Filmkritik: „You Die: Get the App, Then Die“ (2018)

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YOU DIE: GET THE APP, THEN DIE

Story

 
 
 

Die eigentlich lebensfrohe Asia verfällt in Panik, als sie mitbekommt, dass jemand eine mysteriöse App auf ihr Telefon gespielt hat, die den baldigen Tod bringen wird.

 
 
 


 
 
 

YOU DIE – Kritik

 
 
 
Neue Technologien verlangen neue Horrorfilme. Eine derer nennt sich Smartphone und gehört mittlerweile zum festen Bestandteil des Alltags. Kaum eine Minute vergeht, ohne das man nicht einen Blick aufs Mobiltelefon wirft. Da werden Nachrichten gelesen, in Dating-Apps gestöbert oder sinnfreie Youtube-Videos geschaut – der unverzichtbare Begleiter bietet Kurzweil ohne Grenzen. Doch je einfacher Handyanwendungen in der Handhabe auch werden, umso leichtsinniger wird man mit deren Umgang. Da werden bedenkenlos Spiele und Programme aus App-Stores geladen ohne dabei Konsequenzen zu bedenken. Viele derer beinhalten Viren oder Schadprogramme. Einmal auf dem Handy ist der Ärger groß. Unseriöse Programmierer sind nämlich auf persönliche Daten aus. Die versuchen durch eigentlich witzige Erweiterungen an Kreditkartendaten oder Bankkonten von Nutzern installierter Apps zu kommen. Eine Tatsache, die die Heldin des folgenden Films wohl lieber in Kauf genommen hätte, als das, was ihr durch Leichtsinn in YOU DIE: GET THE APP, THEN DIE passiert.
 
 
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Asia heißt die Gute und wollte sich eigentlich nur mit zwei Freunden einen netten Filmabend machen. Doch eine seltsame Begegnung im Supermarkt um die Ecke wirft schaurige Schatten voraus. Dort wird sie nämlich von einem Fremden angesprochen, der um das Telefon bittet, weil er einer Bekannten eine SMS schreiben möchte. Eine Entscheidung, die unserer Heldin zum Verhängnis wird. Die gibt bedenkenlos das Smartphone aus der Hand, ahnt aber nicht, dass der Fremde ihre eine Todesapp auf das Handy spielt. Nun bekommt Asia regelmäßig Anrufe von einem Programm namens „You Die“, das nicht nur dafür sorgt, dass die Mittzwanzigerin plötzlich Geister sieht. Ein Todescountdown lässt darauf schließen, dass nach 24 Stunden etwas Schlimmes passieren wird. Ganz Unrecht hat Asia mit ihrer Vorahnung nicht. Die verfällt in Paranoia, weil ihre Lebenszeit schwindet. Da heißt es nun: Lösungen finden. Zusammen mit Freunden versucht sie daher hinter das Geheimnis der App zu kommen, um den eigenen Todescountdown stoppen zu können.
 
 
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Horror aus Italien, der sich einer Thematik bedient, die frisch ist und kreative Möglichkeiten bietet, dem Zuschauer schlaflose Nächte zu bereiten. Doch alles weit weg von charmant. YOU DIE: GET THE APP, THEN DIE ist ein einfältiges Filmchen mit Geister- und Found-Footage-Elementen, das nichts mit seiner unverbrauchten Idee anzufangen weiß. Die Verläufe sind vorhersehbar und bedienen sich altbekannten Horrorfilmregeln, welche bereits auch schon bei den vielen RING-Filmen aus Fernost auf Zelluloid gebannt wurden. Ein Todescountdown und grausige Gestalten, die für Angst und Schrecken sorgen sollen. Klingt nach einer sicheren Bank, ist aber im Falle von YOU DIE ein langweiliges Unterfangen, das sich zieht wie Kaugummi.
 
 
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Wir sehen, wie eine junge Frau permanent Anrufe von einem mysteriösen Handyprogramm erhält, die als Vorboten für die immer gleichen Schreckmomente dienen sollen. Jump-Scares hat diese italienische Produktion aber auch dringend nötig. Während unsere Hauptdarstellerin mit ihren Ängsten überall auf Unverständnis stößt, weil sie Dinge sieht, die andere nicht sehen können, verrennt sich der Film in eine Schleife immer wieder gleicher Abläufe. Paranoia, Anruf, Schreckmoment. Paranoia, Anruf, Schreckmomente. Da stellt sich eine gewisse Monotonie ein und dem Zuschauer werden die Augen schwer. So reißen billige Schocks immer wieder aus dem Dämmerschlaf und lassen schnell zur Erkenntnis kommen, dass man nichts verpasst, wenn man YOU DIE nicht gesehen hat.
 
 
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YOU DIE: GET THE APP, THEN DIE ist kein herausragender Gruseltrip. Zwar machen einige Make-up-Effekte was her, die fies entstellte Protagonisten zeigen, welche es nicht geschafft haben, das Rätsel der Software vor Ablauf des Countdowns zu lösen. Dass allein macht das Kraut aber nicht fett und lässt in der Vergangenheit schwelgen, wo italienische Horrorfilme – wie SUSPIRIA oder CANNIBAL HOLOCAUST – sichere Garanten für potenzielle Kultfilme waren. YOU DIE erinnert stark in der Machart an den kürzlich erschienenen COUNTDOWN. Dieser ist zwar auch keine Sternstunde des Horrorkinos, besitzt aber Drive. Darin wird der Zuschauer durch einen konventionellen Film gehetzt, der mit extravaganten Todesmomenten im Stile eines FINAL DESTINATION für Abwechslung sorgt. Von Extravaganz ist YOU DIE: GET THE APP, THEN DIE dagegen weit entfernt. Der Film baut immer nur kurze Spannungsfragmente auf und versucht erst gar nicht Wege zu finden, um den Spannungsbogen halten zu können. Das Ergebnis: Ein Schnarcher vor dem Herrn, der so schnell aus den Köpfen verschwunden sein wird, ehe man bis drei zählen kann.
 
 


 
 
 

YOU DIE – Fazit

 
 
4 Punkte Final
 
 
Das ist alles nur geklaut – ejo, ejo. Für den Gruselfilm YOU DIE zeichnen drei (!) Regisseure verantwortlich. ALESSANDRO ANTONACI, DANIEL LASCAR und STEFANO MANDALA stecken hinter YOU DIE: GET THE APP, THEN DIE und zeigen eindrucksvoll, dass zu viele Köche den Brei verderben können. Die Ereignisse plätschern behäbig dahin und wirklich gruselig will es partout nicht werden. Statt zu gruseln, wird das Nervenkostüm des Zuschauers strapaziert. Im Film selbst klingelt nämlich ständig das Telefon. Damit will sich die diabolische App zu Wort melden, die im Fokus dieser italienischen Produktion liegt. Leider nervt der etwas andere Bösewicht mit seinem ständigen Geklingel so ziemlich früh, was durch unkoordinierten Einsatz von zu lauten Jump-Scares zusätzlich verstärkt wird. YOU DIE besitzt wohl eines der unoriginellsten Drehbücher des Filmjahres 2020 und klaut frech bei Genre-Hits wie RING, SHUTTER und diversen asiatischen Gruselkandidaten. Viele eigene Ideen werden nicht mitgebracht. Stattdessen wird geklaut, kopiert und nachgemacht. Ein Zeichen dafür, dass die Macher besser nach etwas anderem suchen sollten, mit dem sie ihr Geld verdienen wollen. Wer als ambitionierter Filmemacher weder Kreativität beweist noch eigene Ideen besitzt, sollte keine Horrorfilme mehr drehen. Letztere entpuppen sich häufig als Kopien weitaus besserer Filme. Mit solchen Methoden schwindet die Leidenschaft zum Horror allmählich. Wo sind die kreativen Schocker mit Hirn, deren Verläufe man nicht kommen sieht?
 
 
 


 
 
 

YOU DIE – Zensur

 
 
 
YOU DIE: GET THE APP, THEN DIE hat wenig Gewaltmomente zu bieten. Der Film bietet eher lautet Schreckmomente, als blutiges Gemetzel. Hierzulande dürfte da mit Sicherheit eine FSK16 drin sein.
 
 
 


 
 
 

YOU DIE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von Dark Sky Films )

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Countdown (2019)
 
Killer App (2017)
 
Bedeviled – Das Böse geht online (2016)
 

Filmkritik: „Das Pendel des Todes“ (1961)

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DAS PENDEL DES TODES

(THE PIT AND THE PENDULUM)

Story

 
 
 

Spanien in den Fünfzehnhundertern: Der Adlige Nicolas Medina hat ein ordentliches Kindheitstrauma im Gepäck. Sein folterbegeisterter und von der Eifersucht geplagter Vater mauerte seinerzeit die betrügerische Mutter bei lebendigem Leibe in den Kellergewölben des heimischen Schlosses ein. In der Gegenwart nimmt sich Medinas böse Gattin die Erinnerungen ihres Mannes zu Hilfe, dessen geistige Gesundheit zu torpedieren. Als der ihr auf die Schliche kommt, fällt ihm ein, dass im Keller nicht nur Mutters Skelett, sondern auch Vaters Folterinstrumente, hier sei besonders DAS PENDEL DES TODES aus dem Titel genannt, wartet…

 
 
 


 
 
 

DAS PENDEL DES TODES – Kritik

 
 
 
DAS PENDEL DES TODES zählt zu den schönsten der oft sehr freien Edgar-Allan-Poe-Adaptionen aus den sagenhaften American International Pictures, kurz AIP, -Studios. Das liegt – natürlich – vor allem am Hauptdarsteller. Vincent Price findet langsam Spaß daran, seine etablierte Hollywood-Vergangenheit als (im Regelfall hinterlistiger) Schönling in Krimis und Schnulzen hinter sich zu lassen. Vielmehr entwickelt er seine Persona als Amerikas Gesicht des Horrorkinos und wird als Nachfolger von einer Generation älterer Mimen wie Boris Karloff oder Bela Lugosi zum „Household Name“ auf dem Gruselsektor. Eine Rolle, die ihn noch in den Achtzigern zur Stimme von Michael Jacksons Hit-Video THRILLER und Liebling aller neuen Monster-Kids machen wird. Seine Art, auf zwölf Zylindern Volldampf den Bildschirm zu beherrschen und eigentlich viel mehr Vincent Price zu spielen als die Rollenfigur aus dem Drehbuch, ist immer mit einem den Zuseher umarmenden Augenzwinkern verbunden und einfach nur wunderbar.
 
 
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Regisseur Roger Corman ist der unbestrittene König der B-Movie-Sparbrötchen und gilt mit seinen erfolgreich an allen Ecken und Enden auf die Kosten achtenden Produktionsplänen – bis in die heutige Zeit – als Vorbild für junge Independent-Filmemacher. So wundern wir uns auch nicht, wenn uns die mittelalterlichen Kulissen, durch die der arme Don Nicolas hetzt, doch deutlich bekannt vorkommen. Corman bringt diese Sets fast in jeder seiner Kostümfilm-Produktionen jener Jahre zum Einsatz.
Für die sofort wiedererkennbare musikalische Untermalung des Geschehens sorgt ein weiteres Mal ein echter Gigant nicht nur des Soundtrack-Handwerks: Der texanische Orchesterleiter Les Baxter, legendärer Easy- Listening- und Exotica-Musik-Komponist, ist in den Sechzigern ein treuer Wegbegleiter Roger Cormans und verleiht den vergleichsweise kleinen Filmen des Produzenten mühelos einen Anstrich des Monumentalen.
 
 
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Amüsante Fußnote noch – wenn man sich nicht vor Schreck entzweireißen möchte: Wie viele Horrorfilme, die heute eher unter gering schauriges Unterhaltungskino für das Kind im Manne laufen, hatte auch DAS PENDEL DES TODES noch eine alte FSK-Freigabe von knackigen 18 im Genick. Die hat sich – da hat die Vernunft gesiegt – inzwischen auf die passendere FSK12, ähem, eingependelt.
 
 
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DAS PENDEL DES TODES – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Als typisch stimmungsvolle Edgar-Allan-Poe-Verfilmung von Roger Corman und AIP können wir DAS PENDEL DES TODES jedem Freund klassischen Horrorkinos natürlich nur wärmstens empfehlen. Vom Look der Kulissen über die Musik bis hin zum wunderbar übergeschnappten Spiel des unübertroffenen Vincent Price findet sich hier einfach alles, was das Herzchen des geneigten Fans höherschlagen lässt.
 
 
 


 
 
 

DAS PENDEL DES TODES – Zensur

 
 
 
DAS PENDEL DES TODES lief in den Kinos noch mit einer Freigabe ab 18 Jahren. Gleiches war bei den kommenden VHS- und DVD-Auswertungen der Fall. Erst im Jahr 2013 reichte 20th Century Fox den Titel erneut bei der FSK ein und erhielt eine zeitgemäßere Freigabe ab 12 Jahren. Nun erschien die deutsche HD-Veröffentlichung. Diese ist ungeschnitten und wurde ebenso mit einer FSK12 eingestuft.
 
 
 


 
 
 

DAS PENDEL DES TODES – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) NSM Records (Blu-ray KeepCase)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover A – auf 500 Stück limitiert)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover B – auf 333 Stück limitiert)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover C – auf 666 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Pit and the Pendulum; USA 1961

Genre: Horror, Grusel

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 81 Min.

