Filmkritik: „Scars of Xavier“ (2017)

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SCARS OF XAVIER

Story

Ein Serienmörder verursacht mit seinem brutalen Treiben in Prag Angst und Schrecken.

 
 
 


 
 
 

SCARS OF XAVIER – Kritik

 
 
Horrorfilme aus Deutschland werden in der Regel nicht staatlich gefördert. Demzufolge gehen diese nur selten in Produktion und existieren demzufolge kaum. Doch es gibt immer mehr Filmemacher, die das nicht hinnehmen wollen. Die gehen Risiken ein und finanzieren Horrorfilme mittlerweile selbst. Vorbei die Zeiten von übler Amateur-Ware aus dem Hause OLAF ITTENBACH. Der deutsche Horrorfilm hat sich im Untergrund längst weiter in Richtung Professionalität entwickelt. Das Ergebnis: DER NACHTMAHR oder LUZ. Eine Reihe mutiger und vor allem ungewöhnlicher Genre-Filme aus Deutschland, die nun mit SCARS OF XAVIER erweitert wird. Letzterer ist deftig und verursacht in erster Linie Aufsehen durch Brutalität. In Anbetracht dessen, wer da auf dem Regiestuhl sitzt, ist das kein Wunder. Regisseur und Drehbuchautor KAI E. BOGATZKI ist kein unbeschriebenes Blatt in der deutschen Independent-Horrorfilm-Szene. Der war schon an Genre-Streifen wie BLOOD FEST und HI8: RESURRECTIO als Editor beteiligt. Die Konsequenz daraus: Endlich mal selbst einen eigenen Horrorschocker drehen. Nach einigen Kurzfilmen ist der nun erschienen. SCARS OF XAVIER schlug auf Festivals ein, wie eine Bombe und erhielt jede Menge Lob. Deshalb erschien er jüngst auf Blu-ray und DVD im limitierten Mediabook.
 
 
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SCARS OF XAVIER beschreibt nicht unbedingt die inneren Narben, Gewissensbisse und Ängste, welche die Taten als Serienkiller rechtfertigen. Stattdessen handelt der Film vom Treiben eines Mannes, der seinen fehlgeleiteten Emotionen in Form von Morden Herr werden muss. Xavier nennt sich der Einzelgänger und kann in Rom gerade noch so der Polizei entkommen, die seinen schrecklichen Taten auf die Schliche kommen konnte. Nun wird ein neues Versteck benötigt. Das Goldene Prag scheint hierfür prädestiniert zu sein. Schnell hat Xavier eine Anstellung als Fahrzeugreiniger an einer Tankstelle gefunden. Von hier aus kann er seinen Hass auf Frauen ungestört weiter ausleben. Der mordet unbemerkt in Diskotheken oder lockt Frauen zu sich nach Hause, um sie dort zu zerstückeln. Da trifft unser Held in einem Lokal auf eine junge Kellnerin mit Problemen. Offenbar scheint die anders zu sein, als alle andere Frauen zuvor. Doch Horrorfilmkenner ahnen: Diese Liebe wird nicht von langer Dauer sein.
 
 
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Man muss SCARS OF XAVIER durch die rosarote Indie-Brille betrachten. Das ist kein Film für jedermann, der sich mal soeben von etwas Horrorfilmunterhaltung berieseln lassen möchte. SCARS OF XAVIER ist schon harter Tobak, der sich durch das Zelebrieren von Gewalt Eindruck verschafft. Wir sehen, wie Filmfigur Xavier einen wahren Blutrausch durchlebt, in dessen Verlauf diverse Menschen das Leben lassen müssen. Da werden Kehlen durchgeschnitten, Körper zerteilt und Fleischwunden zugefügt. Die Spezialeffekte fallen für Indie-Horror beachtlich professionell aus. Der technisch hohe Standard bekräftigt die Vermutung, dass hier wohl Menschen am Werk waren, die schon länger mit Filmen zu tun haben. Ob Schnitt, Kamera oder Filmmusik – SCARS OF XAVIER beweist eindrucksvoll, dass Indie-Horror aus Deutschland schon lange die Grenzen sinnbefreiter Amateur-Ware überschritten hat.
 
 
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So viel Lob dem Visuelle zuzuschreiben ist, so enttäuschender jedoch die Handlung selbst. SCARS OF XAVIER ist bei genauerer Betrachtung ein zweischneidiges Schwert. Das Drehbuch ist nämlich sein größter Feind. Regisseur und Drehbuchautor KAI E. BOGATZKI (übrigens ein sehr sympathischer Zeitgenosse) treibt seinen Antihelden von Mord zu Mord. Letztere laufen nach immer gleichem Schema ab – nur Todesarten und die Frauen selbst unterscheiden sich voneinander. Spannung kommt da natürlich nur selten auf, was auch daran liegt, dass Filmfigur Xavier unnahbar bleibt. In Rückblenden, die stets in Egoansicht zu sehen sind, erfährt der Zuschauer Ursachen für die Taten. So ist mal wieder die Mutter an allem Schuld, die ihren Jungen in Jugendtagen missbraucht, gedemütigt und schikaniert hat. Klischees, die nur oberflächlich angerissen werden. Der innere Kampf mit sich selbst und seiner Vergangenheit findet im Film nur selten Erwähnung. Stattdessen werden Ängste, Traumata und Emotionen in Blut ersäuft. Jeder Psychologe dürfte da nicht unbegründet die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Als ernst zu nehmendes Psychogramm eines Psychopathen, der durch eine vermasselte Kindheit zum Serienkiller geworden ist, taugt SCARS OF XAVIER daher nicht unbedingt.
 
 
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Übrigens bewiesen alle Beteiligten des Films Herzblut und Engagement. So erklärte Xavier-Darsteller MARC ENGEL im Making-of, welches sich auf Blu-ray und DVD zu SCARS OF XAVIER finden lässt, dass er seinen Charakter so glaubhaft wie möglich erscheinen lassen wollte. Hierfür hungerte er sich auf 52 Kilo herunter. Damit machte er es Schauspieler CHRISTIAN BALE gleich. Letzterer nahm für seine Rolle in DER MASCHINIST knapp 30 Kilogramm ab. Dass Engel offenbar für Filme lebt und quasi alles dafür gibt, zeigt auch der Mut für Extreme. So nahm der deutsche Schauspieler für eine Szene einen Lötkolben in die Hand und fügte sich damit schmerzhafte Verbrennungen zu. Die im fertigen Film gezeigte Wunde ist daher echt. Krasser Shit.
 
 


 
 
 

SCARS OF XAVIER – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
Kontroverses Serienkiller-Gemetzel aus deutschen Landen, das Indie-Horrorfilme aus Deutschland auch international interessant machen dürfte. Zwar hat das Drehbuch so einige Schwächen. Die Professionalität und der hohe technische Standard sind aber beachtlich. SCARS OF XAVIER tritt in die Fußstapfen von so Filmen wie MANIAC oder HENRY. Mit denen kann diese Produktion zweifelsohne mithalten.
 
 


 
 
 

SCARS OF XAVIER – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von SCARS OF XAVIER ist ungeschnitten, aber auch ungeprüft. Wegen fragwürdiger Szenen dürfte es der Streifen generell schwer haben überhaupt durch eine FSK-Prüfung zu gelangen. Wer den ungeschnitten Streifen haben möchte, muss daher genauer suchen. Online-Shops mit großem FSK18-Sortiment dürften SCARS OF XAVIER im Sortiment haben. Alternativ kann man den Film auch im Webshop der WICKED VISION DISTRIBUTION GMBH kaufen.
 
 
 


 
 
 

SCARS OF XAVIER – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Wicked Vision | Rawside Entertainment (limitiertes Mediabook – Cover A – auf 222 Stück limitiert)

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(c) Wicked Vision | Rawside Entertainment (limitiertes Mediabook – Cover B – auf 222 Stück limitiert)

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(c) Wicked Vision | Rawside Entertainment (limitiertes Mediabook – Cover C – auf 222 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN

Originaltitel: Scars of Xavier; Deutschland | Tschechien 2017

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 91 Min.

FSK: ungeprüft (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook

Extras: 24-seitiges Booklet mit einem Text von Mike Blankenburg, Nummerierte Sammelkarte (Nur für die ersten 100 Vorbesteller im Wicked Shop), Deleted Scenes, Making-of, Interviews, Making-of Synchronisation, Teaser, Trailer, Musikvideo, Kurzfilm, Bildergalerie, Hauptfilm auf DVD

Veröffentlichung: Mediabook: 07.04.2020

 
Nachdem SCARS OF XAVIER seine Weltpremiere auf dem US-Nightmares Film Festival im Jahr 2017 feiert, wurde er seither u. a. in den Niederlande auf DVD (ab 16) sowie in Norwegen als VOD (ab 15) veröffentlicht. Nun – im Jahr 2020 – hat es der Streifen auch auf den deutschen Markt geschafft. Das beliebte Label WICKED VISION hat SCARS OF XAVIER als Teil seiner Uncut Rawside Edition veröffentlicht. Diese ziert die Nummer fünf. SCARS OF XAVIER kann demzufolge in drei Mediabooks mit unterschiedlichem Cover gekauft werden. Jedes Mediabook ist streng limitiert auf 222 Stück. In jedem Mediabook ist eine DVD und eine Blu-ray zum Film enthalten.
 

