Filmkritik: „Reeker“ (2005)

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REEKER

Story

 
 
 
Kein 08/15 Teenie-Slasher. REEKER handelt von fünf Freunden, die sich auf dem Weg zu einer Rave-Party machen, die in einem militärischen Sperrgebiet stattfinden soll, das auch als „Area52“ bezeichnet wird. Als die Reisenden erfahren, dass einer der Kumpels Drogen mitführt, ist die gute Laune im Keller. Der Übeltäter soll aussteigen, kann aber wegen fehlendem Handyempfangs niemanden erreichen, der ihn abholen kann. Darum fährt man ein naheliegendes Diner an, um dort nach einer neuen Mitfahrmöglichkeit für den Verstoßenen zu suchen. Leider kommt alles anders als erwartet. Die Gegend ist menschenleer und auch das Auto springt plötzlich nicht mehr an. Für die gestrandeten Freunde Grund genug nach dem Rechten zu sehen. Ein fataler Fehler, wie sich schnell herausstellt. Ein mysteriöser Killer macht nämlich die Gegend unsicher und ist den jungen Leuten bald auf den Fersen.
 
 
 


 
 
 

REEKER – Kritik

 
 
 
Der Horror-Thriller REEKER dürfte für die meisten Filmfans Neuland sein. Der Gruselfilm erschien bereits 2005 mit kleinem Budget und entstand unter der Regie von Dave Payne. Letzterer wurde von Trash-Produzent Roger Corman entdeckt, der ihm offenbar beibrachte, wie man aus wenig finanziellen Mitteln brauchbare Schocker dreht. Das Ergebnis ist REEKER – ein Film, der überraschend wenig Aufmerksamkeit erhielt, obwohl er frischen Wind in das Horrorkino der 2000er brachte. Während sich das Genre zu jener Zeit mit Remakes, Folterfilmen und Found-Footage-Schnarchern über Wasser hielt, bastelte Payne an eigenen Ideen, um etwas Abwechslung in das gelangweilte Horror-Genre zu bringen.
 
 
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Das Resultat kann sich sehen lassen. Statt Folter, Blut und Gewalt liegt der Fokus auf Mystery. Ein Geheimnis gilt es zu ergründen. In REEKER passieren mysteriöse Dinge, die die Spannung vorantreiben. Hier ein paar Schatten, dort jede Menge Rätsel. Die Frage nach dem „was passiert hier eigentlich“ zieht sich durch den ganzen Film. Hinzukommt, dass die für Horrorfilme obligatorische Bedrohung sprichwörtlich „unsichtbar“ und verborgen bleibt. Das hält den Spannungspegel konstant.
 
 
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Was REEKER besonders macht, ist nicht nur seine rätselhafte Atmosphäre. Auch in puncto Auflösung geht der Streifen clevere Wege. Selbst erfahrene Filmkenner werden hier eines Besseren belehrt. Regisseur Dave Payne versteht es, seine Zuschauer an der Nase herumzuführen. In REEKER ist nichts, wie es anfänglich scheint. Das macht den Mystery-Slasher sehenswert. Demzufolge grenzt es an Unverständnis, weshalb REEKER der Erfolgskurs vorenthalten wurde. Zwar folgte drei Jahre nach Erscheinen eine Fortsetzung. Diese schien für die Macher nicht erfolgreich genug gewesen sein, weshalb REEKER nicht in Serie gehen konnte. Bedauerlich.
 
 


 
 
 

REEKER – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
WRONG TURN meets DEAD END. Insgesamt ist REEKER ein solider Horror-Thriller, der vor allem durch seine Atmosphäre und visuelle Gestaltung besticht. Zudem bietet der Streifen einen innovativen Killer, den man so noch nicht auf der Leinwand hatte. Obwohl es einige Schwächen gibt, ist REEKER ein Film, den Fans des Genres auf jeden Fall eine Chance geben sollten. Leider trifft das nicht auf die Fortsetzung zu. NO MAN’S LAND: THE RISE OF REEKER erschien 2008 und spulte lediglich gleiche Rezeptur ab. Immerhin konnte das Sequel mit mehr Blut punkten. Ob das ein Qualitätsmerkmal ist, sollte jeder für sich entscheiden.
 
 
 


 
 
 

REEKER – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von REEKER ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

REEKER – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Spirit Media (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Reeker; USA 2005

Genre: Horror, Thriller, Drama, Mystery

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.78:1 | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 89 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase

Extras: Making Of, Behind the Scenes, Cast & Crew, Original Trailer, Bildergalerie

Release-Termin: KeepCase: 27.01.2023

 

Reeker [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 


 
 
 

REEKER – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Spirit Media)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Final Destination (2000)
 
Dead End (2003)
 
The Sixth Sense (1999)
 
Chernobyl Diaries (2012)
 

Filmkritik: „Orphan – Das Waisenkind“ (2009)

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ORPHAN – DAS WAISENKIND

(ORPHAN)

Story

 
 
 
Böse Kinder müssen nicht immer vom Teufel besessen sein, wie uns „Orphan – Das Waisenkind“ 2009 eindrucksvoll bewies.
 
 
 


 
 
 

ORPHAN – Kritik

 
 
 
Das Horrorsubgenre „Evil Child“ wurde schon oftmals bedient. Als Klassiker kann hier wohl „Das Omen“ aufgeführt werden, doch es muss nicht immer mit Satan höchstpersönlich zu tun haben. „Orphan – Das Waisenkind“ überraschte 2009 vor allen Dingen mit einem Twist, der sich gewaschen hat. Natürlich verliert das Werk bei einem Rewatch etwas von seiner Wirkung, aber selbst nach mehrmaligem Schauen besitzt der Film noch immer seinen Reiz, weil er einfach clever und wirkungsvoll gestaltet wurde.
 
 
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Die Geschichte wirkt auf den ersten Blick wenig originell. Eine Familie adoptiert ein Mädchen aus dem Waisenhaus. Am Anfang läuft alles wunderbar, doch irgendetwas scheint mit dem Mädchen nicht zu stimmen. Das bemerkt vor allen Dingen die Mutter und natürlich will ihr niemand glauben, bis es dann fast schon zu spät ist. So ausgelutscht die Prämisse anfangs auch erscheinen mag, so viel macht man hier aber auch daraus. Die Dramaturgie stimmt einfach. Sämtliche Probleme erscheinen realitätsnah und dienen dem Plot wunderbar. Hinzu gesellt sich ein gekonnter Aufbau. Alles beginnt schön ruhig, nahezu friedlich und erst nach für nach häufen sich dann die Horror-Elemente. Wobei der Horror hier schon fast eher im Stile eines Psychothrillers aufkommt. Übernatürliche Elemente benötigt „Orphan – Das Waisenkind“ nämlich absolut nicht. Das wirkliche Highlight ist dann natürlich die finale Wendung, welche damals einfach äußerst überraschend daherkam. Selbstverständlich gibt es ein paar Logikfehler und genretypisch ist nicht alles am Verlauf völlig glaubwürdig. Trotzdem kann sich das Drehbuch sehen lassen und funktioniert auch 14 Jahre später noch wunderbar.
 
 
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Das liegt vor allen Dingen an zwei Punkten. Zunächst wäre da eine wirkungsvolle Inszenierung, die auf billige Schockeffekte verzichtet und dafür eher eine Art Suspense hervorzaubert. Ganz ohne Effekthascherei baut „Orphan – Das Waisenkind“ eine bedrohliche Stimmung auf und ist teilweise herrlich böse. Selbst wenn man das Geschehen schon kennt, entsteht hier regelmäßig eine angenehme Portion Spannung, welche die rund zwei Stunden Laufzeit zügig vergehen lässt. Außerdem hätten wir da eine hervorragende Isabelle Fuhrman. Das zur Drehzeit erst elfjährige Mädchen liefert wirklich eine eindrucksvolle Leistung ab. Es ist schon bemerkenswert, wie sich ihr Schauspiel in Sekundenschnelle von unschuldig zu diabolisch wandelt. Über den Rest der Darsteller kann man allerdings ebenfalls nicht meckern und Vera Farmiga liefert, wie gewohnt, sehr ordentlich ab.
 
 
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ORPHAN – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
„Orphan – Das Waisenkind“ ist ein origineller, kleiner, fieser Horrorthriller, der auf unnötige Effekte verzichtet und dafür eine Geschichte mit einem grandiosen Twist erzählt. Die Inszenierung sitzt, die düstere Atmosphäre erzielt ihre Wirkung und die Darsteller können völlig überzeugen. Selbst wenn die Ausgangssituation langweilig erscheinen mag, hat man aus dieser richtig viel gemacht. Der Freund solcher Werke wird hier jedenfalls zwei Stunden lang effektiv und spannend unterhalten. Auch aus heutiger Sicht durchaus noch sehr empfehlenswert! Übrigens erschien mit „Orphan: First Kill“ im Jahr 2022 ein Prequel, das aber nicht mehr an die Originalität des Originalfilms heranreichen konnte.
 
 
 


 
 
 

ORPHAN – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Orphan – Das Waisenkind“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren. Viel Gewalt wird im Film nicht gezeigt, weshalb die niedrige Freigabe gerechtfertigt ist.
 
 
 


 
 
 

ORPHAN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) StudioCanal (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Orphan; USA 2009

Genre: Horror, Drama, Krimis

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Deutsch DD 2.0, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bild: 1.77:1 | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 123 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase

Extras: Manns kleine Teufel: Böse Saat und fiese Kinder, Geschnittene Szenen und alternatives Ende, Interviews, Trailer, BD-Live

Release-Termin: KeepCase: 18.03.2010

 

Orphan – Das Waisenkind [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 


 
 

ORPHAN – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei StudioCanal)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Stranger – Rückkehr aus der Vergangenheit (1990)
 
Das zweite Gesicht (1993)
 
Orphan: First Kill (2022)
 

Filmkritik: „Orphan: First Kill“ (2022)

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ORPHAN: FIRST KILL

(ORPHAN 2)

Story

 
 
 
Wenn Esther 13 Jahre nach dem Original doch nochmal zurückkehrt, darf der Zuschauer schon skeptisch werden, wie das denn funktionieren soll.
 
 
 


 
 
 

ORPHAN: FIRST KILL – Kritik

 
 
 
Ja, in der Filmbranche gibt es auch weiterhin fleißig Fortsetzungen. Auch zu jenen kleinen Perlen, die eigentlich als einzelnes Werk für sich stehen und als abgeschlossen betrachtet werden können. Jedenfalls ist es fraglich, ob jemals jemand eine Fortsetzung zu „Orphan – Das Waisenkind“ erwartet oder herbeigesehnt hat. Da die Geschichte zu Ende erzählt war, hat man sich ganz einfach für ein Prequel entschieden, was durchaus keine dumme Entscheidung war. Immerhin ist die Vorgeschichte von Esther noch nicht so stark durchleuchtet worden. Es sind zwar ein paar Probleme vorhanden, die skeptisch machen dürften, aber geht man unvoreingenommen an „Orphan: First Kill“ heran, dann bekommt man immerhin einen recht kurzweiligen Reißer geboten. Wer hingegen eine ähnliche Qualität erwartet, die das tolle Original bot, der hat bereits verloren.
 
