Filmkritik: „Saint Ange – Haus der Stimmen“ (2004)

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SAINT ANGE – HAUS DER STIMMEN

Story

 
 
 
1958 in den Französischen Alpen – das Waisenhaus Saint Ange wird abgewickelt. Die ihre Schwangerschaft versteckende junge Hilfskraft Anna merkt bereits bei ihrer Ankunft, während der sie ein kleines Mädchen vor den „unheimlichen Kindern“ warnt, dass hier die Geister der Vergangenheit gegenwärtig sind. Wird sie Licht in das Dunkel bringen und ihre Bestimmung finden?
 
 
 


 
 
 

SAINT ANGE – Kritik

 
 
 
PASCAL LAUGIER, der mit MARTYRS 2008 viel Aufmerksamkeit bekam, drehte bereits vier Jahre zuvor eine Art Gruselspukdrama, dass selbst den geneigten Betrachter auf eine harte Probe stellt. Allerdings völlig anders als er es im späteren Seh- und Fühlgewohnheiten brechenden polarisierend grenzaustestenden Horrorfilm tat. Bereits nach der immerhin noch in gewissem Maße Neugier weckenden Eröffnungssequenz, während der ein Junge tragisch zu Tode kommt, wird deutlich, dass hier weder mit Tempo noch harten Schauwerten zu rechnen ist. In betulich kammerspielartiger Atmosphäre wird man in den folgenden quälend langen Minuten Anna dabei begleiten, im Heim ihrer Arbeit nachzugehen, währenddessen sie lediglich von einer Köchin/Pflegerin und einem Fahrer unterstützt wird. Anweisungen erhält sie von der – optisch Fräulein Rottenmeier ähnlichen – strengen Leiterin, bei der sie auf kein Verständnis für ihre Leidensbiografie hoffen darf und die anscheinend etwas zu verbergen hat. Eine Annäherung erfolgt nur zur offensichtlich verwirrten und deshalb unvermittelbaren letzten Bewohnerin Judith (welche aus gegebenem Anlass an JANE BIRKIN erinnert), die der festen Überzeugung ist, dass noch andere Kinder irgendwo im verlassenen Heim leben würden. Und wie sollte es anders sein, wird auch Anna in zunehmender Intensität mit überirdischen Kontaktversuchen konfrontiert, die sie zu einer Spurensuche motivieren, die sie immer tiefer in das dunkle Geheimnis um Saint Ange hineinzieht.
 
 
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SAINT ANGE – HAUS DER STIMMEN wirkt ambitioniert, aber krankt in erster Linie daran in keinem Genrebereich eine Bindung zum Zuschauer aufzubauen. Der überschaubare Cast um die arg unnahbare Anna wirkt unsympathisch und ermöglicht im Grunde wohl nur den sensibelsten Betrachtern den Aufbau von Empathie. Dabei ist das nicht vorhandene Identifikationspotential für die Wirkung des Films mindestens ebenso fatal wie die Vorhersehbarkeit des simpel gestrickten dramatischen Verlaufs. Die Bilder sind kameratechnisch professionell schön, aber ebenso Leere verströmend wie das dem Lauf der Zeit zum Opfer fallende Anwesen. Dafür wird man mit einem aufdringlich orchestralen Score konfrontiert, der auf Teufel komm raus versucht, dem eher tristen Geschehen eine melodramatische Richtung zu geben. Alles zieht sich gefühlt endlos in die Länge und selbst der an sich atmosphärische Schauplatz wirkt mit der Zeit zu Tode erkundet. Eingestreute hinlänglich vertraute Erschreckszenen wie Stimmengewisper, Traumsequenzen, schlagende Türen oder herabfallende Gegenstände reißen mittlerweile wohl auch niemanden mehr vom Hocker. Storyverlauf, Dialoge, Figurenentwicklungen oder Szenenwechsel fallen überdies derart minimalistisch aus, dass Langeweile in einer neuen Dimension zu ertragen ist. Wenn man akzeptiert hat, dass man sich eher in einem Drama als in einem Grusel-, geschweige denn Horrorfilm befindet, bestünde zumindest die theoretische Möglichkeit, emotionaler in den bemühten Storyverlauf und das theatralische Finale einzusteigen, das letzten Endes leider vor allem Potential zum müden Abwinken in sich birgt.
 
 
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SAINT ANGE – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
 
Irgendwie wirkt SAINT ANGE – HAUS DER STIMMEN wie eine nett bilderte, handwerklich zwar saubere, aber im Grunde überflüssige Alternativversion vom später entstandenen spanisch-mexikanischen Beitrag DAS WAISENHAUS von JUAN ANTONIO BAYONA, die man, falls man diesen Film kennen sollte, getrost abhaken kann. Somit bleibt lediglich Irritation über das Gesehene zurück, das in keinem Genre wirklich mit neuen Ideen zu punkten vermag und den Eindruck vermittelt, sich bewusst jeder Erwartungshaltung zu entziehen, wobei auch die wohl als hochdramatischer Abschluss konzipierten letzten pathetischen Szenen nur wenig herausreißen können. Einige Fragen bleiben auch nach dem Abspann offen und dürften so immerhin den geneigten Konsumenten zum Weiterdenken verführen. Laugier beweist zumindest bereits das in ihm steckende und sich in seiner weiteren beruflichen Entwicklung offenbahrende Potential.
 
