Filmkritik: „El Narco – Willkommen in der Drogenhölle“ (2010)

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EL NACRO – WILLKOMMEN IN DER DROGENHÖLLE

(EL NACRO | EL INFIERNO)

Story

 
 
 
„El Narco“ schildert den Aufstieg eines Mannes namens Benny von der Armut bis hin zu reichlich Drogengeld. Doch das Spiel mit dem mexikanischen Drogenkartell fordert hohe Kosten.

 
 
 


 
 
 

EL NACRO – Kritik

 
 
Mexiko ist bestimmt kein Land, welches als besonders sicher zu betrachten ist. Immer wieder hört man von abscheulich brutalen Drogenkartellen und ein Leben scheint nichts wert zu sein. Kein Wunder also, dass die Mexikaner gerne mal als Bösewichte herhalten müssen. Dass ein mexikanischer Film sein Land aber selbst als so dreckig, korrupt und brutal darstellt, ist schon eher ungewöhnlich. „El Narco – Willkommen in der Drogenhölle“, der besser bekannt ist unter dem Titel „El Infierno“, stammt bereits aus dem Jahr 2010, feiert bei uns in Deutschland jedoch erst jetzt seine Premiere. Es ist fraglich, warum das so lange gedauert hat, denn man bekommt einen echt guten Gangsterstreifen geboten.
 
 
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Vor 20 Jahren ist Benny in die Vereingten Staaten von Amerika ausgewandert, um dort Geld zu machen. Jetzt muss er wieder zurück in sein altes Heimatdorf, doch dort ist nichts mehr, wie es einmal war. Bennys Bruder wurde ermordet. Er hatte es zu einem berüchtigten Drogendealer geschafft. Allgemein wird das Dorf von Gewalt beherrscht. Benny will damit eigentlich nichts zu tun haben, aber als er Geld braucht, ist das Angebot als Drogenkurier und Geldeintreiber für die mexikanische Mafia zu arbeiten, dann doch zu groß. Und Benny gewöhnt sich schnell an Macht, Frauen und Geld. Damit gewöhnt er sich ebenfalls an die Gewalt, aber der Streit zwischen zwei Brüdern soll bald eine noch viel größere Welle an Gewalt heraufbeschwören. Die Story ist im Kern eigentlich nichts Besonderes, wird aber dadurch aufgewertet, dass sie recht ausgiebig erzählt wird. Dabei muss man sich wohl gut mit Mexiko auskennen, um behaupten zu können, dass hier ein realistisches Bild von dem Land gezeichnet wird. Es wirkt allerdings reichlich authentisch und wenn man gewisse Nachrichten verfolgt, ist man geneigt „El Narco“ seine Zeichnung abzukaufen. Dabei werden auch Themen wie Korruption und Politik kurz angeschnitten, doch hauptsächlich geht es um die Drogenkartelle und die Gewalt, die dort entsteht. Das Drehbuch besteht zwar aus manch einer kleinen Länge, wurde aber ordentlich geschrieben und hat genug zu bieten, um den Zuschauer für sich zu gewinnen.
 
 
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Regisseur Luis Estrada, der davor und danach ebenfalls zwei Filme inszenierte, die sich um Mexiko drehen (und somit eine nicht zusammenhängende Trilogie erschaffen hat), schrieb am Drehbuch selbst mit und kann mit seiner Inszenierung durchaus punkten. „El Narco“ entstand zur 200-jährigen Unabhängigkeit von Mexiko und wurde sogar finanziell vom Land gefördert. Es hat sich gelohnt, denn dass ein gewisses Budget zur Verfügung stand, sieht man dem Werk schon an. Zwar sind viele Szenen doch eher ruhig gehalten und die Schauplätze strotzen nicht vor Abwechslungsreichtum, aber das ist alles sehr stilsicher gestaltet und überrascht mit manch richtig guten Gewalteffekten. Davon gibt es dann auch reichlich zu sehen. Manchmal geht es schon echt derb zur Sache und gerade wie selbstverständlich diese Gewalt genommen wird, kann schon mal schockieren. An blutigen Shoot-outs mangelt es nicht und da das Blutbad manchmal ganz spontan anfängt, verfehlt es seine Wirkung absolut nicht.
 
 
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Sowohl positiv, wie auch negativ, ist die Atmospäre zu werten. Die einzelnen Stimmungen sind nämlich echt gut, nur passen sie nicht immer wirklich harmonisch zueinander. Zunächst hat man es natürlich mit einem Gangsterfilm zu tun, der auch eine gewisse Tarantino-Coolness besitzt. In diesem Bereich macht „El Narco“ nahezu alles richtig. Nebenbei will er allerdings auch etwas satirisch wirken und die schwarze Komödie bedienen. Zwar geht es eigentlich nie so richtig komisch zur Sache, aber ein paar skurrile Szenen, die schon fast grotesk erscheinen, sorgen dennoch dafür, dass es gerne mal amüsanter wird. Bis hierhin funktioniert das Gebräu. Doch „El Narco“ möchte zusätzlich ein ernstes Drama darstellen und besitzt besonders im letzten Drittel überraschend harte Szenen, bei denen dem Zuschauer sicherlich das Lachen vergehen wird. Leider beißt sich gerade das Drama mit der schwarzen Komödie und so bekommt man eine vielseitige Atmosphäre geboten, die nicht immer ganz homogen erscheint.
 
