Filmkritik: „Havenhurst“ (2016)

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HAVENHURST

Story

 
 
 

Ein alter Apartmentkomplex mitten in New York. Darin geht es nicht mit rechten Dingen zu, wie die neue Mieterin Jackie (JULIE BENZ – diesmal mit dunklen Haaren) bald herausfinden wird.

 
 
 


 
 
 

HAVENHURST – Kritik

 
 
 
Ein nostalgisches Mietshaus zwischen modernen Wolkenkratzern irgendwo in New York. Das lässt nicht unbegründet Horrorklassiker wie ROSEMARIES BABY oder HEXENSABBAT Revue passieren, in den sich das Grauen subtil seinen Weg durchs Drehbuch gebahnt hat. Von subtiler Angstmacherei oder gar altem Gruselhandwerk ist im folgenden Film aber kaum etwas zu verzeichnen. Der feierte seine Deutschlandpremiere bereits 2016 auf dem beliebten FANTASY FILMFEST, wo er eher mit gemischten Gefühlen aufgenommen wurde. Filmkritiker und Publikum bemängelten die schwache Regie, den löchrigen Plot und konstruiert wirkende Handlungsverläufe mit denen sich Regisseur ANDREW C. ERIN mehr schlecht als recht über Wasser hält. Ganz unbegründet ist die teils negative Kritik jedoch nicht. In der Tat bekleckert sich HAVENHURST nicht sonderlich mit Ruhm. Der stielt dreist bei Filmen wie HOUSEBOUND, THE COLLECTION oder TOOLBOX MURDERS und nimmt sich dabei auch noch bierernst. Eigene Ideen sucht man vergebens und mehr Sorgfalt im Drehbuch hätten Wunder bewirken können. Stattdessen quält HAVENHURST mit Klischees, Lustlosigkeit und Logiklücken und braucht dazu auch noch lang, bis er endlich mal an Fahrt gewinnt. Mit nennenswerter Gruselunterhaltung hat das freilich nichts zu tun.
 
 
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Eigentlich sollte sich für Jackie (JULIE BENZ aus der TV-Serie DEXTER) nun alles zum Guten wenden. Die junge Mutter war alkoholabhängig und hat durch ihre Trinksucht den Tod der kleinen Tochter zu verantworten. Nach langer Trauer und einigen Therapien soll nun ein neues Leben beginnen. Doch der Start ist schwerer als gedacht. Mit der neuen Wohnung im alten Apartmentkomplex „Havenhurst“ liegt etwas im Argen. So kann Freundin Danielle (DANIELLE HARRIS) nicht gefunden werden. Die hat hier ebenfalls ein Apartment gemietet und scheint wie vom Erdboden verschluckt zu sein. Selbstverständlich bewahrheiten sich die Vorahnungen bald. Offenbar geht in diesem Haus etwas nicht mit rechten Dingen zu, denn immer wieder verschwinden Mieter spurlos. Das weckt die Neugierde der ehemaligen Alkoholikerin. Jackie beginnt Nachforschungen anzustellen und stößt dabei auf ein furchtbares Geheimnis, das von der aristokratisch Hausleiterin Eleanor (FIONNULA FLANAGAN) bisher gut gehütet wurde. Hinter den Wänden lebt nämlich das Böse. Das sieht es gar nicht gern, wenn Mieter unsittliche Dinge in ihren Wohnungen veranstalten. So muss einer nach dem anderen sterben, der sich nicht an die Hausordnung hält. Ob die vom Leben gezeichnete Mittdreißigerin diesem Albtraum ein Ende bereiten wird?
 