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SCARS OF XAVIER – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei WICKED VISION DISTRIBUTION GMBH | Rawside Entertainment)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
H6 – Tagebuch eines Serienkillers (2005)
 
Maniac (1980)
 
Enter the Dangerous Mind (2013)
 
Alexandre Ajas Maniac (2012)
 
Simon Killer (2012)
 

Filmkritik: „War of the Satellites“ (1958)

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WAR OF THE SATELLITES

(PLANET DER TOTEN SEELEN)

Story

 
 
 
Ein bisschen wie im echten Leben. Oder auch nicht. Die Vereinten Nationen einigen sich doch wahrhaftig auf eine friedliche Zusammenarbeit und bereiten einen bemannten Raumflug vor. Man möchte den ersten Satelliten in die Erdumlaufbahn bringen. Einer unbekannten Macht aus den Untiefen des unerforschten Weltalls (viele „Un“s) ist jedoch so gar nicht einverstanden mit den Plänen der Menschlein und schickt sich an, den irdischen Primitivlingen ins Süppchen zu spucken.

 
 
 


 
 
 

WAR OF THE SATELLITES – Kritik

 
 
Der, so möchte man manchmal denken, nicht gerade einfach zu überschauende Katalog der Filme Roger Cormans, dieses so vielgerühmten Trash-Produzenten und doch gleichzeitig Begründers des modernen amerikanischen Independent-Filmemacher-Handwerks, bringt tatsächlich doch immer noch schöne Heimkino-Veröffentlichungen in die Regale. Der heute besprochene Science-Fiction-Reißer des mittlerweile 93 Jahre alten Meisters ist ein weiteres Goldstück aus den nicht nur cineastisch simpleren Zeiten der Wilden Fünfziger. So darf man davon ausgehen, dass die Außerirdischen und ihre Ränkespiele gegen die freie Welt ein klein wenig an die Sowjets erinnern sollen, denen in der wirklichen Welt ja im Oktober 1957 gelungen war, den Satelliten Sputnik-1 in den Orbit zu bringen.
 
 
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Nach 66 knackigen Minuten ist die Satellitensause auch schon wieder vorbei. Eine gesunde Mischung aus Regisseur Cormans Sinn für Entertainment und dem nur karg gefüllten Geldspeicher der Produktion verhindert wohl exzessive Überlängen, wie man sie aus viel zu vielen Science-Fiction-Filmen, von den Fünfzigern bis in die Gegenwart, kennt. Wenn man bedenkt, dass der Film nur deswegen auf dem Plan steht, um einen Begleitfilm für ein Double Feature mit ANGRIFF DER 20-METER-FRAU anbieten zu können – also als B-Movie in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes – ist WAR OF THE SATELLITES schon was Feines. Nie langweilig und sogar mit ein paar intelligente Drehbuch-Spitzen gegen die Propaganda im Zusammenhang mit dem ideologisch natürlich wahnwitzig aufgeladenen „Space Race“ zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion versehen, zählt das Weltraumfilmchen definitiv zu den unterhaltsameren Exemplaren seiner Gattung. Mehr als acht Wochen braucht die geölte B-Film-Maschine der Allied Artists Studios nicht, um WAR OF THE SATELLITES, hierzulande Anfang der Sechziger mal kurz als PLANET DER TOTEN SEELEN in den Kinos gelaufen, fertigzustellen. Mit dem super-talentierten späteren Regisseur Daniel Haller wieder mal zuständig fürs Produktionsdesign wird nichts falsch gemacht. Der Mann macht aus vier verlassenen Studiofluren und zwei Liegestühlen ein Raumschiff auf großer Fahrt. Kann auch nicht jeder.
 
 
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Mit großer Freude dürfen wir Dick Miller (1928 – 2019), das Maskottchen und irgendwie Alter Ego des Regisseurs in einer seiner enorm seltenen Hauptrollen bewundern – und sogar als mutige Heldenfigur. In Roger Cormans berühmter schwarzer Komödie DAS VERMÄCHTNIS DES PROFESSOR BONDI, ein Jahr später gedreht, gibt er – noch mal als Star – den mordenden Maler. Normalerweise schmückt der verknautschte Schauspieler die Besetzungslisten nur als kauziger Nebendarsteller. Das dafür bis ins hohe Alter und mit Vorliebe in den Filmen von Regisseuren, die bei Corman in die Lehre gegangen sind, bevor sie das Hollywood der Riesenbudgets erobern konnten. Miller flitzt in zahllosen Megahits durchs Bild. Seine Cameo-Karriere reicht von TERMINATOR bis zu den GREMLINS und beschert ihm mit THAT GUY DICK MILLER im Jahr 2014 sogar eine wirklich schöne Dokumentarfilm-Hommage. Die schöne Susan Cabot, kurz darauf als DIE WESPENFRAU vor der Kamera, spielt die zweite leading role und in kleineren Partien sehen wir zum Beispiel den großen Schwarzweißfilm-Bösewichts-Darsteller Bruno VeSota in öliger Aktion.
 
 
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WAR OF THE SATELLITES – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
Sehr schön! Wir freuen uns über einen dankenswerterweise verfügbar gemachten Weltraumrennen-B-Film aus der verrückten Meisterhand des Roger Corman. Politisches und gesellschaftliches Zeitkolorit, Temporeichtum und der grobe Charme heute nicht mehr denkbarer Miniaturkulissen – alles dabei. Und nochmal: Die kompakte Lauflänge von knappen 80 Minuten tut einem mit dem Inhalt der Portokasse von Major-Produktionen verwirklichten Sci-Fi-Laserschnellschuss wie WAR OF THE SATELLITES mehr gut als schlecht.
 
 


 
 
 

WAR OF THE SATELLITES – Zensur

 
 
 
WAR OF THE SATELLITES – deutscher Titel: PLANET DER TOTEN SEELEN – war im Jahr 1958 bereits im Kino frei ab 12 Jahren. Der deutsche Verleih drehte damals zusätzliche Szenen mit deutschen Schauspielern (Klaus Kindler, Ursula Herwig, Werner Uschkurat, Horst Naumann und Eberhard Mondry) um den Film von 66 auf 80 Minuten zu bringen. Diese erweiterte Filmfassung befindet sich zusammen mit der Original amerikanischen Filmfassung hierzulande auf beinahe jeder DVD-Veröffentlichung. Auch diese längere Fassung besitzt den FSK12-Flatschen.
 
 
 


 
 
 

WAR OF THE SATELLITES – Deutsche DVD

 
 
 

(c) White Pearl Classics (DVD im Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: War of the Satellites; USA 1958

Genre: Horror, Science Fiction, Klassiker

Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0 Mono), Englisch (Dolby Digital 2.0 Mono)

Untertitel: Keine

Bild: 1,37:1 | s/w

Laufzeit: ca. 77 Min.

FSK: FSK12 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook

Extras: 16-seitiges Booklet mit Fotos und weiteren interessanten Zusatzinformationen, inklusive der 14 Minuten längeren Deutschen Kinofassung

Release-Termin: KeepCase: 19.06.2020

 

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WAR OF THE SATELLITES – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei White Pearl Classics)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
12 to the Moon (1960)
 
Flight to Mars (1951)
 
Satellite in the Sky (1956)
 

Filmkritik: „The Antenna“ (2019)

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THE ANTENNA

(BINA | THE NIGHT BULLETIN)

Story

 
 
 
Mehmet, der Verwalter eines heruntergekommenen Mietshauses muss in der trostlosen Einöde der dystopischen Türkei die Installation einer neuen, von der Regierung verordneten Fernsehantenne überwachen, nur um in ein Geflecht aus Manipulation, Überwachung und kosmischem Grauen gesogen zu werden.

 
 
 


 
 
 

THE ANTENNA – Kritik

 
 
Das Brummen eines rostigen Heizgerätes ist zu hören, so wie alsbald weitere, maschinell zuzuordnende, unterschwellige Störgeräusche, Signale, sonst nicht viel. Ein einsamer Mann sitzt in seiner veraltet, heruntergekommen wirkenden Wohnung, das detailverliebte Sounddesign fällt direkt auf, ebenso die Atmosphäre, die von den gut fotografierten, ersten Szenen ausgeht. Wunderschön kadrierte Einstellungen leerer, grauer Industrieumgebungen folgen, untermalt weiterhin nur von einem nahezu argentoesk-omnipräsentem Wind und den wenigen Geräuschen der leblosen Umgebung. Mehmet, unser Hauptprotagonist, kommt zu spät bei seinem Job an, da er ein vor sich hin siechendes, baufälliges Mietshaus verwaltet und heute die Schlüssel gebraucht wurden, um die vom Staat für jeden Haushalt angeordneten, neuen Satellitenschüsseln zu installieren – nach 10 recht kalten und stillen Minuten folgt dann als auslösendes Moment der ebenfalls nüchtern erzählte, beiläufige Suizid eines Arbeiters, der natürlich als Arbeitsunfall abgetan wird. Willkommen bei „The Antenna“.
 
