Filmreview: „Detour – Gefährliche Umleitung“ (2013)

Detour-2013
 
 
 

DETOUR – GEFÄHRLICHE UMLEITUNG

Story

 
 
 
JACKSON ALDER (hervorragend gespielt von NEIL HOPKINS) ist schön und erfolgsverwöhnt. Auf dem Weg zu einem wichtigen Geschäftstermin wird sein Auto irgendwo im Niemandsland von einer riesigen Schlammlawine erfasst und begraben. Als er wieder zu sich kommt, scheint er jegliche Erinnerung an den Vorfall verloren zu haben. Nach anfänglicher Panik versucht er, einen Ausweg aus der Misere zu finden. Kontakt zur Außenwelt scheint unmöglich, Rettung nicht in Sicht, der Handyempfang nicht mehr vorhanden. Da bemerkt JACKSON, dass sich auch Wasser und Sauerstoff allmählich dem Ende entgegenneigen und das Glas des Auto-Schiebedachs droht durch das Gewicht des darauf liegenden Schlamms zu zersplittern …
 
 
 


 
 
 

DETOUR – Kritik

 
 
 
Es muss nicht immer Horror mit dem Holzhammer sein. Manchmal wissen auch die kleinen Filme zu fesseln. In den letzten Jahren hat sich gerade im Thriller- und Horrorbereich so einiges getan. Neue Subgenres haben sich entwickelt, die sich immer größerer Beliebtheit erfreuen. Eines dieser Minigenres ist der klaustrophobische Überlebens-Thriller, in dem sich oftmals nichtsahnende Protagonisten in verzweifelten Situationen wiederfinden und versuchen müssen, aus verzwickten Situation zu entkommen. Ob nun lebendig begraben (BURIED), in einem riesigen Würfellabyrinth gefangen (CUBE) oder in einer Sauna eingesperrt (HOT 247°F); der Erfindungsreichtum ambitionierter Filmemacher ist fast grenzenlos. Auch der Überlebens-Schocker DETOUR (zu Deutsch: Umweg) ist eines dieser kleinen markerschütternden Werke, in denen sich der Held der Geschichte in einer ziemlich misslichen Situation wiederfindet und mit allerhand Improvisationstalent versuchen muss, der Lage Herr zu werden. Diesmal jedoch scheint die Ausgangssituation nicht nur erschütternd, sondern völlig ausweglos zu sein.
 
Regie-Debütant WILLIAM DICKERSON, der zuletzt für verschiedene Kurzfilme verantwortlich zeichnete, gibt mit diesem klaustrophobischen Überlebensfilmchen seinen Langfilmeinstand. Vieler Erklärungen bedarf der Film vorerst nicht. Der Zuschauer begleitet JACKSONS anscheinend ausweglosen Kampf, aus dem dunklen und feuchten Gefängnis zu entkommen. Realismus wird im minimalistischen Thriller DETOUR großgeschrieben. Denn die Figur JACKSON ALDER handelt nachvollziehbar. Regisseur DICKERSON konfrontiert den Zuschauer immer wieder mit der Frage, wie jeder selbst in dieser Situation handeln würde. So wirken die Aktionen der Hauptfigur auch entsprechend glaubhaft. Das Auto wird nach Werkzeug durchforstet und eine Lösung gefunden wie die Sauerstoff- und Wasserversorgung gesichert werden kann, um das Überleben weitere Tage hinauszuzögern. Zwar wirken die zündenden Ideen oft so, als wären sie aus einer angestaubten McGyver-Folge entsprungen; in Anbetracht der Umstände und der Panik des Filmhelden sind seine Handlungen dennoch stets authentisch geschildert.
 
Da die Szenerie auf gerade einmal 2m² beschränkt ist und von einem Protagonisten allein getragen werden muss, zieht WILLIAM DICKERSON alle Register intelligenter Filmkunst, um den Zuschauer bei Laune halten zu können und die Gegebenheiten zu spannend wie möglich zu skizzieren. So wird das Leben des Hauptdarstellers in kurzen Rückblenden vorgestellt. Die Liebe zu seiner Frau und die bevorstehende Geburt des ersten Kindes treiben den Helden immer wieder aufs Neue an, kluge Entscheidungen zu fällen, um einen Ausweg finden zu können. Zudem erfahren wir mittels loser Flashbacks, wie es letztendlich zum Vorfall gekommen ist. Um die Aufmerksamkeit und das Interesse der Zuschauer konsequent aufrecht zu erhalten, geschehen passend in Momenten möglichen Leerlaufs adrenalinfördernde Dinge, die nicht nur dafür sorgen, dass der Protagonist über sich hinauswächst. Auch der Filmfreund dürfte in jenen Szenen gehörig mitfiebern und hoffen, dass JACKSON doch noch irgendwie seinem matschigen Grab entfliehen kann.
 