 
 


 
 
 

SAINT ANGE – Zensur

 
 
 
Ein genähtes Knie, ein Schlag gegen den Kopf oder ein Sturz auf das Waschbecken haben der FSK sicher keine schlaflosen Nächte bereitet. Und auch wenn ungeborenes Leben in Gefahr gerät, insidemäßige Brutalität gibt es (erfreulicherweise?) noch nicht zu sehen. Somit sind keine Schnitte zu beklagen. SAINT ANGE – HAUS DER STIMMEN hat von der FSK eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten.
 
 
 


 
 
 

SAINT ANGE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Media Home Entertainment (KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Saint Ange; Frankreich 2004

Genre: Horror, Drama, Fantasy

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 99 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Making of, Geschnittene Szenen

Release-Termin: 22.09.2016

 

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SAINT ANGE – Trailer

 
 


 
 

Andy78

(Die Rechte für alle Grafiken liegen bei KOCH MEDIA HOME ENTERTAINMENT)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Das Waisenhaus (2007)
 
The Devil’s Backbone (2001)
 

Filmkritik: „Hollows Grove“ (2014)

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HOLLOWS GROVE

Story

 
 
 
Die Crew einer Reality-TV-Show macht in einem verlassenen Waisenhaus Jagd auf Geister, die über den unangemeldeten Besuch jedoch gar nicht erfreut sind und die unwillkommenen Gäste mit dem Tod bestrafen …

 
 
 


 
 
 

HOLLOWS GROVE – Kritik

 
 
 
So langsam glaubt jeder semiprofessionelle Filmemacher Horrorabfall drehen zu müssen, der sich der nicht mehr der ganz so frischen Found-Footage-Machart bedient. Zwar ist die Umsetzung solcher Filme immer noch finanziell lukrativ, weil wenig Produktionsbudget benötigt wird, um sie drehen zu können. Dennoch bringen es nur noch wenige von ihnen zum Erfolg, weil es schlichtweg zu viele von ihnen gibt, die sich dazu auch noch kaum voneinander unterscheiden. Mit schnell heruntergekurbelten Found-Footage-Gruslern den Fuß ins Horrorgeschäft zu bekommen ist schwer geworden, denn mittlerweile haben sich Filmfans am auf authentisch getrimmten Wackel-Wahn sattgesehen und winken nicht selten ab, wenn von neuen Schüttel-Schockern die Rede ist. Der Grund hierfür ist in der offensichtlichen Ideenarmut zu suchen, schließlich haben die immer gleichen Handlungsverläufe, Schreckmomente und Stilmittel dazu beigetragen, dass das einst durch BLAIR WITCH PROJECT gefeierte Sub-Genre nur noch eins verbreitet: Kopfschmerzen und Langeweile.
 
Auch wenn im Grunde genommen niemand mehr Found-Footage-Filme sehen will, scheint es da draußen trotzdem noch Regisseure zu geben, die noch nicht davon Wind bekommen haben, dass der Schüttelfilm-Zug längst ohne sie abgefahren ist. Einer derer ist CRAIG EFROS. Der Regie-Newcomer hat mit seinem HOLLOWS GROVE einen dieser überflüssigen Nachzügler gedreht, der dem schlechten Ruf jener totgedrehten Filmgattung gerecht wird. Neues sucht man nämlich in seinem Filmdebüt vergebens. Stattdessen vereint er wahllos all jene Stilmittel und Filmelemente in einem Streifen, die aus dem Found-Footage-Genre das gemacht haben, was es heute ist: eine cineastische Plage, die man partout nicht mehr loswird.
 
HOLLOWS GROVE ist ein einfältiges GRAVE ENCOUNTERS-Plagiat, in dem einige Hobby-Geisterjäger ein verlassenes Waisenhaus für ihre Reality-Show auf paranormale Aktivitäten untersuchen. Mit an Bord der Dokumentarfilmer Harold (MATTHEW CAREY), der die Dreharbeiten einer Folge der beliebten TV-Serie begleiten möchte, um darüber eine eigene Dokumentation drehen zu können. Selbstverständlich ranken düstere Legenden um das Gebäude, die vom mysteriösen Selbstmord zweier Krankenschwestern berichten und einem kleinen Mädchen, dass eine Leidenschaft für das Durchschneiden von Kehlen besaß. Anfänglich noch guter Dinge und zu pubertären Späßen aufgelegt, beginnt die Gruppe das verlassene Anwesen nach Geistern abzugrasen und finden die Erkundungstour plötzlich gar nicht mehr lustig, als eine Katze kopfüber gegen die Wand geschleudert wird und verendet. Was folgt ist wenig originell. Da rütteln Kochtöpfe in der Küche, spielen Plattenspieler ohne Strom und bewegen sich Dreiräder wie von Geisterhand durch lange Hausflure. Unartige Geistergören sind in HOLLOWS GROVE am Schaffen und möchten garantiert nicht nur spielen.
 