 
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Das Langfilmdebüt von Orcun Behram erinnert gerade anfangs an seinen russischen Bruder im Geiste „Leviathan“ – nicht etwa, weil dieser Film hier auch so langsam, bedacht und in weiten Winkeln erzählt sei, nein, viel eher weil hier auch menschliche Eiszeit herrscht, fernab von Empathie, die Menschen für sich zu überleben versuchen in dieser kalten Welt, die fest in eisernen Händen des Staates gefangen scheint. Doch waren es bei Swjaginzew noch Korruption und menschliche Abgründe, die das bittere Einzelschicksal bestimmen, so ist es hier viel eher die Orwell‘sche Spionage, der Eingriff in die Privatsphäre, die Zwangsbeschallung und sonstige Verhaftung der wehrlosen Bürger, die den ausweglosen Alltag dominieren. Doch was sich nach wie vor lesen mag wie ein Sozialdrama, ist im Kern trotz relativ simpler politischer Kommentare bzw. sehr überschaubarer Symbolik als Thriller bzw. Horror gelistet, was ich so verstehen, aber nicht stehen lassen kann. Symbolisch bzw. eben übernatürlich wird es nämlich dann, wenn relativ früh im Film bereits eine schwarze, zähflüssige, ölige Flüssigkeit aus dem Gebäude sickert, erst vereinzelt, dann in mehr und mehr Wohnungen, mit der Mehmet natürlich betreut wird. Statt erschlagend untersichtig gefilmter Hochhäuser, unterkühlter Farben und anschwellender Orgelstücke des wirkungsvollen, aber immer wieder zu dick aufgetragenen Soundtracks, gesellt sich also zunehmend eine nach wie vor langsam und nahezu dialoglos erzählte, mysteriöse Geschichte über in der Badewanne ertrinkende Mieter und verseuchtes Fleisch essende Familienväter zur trostlos-monochromen Ästhetik, die leider allzu fragmentarisch wirkt.
 
 
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Vielleicht ist es ja Sinn der Sache, ein kaleidoskophaftes, fragmentarisches, durchgestyltes und punktuell spannendes Bild einer in sich, ihren Strukturen und ihrer Unterdrückung untergehenden Türkei zu schaffen, doch als stringenter Langfilm hätte es einiger Kunstgriffe mehr gebraucht.
So wahlweise beunruhigend plastisch und wirksam, oder aber zumindest tongue-in-cheek und genretauglich die steten Blubber- und Schleimgeräusche der dunklen Masse nämlich auch sein mögen, so berechenbar und repetitiv ist dann leider die Narrative der folgenden Szenen – von einer solchen zu sprechen ist dabei schon fast großzügig, da die Ereignisse im gesamten Mittelteil des Films in willkürlicher Reihenfolge geschehen könnten. Egal ob in der realen Filmwelt oder als Traumsequenz, eine langsame Annäherung an den bereits bekannten Einbruch des Unerklärlichen, oder, besser, des zu Erklärendem sorgt erst noch für Neugierde und Spannung, ist immer wieder fantastisch beleuchtet, mit einer Hommage an Franjus Meisterwerk „Les yeux sans visage“ versehen und hoch atmosphärisch, später kann dann aber leider nur noch ein müdes Lächeln gelockt werden, da nach der Annäherung stets die eigentliche Thematisierung, der Konflikt, der Mehrwert, ausbleibt und herausgezögert wird. Das hebt sich dank der kühlen, dialoglosen, non-amerikanischen Inszenierung und einiger starker Schnitte immer noch mit Leichtigkeit angenehm vom Spukhaus- Blödsinn der Marke Insidious oder The Nun ab, ist dabei aber formell leider ähnlich kreisförmig und nichtssagend – zumal die Charaktere blass bleiben oder einem völlig egal sind.
 
 
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Hauptdarsteller Gül Arici gibt eine durchaus gelungene und nuancierte Performance ab, die sich in Zurückhaltung übt und fast ohne Dialog auskommt, ist den emotionalen Ausbrüchen zum Finale hin aber nicht ganz gewachsen, auch Elif Cakman und Levent Ünsal wissen in ihren Rollen zu überzeugen und bleiben ggf. hängen, der Rest hat aber leider kaum Chance zum Brillieren oder Nerven oder sonstwie einen Unterschied machen, da das Opfer für die graue, spröde Optik und Atmosphäre auch ein Ausbleiben von Charakterinnenleben oder Empathie für das Geschehen ist. Ein starkes, charakterschaffendes Gespräch vor trostloser Naturkulisse im ersten Viertel bleibt lobend zu erwähnen, auch ist der wortwörtliche Abstieg in die Tiefen des Hauses rein audiovisuell hervorzuheben, doch so vielversprechend Inszenierung und Prämisse wirken, so substanzlos bleibt die eigentliche Erkundung der Zusammenhänge zwischen dem Öl, den Mietern, der Regierung und den Satellitenschüsseln leider. In seinen besten Momenten erinnert „The Night Bulletin“ also an eine mysteriöse, beklemmend-bedrückende „Twilight Zone“-Episode von David Lynch, mit Störgeräuschen und alptraumhaften Bildern zum Reinlegen, mit ominöser, diffuser Bedrohung und betörendem
 
 
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Soundtrack, mit viel Vogelperspektive und wenig Dialog, realem Drama, das auf surreale Gefahr trifft -und genau so würde ich die ersten 40, 45 Minuten auch beschreiben. Der langsame Aufbau erinnert an „Dark“, das Colourgrading ebenfalls, die problematischen familiären Verhältnisse, die immer wieder belichtet werden, zusammen mit den fast 2 Stunden Laufzeit, die multiperspektivische Erzählung, all das deutet auf etwas Größeres hin, einen Twist, eine Realisierung, etwas Unerwartetes, einen Knaller zum Ende hin. Doch irgendwann nach etwas über einer Stunde, als unser Protagonist gerade unerklärt und bedachtsam durch ein leeres Gebäude wanderte, ohne Sound oder direkten Storyfortschritt, als aus begeisterten Cronenberg-Assoziationen über den schwarzen Schleim und die Bodyhorror-Elemente eine Routine wurde, da dämmerte mir, dass dieser Film als 80 oder 90-Minüter vielleicht richtig glänzen könnte, so aber die Laufzeit eher daran liegt, dass der Regisseur sich nicht von seinen schönen Bildern trennen konnte als daran, dass der Film für dieses Script zwangsläufig 2 Stunden Zeit braucht. Und als wär das nicht genug, schafft dieser Film, der so gut begonnen hat, doch dessen Nebencharaktere einem ohnehin schon relativ egal waren, noch endgültig, mein Interesse zu verlieren – überbenutzte, „schockige“, schrille Geigen aus der Horrorscore- Versatzstückbox, dazu eine überraschende Drastik und Kaltschnäuzigkeit, nur irgendwie lässt es einen völlig kalt. Der Weg zum Finale nutzt ein zu oft benutztes, vorhersehbares Motiv, als Scarefest klappt der Film auf keinen Fall, der Charakterfokus wird gewechselt und auch das klappt nicht, da können Setting & Stil noch so schön das banale Geschehen intensivieren. Die letzten paar Minuten des Films dann sind exemplarisch für das gesamte Werk – zu lang wird hier zu viel probiert, einiges klappt, einiges nicht, der letzte Shot bleibt hängen und ist wunderschön durchkomponiert, gestrafft wäre aber auch diese Sequenz, mit ihren fetten Synthesizern und wenig gruseligen Antagonisten, deutlich stärker.
 
 


 
 
 

THE ANTENNA – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
Überlanger, wenig origineller Mysteryfilm mit Sozialdrama und Horror-Einschlag, der einzig atmosphärisch sowie audiovisuell immer wieder überragt. Unausgegoren, zu lang und weniger aussagekräftig als er hätte sein können, für neugierige Genrefans trotzdem einen Blick wert. Starke 6/10
 
 


 
 
 

THE ANTENNA – Zensur

 
 
 
„The Antenna“ ist ein Kandidat für eine FSK16. Ob und wann der Streifen in Deutschland ausgewertet werden wird, ist noch unklar.
 
 


 
 
 

THE ANTENNA – Trailer

 
 


 
 
 

Dr. Barry Nyle

(Rechte für Grafiken liegen bei Lucidlab Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
A Scanner Darkly – Der dunkle Schirm (2006)
 
Twin Peaks (1990)
 
Twilight Zone (1959)
 
Tower Block (2012)
 

Filmkritik: „Das Biest – The Bat“ (1959)

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DAS BIEST – THE BAT

(THE BAT)

Story

 
 
 

Cornelia van Gorder schreibt Kriminalromane und mietet sich zur besseren Konzentration in ein schmuckes und abends nicht mehr ganz so harmloses Sommerhäuschen ein. Das Haus gehört dem örtlichen Bankdirektor, der gerade finanzielle Schwierigkeiten mit seinem Hausarzt hat. Im Ort geht ein Serienmörder um: Das Biest (The Bat, wie der Originaltitel des Films). Der reißt seinen weiblichen Opfern mit einer Stahlklaue die Kehle durch.Nach einigen Irrungen und Wirrungen finden sich unterschiedlichste Charaktere auf Cornelias Schreibe-Exil ein.