 
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Dass Esther im ersten Teil gar kein Kind, sondern eine erwachsene Frau mit einer Hormonstörung war, die sie nur wie ein Kind aussehen ließ, dürfte jeder Kenner des Filmes mittlerweile wissen. Wie Esther zu einer mordenden Trickbetrügerin wurde, weiß man hingegen noch nicht. Also steigt „Orphan: First Kill“ in einer Prämisse ein, in welcher Leena Klammer sich erst noch für ihren zukünftigen Charakter Esther entscheiden muss. Nach einem Ausbruch aus der Psychiatrie findet sich schon bald eine Familie, die ihre Tochter vermisst. Zufällig ist das Aussehen ganz ähnlich und so versucht sich Leena bzw. Esther in ein funktionierendes Familienleben einzunisten.
Dass das nichts werden kann, ist klar, denn immerhin muss ja etwas geschehen sein damit der Anfang des ersten Teils einen Sinn ergibt. Dass es sich bei Esther um kein Kind handelt, weiß der Zuschauer bereits und somit kann man hier keine Überraschungen mehr bieten. Deshalb muss ein anderer großer Twist daher. Dieser kommt, zugegeben, ebenfalls sehr überraschend, ist aber gleichzeitig dermaßen unglaubwürdig, bizarr und konstruiert, dass er niemals eine solche Wirkung entfalten kann, wie der aus dem Original. Sowieso wird im Drehbuch hinterher alles sehr schnell abgehandelt und die gesamte Geschichte mag zwar als Prequel halbwegs Sinn ergeben, clever geschrieben wurde sie jedoch absolut nicht.
 
 
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Was zudem sofort skeptisch machen sollte, ist Hauptdarstellerin Isabelle Fuhrman. Im ersten Teil konnte sie das böse Kind grandios spielen. Da war sie aber auch noch ein Kind. Mittlerweile sind 13 Jahre vergangen und Fuhrman ist nun 25 Jahre alt. Trotzdem muss sie nochmal in die Rolle der Esther schlüpfen. Dazu muss man bedenken, dass es sich bei „Orphan: First Kill“ um keine Big-Budget-Produktion handelt, die mit dem neusten Stand der Technik einfach mal so alles und jeden digital verjüngern kann. Im Endeffekt haben sich die Macher schon Mühe gegeben, aber Fuhrman sieht trotzdem nicht mehr wie ein Kind aus. Das raubt dem gesamten Werk Glaubwürdigkeit. Gut gespielt wird diese Rolle von Fuhrman dennoch; da gibt es keinerlei Grund zu meckern. Auch die anderen Darsteller erledigen ihren Job solide. Hängen bleibt von den Leistungen allerdings nicht viel und auch die Figurenzeichnung ist weit weg von der Bodenständigkeit des ersten Teils. Es ist zwar schön, dass man versucht Leena Klammer noch mehr Profil zu verleihen, doch im Endeffekt bleibt es beim Versuch, denn wirklich geglückt ist es nicht.
 
 
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Sowieso ist es diese fehlende Bodenständigkeit, die im Vergleich zum Erstling eher störend ist. Dass die Gangart deutlich übertriebener sein wird, bemerkt man von Anfang an. Einen subtilen Spannungsaufbau sucht der Zuschauer vergebens. Stattdessen wird auf mehr Gewalt, mehr Effekte und mehr Action gesetzt. Regisseur William Brent Bell kennt sich in dem Genre zwar aus und liefert als Regisseur eine passable Leistung ab, aber eine eigene Handschrift erkennt man eher weniger und sowieso wirkt das alles ziemlich generisch. Für Freunde des ersten Teils ist es schön, dass ein paar Markenzeichen erhalten geblieben sind, doch im Endeffekt macht das alles einen reichlich beliebigen Eindruck. So enttäuscht dann auch die Atmosphäre eher. Das hat nun weder etwas mit richtigem Horror, noch etwas mit Psychothriller zu tun. Stattdessen kommt man sich fast wie in einer Groteske vor.
 
 
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Hat man sich damit erstmal abgefunden, kann man wenigstens halbwegs Spaß mit „Orphan: First Kill“ haben. Das Tempo ist wirklich enorm hoch und einen Leerlauf gibt es nicht. Sobald die haarsträubende Wendung heraus ist, geht der Film nochmal in eine ganz andere Richtung. Das Finale ist völlig unnötig übertrieben, aber man kann sich immerhin nicht über zu viel Langeweile beklagen. Insgesamt ist das gesamte Werk ganz schön bekloppt und lässt sich absolut nicht ernst nehmen. Das wäre an sich nicht schlimm, denn wenigstens kopiert man das Original somit nicht einfach, doch gerade wenn man sich den atmosphärisch sehr gelungenen ersten Teil ins Gedächtnis ruft, dann missfällt der eingeschlagene Weg hier doch etwas.
 
 


 
 
 

ORPHAN: FIRST KILL – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
„Orphan: First Kill“ ist eine unnötige Fortsetzung, die aber doch anders daherkommt, als das zu erwarten war. Das Drehbuch lässt sich nicht ernst nehmen, wartet mit einer völlig unglaubwürdigen Wendung auf und könnte schon fast als albern bezeichnet werden. Außerdem ist es ein großes Problem, dass man Isabelle Fuhrman das Kind einfach nicht mehr abnimmt. Gespielt wird das dennoch brauchbar und auch aus handwerklicher Sicht lassen sich nur wenig Vorwürfe machen. Loben kann man das Ergebnis hingegen jedoch auch nicht wirklich. Die Atmosphäre versagt leider und ist zu grotesk, während der Unterhaltungswert dank eines hohen Tempos wenigstens solide ist. Am Ende bleibt ein recht durchschnittlicher Film, den man lieben oder hassen kann, den man aber auf gar keinen Fall mit dem starken Original vergleichen kann. Insgesamt etwas merkwürdig und trotzdem vergessenswert!
 
 
 


 
 
 

ORPHAN: FIRST KILL – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Orphan: First Kill“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren. Sonderlich blutig ist der Film nicht.
 
 
 


 
 
 

ORPHAN: FIRST KILL – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) StudioCanal (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Orphan: First Kill; Kanada 2022

Genre: Horror, Drama, Krimis

Ton: Deutsch DTS-HD MA 7.1, Englisch DTS-HD MA 7.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 99 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase

Extras: Behind the Scenes, Trailer

Release-Termin: KeepCase: 26.01.2023

 

Orphan: First Kill [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 


 
 
 

ORPHAN: FIRST KILL – Deutsche UHD

 
 
 
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(c) StudioCanal (4K-UHD und Blu-ray im KeepCase + Teil 1 auf Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Orphan: First Kill; Kanada 2022

Genre: Horror, Drama, Krimis

Ton: Deutsch DTS-HD MA 7.1, Englisch DTS-HD MA 7.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 3840x2160p UHD – 1.85:1 | @24 Hz 4K native, HDR10

Laufzeit: ca. 99 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase

Extras: Behind the Scenes, Trailer, Film auf Blu-ray, Bonus-Bluray mit Bonus-Film „Orphan – Das Waisenkind“

Release-Termin: KeepCase: 26.01.2023

 

Orphan: First Kill [4K-UHD + Blu-ray + Bonus Blu-ray „Orphan – Das Waisenkind“ im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 


 
 
 

ORPHAN: FIRST KILL – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei StudioCanal)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Stranger – Rückkehr aus der Vergangenheit (1990)
 
Das zweite Gesicht (1993)
 
Orphan – Das Waisenkind (2009)
 

Filmkritik: „Shepherd – Fluch der Vergangenheit“ (2021)

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SHEPHERD – FLUCH DER VERGANGENHEIT

(SHEPHERD)

Story

 
 
 
Ein trauernder Mann nimmt nach einem traumatischen Vorfall eine isolierte Stelle als Schafhirte an der schottischen Küste wahr.
 
 
 


 
 
 

SHEPHERD – Kritik

 
 
 
Der in Wales aufgewachsene, danach als Produktionsassistent, Concept- sowie Storyboardartist, Setdekorateur und Art Director arbeitende Russel Owen hat nach seinen Kurzfilmen „Anglesey Road“ und „Love In The Asylum“ bereits 2020 den Zombie/Virusausbruch-Indie-Horror „Inmate Zero“ gedreht, der in Deutschland allerding scheinbar keine Veröffentlichung fand. Ein Jahr später ging Herr Owen dafür mit dem vorliegenden Werk „Shepherd“ an den Start, welches es inzwischen auch in die heimigen Regale geschafft hat – doch handelt es sich hierbei um schnelle Geldmache mit einer billigen Lizenz, oder verbirgt sich hinter dem ominösen Titel gar ein richtig guter Film? Finden wir es heraus.
 
 

„I learned to cope the hard way. It’s time you do the same.“

 
 
Die repetitiv-einlullende Melodie aus dem minimalistischen Menü mit seinen kratzenden Geigen erinnert entfernt an das Theme von „The Turin Horse“, von Extras, einem Kapitelmenü oder auch nur Untertiteln fehlt leider jede Spur. Mit einem tragischen Zitat aus der göttlichen Komödie starten wir in den Film, innerhalb weniger Minuten wird dann auch das gesamte 1×1 moderner Horrorfilme abgespult: Ein schreiendes, grelles Orchester im Wechsel mit tosenden Chören, ein Dröhnen & Fauchen & Klagen auf der akustischen Ebene; dazu eine kunstvoll inszenierte Beerdigung mitten im Nichts, Einstellungen unseres Protagonisten unter Wasser, der erste Auftritt einer schwarz gekleideten Figur, die eine Laterne trägt. Der Sarg rüttelt, ein lauter Schrei erklingt, dann wird Eric Black, so sein Name, wach.
 
 

„How did it find you?“

 
 
Es startet also mit der schuldbeladenen Alptraumsequenz eines gemarterten Protagonisten, der von seinen inneren Dämonen gejagt wird und …………………………. sorry, kurz eingeschlafen. „Post A24-Horror“ heißt dieses ganze Genre für mich, man will unbedingt „sowas wie Hereditary“ sein, aber kann es nicht, guckt sich nur einen oberflächlichen Arthouse-Faktor, eine simple Geschichte über verdrängte Schuld ab, verfrachtet das Ganze dann in eine beliebige, isolierte Umgebung – in diesem Fall halt eine Farm auf einer einsamen Insel – und fertig sind die nächsten 100 Minuten gepflegte Langeweile.
 
 

„She’s a witch, she’s here.“

 
 
Würden wir es nicht inzwischen das Jahr 2023 schreiben, hätte ich vielleicht noch irgendwo ein Restmaß an Verständnis oder Mitleid für eine solche Produktion, schließlich hat man es ja „nur gut gemeint“ und klar, schlechter geht immer. Aber Ari Asters Genremeisterwerk ist jetzt auch schon wieder fünf Jahre alt und die Reihe an immergleichen „Traumahorror“-Streifen, die mit vagen Andeutungen, einem langsamen Aufbau, Arthouse-Anleihen und langweilig vorhersehbaren Hintergrundgeschichten versuchen, ihre Geister/Dämonen-Standardkost aufzupeppen und dabei kläglich versagen, reißt einfach nicht ab.
 
 

„Why leave me all alone?“

 
 
Freilich wird auch diese charakterbasierte Drama-Horror-Geduldsprobe durch einige hübsche Einstellungen der tollen Landschaft goutierbar gemacht, bei der soliden Cinematographie hab ich wenig zu meckern, auch der süße Hund unseres Protagonisten sorgt zeitweise für Sympathiepunkte – doch was nützt das, wenn sich Eric von Anfang an einzig durch seine anstrengend LAUT (weil laut = gruselig) abgemischten PTSD-Flashbacks oder Depressionen charakterisiert und die vermutlich beunruhigend wirkend sollende Bildsprache sich auf dem Level von „Er sieht ein dunkles Schaf“ bewegt. Der zweite, natürlich ebenfalls unverständlich, da deutlich zu leise abgemischt, nuschelnde Charakter neben Eric ist dann noch eine auf einem Auge erblindete Kapitänin, die sich natürlich aus Angst vor einer uns unbekannten Macht weigert, ab einer gewissen Stelle weiterzugehen.
 