 
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Von alten Gemäuern mit dunklen Geheimnissen. In der Regel bedeutet das: Spuk und Geister. Diesmal kommt aber alles etwas anders, denn auch wenn HAVENHURST mit schlecht ausgeleuchteten Fluren und gotischer Gruseloptik Gänsehaut verursachen möchte, ist dieser Streifen nicht im Geistergenre beheimatet. Das Böse ist hier menschlicher Natur und das ist auch schon das größte Problem dieses Horrorthrillers, denn in Sachen Glaubwürdigkeit spielt der Streifen in einer anderen Liga. Offenbar interessiert es in HAVENHURST nicht einmal die Polizei, wenn in einem riesigen Wohnkomplex plötzlich Mieter aus heiterem Himmel verschwinden. Trotz eindeutiger Hinweise und mysteriösen Hausplänen unternimmt niemand etwas. Währenddessen sterben im Keller Menschen. Mit Logik oder Glaubwürdigkeit hat das nichts zu tun. Nichtsdestotrotz will man nicht so hart ins Gericht gehen. Horrorfilme sind nicht dazu da, um logische Handlungen abzuspielen. Sie sollen das Fürchten lehren und das Herz schneller schlagen lassen. Letzteres gelingt Regisseur ANDREW C. ERIN in den letzten 30 Minuten – naja, zumindest ein wenig. Wenn das Mysterium des Films entschlüsselt wird und HAVENDURST einen deutlich raueren Ton einschlägt, überschlagen sich Ereignisse und der Gruselkrimi gewinnt an Fahrt. So wird aus seichter und atmosphärischer Gruselei ein dreckiger Überlebenskampf gegen das personifizierte Böse, der die Heldin durch Luftschächte krabbeln und in Fallen stolpern lässt. Trotz kurzem Adrenalinkick wirkt das Ende aufgesetzt. Offensichtlich wollte man sich da eine Hintertür für die obligatorische Fortsetzung offen halten. Anders lässt sich nicht erklären, warum man die krampfhaft auf sympathisch getrimmte Filmheldin kurz und schmerzlos über den Jordan springen lässt, damit das Böse triumphieren darf. Den meisten Zuschauern dürfte man mit diesem hinterlistigen Finale wohl vor den Kopf stoßen. Immerhin besitzt HAVENHURST einen Lichtblick. Horror-Ikone DANIELLE HARRIS spielt nämlich auch im Film mit. Leider ist die beliebte Genre-Schauspielerin nur in einer kurzen Rolle zu sehen, wobei am Rande erwähnt werden sollte, dass ihr Gastauftritt kaum der Rede wert ist. Die Harris stirbt nämlich bereits im Prolog den Leinwandtod. Irgendwie schade.
 
 
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HAVENHURST – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Atmosphärischer Horrortrip mit fiesem Finale. Letzteres ist in seiner Boshaftigkeit aber leider sehr enttäuschend. Nicht nur weil es mit seinem unerfreulichem Ausgang vollkommen unbefriedigend ist. Es wirkt zudem erzwungen und flimmert vollkommen abrupt über die Mattscheibe. Ist den Verantwortlichen etwa das Budget ausgegangen oder hatte man vielleicht keine Lust mehr HAVENHURST um ein ansprechendes Ende zu bereichern? Letztendlich sind die Beweggründe irrelevant, denn dieser Horrorthriller ist nichts, was man unbedingt gesehen haben muss. Die Schauspieler machen zwar ihre Sache gut und auch die Atmosphäre stimmt. Was einen faden Beigeschmack hinterlässt ist der dümmliche Plot. Da wollte wohl jemand ganz raffiniert sein und hat unbeholfen bei Filmen wie TOOLBOX MURDERS und HOUSEBOUND stibitzt. Herausgekommen ist unglaubwürdiger und einfältiger Blödsinn, der erfahrener Zuschauer kopfschüttelnd auf der Couch zurücklassen dürfte. Da kann die reißerische Plotauflösung auch nichts mehr reißen.
 
 
 


 
 
 

HAVENHURST – Zensur

 
 
 
Viel Gewalt gibt es in HAVENHURST nicht zu sehen. Trotzdem gibt es eine Szene in der einem Pärchen schreckliche Dinge angetan werden und die Kamera hält drauf. Wie die beiden Protagonisten „bearbeitet“ werden ist nicht ganz ohne. HAVENHURST hat eine ungeschnittene FSK16 erhalten. Wegen Bonusmaterial auf der Blu-ray besitzt diese aber einen roten FSK-Sticker.
 