 
 
 


 
 
 

DAS BIEST – Kritik

 
 
 
Was folgt ist eine hochgradig charmante, in Horror-Ideen getunkte Variation von Agatha Christies oft bemühtem Rezept AND THE THERE WERE NONE, der als Buch und Film auf Deutsch ganz und gar Millenial-Lappen-inkompatibel ZEHN KLEINE NEGERLEIN heißt. Will sagen, der Fledermaus-Unhold geht um im alten Gruselhäuschen und erntet Leben. Der Zuschauer ist angehalten, Nägel kauend mitzurätseln, wer sich hinter der Maske des brutalen Schlitzers mit Fledermaus-Persona verbirgt. Erwartungsgemäß ist eine Theateradaption aus den späten Fünfzigern heute nicht mehr wirklich dazu in der Lage, den hartgesottenen Gore-Apostel an irgendwas anderem als seinem ungesunden Abendessen kauen zu lassen. Nö, DAS BIEST ist (selbst coloriert) was für Fans von schwarzweißen Gruselfilmen, die nicht ganz den filmhistorischen Qualitätsstandard von Universals Klassikern aus den Dreißigern erreichen. Da gab es ja einiges. Geht von weniger erfolgreichen Thrillern der großen Studios, bis zu äußerst günstig produzierten Reißern der wohlweißlich schon so genannten „poverty row“ Studios – in denen sich gerne mal Bela Lugosi sein Morphium-Geld verdient. Wenn man das weiß – und das setzen wir hier einfach mal an unser Publikum glaubend voraus – kann man an diesem alten Schinken seinen Spaß haben.
 
 
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…und mittendrin die verkannte Diva Agnes Moorehead, mit ihrer einzigartigen Optik und einer Rolle – endlich sogar mal eine Hauptrolle für die Charakterdarstellerin erster Kajüte – als Krimi-Schriftstellerin, der das wahre Leben gerade die harten Sachen serviert. Bisschen wie die betuliche Serie MORD IST IHR HOBBY oder so. Könnte man denken. In den USA ist DAS BIEST 1959 ein Double-Feature mit dem ersten MUMMY-Film der britischen Hammer Studios. Der Film ist die damals vierte Adaption eines leicht gruseligen Krimi-Theaterstücks der Autorin Mary Roberts Rinehart, das die 1920 auf ihrem eigenen Roman basierend veröffentlicht. Man merkt, wie sehr das Drehbuch auf einer Theatersituation beruht. Szenenaufbau, Auftritte und Abgänge der Figuren. Alles wirkt, als könnte gelegentlich ein Vorhang fallen. Neben der Meisterleistung von Madame Moorehead darf natürlich, wie könnte es anders sein, die schauspielerische Großartigkeit des mächtigen Vincent Price nicht unerwähnt bleiben. Der tollste aller klassischen Horrorschurken ist mal wieder ein Ausbund an Schmierigkeit, Zwielichtigkeit und allgemeiner Antipathie. Man muss ihn einfach lieben. Auch wenn er erneut einen Bösewicht spielt. Aber das kennt man ja aus 85 Prozent seiner Auftritte.
 
 
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DAS BIEST – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
In einem ächzenden Häuschen angesiedelter Gruselkrimi alter Schule. Hier haben Freunde der Universal Studios bestimmt ihren Spaß. Auch Agatha-Christie- oder Edgar-Wallace-Fans machen bei einem Zehn-kleine-Negerlein-Film inklusive Mitratemöglichkeit vermutlich nix falsch. Und Vincent Price ist sowieso immer willkommen.
 
 
 


 
 
 

DAS BIEST – Zensur

 
 
 
Die deutsche Veröffentlichung von DAS BIEST – THE BEAST ist komplett ungeschnitten und frei ab 16 Jahren. Sammler alter Horrorfilmklassiker können bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

DAS BIEST – Deutsche DVD

 
 
 
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(c) Studio Hamburg (DVD im Amaray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Bat; USA 1959

Genre: Horror, Mystery, Klassiker

Ton: Deutsch DD 2.0 Stereo, Englisch DD 2.0 Stereo

Untertitel:

Bild: 1,33:1 (4:3)

Laufzeit: ca. 77 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Erstmals in kolorierter sowie einer restaurierten s/w Fassung

Release-Termin: 27.03.2020

 

Das Biest -The Bat inkl. kolorierter Fassung [DVD] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

DAS BIEST – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei STUDIO HAMBURG)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Bat Whispers (1930)
 
The Bat (1915)
 
The Bat (1927)
 

Filmkritik: „Cruel Peter“ 2019

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CRUEL PETER

Story

 
 
 

Garstiger Geisterjunge steht von den Toten auf und treibt im Diesseits bitterbösen Schabernack. Eine kleine Familie ist genervt, will dem Treiben ein Ende bereiten und stößt bei Recherchen auf ein schreckliches Geheimnis.

 
 
 


 
 
 

CRUEL PETER – Kritik

 
 
 
Es mag ja immer noch Horrorfilmliebhaber geben, die an den guten alten Schauerfilmzeiten festhalten. Vergönnen kann man es ihnen nicht, denn betrachtet man Horrorware neueren Datums genauer, scheint sich das Verständnis für Grauen, Angst und Gänsehaut verändert zu haben. Während man in Horrorklassikern wie THE HAUNTING noch mit subtiler Angstmacherei und Kopfkino versucht hat das Publikum um den Schlaf zu bringen, zählt heut die Holzhammertaktik mehr denn je. Blut, Schocks und hektische Schnitte stehen an der Tagesordnung, um die Aufmerksamkeit zu gewinnen. Eine Entwicklung, der die Regisseure CHRISTIAN BISCEGLIA und ASCANIO MALGARINI entgegensteuern wollen. Die hatten sich vor einigen Jahren mit THE HAUNTING OF HELENA vorm klassischen Horrorfilm verbeugt. Statt laut, schnell und brutal verließen die sich auf längst vergessene Angstrezepturen und kopierten Gruselabläufe alter Meister. Etwas, dass auch beim zweiten gemeinsamen Film beibehalten wird. Der nennt sich CRUEL PETER (übersetzt: Grausamer Peter) und klingt eher nach Folterwerk – ist aber alles andere, nur nicht das. Stattdessen wird das in den Vordergrund gerückt, was Horrorfilme mal in den Anfängen ausgemacht haben. Nostalgiker kommen da nicht unberechtigt ins Schwärmen.
 
 
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CRUEL PETER erzählt die Geschichte des Archäologen Norman, der nach dem tragischen Tod der Gattin zusammen mit der traumatisierten Tochter von England nach Sizilien zieht. Dort soll er alte Gräber untersuchen, während der Sprössling eine Schule besucht. Letzterer macht bald Begegnungen der paranormalen Art. Die kommen nicht von ungefähr. Die Gegend birgt nämlich ein schauriges Geheimnis. Vor genau 100 Jahren trieb hier ein verwöhntes Gör sein Unwesen. Peter – so wie man den Jungen nannte – kam aus gut betuchtem Hause und hatte sichtlich Spaß daran Menschen und Tiere zu quälen. Die Strafe folgte auf dem Fuss. Nach einem Erdbeben galt das masochistisch veranlagte Balg als verschollen. Legenden, die bald Realität werden. Offenbar hat das boshafte Kind mitbekommen, dass es seit den Erfolgen der RING-Filme in Mode ist, über Mattscheiben zu spuken. Etwas, das der tote Peter nun zum Anlass nimmt, um den noch Lebenden auf den sprichwörtlichen Geist zu gehen. Gruselfans wird das freuen.
 
 
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Der gemächlich erzählte CRUEL PETER ist nämlich visuell gesehen ein Augenschmaus. Die Regisseure CHRISTIAN BISCEGLIA und ASCANIO MALGARINI bieten wohligen Gothic-Horror, wie man ihn zu den Hochzeiten der Hammer Studios zu sehen bekommen hat. Da wird all das aufgetischt, was vor allem klassische, britische Gruselfilme seit Jahrzehnten auszeichnet. Knarrende Türen, alte Herrenhäuser und eine herrlich schaurige Atmosphäre, der es vor allem durch das kunstvolle Spiel von Licht und Dunkelheit gelingt, hin und wieder Gänsehaut zu verursachen. Dennoch: Der Teufel steckt jedoch im Detail. Zwar wurde die simple Story ansprechend verpackt – gegen Ende wird CRUEL PETER aber ziemlich wirr. Während die erste Stunde eine geradlinige Geistergeschichte erzählt und viele stimmige Momente zu bieten hat, wird es im finalen Akt konfus. Da wandelt die altmodische Gruselgeschichte plötzlich auf den Pfaden von Friedkins DER EXORZIST. Ein seltsamer Richtungswechsel, der dazu auch noch erzwungen daherkommt und den Eindruck erweckt, als hätte die Spukgeschichte allein nicht einen Spielfilm ausfüllen können. Deshalb musste ein unnötiger Rattenschwanz angehangen werden, damit CUREL PETER genug Laufzeit für einen Langfilm besitzt. Bedauerlich.
 