FSK: KeepCase: FSK12 (ungeschnittene Fassung) | Mediabook: ungeprüft (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wechselcover | Mediabook

Extras: Deutscher Audiokommentar von Daniel Perée vom Wicked-Vision Filmmagazin, Englischer Audiokommentar von Roger Croman, Roger Corman-Filmographie, Barbara Steele Filmographie, Luana Anders Filmographie, John Kerr Filmographie, Originaltrailer (SD, 2:26 Min.), Bildergalerie (HD, 17:15 Min.), Prolog (HD, 5:02 Min., Englisch DTS HD Master Audio 2.0 Mono und optional mit Deutschen Untertitel) | zusätzlich im Mediabook: 12-seitiges Booklet mit Text von Nando Rohner und den Film auf DVD

Veröffentlichung: Mediabook: 18.12.2015 | KeepCase: 29.03.2018

 
 
NSM hat 2015 drei limitierte Mediabooks mit zusätzlichem Booklet zum Film veröffentlicht. Seit März 2018 kann man DAS PENDEL DES TODES auch als deutsche Blu-ray im KeepCase erwerben. Die darin enthaltene Filmfassung ist selbstverständlich ebenso ungeschnitten.
 
 

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DAS PENDEL DES TODES – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei NSM Records)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Der Rabe – Duell Der Zauberer (1963)
 
Das Grab der Ligeia (1964)
 
Satanas – Das Schloss der blutigen Bestie (1964)
 

Filmkritik: „Theater des Grauens“ (1973)

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THEATER DES GRAUENS

(THEATRE OF BLOOD)

Story

 
 
 

Edward Lionheart (Vincent Price) ist ein very britischer Shakespeare-Schauspieler, und das mit Leib und Seele. Allerdings sind seine Interpretationen der Stücke des größten Dramatikers englischer Zunge auf der eher hackfleischigen Seite des bühnenhandwerklichen Spektrums angesiedelt. Sowas wie Subtilität oder feinere Nuancen der Theaterdarsteller-Kunst müssen in Lionhearts Spiel meist der Brachialität des sprichwörtlichen Elefanten in der filigranen Kulisse des Kaffeegeschirrs weichen. Nachdem der Ruf des Mimen von spitzfedrigen Kritiker-Würstchen einmal zu oft der Lächerlichkeit preisgegeben wird, nimmt sich der sensible Künstler das Leben. So. Seltsamerweise widerfahren den Kritikern nach Lionhearts Ableben, einem nach dem anderen, gar grausame Dinge: Sie fallen einem perversem Mordknecht zum Opfer, der die Schreiberlinge nach der Façon der Mordopfer in Shakespeares Dramen um die Ecke bringt…

 
 
 


 
 
 

THEATER DES GRAUENS – Kritik

 
 
 
Oh, Vincent Price! Du wölfischster aller Horrorfilm-Böslinge. Du heimlich doch gutherziger Grusel-Onkel aus dem 30-Kilo-Fernseher von früher. Du schnarrender Overacting-Grandseigneur für die Ewigkeit. Sir Lord Vincent Price, gnadenloser Drehbuchfresser und ab einem gewissen Karrierezeitpunkt nur noch Vincent-Price-Darsteller, zieht in THEATER DES GRAUENS alle Register seines stets so sympathischen Knallchargen-Könnens.
 
 
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Es dürfte auch den Taubnesseln unter den Horrorfilmfans klar sein, wer da nach dem Abtreten des Bühnenstars mit der groben Kelle aufräumt unter dem frechen Journalistengesindel. Natürlich ist’s der alte Meister Löwenherz selbst, der die Stücke William Shakespeares neurotisch genug verinnerlicht hat, um solch brutale Mordmaßnahmen zur Anwendung bringen zu können. So werden die Lästermäuler – übrigens allesamt verkörpert von großen englischen 70er-Nebendarsteller-Widerlingen kotelettenlastigster Schmierlappigkeit – etwa, wie in RICHARD III. in einem Weinfass ertränkt oder bekommen, wie bei DER KAUFMANN VON VENEDIG, das Herz herausgesäbelt. Einer vom unvergleichlichen Miss-Marple-Perversling Robert Morley gespielten Kritikaster setzt ein als Starkoch verkleideter Lionheart das zarte Fleisch seiner betüdelten Pudel als Pastetenfüllung vor, die der feiste Gourmet unwissentlich mit großem Genuss verschlingt. Diese zutiefst PETA-untaugliche Untat ist von der Barbarenkönigin in TITUS ANDRONICUS inspiriert. Ja, Lionheart alias Price wirft sich für seine Rachemord-Szenarien in schrägste Kostüme und schreckt auch vor der wilden Verkörperung eines tuntigen Frisörs nicht zurück, um eine Kritikerin unter der Trockenhaube zu frittieren. Unterstützt wird er von seiner Tochter, die ganz nach dem größenwahnsinnigen Gusto ihres Vaters, Edwina heißt und von Emma Peel höchstselbst, Diana Rigg that is, gegeben wird und obendrein einer Horde dezent zombieartiger Obdachloser. Die waren’s nämlich, die den selbstmitleidigen Lionheart nach seinem Suizidversuch gerettet haben. Ein Handlungselement, das wir in der Zukunft bei Maestro Tim Burton wiederfinden – und der ist bekanntermaßen riesiger Verehrer von Vincent Price. Dessen letzte Rolle ist gar in Burtons EDWARD MIT DEN SCHERENHÄNDEN.
 
 
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THEATER DES GRAUENS ist nun nicht wirklich ein ernsthafter Horrorfilm. Direkt im Anschluss an die beiden erfolgreichen DR. PHIBES Filme entstanden und sich der gleichen Zehn-kleine-Negerlein-Handlung bedienend, funktioniert er als Persiflage oder zumindest humoristisches Update. Dazu gehört noch nicht einmal viel Fabulierungskunst auf unserer Seite, gilt zu erkennen, wie Regisseur Douglas Hickox (Vater des WAXWORKS-Schöpfers Anthony H.) gemeinsam mit seinem Hauptdarsteller das Gerüst des Films dazu nutzt, den Kritikern von Vincent Price‘ nennen wir sie eigentümlichen Schauspielfähigkeiten im wahren Leben die Zunge herauszustrecken. Ein Glück, dass dessen Selbstbewusstsein und vor allem Selbstironie zeitlebens groß genug waren, sich die körperliche Anstrengung eines grausamen Rachefeldzugs zu ersparen.
 
 
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THEATER DES GRAUENS – Fazit

 
 
 
10 Punkte Final
 
 
 
Ein Rating von vollen zehn! Donnerknispel, das seht Ihr hier auch nicht so oft, nech? Wenn aber ein Film des Horror-Unter-Unter-Unter-Genres „Vincent Price führt sich auf wie die Axt im Walde“ derart gekonnt alle Lampen ausballert wie THEATER DES GRAUENS das tut, dann ist selbstredend die Höchstwertung angebracht. Mindestens. Und jetzt raus hier und die Scheibe des Films kaufen!
 
 
 


 
 
 

THEATER DES GRAUENS – Zensur

 
 
 
THEATER DES GRAUENS lief bereits bei seiner deutschen Kinoauswertung ungeschnitten und mit einer Freigabe ab 16 Jahren über die Kinoleinwände. Das hat sich auch bei der VHS- und Videoauswertung nicht geändert. Nun erschien die deutsche HD-Veröffentlichung. Diese ist auch ungeschnitten und wurde mit einer FSK16 eingestuft.
 
 
 


 
 
 

THEATER DES GRAUENS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) NSM Records (Blu-ray KeepCase)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover A – auf 444 Stück limitiert)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover B – auf 333 Stück limitiert)

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(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover C – auf 222 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Theatre of Blood; Großbritannien 1973

Genre: Horror, Horror, Komödien

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.66:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 104 Min.

FSK: KeepCase: FSK16 (ungeschnittene Fassung) | Mediabook: ungeprüft (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wechselcover | Mediabook

Extras: Audiokommentar mit Daniel Perée vom Wicked Vision-Magazin, Bildergalerie, Filmographien, Originaltrailer | zusätzlich im Mediabook: 16-seitiges Booklet mit Text von Nando Rohner und den Film auf DVD

Veröffentlichung: Mediabook: 26.08.2016 | KeepCase: 27.09.2017

 
 
NSM hat 2017 drei limitierte Mediabooks mit zusätzlichem Booklet zum Film veröffentlicht. Seit September 2017 kann man THEATER DES GRAUENS auch als deutsche Blu-ray im KeepCase erwerben. Die darin enthaltene Filmfassung ist selbstverständlich ebenso ungeschnitten.
 
 

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THEATER DES GRAUENS – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei NSM Records)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes (1971)
 
Die Rückkehr des Dr. Phibes (1972)
 
Das Schreckenshaus des Dr. Death (1974)
 

Filmkritik: „Big Daddy – Make America Stoned Again“ (2019)

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BIG DADDY – MAKE AMERICA STONED AGAIN

(HIGH ON THE HOG)

Story

 
 
 
Schweine- und Marihuana-Farmer „Big Daddy“ lebt mit seiner Sippe friedlich dealend im idyllischen Council Hill, bis ein alternder Agent auf seine Spur kommt….

 
 
 


 
 
 

BIG DADDY – Kritik

 
 
Fuck Mann. Was zum Teufel war das gerade nur, was in Gottes Namen habe ich hier gerade erdulden müssen? Entschuldigt den Einstieg aber es ist Sonntag, 16 Uhr, ich bin seit etwa 6 Stunden wach und einfach nur weil ich bereits knapp 100 Minuten davon mit „Big Daddy – Make America Stoned Again“ (Originaltitel: „High on the Hog“) gefüllt habe, kann ich mich jetzt schon zurücklehnen und sagen „Wow, was ein Tag doch.“. Nur leider nicht im positiven, gemütlichen Sinne, als hätte man gerade erfolgreich den Garten umgegraben oder seinen Roman beendet, nein, viel eher als hätte man gerade 2,5 Stunden „The Turin Horse“ gesehen, nur ohne die Ästhetik oder den atmosphärischen Mehrwert. Was ich abgesehen von der geöffneten Energydrinkdose gerade vor mir liegen habe, das sind jedenfalls 8 Din A4-Seiten Notizen denn ja, das hier könnte lang werden, gar einer meiner ausführlichsten Texte überhaupt. Erlebt habe ich so etwas nämlich noch nicht und auch wenn ich vor dem Genuss des Films tunlichst warnen werde, so möchte ich doch eben deswegen einen kleinen Einblick geben – also kommt mit mir auf eine Reise in den mit unerträglichsten Wahnsinn, der je auf Blu-ray gepresst wurde.
 
 
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Der vor 40 Jahren in Illinois geborene Tony Wash besuchte erst die legendäre Special F/X-School von Horror-Urgestein Tom Savini in Pennsylvania, bevor er 2007 mit „It’s my Party and I’ll die If I want to“ einen durchaus in Festivalkreisen gefeierten Indiefilm auf die Welt losgelassen hat, dessen positive Resonanz wohl genügte, um einen Fuß zu fassen, einige Kurzfilme zu kreieren und schlußendlich noch die mir bisher unbekannten Werke „Chop Shop“ und „The Rake“ zu drehen. Bevor dann, letztes Jahr, „High on the Hog“ verbrochen wurde, hierzulande wenig sinnvoll in „Big Daddy – Make America stoned again“ umbenannt – was einfach nur der Name von Sid Haigs Charakter zusammen mit einer Tagline ist, die weder inhaltlich noch wörtlich je vorkommt.
 
 
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Sid Haig selber war so überzeugt von Wash und seiner Arbeit als Regisseur, dass er den Film direkt mitproduziert hat – und dass Haig seine simple und nie fordernde Rolle mochte, in der er kiffend zwischen 50 Jahre jüngeren Frauen auf seiner Farm chillt und kaum was tun muss, kann ich mir auch vorstellen. Aber wie sich dieses sehr lose „Konzept“ als Film präsentiert, das ist noch einmal eine ganz, ganz andere Frage. „For Bobby Z“ lautet die Widmung im Intro dieses Werks, da der im März 2015 bereits verstorbene Charakterdarsteller Robert Zdarsky, mir schon aus den Otto & Caesar-Filmen, anderen Lesern vielleicht eher aus „Tango & Cash“ bekannt war, hier als Mayor seine wohl vorletzte Rolle innehat – danke, Robert, dass du den Streifen mit deiner Präsenz veredelt hast, gerade da deine Szenen das wohl beste Acting dieses Trauerspiels beinhalten. „So it begins“ erzählt Sid Haig zu Drohnenfahrten über sonnige nordamerikanische Farmgebäude & Felder, und direkt fällt das körnige Bild auf, direkt die bemühten 70s-Farben, direkt das in „Grindhouse“ von Rodriguez und Tarantino deutlich zurückhaltender, deutlich pointierter benutzte Filtern von eigentlich ganz netten Aufnahmen, die möglichst gritty werden sollen. Wieso, fragt ihr euch? Bietet sich eine Story über einen Marihuana-Farmer, in dem echtes Material von aktuellen Ausgabestellen bzw. deren Razzias reingeschnitten werden, unbedingt für ein Throwback-Retro-Grindhouse-Erlebnis an? Nein? Nun, dann habt ihr jetzt wohl schon mehr über das Konzept nachgedacht, als der Regisseur.
 
