Filmkritik: „Wolves at the Door“ (2016)

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WOLVES AT THE DOOR

Story

 
 
 

Der „Sommer der Liebe“ von 1969 entwickelt sich für eine Gruppe junger Leute zum Albtraum. Die wollten eigentlich nur etwas feiern, werden aber von unheimlichen Gestalten terrorisiert, die offenbar den Tod ihrer Opfer fordern. Leider ergeben sich diese ihrem Schicksal ohne Gegenwehr. Das macht das Auslöschen dieser unschuldigen Leute für die Täter leichter.

 
 
 


 
 
 

WOLVES AT THE DOOR – Kritik

 
 
 
Filme, die auf wahren Begebenheiten beruhen gehen immer. Vor allem jene, denen brutale Morde zugrunde liegen und deshalb zu trauriger Berühmtheit kommen. Auf genau dieser Schiene fährt der Horrorthriller WOLVES AT THE DOOR, der mit reißerischer Handlung um die Gunst des Zuschauers buhlen will. Abermals ist Hollywood dreist und versucht mit einem der grausamsten Kapitel in der amerikanischen Geschichte Geld zu machen. Es sind die schrecklichen Verbrechen der sogenannten Manson Familie, die im Jahre 1969 ganz Amerika in Schockstarre versetzten. Kein Geringerer als der Kriminelle CHARLES MANSON zeichnete damals verantwortlich. Der war in den 1960ern Anführer einer sektenähnlich strukturierten Hippie-Kommune in Südkalifornien und stiftete seine Anhänger zum Mord an. Die machten sich auf in die Hollywood Hills, um dort ein Massaker anzurichten. Sie töteten mehrere Menschen auf grausame Weise – darunter die hochschwangere Gattin von Kultregisseur ROMAN POLANSKI. Weil der spektakuläre Mordfall um die ganze Welt ging und knapp 50 Jahre später immer noch für Gesprächsstoff sorgt, mussten die Geschehnisse noch einmal glattpoliert fürs Kino aufbereitet werden damit sie nicht in Vergessenheit geraten. Dabei entstanden ist effekthascherischer Unfug, der sich einen Deut um Wahrheitsgehalt schert und nicht grundlos an Kinokassen scheiterte. Statt Ereignisse historisch korrekt aufzuarbeiten, hat man aus den schrecklichen Taten einen Horrorfilm für die jüngere Zielgruppe gemacht, der oberflächlich abhakt, was man in jedem Horror-Slasher neueren Datums zu sehen bekommt. Das dürfte selbst Sektenguru CHARLES MANSON bitter aufgestoßen haben.
 
 
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Beliebiger Home-Invasion-Horror statt spannendem Tatsachenbericht im Dokumentarstil. WOLVES AT THE DOOR ist so überflüssig, wie eine Grippe im Sommer. Regisseur JOHN R. LEONETTI meint es gut und überfrachtet seinen Überlebenstrip mit Schockmomenten und Horror-Elementen. Leider will nur selten Spannung aufkommen, weil frische Ideen fehlen und die wenigen Einfälle aus besseren Horrorfilmen stibitzt wurden. Generell hat WOLVES AT THE DOOR ein großes Problem und das nennt sich THE STRANGERS. Der Überlebensthriller von 2008 schien hier als Vorbild gedient zu haben. Schaut man nämlich genauer hin und lässt den wahren Hintergrund außer Acht, könnte WOLVES AT THE DOOR auch als weitere Fortsetzung genannten Terrorstreifens durchgehen. Die Abläufe gleichen sich und auch die Identität der Bösewichte bleibt weitestgehend unerforscht. Nur Texttafeln am Ende des Films klären historische Zusammenhänge auf. Nach ANNABELLE und THE BUTTERFLY EFFECT 2 hat Regisseur JOHN R. LEONETTI abermals kein Glück bei der Wahl des Filmstoffs. Der stand für so einige Horrorstreifen als Kameramann hinter der Kamera und wollte irgendwann auch mal selbst Regie führen. Was er da bisher fabriziert hat, konnte Kritiker und Horrorfans nicht überzeugen. Vielleicht wäre es zur Abwechslung demnach förderlich endlich mal Regie bei einem Film zu übernehmen, der sich weder Spin-Off, Fortsetzung oder Plagiat schimpft. Eventuell gibt es dann auch positive Resonanz.
 