 
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CRUEL PETER – Fazit

 
 
6 Punkte Final
 
 
Ein atmosphärischer Grusel-Leckerbissen – storytechnisch eher weniger meisterlich. CRUEL PETER ist eine stimmige Gruselgeschichte alter Schule, die aber ihr Pulver bereits in der ersten Filmhälfte verschießt. Ein Mädchen mit Handycap nimmt Kontakt mit den Toten auf. Dabei zieht es die Aufmerksamkeit eines Geisterjungen auf sich, der zur Lebzeiten alles andere – nur nicht artig war. Der sorgt für Chaos und muss in die Schranken gewiesen werden. Dafür muss man aber erst mal die angestaubten Knochen des Unruhestifters finden. Klingt nach vertrauten Abläufen und ist unterm Strich eine Gothic-Horror-Variante des japanischen RING. Leider ist nicht alles Gold, was glänzt. Die zweite Filmhälfte ist Unsinn und wirkt derart konstruiert, dass erfahrene Filmkenner nur fassungslos mit dem Kopf schütteln können. Übrigens zieht man in Russland alle Register irreführender Filmwerbung. Dort kamen Poster-Designer auf die Idee das Plakat so zu gestalten, dass man meinen könnte CRUEL PETER sei ein Remake oder eine Fortsetzung zu DIE FRAU IN SCHWARZ 2. Zwar sind visuelle Gemeinsamkeiten zu erkennen und auch die Bildsprache ist ähnlich; inhaltlich hat diese spanische Produktion aber nichts mit Gothic-Horror aus dem Jahre 2014 gemein. Da kann man nur hoffen, dass sich russische Horrorfilmfans vor dem Kauf erkundigen. Heimtückischer kann man nämlich Käufer nicht um ihr Geld bringen.
 
 
 


 
 
 

CRUEL PETER – Zensur

 
 
 
CRUEL PETER hat ein paar Morde zu bieten. Diese sind aber nicht sonderlich blutig oder werden lang zelebriert. Der Fokus liegt aus subtilen Horror. Daher dürfte CRUEL PETER hierzulande eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten.
 
 
 


 
 
 

CRUEL PETER – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von Voltage Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Die Frau in Schwarz (2012)
 
Down a Dark Hall (2018)
 
Das Geheimnis von Marrowbone (2017)
 
Das Waisenhaus (2007)
 

Filmkritik: „The Assent“ (2019)

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THE ASSENT

Story

 
 
 

Ein schizophrener Vater macht sich Sorgen um das eigene Kind, als das plötzlich auch Wesensveränderungen an den Tag legt. Hat es die furchtbare Krankheit vom Vormund geerbt? Eine Frage mit der THE ASSENT versucht den Zuschauer zu verwirren.

 
 
 


 
 
 

THE ASSENT – Kritik

 
 
 
Die wohl wichtigste Regel im Horrorfilmgeschäft: Wenn Dein Film nicht sonderlich dolle ist, schneid einen guten Trailer zusammen und liefer ein vielversprechendes Filmplakat ab. So ist die Aufmerksamkeit des Publikums gewiss und die Filmfans kaufen blind. Genau diese Masche fährt auch Regisseur PEARRY REGINALD TEO mit dem Okkult-Horror THE ASSENT. Das Poster schaut Bombe aus und der Werbefilm macht Lust auf mehr. Die Einsicht kommt nach der Sichtung. THE ASSENT ist einer dieser Low-Budget-Grusler die man früher ohne Umwege in die Videotheken gestellt hat. Die liefen zwei bis drei Wochen gut und wanderten anschließend in die unteren Regale, um dort zu verstauben. Kaum Neuerungen. Stattdessen altbekannte Abläufe und Überraschungsarmut. Muss das denn sein?
 
 
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THE ASSENT rückt den alleinstehenden Vater Joel (Hollywood-Schauspieler ROBERT KAZINSKY) in den Mittelpunkt. Der hat kein einfaches Los gezogen. Seit die Gattin bei einem Autounfall gestorben ist, muss er sich um Sohnemann Mason (CADEN DRAGOMER) kümmern und versucht mit Nebenjobs den Lebensunterhalt zu bestreiten, um nicht das Sorgerecht zu verlieren. Kein leichtes Unterfangen, zumal das Familienoberhaupt auch noch unter Schizophrenie leidet und ständig seltsame Dinge sieht. Da kündigt aus heiterem Himmel die Babysitterin und das geregelte Leben gerät aus den Fugen. Wer passt nun auf das Kind auf, während der Vater das Geld verdient? Eine Frage, die auf einmal in Angst umschlägt. Mason beginnt sich plötzlich zu verändern und erblickt wie der Vater Dinge, die sonst niemand sieht. Entwickelt der Spross etwa die gleichen Symptome wie der Papa? Gut, dass sich der Sache ein Priester annimmt. Der hat von der Wesensveränderung des Jungen gehört und vermutet dämonische Kräfte. Schnell wird ein Exorzismus vorbereitet, um den Eindringling zu vertreiben. Ob am Ende alles gut ausgehen wird?
 
 
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THE ASSENT wurde als gruseligster Film auf dem Toronto After Dark Filmfestival 2019 beworben. Das stimmt aber nur bedingt. Was sofort ins Auge fällt und die Tatsache bekräftigt, ist der düstere Look. Atmosphärisch kann man diesem Gruselstreifen nicht abstreiten, dass es ihm hin und wieder gelingt, mit gespenstigen Bildern und surrealen Kameraeinstellungen eine schaurige Stimmung zu erzeugen. Inhaltlich ist das, was THE ASSENT aber bietet Schnee von gestern. Drehbuchautor und Regisseur PEARRY REGINALD TEO bedient sich ganz unverfroren bei Friedkins DER EXORZIST, ohne aber je dessen Klasse zu erreichen. Wir haben ein Kind, das von dämonischen Kräften heimgesucht wird und drei Stufen durchlebt, die einen Exorzismus unausweichlich machen. Damit die Plattheit der Handlung nicht ganz so offensichtlich ist, wird von Verwirrungstaktik Gebrauch gemacht. Sind die Wesensveränderungen auf eine psychische Krankheit zurückzuführen, an der bereits Vater Joel leidet und welche er seinem Sohnemann weitervererbt hat? Oder hat die Verwandlung übernatürliche Gründe und gehen auf das Konto des Teufels? Der Täuschungsversuch steuert einen Twist an. Der kommt vor Abspann ganz überraschend und klärt den Zuschauer hinterlistig auf, dass der sich gutgläubig an der Nase hat herumführen lassen. Aufgrund der unvorhersehbaren Auflösung bekommt THE ASSENT gerade noch so die Kurve. Hätte man auf den Überraschungsmoment verzichtet, wäre dieser Okkult-Horror auch nur einer von mittlerweile viel zu vielen.
 
 
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THE ASSENT – Fazit

 
 
6 Punkte Final
 
 
Familiendrama meets Dämonen-Horror. Atmosphärischer Exorzismus-Horror mit verblüffender Auflösung für den Regisseur PEARRY REGINALD TEO verantwortlich zeichnet. Der hat schon einige Billig-Horrorsachen – wie DEAD INSIDE oder GHOSTHUNTERS – verbrochen. Das waren arschlangweilige und günstig produzierte Gurken über die zurecht heute niemand mehr spricht. THE ASSENT ist die bis dato beste Arbeit des Filmemachers, wenngleich aber auch nicht unbedingt eine Sternstunde des Besessenheit-Genres. Alles verläuft hier nach den Regeln, die einst William Friedkin mit seinem DER EXORZIST im Jahr 1973 für Horrorfilme aufgestellt hat, in denen Menschen von Priestern exorziert werden müssen. Während dieses scheinbar zeitlose Meisterwerk auch heute noch unverfroren schockiert und das Publikum aus den Kinosesseln reißt, gelingt das vielen neueren und ähnlich gelagerten Produktionen nur selten. Gleiches trifft auf THE ASSENT zu, der vermutlich deswegen kaum gruselt, weil er eben fast die gleichen Handlungsabläufe abspult, die man seit genannten Klassiker zu häufig vor der Linse hatte. Immerhin gefällt ein Twist am Ende des Films. Dennoch ist THE ASSENT nichts mehr als Video-Dutzendware, die mittlerweile am Fließband produziert wird. Kann man schauen, muss man aber nicht.
 
 
 


 
 
 

THE ASSENT – Zensur

 
 
 
Gewalttechnisch passiert in THE ASSENT eigentlich nicht viel. Etwas Gruselige Stummung und ein paar verstörende Visionen dürften dafür sorgen, dass der Exorzismus-Horror hierzulande eine sichere FSK16 erhalten wird.
 
