Filmkritik: „In the Name of the Son“ (2012)

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IN THE NAME OF THE SON

Story

 
 
 
Der französische Genre- Film ist in den letzten Jahren eher durch ultra-krasse Terror-Albträume der Marke „Inside“ oder „Martyrs“ aufgefallen. Da ist man über eine willkommene Abwechslung zur „New Wave of French Horror“ ja eigentlich sehr dankbar. Vor allem wenn sie sich, wie in diesem Fall, als bitterbösen satirischen Geheimtipp ankündigt. Leider, soviel sei an dieser Stelle schon verraten, wird „In the Name of the Son“ seinen immensen Vorschusslorbeeren nicht gerecht.
Es geht um die erzkatholische Radiomoderatorin Elisabeth, die ihren Zuhören in grundsätzlichen Glaubensfragen beratend zur Seite steht. Jedoch wird der Glaube der Frau gleich auf mehrere harte Proben gestellt. Erst erschießt sich ihr Mann in einem militanten „Glaubenskriegercamp“ versehentlich selbst, dann begeht einer ihrer Söhne, nachdem er von einem Geistlichen sexuell belästigt wurde, auch noch Selbstmord. Die streng gläubige Frau sucht Hilfe beim höchsten Kirchenoberhaupt. Als dieser jedoch sämtliche Schuldfragen vertuschen will, nimmt Elisabeth das Gesetz in die eigenen Hände und zieht los um in den Reihen der Geistlichen rigoros auf zu räumen…

 
 
 


 
 
 

IN THE NAME OF THE SON – Kritik

 
 
 
Brisanter Stoff also, der in den richtigen Händen mit Sicherheit zu einer fiesen, bitterbösen Angelegenheit hätte werden können. Regisseur Vincent Lannoo schafft es jedoch nicht das brisante Potential auszuschöpfen und bietet mit seinem „In the Name of the Son“ einen Film, der sich zwar über weite Strecken um skurrilen Humor und jeder Menge Seitenhiebe auf die kirchliche Institution bemüht, jedoch weder der Humor so recht zünden will, noch die Sticheleien Richtung Katholizismus die Durchschlagskraft entwickeln, wie offensichtlich beabsichtigt war.
 
 
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Das liegt zum einen an der Tatsache, dass das Timing nicht so richtig sitzt, zum anderen sind die skurrilen Einfälle und Szenarien zu wenig pointiert inszeniert und ersaufen in möchtegern-provokanten Dialogen. Der Humor versucht krampfhaft böse und tiefgründig zu sein, ist aber schlichtweg plakativ und unter der provokanten Oberfläche wenig gehaltvoll. Zumal einige theologische Behauptungen die hier getroffen werden schlichtweg falsch sind. Hinzu kommt eine fürchterlich dröge, fast schon ermüdende Inszenierung, die nie die richtige Balance zu finden scheint. Für eine bitterböse Satire ist das Ganze hier zu wenig „over the top“, für eine ernste Auseinandersetzung mit dem Thema wiederum dann doch wieder zu schräg und zu schrill. Das ist sehr schade, denn das hochbrisante weil top-aktuelle Thema des Films und das darin verborgene satirische Potential verpufft regelrecht und verkommt innerhalb dieser plumpen, wenig pointierten, fast schon einfallslosen Inszenierung zu einem möchtegern-provokanten Sturm im Wasserglas. Schade!
 
 
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IN THE NAME OF THE SON – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
 
Insgesamt hat „In the Name of the Son“ wenig beeindrucken können. Der Film gibt über weite Strecken vor, wesentlich mehr zu sein als er eigentlich ist. Zu offensichtlich wird hier in Richtung „Kult“ geschielt, wobei der Film inhaltlich sogar herzlich wenig zu bieten hat. Das brisante Potential bleibt beinahe ungenützt, und muss hier für eine einfallslose, wenig pointierte und über weite Strecken langatmige Nummernrevue herhalten.
 
 
 


 
 
 

IN THE NAME OF THE SON – Zensur

 
 
 
Der Film erhielt von der FSK eine Freigabe für Volljährige. Demzufolge hat die Kauffassung einen roten FSK-Flatschen erhalten und ist ungeschnitten: Keine Jugendfreigabe.
 