 

„You used to be so happy before her.“

 
 
Kommt Eric nach rund 25 unspektakulären Minuten dann in der rustikalen, verlotterten, alten, kalten und staubigen Hütte an, deren Wasserhähne nicht einmal funktionieren, habe ich mir aus anfänglicher Verzweiflung bereits „Ich hoffe inständig, es passiert noch irgendwas.“ notiert, doch ich hätte mit meinem Wunsch spezifischer sein müssen – denn damit meinte ich garantiert nicht weitere Versatzstücke des Horror-Standardprogramms. Natürlich hat der Hund Angst vor dem Leuchtturm und rennt wimmernd umher, natürlich gilt es einen staubigen Dachboden zu erkunden, selbstverständlich ist bei Nacht ein Flüstern zu hören. Und nicht falsch verstehen, Tropen oder Klischees sind notwendig und von sich auch gar nicht schlimm, nur fehlt „Shepherd“ halt jede Eigenständigkeit, jede Motivation, jede Freude an solchen Szenen.
 
 
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Geistesabwesend zählt Eric die Schafe oder geht seinen nötigen Arbeiten nach und weil das alles so häufig gesehen und uninteressant ist, werde auch ich langsam geistig abwesend. Das Gruselpotential der blökenden Schafe, die in einer einzelnen, viel zu kurzen Einstellung bedrohlich in die Kamera gucken, wird leider so gar nicht genutzt – und nach gerade einmal 40 dieser überlangen 100 Minuten wird Erics Trauma bzw. Vergangenheit auch schon so ziemlich ausbuchstabiert; was nur noch denkbar wenig Platz für Twists oder andere Theorien lässt.
 
 

„Maybe, Mr. Black, maybe you are home.“

 
 
Mit dem letzten Maß Rätselspannung aus dem Weg bleibt also nur noch die Frage danach, mit welchen Visualisierungen, Alpträumen oder Genreszenen jetzt noch die restliche Stunde gefüllt werden soll. Und, well, es könnte altbekannter und beliebiger kaum sein. Seine Mutter taucht in der Küche auf, weil es natürlich um ein Familientrauma geht, laute Pseudo-Jumpscares folgen, miese Dämonenstimmen, weitere zu leise Dialoge und natürlich die schwarz verkuttete Gestalt mit der Laterne, die zwischenzeitig auch noch eine Kette trägt. (Gruselig und originell.) Weder ernsthaft beunruhigend noch unfreiwillig komisch sind diese Szenen, sodass man als jahrelanger Genrefan nur noch enttäuscht ausatmen kann – zumal das einzige Element, das wirklich ganz interessant oder ungewöhnlich anmutet, ein auffällig großes Vogelskelett nämlich, nicht weiter erklärt wird.
 
 

„Why?“

 
 
Eine recht blutige sowie unangenehm anzuschauende Stelle hat mich kurz aufmerksamer werden lassen, auch befinden wir uns auf einem technisch recht angenehmen Niveau, etwa wenn das Set eines alten Kreuzfahrtschiffs erkundet wird, der Film Nebel zu seinem Vorteil nutzt oder die Kamera kurz durch die Highlands fliegt – doch egal wie bedrohlich der Leuchtturm von außen (und später natürlich auch von innen) abgefilmt wird, dadurch, dass alle Karten so ziemlich von Anfang an auf dem Tisch liegen und wir längst wissen, dass die Pein bzw. Reise von Eric in erster Linie allegorisch zu verstehen ist, bleiben Spannung oder Atmosphäre einfach aus.
 
 

„What have you done? What have you done? What have you done?“

 
 
Kurz vorm Einschlafen, 20 Minuten vorm Ende packt Owen dann doch noch eine einzelne Sequenz mit Schock- bzw. Horrorpotential aus, doch mieses CGI im Finale macht die guten Ansätze schnell wieder zunichte. Und als sei ihm aufgefallen, dass die zehntausendste Läuterung eines beliebigen Horrorprotagonisten scripttechnisch einfach nicht reicht, würgt der Film dann doch tatsächlich noch einen unnötigen, erzwungenen und wenig logischen Twist hinterher, von dem abermals wirklich niemand profitiert hat.
 
 
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SHEPHERD – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
 
Tausendmal gesehener, todlangweiliger Traumahorror mit den immer selben Versatzstücken der letzten paar Jahre Genrekost. Technisch solide und mit vereinzelt lobenswerten Einstellungen versehen, als Gesamtwerk jedoch gänzlich generisch und sofort wieder vergessen.
 
 
 


 
 
 

SHEPHERD – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Shepherd – Fluch der Vergangenheit“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

SHEPHERD – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Lighthouse Home Entertainment (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Shepherd; Großbritannien 2021

Genre: Horror, Thriller, Drama, Mystery

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.39:1 | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 105 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase

Extras: Trailer, Bildergalerie

Release-Termin: KeepCase: 25.11.2022

 

Shepherd – Fluch der Vergangenheit [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 


 
 
 

SHEPHERD – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Lighthouse Home Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Honeydew (2021)
 
Violation (2020)
 

Filmkritik: „Der Voodoo Fluch“ (1987)

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DER VOODOO FLUCH

(SCARED STIFF)

Story

 
 
 
Ein Psychologe und seine ehemalige Patientin ziehen zusammen mit ihrem Sohn in ein altes Haus, welches durch seinen Vorbesitzer eine düstere Vergangenheit aufweist…
 
 
 


 
 
 

DER VOODOO FLUCH – Kritik

 
 
 

„Take this, Elizabeth. It wil protect you.“

 
 
Charlesburg, 1857
 
Ein entstellter Mann eilt zum Marktplatz, um einen Sklavenhändler und General zu warnen, dass flüchtige Sklaven sich scheinbar in seinem Haus versteckt haben. Und tatsächlich: Andächtig wird etwas verbrannt, während eine Gruppe auf dem Dachboden zeremoniell singt, den Tod ihres unrechtmäßigen und grausamen „Besitzers“ zu beschwören. Im selben Jahr, an der Elfenbeinküste, wird ein sehr ähnliches Ritual von einem tanzenden Stamm ausgeführt, der eine Holzpuppe des Generals mitführt. Zurück in Charlesburg rennt Elizabeth, die Frau unseres bisherigen Antagonisten, ängstlich in das Haus und warnt die versteckte Gruppe, ein scheinbarer Schamane reicht ihr daraufhin eine Holzuppe zum Schutz. Finalement wird verschnitten, wie die Holzpuppe des Generals bei dem Stammesritual mit einer Monstermaske verdeckt, mit Blut bespritzt und scheinbar „verflucht“ wird, während der echte General seiner blutigen Rache frönt und mindestens einen der Sklaven erbarmungslos erschießt.
 
 
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Nach diesem Auftakt macht „Scarred Stiff“, so der Originaltitel der dritten Regiearbeit des in erster Linie vermutlich durch „Phantom of the Mall: Eric’s Revenge“ und „Doom Asylum“ bekannten Regisseurs Richard Friedman, einen kleinen Zeitsprung von 130 Jahren ins heutige Charlesburg, wo ein Therapeut seine ehamlige Patientin, einen Rockstar aus Los Angeles, datet, und mit dieser, sowie ihrem Sohn, in ein altes Haus zieht. Das knackscharfe Bild der Blu-ray betont die hübsch fotografierten Einstellungen der Designerwohnung, die Charakterkonstellation ist bei aller Bekanntheit der Einzugssituation immerhin recht ungewöhnlich und seien es die aufgehängten Gemälde oder erste, vage Alpträume und Visionen von immer wieder auftauchenden Tauben; optisch macht „Der Voodoo-Fluch“ vieles richtig. Weitere Infos über unsere Charaktere folgen, neue werden vorgestellt: Kates aktueller Song lautet „A beat of the heart“ und erfüllt die 80’s-Klischees – ebenso wie viele der Frisuren und Outfits des Films – in voller Hinsicht; David sieht auf seiner Arbeitsstelle in der Psychiatrie auch zum ersten Mal eine plötzlich verschwindende Taube; der freundliche Hausmeister Wally stellt sich vor und werkelt am Haus herum. Abseits der auf dem Papier vielleicht wenig spannend oder unheimlich klingenden, durch die stetig wiederholten Sounds und Omnipräsenz aber durchaus mysteriös-beunruhigenden Tauben, die ganz nebenbei auch den gesamten Dachboden bevölkern, startet der eigentliche Genre-Teil des Films dann ganz langsam und gemächlich mit einem durchaus überraschendem kleinen Alptraum – in der Realität hingegen ist die merkwürdige Indianer-Lampe von Sohnemann Jason bisher mit am gruseligsten.
 
 
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Auf dem Sofortbild einer Polaroidkamera erscheint wenig überzeugend, aber irgendwie nostalgisch getrickst die Maske aus dem Intro, gleichzeitig verhärtet sich der Verdacht, dass ein auf dem Dachboden gefundenes Stück von dem Talisman stammen könnte, der gegen das Böse schützen soll – doch welches Böse, fragt man sich als Zuschauer nach inzwischen etwa 30 Minuten durchaus zurecht. Denn so kompetent inszeniert und nett aufgebaut sich die Geschichte bisher auch interessiert, so überwiegt zugleich der Eindruck eines recht lauen Spukhaus-Films, der mit gefundenen Tagebüchern, überdeutlichen Anzeichen und einem gemächlichen Pacing zu viel Fokus auf seine Backstory; und zu wenig Fokus auf die Spannung im Hier und Jetzt setzt. Durch die folgende, erste nächtliche Geistererscheinung, bei der old George ein wenig auf dem Klavier klimpert, ändert sich das zwar auch nicht; immerhin ist hier aber lobend das Detail zu nennen, dass sein damals eigenst komponierter Song natürlich 1:1 „A beat of the heart“ gleicht, was vom „rationalen“ Ehemann David, gespielt von Actionfilmregisseur und Schauspieler Andrew Stevens aber natürlich – in bester Genremanier – nicht ernst genommen wird. Was nach diesem bisher uninteressantestem Part, den man so oder ähnlich x-mal gesehen hat und der für ein sich langsam aber sicher ziehendes Filmerlebnis sorgt, dann aber wirklich etwas am eher mediokren Gesamteindruck zu ändern vermag; das ist die Kombination aus einer unerwarteten Sequenz, in der auf einmal lauter Spielzeugautos und -figuren von alleine anfangen sich zu bewegen und ich mich wirklich an Italo-Irrsinn wie „Ghosthouse“ oder doch zumindest an „Maximum Overdrive“ erinnert gefühlt habe, und einer in der die Tauben in überraschend alptraumhafter und effektiver, non-trashiger Manier zur Tat schreiten …
 
 
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Auf dem Weg zur Halbzeit erleidet die unentschlossene Tonalität des Films, die zwischen poetisch-unerklärlichem Alptraumhorror, traditioneller Ghosthouse-Narrative und absurd-bizarrem, leicht trashigen Blödsinn nicht so ganz ihren Tritt zu finden scheint, einen weiteren schweren Schlag. Der von Jackie Davis gespielte Detective Whitcomb erscheint nämlich auf der Bildfläche und soll offensichtlich als „comic relief“ genutzt werden, mit dem Running Gag des konstanten Footballguckens. Der Mittelpunkt dieses Films ist dann auch sein größter Schwachpunkt, da die Anzeichen für eine Konfrontation mit dem Bösen sowie eine generelle Eskalation der Ereignisse gezeigt wurden, die erste Person verstorben ist und auch die Psychologen-Patienten-Dynamik unserer Protagonisten sich bereits entladen hat; sodass man quasi nur noch auf ein möglichst verrücktes oder imposantes Finale wartet – doch stattdessen wird man mit weiteren Visionen und Träumen besänftigt, welche das Warten nur sehr punktuell genießbarer machen. Hat man Skurillitäten wie die ewig nicht entdeckte Leiche oder die unfreiwillig komische Dämonenmaske jedoch genossen und die eher trägen Szenen wie weitere Geisterauftritte oder gaslightende Diskussionen ertragen, so lohnt sich der dritte Akt als Gesamtwerk jedoch durchaus, da „Der Voodoo-Fluch“ hier endlich in die Vollen geht.
 
