Streifen – trotz halbwegs unverbrauchter Thematik – im Sumpf beliebiger Gruselstreifen unter. Es gibt eben mittlerweile zu viele Horrorfilme, die wöchentlich veröffentlicht werden. In Amerika weitaus mehr, als hier in Deutschland. Da bedarf es etwas mehr Tiefgang und Raffinesse, um aus der Masse an unbedeutender Genre-Ware hervorstechen zu können.
 
 
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NIGHTMARE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Atmosphärischer Gruselstreifen, der das Phänomen Schlafparalyse und die Angst vor Schlaflähmung zum Thema macht. Leider ist die Geschichte zum Film schnell erzählt und hat auch kaum Überraschungen zu bieten. Das macht NIGHTMARE – SCHLAF NICHT EIN beliebig, bei dem man das Gefühl nicht loswerden möchte, als hätten die Macher Potenzial verschenkt. Das geradlinige Drehbuch folgt einer klischeehaften und vorhersehbaren Handlung, die immerhin subtile Gruselstimmung heraufbeschwört. So können auch weniger in Horrorfilmen erfahrene Zuschauer bedenkenlos zuschauen, ohne gleich selbst mit Einschlafproblemen kämpfen zu müssen. NIGHTMARE ist ein Gruselfilm gedreht nach Schema F, der sich vor allem an ein Publikum richtet, das eine Vorliebe für Old-School-Gruselei besitzt. Hier gibt es weder Gewalt noch Kreaturen aus dem Computer zu sehen. Stattdessen spielt man mit Licht, Schatten und der Phantasie des Zuschauers, um Gänsehaut entstehen zu lassen. Auf den Filmbösewicht darf man in NIGHTMARE übrigens nur kurz einen (verschwommenen) Blick werfen. Danach sieht man den Traumdämon kein weiteres Mal. Ein raffinierter Schachzug, um das Kopfkino des Zuschauers zu aktivieren. Dennoch ist NIGHTMARE kein Horror-Hit. Einmal gesehen, hat man ihn schon wieder vergessen. Dazu fehlen dem Gruselfilm Alleinstellungsmerkmale.
 
 
 


 
 
 

NIGHTMARE – Zensur

 
 
 
NIGHTMARE – SCHLAF NICHT EIN (OT: SLUMBER) ist eher ein subtiler Gruselfilm, der mit der Angst der Schlaflähmung spielt. Gewalt gibt es hier – bis auf eine kurze Szene – gar nicht zu sehen. Darin würgt ein besorgter Familienvater in Rage Schlafforscherin Alice. Eigentlich wäre der Film FSK12-tauglich. Weil der Film wegen seiner düsteren Atmosphäre an einigen Stellen dann doch etwas sehr verstörend wirkt, hat NIGHTMARE eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

NIGHTMARE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Tiberius Film (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Slumber; USA | Großbritannien 2017

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 85 Min.

FSK: Film: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover (alternatives Filmmotiv)

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 05.04.2018

 

Nightmare [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

NIGHTMARE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen liegen bei Vertical Entertainment | TIBERIUS FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Nightmare (2015)
 
Dead Awake (2016)
 
The Shadow Man (2017)
 
Paranormal Resurrection (2014)
 

Filmkritik: „Ghost House“ (2017)

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GHOST HOUSE

Story

 
 
 

Ein Urlaub mit Schrecken: Zwei Urlauber werden in Thailand von einem Geist verfolgt, der offenbar eine Leidenschaft fürs Terrorisieren von Touristen besitzt.