 
 


 
 
 

IN THE NAME OF THE SON – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Donau Film – KeepCase

 
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(c) Inked Pictures – Mediabook

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Au nom du fils; Frankreich / Belgien 2012

Genre: Thriller

Ton: Französisch DD 5.1, Deutsch DTS-HD 5.1 Master Audio, Französisch DTS-HD 5.1 Master Audio, Deutsch DD 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 83 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe

Verpackung: KeepCase mit Wendecover / Mediabook

Extras: Deleted Scenes, Festival Clips – Zusätzlich im Mediabook: 12-seitiges Booklet, exklusives Mini-Sammelposter, Camp-Vip-Karte mit Limitierungsnummer

Release-Termin: KeepCase: 20.03.2015 / Mediabook: 24.03.2015

 

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IN THE NAME OF THE SON – Trailer

 
 


 
 

Sebastian Lach

Die Rechte aller Grafiken dieser Kritik liegen bei DONAU FILM

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Red State (2011)
 
Dogma (1999)
 

Filmkritik: „Among the Living“ (2014)

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AMONG THE LIVING

(AUX YEUX DES VIVANTS)

Story

 
 
 
Für Victor (Théo Fernandez), Tom (Zacharie Chasseriaud) und Dan (Damien Ferdel) ist der letzte Schultag vor den Ferien die Hölle. Nach ihrem letzten Streich werden die Jungs zu allem Überfluss zum Nachsitzen verdonnert. Da haben sie natürlich überhaupt keinen Bock drauf, also wird sich kurzerhand aus dem Staub gemacht. Das Ziel sind die verlassenen Kulissen eines Filmstudios, irgendwo im französischen Nirgendwo. Ganz ohne Komplikationen läuft der inoffizielle Wandertag natürlich nicht ab, denn in den heruntergekommenen Ruinen treffen sie nicht nur auf schrottreife Autos und dilettantisches Graffiti, sondern auch auf eine geknebelte und gefesselte Frau, die in den Kofferraum eines Autos gesperrt wurde und den Mann, der sie augenscheinlich dort deponiert hat. Hals über Kopf flüchten die drei Jungs aus dem perversen Fuchsbau zurück zu ihren Familien, doch leider hat ein mysteriöser, gewalttätiger und extrem unbekleideter Jäger bereits ihre Fährte aufgenommen.

 
 
 


 
 
 

AMONG THE LIVING – Kritik

 
 
 
Anfangs scheint noch alles in bester Ordnung zu sein. In bester „Inside“-Manier entfacht das Regie-Duo aus Alexandre Bustillo und Julien Maury in der ersten Szene von „Among the Living“ eine widerwärtige und extreme Atmosphäre aus Gewalt, Blut und Ekel. Leider hat der Film im weiteren Verlauf kaum etwas mit der Origin-Story der späteren Antagonisten zu tun. Ganz im Gegenteil. Nach der starken Eröffnung schneiden Maury und Bustillo sogar von einem medizinisch sehr bedenklichen (und selbst durchgeführten) Kaiserschnitt zum Schulalltag der drei pubertierenden Hauptfiguren. Dann kommt erstmal eine Weile überhaupt nichts. Damit ist nicht nur die Abwesenheit von spannenden und/oder brutalen Szenen gemeint, sondern die allgemeine Qualität des Drehbuchs, das in keinem Moment funktioniert.
 
Das Rotznasen-Trio ist dermaßen unsympathisch geschrieben und gespielt, dass man sich als Zuschauer bereits nach ihrer ersten Szene, in der sie über den Mord an einer Lehrerein nachdenken, auf der Seite des Albino-Psychokiller-Muskelmanns sieht. Und das ist nur selten gut. Wer sich bereits einen Film angesehen hat, wird wissen, dass Spannung und Drama am besten funktionieren, wenn man als Hauptfigur der Geschichte einen funktionierenden Charakter hat, mit dem man sich identifizieren kann. Diese Regel treten Maury und Bustillo in „Among the Living“ gepflegt in die Tonne. Auch auf Seiten der Gegenspieler sieht es nicht besser aus. Die böse Kraft besteht hier aus einem Vater-Sohn-Gespann, das sein Dasein in einem unkoscheren Wohnverhältnis fristet und die gelegentliche Frau entführt/ermordet/vergewaltigt/opfert. Das Ganze spielt sich irgendwo zwischen Okkult, Sekte, Kannibalismus und genereller Seltsamkeit ab, aber was genau passiert und warum es passiert, wird offen gelassen. Der neblige Hintergrund der Schurken kann bestenfalls als Versuch gewertet werden, ihre Präsenz unberechenbarer und gefährlicher zu machen. Leider geht der Versuch gehörig in die Hose.
 