 
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Zugegeben, die bizarre Irrsinns-Mentalität einiger italienischer Vertreter wird nicht erreicht; auch sollte man hier kein Splatterfest oder packenden Horror erwarten – doch wer einfach nur auf gut gemachte 80s-Genre-Unterhaltung aus ist, der kommt hier definitiv auf seine Kosten. Ein paar Einblicke in die letzte halbe Stunde von „Scarred Stiff“: Ein riesiger Lichttalisman aus 80’s-CGI erleuchtet die Gesichter unserer Protagonisten, argentoesk unerklärter Wind bricht ganze Äste beim Lesen jahrhundertealter Tagebücher ab, ein mit Tauben und Leichen gesäumter Brunnenboden glänzt im Mondschein, grüne Kontaktlisten implizieren teufliche Besessenheit, miese „Dämonenvision“ und ein funktionierender Jumpscare kommen zum Einsatz, Leichen zerschmettern Fenster, eine Erscheinung im Auto verängstigt den Fahrer so sehr, dass es zu einem irrsinnig witzigen da unpassenden Unfall kommt, bei dem nur noch der Clip aus dem Troma-Filmen gefehlt hat. Reicht nicht? In endlos langen, nebligen Fluren werden Kindheitsängste zu metergroßen Bedrohung, jede realistische Logik wird gänzlich ausgekoppelt, Alltagsszenen werden entfremdet, Barrieren von Raum und Zeit für mehr beunruhigende Szenarien gebrochen, Schichten überlagern sich und aus einem im ersten Moment enttäuschendem Effekt wird eine kleine Orgie des Schmelzens und Explodierens und Auseinanderreißens und blutigstem Zersplattern und da hört es immer noch nicht auf, noch einmal kommt triumphal das zeitgenössische CGI für einen glorreichen letzten Effekt zum Einsatz, hallelujah!
 
 
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Während wir inhaltlich also größtenteils den vorher aufgewiesenen Pfaden folgen, die generelle Welt des Films nie verlassen haben und auch nicht von einem Kleinod zu sprechen ist, so weiß Friedmans interessant vermischter Genrefilm doch durch sein Pacing den Zuschauer derart zu manipulieren, dass die zweifelsohne exzellenten bis käsigen, immer aber unterhaltsamen Effekte, Visionen und Kämpfe umso effektiver wirken, da man sie sich in zunehmend träger und zäher werdenden ersten zwei Akten so sehr ersehnt hat. Spätestens die letzten paar Einstellungen sowie deren Implikationen dürften dem Genrefan nach diesem Finale ein zumindest zufriedenes Grinsen ins Gesicht zaubern, auch wenn sich 81 Minuten eindeutig schon einmal kürzer angefühlt haben.
 
 


 
 
 

DER VOODOO FLUCH – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Kompetent inszenierter und vorhersehbar geschriebener Ghosthouse-Horror, der sich zwar sehr lange zurückhält, dafür im Finale aber auch wirklich kurz in die Vollen geht.
 
 
 


 
 
 

DER VOODOO FLUCH – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Der Voodoo Fluch“ ist ungeschnitten und frei ab 18 Jahren.
 
 
 


 
 
 

DER VOODOO FLUCH – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) White Pearl Classics (Blu-ray im KeepCase)

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(c) White Pearl Classics (Blu-ray + DVD im Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Scared Stiff; USA 1987

Genre: Horror, Mystery, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: keine

Bild: 1.85:1 | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 85 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase | Mediabook

Extras: Durch Arrow Video von einem brandneuen 2K-Master abgetastet und restauriert vom Original-Kameranegativ, Audiokommentar des Regisseurs und Produzenten, Making of (ca. 34 Min.), Interview mit Komponist Billy Barber | zusätzlich im Mediabook: Film auf DVD, umfangreiches Booklet

Release-Termin: KeepCase + Mediabook: 28.10.2022

 

Der Voodoo Fluch [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

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DER VOODOO FLUCH – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei White Pearl Classics)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Landhaus der toten Seelen (1976)
 
Die Schlange im Regenbogen (1988)
 

Filmkritik: „Christmas Bloody Christmas“ (2022)

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CHRISTMAS BLOODY CHRISTMAS

Story

 
 
 
An Heiligabend wollen Tori und Robbie sich eigentlich nur betrinken und feiern, aber als ein Roboter-Weihnachtsmann in einem nahe gelegenen Spielzeugladen durchdreht und einen wilden Amoklauf durch die Kleinstadt beginnt, wird sie in einen Kampf ums Überleben gezwungen.
 
 
 


 
 
 

CHRISTMAS BLOODY CHRISTMAS – Kritik

 
 
 
Als Joe Begos vor mittlerweile elf Jahren mit dem Werwolf-Horror-Kurzfilm „Bad Moon Rising“ sein Debüt gab, war die Resonanz noch recht überschaubar; auch sein zwei Jahre später inszenierter Langfilm „Almost Human“ hat zwar für internationale Veröffentlichungen und einige wohlwollende Kritiken auf Festivals und innerhalb der Indie-Horror-Nische gesorgt, dürfte den „mainstreamigeren“ Horrorfan allerdings kaum erreicht haben. Auf dem Weg zur Professionalität und größeren Bekanntheit folgte 2015 noch der allem Anschein nach actionhaltige Sci-Fi-Horrorfilm „The Mind’s Eye“, 2019 gelang dann der internationale Durchbruch mit „Bliss“, einer rotzig-punkigen L.A.-Horrormär über harte Drogen und den grausamen Preis für künstlerische Inspiration; sowie das blutige Genreveteranentreffen „VFW“, die beide größtenteils begeistert von der Genrecommunity aufgenommen wurden und viele Fans, so auch mich, vorfreudig auf sein nächstes Werk haben warten lassen. Dass es sich tatsächlich um einen Weihnachtshorrorfilm – einen Vertreter meines Lieblingssubgenres also – handelt, ließ mich natürlich umso vorfreudiger lechzend den Release herbei ersehnen; ein O-Ton Online-Screener vor offiziellem VÖ-Termin war dann noch der leuchtende Weihnachtsstern obendrauf. Mit durchaus überdurchschnittlicher Erwartungshaltung, ordentlich Bock auf Weihnachtsstimmung, eine nicht enden wollende Verkettung verschiedener Variationen des Wortes „fuck“ und blutige Kills, sowie einem Glas Glühwein also hingesetzt und in den folgenden 84 Minuten ganze sieben Seiten Notizen verfasst, die es nun zu verschriftlichen und kontextualisieren gilt: Fröhlichen Adventswünsche gehen raus, legen wir los.
 
 
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Wie selbstbewusst, ironisch, humorvoll zu verstehen und verspielt dieser, von jetzt an als „CBC“ abgekürzte, Spielfilm zu verstehen ist, zeigt er dem Zuschauer direkt zu Beginn auf: Im veralteten Bildformat werden nach dem mittlerweile kultigen „Channel 83“-Logo mehrere, leicht trashige Achtziger Jahre-Werbespots gezeigt, u.a. für Whiskey, der auch an Kinder ausgeschenkt wird, einen käsigen Slasher, ein Rockkonzerts von Santa Claus himself, Kekse für Stoner uuuunndd natürlich dem eigentlichen Highlight: Dem Robosanta+, ehemalige Militärtechnik die nun, in abgerüsteter und umprogrammierter Version, als Mall-Santa verkauft werden soll. Ho ho ho, was könnte da schon schiefgehen? Noch bevor launige Post-Wave läuft und wir im Vollbildformat die Opening Credits zu einer dick verschneiten Straße als Establishing-Shot serviert bekommen, hat „CBC“ also in Rekordzeit die gesamte Story bzw. Bedrohung etabliert: Ein Militärroboter in Santakleidung wird vermutlich durchdrehen. Das erinnert spontan an „Chopping Mall“, macht Lust auf mehr und könnte mit einer originellen Inszenierung und ordentlich Weihnachtsfaktor doch glatt eine Punktlandung werden…
 
 

„I’m the fucking gal with fucking strong opinions!“

 
 
Die Story ist dabei sehr straight-forward, simpel und schnell erzählt: Die weihnachtshassende, immer wieder empathielose Plattenladenbesitzerin Tori redet nach Feierabend an Christmas Eve noch etwas mit ihrem Mitarbeiter Robbie über den Weihnachtsbonus und die Pläne für die Nacht. Tori hat eigentlich schon ein Tinder-Date ausstehend und will einfach nur Sex und ihre Ruhe, doch im stylischen Schwarzlicht des Vinylshops holt Robbie dann eine Whiskeyflasche raus und die beiden nehmen einen Shot. Schnell fragt Robbie sie über ihr Date aus und macht sich über den anderen Typen lustig, redet ihn schlecht, grabt ein peinlich bemühtes Gitarrenvideo des Familienvaters heraus und macht sich stattdessen selbst als Option für die Nacht interessant. Innerhalb von Minuten entwickelt sich somit ein realistisches, lässig geschriebenes und amüsant gespieltes Portrait von unseren Protagonisten: Der langsam genervten, aber nicht uninteressierten Tori und dem teils aufdringlichen, dann aber wieder sehr charmanten und witzigen Robbie. Beide Metal- und Horrorfilmnerds durch und durch, trotzdem anfänglich noch unsympathisch oder zu einseitig präsentiert.
 
 

„I’m weirdly turned on by this, but I need you to stop.“

 
 
Von den hervorragenden Performances und authentischen Darbietungen von Riley Dandy und Sam Delich lebt der Mumblecore-Approach der ersten Hälfte des Scripts dann auch, denn vom versprochenden Santa gibt es relativ wenig zu sehen und stattdessen wird sich viel Zeit für die Charaktere und ihre Dynamik, die großartige Chemie, den Aufbau einer versierten Weihnachtscinematographie genommen. Das erste ausführliche Nerdgespräch über Musik & Film startet noch in Toris eigenem Shop, nach bereits zwölf Minuten wird die Location dann für ein Spielzeugwarengeschäft gewechselt, in dem neben einer Schneemaschine noch ein weihnachtssprücheklopfender „Robosanta+“ stationiert ist. Toris angedachtes Tinder-Date wird schnell zum Gespött der Gruppe, im Gelächter, Umtrunk und auch härteren Drogenkonsum ebenjener geht der Nachrichtenbericht über einen internationalen Rückruf der juvenilen Ex-Militärtechnik natürlich unter…
 
 

„I didn’t know you two were a thing.“ – „We’re not.“ – „Yet.“ – „Get fucked!“

 
 
Spätestens wenn unsere inzwischen gut angetrunkenen, lautstark diskutierenden und losprustenden Protagonisten von hier aus weiterziehen, die verschneite nächtliche Straße passieren, um in einer Bar anzukommen, ihre liebsten Weihnachtslieder gegenseitig verarschen, habe ich aktiv gemerkt, dass ich mit den anfangs noch teils so respektlosen Charakteren warm werde, der Film seinen Job bereits bestens macht. Derweil stapft der mechanische Santa schweren Schrittes in einer POV-Einstellung durch den Spielzeugladen und zweiteilt mit einem Axthieb einfach den verkoksten Boyfriend, – den wir durch eine erste Eingangssequenz im Record Shop auch schon kennengelernt haben – während er gerade seine Freundin verwöhnen wollte. Die Mischung aus Nebel im Raum und den neonfarbenden Lichterketten sorgt für eine prächtige Atmosphäre und Optik, dann kriegt die flüchtende Freundin noch mehrfach brutalst ihren Kopf in eine Vitrine geschmettert.
 