 
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WOLVES AT THE DOOR – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Missglücktes Katz- und Mausspiel, das sich einen historischen Kriminalfall zu Eigen macht. Dabei beginnt eigentlich alles ganz passabel. Regisseur JOHN R. LEONETTI schöpft aus den Erfahrungen als Kameramann und zeigt dunkle Silhouetten, bedrohliche Geräusche und atmosphärische Kamerafahrten. Leider reichen irgendwann versierte Kameraspielereien allein nicht mehr aus, um das Publikum mit einem künstlich aufgebauten Spannungsbogen bei Laune zu halten. WOLVES AT THE DOOR ist trotz wahrem Background eine Enttäuschung. Die Figuren stammen vom Reißbrett und der Fortgang der Geschichte ist überraschungsarm. Zudem wird WOLVES AT THE DOOR spätestens ab Filmmitte zum fiktiv ersponnenen Überlebenskampf, bei dem es nur noch darum geht, dass Figuren abgeschlachtet werden. Überraschenderweise blendet man weg, wenn es zur Sache geht. Das dürfte selbst ungeübte Zuschauer enttäuschen, die von einem Horrorfilm über die Manson-Morde zumindest etwas Blut erwartet haben. Übrig bleibt Geschrei, Gewinsel und die Flucht. Letztere wirkt wegen eigenartiger Entscheidung der Protagonisten schon irgendwie komisch.
 
 
 


 
 
 

WOLVES AT THE DOOR – Zensur

 
 
 
Trotz Home-Invasion-Horror ist WOLVES AT THE DOOR hinsichtlich der Gewalt sehr zurückhaltend. Die meisten Taten passieren im Off oder werden nur angedeutet. Ein Kopf wird mit einem riesigen Hammer eingeschlagen. Außerdem sind Stick- und Schusswunden zu sehen. Der Film lief bereits ganz still und heimlich im März 2017 ungeschnitten in deutschen Kinos mit FSK16. Gleiche Freigabe hat auch die Heimkinofassung erhalten. Der Film wird in Deutschland vorerst nur auf DVD veröffentlicht. Auf einen HD-Release auf Blu-ray hat man hierzulande verzichtet.
 
 
 


 
 
 

WOLVES AT THE DOOR – Deutsche DVD

 
 
 
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(c) Warner Home Video (KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Wolves at the Door; USA 2016

Genre: Horror, Thriller

Ton: Englisch – Dolby Digital 5.1 AC-3, Deutsch – Dolby Digital 5.1 AC-3, Spanisch – Dolby Digital 5.1 AC-3

Untertitel: Deutsch, Englisch, Spanisch

Bild: 2.40:1 (16:9)

Laufzeit: ca. 69 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Keine Extras

Release-Termin: 12.10.2017

 

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WOLVES AT THE DOOR – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Warner Home Video Deutschland)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Helter Skelter – Nacht der langen Messer (1976)
 
Helter Skelter (2004)
 
The Manson Family (1997)
 
Manson Family Movies (1984)
 
The Manson Family (2003)
 
The Strangers (2008)
 
The Purge – Die Säuberung (2013)
 

Filmkritik: „Tschiller: Off Duty“ (2016)

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TSCHILLER: OFF DUTY

Story

 
 
 

Nick Tschiller (Til Schweiger) kernigster Bulle Hamburgs, trommelt der Puls. Seine 17jährige Tochter Lennie (Luna Schweiger) ist heimlich und mit gefälschten Dokumenten nach Istanbul gereist. Dort will sie den Gangster erschießen, der im letzten Tschiller-TATORT ihre Mutter im Auto in die Luft gesprengt hat. Natürlich sind die bärtigen Bösewichter der Kleinen ein paar Schritte voraus und Lennie landet mit einer Dosis Heroin im Blut inmitten einer Lieferung mit illegalen Prostituierten – Zielort Moskau. Jetzt ist es am vom Dienst beurlaubten Nick, mit dem Gangsterpack zwischen Bosporus und Russland aufzuräumen. Eine Mission, die ihn mehr als einmal in höchste Gefahr bringt und bei der am Ende nur eine Seite überleben kann.