Aber natürlich guckt man sich einen Film der New French Extremity (die Maury und Bustillo mit „Inside“ und „Livid“ sogar mitbegründet haben) nicht für seine präzisen und sensiblen Charaktermomente an. Hier geht es in erster Linie um dichte, nervenzerstörende Atmosphäre, unaushaltbare Spannung und natürlich auch um die so wichtigen Schauwerte des Horror-Genres. Und leider wartet „Among the Living“ in diesem Bereich mit noch größeren Makeln auf. Wo man ein schwaches und substanzloses Drehbuch noch halbwegs verzeihen kann, ist es hingegen komplett unverständlich, wie konservativ und blutleer die Regisseure ihren Film gestalten. Mit nur wenigen Ausnahmen schneiden sie vor Attacken oder Morden konsequent weg und frustrieren die Horrorfans so doppelt. Es ist ein Rätsel, wie es zu dieser Entscheidung kam, denn in den 2-3 Szenen, in denen die Kamera bei der Gefahr bleibt, beweisen Maury und Bustillo erneut ein feines Gespür für die Spannung und das Unbehagen, das von angedrohter Gewalt ausgehen kann. Hier sei auch noch ein Mal die intensive Anfangssequenz erwähnt.
 
 
 


 
 
 

AMONG THE LIVING – Fazit

 
 
 
2 Punkte Final
 
 
 
Schmutzig, brutal und knallhart inszeniert. „Among the Living“ ist ein verstörender Albtraum aus Gewalt, Angst und Blut. Nach einem brutalen und kompromisslosen Anfang lässt „Among the Living“ extrem stark nach und zeichnet sich vor allem durch langweilige Dialoge und sperrige Wechsel von Setting und Ton des Films aus. Das Drehbuch des Films ist ein Minenfeld, in dem keine Explosion ausgelassen wird und kommt einer Katastrophe gleich. Einzig in der Inszenierung beweist das Gespann Maury und Bustillo erneut Kompetenz. Wenn es darauf ankommt kreieren die Beiden eine dichte, bedrohliche und unbehagliche Atmosphäre, die auch ohne explizite Gewalt auskommt. Leider absolvieren diese Szenen bestenfalls Gastauftritte und dienen als kleine Geistesblitze in einem Gesamtwerk aus sinnlosen Entscheidungen und einem nicht vorhandenen Drehbuch. Als Horror-Regisseure sind Julien Maury und Alexandre Bustillo nach wie vor relevant, aber an den Schreibtisch sollte man sie wohl besser nicht mehr lassen.
 
 
 


 
 
 

AMONG THE LIVING – Zensur

 
 
 
Die expliziten Szenen des Films sind für einen Vertreter der New French Extremity viel zu spärlich gesät und mit wenigen Ausnahmen um Einiges zu zahm. Trotzdem ist vor allem die Anfangsszene bösartig genug, so dass „Among the Living“ von der FSK erst für Erwachsene zugänglich gemacht wurde. Die erhältliche Filmfassung mit dem Aufdruck „Keine Jugendfreigabe“ ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

AMONG THE LIVING – Deutsche Blu-ray

 
 
 
among-the-living-bluray

(c) Tiberius Film / Sunfilm

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Aux yeux des vivants; Frankreich 2014

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Französisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (@24 Hz)

Laufzeit: ca. 88 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Trailershow, Alternativer Anfang, Making Of

Release-Termin: 05.03.2015

 

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AMONG THE LIVING – Trailer

 
 


 
 

Timo Löhndorf

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