 
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Ich will wirklich nicht die ganze Zeit austeilen, ich würd mich freuen über einen gelungenen Hybrid aus exploitativem Trash á la „Pervert!“ und entspanntem Kifferfilm, aber nichts von beidem braucht einen Fake-Bezug zu den Siebzigern, erst Recht nicht mit FSK 16 und ohne mit diesem Edi– egal, bleiben wir chronologisch. „Ain’t nobody gonna take our family farm away!“ slangt sich Haig durch das Voiceover, dann direkt zeigt der Editor sein hässliches Gesicht und in einem epileptischen Tobsuchtanfall von Opening Credits fährt ein schmissiges Muscle Car durch die Gegend, während generischer Hard Rock läuft und Splitscreen an Splitscreen an Splitscreen gereiht wird. Mal sehen wir das Auto gleichzeitig von der Seite und von oben, mal nur die Reifen ganz nah, dann wieder teilt sich das Bild in drei um simultan die mehrfach eingeblendete, amerikanische Flagge, die immer wieder identische Aufnahme einer Marihuanapflanze und das rumrasende Vehikel festzuhalten. Das ist noch deutlich anstrengender als es sich liest und würde selbst als Musikvideo nicht durchgehen, aber hey, im Intro toben sich überengagierte Editoren ja gerne mal aus und der Film hat schließlich noch nicht einmal richtig begonnen – denkste. Das Muscle Car fährt zum Stripclub, Stahlkappen auf den Lederboots des Fahrers, im Club direkt ein paar nackte Damen und ein schmieriger, schwitzender Typ, der einen geblasen bekommt. Das Schauspiel der gesamten Szene ist direkt auffallend grauenhaft, wenngleich auch nicht viel Dialog ausgetauscht wird, der Sound ist unverständlich und schlecht abgemischt, die Musik und Geräusche der Umgebungsatmosphäre wirken absolut nicht, als kämen sie aus dem Nebenraum.
 
 
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Kaum hat man das Intro halbwegs verdaut und kratzt sich fragend am Kopf, kommt der unfassbarste, anstrengendste, belastendste Part des gesamten Films, der Grund für mein Trauma: Es fängt damit an, dass völlig unvermittelt und ohne jede Vorstellung von irgendwem eine Frau panisch schreiend zu lauter Metalmusik und mit tausend Schnitten eine nächtliche Straße entlang rennt, und sich dabei bis auf die Unterwäsche entkleidet. Wer das ist oder warum wissen wir nicht, nur wie unfassbar es auch für den Zuschauer schmerzt, immer wieder festgefrorene Aufnahmen. Zu. Haben. Und. Dann. Wiedergehtesganzschnellweitermittausendschnitten. Und. Dann. Wieder. Einzelne. Frames. Unddannsiehtmanwiederwiesierenntundschreitundrennt. Unkonsumierbar, unzusammenhängend, unverständlich. Nächste Szene des gleichen Szenenblocks, ein Typ hat ne Schere im Kopf stecken, er und drei weitere junge Leute stehen scheinbar unter Schock am Krankenwagen, Polizei ist auch da. „How did this happen?“, Schreierei, mehr laute „Wuusch!“-Geräusche, überlagernde Tonspuren, Freeze Frames, Jumpcuts, der ganze Wahnsinn. Jetzt, nach der Frage also, FLASHBACK, denn diese uns völlig unbekannte Gruppe, die auch nichts mit der Farm oder dem Stripclub zu tun haben scheint, scheint zu diesem Zeitpunkt der eigentliche Fokus der Geschichte zu sein, als Aufhänger für den ganzen Film zu dienen – schließlich haben wir sonst noch nichts bekommen bis auf ein Voiceover von Sid Haig und einen ominösen Auftrag im Stripclub, richtig? Denkste.
 
 
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2 Stunden vorher, so informiert uns der hässliche Schriftzug, in diesem von hässlichen Einblendungen und Effekten und flackernden Einstellungen nicht gerade verschont gebliebenem Film, wollte die Gruppe „shit from some new guy“ holen. Durchschnittliche, generische Musik läuft zu laut im Vordergrund, dann geht der Film nach stolzen 8 Minuten Laufzeit auch direkt in die Vollen: War die bisherige, durchschnittliche Einstellungslänge bereits bei etwa 1-2 Sekunden, so wird jetzt in der Gruppe schlecht und unauthentisch wie sonst was gekifft und wenn dieser Film, mit diesem geisteskrankem Editor, der bereits da schon das mit Anstrengendste geliefert hat, das ich je gesehen habe, einen „bad trip“ inszenieren will, eine geistige Überforderung von drogeninduzierten Sinneseindrücken also, ja heilige Scheiße, verzeiht die Wortwahl, aber dann kann das Intro von „Enter the Void“ echt einpacken. Mit Verdopplungen und Zeitraffer und Zeitlupe und tausend Winkeln und hyperschnellem schwindelig machendem Editing und viel zu vielen Sounds und Eindrücken versehen wird sich hier durch eine Claymation-Splattersequenz gefiebert und genau diese Mischung aus hektischen Breakbeats und Panik und Desorientierung und Angst und Schweiß und Psychose verursachendem Editing ist es, die ich als „filmischen Bad Trip“ bezeichnen würde. Absolut unaushaltbar unangenehm, sehr immersiv und keine Ahnung was diese Szene, die wirklich nichts erzählt bis auf dass es gepanschtes Gras gibt, in diesem furchtbaren Film macht, aber so mitgenommen und unerwartet abgefuckt so völlig aus dem Nichts und ohne Warnung war ich lange nicht mehr. Alles wird viel zu schnell abgespielt, die unglückliche Kifferin rastet aus und sticht den Typen mit der Schere ab, den wir vor wenigen Minuten gesehen haben, ihr ist heiß, sie rennt weg und zieht sich aus, dann kommt ein Auto und überfährt sie – Cut, zurück zu der Stelle von vorher. Wofür das alles? Wieso diese Erzählstruktur? Wie zum Teufel hat dieser kurze Vorgang 2 Stunden gedauert? Ich weiß es nicht und es verwirrt nur noch mehr, darüber nachzudenken, aber einzigartig war dieser Höllentrip definitiv. Zu diesem Zeitpunkt, etwa 10 Minuten in „Big Daddy – Make America Stoned Again“ also, wünschte ich mir bereits einfach nur dass Entschleunigung stattfindet, dass auch nur eine Einstellung mal länger laufen darf als ein paar Sekunden, dass wir keine Shakycam auf engsten Raum haben mit tausend Überblenden und Filtern, sondern Tarkovsky-mäßige, ruhige, langsame Einstellungen zum Reinsetzen und Genießen. Doch selbst wenn Sid Haig als „Big Daddy“ einfach nur auf der Terasse sitzt und einen Joint raucht schafft der Editor es, das ganze sehr sehr kräftezehrend zu gestalten. B-Movie Legende Joe Estevez darf den eindimensionalen und wenig spannenden oder witzigen „Agent Dick“ spielen, der Big Daddy auf die Spur kommt und einen Durchsuchungsbefehl für die Farm möchte, bis auf Alkoholismus und eine leichte Verwirrung, die vermutlich eher von Estevez selber kommt, hat auch dieser Charakter aber leider keine weiteren Eigenschaften bekommen. In einer hässlichen, rot-blau-grün beleuchteten Wohnung steht Estevez nun im peinlichen Kostüm vor ein paar Dealern und erzählt zu weiterhin irritierendem Editing genau die Szene des Unfalls nach, die wir gerade gesehen haben. Drei bewaffnete „bad ass bitches“ dealen wohl das giftige Gras im Stripclub, so werden wir informiert. Der „Scene missing“-Gag wird zum zweiten Mal wiederholt, der Dealer schlecht getrickst verkloppt, Estevez nuschelt sich irgendwas in seinen Bart. Szene Ende. 14 Minuten im Film, 83 also noch, wie soll ich das nur aushalten?
 
 
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Die Bildfehler nerven, Sid Haig kriegt von seiner 50 Jahre jüngeren Frau/Freundin einen Blowjob, zu dieser wenig appetitlichen Vorstellung gesellt sich noch sein erzwungener Catchphrase „Pack it tight!“. Weil sinnloses Gelaber über das Joint drehen aber noch nicht genug sinnloses Gelaber für einen Film ist, wird zum Zeit füllen und zur Tortur des Zuschauers noch regelmäßig eine Radiomoderatorin eingeblendet, die, natürlich sinnloserweise oben ohne und notwendigerweise die ganze Zeit kiffend, „Queen Kush“ (!!!) heißt und ihren Sender auch wirklich einfach nur „Kush“ genannt hat, ohne jeden Witz dahinter oder auch nur den Versuch eines cleveren Wortspieles. Die mit ästhetischsten Aufnahmen, mit Rauchschwaden im pinken Licht, stammen dabei zwar von eben dieser Location, aber weil alles was sie labert leider nur unbrauchbarer Müll der unwitzigsten Sorte ist, kann ich selbst diese Inserts nichts als Pluspunkt verbuchen. Die restlichen Frauen auf Big Daddys Hof werden vorgestellt, sind aber unerwarteterweise weder sonderlich prägnant geschrieben, noch dargestellt, noch gecastet, noch halbnackt, einzig das Schauspiel fällt wie erwartet unterdurchschnittlich aus. Der Soundtrack begnügt sich derweil damit, uninspirierten Stock-Rock zu spielen, der so auch in 2000er-Rennspielen im Menü laufen könnte. 22 Minuten im Streifen, ich will sterben. Nach diesem überlang aufgebauten und verwirrenden Intro und einer weiteren unnötigen Szene, in der Dick einen Dealer beschattet oder so, kickt dann auch langsam mal die Hauptstory ein, da ein junger, weiblicher Cop sich zu außerordentlich grässlicher Musik auf der Toilette entscheidet, undercover als Prostituierte in den Stripclub zu gehen, um von den „bad bitches“ auf die Farm gebracht zu werden und den Fall endlich zu knacken. Immer die gleichen Bildfehler, flackernden Lichter und Überblenden erschweren das Sehvergnügen, fast als sei der gerade gelieferte Ansatz einer Story aber schon wieder zu viel für den Film, lehnt er sich jetzt narrativ im Stripclub erneut einmal komplett zurück und lässt einfach nur die Bilder und das gelungen groovige Rockcover sprechen, das im Hintergrund läuft. So verkommt die Seherfahrung also minutenlang endgültig zur unmotivierten und unerotischen Fleischbeschau ohne Dialog, ohne Handlung, ohne Substanz – und der schickste Shot ist ironischerweise der von Estevez, der draußen im Auto wartet.
 
 
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Nach 29 Minuten ging mir ein Herz auf, da es hier tatsächlich einen etwa 10-sekündigen Take gibt, in dem nicht geschnitten wurde – eine Insel der Ruhe in diesem endlosen Chaos. Die Polizistin wird wie geplant undercover weggefahren und zieht zum Verbrennen ihrer Kleider im Wald blank – doch so archaisch dem Exploitationfilm zugehörig dieses Szenenkonzept sich liest, der Zuschauer darf hieran nicht teilhaben. Lucy, unser Cop, wacht auf der Farm nackt im Bett auf und wird von Sid Haig begrüßt, der ohne Fragen ein Outfit bereit hat und sie hier arbeiten und leben lassen will. Warum eine dieser belanglosen Einstellungen plötzlich schwarz/weiß ist, weiß wohl auch nur der Regisseur selber, auch hab ich Sid Haig noch nie SO dermaßen schlecht spielen sehen, wie in dieser kleinen Szene, in der er seine anderen Frauen angiftet. Lucys Backstory steht als nächstes auf dem Menü, natürlich shit childhood, wird wortwörtlich so gesagt im Film, Frau #2 hatte auch ne schwierige Vergangenheit versteht sich, prinzipiell würd ich die Szene loben weil es endlich mal relativ ruhig ist und das Editing nicht ganz so verrückt rumspringt, aber dann kommen wieder laute Schreie und unfreiwillig komische Einblendungen zu eigentlich so ernsten Themen und der Film hat mich wieder völlig verloren. Es wird einfach erzählt, wie in einer Comedy – wenn erzählt werden soll, dass Zeit vergeht, sehen wir wirklich eine große Uhr, die schnell abläuft. Wenn es um Misshandlung in der Vergangenheit geht, hören wir ein Schlaggeräusch wie bei „Ups! Die Pannenshow“, wenn in der Vergangenheit jemand ermordet wurde, gibt’s nen Stock-Schrei von freesound und ne Blutspur auf dem Bildschirm. Nach dieser tiefschürfenden Szene wird erneut nur rumgesessen und, well, absolut gar nichts getan, bis auf dass Lucy mit Sid und den Mädels einen raucht, obwohl sie wenige Minuten vorher noch entschieden abgelehnt hat. Dick ist sich derweil alleine im Büro am wegsaufen, weil der Film natürlich vermitteln will Gras = Gut und Alkohol = Böse, auch wird die Tatsache dass es Alkohol ist ganz dezent mit einem Neonschild kommentiert, wie quirky doch. Fast so quirky, wie wenn in der folgenden Sexszene zwischen Daddy und einem seiner Girls ein filmfremdes stock-Pärchen reingeschnitten wird, das Sex hat, oder wenn eine Gurke eingeblendet wird für einen kurzen Moment, weil ein Mann nackt durch das Haus läuft. Haha, pickle rick!
 