 
 
 


 
 
 

TSCHILLER: OFF DUTY – Kritik

 
 
 
Filmstar Til Schweiger ist schon ein Phänomen. Seine Trefferquote beim Kinopublikum ist beachtlich und gibt dem Multitalent besonders dann Recht, wenn die feindselige Presselandschaft mal wieder kein gutes Haar an ihm lassen mag. Deshalb hat der immer wieder auch in Hollywood arbeitende Deutsche eine Haut, so dick wie die eines Elefantenbullen entwickelt. Die andauernde, nicht selten böswillige Kritik an seinem cool-nuscheligen Schauspiel, seinen mindestens zum Teil selbstverfassten Drehbüchern oder ganz allgemein seiner nicht gerade konfliktscheuen Persönlichkeit prallen am Wahl-Hamburger einfach ab.
 
 
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Und so muss man auch das erste Kinoabenteuer seines TATORT-Kommissars Nick Tschiller als Film des spannenden Genres „Schweiger gegen den Rest der Welt“ sehen. Schon seine beiden ersten TATORT-Folgen im Fernsehen waren so und daran gibt es nichts auszusetzen. Christian Alvart, Regisseur mit einem Verständnis für Genrefilme und den Star Til Schweiger, dreht Filme, wie er sie selbst sehen möchte. Hart, schnell, hollywoodtauglich. Wäre man päpstlicher als der Papst, müsste man Schweigers Schießereien-Ballett vorhalten, sich gelegentlich zu nah an Szenen aus bekannten US-Kino-Vorbildern zu orientieren. Viel lieber sagen wir an dieser Stelle: Besser gut kopiert als schlecht selbst geschrieben.
 
 
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Dabei sind andere Punkte doch viel wichtiger: Die Action in TSCHILLER: OFF-DUTY ist von durchgängig höchster Qualität. Reden wir ruhig von internationalem Niveau. Knochenharte Schlägereien, wilde, aus nächster Nähe gefilmte Shoot-Outs und wahnwitzige Stunts mit Autos und sogar einem alten Mähdrescher (!) können sich sehen lassen. Nimmt man dann noch eine gute Portion schrägen Humors und die funktionierende Chemie unter den Schauspielern dazu, wird dem Zuschauer ein Feuerwerk des Aktionsreichtums geboten. All das macht den Film eher zu einem modernen James-Bond-Film mit deutscher Kante als zu einem Beitrag aus der schläfrigen TATORT-Reihe. Genau in dieser – für unser einheimisches Fernsehen so untypischen – Machart finden die Kritiker Til Schweigers natürlich eines ihrer dickborstigsten Suppenhaare. Der gute alte TATORT. Der musste früher vor allem bedächtig und spießig sein und ist heute eher ein Spielplatz für selbstverliebte Filmhochschüler. Die fabrizieren Woche für Woche überladene und verkrampft atmosphärische Deutsch-Krimis, die am allerwichtigsten Punkt prächtig scheitern: Der Unterhaltung ihres Publikums.
 
 
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TSCHILLER: OFF-DUTY steht viel eher in der Tradition des TATORT mit dem gerade verstorbenen Götz George als Kommissar Schimanski. Der grobe Ermittler war für Duisburg und das Ruhrgebiet das, was Nick Tschiller jetzt für die Hansestadt Hamburg ist. Ein für die große Leinwand tauglicher Actionheld nämlich, der auf bestehende Regeln von Polizeiarbeit und Fernsehfilmkunst nicht viel gibt. So waren ZAHN UM ZAHN und ZABOU, zwei aufwändiger gedrehte Fälle Schimanskis, in den achtziger Jahren auch der letzte Versuch der ARD, ihre berühmte Krimireihe vom Sonntagabend ins Kino zu bringen. Bis jetzt, bis TSCHILLER: OFF DUTY. Behält das Team Schweiger/Alvart für den nächsten Teil der TSCHILLER-Reihe die vorgelegte Kinotauglichkeit, das Tempo und auch die für einen Fernsehfilm unerhörte Splatter-Effekt-Härte bei, wird man sich beim Sender zweimal überlegen, ob man den im TV zeigen möchte.
 