80 Minuten Film können lang sein, vor allem dann, wenn man das Gezeigte schon unzählige Male gesehen hat. HOLLOWS GROVE erzählt die gleiche Geschichte, die in Found-Footage-Werken immer wieder über Bildschirm und Leinwand flimmert sobald rastlose Geister ihr Unwesen treiben. Die einzige Neuerung besteht diesmal darin, dass die Kulisse ausgetauscht wurde, damit dem Zuschauer etwas Abwechslung geboten wird. Ansonsten bleibt alles beim Alten und die wenigen Protagonisten arbeiten sich Schritt für Schritt von Zimmer zu Zimmer nur um Ende feststellen zu müssen, dass die hier festsitzenden Seelen den unangemeldeten Besuch so schnell wie möglich loswerden wollen. Sobald der erste Tote zu beklagen ist, gerät auch die Kameraführung aus dem Ruder und der rote Faden (insofern es bis dahin überhaupt einen gegeben hat) verliert sich im hektischen Geschrei der noch lebenden Helden. Die sehen plötzlich die Hand nicht mehr vor Augen, weil die Geisterkinder ununterbrochen das Licht an- und ausknipsen, um sich im Schutz der Dunkelheit an ihre Opfer heranschleichen zu können. Für den Zuschauer ein Geduldsspiel, lässt sich mangels schlechter Ausleuchtung und wilder Wackelei bald kaum noch Erkennen, was da eigentlich überhaupt in HOLLOWS GROVE passiert.
 
Regisseur CRAIG EFROS hat mit seinem Erstling eine vollkommen spannungsarme Horror-Gurke inszeniert, die auch kein einziges Found-Footage-Klischee auslässt. Wie eh und je wird hier unentwegt gewackelt, gelaufen, gerannt und geschrieen, damit die Nerven des Horrorfans überstrapaziert werden. Bei so überraschungsarmer Horror-Ware fragt man sich ohnehin, was Altstar LANCE HENRIKSEN (IT’S IN THE BLOOD, DAS HALLOWEEN MONSTER, ALIEN und GINGERCLOWN) dazu getrieben hat in HOLLOWS GROVE einen Nebenrolle zu übernehmen und sogar noch den Allerwertesten in die Kamera zu strecken. Wir werden es vermutlich nie erfahren.
 
 
 


 
 
 

HOLLOWS GROVE – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
 
Schockintensive Geisterjagd vor gespenstiger Kulisse. Unerwartete Schreckmomente sind aber auch das einzige, was HOLLOWS GROVE überhaupt nennenswert macht. Regisseur CRAIG EFROS hat mit seinem Schauerdebüt einen der langweiligsten Vertreter Gattung „Found-Footage“ gedreht, der erst in den letzten zehn Minuten aus seinem Dornröschenschlaf erwacht. Bis dahin gibt es schläfrigen Budenzauber von der Stange, der mal wieder von den gleichen Spukklischees Gebrauch macht, die man in nahezu jedem Gruselfilm zu sehen bekommt. Da bewegen sich Gegenstände von Geisterhand und unangenehme Gerüche deuten darauf hin, dass in HOLLOWS GROVE irgendwas nicht so läuft, wie man es sich gern gewünscht hätte. Der Überraschungserfolg GRAVE ENCOUNTERS hat wahrscheinlich mächtig Eindruck hinterlassen, denn im Grunde genommen ist EFROS Spielfilmdebüt nichts anderes als die langweiligere Light-Variante besagter Geisterhatz aus dem Jahre 2011. Auch hier erkundet eine TV-Crew ein unheimliches Gebäude mit mysteriöser Vergangenheit und wird am Ende für die ungefragte Schnüffelei mit dem Tode bestraft. Von den Qualitäten eines GRAVE ENCOUNTERS und dessen Fortsetzung ist HOLLOWS GROVE dennoch Lichtjahre entfernt, dazu fehlen dem Streifen einfach die guten Ideen, um aus der Masse an vielen unbrauchbaren Found-Footage-Streifen hervorstechen zu können. Dennoch: Wer immer noch nicht die Nase voll hat, sich die ständig gleichen Filme mit dem allmählich nervenden Schüttel-Gimmik anzuschauen, dürfte auch HOLLOWS GROVE auf seine Filmliste setzen. Wir meinen jedoch, dass dieser Film dahin gehört, wo er wohl am besten aufgehoben wäre: in der Mülltonne.
 
 
 


 
 
 

HOLLOWS GROVE – Zensur

 
 
 
In HOLLOWS GRAVE werden Protagonisten aus Fenstern geschleudert, Kehlen durchgeschnitten und Helden bei lebendigem Leibe verbrannt. Man darf von einer ungeschnittenen FSK 16 ausgehen, denn sonderlich brutal anzuschauen ist das hier Gezeigte nicht.
 
 
 


 
 
 

HOLLOWS GROVE – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
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The Possession of Michael King (2014)

 
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