 
 


 
 
 

HAVENHURST – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Lighthouse Home Entertainment (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Havenhurst; USA 2016

Genre: Horror, Mystery, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.40:1 (1080i) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 82 Min.

FSK: Blu-ray wegen Extras: Keine Jugendfreigabe | Film: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 18.05.2018

 

Havenhurst – Evil lives here [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

HAVENHURST – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Lighthouse Home Entertainment )

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Toolbox Murders (2004)
 
Toolbox Murders (1978)
 
13 Gantry Row (1998)
 
Within (2016)
 
Housebound (2014)
 

Filmkritik: „Within“ (2016)

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WITHIN

(CRAWLSPACE)

Story

 
 
 
Eine Familie bezieht ein neues Haus, in dem es – Überraschung – nicht mit rechten Dingen zugeht. Da poltert es mal wieder aus nicht erklärlichen Gründen oder Möbel verschieben sich wie von Geisterhand. Spukt es hier etwa? Na, hoffentlich nicht.

 
 
 


 
 
 

WITHIN – Kritik

 
 
 
Es gibt ja immer mal wieder eingeschränkt kreative Produzenten, Regisseure oder Drehbuchautoren, die meinen, stets besonders einfallsreich sein zu müssen. Sie feilen auf Biegen und Brechen an Titelkreationen, damit am Ende ein möglichst ausgefallener Filmname möglichst viele neugierige Zuschauer ins Kino lockt. Ein durchaus cleverer Einfall, der aber die Mühe nicht wert ist, wenn er zu viel verrät. Genau das ist beim Horrorfilm WITHIN passiert. Hier entschlüsselt der Titel quasi das, worauf der Streifen abzielt. Dumm gelaufen, vor allem deshalb, weil Drehbuchautor GARY DAUBERMAN (von ihm kommen übrigens auch die Drehbücher zu den THE CONJURING-Ablegern ANNABELLE und ANNABELLE 2) vehement darum bemüht ist, die Auflösung zum Film möglichst lang hinauszuzögern. Hat man dann aber die ersten Filmminuten gesehen und zieht den Filmtitel für Erklärungsversuche heran, wird schnell klar, wohin die Reise gehen wird. Weil WITHIN von einem größeren Studio produziert wurde, kann es sich definitiv um keinen Anfängerfehler handeln. Da war wohl jemand einfach nur dumm und hat nicht mitgedacht.
 
 
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„Jede Straße hat ein unheimliches Haus und in einem dieser Häuser lebst Du!“. Jene beunruhigende Botschaft überbringt einer der Nachbarsjungen der neu hinzugezogenen Teenagerin Rebecca Howe, als die in der Garage mal wieder mysteriösen Geräuschen auf den Grund gehen will. Sie hat zusammen mit den Eltern ein schönes Anwesen in einer gepflegten Vorstadtsiedlung bezogen. Doch die Idylle ist trügerisch. Vor einigen Jahren hat sich hier Tragisches ereignet. Eine Familie kam im neuen Heim auf schreckliche Weise ums Leben. Seither machen die Nachbarn einen großen Bogen um das Haus. Spukt es hier etwa? Zumindest liegt der Verdacht nahe, denn seit dem Einzug passieren seltsame Dinge. Bilder fallen plötzlich von der Wand, Möbel werden verschoben, auf dem Dachboden rumpelt es und die Hauskatze wittert hinter den Wänden das Böse. Nach einigen Recherchen in alten Kisten der früheren Bewohner findet Rebecca eine Spur. Offensichtlich ist hier weit mehr im Busch als anfangs vermutet. Sie beginnt Ursachen zu erforschen und stößt auf ein Geheimnis, das allen bald das Blut in den Adern gefrieren lässt.
 