 
 


 
 
 

TSCHILLER: OFF DUTY – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Das hat man auch nicht oft! Ein Actionfilm aus deutschen Landen, der sich hinter so mancher Großproduktion aus den USA nicht verstecken muss. Til Schweiger als Kommissar Nick Tschiller mischt Schwerstkriminelle auf zwei Kontinenten auf. Da fliegen die Fetzen und die Knochen knacken. Bitte mehr davon.
 
 
 


 
 
 

TSCHILLER: OFF DUTY – Zensur

 
 
 
Die Action in TSCHILLER: OFF DUTY hat dafür gesorgt, dass der Film in Deutschland mit FSK16 ins Kino kam. Das wurde auch so für die Heimkinoveröffentlichung beibehalten. Die ist ebenso ungeschnitten freigegeben für 16jährige.
 
 
 


 
 
 

TSCHILLER: OFF DUTY – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) WARNER HOME VIDEO

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Tschiller: Off Duty; Deutschland 2016

Genre: Thriller, Action

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Deutsch (Hörfilmfassung) DD 2.0

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 140 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wechselcover

Extras: Making of, Die Stunts, Die Drehorte, Zur Story, Premierenclip, Trailer

Veröffentlichung: 28.07.2016

 
 
 

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TSCHILLER: OFF DUTY – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei WARNER HOME VIDEO)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Zahn um Zahn (1985)

Zabou (1987)

Filmreview: „Die Mächte des Wahnsinns“ (1994)

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DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS

Story

 
 
 
Horrorautor Sutter Cane (Jürgen Prochnow) ist der weltweit beliebteste und erfolgreichste Schriftsteller. Jedes seiner Bücher wird über Nacht zum Bestseller. Doch was seine unheimlichen Romane mit seinen Lesern anrichten, will keiner so recht für möglich halten. Als Sutter Cane eines Tages spurlos verschwindet, wird der zynische Versicherungsdetektiv John Trent (Sam Neill) von Canes Verlag damit beauftragt, den Autor und damit sein neuestes Werk, „Die Mächte des Wahnsinns“ wiederzufinden. Begleitet von Canes Lektorin Linda Styles (Julie Carmen), macht sich Trent auf die Suche nach dem verschollenen Schriftsteller, und gerät auf seiner Reise immer tiefer in einen Strudel aus Unwahrheiten und Dingen die sich logisch nicht erklären lassen. Schon bald lassen sich Wirklichkeit und Fiktion nicht mehr voneinander trennen…
 
 
 


 
 
 

DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS – Kritik

 
 