 
 


 
 
 

THE ASSENT – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von Eagle Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Der Exorzist (1973)
 
Incarnate – Teuflische Besessenheit (2016)
 
Erlöse uns von dem Bösen (2014)
 
Possession – Das Dunkle in Dir (2012)
 

Filmkritik: „Düstere Legenden“ (1998)

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DÜSTERE LEGENDEN

(URBAN LEGEND)

Story

 
 
 
Auf der Privat-Uni Pendleton, im Bostoner Umland, fällt der cleveren Studentin Natalie (Alicia Witt) auf, dass zwischen einer Serie kruder Morde und dem in dieser Gegend doch erstaunlich allgegenwärtigen Klatsch über „urban legends“ eine Verbindung bestehen muss. Gerade auch, da das College Pendleton selbst eine Generation zuvor zum tragischen Ort einer zur lokalen Folklore mutierten Amoktat geworden ist. Damals tötet ein Professor fünf seiner Studenten.

 
 
 


 
 
 

DÜSTERE LEGENDEN – Kritik

 
 
Klingt mal wieder, als wär’s schon hundert Jahre her. Die späten 1990er sind eine unschuldige Zeit fürs Unterhaltungskino und somit auch für den Horror, unsere Leib- und Magen-Umdreh-Filme also. Mehr oder weniger. Natürlich erreicht der Atem von Wes Cravens SCREAM (1996), ein Atem der Ironisierung und im Kern Verachtung des Horror-Genres auch einen im Anschluss entstandenen Film wie DÜSTERE LEGENDEN – bedeckt aber zum Glück nicht den ganzen Film mit jenem ätzenden Mehltau der Herablassung. Mit der Besetzung etwa von Freddy Krueger höchstselbst als undurchsichtiger Professor Wexler beweist man ein gewisses liebevolles Traditionsbewusstsein – und Brad Dourif geht sowieso immer. Was DÜSTERE LEGENDEN trotzdem in den Kanon der selbst- und geschichtsbewussten Horrorfilme seiner Entstehungszeit einreiht, ist die kunstvolle Verschachtelung der Handlung. Die Universitätsvorlesung über die „urban legends“ bildet eine Ebene der Filmerzählung, die Mordserie in Natalies College-Umfeld ist die zweite und bezieht sich auf eben jene urbanen Legenden des Hörsaals. Wenn in den Gesprächen der Protagonisten oder auch aus dem Radio über weitere lokale Schauergeschichten geredet wird, berührt der Film schon die kunstvoll installierte Meta-Ebene, die etwa der Film-im-Film „Stab“ bei SCREAM darstellt.
 
 
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Gedreht wird DÜSTERE LEGENDEN in Toronto. Die große Zeit der im Vergleich zu Los Angeles steuergünstigen Filmstadt in Kanada nimmt ihren Lauf und hält noch immer an. Das angenehm nicht-kalifornische Setting soll eine Unistadt im tiefsten Lovecraft-Country, dem lauschigen Neu-England sein. Da wirken die schnieken Studentenschönlinge gleich noch exotischer. Apropos: Alicia Witts „girl next door“-Attraktivität ist beinahe unzeitgemäß, tatsächlich bedienen heute, in der Gegenwart, zum Sex-Symbol gehypte Schauspielerinnen wie Jessica Chastain eine ähnliche Ästhetik.
 
 
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Was die Morde angeht, beruft man sich auf den blutrünstigen Detail- und Ideenreichtum des Slasher-Kinos der 1980er, dessen Freude am gnadenlos präsentierten Entleiben unschuldiger Dummköpfe und leichtlebiger College-Mäuschen wiederum dem italienischen Giallo-Kino entliehen ist. Da liegt auch traditionell der Fokus eher auf den Morden und nicht unbedingt der Handlung. Ohne Mario Bava kein John Carpenter und kein ironisch-revisionistisch aufgezogenes Slasher-Revival der späten 1990er. Selbst wenn letztgenannte das gar nicht so sehr als Fan-Service begriffen haben, wie man heute denken könnte. Auch Jungregisseur Jamie Blanks kennt seine Vorbilder auch und bewirbt sich ein Jahr vor DÜSTERE LEGENDEN bei den Produzenten, indem er ihnen einen Kurzfilm zukommen lässt. Eigentlich möchte er für sie den geplanten ICH WEISS, WAS DU LETZTEN SOMMER GETAN HAST drehen, kommt aber ein wenig zu. Unschuldig auch die hilflose Umtitelung des Films. Den Begriff der „urban legend“ hat die deutschsprachige Öffentlichkeit noch nicht im Köcher und so wird das allgemeingültige Adjektiv düster bemüht. Auch bei den – natürlich sukzessive weniger guten – Fortsetzungen bleibt der deutsche Verleih dabei.
 
 
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DÜSTERE LEGENDEN – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Über zwanzig Jährchen und schon zwickt die Nostalgie. DÜSTERE LEGENDEN ist ein wichtiger Baustein in der Entwicklung des Horrorgenres zum Ende der VHS-Ära. Geschult in Genre-Historie und Konventionen. Selbstbewusst und nicht ganz so vor Selbstekel strotzend wie SCREAM und doch ironisch, gleichzeitig packend genug, um auch heute noch zwei unterhaltsame Stunden zu bieten. Mit Gesichtern, die man heute noch kennt.
 
 
 


 
 
 

DÜSTERE LEGENDEN – Zensur

 
 
 
DÜSTERE LEGENDEN ritt in den 1990ern auf der wieder auflebenden Teen-Slasher-Welle mit und richtete sich an ein jüngeres Kinopublikum. Dementsprechend züchtig sind auch die Morde ausgefallen. Hierzulande wurde der Streifen bereits für Sechsehnjährige freigegeben. Die deutsche Fassung ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

DÜSTERE LEGENDEN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Sony Pictures Entertainment

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Urban Legend; USA 1998

Genre: Horror, Mystery, Thriller

Ton: Deutsch Dolby TrueHD 5.1, Englisch Dolby TrueHD 5.1, Spanisch Dolby TrueHD 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch, Portugiesisch, Spanisch, Türkisch

Bild: 2.40:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 99 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Regiekommentar, Making Of „Düstere Legenden“, Trailer, BD Live

Release-Termin: 07.08.2008

 

Düstere Legenden [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

DÜSTERE LEGENDEN – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei SONY PICTURES ENTERTAINMENT)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast (1997)
 
Anatomie (2000)
 
Düstere Legenden 2 (2000)
 
Ich weiß noch immer, was du letzten Sommer getan hast (1998)
 

Filmkritik: „Antiviral“ (2012)

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ANTIVIRAL

Story

 
 
 
Syd March ist Mitarbeiter der Lucas Clinic, die die infizierten Zellen von Promis an ihre Fans verkauft. Als er eines Tages die Vorschriften ignoriert, wird er bald Teil eines tödlichen Geheimnisses.

 
 
 


 
 
 

ANTIVIRAL – Kritik

 
 
Da ich nach kultig-einmaligen und sehenswerten Glanzstücken wie „Videodrome“ und gerade „The Brood“, gepackt mit furchterregendem Body-Horror und beißender Gesellschaftskritik, definitiv zum David Cronenberg-Fan geworden bin, war ich mehr als nur neugierig zu erfahren, was Sohnemann Brandon wohl in seinem Debüt gezaubert hat, dessen Prämisse und Setting bereits an die Regiewurzeln anmahnen: Krankheiten und ihre Viren stehen im Fokus, Fetischisierung und Ikonisierung von Stars werden auf ein galliges Maximum getrieben. Zusammen mit einer steril-durchstilisierten Umgebung und einem tragendem Hauptdarsteller also alles nicht fernab von einer Black Mirror-Folge – bis auf die Laufzeit.
 
 
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Und somit ist mein Gesamteindruck auch leider schon recht präzise wiedergegeben – gerade für ein Debüt hat Cronenberg hier einen optisch sehr versierten Film geschaffen, dessen Setdesigns Spaß machen und Cast nahezu durchgängig überzeugen kann – doch statt sich 100 Minuten lang selber zu beobachten und die in Reihung dann leider doch zu ähnlichen Bilder mit langsamen Pace durch zu exerzieren, wäre es vielleicht weiser gewesen, wahlweise sympathische Charaktere, oder zumindest Kurzweil durch Genreeinlagen zu verwenden – so aber ist „Antiviral“ genauso kalt und leer wie seine Optik und das kann man als Stilvollendung auf Metaebene und Vorhalten des Zuschauers begreifen, aber vielleicht auch eher als Script, das eine gute Kernidee hat, diese aber nicht ausarbeiten weiß.
 
 
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David Cronenberg hat oft von Außenseitern erzählt, von Exzentrikern und Ausgestoßenen, noch öfter aber von solchen, die es wurden – diese menschliche Seite fehlt dem unangenehm und grandios von Caleb Landry Jones gespieltem Hauptdarsteller aber leider, und auch sonst bleiben die Charaktere oftmals funktional, für das Script clever oder ominös oder für die Szene interessant genug, im Kopf bleiben oder für weitere Mysterien sorgen tun sie aber nicht. Allgemein werden die reizvolle Prämisse und das Worldbuilding fast nur auf die Lucas Klinik und wenige weitere Orte angewendet, von einer größeren, lebendigen Welt mit Eigenmechanik fehlt leider jede Spur – ein weiterer Kritikpunkt, der bei einem Einstünder nicht weiter auffiel, auf 100 Minuten gestreckt jedoch leider schon.
 