 
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Magischwerweise sind wir, obwohl kaum etwas passiert ist, bereits bei 45 Minuten Editingunfall und alles was im hier und jetzt geschieht, ist, dass Lucy von einer der Frauen angemacht wird. Zudem offenbart sich langsam ein weiteres Problem des Editings, denn abgesehen vom Tempo und davon, dass es augenkrebsverursachend anstrengend und nervig ist, fehlen auch einfach jegliche Markierungen, Zäsuren oder Hinweise für den Zuschauer, wie viel Zeit vergangen ist, was gerade echt oder ein Traum oder ein Flashback ist, wo welche Stelle beginnt oder aufhört. Wenn man alles betont, wie bei Transformers z.B. auch, dann wird gar nichts mehr betont – wenn alles wichtig ist, ist nichts wichtig. Und wenn fast jede Szene ähnlich hektisch und flirrend und verwirrend geschnitten ist, dann geht alles in einem reinen Schnipselmatsch unter, aus dem man sich kaum noch zu helfen weiß. Und warum ständig „Scene missing“, soll das wirklich witzig sein? Warum regelmäßig Stellen in schwarz/weiß, ohne dass es konsistent oder clever genutzt wäre? Die One-Liner von Queen Kush gehen weiterhin auf den Senkel, während zu wie gewohnt schlechter und austauschbarer, zu lauter Musik auf n paar Glasflaschen geballert wird – wie in einem meiner Lieblingsfilme, Donnie Darko. Da schießt unser Protagonist zusammen mit seinen Freunden auch auf ein paar Glasflaschen und wie kommt es nur, dass ich bei Donnie Darko sofort erinnere, wie die Jungs einen legendären Dialog über die Schlümpfe und deren Sexualität führen, ich bei „Big Daddy“ aber nicht nur nicht den Inhalt erinnere, sondern mir gar keine Notizen zu der Szene gemacht habe, bis auf „null Charisma“? Ich lasse das Rätsel mal so stehen. Eine Collage von Gras-induzierten Unfällen bzw. Vergiftungen wird gezeigt und treibt irgendwo am Rand also auch diesen „Plot“ an, danach kommt als kurioser Szenenübergang, der witzig wäre wenn nicht der ganze Film so random und dumm wäre, ein zweisekündiger Einspieler von einer schweinemasketragenden Frau, die oben ohne zwei Pistolen auf den Zuschauer richtet und abdrückt. Ja, bitte, erlöse mich. 50 Minuten im Film, schlappe 47 also nur noch, haha, da scheinen sich die Dinge eeeeeendlich zuzuspitzen: In einer erträglichen, fast schon normal editierten und nett beleuchteten Barszene wird etwas diskutiert und schlecht gespielt, („So I’ll uuuhh…get you your icecream now.“) bevor Lucy wenig versteckt Dick anruft, von der Farm erzählt und dabei von Blondie entdeckt wird.
 
 
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Sie gibt direkt zu dass sie undercover ist und wird vermöbelt und siehe da, Sid Haig, von unten gefilmt, hühnenhaft in der dunklen Scheune, eine bestrafte Frau vor ihm auf dem Boden, das hätte prinzipiell wirklich Exploitation-Charakter und wirkt für ein paar Sekunden so sehr als Genrehommage und gelungenes Fanprojekt, wie es vermutlich wirken sollte – nur draus gemacht wird leider überhaupt nichts, erst Recht nicht mit dem Wissen dass wir unsere Protagonistin scheinbar nicht nackt sehen sollen und der Film eine FSK 16 bekommen hat. Eine Stunde im Werk, wieso muss es jetzt nur noch 37 Minuten gehen, statt 10? Während ich noch darüber nachgedacht habe, ob ich Queen Kushs Spruch „We put the oui in Weed“ oder doch lieber „We put the joy in Joint“ witziger fand, macht sich Big Daddy bereit, die ausspionierte Farm zu verlassen und mit den Mädels nen Neustart an einem anderen Grundstück zu versuchen, das er zum Glück noch besitzt. Im Intro und allgemein immer wieder wurde uns ellenlang erzählt, wie wichtig dieses spezifische Stück Farmland hier ist, das seit Generationen im Familienbesitz ist, aber sei’s drum. Einen unverständlichen „Semper Fi Motherfucker!“-Ausruf und erzwungen pseudocoole Dialoge später folgt dann, nach 64 Minuten die erste tatsächlich ganz okay bis gut gespielte Szene zwischen Zdarsky als parteiischen Mayor und Estevez als wütenden Dick, der endgültig die Schnauze voll hat. Großes Kino ist anders, für B-Moviefans aber definitiv eine spaßige kleine Konfrontation und vermutlich auch das traurige Highlight des Films. Echte Aufnahmen werden reingeschnitten um extrem tumbe Pro-Weed-Propaganda am Zuschauer auszulassen, mit der Subtilität von „Cool Cat saves the kids!“ und ohne, dass es je in die Story oder Szene passen würde. Das Niveau wird mit Big Daddy’s Maxime „Better pissed off than pissed on“ immerhin konsequent gehalten, mit unfassbar lautem Dröhnen und Schreien darf Daddy dann auch noch einen Alptraum erleben, einzig um Zeit zu strecken. Wieso muss dieser Film noch gleich 97 Minuten lang sein?
 
 
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Oh nein, der anstrengende, speedziehende, dadurch das Editing natürlich wieder sehr belastend machende, Dealer vom Anfang ist wieder da mit viel zu lauter Musik doch tut nichts wirklich Wichtiges, viel eher ist aber traurig wie dieser Film nun, nach 75 Minuten, 22 Minuten vor dem Ende der Chose, noch versucht für Sid „Big Daddy“ Haig eine Backstory zu erzählen, die natürlich lange nicht mehr interessiert. So prinzipiell nett diese Szene, mit ruhiger Erzählung und einer sympathischen Gitarrenmusik mit Geige und Ambient-Note im Hintergrund auch sein mag, so verschenkt ist die Möglichkeit. Weniger als eine Sekunde lang darf man dabei tatsächlich einen ziemlich brutalen und rabiaten Splattereffekt bewundern, aber wenn dann eine Szene später Agent Dick IMMER NOCH versucht den Durchsuchungsbefehl zu kriegen, frage ich mich echt womit zum Teufel ich die letzten 80 Minuten verbracht habe, da absolut nichts passiert ist. Die gorigste Szene des Films ist dann überraschenderweise echt, da die Jungs von Big Daddys Farm jetzt wohl für die ganze Stadt ein BBQ hosten und es sich nicht genommen wurde, echte Szenen des Ausweidens und Häuten und Schneidens des Schweins in den Film zu packen. Gehört zu der Vorbereitung und sieht auch recht horrorlastig, gut saftig, aus, aber wie so oft muss ich hinterfragen, was zum Fick damit bezweckt werden sollte. Der Mayor kommt auch dazu, 15 Minuten Film noch halleluja gleich geschafft, und auch einen Haufen Statisten hat man sogar gefunden für die überzeugende Kleinfeier auf dem Land, nur musst ich leider spätestens dann an den marginal besseren, aber immer noch sehr schlechten „Daddy’s Girl“ denken, als Sid Haig, also Daddy, „Welcome to Hell, Assholes“ sagt. 12 Minuten vor Ende, nachdem man sich durch dieses Schnittmassaker von einem fiebrigen Alptraum bar jedes Plots gekämpft hat, startet dann endlich auch mal eine Konfrontation und wie erwartet ist diese unlogisch, sinnlos, unrealistisch und mit (falschen) Stock-Sounds versehen. Eine Schrotflintenhülse fällt auf den Boden zum Sound einer 9mm-Hülse, Einschüsse sind nicht existent oder offscreen, sowohl auf Seiten der Farmbewohner, aber gerade auf Seite der Polizei, verhalten sich alle haltlos dämlich und gegen jede Vorschrift.
 
 
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Quer über die flüchtende Menschenmasse wird geballert, ohne jegliche Deckung auf kurze Distanz am Feind vorbei gerannt, Inkompetenz wo man hinsieht. Es gibt einen überraschenden und überraschend blutigen, erbarmungslosen Kill und der Versuch einen schlechten Catchphrase zu etablieren ist so absurd, dass ich wirklich lachen musste, aber dann sagt Sid Haig auch schon wortwörtlich „Well that’s a shitty ass way for it all to end“ und ich kann nur zustimmend nicken, Amen. Was bleibt zu diesem einmaligen Verbrechen zu sagen? „Big Daddy – Make America Stoned Again“ ist definitiv DER eine, herausstechende Film mit dem anstrengendsten, schlimmsten Editing, das ich je gesehen habe. Es ist ein Film, der es gleichzeitig schafft an den Problemen eines hochbudgetierten, seelenlosen Studio-Schrotts wie „Suicide Squad“ zu scheitern, da er sich anfühlt wie ein ewiges, auf Speed von Grundschülern editiertes Musikvideo, als auch an den schauspielerischen Unzugänglichkeiten und Budget-Makeln, die überambitionierte oder schlichtweg misslungene Indieproduktionen oftmals plagen. Song an Song, mal ok bis gut mal ganz fürchterlich wird aneinandergereiht, aber ebenso vergessenswert und kräftezehrend wie das Editing, das keine scheiß Einstellung mal zu Ende wirken lassen kann, werden auch die Lieder stets nur angespielt und dürfen kaum mal durchlaufen – und wenn doch, dann aber ohne, dass gleichzeitig etwas erzählt wird, oder passiert. Dass ich 100 Minuten mit einem Haufen Charaktere verbringe, die alle nicht durch ihre Taten oder Optik glänzen sollen, da es eben kein Exploitationfilm ist, und trotzdem niemanden davon näher kennenlerne, ist schon fast bemerkenswert.
 
 
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Da der Schnitt so desaströs ist, kommt allerdings die Frage auf wie dieser Celluloidhaufen ohne einen arrhythmisch auf der Tastatur breakdancenden Editor aussähe und die Antwort lautet, dass man auch dann noch mit relativ großen Namen und ziemlich viel Aufwand einen merkwürdig genrelosen und leeren Film geschaffen hat, der nun nicht mehr nervt, aber dafür einfach nur langweilt. Wirklich gemütlich, so dass wir einfach mit den Charakteren Zeit verbringen wollen, wird es nie, narrativ tut sich aber leider auch nichts. Script und Dialoge sind leider Müll ohne ausgleichende Faktoren, das Schauspiel hapert meistens an den sinnlosen Lines, ob es optisch ansprechende Szenen gab kann man wirklich kaum sagen, da durch die penetranten Bildeffekte kein Shot goutiert werden kann. Irgendwo zwischen peinlich stumpf politische Propaganda betreibendem Kifferfilm, Grindhouse-Abgesang und Stroboskoplichtclubbesuch nach der zehnten Nase mit Rattengift gestreckten Dingern hat „Big Daddy – Make America Stoned Again“ es sich gemütlich gemacht, als Film möglichst ungemütlich für jeden Zuschauer zu sein. Egal ob als Sid Haig-Fan oder Kiffer, egal ob auf der Suche nach einer Comedy oder einer reinen Stilhommage, egal was man sucht bis auf einen „How not to edit“-Kurs, man wird es hier wirklich nicht finden. Wenn man denkt, dass es das endlich war, folgen immerhin noch zwei durchaus gelungene Schmankerl: Einereits kifft „Queen Kush“ nämlich natürlich noch etwas, nur um auf die bereits bekannte, wenn auch abgeschwächte Bad-Trip-Art zu krepieren, inklusive erneut sehr starker Claymation-Effekte und effektiv abfuckendem Editings. Und dann folgt der beste Part des Films, mit Abstand: Die Credits am Ende. Hier nämlich tanzen die drei Darstellerinnen des Films alle oben ohne zu einem Lied, am Rand neben den Namen, das wars. Keine Schnitte, keine Überblenden, keine lauten Geräusche, keine schrecklichen Dialoge und ein Lied, das am Stück durchläuft. Es sind immer die gleichen drei Frauen in den immer gleichen Outfits, herausstechend bezaubernd finde ich persönlich niemanden davon und das Lied ist auch kein Kracher – aber im Vergleich zu allem vorher, muss ich die Ending Credits doch definitiv positiv betonen.
 
 


 
 
 

BIG DADDY – Fazit

 
 
 
2 Punkte Final
 
 
Handwerklich prinzipiell deutlich über Tauberts Werken angesiedelt, schafft „Big Daddy – Make America Stoned Again“ es, durch das unangenehmste Editing, das ich je miterleben musste, einen Platz im Olymp der nervigsten und ungenießbarsten Filme aller Zeiten zu sichern. Als alptraumhafter Bad Trip, und das beweist der Film ganz eindeutig, funktioniert das bestens – als Langfilm aber eine reine Tortur im negativen Sinne.

 
 


 
 
 

BIG DADDY – Zensur

 
 
 
Die Veröffentlichung von „Big Daddy – Make America Stoned Again“ wurde von der FSK in der ungeschnittenen Fassung mit einer FSK16 freigegeben. Filmsammler können daher bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

BIG DADDY – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Lighthouse Home Entertainment (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: High on the Hog; USA 2019

Genre: Action, Drama, Krimis

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 98 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer

Release-Termin: KeepCase: 15.05.2020

 

Big Daddy – Make America Stoned Again [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

BIG DADDY – Trailer

 
 


 
 
 

Dr. Barry Nyle

(Rechte für Grafiken liegen bei Lighthouse Home Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Nixon and Hogan Smoke Christmas (2010)
 
Domino (2005)
 
96 Hours – Taken 3 (2014)
 

Filmkritik: „Adult Babies“ (2017)

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ADULT BABIES

(ATTACK OF THE ADULT BABIES)

Story

 
 
 
Der Spielenachmittag einer britischen Familie wird jäh unterbrochen, als sie gezwungen werden eine mysteriöse Box aus einem Anwesen zu befreien, das hinter jeder Tür Geheimnisse birgt – insbesondere im Keller…

 
 
 


 
 
 

ADULT BABIES – Kritik

 
 
Ich muss ehrlich sein, als ich mir „Adult Babies“ gewünscht habe, mit seiner unterdurchschnittlichen imdb-Wertung, den schnell relativ billig werdenden Mediabooks und ohne auch nur einen mir bekannten Namen bis auf Laurence R. Harvey, dem wunderbar fiesen kleinen Psychopathen aus „The Human Centipede II“, da war meine Erwartungshaltung nicht die Höchste – ein Film, der vier bis fünf Punkte verdient vielleicht. Einer, der ein paar eklige und vermutlich aber nur zum Ende hin EINE brutale Szene haben dürfte, einer, der vermutlich die Hälfte seiner Laufzeit braucht, um auch nur richtig zu starten und vor allem einer, der schnell vergessen ist.
 