 
 
 


 
 
 

GHOST HOUSE – Kritik

 
 
 
Vermutlich glauben nur die wenigsten Leser hier an Geister oder Gespenster. In aufgeklärten Zeiten wie der unseren ist das aber auch kein Wunder, gehören Dämonen, Spuk und Geisterwesen in die Welt des Aberglaubens, mit denen man vor allem Kindern gern mal einen Schreck einjagen kann. Anders sieht es da in Thailand aus, denn dort ist der Glaube an Geister weit verbreitet. So ist es nicht unüblich einen eigenen Haus- und Hofgeist zu haben, der natürlich gebührend beherbergt werden muss! Thais glauben nämlich, dass jedes Stück Land von einem Geist bewohnt wird. Will man darauf ein Haus bauen, nimmt man der rastlosen Seele das Zuhause weg. Um die Kreaturen nicht zu verärgern, bauen ihnen die Thailänder eigene Häuschen und richten diese gemütlich ein. Die stehen in der Regel an Grundstücksgrenzen, damit unliebsame Menschen möglichs früh von den Bewohnern der kleinen Häuser vertrieben werden können. Genau jene Thematik liegt dem folgenden GHOST HOUSE zugrunde. Hier muss die interessante Folklore aber als Alibifunktion herhalten, damit lautes Spuktheater veranstaltet werden kann. Regisseur RICH RAGSDALE nutzt Thai-Legenden aus, um das Massenpublikum mit oberflächlicher Gruselware zu beglücken. GHOST HOUSE ist demzufolge eher Gruselhappen ohne Überraschungen. Wer mehr über die kleinen Geisterhäuser im Film wissen möchte, muss selbst recherchieren.
 
 
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Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn sich Julie (SCOUT TAYLOR-COMPTON aus 247°F) und Jim (JAMES LANDRY HÉBERT aus CARNAGE PARK) vor ihrem Trip nach Thailand Reiseführer besorgt und diese auch studiert hätten. Dann wäre ihnen so manch Problem im Reiseland erspart geblieben. Die wollen dort heilige Geisterschreine – auch San Phra Phum genannt – fotografieren, ohne sich davor ausführlich mit diesen unheimlichen Gegenständen auseinandergesetzt zu haben. Die Lehre folgt auf dem Weg. Zwei Briten nutzen die Unwissenheit der Touristen aus, um ihnen etwas Furchtbares anzuhängen. Sie führen das ahnungslose Paar zu einem besonders gefürchteten Exemplar, wo Julie eine mysteriöse Figur aus genanntem Schrein entwendet und so den Zorn eines besonders bösen Geistes auf sich lenkt. Da ist plötzlich Schluss mit Reise- und Entdeckungslust. Eine grimmige Geisterfrau heftet sich an die Fersen der attraktiven Urlauberin und beschert ihr die Hölle auf Erden. Gut, dass Jim seine Freundin liebt. Der versucht dem Spuk ein Ende zu bereiten und findet heraus, dass die Liebste unter einem Fluch steht. Leider hat er nur drei Tage Zeit, um das Desaster rückgängig zu machen. Anderenfalls ist die Liebe seines Lebens für immer verloren. Ob am Ende alles gut wird? Man wird sehen.
 