 
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Body-Horror-Effekte, gorige Einlagen oder furchterregende Momente sind bei einem solchen Setting und stetiger Anwesenheit von Patienten natürlich naheliegend, doch auch hier sollte man den Vornamen und nicht nur „Cronenberg“ lesen, da die genannten Einlagen zwar funktionieren, eine Wirkung erzielen und auch ordentlich getrickst sind, die Gewalt oder Ideen derer nur leider nicht nahe gehen oder wirklich verstören, da, erneut, die Charaktere bzw. Umstände nicht fesselnd genug, menschlich genug, nachvollziehbar genug geschrieben sind, um wirklich zu kümmern. Es bleibt ein sehr ambitionierter Film mit einer hervorragenden Grundidee, gelungener Regie und einer starken Hauptperformance, der nur leider nie das volle Potential seiner Ideen herauskitzeln kann und optisch auf höchstem Niveau gepflegt begeistert, einlullt, langweilt. Definitiv einmalig sehenswert und interessant, aber keine Großtat für das Genre sozialkritischen Bodyhorrors.
 
 
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ANTIVIRAL – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
„Antiviral“ schafft es bestens, eine spannende Prämisse aufzubauen und in seine Welt zu ziehen, inszeniert Gräueltaten und Ungeheuerliches routiniert als Alltag und hat sehenswerte Elemente in sich, als Gesamtwerk aber leider zu leer, aufgeblasen und kalt für meinen Geschmack.
 
 


 
 
 

ANTIVIRAL – Zensur

 
 
 
„Antiviral“ hat von der FSK eine Freigabe ab 16 Jahren in der ungeschnittenen Form erhalten. Diese ist auch gerechtfertigt. Body-Horror-Fans können bedenkenlos zugreifen.
 
 
 


 
 
 

ANTIVIRAL – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Busch Media Group (KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Antiviral; Kanada 2012

Genre: Horror, Thriller, Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DD 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 107 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer

Release-Termin: 19.10.2018

 

Antiviral [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

ANTIVIRAL – Trailer

 
 


 
 
 

Dr. Barry Nyle

(Rechte für Grafiken liegen bei Busch Media Group)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
eXistenZ (1999)
 
Replace (2017)
 

Filmkritik: „Rambo: Last Blood“ (2019)

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RAMBO: LAST BLOOD

(RAMBO 5)

Story

 
 
 

Bereits zum fünften Mal muss John Rambo seine kämpferischen Fähigkeiten unter Beweis stellen, doch nie zuvor wurde es für ihn so persönlich, wie in „Last Blood“.

 
 
 


 
 
 

RAMBO: LAST BLOOD – Kritik

 
 
 
Dass Sylvester Stallone mit „John Rambo“ ein grandios, brachiales Comeback gelang, liegt nun auch schon über zehn Jahre zurück. Immer wieder gab es Meldungen zu einem letzten Teil von „Rambo“. Zwar dauerte es seine Zeit, doch letztes Jahr war es dann soweit. „Rambo: Last Blood“ scheint es dabei ernst zu nehmen mit dem letzten Teil und spielt auch vom Titel her gelungen darauf an. Bei all den unterschiedlichen Kritiken konnte man sich überhaupt nicht sicher sein, was einen nun erwartet und am Ende kommt es doch ganz positiv. „Rambo: Last Blood“ ist ein durchaus plumper Film geworden, aber unterhaltsam ist er dennoch!
 
 
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John Rambo lebt mittlerweile zurückgezogen auf der Farm seiner verstorbenen Eltern. Mit der Haushälterin Maria und ihrer Enkelin Gabrielle hat er jedoch eine neue Familie gefunden und führt ein inniges Verhältnis zu ihnen. Als Gabrielle eines Tages ihren Vater in Mexiko ausfindig machen kann, resultiert daraus eine Katastrophe. Plötzlich gerät sie in die Fänge von Menschenhändlern und natürlich macht sich John sofort bereit, sie zu retten. Dabei legt er sich mit dem organisierten Verbrechen an, doch wer Rambo kennt, der weiß auch: Was sich dieser Mann in den Kopf gesetzt hat, setzt er auch durch. Das Drehbuch macht es sich ganz schön einfach. Man hätte die Figur von Rambo unter vielen Wegen fortsetzen und beenden können. Positiv ist, dass man dem Ende des letzten Teils treu blieb, John nun auf die Farm versetzt und er sich dort einen ganz angenehmen Ruhestand machen darf. Was dann geschieht, ist allerdings reichlich plump und sollte nicht mit der größten Logik betrachtet werden. Natürlich ist zufällig eine Journalistin zur Stelle, die helfen kann und natürlich muss es nach einer Rettungsaktion noch das große Opfer geben. Viele Dinge wirken etwas unbeholfen und man hätte sie definitiv besser schreiben können, doch wenn es darum geht, dass man Rambo wieder in Aktion sehen darf, dürfte eigentlich niemand enttäuscht sein.
 
 
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Der Aufbau fällt dabei nicht unüblich aus, erinnert jedoch kaum an andere Teile der Reihe. Es gibt einen unnötig actionlastigen Prolog (der jedoch in der US-Fassung gar nicht vorhanden war) und dann dominiert erst mal Ruhe das Geschehen. Immerhin wird hier ganz glaubwürdig verkauft, was Gabrielle für John bedeutet und das ist doch ganz wichtig, damit die Rache hinterher funktioniert. Nach ungefähr einer halben Stunde ist das Szenario eingeleitet, doch wer sich jetzt schon nach großer Action sehnt, muss weiterhin Geduld haben. Es gibt ein paar brutale Momente, aber „Rambo: Last Blood“ übt sich auch hier weiterhin eher im ruhigen Gefilde. Alles steuert auf das große Finale zu und hier macht der Schauplatz dann auch echt etwas her. Die Sache mit den ganzen Fallen ist maßlos übertrieben, macht aber einfach Spaß. Allerdings geht alles viel zu schnell! Nach knapp zehn Minuten ist der Bodycount ins nahezu Unermessliche gestiegen, doch als Zuschauer bekommt man davon gar nicht so viel mit. Es wird gesplattert, was das Zeug hält. Auch „Rambo: Last Blood“ ist ungemein brutal, aber weil alles so schnell geht, wird hier niemals die Intensität von „John Rambo“ erreicht. Dass viele Effekte aus dem Computer stammen, fällt bei der Geschwindigkeit wenigstens kaum negativ auf.
 
 
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Sylvester Stallone macht als Rambo weiterhin eine gute Figur, auch wenn er hier von allen Teilen weder charakterlich, noch optisch besonders markant ausgefallen ist. Trotzdem ist der Mann noch fit und man kauft es ihm einfach ab, wenn er gegen eine überlegene Anzahl an Männern gewinnt. Vom echten Schauspiel ist das meistens weit entfernt, aber das braucht man bei dieser Reihe auch gar nicht. Die restlichen Darsteller erfüllen einen Standard, der okay ist. Schade ist nur, dass man es nicht hinbekommen hat markante Gegenspieler zu entwerfen. Sergio Peris-Mencheta ist als letzter Gegner ja dermaßen langweilig, dass man schon ein wenig traurig sein darf. Hinzu gesellen sich Dialoge, die dem Action-Genre gerecht werden, manchmal aber selbst dafür schon zu wenig Niveau besitzen. Die Figurenzeichnung ist jedenfalls nicht gerade eine Stärke von „Rambo: Last Blood“ und echte Gefühle werden hier nahezu gar nicht vermittelt.
 
 
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Dafür muss man aber sagen, dass der Film gut unterhalten kann. Selbst wenn er gar nicht so viel Action parat hält, fühlt man sich als Zuschauer niemals gelangweilt. Man wartet gespannt auf dieses Finale und es fällt so brachial aus, dass man gar nicht davon enttäuscht sein kann. Nur wäre es eben schön gewesen, wenn man es etwas langsamer gestaltet hätte. Über die handwerkliche Arbeit kann man auch nicht gerade meckern. „Rambo: Last Blood“ sieht optisch gut aus, besitzt genügend Abwechslung was Kulissen betrifft und wurde gut inszeniert. Das Finale ist zu hektisch geschnitten, aber ansonsten hat Regisseur Adrian Grünberg seine Sache solide gemacht. Interessant wäre es sicherlich trotzdem gewesen, wie das Resultat ausgesehen hätte, wenn Stallone selbst Regie geführt hätte. Nach rund 90 Minuten (ohne Abspann – aber auch nur in der internationalen Version) ist dann schon wieder Schluss. Die Laufzeit ist angemessen und die kürzere US-Fassung wäre dann sogar noch plumper gewesen.