 
Die 90er Jahre – das Jahrzehnt, das den Auftakt zum digitalen Zeitalter darstellt und in dem sich so manch aufsehenerregendes Ereignis zutrug. Der Sturm auf die Davidianer in Waco (1993), das Bombenattentat in Oklahoma City (1995), der Giftgasanschlag in einer tokioter U-Bahn (1995), der Massensuizid der Heaven’s Gate Sekte (1997), der Komet Hale-Bopp (1995-1997), der Amoklauf von Jonesboro (1998), Woodstock (1999), der Amoklauf an der Columbine Highschool (1999), die Sonnenfinsternis (1999) und natürlich die Angst vor dem Y2K-Milleniumbug…
Es war ein verrücktes, buntes und streckenweise düsteres Jahrzehnt, voller Gräueltaten, spektakulärer Naturphänomene und einer unterschwelligen Unsicherheit aus Angst vor der Jahrtausendwende. Diese zeigte sich nicht nur in abstrusen Weltuntergangsverkündungen, sondern auch in Form einer leichten Technophobie. Was erwartet uns im digitalen Zeitalter und wie werden wir uns dort zurechtfinden? Eine vermeintliche Antwort hier drauf hatte der Medienkritiker Jean Baudrillard, der im Jahre 1984 seine Schrift „Das Jahr 2000 findet nicht statt“ veröffentlichte. Die Kernaussage dieses Werkes ist, dass im neuen Jahrtausend Fiktion und Simulation so weit in die Realität vorgedrungen sein werden, dass diese nicht mehr stattfindet. Und wo stehen wir heute? Unser Verhältnis und das blinde Vertrauen zum Fernsehen, unseren Smartphones und dem Internet. Inwiefern kann man noch behaupten, in einer vollkommen realen Welt zu leben, oder inwiefern kann man sagen, dass unser Leben nur noch online via Facebook, Twitter oder What’s App stattfindet? Mit teils apokalyptischen Konzepten versuchte das Hollywood der 90er Jahre diese Frage auf verschiedenste Arten zu beantworten. Ob in Form eines Dramas wie DIE TRUMAN SHOW (1998) mit Jim Carrey, in Form von Action- und Sci-Fi-Filmen wie VERNETZT – JOHNNY MNEMONIC (1995) mit Keanu Reeves, James Camerons TERMINATOR 2 – TAG DER ABRECHNUNG (1991), der ordentlich aufgepeppten Stephen King-Verfilmung DER RASENMÄHERMANN (1992), samt der Fortsetzung DER RASENMÄHERMANN 2 – BEYOND CYBERSPACE (1996) oder dem Klassiker MATRIX (1999), alle Filme machten sich die Themen Technik, Simulation, „Was ist Realität?“ und der damit verbundenen Gefahr zum Mittelpunkt der Geschichte. Doch auch das Horror-Genre schreckte in den 90er Jahren nicht davor zurück diese Entwicklung möglichst fantasiereich auszuschlachten und Realität und Fiktion verschwimmen zu lassen. So sind wohl die bekanntesten Vertreter dieser Art Filme Wes Cravens SCREAM (1996), samt SCREAM 2 (1998) und eine weitere Geschichte des Regisseurs, WES CRAVEN’S NEW NIGHTMARE (1994), welcher sogar noch zwei Jahre vor SCREAM in die Kinos kam. Zwar haben die 90er das Genre des Meta-Horrors nicht neu erfunden, aber ganz entscheidend begründet. Es gibt jedoch einen weiteren Film, der über die Jahre hinweg bei den Meisten in Vergessenheit geraten ist, und erst jetzt eine Art Renaissance durchlebt, so, wie es beinahe jeder Film des Regisseurs tat. Die Rede ist von John Carpenter und seinem letzten Meisterwerk DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS (1994).
 
John Carpenter in den 90er Jahren. Gerade als er sich mit DIE FÜRSTEN DER DUNKELHEIT (1987) und SIE LEBEN (1988) wieder ein festes Standbein im Bereich des Independentfilms geschaffen hatte, übernahm er den Posten des Regisseurs bei der großen Studioproduktion JAGD AUF EINEN UNSICHTBAREN (1992), mit Chevy Chase, Daryl Hannah und Sam Neill. Doch auch im neuen Jahrzehnt meinte es Hollywood nicht gut mit Carpenter. Der Film floppte gnadenlos an den Kinokassen und ließ den Regisseur erneut gekränkt zurück. Allen Bemühungen zum Trotze kam der Film nicht beim Kinopublikum an. Heute sieht das, wie bei vielen von Carpenters Filmen, anders aus. Doch schaut man sich JAGD AUF EINEN UNSICHTBAREN etwas genauer an, erkennt man, dass John Carpenter hiermit eine breitere Masse ansprechen wollte. Abgesehen davon, dass der Film eine für Carpenter recht untypische Geschichte erzählt, lässt sich nur schwer die Handschrift des Regisseurs erkennen, was Bild und Musik (welche diesesmal nicht von John Carpenter, sondern von Shirley Walker komponiert wurde) angeht.
 