 
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Doch nach diversen Tiefschlägen, Enttäuschungen und filmischen Selbstpeinigungen in letzter Zeit bin ich überglücklich, verkünden zu dürfen, dass die Riesenbabys genau diese Probleme tatsächlich nicht haben und der Film stattdessen in mehrerlei Hinsicht deutlich besser war, als ich es je für möglich erachtet hätte, bzw. als er eigentlich sein dürfte.
 
„Let’s get this done & call in the cleaners“
 
Dominic Brunts britischer Babyfilm beginnt dabei mit einer angenehm nach 80s-Genrekino riechenden, blutroten Font, einem ohrwurmtauglich-minimalistischen Synthiebeat und überbelichteten Aufnahmen die durch eine eindrucksvolle Villa führen, in der direkt eine eng angezogene Krankenschwester vor einem alten, oberkörperfreien Mann in Windel flüchtet, einem der titelgebenden Riesenbabys. Titlecard und Schnitt, im recht leeren Wohnzimmer sitzt die gut situierte Familie beim Brettspiel und auch hier fällt auf, dass die Optik leider recht billig wirkt, der Himmel überbelichtet ist, alles außerhalb des Raums ausbrennt. Kleine Streitereien innerhalb der Familie, insbesondere zwischen dem Vater und Tim, dem Sohn, zeigen bereits erste Anspannungen, die Mutter bleibt passiv.
 
 
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Zurück in dem Anwesen werden uns nun die hübschen Krankenschwestern vorgestellt, die unter den Anweisungen einer dominanten, älteren Anführerin im schwarzen Outfit und ihres debil-grausamen Sidekicks die 8 Riesenbabys rumfahren, pflegen, füttern und streicheln müssen. Überrascht war ich zu dem Zeitpunkt, dass wir hier nun weder peinliche, langgezogene Szenen mit Ekelhumor, noch peinlichen Slapstick serviert bekommen, sondern relativ geerdet und faktisch festgehalten wird, wir die Strukturen in diesem Haus funktionieren – und das wars. Keine ekligen Nahaufnahmen, kein ewiges Herauszögern der titelgebenden Babys – einzig ein bisher noch zusammenhangloses Verschneiden von Familienalltag und, well, Adult Baby Alltag.
 
„Everybody play Bing Bong, everybody happy!“
 
Bemühtes, allzu theatralisches Schauspiel im Wohnzimmer der Familie weitet einen ersten Konflikt aus, dient aber nur als Ablenkung, da auf einmal bewaffnete Gangster mit russischem Akzent die Wohnung stürmen und verlangen, dass bis auf den Vater alle eine ominöse Box aus natürlich genau dem Haus holen, in dem die Fetischbabys ihr Unwesen treiben. Da die Babys bisher kein bisschen bösartig oder bedrohlich inszeniert wurden und wir die Familie kaum kennen, zu dem Zeitpunkt noch ein recht undurchsichtiges Konzept, doch da die russischen Gangster durchaus unterhaltsam gespielt sind und witzige Lines haben und die Außenaufnahmen zudem deutlich besser aussehen, als die ersten Bilder es vermuten ließen, bin ich mal ganz optimistisch an den Spaß ran getreten.
 
 
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Was sich nun liest wie ein relativ vorhersehbares Szenario, zumindest rein formell, verlangt es mir aber nun, nach etwa 15 der 84 Minuten Laufzeit, bereits ab nicht mehr weiter zu spoilen, da die erste Überraschung folgt – brutal, gut getrickst und humortechnisch genau mein unpointiertes Anti-Ding, machen wir uns nach zwei sehr netten Extraszenen nämlich bereits auf den Weg zum Anwesen, um nach etwa 20 Minuten am Haupthandlungsort anzukommen – was stimmig gewählt ist und als Einstieg bestens funktioniert, nun noch eine Stunde Action zu bieten.
 
 
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Kaum wurde die erste Überraschung nämlich aus dem Sack gelassen, wird von physischen Veränderungen der Adult Babies gesprochen, dann noch in der selben Szene erwähnt dass etwas im Keller ist und eine Hand präsentiert, die merkwürdig eitrig ist und an einem merkwürdig laut atmendem Mann gewachsen zu sein scheint. Doch damit gibt sich „Adult Babies“ auch noch nicht zufrieden, denn noch in der ersten Hälfte erfahren wir folgend nicht nur ein weiteres pikantes Plot-Detail, sondern kriegen gar auch unerwarteten und deftigen Splatter, wirklich witzig inszenierte Comedy und eine Synthesizer-Score, die das flexibel in mehrere Richtungen abdriften könnende Geschehen sehr stimmig untermalt.
 
 
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Und ist der letzte Schock verdaut, gibt es – wie in allen guten Filmen, 2001 reiht sich hier direkt neben die Windelträger – eine kurze Intermission, bevor die zweite Halbzeit sich mit gelungen ekliger Maskenarbeit einleitet, eine Crackhouse-Psychoversion von Toni Collette in einer Nebenrolle glänzen lässt und immer wieder im reinen Dialog und Banter, in den Details der leider ohne Untertitel zu undeutlich genuschelten britischen Schnauze, überraschend witzige Zeilen raus haut. Da werden die Animositäten und Konfrontationen von Beginn auf die Spitze getrieben, da wird im unpassendsten Moment gesoffen, da kommen Geheimnisse an die Oberfläche, die vielleicht lieber versteckt bleiben sollten.
 
„That thing in the basement produces something!“
 
Sollte die Analogie, dass weiße, übergewichtige, alte Männer sich von jungen Frauen freiwillig für viel Geld wie Babys behandeln lassen, jegliche Verantwortung ablegen und hinter verschlossenen, vergoldeten Türen ihren geheimen Fetischen nachgehen, nicht offensichtlich oder präzise genug sein, so wird in einem kleinen Exkurs nun das Konzept bzw. grobe Modell des ganzen Ladens noch einmal vertieft, wobei aber mehr Fragen aufkommen,als erklärt werden – vorerst. Direkt danach, etwa 51 Minuten im Film, etwas mehr als eine halbe Stunde noch ausstehend, spitzt sich die Situation bereits so weit zu, dass man von einer Eskalation reden kann, in überraschen frühen, großen Schritten scheinbar auf das Finale zusteuert – hier gibt es schön fieses Schauspiel der Antagonistin zu bewundern, eine Fragezeichen und Vorfreude auslösende Szene mit allen Babies im Fokus und dann so extrem drastischen und gelungen handgemachten Splatter, dass ich beim dran denken schon grinsen und zufrieden grunzen muss.
 
„Fuck!“ – „Language, Timothy!“ – „They’re coming, Dad!“ – „Fuck!“
 
Die Logik wird nun relativ schnell über Bord geworfen wie es sich für schnellen, kurzweiligen Funsplatter mit mehreren Fraktionen imo aber auch gehört, zu einer wirklichen Hetzjagd oder schnellen, brutalen Auseinandersetzung kommt es auch nicht, doch bei der kurzen Laufzeit, den vielen Witzen und kreativen, überraschenden Ideen hat mich das ja mal tatsächlich so gar nicht gestört. Der Anführer der Babies hat sichtlichen Spaß an seiner grotesken Rolle, eine einzelne Szene ist unerwartet düster, hoffnungslos und bösartig, ohne den Bogen zu überspannen, wie erwartet muss es natürlich auch einmal kurz richtig eklig werden, aber das nur eine Sekunde lang, trotzdem extrem einprägsam.
 
 
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Die letzten 20 Minuten von „Adult Babies“ gehören dann mit zu dem Überraschendsten, Kreativsten, Unerwartesten, das ich je gesehen habe und auch hier werde ich nicht spoilen. Der zweigeteilte Aufbau gestaltet sich nämlich so, dass ich zuerst einfach nur glücklich war, sehr stark und krass getricksten Gore zu kriegen, der unironisch auf einem Level mit „Inside“ z.B. ist, nur dabei noch mit grimmigen One-Linern versehen, schicken Aufnahmen und zwerchfellerschütternd deftigen Effekten. Und dann aber, wenn man denkt „Ok, was jetzt?“, gibt es noch einen ganzen Haufen Exposition und Backstory, die cool erzählt, eklig, interessant und absolut originell ist, so imo noch nicht gemacht wurde im Film. Und last but not least, diese Informationen verdaut, folgt eine absolut beängstigende Sicht, die kosmischen Horror streift obwohl sie nicht unerklärt bleibt, Stilmittel des Films, die bisher noch nie benutzt wurden, komplett dominieren lässt und mit Streichern und Klaver und Sounddesign erst etwas Wunderschönes, dann Merkwürdiges, dann schlußendlich arschkickend Kreatives und Mutiges liefert. Klingt vage, aber ich will wie gesagt nicht spoilern und hab nur nicht schlecht gestaunt, was sich das gerade Wildes vor mir auf der Leinwand abspielt – Technisch fantastisch, mit einem großartigen Soundtrack und keine Sekunde zu lang.
 
 
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„Adult Babies“ hätte einfach nur billig, peinlich, zu lang gezogen, krampfhaft eklig und enttäuschend sein sollen, konnte stattdessen aber fast durchgängig wirklich gut unterhalten. Ein paar amateurige Shots und Performances stoßen etwas übel auf, das Finale schlägt vielleicht vereinzelt über die Stränge, aber einen so blutigen, so originellen, so merkwürdigen WTF-Trip habe ich lange nicht mehr gesehen und jeder Genrefan, jeder Freund von Botched oder Braindead oder allgemein wilden Konzepten á la The Human Centipede ist, sollte definitiv zuschlagen – und das nicht nur aufgrund der Akzente, Wortspiele und grottigen Synchronisation auf Englisch, sondern auch weil die ganze Spur deutlich druckvoller und besser abgemischt ist, insbesondere im Finale.
 
 


 
 
 

ADULT BABIES – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
Blutiger, kurzweiliger, überraschend witziger, rasanter Funsplatter mit 1A-Effekten, einem der abgedrehtesten Enden der Filmgeschichte und spielfreudigen Performances.
 
 


 
 
 

ADULT BABIES – Zensur

 
 
 
Die Veröffentlichung von „Adult Babies“ wurde von der FSK in der ungeschnittenen Fassung mit einer FSK16 freigegeben. Wegen einiger höher eingestufter Trailer auf der Kaufhaus-Blu-ray ist auf dem Cover selbiger ein roter FSK-Flatschen abgebildet.
 
 
 


 
 
 

ADULT BABIES – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) I-On New Media (Blu-ray im KeepCase)

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(c) Shock Entertainment (Mediabook Cover A)

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(c) Shock Entertainment (Mediabook Cover B)

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(c) Shock Entertainment (Mediabook Cover C)

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(c) Shock Entertainment (Mediabook Cover D)

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(c) Shock Entertainment (Mediabook Cover E)

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(c) Shock Entertainment (Mediabook Cover F)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Adult Babies; Großbritannien 2017

Genre: Horror, Komnödie, Splatter

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 88 Min.

FSK: KeepCase: keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung) | Mediabook: ungeprüft (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover | Mediabook

Extras: Trailer | zusätzlich im Mediabook: Audiokommentare, The Making of Adult Babies, 24-seitiges Booklet mit Texten von Nando Rohner, Hauptfilm zusätzlich auf DVD

Release-Termin: Mediabook: 31.05.2019 | KeepCase: 27.03.2020

 

Adult Babies [Blu-ray im Keepcase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

ADULT BABIES – Trailer

 
 


 
 
 

Dr. Barry Nyle

(Rechte für Grafiken liegen bei I-On New Media)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Botched – Voll verkackt! (2007)
 
The Cottage (2008)
 

Filmkritik: „Crash“ (1996)

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CRASH

Story

 
 
 

James Ballard (der damals noch attraktive James Spader) hat Stress mit seiner Gattin. Das anstrengende Modell der offenen Beziehung wird zelebriert, trotzdem ist alles doof. Nach einem Unfall gerät Ballard an den perversen Dr. Vaughan, dem die orthopädische Beinschiene des jungen Mannes auffallend gut gefällt. Über Vaughan geraten die Ballards in die Szene von Irren, die einen Fetisch für Unfallfotos hegen und sich auch selbst in Autounfälle verwickeln, schlichtweg weil es sie geil macht. Da ist der Tod bloß ein mehr oder weniger angenehmer Nebeneffekt. Was für ein Film!