 
 


 
 
 

RAMBO: LAST BLOOD – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
„Rambo: Last Blood“ macht es auf keinen Fall verkehrt. Man bekommt einen überwiegend recht ruhigen Actionfilm, der trotzdem nicht an Tempo vermissen lässt und sowieso von Anfang an nur auf dieses brachiale Finale zusteuert. Hier wird niemand enttäuscht, aber es ist schade, dass es so schnell wieder vorbei ist. Intensive Gewalt kann dabei kaum entstehen, aber eine mächtige Schlachtplatte ist auch dieser Teil wieder geworden. Stallone tut, was man von ihm erwartet, die anderen Darsteller sind austauschbar, aber die Inszenierung ist solide und wenn Rambo wieder mal zum Berserker wird, dann wird das Actionherz bedient. Als anspruchsloser, brutaler Actionfilm ist das vollkommen überzeugend, als Abschluss der „Rambo“-Reihe aber vielleicht ein wenig unbefriedigend!
 
 
 


 
 
 

RAMBO: LAST BLOOD – Zensur

 
 
 
„Rambo: Last Blood“ erhielt von der FSK überraschend eine Erwachsenenfreigabe in ungeschnittener Form. Wie bereits im Kino hat auch die Heimkinofassung den roten FSK-Flatschen erhalten und ist ungeschnitten. Keine Jugendfreigabe.
 
 
 


 
 
 

RAMBO: LAST BLOOD – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Universum Film | Tobis Home Entertainment (KeepCase – ungeschnittene Fassung)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Rambo: Last Blood; Bulgarien | Spanien | USA 2019

Genre: Action, Thriller

Ton: Deutsch (Dolby Atmos), Englisch (Dolby Atmos)

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: 101 Minuten (ungeschnittene Fassung)

FSK: keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase ohne Wechselcover

Extras: Trailer, Drawing Last Blood, From First note to last Blood

Veröffentlichung: KeepCase: 31.01.2020

 
 

Rambo: Last Blood [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

RAMBO: LAST BLOOD – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei UNIVERSUM FILM | Tobis Home Entertainment)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Death Wish (2018)
 
John Wick: Kapitel 3 – Parabellum (2019)
 
John Rambo (2008)
 
Rambo Trilogie (1982 – 1988)
 

Filmkritik: „Sant Martí“ (2018)

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SANT MARTÍ

Story

 
 
 

Einige Durchreisende erleben im ländlichen Katalonien die Hölle auf Erden.

 
 
 


 
 
 

SANT MARTÍ – Kritik

 
 
 
Barcelona, Madrid und Malaga – moderne Vorzeigestädte mitten in Spanien, die jährlich Millionen Besucher anlocken, um Spaniens Kultur entdecken zu können. Doch im Hinterland geht es weniger zivilisiert zu. Dort wo Menschen in einfachsten Verhältnissen hausen müssen und sich von der spanischen Regierung in Stich gelassen fühlen, herrscht ein rauer Ton. Hier trauen sich keine Touristen hin. Wenn doch, werden diese gejagt, gefoltert und zerteilt – zumindest, wenn es nach den Filmemachern DAVID C. RUIZ und ALBERT VALÈNCIA geht. Die haben mit dem ersten Spielfilm Schubladendenken auf Zelluloid gebannt und wollen mit Backwood-Horror im Genre Fuß fassen. Damit wären sie nicht die Ersten. Mittlerweile hat sich der Horrorfilm etabliert und vielen Regie-Newcomern zu interessanten Arbeiten im Filmgeschäft verholfen. Ob das auch den oben genannten Newcomern mit SANT MARTÍ gelingt?
 
 
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Ein Rockfestival. Das ist das Ziel zweier Freunde. Die können es kaum erwarten das Wochenende über durchzufeiern. Unterwegs gabelt man zwei attraktive Anhalterinnen auf, die ebenfalls zur gleichen Veranstaltung wollen. Doch das Glück meint es nicht gut mit den jungen Leuten. Der Bus gibt den Geist auf und kommt in der Einöde zum Erliegen. Gott sei Dank bringt ein Einheimischer die Gestrandeten in einen kleinen Ort, der zurecht auf keiner Karte zu finden ist. Fluch oder Segen? Horrorfans wissen spätestens seit dem BLUTGERICHT IN TEXAS, dass mit verdorbenen Stadtmenschen in verschlafenen Ortschaften kurzer Prozess gemacht wird. In der Tat wartet der auch auf unsere Freunde. Die verhalten sich alles andere als ehrenwert und bringen sich so in große Gefahr.
 
 
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Atmosphärisch, düster und schmuddelig – aber weit hinter den Möglichkeiten. SANT MARTÍ ist der erste katalonische Backwood-Slasher überhaupt und orientiert sich in der Machart am Bay-Remake zum berüchtigten KETTENSÄGENMASSAKER von 2003. Das bedeutet: gammelige Häuser, dreckige Gassen und einfache Menschen, die fern der Zivilisation eigenen Gesetzen folgen. Eigentlich gute Voraussetzungen für ungemütliche Filmunterhaltung, zumal die Regisseure DAVID C. RUIZ und ALBERT VALÈNCIA penibel darauf achten, dass ihr Langfilmdebüt einen möglichst hochwertigen Eindruck hinterlässt. Leider folgt der ansprechend gefilmte Streifen zu verkrampft den vorhersehbaren Regeln des Hinterwäldler-Genres und lässt so kaum Raum für Neuerungen zu. Das bedeutet: hormongesteuerte Stadtmenschen geraten an ungebildete Leute vom Land, die natürlich im Hinterland nichts anderes kennen, als Durchreisende abzuschlachten. Ganz schön langweilig – vor allem auch deshalb, weil sich die Macher hinter SANT MARTÍ partout nichts einfallen lassen wollen, um irgendwie von bekannten Pfaden abzukommen. Die Folge: sattgesehene Verläufe, vorprogrammierte Klischees und austauschbare Stereotypen. Wer alle Teile der WRONG TURN-Serie und der TEXAS CHAINSAW MASSACRE-Reihe gesehen hat, dürfte sich schnell unterfordert fühlen.
 
 
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Worin SANT MARTÍ aber am meisten enttäuscht ist der Faktor Gewalt. Während in den letzten Filmen rund um Killer LEATHERFACE das Blut in Strömen floss und im Zuge der französischen Terrorwelle ein neues Kapitel in Sachen Filmgewalt aufgeschlagen wurden, macht SANT MARTÍ die sprichwörtliche Kehrtwende. Wer mit Backwood-Horror Aufmerksamkeit erregen möchte, sollte seine Figuren unmenschlich behandeln und möglichst lang leiden lassen. Da muss die Kamera allgegenwärtig sein und jede Grausamkeit detailliert festhalten. Regeln, die hätten dabei helfen können SANT MARTÍ zum neuen FRONTIER(S) zu machen. Doch die Macher DAVID C. RUIZ und ALBERT VALÈNCIA entscheiden sich – vermutlich auch des Budgets wegen – für eine seichtere Gangart. Das bedeutet, dass selten fiese Gewalteinlagen auf der Leinwand zelebriert werden. Stattdessen wird weggeblendet, wenn es ans Eingemachte geht. Eine Kamerafahrt über abgesägte Beine ist der Höhepunkt dieses spanischen Slasher-Flicks und macht den technisch souverän abhandelten SANT MARTÍ dann eher zu einem austauschbaren Horrorfilm über den Morgen schon niemand mehr sprechen wird. Schade!
 
 
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SANT MARTÍ – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Die katalonische Antwort auf Bays Remake zum legendären TEXAS CHAINSAW MASSACRE. SANT MARTÍ ist eine professionelle Produktion aus Spanien, die atmosphärisch gut vorlegt, aber inhaltlich nichts wagt. Das bedeutet, dass die Newcomer DAVID C. RUIZ und ALBERT VALÈNCIA weder frischen Wind in das mittlerweile angestaubte Backwood-Horror-Genre bringen, noch in Sachen Gewalt neue Maßstäbe setzen. Was folgt, ist Hinterwälder-Horror nach Schema F. Immerhin bringen einige überspitzte Anspielungen auf das ländliche Katalonien hin und wieder zum Schmunzeln. Muss man dennoch nicht unbedingt gesehen haben.
 
 
 


 
 
 

SANT MARTÍ – Zensur

 
 
 
SANT MARTÍ hält sich für einen Backwood-Slasher in Sachen Gewalt sehr zurück. Meist bekommt man nur das Resultat eines Mordes zu sehen oder die Kamera blendet weg, wenn es zu blutig wird. Das dürfte der hiesigen FSK gefallen. SANT MARTÍ hat in der ungeschnittenen Form einen roten FSK-Flatschen erhalten. Hierzulande hat sich das Label I-ON NEW MEDIA die Rechte für eine deutsche Auswertung gesichert.
 
 
 


 
 
 

SANT MARTÍ – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) I-ON NEW MEDIA (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Sant MartÍ; Spanien 2018

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 80 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Original Kinotrailer, weitere Trailer

Release-Termin: @23,976 Hz

 

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SANT MARTÍ – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Black Mandala | I-ON NEW MEDIA)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
What the Waters Left Behind (2017)
 
Escape from Cannibal Farm (2017)
 
Leatherface – The Source of Evil (2017)
 
Inbred (2011)