 
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WITHIN oder CRAWLSPACE – so wie der Film wohl anfangs heißen sollte und umbenannt wurde, weil die Auflösung dann zu offensichtlich gewesen wäre – ist leichte Thrillerunterhaltung mit ein paar unterwarteten Wendungen und dem obligatorischen Überraschungstwist. Letzterer ist im Horrorfilm mittlerweile so oft zu sehen, dass es fast schon überflüssig ist, ihn als raffiniertes Filmelement erwähnen zu müssen. Mit Spuk hat Gezeigtes natürlich wenig gemein. Die Bedrohung ist greifbar und die mysteriösen Ereignisse lassen sich rational erklären. So dürften geübte Zuschauer recht schnell erraten, worauf es hier hinauslaufen wird, obwohl lang suggeriert wird, dass WITHIN ein weiterer Spukstreifen ist. Das macht den Streifen vorhersehbar, weil Regisseur PHIL CLAYDON (LESBIAN VAMPIRE KILLERS) mit allerhand Klischees und bekannten Schreckmomenten arbeitet, um auf falsche Fährten zu locken. Leider hat man viele der Schockmomente und Handlungsabläufe so ähnlich bereits in vielen anderen Filmen gesehen, weshalb die Irreführung nur bedingt funktioniert. Hinzukommt, dass WITHIN dann doch so einige Zeit braucht, bis es wirklich mal interessant wird.
 
 
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So bleibt leider nur ein weiterer – immerhin glattgebügelter – Thriller fürs kommerzverwöhnte Mainstream-Publikum. Sonderlich viel Anspruch und Einfallsreichtum sollte man nicht erwarten, denn WITHIN will nicht die grauen Zellen fordern, sondern ausschließlich unterhalten. Wenn man den Kopf ausschaltet, funktioniert das im hektisch geschnittenen Finale sogar wirklich gut. Hier jedoch von einem außergewöhnlich guten oder gar intelligenten Thriller zu sprechen, wäre schlicht übertrieben.
 
 
 


 
 
 

WITHIN – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Wenn aus einer kleinen Idee viel Brimborium gemacht wird. WITHIN verläuft nach bekannten Mustern, und kommt nicht von gewohnten Bahnen ab. Eine Familie zieht in ein Haus, bemerkt mysteriöse Dinge, geht der Sache auf den Grund und bekämpft das Böse. Der Ablauf ist bekannt und hat man in vielen anderen Horrorthrillern so ähnlich gesehen. Relativ unverbraucht ist hier nur die Erklärung, welche sich dafür mehr oder weniger dreist bei Filmen wie DAS HAUS DER VERGESSENEN, THE BOY oder UNCERTAIN GUEST bedient. Drehbuchautor GARY DAUBERMAN hat viel Füllmaterial um einen Überraschungstwist geschrieben, der in WITHIN den eigentlichen Höhepunkt darstellen soll. Wer horrorfilmunerfahren ist, dürfte über den Twist verblüfft sein – alte Horrorhasen wittern die Fährte bereits nach wenigen Minuten. Trotz austauschbarer Handlung ist Darstellerin TEAGAN SIRSET immerhin hübsch anzusehen. Die hat in quasi jeder Szenen die Haare schön und steigt natürlich nach acht Stunden Nachtruhe perfekt geschminkt aus dem Bett. Die Dame muss am Ende gegen das personifizierte Böse kämpfen und purzelt dabei von einem Klischee ins nächste. Für Zwischendurch reicht das Gruseltheater. Sonderlich hohe Erwartungen sollte man aber nicht haben.
 
 
 


 
 
 

WITHIN – Zensur

 
 
 
Schlimme Szenen gibt es nicht zu sehen. Ein Hammer wird in einen Kopf geschlagen, einer anderen Person wird ein Kabel um den Hals gelegt und sie wird aufgehangen. Hierzulande hat der Film eine Freigabe ab 16 Jahren in ungeschnittener Form erhalten.
 
 
 


 
 
 

WITHIN – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken und Packshot liegen bei WARNER BROS.)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Pact (2012)
 
Uncertain Guest – Du bist nicht allein (2004)
 
Das Haus der Vergessenen (1991)
 
The Boy (2015)