 
 
 


 
 
 

CRASH – Kritik

 
 
 
Das Spiel heißt „Symphorophilie“. Man lernt hier auch als Autor nicht aus. Jene S. bezeichnet den sexuellen Lustgewinn durch das Betrachten von Tragödien oder Katastrophen. Grinsen beim Tippen. Erinnerung an den heimlichen Comedy-Roman des stinkeligen Marquis de S., „Die 120. Tage von Sodom“ natürlich, auf dessen kakophonischem Final-Spurt der wahnwitzige Satz „er entlud sich, während er das Gemälde eines Vulkanausbruchs betrachtete“ zur Erwähnung kommt. Schwindelerregend behämmert ist da der Lesespaß und bemitleidenswert simpel jene unserer Mitmenschlein, die in solchem Provokations-Mumpitz auch nur ein Körnchen Ernsthaftigkeit vermuten wollen. Die Protagonisten von „Crash“ sind Symphorophile mit einer wahrlich unappetitlichen Kante der Moderne obendrein dazu. Bestialische Autounfälle stellen den ganz speziellen Fick-Kick jener gelangweilten Bande von dekadenten Zivilisations-Opfern dar. Doch keine Gemälde von Naturkatastrophen sind’s hier, nein, zermatschte menschliche Leiber, auf perverse Art sexualisiert ineinander verschlungen mit den durch brutale Aufprall-Gewalt deformierten Bauteilen internationaler Autoingenieurs-Kunst.
 
 
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Da ist sie wieder: die Sache mit dem Body-Horror als Lehre von der Vernichtung des Menschen. Für einen Autor vom Kaliber J.G. Ballards muss schon jemand ran, den die filmhistorische Fachliteratur gewöhnlich als Schöpfer des so gern benutzten Begriffs oder Subgenres „Body Horror“ aufzuführen pflegt: Niemand anderes als David Cronenberg ist natürlich gemeint. Der kanadische Misanthrop sorgt seit den Siebzigern dafür, dass die Skalpelle der Körperzerstörung auch tödliche Schnitte in der unsterblichen Seele hinterlassen. Das gilt für die bedauernswerten Protagonisten seiner Filme genau wie für das Publikum seiner Kinofilme. In seiner dystopischen Science-Fiction-Parabel „Scanners“ lassen telekinetisch begabte Menschen die Köpfe ihrer Feinde zum Zerplatzen bringen. Bei „Die Unzertrennlichen“ und „Die Fliege“ geht es um eine außer Kontrolle geratene und sich zum Schöpfer-Gott aufgeschwungene Wissenschaft, die abseits moralischer und ethischer Normen vollends die Menschlichkeit verliert. Oder sein unumstößliches Frühachtziger-Meisterwerk „Videodrom“, in der in völliger Gottlosigkeit einer Gegenwart des Verfalls neue Menschen kreiert: „Long live the new flesh!“ heißt es dort in unglaublich Hinterhalts-faschistischer Wucht. „Crash“ ist einer seiner letzten Filme, die sich dem, was unter Körperhorror laufen dürfte, widmen. Das „Neue Fleisch“ bei „Crash“ ist eine sterbende Masse zerfetzter Menschen, verbunden mit Chrom und Stahl. Man denkt an Shinya Tsukamotos japanische Maschinenmenschen-Granate „Tetsuo – The Iron Man“ aus den kokain- und wahnsinnsgetriebenen achtziger Jahren. Nur eleganter, ruhiger und ohne comichafte Überzeichnungen gefilmt. Eher eine Meditation über die pure Perversion des Lustgewinns durch körperliche Zertrümmerung.
 
 
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Autor der Buchvorlage ist J.G. Ballard (1939 – 2009). Der arme Mann befindet gegenwärtig an unheimlichen Rand des öffentlichen Vergessenwerdens. Das war beileibe nicht immer so. Der in Shanghai geborene Brite gilt zeitweise als Fackelträger einer neuen Schule der Science-Fiction. Seine Romane mit postapokalytischen Settings zählen zu den Favoriten einer amphetamin-aufgeladenen Generation von Lesern. In der Tradition großer Autoren der Phantastik halten sie dem Leser einen Spiegel vor Augen, nutzen den Kunstgriff, Verhalten und Irrungen der Gegenwart in Zukunftsvisionen zu karikieren. Sozialkritisch auch sein Roman „High-Rise“, der erst 2015 vom großartigen Ben Wheatley verfilmt wird. „Crash“ entstammt Ballards Phase von Horror-Kurzgeschichten mit drastischen Gewaltszenarien und deftigen Verknüpfungen dieser Gewalt mit Sex-Fantasien im Mittelpunkt.
 
 
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CRASH – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
„Crash“ ist ein Film, dessen schlechtes Standing uns ratlos zurücklässt. Es muss wohl an der hiesigen Veröffentlichungspolitik liegen, aufgrund derer der Film nach seiner halbwegs erfolgreichen Kinoauswertung 1996 so untergegangen ist. Schon auf VHS war er nicht leicht zu bekommen, DVDs waren ebenfalls rar gesät. Anders können wir uns nicht erklären, wie die vergiftend dichte und harte Verfilmung einer Story von J.G. Ballard durch David Cronenberg nicht verbreiteter und bekannter ist. Die neue Scheibe gehört in den Schrank jedes Horrorfans, der sich auch mal in die feuchten Keller grausigster Psychosen wagt und nicht nur Gore oder Jump Scares als Merkmale des Genres einfordert.
 
 
 


 
 
 

CRASH – Zensur

 
 
 
„Crash“ erhielt für eine Kinoaufführung in den USA eine NC-17-Freigabe und wurde für ein R-Rating um einige Szenen entschärft. Hierzulande bekam die NC-17-Fassung in ungeschnittener Form eine FSK 18-Einstufung. Diese Fassung wurde 2012 erneut der FSK vorgelegt. Letztere attestierte „Keine Jugendfreigabe“. Demzufolge kann der Streifen nun nicht mehr indiziert werden. Diese Fassung ist nun auch auf der erhältlichen Blu-ray von TURBINE MEDIEN enthalten. Sammler können bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

CRASH – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Turbine Medien (limitiertes Mediabook Cover A – Blu-ray + DVD)

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(c) Turbine Medien (limitiertes Mediabook Cover B – Blu-ray + DVD)

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(c) Turbine Medien (limitiertes Mediabook – Blu-ray + UHD + DVD)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Crash; Kanada 1996

Genre: Drama, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 2.0

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.66:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 100 Min.

FSK: keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook

Extras: Brandneue 4K-Abtastung vom original Kamera-Negativ unter der Aufsicht von David Cronenberg und DoP Peter Suschitzky, 40-seitiges Booklet mit einem Text von Christoph N. Kellerbach & Stefan Jung, Neue Interviews in HD (ca. 140 Min.): Talk mit Viggo Mortensen & David Cronenberg (HD, ca. 52 Min.), Peter Suschitzky, Kameramann (HD, ca. 20 Min.), Jeremy Thomas, Produzent (HD, ca.17 Min.), Howard Shore, Komponist (HD, ca. 23. Min.), Deirdre Bowen, Casting Director (HD, ca. 27 Min.), Interviews zum Kinostart mit den Macherns & Stars (ca. 22 Min.), Hinter den Kulissen (ca. 11. Min.), Kurzfilme von David Cronenberg: The Nest (ca. 9 Min.), Camera (ca. 6 Min.), At the Suicide of the Last Jew in the World in the Last Cinema in the World (ca. 4 Min.), Hauptfilm auf DVD.

Veröffentlichung: Mediabook: 22.05.2020

 
 

Crash [Mediabook – Cover A mit Blu-ray + DVD]

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CRASH – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei TURBINE MEDIEN)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Videodrome (1983)
 
Boxing Helena (1993)
 
Excision (2012)
 

Filmkritik: „The Other Lamb“ (2019)

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THE OTHER LAMB

Story

 
 
 

Wenn das klassische Rollenbild von Mann und Frau ins Wanken gerät. THE OTHER LAMB erzählt die Geschichte einer Sekte, deren Mitglieder bald alles infrage stellen und dadurch einen Strudel von Umständen in Gang treten, der zu blutigen Konsequenzen führt.

 
 
 


 
 
 

THE OTHER LAMB – Kritik

 
 
 
Zwar haben alle Menschen in modernen Gesellschaften die gleichen Rechte – dennoch wird nach wie vor unterschieden. Vor allem die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau scheint immer noch große Probleme zu bereiten. Frauen werden nicht gefördert, schlechter bezahlt und teilweise sogar ausgebremst. Der häufigste Grund: Uralte Rollenklischees, die aus einer Zeit stammen, als sich Frauen den Männern unterordnen mussten und zu parieren hatten. Doch so langsam tut sich was, wie die #MeToo-Bewegung bewiesen hat. In der machten sich mutige Frauen Luft, die von Männern sexuell belästigt oder gar vergewaltigt wurden. Ein brisantes und wichtiges Thema, über das immer noch gesprochen werden muss. THE OTHER LAMB ist ein solcher Film, der mit Vorurteilen aufräumen will und Frauen dazu aufruft, für Freiheit, Unabhängigkeit und Gleichstellung zu kämpfen.
 
 

 
 
Irgendwo in den Wäldern lebt eine autarke Gemeinschaft nach eigenen Regeln. Die besteht aus einer Gruppe Frauen, über die ein Mann die Oberhand hat, der sich selbst als Hirte bezeichnet und von seinen Schäfchen als Messias verehrt wird. Doch hinter der Fassade unterwürfiger Frömmigkeit brodelt es schon lange. Einige Frauen zweifeln die Lehren ihres Erlösers an. Der versucht seine Anhänger vor der Verderbnis der Welt zu schützen, bedient sich aber hin und wieder den Körpern seiner Gruppenmitglieder. Genau das muss auch bald Teenager Selah erkennen. Die 15-Jährige kommt in die Pubertät und erhält ihre erste Periode. Schluss mit Ponyhof und Kindlichkeit. Der Welpenschutz löst sich in Luft auf. Nun muss sich auch die junge Frau den sexuellen Spielregeln ihres Führers unterwerfen. Eine Einsicht, die Selah zu schaffen macht. Das bis dato unauffällige und glaubensstarke Lämmchen wird zum Problem, weil Selah zunehmend beginnt ihren Glauben an alles infrage zu stellen, was innerhalb der Gemeinschaft passiert.
 
 
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Kein Film für die breite Masse. THE OTHER LAMB ist ein Sektendrama, das nicht so recht ins typische Genre-Bild passen will. Viel mit Horror hat es nicht gemein und ist dennoch irgendwie damit verwurzelt. Wo andere Regisseure mit Sekten-Horror wie MIDSOMMAR, MANDY oder THE SACRAMENT durch grafische Gemeinheiten und lautem Geschrei schockieren wollen, wird es in THE OTHER LAMB unangenehm ruhig. Hier ebnet sich das Grauen mit leisen Schritten den Weg durch das Drehbuch und macht diesen unkonventionellen Streifen vermutlich auch deshalb so intensiv. THE OTHER LAMB erzählt in poetischen und metapherreichen Bildern die Geistreinigung einer heranwachsenden Frau, welche versucht aus einem angestaubten Rollenbild zu entkommen, in dem meist Männer die Zügel über das weibliche Geschlecht in der Hand haben. Eine nicht mehr zeitgemäße Denke mit der – wen wundert es – eine Frau aufräumen will. MALGORZATA SZUMOWSKA zeichnet verantwortlich und hat mit dem Coming-of-Age-Drama nicht nur polarisierenden Filmstoff auf Zelluloid gebannt. THE OTHE LAMB ist gleichzeitig der erste englischsprachige Spielfilm, den die gebürtige Polin inszeniert hat.
 
 
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Der glänzt vor allem durch eine hervorragende – beinahe schon experimentelle – Kameraarbeit und atemberaubenden Landschaftspanoramen, die die allgegenwärtige Freiheit symbolisieren sollen, welche aber dennoch für die Frauen des Kults unerreichbar bleibt. Unterstrichen wird der positive Gesamteindruck durch talentierte Schauspieler, von denen vor allem RAFFEY CASSIDY besonders hervorsticht. Was anfangs als zartes Pflänzchen in Erscheinung tritt, entpuppt sich schnell als aufmerksame Beobachterin, die die Frauen zu neuen Erkenntnissen leitet. Da sieht man mal wieder, wie ein Film mit seinen Darstellern steigt oder fällt. Ohne die wäre THE OTHER LAMB vermutlich nur halb so intensiv geworden.
 
 
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Letztendlich bleibt zu sagen, dass THE OTHER LAMB eine Überraschung am Genre-Himmel ist. Regisseurin MALGORZATA SZUMOWSKA geht die Sektenproblematik anders an und widmet sich psychologischen Aspekten innerhalb dieser Gemeinschaften. Hierbei zieht sie aber auch gesellschaftskritische Parallelen und hinterlässt am Ende ausreichend Diskussionsstoff. So etwas bleibt im Gedächtnis. Demzufolge ist THE OTHER LAMB genau der Film für all jene, die einen gewissen Anspruch im Horrorkino suchen. Der Streifen rückt Figuren in den Mittelpunkt und analysiert diese akribisch. Grafische Gemeinheiten haben da Sendepause. Das ist nicht weiter tragisch, denn manchmal kann das Kopfkino unbequemer sein, als abgetrennte Gliedmaßen oder ausgeweitete Körper.
 
 


 
 
 

THE OTHER LAMB – Fazit

 
 
7 Punkte Final
 
 
THE WITCH trifft auf THE HANDMAID’S TALE. THE OTHER LAMB ist eine Geschichte über Emanzipation und dem Kampf von Frauen gegen sexuelle Unterdrückung. Das unangenehme Coming-of-Age-Drama berichtet in poetischen Bildern über einer Sekte, die ganz plötzlich aus dem Gleichgewicht gerät, weil Mitglieder aufdiktierte Strukturen berechtigterweise hinterfragen. Statt Blut und Gewalt glänzt der Streifen durch ästhetische Inszenierung und durch eine virtuose Bildsprache voller Doppeldeutigkeit. THE OTHER LAMB ist der richtige Film für Arthaus-Fans und solche die es werden wollen. Weit weg von Effekthascherei wird sich in erster Linie auf Figuren, deren Entwicklung und ihre Gewissenskonflikte konzentriert. Regisseurin MALGORZATA SZUMOWSKA nimmt sich dafür viel Zeit. Das Resultat ist unbequemer als manch kruder Folterstreifen. Sehenswert – vor allem für all jene, die auch gern mal über den Genre-Tellerrand schauen wollen.
 