Während John Carpenter damit beschäftigt war JAGD AUF EINEN UNSICHTBAREN auf die Beine zu stellen, wurde der Regisseurin Mary Lambert ein Drehbuch von Michael De Luca angeboten, welches den Titel IN THE MOUTH OF MADNESS (der amerikanische Originaltitel von DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS) trug. Doch diese lehnte ab, da sie sich zuerst mit FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE 2 (1992) beschäftigen wollte. Schließlich landete das Skript wieder in den Händen von John Carpenter, der es bereits 1988 gelesen hatte, sich aber nicht ganz sicher war, ob er diesen Film bewerkstelligen könne. Letztendlich sagte Carpenter, zu großen Freude von Drehbuchautor Michael De Luca, zu. Bei DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS handelte sich um eine Hommage an die unheimlichen Geschichten des amerikanischen Schriftstellers und Meister des Horrors H.P. Lovecraft, den Carpenter so sehr verehrte. Eine Geschichte in der Realität und Fiktion immer stärker verwischen, bis man nicht mehr darüber urteilen kann, was Wirklichkeit ist und was nicht.
 
Die Hauptrolle wollte Carpenter unbedingt mit Sam Neill besetzten, womit das produzierende Studio New Line Cinema jedoch nicht einverstanden war. Letztendlich überzeugte John Carpenter die Verantwortliche aber mit dem Argument, dass Sam Neill gerade einen großen Erfolg mit JURASSIC PARK (1993) feierte und er einige Zuschauer mehr ins Kino locken würde. Carpenter selbst hielt dieses Argument für totalen Unsinn, doch bekam er damit New Line rum, die sich plötzlich doch mit Sam Neill in der Hauptrolle anfreunden konnten. Die Dreharbeiten zu DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS verliefen laut Carpenter ohne größere Schwierigkeiten. Doch der Schnitt des Filmes, stellte sich als große Herausforderung heraus. Zusammen mit seinem Editor Edward A. Warschilka, mit dem Carpenter seit BIG TROUBLE IN LITTLE CHINA (1986) sechs Mal zusammenarbeitete, machten sich die beiden ans Werk um eine Struktur ins Chaos zu bringen, was angesichts der recht komplexen Geschichte gar nicht so einfach war. Besonders hervorzuheben ist hier die Szene, in welcher die Hauptfigur John Trent (Sam Neill), auf der Couch sitzt, Bücher liest und sich in einem Traum-im-Traum-Durcheinander verstrickt. Diese Szene zu schneiden, sagte Carpenter, war für ihn und seinen Editor der reinste Horror.
 
DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS startete am 3. Februar 1995 in den amerikanischen Kinos, und ging sofort am Boxoffice unter. Auch hierzulande (der Film startete bei uns am 23. Februar 1995), sah sich kaum einer Carpenters neuesten Streifen an. Filmkritiker Roger Ebert schrieb damals: „One wonders how „In the Mouth of Madness“ might have turned out if the script had contained even a little more wit and ambition“, und zeigte sich ebenfalls wenig beeindruckt. Man muss allerdings dazu sagen, dass Ebert allgemein kein gutes Haar an Carpenters Filmen ließ und Werke wie DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT (1982) oder BIG TROUBLE IN LITTLE CHINA (1986) verschmähte.
 