Mit DETOUR erlebt der Filmfan ein erschütterndes Ein-Mann-Drama, das an die Nieren geht. Ausufernde Spezialeffekte, reißerische Nacktszenen und hektisches Action-Geballer gibt es hier nicht zu sehen. Stattdessen konzentriert sich der Film auf das Schicksal eines einzigen Protagonisten, der zu keiner Minute daran denkt, sich selbst aufzugeben. Der dünne Handlungsbogen wird mit allerlei intelligenten Ideen gespickt, so dass kein Leerlauf entsteht und die rund 90 Minuten Laufzeit vergehen wie im Flug. Wer es gern klaustrophobisch mag, ist mit DETOUR optimal beraten. Für ein Erstlingswerk eine durchaus beachtliche Leistung!
 
 
 


 
 
 

DETOUR – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Beängstigend klaustrophobischer Überlebens-Thriller für Filmfans mit starken Nerven. Toll gespielt, super gefilmt und bis zur letzten Minute gnadenlos spannend!
 
 
 


 
 
 

DETOUR – Zensur

 
 
 
DETOUR ist kein Horrorfilm. Der Film wirkt authentisch und protokolliert den Überlebenskampf eines verschütteten Mannes. Blut fließt, bis auf eine Wunde an der Stirn des Opfers keines. Demnach wurde der Film mit einer ungeschnittenen FSK16-Freigabe in den Handel gebracht.
 
 
 


 
 
 

DETOUR – Deutsche Blu-ray

 
 
 
detour-gefaehrliche-umleitung-bluray

(c) Castle View Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Detour; USA 2013

Genre: Drama, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 1.78:1, (1080p)

Laufzeit: ca. 86 Min.

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Keine Extras

Release-Termin: 12.12.2014

 

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DETOUR – Trailer

 
 


 
 

Marcel Demuth / Hellraiser80

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Wrecked (2010)

Buried – Lebend begraben (2010)

Cube (1997)

Panic Room (2002)

Filmreview: „Wrecked“ (2010)

 

Nach einem schlimmen Autounfall erwacht ein namensloser Mann (gespielt von Adrien Brody) mitten im Wald und schwerverletzt sitzend in einem Autowrack.

Auf dem Rücksitz eine Leiche –  weit und breit keine Rettung in Sicht.

Ohne sich überhaupt daran erinnern zu können,  was überhaupt passiert ist verbringt er Tage im Wagen, bevor er kräfteentzerrt versucht das Auto zu verlassen und sich selbst zu helfen.

 

Story hört sich gut an, wa?

Leider schaut die Filmische Umsetzung dann weniger prickelnd, als vielmehr langatmig und unlogisch aus.

Dabei hätte alles so richtig schön fies und spannend werden können: wild Tiere, fiese Bärenfallen, schweißtreibende Hetzjagden durch das Dickicht des Waldes.

Adrien Brody spielt im ersten Viertel der Handlung, das verwirrte und schmerzverzehrte Unfallopfer fabelhaft. Großes Kompliment gilt dabei den Maskenbildern, die wirklich ganze Arbeit geleistet haben. Die gebrochene Nase, das blutunterlaufene Auge und die zig Hämatome sehen wahrlich extrem real aus. Ich selber musste mich arg zusammenreißen, nicht angeekelt wegschauen zu müssen.

Was der klaustrophobische Thriller im ersten Viertel gut macht, schlägt nach ca. 30 Minuten in entsetzliche Langeweile um. Es soll wahrlich Filme geben, die den Zuschauer durch Langweile schockiert haben.

Das Opfer flüchtet aus dem Unfallwagen und kriecht und schreit, und weint und kriecht – 40 Minuten lang.

Dazwischen, in kurzen Filmfragmenten, unklare Flashbacks, die dem Zuschauer nach und nach erklären, warum es zu dem Unfall gekommen ist.

Leider fällt die letztendliche Auflösung , dabei trotz aller Flashback-Fetzen, nach grob 70 Minuten Filmlaufzeit so unsäglich wirr und unspektakulär aus, dass man nur auf Unverständnis stoßen kann, wieso man jetzt 90 Minuten seines Lebens in so nichtsagenden langweiligen Quark investiert hat.

Dabei scheint es auch dramaturgisch nicht wirklich hilfreich zu sein, dem Zuschauer rein gar keine Hintergrundinformationen über den Hauptprotagonisten selbst zu vermitteln. Würde Adrien Brody nicht so hoffnungslos gut schluchzen und schreien und weinen, wurde eine das Schicksal dieser bemitleidenswerten Kreatur am Allerwertesten vorbei gehen.

Wrecked“ ist letztendlich nicht das geworden, was man hätte vielleicht draus basteln können: einen überaus schmerzlichen „Survival“ – Reißer mit überraschenden Wendungen und finalem Schocker-Ende.

 

Fazit 5/10 Punkte

 

Extrem zäher und langweiliger Überlebensthriller, aus dem man hätte wirklich mehr machen können. Guter Anfang, extrem unspektakulärer Rest. Aber einem guten, wenn auch reichlich unterforderten, Adrien Brody.

 

Hellraiser80