 
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Wo Santa wütet, da wächst also kein Gras mehr und es bedarf sicherlich einiges an Taktik, Kraft und geistiger Klarheit, diese Tötungsmaschine aufzuhalten. Schnitt zu Robin und Tori, die inzwischen völlig besoffen in einer Bar herumalbern und flirten, während Jeff Daniel Phillips sich in einer großartigen Rolle als Sheriff über seine Frau und seinen Hund aufregt. Nachdem auch diese kleine Station verlassen wurde, bermerke ich zu herrlich verträumt hallenden E-Gitarren, dass ich das quasi-Paar Tori & Robbie endgültig schätzen und lieben gelernt habe, als Tori den originalen Black Christmas als Beispiel für einen guten Weihnachtsfilm anführt, das Blumhouse-Remake aber hasst. Weitere Filmtitel und -entscheidungen für Lieblingsfilme innerhalb von Franchises haben bei mir für ein anerkennendes Fan-Nicken oder höchst amüsiertes Gelächter gesorgt, so findet Tori z.B. alles an „Pet Sematary 2“ besser als den Vorgänger und auch wenn ich nicht zustimme, so weiß ich schon was sie meint. Auf der sturzbesoffenen Autofahrt von der Bar zu ihrem Haus folgt Santa durch das Schneegestöber und wird vor Ort nur Gott sei Dank von dem irrsinnig überdekorierten Nachbarhaus abgelenkt; Zeit für hemmungslosen, betrunkenen und absolut verdienten Sex, der sich nicht nur kathartisch anfühlt und glaubhaft inszeniert wurde, sondern durch ein großartig schredderndes 80s-Metal-E-Gitarrensolo, Neonbeleuchtung und einen Deckenspiegel gar zur religiösen Erfahrung mutiert.
 
 

„He wiped everybody out, he’s gonna wipe you out!“

 
 
Dass der Antagonist ernst zu nehmen ist, das war zwar bereits klar, die einsetzende, traumhafte Montage von Sex, Gewalt und Weihnachten unterstreicht diesen Punkt allerdings noch einmal deutlich. Denn während Tori ausgezogen wird, kriegt der Sheriff eine Axt in den Rücken geworfen, während sie geleckt wird, würgt der Gesetzeshüter und die blutige Wunde wird gezeigt, beim Orgasmus dürfen wir einen erstklassig gorigen Effekt bewundern, in dem der Kopf blutigste zertritten wird. Beim Joint nach dem Koitus, glücklich und verschwitzt, beobachten Torie und Robbie daraufhin, wie ein blutig verschmierter, roter Santa inmitten der festlich grünen Beleuchtung gnadenlos das Nachbarskind tötet, und auf einmal spuckt der Soundtrack bedrohlich raue und trotzdem nicht nervige oder dröhnende Industrial-Töne und die Panik wird von jetzt auf gleich wieder auf 110 gedreht.
 
 
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Was für ein gelungener Aufbau doch! Natürlich dauert es in diesem „Killersanta-Film“ etwas, bis der Santa auch killt oder allgemein zum Fokus wird – doch wer den Regisseur kennt, der dürfte seinen Modus Operandi inzwischen kennen sowie hoffentlich schätzen gelernt haben. Und wenn ein Streifen so derart besessen von Weihnachtsbeleuchtung ist, so authentisch ausgebrannt grindhousey aussieht ohne zu nerven, und so versiert seine Charaktere glaubhaft und schmackhaft macht – dann muss sowas doch gar kein Kritikpunkt sein! Da es an rabiaten und schonungslosen Kills im weiteren Verlauf nicht mangelt, herrlich überzogene, machohaft überzeichnete, laute 80’s-Cops (von u.a. Jeremy Gardner verkörpert,) noch einen Auftritt bekommen und mit einer kleinen Ausnahme alle folgenden Effekt- & Actionsequenzen überzeugen können, dürften auch Gegner der ersten Hälfte folglich noch absolut auf ihre Kosten kommen.
 
 
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Voller Verbeugungen vor den Achtzigern, mit klaren „Terminator“ oder „Chopping Mall“ etc.-Anleihen, einem starken und nur später etwas zu häufig benutztem Soundtrack und einer farbenfrohen, übersättigten, aber doch irgendwie ausgebrannt wirkenden, prägnanten Cinematographie versehen, waren die ersten 50 Minuten bereits ein Genuss für mich. Doch was dann folgt, stellt in Sachen Aufwand, Liebe zum Detail und einem Ausnutzen des aufgebauten Stils imo alles in den Schatten, da wir zwischen Sirenen-Blitzgewittern, trippigen E-Gitarrensoli, einer John-Carpenter-mäßiger Synthiescore, einer sehr „Bliss“-artigen Einstellung im flackernden Licht vor einem blutigen Spiegel und weiteren Stil-Zitaten wie einem Vertigo-Zoom die volle Ladung überbordend verzweifelter Endschlacht kriegen, Mensch vs. Maschine, punkige „Fuck off“-Attitüde vs. Weihnachsmann, Explosionen, Taser, Schwerter und aufwendige Stunts vs. einen metallenen Körper, eine Axt und….Laser?! Rauch und Wasser, ein Slow-Motion Funkenfest, Blut und herausstehende Knochen, schwere Akkorde und ein gepeinigtes Kreischen – was für ein liebevolles, endloses, zermürbendes und mitreißendes Finale doch. Natürlich inhaltlich wenig neu; natürlich mit etwas Plot-Armor ausgestattet und einer wenigen spannenden Versteckszene; natürlich zu Beginn vielleicht etwas behäbig als „Horrorfilm“ – doch wen juckt das schon noch, fangen die Credits an?

 
 


 
 
 

CHRISTMAS BLOODY CHRISTMAS – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Simpler und geradliniger Mumblecore-Slasher mit grandiosen Performances, authentischen und höchst spaßigen Dialogen, einem Bollwerk von Antagonisten und wunderschöner, einmaliger Cinematograhie, welche die durch und durch verschneit-weihnachtliche Stimmung versiert einzufangen weiß. Starke 7/10 & 3.5/5 Zuckerstangen*
 
*Die Zuckerstangenskala zeigt auch in diesem Jahr wieder auf, wie weihnachtlich das Gefühl ist, das eine jeweilige Produktion, mit dem Anspruch, durch die Musik, Story, Dekoration, und Atmosphäre im Raum verbreitet.

 
 
 


 
 
 

CHRISTMAS BLOODY CHRISTMAS – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Christmas Bloody Christmas“ ist ungeschnitten und frei ab 18 Jahren.
 
 
 


 
 
 

CHRISTMAS BLOODY CHRISTMAS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Capelight Pictures (Blu-ray im KeepCase)

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(c) Capelight Pictures (Blu-ray + 4k UHD im Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Christmas Bloody Christmas; USA 2022

Genre: Horror, Mystery, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.39:1 | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 87 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase | Mediabook

Extras: Kinotrailer | zusätzlich im Mediabook: Film auf 4K-UHD, umfangreiches Booklet

Release-Termin: KeepCase + Mediabook: 16.12.2022

 

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CHRISTMAS BLOODY CHRISTMAS – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Capelight Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Xmas Tale (2005)
 
Silent Night, Deadly Night (1984)
 
Bliss (2019)
 
VFW (2019)
 

Filmkritik: „Deadly Games – Tödliche Spiele“ (1982)

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DEADLY GAMES – TÖDLICHE SPIELE

(DEADLY GAMES)

Story

 
 
 
Nach dem mysteriösen Selbstmord ihrer Schwester trifft die Journalistin Keegan auf Freundinnen von früher und macht sich mit einem freundlichen Cop und seinem undurchschaubaren Kollegen auf die Suche nach der Wahrheit, während ein vermummter Killer auf freiem Fuß ist…
 
 
 


 
 
 

DEADLY GAMES – Kritik

 
 
 
Der wohl bekannteste Film des Regisseurs Scott Mansfield ist ein unterdurchschnittlich bewerteter, charakterbasierter und langsamer Slasher aus dem Jahr 1982, der spätestens durch seinen hochpolierten Arrow Video-Release in Großbritannien eine neue Generation an Genrefans erreicht hat. Nachdem der Titel in Deutschland bisher nur auf Videokassette oder im TV zu sehen war, erfolgte nun auch die hiesige Blu-ray- und DVD-Auswertung – hat sich das Warten gelohnt? Das Menü strahlt durch die Frisuren, Farben und Outfits der drei Personen, die rings um ein Brettspiel herum sitzen und dabei von der Kamera umkreist werden, direkt vollen 80’s Flair aus und wurde mit einem Pop/Rock-Song der Zeit untermalt, beherbergt trotz zweier Interviews und Bildergalerien nur leider keine Untertitel. Zu spärlicher, leicht okkulter Musik zünden schwarze Lederhandschuhe Zigaretten an und drücken diese aus, auf dem Brettspielboard aus dem Menü steht ein Aschenbecher.
 
 

„I had this starnge feeling that I was being watched.“

 
 
Schnitt und eine pelztragende Frau kommt nachts mit ihrem laut Popmusik spielendem Auto daheim an, steht daraufhin verträumt im Türrahmen und lässt sich vom Mondlicht bescheinen, zieht sich langsam aus und fängt an, ihre Brüste zu streicheln. Statt mit peinlicher Musik unterlegt, in die Länge gezogen und konsequenzlos wie in einem Softporno, wird die Szene – sowie ein Großteil des Films – stattdessen äußerst gekonnt, behutsam und mit längeren, versierten Kamerabewegungen ästhetisch von Kameramann R. Michael Stringer, der unter anderem auch „Double Exposure“ oder David Carradines Regiedebüt „Americana“ gedreht hat, eingefangen. So unüblich dieser Filmanfang bisher auch scheint, in einer so künstlerischen wie alptraumhaft-leeren Einstellung sieht man nun, wie eine Gestalt in einer einzelnen Telefonzelle an der Landstraße vor dem Haus der Frau steht und sie bedrohliche Anrufe erhält, bevor er zur Tat schreitet. In einer POV-Einstellung stalken wir unser Opfer, nachdem sie noch einige Zeit halbnackt bleibt, zieht sie dann doch ein Hemd an. Zu dunklen Glocken im Soundtrack bricht der schwer atmende, komplett in Schwarz gekleidete, vermummte Killer in das Haus ein, ohne weiteres Zutun stürzt die Frau auf ihrer Flucht aus dem Fenster und landet in einer weiteren durchaus poetischen Einstellung vor ihrem Haus. Inszenatorisch die beste Szene des Films, auch wenn inhaltlich natürlich wieder den typisch misogynen Strukturen gefolgt wird, laut denen eine unkeusche Frau, die sich zur eigenen Unterhaltung auszieht und an ihrem nackten Körper ergötzt, vom männlichen Täter direkt daraufhin bestraft wird.
 