 
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Wenn Amerikaner Gruselfilme drehen, die sich mit fremden Bräuchen und Traditionen beschäftigen, kann in der Regel nur überflüssiger Nonsens entstehen. GHOST HOUSE ist nichts anderes, als ein weiterer Versuch mit fernöstlicher Mythologie Kasse zu machen. Der Film macht es den Neuverfilmungen THE GRUDGE oder RING gleich und bringt seichte Gruselei ins Heimkino, die sich fremder Folklore bedient von der hierzulande nur die wenigsten gehört haben. Das mag sich zwar auf den ersten Blick erfrischend oder gar interessant anhören. Das Ergebnis wurde aber einfältig amerikanisiert, so dass die Erforschung thailändischen Geisteraberglaubens zügig ins Abseits gerät. GHOST HOUSE klappert ab, was eigentlich nicht neu ist und in so jedem Geisterfilm abgehandelt wird. Ein Geist ist wütend und treibt allerhand Schindluder mit seinen Opfern. Dabei wird der Zorn durch Einsatz möglichst fieser Schreckmomente, unheimlicher Geräuschkulisse und düsterer Optik zum Ausdruck gebracht. Leider wirken viele Schockmomente abgenutzt, denn sonderlich originell wird nicht erschreckt. So erscheint die garstige Kreatur der heimgesuchten Filmheldin in unmöglichsten Momenten abrupt und treibt ihr Opfer damit in den Wahnsinn. Immerhin besitzt GHOST HOUSE trotz Jump Scares und vorhersehbarer Handlung reichlich Tempo, das den konventionellen Spuk-Brei halbwegs unterhaltsam gestaltet. Die Protagonisten müssen einen Weg finden, den Fluch zu brechen und holen sich Rat bei Einheimischen, die selbstverständlich wissen wie man dem Spuk ein Ende bereiten muss. Klingt abgedroschen, ist es auch. Für Fans von DER FLUCH VON DARKNESS FALLS oder DON’T KNOCK TWICE vermutlich dennoch einen Blick wert. Ein informatives Buch über die sogenannten Geisterhäuser in Thailand dürfte hingegen wohl mehr Gänsehaut bescheren.
 
 
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GHOST HOUSE – Fazit

 
 
 

6 Punkte Final

 
 
 
Andere Länder, andere Sitten: Konventionelles Spuktheater, das sich zwar thailändischer Folklore bedient aber dann doch aussieht, wie Geister-Allerlei großer amerikanischer Studios. Visuell kann GHOST HOUSE überzeugen. Der Gruselstreifen schaut atmosphärisch aus und auch obligatorische Schreckmomente verfehlen ihre Wirkung nicht. Leider geht der Film zu beliebig vor und hebt sich nicht von den üblichen Konsorten ab. Wieder einmal treibt ein Geist Schabernack. Die Filmhelden müssen Antworten finden und den Unruhestifter in seine Schranken weisen. Sonderlich neu oder originell ist das nicht. Wegen der straffen Inszenierung ist GHOST HOUSE zumindest halbwegs unterhaltsam – Langeweile kommt nämlich kaum auf. Dennoch bleibt nach Sichtung nicht sonderlich viel hängen, weil GHOST HOUSE ein typischer Vertreter der Sorte „einmal gesehen und schnell wieder vergessen“ ist. Aufgrund der interessanten und unverbrauchten Thematik über thailändische Geisterschreine irgendwie schade.
 
 
 


 
 
 

GHOST HOUSE – Zensur

 
 
 
GHOST HOUSE hat kaum Gewaltmomente zu bieten. Hier handelt es sich in erster Linie um einen Gruselstreifen, der von Schocks und Schreckmomenten lebt. Immer wieder taucht die Geisterfrau unverhofft auf, um der Filmheldin den Verstand zu rauben. Gewalttechnisch gibt es nur einen abgeschnittenen Finger zu sehen – das war’s. Hierzulande dürfte der Streifen wegen seiner gruseligen Momente eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

GHOST HOUSE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte führ Grafiken liegen bei Vertical Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Der Fluch – The Grudge (2004)
 
Drag Me to Hell (2009)
 
Don’t Knock Twice (2016)
 
Der Fluch – The Grudge 2 (2006)
 
The Eye (2002)
 
Make Me Shudder (2013)
 
Der Fluch von Darkness Falls (2003)
 

Filmkritik: „The Good Neighbor“ (2016)

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THE GOOD NEIGHBOR – JEDER HAT EIN DUNKLES GEHEIMNIS

(THE WAITING)

Story

 
 
 
Zwei Teenager (darunter KEIR GILCHRIST aus IT FOLLOWS und DARK SUMMER) haben ein perfides Experiment vor, das sie berühmt machen soll. Sie wollen den seltsamen Rentner von nebenan glauben lassen, dass es in seinem Haus spukt und filmen seine Reaktionen. Leider nimmt der makabre Streich bald erschreckende Ausmaße an.