 
 


 
 
 

THE OTHER LAMB – Zensur

 
 
 
THE OTHER LAMB ist ein Drama mit Horror-Elementen. Erst am Ende wird gestorben. Das ist aber nicht selbstzweckhaft. Die Kills passieren im Off. Hierzulande gibt es für THE OTHER LAMB eine FSK16.
 
 
 


 
 
 

THE OTHER LAMB – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von IFC MIDNIGHT)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Charlie Says (2018)
 
Manson Girl (2009)
 
Regression (2015)
 
Die unbarmherzigen Schwestern (2002)
 

Filmkritik: „Z“ (2019)

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Z

Story

 
 
 

Der imaginäre Kumpel eines kleinen Jungen beginnt aus heiterem Himmel eine Familie zu terrorisieren.

 
 
 


 
 
 

Z – Kritik

 
 
 
Sie sind immer da. Am Tisch muss für sie stets ein Platz freigehalten werden. Sie helfen bei wichtigen Entscheidungen und sind der beste Spielkamerad. Manchmal sind sie aber auch Schuld, wenn sich etwas Schlimmes ereignet hat. Fakt ist jedoch: Sie können nur von Kindern gesehen werden. Imaginäre Freunde sind im Kindesalter nichts Ungewöhnliches und kein Grund zur Beunruhigung. Die unsichtbaren Kumpel dienen als Seelentröster, Berater, Begleiter aber auch als Sündenböcken und treten oft dann in Erscheinung, wenn ein Kind neue Eindrücke und Erfahrungen verarbeiten muss. Fantasiefreunde helfen Kindern dabei, die eigenen Gefühle zu verstehen und zu regulieren. Leider können sie Eltern aber auch zur Verzweiflung treiben, wie der folgende Horrorfilm erklärt.
 
 
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Der geht auf die Kappe von Regisseur BRANDON CHRISTENSEN, welcher Genre-Fans bereits vor einiger Zeit mit dem Psychothriller STILL/BORN beglückte. Darin stiftete der Filmemacher Verwirrung und erzählte die Geschichte einer jungen Frau, die nach der Geburt ihres Kindes dem Wahnsinn verfällt. Psychologischer Horror, der auch den Zweitling dominiert. Letzterer nennt sich Z und ist ebenfalls Genre-Ware, die das Kopfkino aktivieren soll. Leider ist dieser nicht ganz so clever gestrickt, wie das Debütstück. Was schaurig beginnt, verrennt sich im Finale in Sphären, die kein Filmfan versteht. Dazu aber später mehr.
 
 
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Z berichtet von einer Familie, deren Leben aus dem Gleichgewicht gerät. Sohnemann Joshua beginnt sich nämlich plötzlich mit einem geheimnisvollen Freund zu unterhalten, den nur er sehen kann. Z wird er genannt und bestimmt den Alltag des kleinen Jungen. Was anfangs als vorübergehende Phase abgewertet wird, entwickelt bald eine erschreckende Dynamik. Joshua verhält sich in der Schule verhaltensauffällig und auch die Mitschüler beginnen das Kind aus Angst zu meiden. Alarmsignale, die bald auch die Eltern des fehlgeleiteten Jungen ernstnehmen müssen. So ist Schluss mit lustig, als der Nachwuchs einen Klassenkameraden über ein Treppengeländer wirft. Doch damit nicht genug. Vor allem Mutter Elizabeth fühlt sich bald ihres Lebens nicht mehr sicher. Die spürt in den eigenen vier Wänden die unheimliche Präsenz des imaginären Freundes. Alles nur Einbildung oder ist da doch etwas Wahres dran? Die Antwort darauf versucht die zweite Filmhälfte von Z zu ergründen.
 
 
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Dabei wären wir auch schon beim eigentlichen Problem. Was nach konventionellem Grusel-Horror riecht, der einzig darauf aus ist das Publikum mit plumpen Schocks zu unterhalten, geht plötzlich andere Wege. Das mag sich erst mal ganz gut anhören, weil das Horror-Genre Neuerungen nötig hat. Wie Z aber nach Erklärungen ringt, ist nicht sonderlich erbaulich. Da wird plötzlich vom Gaspedal gegangen und in der Psyche von Mutter Elizabeth gegraben. Hä? Waren wir nicht eigentlich gerade beim Sohnemann Joshua, der plötzlich seltsames Verhalten an den Tag legt? Ein Richtungswechsel, der sich erzwungen anfühlt. Offenbar wollte es Regisseur BRANDON CHRISTENSEN dem Erstling gleich machen. Der hielt mit falschen Fährten bei Laune und versuchte durch Doppeldeutigkeit die Interpretationslust des Zuschauers anzukurbeln. Alles nur Manifestation einer traumatisierten Psyche oder doch irgendwo im fantastischen Genre beheimatet? Ein Verwirrspiel, das in STILL/BORN einfallsreich und stimmig über die Mattscheibe flimmert.
 
 
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Z fühlt sich hingegen so an, als hege Filmemacher BRANDON CHRISTENSEN den Anspruch gleichen Überraschungseffekt noch mal wiederholen zu müssen. Das Ergebnis: ein undurchschaubarer Wirrwarr an Erklärungsansätzen, die überhaupt nicht funktionieren wollen und sich wie ein künstlicher Rattenschwanz anfühlen. Hier passt hinten und vorne nichts zusammen. Christensen driftet zu verkrampft ins Psychologische ab und gibt wenig acht auf sein Publikum. Das kann nicht folgen und wird am Ende mit vielen Fragen ratlos vor dem TV-Apparat zurückgelassen. So kann man den Zuschauer auch vergraulen. Vielleicht wäre es im Falle von Z besser gewesen, man hätte es beim konventionellen Horror für jedermann gelassen. So wären alle glücklich gewesen.
 
 


 
 
 

Z – Fazit

 
 
5 Punkte Final
 
 
Fängt flott und unheimlich an, hat aber am Ende mit Erklärungsnot und Langeweile zu kämpfen. Z ist das beste Beispiel dafür, wenn Filmemacher auf Biegen und Brechen Erfolge wiederholen wollen. Die versuchen Filme nach ähnlichem Konzept zu inszenieren, mit welchem bereits das Erfolgsstück glänzen konnte. Im Falle von Regisseur BRANDON CHRISTENSEN war das STILL/BORN. Der Zweitling mit dem Titel Z ist aus ähnlichem Holz geschnitzt, kann aber nicht ansatzweise dessen Niveau erreichen. Was gradlinig als schauriges Gruselstück über ein unheimliches Kind über die Mattscheibe flimmert, wird nach der Halbzeit holprig und wirr. Die erste Hälfte passt nicht zum restlichen Film. Irgendwie will man da den Eindruck nicht loswerden, als wusste Macher BRANDON CHRISTENSEN zu Beginn selbst nicht so wirklich, wohin die Reise führen soll. Ein Twist im Finale fühlt sich erzwungen, konstruiert und unausgegoren an. Von Geheimtipp ist da keine Spur. Übrigens zeichnete COLIN MINIHAN als Co-Autor am Drehbuch mitverantwortlich. Der hat schon einige Horror-Fantasien auf Papier gebracht. Darunter den Zombie-Horror IT STAINS THE SANDS RED, den Wackelcam-Hit GRAVE ENCOUNTERS 2 und die Alien-Invasion EXTRATERRESTRIAL. Offenbar war bei Z die Puste raus. Anders lässt sich nicht erklären, warum der Streifen einen wenig kreativen Eindruck hinterlässt.

 
 
 


 
 
 

Z – Zensur

 
 
 
Z hat kaum Gewalt zu bieten. Meist wird nur angedeutet oder es passiert im Off. Hierzulande dürfte der Mix aus Gruselfilm und Psychothriller ohne Probleme eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

Z – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von Digital Interference Productions | Hadron Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Orphan – Das Waisenkind (2009)
 
Teufelskind Joshua (2007)
 
Hide and Seek – Du kannst dich nicht verstecken (2005)
 
Das Omen (1976)
 
Daniel Isn’t Real (2019)
 

Filmkritik: „Daddy’s Girl“ (2018)

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DADDY’S GIRL

(SUICIDE SOLUTION)

Story

 
 
 

Ein Mann foltert Frauen, seine erwachsene Tochter ist dabei.

 
 
 


 
 
 

DADDY’S GIRL – Kritik

 
 
 
„Daddy’s Girl“ ist ein Film, dessen Existenz ich mir nicht ganz erklären kann: Wagt man sich an ein Debütwerk, so will man zwar vermutlich direkt einen bleibenden Eindruck hinterlassen, gleichzeitig kann ich es aber auch irgendwo verstehen, wenn man hier x- mal aufgewärmte Genreformeln und bewährte, sichere, wenig originelle Muster nutzt, um zu schauen ob überhaupt die so inszeniert werden können, wie man es sich vorstellt. Und wenn man sich an ein neues Genre wagt, das man vorher noch nicht betreten hat, ist man vielleicht auch etwas vorsichtiger. Last but not least haben TV-Produktionen z.B. natürlich meistens ihre Restriktionen, die einiges entschuldigen können, was generisches Writing angeht.
 
 
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Aber wieso zum Teufel sollte ein gestandener US-Genreregisseur namens Julian Richards, der in Indiekreisen spätestens nach seinem Underground-Hit „The Last Horror Movie“ kein Unbekannter mehr ist, anno 2018 noch einen derart ausgelutschten und oft gesehenen Film inszenieren, bei dem ich wenige Stunden nach der Sichtung schon froh bin, mir Notizen gemacht zu haben, da ich sonst wirklich Probleme hätte, mich an irgendwas vom Geschehen zu erinnern? Drohnenfahrten zu bedrohlicher Musik und Aufnahmen blutiger Ketten in kahlen Kellerräumen sind die ersten Eindrücke des Films, danach wird man als Zuschauer innerhalb der ersten vier Minuten bis zur Titlecard direkt mit Misshandlung, Selbstmord und Inzest bombardiert, da die Backstory unseres titelgebenden Killersproß‘ wenig subtil ausfällt. Unsere scheinbare, titelgebende Protagonistin sitzt an einem Tisch und liebäugelt mit der geladenen Waffe, überlegt auf wen sie sie richten soll, steckt sie in Ihren Mund… Vater und Tochter fahren zu einer Bar und auch wenn hier das realistische Sounddesign, die Umgebungsgeräusche und vereinzelt nette Farbschemen auffallen, so fällt die folgende Auswahl eines Opfers sowie das Verschleppen in den gerade präsentierten Folterraum genauso spröde und vorhersehbar aus, wie es sich jetzt liest – keine Charaktere zum Mitfiebern, kein audiovisueller Reiz, keine Glanzleistungen auf schauspielerischer Leistung und auch keine deftige Gewalt, denn die einzige, wenn auch frühe, Goreeinlage, ist miserabel am PC bearbeitet und missglückt zu nennen.
 
 
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Wie dem auch sei, ein paar routinierte Drohnenfahrten später werden zwei weitere Charaktere vorgestellt, da der örtliche Deputy eine Tramperin mitnimmt, die in der lokalen Bar jobben wird. Wie genau das mit unserer killenden Kleinfamilie zusammenhängt, erschließt sich zu dem Zeitpunkt noch nicht, immerhin gibt es für den Zuschauer aber die Chance auf eine Konfrontation oder einen spannenden, weiteren Verlauf – traurig nur, dass wir bei einem Polizisten nur müde hoffen, Unterhaltung zu kriegen, statt mit Schweißperlen auf der Stirn zu hoffen, dass dieser unser Held werden könnte. Unser Deputy geht einem wenig spannenden Fall nach, ein paar freche Teenies haben das Fenster einer alten Frau zerstört – eine Szene die nur darum im Kopf bleibt, weil der Deputy laut rufend zu seinem Auto rennt, nachdem er dort die Kids entdeckt hat, um die es geht, während die Frau seelenruhig zurück in ihr Haus geht und überhaupt nicht auf die Verfolgungsjagd, Kinder, oder wütende Rufe reagiert. Zurück in der Polizeistation treffen wir auf die schlecht gespielte Kollegin unseres Deputies, die die Beziehung zwischen John und seiner „Freundin“ zu Recht in Frage stellt, ihre Lines dabei aber wenig überzeugend an den Mann bringt. Daheim hingegen geht es schauspielerisch durchwachsen und somit gelungener zu, leider bleibt es inhaltlich so peinlich wie oft gesehen: Eine Bärenfalle wird nicht nur dramatisch offensichtlich platziert, sondern gar mit einem Pseudo-Jumpscare versehen, unser Killer war natürlich im Irak und hat dort das Töten lieben gelernt und einen an der Klatsche, mehr noch, religiöse Untertöne und wenig ratsame Ideen konservativer Erziehungsmethoden („My daddy would’ve taken the belt to them!“) gesellen sich schnell dazu, ein Abziehbild des sadistischen Unholds zu erstellen. Doch während ich bei „Get In“ auf Maskulinitätsideale und deren Konstruktion bzw. Rollenerwartung gestoßen bin, so täte ich auch „Daddy’s Girl“, dessen psychosexuelle Komponente gerade im Torture/Horror-Bereich, schon im Titel steht, Unrecht, ihn nur als stumpfen, unmotivierten Horror abzutun – nein denn es scheint, als sei Motivation da. Doch nach der eingangs schon erwähnten, bisherigen Filmographie und somit Vorerfahrung unseres Regisseurs kann ich mir die verwässerten, vagen und nie wirklich hervorgearbeiteten Symbole bzw. Themen von Feminismus und Unterdrückung, Macho- Attitüden und auch Sympathie des Zuschauers für bzw. gegen eben jene, nur damit erklären, dass hier allzu subtil gearbeitet werden sollte.
 