 

„You have a great smile!“

 
 
Keegan Lawrence, die Schwester des Opfers, eine Reporterin und leider auch unsere Protagonistin, trampelt ohne jede Rücksicht auf dem Tatort rum, an dem sie auf Cop Roger Lane trifft, der ihr in Rekordzeit Komplimente macht. Im Dialog offenbart sich, dass Keegan kein gutes Verhältnis zu ihrer Schwester hatte, auch wurden Zigarettenstummel am Tatort gefunden – der Killer aus dem Intro wird es also sein. Wäre das Schauspiel nicht so hölzern und die Interaktion so unglaubwürdig, man könnte gar von einer weitere gelungenen Szene reden. In „Big Joe’s Coffee Shop“ trifft Keegan auf ein paar Klassenkameradinnen und hält etwas smalltalk, aufgrund des unzusammenhängend wirkenden Editings und der ungelenken Dialoge fiel es mir aber schwer, hier zu folgen oder wirklich relevante Informationen zu entnehmen.
 
 
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Die nächste der stimmungsvoll beleuchteten und behutsam gefilmten Locations ist ein altes Kino mit Empore und rotem Samt, in dem zwei Typen namens Billy und Joel hocken und ohne Musik ein großformatiges Brettspiel spielen, während alte Horrorfilme laufen oder besprochen werden; oder auch die Frage nach einhändiger Strangulation. Billy, von jungen Katzen umringt und mit einer verspiegelten Sonnenbrille im Gesicht, sitzt im roten Licht und raucht, erneut macht sich die Optik des Films positiv bemerkbar. Wenig später sollen diese beiden Charaktere allerdings für leichte „The Room“-Vibes sorgen, wenn sie reichlich unpointiert in kuriosen Outfits im Park stehen und einen Football werfen, wie es im „Citizen Kane of Bad Movies“ von Tommy Wiseau auch geschieht. Fast schon beiläufig offenbart uns der Film nach kurzer Zeit nun den Killer, was sich zwar in einem schicken Unterwasser-Kill entlädt, gleichzeitig aber auch die wenige Spannung tötet, die noch vorhanden war. So ist es Rogers Frau, die ertrinkt, kurz nachdem sie ihm eine Affäre gestanden hat – hmmm…
 
 
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„Sport im Park“ wäre eine ganz gute Überschnitt für den nächsten Abschnitt auf dem Weg zur Halbzeit, denn wenn unsere Protagonistin mit vier weiteren Frauen am Spielrand sitzt und den Männern beim Spielen zuguckt, bleibt sich unterhaltungstechnisch leider nur noch an die Betonungen und Dialogzeilen zu klammern, die dermaßen schlecht oder bekloppt performt sind, dass sie wieder Spaß machen. Andere Kuriositäten am Rande, wie die Stellen, an denen sich Roger Lane wie ein Teenager mit angewinkelten Beinen auf die Küchentheke setzt, gibt es zwar auch – doch hauptsächlich wird „Deadly Games“ zu einer ziemlich trockenen und unspannenden Angelegenheit, in der die gefühlt geistig abwesendste und schlechteste Schauspielerin den meisten Dialog bekommen hat, da es sich um unsere Protagonistin handelt. Jo Ann Harris` überschaubare Filmographie mag einige Highlights beinhalten, ihre Performance in diesem Streifen wirkt jedoch gänzlich unbedarft. Billy, der Kinomitarbeiter mit der verspiegelten Brille, immerhin das erfahren wir, ist wohl dicke mit Roger befreundet, seitdem beide in Vietnam waren, dort wurde Ersterer auch verwundet. Nun sitzt Billy am Spielfeldrand da er keinen Sport ausüben kann, aber ist das gleich ein Grund zur Verunsicherung?
 
 
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Die erste Hälfte des Films und das langsame Pacing überstanden, folgt eine kurios editierte Szene, in der unser stalkender Killer sein Opfer quasi in seinem Auge abgespielt sieht. Das mutet merkwürdig futuristisch und technologisch an, hat für sich genommen aber durchaus einen gewissen Charme. Diesen gilt es nun auch im Kopf zu behalten, da langgezogene sowie langweilige, romantische Szenen folgen, die offenbaren, dass man sich hier wirklich um die Protagonistin, Roger und deren Schicksale kümmern soll. Was klappen könnte, wäre der Plot spannender oder motivierter, das Schauspiel besser, die Charakterentwicklung tiefergehender. So aber quält man sich durch langweilige Blödel/Dating-Montagen mit deutlich zu ernster und gewollt emotionaler Musik, die das Tempo völlig herausnehmen – verschnitten allenfalls damit, wie unser skimaskentragender Antagonist alleine sein Brettspiel spielt.
 
 
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Eine recht ikonische Aufnahme, die auch für diverse Releases benutzt wurde, folgt, wenn der Killer einer der Frauen aus dem Café in der Parkgarage auflauert, dort aber von den Security Guards erwischt wird. Der Schein der Taschenlampe auf der schwarz vermummten Gestalt, den Arm bedrohlich um den Hals ihres Opfers gelegt – das hat schon was. Und nach über einer Stunde Laufzeit tut sich für die letzten 23 Minuten auch in Sachen Story oder „Spannung“ langsam mal wieder was: Nachdem Roger, der alte Casanova, für die mittlerweile dritte halbnackte Frau in dem Film sorgt, was bei einem so ernsten und ruhigen Genrevertreter fernab der „Blood ’n Boobs“-Partyslasher durchaus ungewöhnlich ist, erfährt Keegan von dem Opfer aus der Parkgarage von dem Vorfall und der offensichtlichste Plottwist überhaupt wird endlich ausbuchstabiert.
 
 
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Eine Einstellung der kerzenbeschienenen Bar hat sich positiv eingeprägt, auch sehr cool wie während einer Autofahrt die Hand im schwarzen Lederhandschuh auf der Rückbank auftaucht, leider wird folgend aber das absolute Standardprogramm abgespult: Eine einsame Frau, die weinend und schreiend durch die Nacht rennt, dabei stürzt, in einer gruseligen Location endet und dort eingeholt wird, schnelles Atmen, POV-Shots, das kleine Einmaleins wirklich – nur, dass sich die Opfer üblicherweise nicht freiwillig lebendig begraben lassen (?). Visuelle Schmankerl wie das ausgehende Licht, der Backstagebereich voller Schaufensterpuppen oder die lange Kamerafahrt durch den Kellerraum des Kinos können sich zwar sehen lassen, kommen aber zu spät und kurz: „Deadly Games“ hätte mit einem besseren Cast und Script, deutlicher Straffung und einem weniger offensichtlichen Twist funktionieren können, ist für einen Slasher aber zu spannungsarm und blutleer, für ein Charakterdrama dafür zu oberflächlich – als Subgenre-Fan aus Komplettierungsgründen, für die Cinematografie oder einzelne, spaßig-dumme Szenen vielleicht einen Blick wert, aber wahrlich keine Empfehlung.
 
 


 
 
 

DEADLY GAMES – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
 
Größtenteils vorhersehbarer, sehr langsamer und charakterbasierter, dafür aber zu durchschnittlich geschriebener sowie schlecht gespielter Killerthriller mit einem guten Schuss Romanze und einem Set- sowie Bilddesign, das Welten über dem restlichen Niveau des Films schwebt.
 
 
 


 
 
 

DEADLY GAMES – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Deadly Games – Tödliche Spiele“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren. Der Film schaffte es bisher nur auf Video oder ins TV. Dort war er jedoch immer ungeschnitten und FSK16. Das hat sich auch bei der ersten deutschen Auswertung auf Disc nicht geändert. Die darauf enthaltene Fassung ist ebenso komplett und bereits für Jugendliche geeignet.
 
 
 


 
 
 

DEADLY GAMES – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) White Pearl Classics (Blu-ray im KeepCase)

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(c) White Pearl Classics (Blu-ray + DVD im Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Deadly Games; USA 1982

Genre: Horror, Mystery

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: keine

Bild: 1.85:1 | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 95 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase | Mediabook

Extras: Interview mit Schauspielerin Jere Rae Mansfield, Interview mit Spezialeffekt- und Stuntkoordinator John Eggett | zusätzlich im Mediabook: Film auf DVD, umfangreiches Booklet

Release-Termin: KeepCase + Mediabook: 21.10.2022

 

Deadly Games – Tödliche Spiele [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

Deadly Games – Tödliche Spiele [Blu-ray + DVD im Mediabook] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 


 
 
 

DEADLY GAMES – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei White Pearl Classics)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Dangerous Game – Tödliche Spiele (1988)
 
Hotline – Die Stimme des Todes (1982)
 
Höllenfeuer (1972)
 

Filmkritik: „Nachtratten“ (1982)

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NACHTRATTEN

(VICE SQUAD)

Story

 
 
 
Einem wahnsinnigen Zuhälter soll eine Falle gestellt werden, doch dieser sieht es gar nicht ein, sich verhaften zu lassen und schwört Rache an der Verräterin.
 
 
 


 
 
 

NACHTRATTEN – Kritik

 
 
 
Das Genre Poliziottesco wurde, wie der Name es schon verrät, vordergründig von den Italieniern bedient und hatte sein Hoch in den 70er Jahren. Dass aber auch ein amerikanischer Film solche Elemente bedienen kann, beweist „Nachtratten“ eindrucksvoll. Wer auf der Suche nach anspruchsvoller Kost ist, wird hier ganz sicher nicht fündig werden. Wer allerdings einen dreckigen, ziemlich skurrilen Film haben möchte, ist hier an der richtigen Adresse, denn abgefahrenes Material bietet dieser Streifen in Hülle und Fülle.
 
 
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Die Prostituierte „Prinzessin“ führt ein Doppelleben. Tagsüber ist sie liebevolle Mutter, aber nachts verdient sie sich ihr Geld mit teilweise schwierigen Kunden. Auf der Straße ist es nicht gerade sicher. Als wäre es nicht schon gefährlich genug, nicht von der Polizei geschnappt zu werden, machen auch noch irre Zuhälter die Gegend unsicher. Einer davon ist Ramrod. Dieser sieht es gar nicht gerne, wenn seine Methoden angezweifelt werden und das lässt er die Frauen dann auch spüren. Als es einer Freundin von der Prinzessin an den Kragen geht, sieht die Polizei die Chance, den irren Zuhälter endlich zu schnappen. Die Prinzessin lässt sich sogar darauf ein den Lockvogel zu spielen. Doch kaum wurde Ramrod gefasst, kann er sich auch schon wieder befreien und danach ist er nur noch auf Rache aus. Das Drehbuch ist schon eine Klasse für sich, was nicht zwangsläufig positiv zu verstehen ist. Es ist echt beeindruckend, was für abstruse Ideen man hier verarbeitet hat und wie leicht man es sich in manchen Fällen macht. Das wirkt nicht mal mehr konstruiert, sondern insgesamt einfach künstlich und null glaubwürdig. Eine Tiefe sollte man hier ebenfalls nicht erwarten. Sieht man von solchen Kritikpunkten jedoch mal ab, dann funktioniert die simple Geschichte gut genug, um den Zuschauer für die folgende Laufzeit interessiert zu halten.
 
 
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Dabei ist es vor allen Dingen die Atmosphäre, die ihren Reiz besitzt. „Nachtratten“ kann oder will sich nämlich niemals so richtig festlegen, ob er nun bierernst erscheinen möchte oder doch eher den Trashfan ansprechen will. Der Grundton ist absolut dreckig und düster, wird aber durch so manch skurrilen Einfall immer mal wieder (freiwillig oder unfreiwillig) aufgelockert. Da sind schon ein paar Szenen vorhanden, bei denen man als Zuschauer eher den Kopf schütteln möchte. Ja, in einer Szene wird es sogar unangenehm albern. Im Großen und Ganzen macht jedoch genau dies die Faszination aus. Irgendwo zwischen reißerischer Trash-Gurke und schmuddeligem Großstadt-Thriller macht es sich „Nachtratten“ gemütlich und der Zuschauer wird mit einer eigenwilligen Stimmung überschüttet, die dann doch irgendwie ziemlich authentisch wirkt. Dazu trägt sicherlich auch die ordentliche Inszenierung von Gary Sherman bei. Den größten Aufwand braucht man hier nicht zu suchen, aber die Bilder der Straße verströmen Glaubwürdigkeit. Hier wirkt alles angebracht dreckig und es macht Spaß sich das anzuschauen. Dass sich wirklich alles bei Nacht abspielt, passt da wie die Faust aufs Auge. Aus handwerklicher Sicht ist das Resultat wirklich hübsch gestaltet.
 