Doch wie ist es fast 20 Jahre später um John Carpenters vielschichtigen Horrorfilm bestellt? Auch hier trifft der Satz „Das Blatt hat sich gewendet“ den Nagel auf den Kopf. Früher als Flop vom Publikum abgelehnt, wird DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS heutzutage u.a. als einer der cleversten und intelligentesten Horrorfilme aller Zeiten bezeichnet und von Fans und Kritikern gleichermaßen gelobt. Zurecht! Schafft es John Carpenter hier erneut eine starke mysteriöse Atmosphäre aufzubauen und den Zuschauer auf eine sehr erfrischende und clevere Art und Weise das Fürchten zu lehren. Anders als seine vorherigen Filme, arbeitet DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS mit verschiedenen Erzählstrukturen (Prolepse und Analepse), und stellt sich zum Ende hin selbst in Frage. Was haben wir uns da eigentlich gerade angesehen? Nur auf sein altes Motiv, das Monster niemals ganz zu zeigen, greift Carpenter wieder zurück, was dem Film jedoch nur zu Gute kommt, handelt es sich bei der Bedrohung um etwas fast schon Ungreifbares. Auch wenn Carpenter sagte, er wollte mit seinen Filmen niemals bewusst einen politischen Standpunkt vertreten, oder sich kritisch der Gesellschaft gegenüber äußern (mit großer Ausnahme von SIE LEBEN), so finden sich auch in DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS zahlreiche gesellschafts- und medienkritische Motive wieder. Der Horrorautor dem blind vertraut, und der wie eine Art Gott behandelt wird. Die ahnungslosen Leser, welche hysterisch von den Läden Schlange stehen um die neueste Ausgabe der beliebten Horror-Romane zu ergattern. Der Verlag, den es reichlich wenig interessiert welchen Effekt die Bücher auf die Leute haben, solange die Verkaufszahlen stimmen. Auch stellt uns der Film die Frage, welche Macht eigentlich Kunst bzw. Fiktion haben, und ob man Allem was neu und beliebt ist wirklich blind vertrauen darf. Es wäre schön gewesen, hätte der Film ein größeres Budget gehabt. Denn von der Massenhysterie der Leser die sich über die Lande erstreckt, sieht man nur sehr wenig. Verbildlicht wird dies immer nur in kurzen Fernseh- oder Radioberichten. Schauspielerisch bekommt man einen gewohnt guten Sam Neill zu Gesicht, sowie Julie Carmen, Jürgen Prochnow und Charlton Heston in etwas kleineren Rollen.
 
 
 


 
 
 

DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS – Fazit

 
 
 
9 Punkte Final
 
 
 
Mit DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS hat John Carpenter seinen letzten großartigen Film abgeliefert. Waren einige der folgenden Werke ebenfalls noch ziemlich unterhaltsam, kam keiner von Carpenters Spätwerken an die Klasse seiner 1994er H.P. Lovecraft-Hommage heran.
 
 
 


 
 
 

DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS – Zensur

 
 
 
Alle in Deutschland existierenden Fassungen von DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS sind komplett ungeschnitten und tragen seit seinem Kinostart das FSK16-Siegel. Im Jahr 2000 erschien von BMG Video eine Pressung auf DVD, welche fälschlicherweise das FSK 18-Siegel auf dem Cover trug. Weder diese Fassung, noch die 1998 erschienene Videokassette von X-Vision, deren Cover mit der Beischrift „Director’s Cut“ versehen war, enthalten längere Fassungen des Filmes. Seit dem 25. Oktober 2013 ist DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS hierzulande auf Blu-ray Disc von Warner erhältlich. Bild und Ton liegen in guter Qualität vor und heben sich deutlich von der DVD ab.
Einziger Wehmutstropfen ist das fehlende Bonusmaterial. Sowohl die zwei kleinen Making of Feauturettes der BMG Video DVD fehlen, sowie die Interviews mit den Schauspielern. Auch das Interview mit Greg Nicotero, welcher für die Special Makeup Effects zuständig war, ist weiterhin nur auf der französischen DVD von Metropolitan vorzufinden.
 
 
 


 
 
 

DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: In the Mouth of Madness; USA/Kanada 1994

Genre: Horror, Mystery, Thriller

Ton: Deutsch DD 2.0, Englisch DTS-HD MA 5.1, Englisch (Hörfilmfassung) DD 2.0, Französisch DD 2.0, Italienisch DD 2.0, Japanisch DD 2.0, Spanisch DD 2.0, Lateinamerikanisches Spanisch DD 1.0

Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte, Spanisch, Französisch, Italienisch

Bild: 2.40:1 (1080p), 24Hz

Laufzeit: ca. 95 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray ohne Wechselcover

Extras: Audiokommentar von John Carpenter und Gary B. Kibbe, US-Kinotrailer (ca. 1:47)

 
 
 

Die Mächte des Wahnsinns [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS – Trailer

 
 
 


 
 

Sam Freissler

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
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