 
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Für eine „zweite Ebene“ reicht das nämlich leider nicht, wenn eine selbstbestimmte Barkeeperin dem ekelhaft ranmachendem Kunden einen Drink ins Gesicht schüttet und damit bei der gepeinigten Protagonistin ankommt, die Tochter unseres Killers bemüht ist, seinen Opfern den Freitod zu gewähren oder, am schlimmsten, John immer wieder pseudocoole One-Liner in den Mund gelegt werden, die ikonisch und schwarzhumorig und böse sein sollen, aber leider nur nerven. Als hätte jemand den sehr guten und in der Tat charismatisch-zynischen Killer aus „Wolf Creek“ gesehen und gedacht, ein „Welcome to Hell“ hier und ein erzwungen peinlicher Monolog über sich fortpflanzende Katzen dort, schon ist die nächste Ikone im Antagonisten- Bereich geschaffen, doch der fette Akzent ist eher peinlich und für einen Antihelden fehlt auch einfach die Ausstrahlung. „Witze“ über die Abgeschiedenheit des Ortes á la „No one can even hear you“, haha, versteht ihr, weil sie zu Tode gefoltert wird, nicht weil sie Sex haben werden, haha, sind da leider noch das Highlight, zusammen mit einigen passablen Aufnahmen. Aber selbst denen fehlt es leider an Charakter – ein 5/10er-Film mit Standardstory kann bei mir immer noch teils ungerechtfertigt viele Punkte kriegen, einfach wenn er (audio)visuell überzeugt, aber „Daddy’s Girl“ hat leider ein einschläferndes colourgrading, keine herausstechenden Sets oder liebevollen Farben, keine ikonischen Kostüme und scheint bemüht, den Kopf des Horrorfans möglichst schnell wieder zu verlassen.
 
 
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Nachdem „Annie“ ein recht hübsches Alternative-Girl, nämlich auch aus der Bar mitgenommen und ohne Schauwerte, wenn auch erstmalig mit durchaus beklemmend- unangenehmer Folteratmosphäre, umgebracht wurde, realisiert man ggf. dass man schon etwa eine halbe Stunde mit diesem Film verbracht hat, der dank seiner extremen Kürze nun nur noch 45 Min Zeit hat, um zu beeindrucken. Wirklich gelingen, so viel kann ich vorweg nehmen, tut das nicht mehr – auch nach etwa der Hälfte des Films ist kein wirklicher Fortschritt zu finden, was Settings, Spannungsbogen oder Charaktertiefe angeht, irgendwann, etwas peinliches Photoshop und repetitive Szenen überstanden, glaubt dann aber auch endlich der Sheriff selber seiner Kollegin, recherchiert und – welch Überraschung doch, wir Zuschauer wissen das seit des Titels bereits – findet heraus, dass „Daddy’s Girl“ halt wirklich Daddy’s Girl ist, und nicht Daddy’s Wife. Etwas soundtrackloses, ungezeigtes Kettensägengeschnibbele hier, einen lauten Jumpscare dort, dann sind wir auch schon bei den letzten 25 Minuten angekommen und unser bärtiger Serienkiller-Veteran Inzest-Vater offenbart sich natürlich noch als karikiert ausrastender Choleriker. Beim Einkaufen trifft der Deputy in einer wenig spannende Szene auf die beiden, bietet direkt seine Hilfe an, wird zurückgewiesen. Töchterlein warnt das nächste, aufgegabelte Opfer noch vor ihrem Schicksal, wird aber nicht ernst genommen. Und nun sind wir auch schon bei der 60-Minuten-Marke, der Deputy folgt unserem Dreiergespann viel zu nah auf einer viel zu selten befahrenen Straße und die Bärenfalle steht auch immer noch im Garten, was wird nur passieren?!
 
 
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Puh, wo soll ich anfangen, bzw. wo soll ich aufhören? Mit der Nacherzählung hier und jetzt auf jeden Fall, denn sollte dieser Film überhaupt je jemanden gruseln oder Spannung empfinden lassen, ohne dass reine Enttäuschung einsetzt, dann in dieser viertel Stunde Finale, wenn man es bisher irgendwie geschafft hat, investiert zu sein. Das Zitat „Goddamn chickenshit pussy!“ ist noch schön und ja, sogar etwas Motivation für den Killer kriegen wir noch zugeworfen und die erste gelungene Wunde, der erste nette Effekt, ist hier auch versteckt. Doch nicht nur ist das Finale insgesamt so unfassbar stumpf, vorhersehbar und uninteressant, wie auch der gesamte Film vorher, nein, imo trifft er sogar noch eine ziemlich problematische bzw. unüberlegte Aussage über Trauma und den Umgang damit, da hier am Ende etwas Pseudocooles und Rockiges inszeniert wird, das im Endeffekt aber nur erzwungen, unrealistisch und vor Allem wenig erstrebenswert wirkt.
 
 
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DADDY’S GIRL – Fazit

 
 
3 Punkte Final
 
 
„Daddy’s Girl“ ist ein Film aus dem Charmevakuum, ein Script ohne jeden Herausstellungsfaktor, inszeniert ohne jeden eigenen Flair, unmotiviert, staubtrocken, tausendmal gesehen, langweilig, unspektakulär und ohne redeeming qualitites. Grauenhaft schlecht ist hier nichts, sehenswert aber auch nicht. Schwache 3/10.

 
 
 


 
 
 

DADDY’S GIRL – Zensur

 
 
 
DADDY’S GIRL hat von der FSK in ungeschnittener Form eine Freigabe ab 18 Jahren erhalten. Das Label PIERROT LE FOU hat sich die Rechte geschnappt und wird den Film im Laufe des Jahres 2020 in seiner beliebten Mediabook-Reihe auswerten.
 
 
 


 
 
 

DADDY’S GIRL – Trailer

 
 


 
 
 

Dr. Barry Nyle

(Rechte für Abbildungen stammen von Zee Studios International | Seahorse Filmhouse)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Tödliches Spiel – Would you Rather? (2012)
 
Amusement (2008)
 
Live Feed – Alle zahlen den Preis (2006)
 

Filmkritik: „Foxy Brown“ (1974)

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FOXY BROWN

Story

 
 
 
Foxy Brown, eine selbstbestimmte junge Frau, nimmt einen Job als hochklassige Prostituierte an, um sich an den Gangstern zu rächen, die ihren Freund ermordet haben.

 
 
 


 
 
 

FOXY BROWN – Kritik

 
 
„That’s my sister baby and she’s a whole lot of woman!“
 
Die längsten Reviews sind meist die, in denen man vom allgemeinen Konsens abweicht, eine Außenseitermeinung einnimmt und diese argumentativ belegen muss, um nicht als Troll abgestempelt zu werden – jeder weiß, dass gewisse Werke als großes Kulturgut und guter Film angesehen wird, also warum ellenlang ins immer gleiche Horn blasen? Loblieder über Jack Hills kultigen Blaxploitationklassiker „Foxy Brown“, Abhandlungen über seine Priorität im us-amerikanischen-Indiekino sowie den Gegenpol zur chauvinistisch-rassistischen Repräsentation schwarzer Frauen im Kino zur Zeit gibt es bereits zu Genüge, auch habe ich nicht viel an diesem Werk zu bemängeln – wir können uns also kurz halten.
 
„Baby, jail is where some of the finest people I know are these days.”
 
Vor Jahren bereits einmalig auf DVD gesehen und als nett, aber schwächer als „Coffy“ abgetan, war „Foxy Brown“ nun, auf Blu-ray, definitiv eine Neuentdeckung wert und genau die Art Film, die man sich vermutlich immer vorstellt. Im bunt leuchtenden Intro wird zu der wunderbar lebendigen, funkigen Score von Willie Hutch silhouettenhaft sowie erotisch getanzt, was folgt sind 88 Minuten reinrassige Rachekost, die Sozialkritik gerne direkt und unverblümt in griffigen Dialogen auf den Punkt bringt und abseits davon, gerade auf Blu-ray, mit einem wunderbaren Set- und Kostümdesign punktet, das den Zeitgeist nur so atmet. Pam Grier spielt die toughe badass mama charismatisch und wird immer wieder in bildhübschen Kleidern präsentiert, im Nebencast sind gerade die wunderbar gemeinen Antagonisten zu nennen, die natürlich zwischen korrupten Anzugträgern und sexuell aufgeladen devianten, pseudonoblen, stinkreichen Karikaturen schwanken.
 
„We’re gonna kill us a couple of niggas!“
 
O-Ton-Pflicht und Slang sind natürlich allgegenwärtig, Sid Haig im sportlichen 70s-Dress hat sichtlich Spaß daran, von Grier angeflirtet zu werden und in diesem so kleinen und unschuldigen und doch so stilprägendem Film Geschichte zu schreiben. „I don’t know, vigilante justice?“ – „It’s as American as apple pie!“ lautet die schlagkräftige Devise unserer Pistole im Afro versteckenden Heldin und wenn es nach einem recht gemütlichem Aufbau mal zu Action kommt, macht diese auch tatsächlich Spaß: Foxy verpügelt eine ganze Kneipe, kaum ist das überlebt kommt annährend blutige Action und bei allen exploitation-Wurzeln kommt der Film insgesamt überraschend zahm daher und driftet nie in eklig selbstzweckhafte Gefilde ab, ohne dass es negativ auffalle. So wird Pam Griers nackter Körper z.B. immer wieder geteast, unscharf oder im Hintergrund oder halb erhascht man ihre Brust, doch gieriges, ewiges Verweilen der Kamera, auffallend voyeuristische Perspektiven oder leere Sex/Gewaltszenen, die nur eben dafür existieren und den Flow des Films aufhalten, sucht man Gott sei Dank vergeblich. Geschmackvoll erotisch, selbstbewusst, frech, mutig, spaßig und kurzweilig als Gesamtpaket, hätte Foxy Brown imo als 80-Minüter doch besser geklappt, da sich szenenweise immer wieder leichte Längen einschleichen – auch das Schauspiel hapert natürlich hier und da, nicht jede Zeile passt perfekt – doch es stört nicht, denn für gelackte Perfektion schau ich diese Filme sicher nicht.
 
 
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Sozial ungerecht behandelte Underdogs in bunt leuchtenden Farben rächen sich zwischen fiesen Kapitalisten und leicht bekleideten Damen gegen den korrupten Staat, dazu Ohrwurm-Funk und Soul zum Mitsingen, so gelungen restauriert dass man jede Wimper zählen kann – was gibt es daran nicht zu mögen? Mehr noch, abseits des offensichtlichen Plots und der starken Protagonistin könnte man gar noch von einem feministischen Rape & Revenge-Film reden, da auch hier tatsächlich eine Vergewaltigung vorkommt, aber nie ausgebeutet oder gezeigt wird – die Konsequenzen bzw. Rache aber sehr wohl, in drastischen Bildern. Das Finale mag vielleicht etwas zu comichaft übertrieben sein, auch die Szene mit dem Richter ggf. etwas zu albern – aber genau diese Mischung macht den Film auch aus, er hat das Herz am rechten Fleck und sollte von jedem Filmfan mit –ploitation-Interesse mal gesehen werden.
 
 
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FOXY BROWN – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
Foxy Brown ist kein perfekter Film, einen Tacken zu lang und natürlich ein Stück weit vorhersehbar – aber gleichzeitig immer noch genau so cool, funky, kurzweilig, kick-ass, wichtig und sehenswert wie vor mittlerweile fast 50 Jahren. Knappe 8/10.
 
 


 
 
 

FOXY BROWN – Zensur

 
 
 
Alle Veröffentlichungen von „Foxy Brown“ waren bisher ungeschnitten und frei ab 18 Jahren. Das hat sich auch bei der HD-Auswertung des Titels nichts geändert. Die deutsche Blu-ray besitzt den roten FSK-Sticker und ist komplett.
 
 
 


 
 
 

FOXY BROWN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Jakob GmbH (Blu-ray im Mediabook auf 1000 Stück limitiert)

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(c) Studio Hamburg (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Foxy Brown; USA 1974

Genre: Thriller, Action, Krimis

Ton: Deutsch DD 2.0, Englisch DD 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.77:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 90 Min.

FSK: keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer, Trailershow | zusätzlich im Mediabook: 16-seitiges Booklet, Hauptfilm zusätzlich auf DVD

Release-Termin: Mediabook: 28.03.2020 | KeepCase: 24.04.2020

 

Foxy Brown [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

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FOXY BROWN – Trailer

 
 


 
 
 

Dr. Barry Nyle

(Rechte für Grafiken liegen bei Studio Hamburg)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Coffy – die Raubkatze (1973)
 
Superfly (2018)
 
Shaft (2019)
 
Ein Fall für Cleopatra Jones (1973)
 
Jackie Brown (1997)
 
Black Dynamite (2009)