 
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Natürlich gibt es da noch einen Grund, weshalb „Nachtratten“ so gut funktioniert. Dieser Grund hört auf den Namen Wings Hauser. Der Mann spielt hier einen echten Psychopathen und macht dies so eindrucksvoll, dass man ihn nicht so schnell wieder vergessen wird. Alleine sein Blick ist Gold wert und diese Leistung kann sich echt sehen lassen. Die restlichen Darsteller wissen allerdings ebenfalls zu gefallen. So weiß Gary Swanson als Cop zu überzeugen und Season Hubley macht als Prinzessin auch etwas her. Das Schauspiel ist allgemein hochwertig und man hat hier eine Vielzahl von recht seltsamen Figuren entworfen. Diese besitzen zwar nicht den Hauch von einer Tiefe und könnten viel belangloser kaum sein, werden aber eben dadurch aufgewertet, dass sie markant wirken und teilweise einfach reichlich verrückt erscheinen. So entgeht „Nachtratten“ gekonnt der Kritik einer schlechten Figurenzeichnung.
 
 
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Dass es am Ende nicht für den ganz großen Wurf reicht, liegt neben der unentschlossenen Atmosphäre vor allen Dingen an mangelnder Spannung. Zwar wird es immer mal wieder etwas packender, doch das Szenario wirkt zuweilen dermaßen abgehoben, dass man es sowieso nicht so ernst nehmen kann. An Tempo fehlt es dabei allerdings nicht und auch der Aufbau ist erfrischend gestaltet. So dauert es doch einige Zeit, bis das eigentliche Szenario beginnt, wobei all das, was zuvor geschieht, keinesfalls belanglos ist. Besonders in der zweiten Hälfte lässt man es dann ganz gerne mal krachen und das Finale ist ebenfalls gelungen. Die Action-Anteile sind ansprechend verteilt und wenn man obskuren Humor mag, wird man zeitweise auch ordentlich bedient. Die Laufzeit von rund 90 Minuten vergeht so jedenfalls zügig, ohne Längen, aber pure Kurzweiligkeit sieht ebenfalls anders aus. Besonders brutal im grafischen Sinne ist „Nachtratten“ dabei eigentlich nie, wobei er es dennoch hinbekommt roh und dreckig zu wirken. Etwas mehr nackte Haut wäre vielleicht angebracht gewesen, doch alles in einem ist dies schon definitiv kein jugendfreier Film. Die Effekte sind eher simpel, aber in Ordnung. Score und Soundtrack passen perfekt und lassen sich optimal anhören.
 
 


 
 
 

NACHTRATTEN – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
„Nachtratten“ wirkt wie ein amerikanischer Poliziottesco und ist teilweise herrlich abgefahren. Besonders die Atmosphäre lebt davon, denn was auf der einen Seite dreckig, düster und brutal ist, wirkt auf der anderen Seite schon fast wieder grotesk. Ein paar Szenen werden jedenfalls am ehesten Trashfans ein Lächeln hervorzaubern. Obwohl das teilweise nicht optimal zusammenpasst und durch ein paar völlig überzogene Momente die Spannung flöten geht, unterhält dieser reißerische Thriller doch ordentlich. Das liegt an einer souveränen Inszenierung, an den guten Darstellern und besonders an Wings Hauser. Die Story stellt dabei eher Mittel zum Zweck dar und Tiefgründigkeit gibt es hier wirklich überhaupt nicht. Dafür bekommt man einprägsame, seltsame Charaktere geboten und die Nachtszene wurde wunderbar schmuddelig eingefangen. Selbst wenn manche Szenen es mit Blödheit etwas übertreiben, stellt „Nachtratten“ einen sehr sehenswerten und schrägen Film dar, den man als Fan solcher Streifen nicht verpasst haben sollte!
 
 
 


 
 
 

NACHTRATTEN – Zensur

 
 
 
„Nachtratten“ lief im Kino ungeschnitten und mit FSK18. Die spätere VHS wurde ungeprüft und ebenso mit FSK18 auf VHS-Kassette veröffentlicht. Es folgte eine DVD, bei der es sich aber um ein illegales Bootleg handelte. Die nun veröffentlichte DVD und Blu-ray aus dem Hause Cinestrange Exteme ist die erste legale Veröffentlichung des Film auf Disc in Deutschland. Leider ist Nachtratten seit 1983 indiziert. Eine Folgeindizierung erfolgte im Jahr 2008. Demzufolge sind alle bisherigen Veröffentlichungen auf dem Index. Das gilt auch für die aktuell erschienen Mediabooks.
 
 
 


 
 
 

NACHTRATTEN – Deutsche Blu-ray

 
 
 

(c) Cinestrange Extreme (Mediabook Cover A – E | jeweils mit Blu-ray + DVD)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Vice Squad; USA 1982

Genre: Krimi, Thriller

Ton: Deutsch DD 2.0, Englisch DD 2.0

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1

Laufzeit: ca. 96 Min.

FSK: FSK18 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook

Extras: Hauptfilm auf DVD, 24-seitiges Booklet „NACHTRATTEN – Die Hintergründe und Geheimnisse des Kultfilms“ von Christoph N. Kellerbach, Featurette (20 Min.), Alternativer deutscher Vorspann, Bildergalerie, Trailer

Release-Termin: Mediabook: 15.10.2022

 

„Nachtratten“ ungeschnitten im CINESTRANGE SHOP bestellen

 
 


 
 
 

NACHTRATTEN – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Cinestrange Extreme | StudioCanal)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Dirty Harry (1971)
 
Rächer der Nacht (1987)
 

Filmkritik: „Piercing“ (2018)

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PIERCING

Story

 
 
 
Ein junger Familienvater plant akribisch den perfekten Mord an einer Prostituierten, hat sich aber kein widerstandsloses Opfer ausgesucht.
 
 
 


 
 
 

PIERCING – Kritik

 
 
 
Egal in welcher Reihenfolge man sich den Filmen von Nicholas Pesce annimmt, man dürfte so oder so überrascht werden: Sein wohl bekanntestes Werk ist wohl das unnötige, mittlerweile dritte US-“Ju-On“-Remake von 2020, einem gnadenlos gebombten Projekt ohne jede Existenzberechtigung, das so gar keine Hoffnung auf frühere Perlen macht. Doch eine solche gibt es, denn 2016 gab Pesce mit dem betörend-verstörendem Arthouse-Horrordrama „The Eyes of My Mother“ sein Debüt, einem bemerkenswerten und formvollendeten Film, der allenfalls an seinem Ende schwächelt. Und genau zwischen diesen beiden Filmen, die inszenatorisch sowie qualitativ beeindruckend weit auseinander liegen, der vorliegende Titel: „Piercing“.
 
 

„You know what you have to do, right?“

 
 
Kurzkritiken des Films reden gerne von einem „Neo-Giallo“, dass der Regisseur hübsche Bilder komponieren kann, ist bekannt. Wenn dann noch im Menü der deutschen Blu-ray das Original-Theme von Argento’s Tenebrae läuft, Goblins Score zu Einstellungen roter Wände und langer Hotelflure durchs Wohnzimmer grooven darf, dürften die Opening Signals den Zuschauer noch vor Beginn des Films erreicht haben. Die eigentlichen 75 Minuten beginnen nun mit einem Baby, das in einem (selbstverständlich) rot-grün beleuchteten Raum vor Vater Reed liegt, welcher nur beunruhigender Weise ein Messer in seiner Hand hält. Eine Szene später wird es einmalig recht ungeahnt trashig-witzig, wenn besagter Nachwuchs für einen Moment lang dämonisch schwarze Augen bekommt und direkt zu Reed spricht – eine Stelle, die in der Romanvorlage von Ryu Murakami (u. a. Audition) vermutlich deutlich besser funktioniert, hier aber auch nicht weiter schlimm ist, zumal der Inhalt rüberkommt: Reed ist getrieben.
 
 
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Reed, unser Protagonist, wird dabei von Christopher Abbott gespielt, der in den letzten Jahren durch Highlights wie „First Man“, „A Most Violent Year“, „Black Bear“ oder „Possessor“ verdientermaßen endlich durchstartet. Und getrieben, so informiert uns der Film noch vor den Opening Credits samt stimmiger 70’s Lounge-Score, ist er von der Idee jemanden umzubringen. Eine Prostituierte, die niemand vermisst, ohne dass es auffliegt, ohne dass es sonderlich sadistisch oder brutal stattfinden muss, einfach um es getan zu haben. Mit Übersicht, mit geplanten Zeitabläufen, mit einer höchstmöglichen Professionalität. Und so checkt Reed also in das Hotel seines Vertrauens ein, geht pedantisch den ganzen Plan durch, inszeniert sorgfältig mehrere Durchläufe, erinnert den Zuschauer an einen etwas hübscheren „Scherzo Diabolico“.
 
 

„You could still kill her.“

 
 
Doch da wäre ja noch die zweite Komponente, das Opfer-to-be. Eine junge Frau, optisch ähnlich der Sängerin Alli Neumann, verkörpert von der mittlerweile durch zahlreiche publikumswirksame Hollywood-Produktionen („Crimson Peak“, „Alice in Wonderland“, „Stoker“, „The Devil All the Time“) international bekannten Mia Wasikowska, wacht übernächtigt und genervt auf, während ihr wütender Boss sie voll motzt. Das Profondo Rosso Theme läuft, im Splitscreen folgen wir unseren beiden Charakteren, bis sie überraschend früh bereits aufeinander treffen. Und jetzt? Ist sie furcht- und er sprachlos.
 
 
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Wer ein sonderlich raffiniertes, unvorhersehbares, einzigartiges oder durch seine Twists überzeugendes Katz-und-Maus-Spiel erhofft, der wird von nun an ebenso enttäuscht sein wie diejenigen, die wirklich auf einen Neo-Giallo hoffen. Trotz der nicht angelehnten, sondern schlichtweg übernommenen Argento-Scores und anderer Stilzitate wird es weder eine Mordreihe, noch absurde Nebencharaktere oder aufwendige Set-Pieces in diesem schwarzhumorigen Thriller geben, auch ist die Situation „tatsächlich“ so überschaubar, wie man zu Beginn meint. Die eigentliche Frage ist viel eher: Wer hat hier die Hosen an?
 
 

„I think she knows.“

 
 
Nicht unähnlich des Reb Braddock Films „Curdled“ (1996), nur meiner Meinung nach kurzweiliger, besser, spannender und überzeugender, ist die Frage nach der Dynamik zwischen unseren Protagonisten, das Umdrehen des Spießes und das Antizipieren der gegenseitigen Rollenerwartungen hier nämlich der eigentliche Fokus, während jegliche Giallo-Anleihen kaum mehr als oberflächliche Stilimitation bieten. Durch die Powerhouse-Performance von Wasikowska und den glaubhaft verlegenen Abbott trägt sich ein derart simples Konzept natürlich trotzdem noch, gerade im ersten Akt ist von Langeweile keine Spur zu finden und die Charaktere sowie das Konzept sind noch rätselhaft und unverbraucht genug, über die volle Lauflänge kann das nur leider nicht behauptet werden.
 