 
 
 


 
 
 

THE GOOD NEIGHBOR – Kritik

 
 
 
Kaum eine Filmgattung hat in den letzten Jahren so polarisiert, wie das Found-Footage-Genre. Durch THE BLAIR WITCH PROJECT und PARANORMAL ACTIVITY erst richtig populär geworden, hat man seither mit dieser Art des filmischen Erzählens reichlich Schindluder getrieben. Gefühlt jede zweite Horrorproduktion der letzten zehn Jahre kam in Found-Footage-Aufmachung und pseudo-verwackelten Filmaufnahmen daher. Das hatte zur Folge, dass bald keiner mehr diese Streifen sehen wollte. Trotz Vorbehalte sollte man aber dem folgenden Film eine Chance geben. Der macht zwar indirekt auch vom Found-Footage-Stil Gebrauch, ist aber zur Abwechslung sehenswert, weil er die Zutaten genannter Filmrichtung zu seinem Vorteil versteht einzusetzen. THE GOOD NEIGHBOR nennt sich der Thriller von Regieneuling KASRA FARAHINI, der es endlich wieder schafft, dass verwackelte Handyaufnahmen und triste Überwachungskameras flaues Bauchgefühl verursachen. So hat das Regiedebüt ein raffiniertes Drehbuch zu bieten, das den Zuschauer auf falsche Fährten führt und am Ende mit kompromissloser Härte vor den Kopf stößt. Da läuft es einem definitiv eiskalt den Rücken herunter – versprochen!
 
 
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Im Film mit dem doppeldeutigen Titel haben zwei Schüler etwas Perfides vor, um in den sozialen Netzwerken berühmt zu werden. Sie brechen beim mürrischen Nachbar ein und bespicken die Wohnung mit Überwachungskameras. Warum sie das machen, erklären sie dem Zuschauer selbst. Sie wollen einen Film drehen und darin ein ahnungsloses Opfer solange Spuk vorgaukeln, bis es fest davon überzeugt ist, dass es in den eigenen vier Wänden spukt. Leider haben sich die Teenager ein äußerst zähes Opfer ausgesucht, das sich von den inszenierten Spukaktivitäten nur wenig beeindruckt zeigt. So äußert Mr. Grainey weder Unbehagen, noch bittet er Polizei und Angehörige um Hilfe. Das macht die dreisten Beobachter stutzig, zumal der Rentner von den falschen paranormalen Ereignissen derart genervt zu sein scheint, dass er auch schon mal die Axt aus der Garage holt und Türen einschlägt. Doch der unechte Spuk wird bald zur Nebensache. Der eigenbrötlerische Alte verbringt nachts viel Zeit im Keller. Das macht die beiden Freunde neugierig. Leider haben sie dort keine Überwachungskamera angebracht und können daher nur spekulieren, was das Testobjekt darin treibt. Ob der alleinstehende Nachbar unterm Haus etwas Verborgen hält, von dem niemand etwas erfahren darf? Die Antwort darauf gibt’s kurz vorm Abspann.
 