 
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In einem schwarzhumorigen Telefonat zwischen Reed und seinem eingeweihten Partner werden mögliche Theorien für den weiteren Verlauf der Nacht durchgegangen und hier kann das Writing wirklich glänzen, auch kann das spätere Setting, eine 70’s-Designerwohnung mit roten Wänden und Seidenlaken ebenso überzeugen wie die blauen Lichtreflexionen auf der Taxifahrt dorthin. Überraschend ruppig-explizite Visionen haben mich überrascht, einige Dialoge können in ihrer Gestörtheit zum Schmunzeln animieren und ein einzelnes Stück Story gibt es noch, dessen Inszenierung als unerwartet und absolut gelungen zu loben ist. Doch so positiv und sehenswert sich das alles liest, so wenig Spielzeit machen diese Sequenzen im Endeffekt aus, während ein Großteil des Films äußerst geerdet, simpel und vorhersehbar verläuft. Nun liegt die Ähnlichkeit zu „Audition“ natürlich auf der Hand, und genau diese wird dem Film auch noch zum Verhängnis: Hat man Miikes Murakami-Adaption nämlich noch nicht gesehen, so sollte man dies meiner Meinung nach unbedingt vor dem Genuss von „Piercing“ tun, da die entsprechenden Szenen deutlich unangenehmer und gekonnter sind. Und hat man Audition bereits gesehen, so wird man diesen Film zwangsläufig als kurzweiligere, kürzere und natürlich schnellere, aber eben auch weniger effektive Variation einer sehr ähnlichen Geschichte sehen. Dank der kurzen Laufzeit, gut aufgelegten Performances und rundum gelungenen Inszenierung kann man „Piercing“ als Fan schwarzhumoriger, leicht grotesker Thriller also sicherlich mal einlegen, er tut nicht weh – doch sobald nach dem ersten Akt das Tempo gedrosselt wurde, hat mein Interesse auf Dauer doch rapide abgenommen.
 
 
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PIERCING – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Schicker, kleiner, manchmal recht fieser Thriller mit guten Performances und ein paar bösen Spitzen, der sich trotz seiner Kürze zunehmend zieht.
 
 
 


 
 
 

PIERCING – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Piercing“ ist ungeschnitten und frei ab 18 Jahren.
 
 
 


 
 
 

PIERCING – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) BUSCH MEDIA GROUP (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Piercing; USA 2018

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 81 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase

Extras: Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 28.06.2019

 

Piercing [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 


 
 
 

PIERCING – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei BUSCH MEDIA GROUP)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Scherzo Diabolico (2015)
 
Cocktail für eine Leiche (1948)
 

Filmkritik: „Dich kriegen wir auch noch!“ (1998)

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DICH KRIEGEN WIR AUCH NOCH!

(DISTURBING BEHAVIOR)

Story

 
 
 
Wenn Schüler durchdrehen, muss nicht zwangsläufig die Pubertät dafür verantwortlich sein, wie uns „Dich kriegen wir auch noch!“ eindrucksvoll beweist.
 
 
 


 
 
 

DICH KRIEGEN WIR AUCH NOCH! – Kritik

 
 
 
Ende der 90er schien es kurz in Mode zu kommen, Horrorfilme mit einer Schüler-Thematik zu produzieren. Anders ist es wohl kaum zu erklären, dass 1998 gleich zwei Werke entstanden, die mit ihrer Grundthematik doch recht ähnlich erscheinen. Doch während „The Faculty“ einen abgehobenen Weg wählte, wirkt „Dich kriegen wir auch noch!“ schon fast bodenständig. Teilweise vielleicht etwas zu bodenständig, was ihn im Endeffekt aber nicht weniger sehenswert machen soll.
 
 
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Der Teenager Steve zieht mit seiner Familie auf die Insel Cradle Bay. Nach einer tragischen Vergangenheit soll hier ein neuer Start ermöglicht werden. Dazu gehört natürlich auch sich auf der neuen Schule neue Freunde zu suchen. Doch von den hochnäsigen Sportfreaks will Steve lieber nichts wissen. Stattdessen lässt er sich auf die Nerds und Underdogs ein. Besonders Gavin erzählt gerne mal seltsame Geschichten darüber, dass manche Schüler einfach morden dürfen und nicht mal die Polizei dagegen etwas unternimmt. Natürlich hält Steve das für Humbug, doch schon bald soll er erfahren, dass an der Schule etwas Merkwürdiges geschieht.
Menschen, die fremdgesteuert werden, Gedankenkontrolle – Das sind wahrlich keine neuen Ideen. Das lässt sich selbst für 1998 eindeutig behaupten. Die Grundidee ist jedoch eine, die sich schon immer hervorragend für das Horrorgenre angeboten hat. Scott Rosenberg hat aus dem Szenario ein simples, aber dennoch recht effektives Drehbuch geschrieben, welches gelungen mit gewissen Ängsten spielt. Was die Geschichte jedoch am ehesten so interessant macht, ist das amüsante Spiel mit vielen Klischees. Außerdem kann man hier doch ein wenig Gesellschaftssatire entdecken. Wirklich dumm ist „Dich kriegen wir auch noch“ für einen Horrorfilm ganz sicher nicht. Komplett ausgeschöpft wird das Potenzial allerdings ebenfalls nicht, denn dafür wird hier zu viel an der Oberfläche gekratzt, ohne jemals den Kern zu erreichen.
 
 
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Es ist sowieso etwas schade, dass „Dich kriegen wir auch noch“ eigentlich fast ohne Spannungs-Elemente auskommen muss. So richtig packend will das alles niemals werden, denn dafür ist das Geschehen dann doch zu entspannt. Zum Glück wird es trotzdem niemals langweilig, aber hier wäre durchaus mehr drin gewesen. Stattdessen macht es sich der Film relativ gemütlich, gibt sich zwar düster, ist aber dennoch niemals so richtig ernst und animiert eher zu einem Grinsen. Als Horrorfilm funktioniert das deshalb weniger, als kleine Satire dafür umso besser. Obwohl die Laufzeit mit 82 Minuten recht kurz ist, überschlägt sich das Tempo niemals. Es geht alles ziemlich gemächlich zur Sache und das könnte bei dem einen oder anderen Zuschauer schon für ein paar Längen sorgen. Aufgrund einiger netter Einfälle bleibt es jedoch meist unterhaltsam und zum Finale hin herrscht dann auch noch etwas mehr Action. Warum der an sich schon ziemlich harmlose Streifen jedoch ehemals mit einer Freigabe ab 18 Jahren bedacht wurde und diese auch heute noch besitzt, ist allerdings mehr als fragwürdig. Es gibt nur wenig Effekte zu betrachten und blutig wird es wirklich nur selten.
 
 
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Ein ganz klarer Pluspunkt ist dann noch die Besetzung und hier tummeln sich einige bekannte Namen herum. James Marsden ist als Held zwar teilweise ein wenig farblos, kann die Identifikationsfigur aber dennoch solide verkörpern. Die junge Katie Holmes strahlt schon hier ein gewisses Charisma aus und besonders Nick Stahl kann völlig überzeugen. Ebenfalls schön ist die wichtige Nebenrolle von William Sadler, doch auch Bruce Greenwood macht als Bösewicht etwas her. Die Figurenzeichnung gibt sich schlicht und kann nicht viel reißen. Hier eine kleine, tragische Hintergrundgeschichte und dort ein schweres Schicksal – Schon sind die Charaktere fertig. Für viel Tiefgrund reicht das nicht aus und lange werden einem diese Figuren sicher nicht in Erinnerung bleiben, aber trotzdem ist hier alles einigermaßen im grünen Bereich. Das liegt daran, dass die Zeichnung doch irgendwie ganz smart und sympathisch ist.
 
 
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Regisseur David Nutter, der eher für seine Arbeit fürs Fernsehen bekannt ist, legt eine solide Arbeit ab, wobei es an echten Schauwerten eher mängelt und „Dich kriegen wir auch noch“ auch als TV-Film durchgehen würde. So richtig aufwendig wurde er nämlich nicht gestaltet. Das muss natürlich nicht schlecht sein und sauber inszeniert wurde das Treiben definitiv. Es mangelt nur eben ab und zu an gewissen Highlights. Dafür bekommt man eine angenehme Atmosphäre geboten, die ganz geschickt verschiedene Stimmungen miteinander kombiniert. So bekommt man einen typischen Teenie-Horrorfilm mit all seinen Klischees geboten, aber auch etwas Mysterythriller gepaart mit Paranoia. Das Ergebnis ist auf unspektakuläre Art und Weise sympathisch, aber leider zu wenig bedrohlich. Der Score ist solide und vor allen Dingen der Soundtrack ist wunderbar passend.
 
 


 
 
 

DICH KRIEGEN WIR AUCH NOCH! – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
„Dich kriegen wir auch noch“ ist ein solider Teenie-Horrorthriller aus den späten 90ern, bei dem man nur nicht unbedingt ein Highlight erwarten sollte. Das Drehbuch besitzt gelungene Ideen und wurde gut geschrieben, macht im Endeffekt nur etwas zu wenig aus dem vorhandenen Potenzial. Die handwerkliche Arbeit ist sauber, die Darsteller überzeugen und die magere Figurenzeichnung wird durch genügend Sympathien ausgeglichen. Das wurde alles mit relativ wenig Aufwand realisiert, langweilt aber (auch dank der kurzen Laufzeit) so gut wie nie. Etwas mehr Spannung hätte sicherlich nicht geschadet, aber die fast schon locker-amüsante Atmosphäre macht schon irgendwie Spaß. Sicher kein großer Wurf, aber sicher auch kein dummer Film und eigentlich perfekt für einen regnerischen Sonntag-Nachmittag geeignet. Gemütlich und nicht anstrengend!
 
 
 


 
 
 

DICH KRIEGEN WIR AUCH NOCH! – Zensur

 
 
 
„Dich kriegen wir auch noch!“ lief im Kino nur gekürzt, damit er einem jugendlichen Publikum gezeigt werden konnte. Die spätere DVD-Auswertung war aber komplett und frei ab 18 Jahren. Das hat sich bisher nicht geändert. Die erste Blu-ray von „Dich kriegen wir auch noch!“ wurde in ungeprüften Mediabooks von CINESTRANGE EXTREME veröffentlicht. Das Label schob im Dezember 2022 eine KeepCase-Auflage nach. Diese besitzt den roten FSK-Sticker und ist ebenso ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

DICH KRIEGEN WIR AUCH NOCH! – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Cinestrange Extreme (Blu-ray im KeepCase)

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(c) Cinestrange Extreme (Mediabook Cover A – C | jeweils mit Blu-ray + DVD)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Disturbing Behavior; USA 1998

Genre: Horror, Mystery, Thriller, Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Deutsch DD 2.0, Englisch DTS-HD MA 5.1, Englisch DD 2.0

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1

Laufzeit: ca. 84 Min.

FSK: keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase + Mediabook

Extras: Bildergalerie, Making of, Deleted Scenes, Musikvideo The Flys „Got You Where I Want You“, Alternatives Ende, Trailer Featurette: Hintergründe zum Film und Einordnung in das Teen-Horror-Genre, Die Schnitte der FSK 16-Fassung | zusätzlich im Mediabook: 24-seitiges Booklet von Christoph N. Kellerbach, Hauptfilm auf DVD

Release-Termin: Mediabook: 31.08.2022 | KeepCase: 18.11.2022

 

Dich kriegen wir auch noch ungeschnitten im CINESTRANGE SHOP bestellen

 
 


 
 
 

DICH KRIEGEN WIR AUCH NOCH! – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Cinestrange Extreme | Constantin / Highlight Communications)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Faculty (1998)
 
Detention – Nachsitzen kann tödlich sein (2011)
 
The Source (2002)