 
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Man muss schon seinen Hut ziehen vor dem, was KASRA FARAHINI mit dem Filmdebüt THE GOOD NEIGHBOR da auf die Leinwand gebracht hat. Das ist kein Film den man mal so nebenbei schaut. Dieser Film schockiert und das vor allem wegen seinem unerwarteten Ausgang. So wird dem Zuschauer gleich zu Beginn klargemacht, dass die Ereignisse hier tragisch ausgehen werden. THE GOOD NEIGHBOR beginnt mit einer Gerichtverhandlung, in der Zeugen befragt werden. Was vorgefallen ist, bleibt vorerst ungeklärt. Das steigert die Spannung und macht neugierig, zumal der noch unerfahrene Regisseur ein talentiertes Händchen für extravagante Erzählweise an den Tag legt. Der Film wechselt nämlich im späteren Verlauf zwischen Gerichtsverhandlung und gefundenem Filmmaterial. Letzteres wurde von der Spurensicherung ausgewertet und rekonstruiert die Taten der noch jungen Filmhelden. Die halten während ihres Experiments nicht nur den Tagesablauf ihres Opfers digital fest, sondern filmen sich bei ihren makabren Streichen selbst. Das hat man zwar schon in vielen Found-Footage-Streifen auf ähnliche Weise ertragen müssen, stört aber in THE GOOD NEIGHBOR keineswegs. Trotz Found-Footage ist dieser fiese Film eine runde Sache. Das liegt einerseits an den lobenswerten Leistungen der Darsteller. Hier wäre vor allem JAMES CAAN (das Opfer von KATHY BATES in MISERY) zu nennen, der als unnahbarer Rentner eine beachtliche Performance abliefert und am Ende sogar als zermürbte Kreatur an seine Grenzen geht. Andererseits überzeugt der Handlungsaufbau und die Art, wie Macher KASRA FARAHINI für schnellen Herzschlag sorgt. Er verrät nämlich nie zuviel, versorgt den Zuschauer immer nur mit Häppchen und schlägt am Ende mit gnadenloser Härte zu. Das irritiert nicht nur die naiven Streichspieler, sondern auch den Zuschauer. Schade nur, dass man so gut durchdachte Found-Footage-Geschichten leider viel zu selten zu sehen bekommt.
 
 
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THE GOOD NEIGHBOR – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Spannend, unkonventionell, verstörend und schockierend. Wenn ein Dummejungenstreich zur Katastrophe führt, weil die Gier nach medialer Aufmerksamkeit jugendliche Sinne vernebelt. THE GOOD NEIGHBOR (der anfangs eigentlich THE WAITING heißen sollte) hat es ganz schön in sich. Der Film beginnt harmlos, hat es aber faustdick hinter den Ohren. Wer jetzt aber glaubt, dass der Streifen trotz schockierendem Ausgang irgendwo im Horrorgenre beheimatet ist, der irrt. THE GOOD NEIGHBOR ist alles andere als das. Trotz Thriller-Elemente verbirgt sich hinter dem Debütstück eher ein deprimierendes Drama über Verlust und seine Folgen, das trotz Schockwirkung niemanden kalt lässt. Wem es demnach nach clever erzähltem Indie-Kino dürstet, sollte sich diesen Mix aus Gerichtssaal-Drama und Mysterythriller keineswegs entgegen lassen. Von uns gibt es für diesen undurchsichtigen Found-Footage-Beitrag eine selten gute Bewertung – vor allem auch deshalb, weil der Streifen nach dem Abspann auch mal die Gehirnzellen rotieren lässt und zum Nachdenken anregt. In Zeiten, in denen offenbar nur noch hirnfreier Zelluloid-Schrott fürs Kino produziert wird, soll das schon etwas heißen.
 
 
 


 
 
 

THE GOOD NEIGHBOR – Zensur

 
 
 
THE GOOD NEIGHBOR hat nur eine harte Szene zu bieten. Hierbei handelt es sich um einen Kopfschuss. Mehr grausames Material hat der Streifen nicht zu bieten. Demzufolge hat es von der FSK auch problemlos den blauen Freigabe-Flatschen gegeben: FSK16.
 
 
 


 
 
 

THE GOOD NEIGHBOR – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) OFDB Filmworks

 
 
 

TECHNISCHE DATEN

 

Originaltitel: The Good Neighbor; USA 2016

Genre: Drama, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 97 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Interviews mit James Caan – Logan Miller – Keir Gilchrist, Trailer

Release-Termin: 23.11.2017

 

The Good Neighbor – Jeder hat ein dunkles Geheimnis [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

THE GOOD NEIGHBOR – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei OFDB Filmworks)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Don’t Breathe (2016)
 
House at the End of the Street (2012)
 
The Harvest (2013)