 
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Dabei hätte das Drama durchaus das Zeug dazu gehabt eigentständig zu funktionieren, weil die Figurenzeichnung alles andere als schlecht ist. Bei Benny fühlt man sich schon fast etwas an ein Biopic erinnert, weil man doch ausführlich seine Wandlung gezeigt bekommt. Gerade durch den tollen Darsteller Damián Alcázar (der passenderweise auch danach bei der Serie „Narcos“ mitspielte) funktioniert dieser Charakter so gut, denn die Wandlung vom naiv-harmlosen Benjamin zum gewaltbereiten Gangster Benny wird hier völlig authentisch dargestellt. Ebenfalls reichlich Spaß macht die Leistung von Joaquín Cosio. „El Narco“ lebt lange Zeit von diesen beiden Figuren, die auch immer etwas Komik mit ins Spiel bringen, bei den ernsten Szenen jedoch ebenso glaubwürdig agieren. Über die restlichen Schauspieler kann man sich ebenfalls keineswegs beklagen und die Charaktere sind allesamt relativ gut gezeichnet, wenn manche auch eher eine Randnotiz bleiben.
 
 
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Ob das dann wirklich eine Laufzeit von zweieinhalb Stunden gebraucht hätte, ist sicherlich eine berechtigte Frage, die man nicht ganz eindeutig beantworten kann, weil es schon ein paar Momente gibt, in denen „El Narco – Willkommen in der Drogenhölle“ etwas aufgebläht wirkt. Ein paar kleinere Straffungen hätten dem Werk sicher nicht geschadet, aber auf der anderen Seite wird so auch eine gewisse Tiefe erzeugt, mit der man etwas anfangen kann. Den Dialogen lauscht man ganz gerne und selbst wenn das manchmal etwas zu redselig ist, kann man sich über Langeweile fast nie beklagen. In der zweiten Hälfte gesellt sich noch vermehrt Action mit hinzu, aber diese Szenen sind meist recht kurz. Selbst wenn man dem Treiben als Zuschauer stets gerne folgt, hätte es am Ende aber doch noch ein bisschen mehr Spannung geben dürfen. Der Soundtrack besteht aus vielen mexikanischen Folk-Songs, was gut und passend ist.
 
 


 
 
 

EL NACRO – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
„El Narco – Willkommen in der Drogenhölle“ ist schon ein gelungener Gangsterfilm, der ganz schön brachial daherkommt und Szenen besitzt, die alles andere als harmlos sind. Gerade dieser düstere Ton beißt sich jedoch manchmal mit der Heiterkeit, die ebenfalls dargeboten werden soll. Trotzdem fasziniert die Atmosphäre irgendwie und dass die Drama-Anteile so gut funktionieren, liegt vor allen Dingen an einer souveränen Figurenzeichnung. Die Handlung an sich bietet kaum neue Zutaten, wurde aber authentisch geschrieben. Die Inszenierung weiß zu überzeugen und selbst wenn der Film mit seinen fast 150 Minuten Laufzeit ein wenig zu lang geraten ist, so kann er doch überraschend gut unterhalten. Außerdem bekommt man schon ein paar herrlich skurrile Szenen zu sehen. Freunde von härteren Gangsterfilmen, vom Drogenthriller und auch von der schwarzen Komödie sollten sich „El Narco“ also nicht entgehen lassen, denn man bekommt ein unkonventionelles, dreckiges Werk zu sehen, welches gut zu unterhalten vermag und sich im Endeffekt nur etwas zu unschlüssig ist, welches Genre es denn am liebsten bedienen möchte!
 
 


 
 
 

EL NACRO – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „El Narco – Willkommen in der Drogenhölle“ ist ungeschnitten und frei ab 18 Jahren.
 
 
 


 
 
 

EL NACRO – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) White Pearl Movies (Blu-ray + DVD im limitierten Mediabook)

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(c) White Pearl Movies (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: El infierno; Mediko 2010

Genre: Drama, Krimi, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Spanisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 149 Minuten

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase | Mediabook

Extras: Original Trailer, Trailershow | zusätzlich im Mediabook: 16-seitiges Booklet, Film auf DVD

Release-Termin: KeepCase: 02.07.2021 | Mediabook: 02.07.2021

 

El Narco – Willkommen in der Drogenhölle [Blu-ray + DVD im Mediabook] auf AMAZON kaufen

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EL NACRO – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei White Pearl Movies)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Sicario (2015)
 
Irgendwann in Mexico (2003)
 
Perdita Durango (1997)
 
Bring mit den Kopf von Alfredo Garcia (1974)
 

Filmkritik: „Sleepless Beauty – Gefangen im Albtraum“ (2020)

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SLEEPLESS BEAUTY – GEFANGEN IM ALBTRAUM

(YA NE SPLYU)

Story

 
 
 
Nach einem gescheiterten politischen Attentat wird die nichtsahnende, junge Mila entführt und wacht verängstigt in einem abgeriegelten Raum auf, in dem ihr Leben alsbald zum Alptraum mutiert.
 
 
 


 
 
 

SLEEPLESS BEAUTY – Kritik

 
 
Auf die Chance hin, hier eine internationale Außenseitermeinung einzunehmen: Meine Güte, was für ein verstörender, fieser, auswegsloser, alptraumhafter Streifen doch, meine Güte, was war ich mitgenommen. Und doch: Der vierte Langfilm des russischen Regisseurs Pavel Khvaleev ist kein wirklich „guter“ Film, kein clever geschriebenes, doppelbödiges, oder auch nur logisches Meisterwerk. Aber wenn er klappt, dann so richtig. Das durchaus gelungene Coverdesign der deutschen Blu-ray schmückt auch das Menü, in dem wir direkt russischen Synthiewave mit weiblichen Gesang lauschen, der inhaltlich wohl bereits über Hoffnungslosigkeit und Misstrauen reflektiert.
 
 
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In relativ schäbiger Qualität kriegen wir herangezoomtes Material einer feierlichen Museumseröffnung zu sehen, als plötzlich ein Schuss fällt und sich das Video als live im Darkweb gestreamt offenbart – im Chat herrscht Enttäuschung, da das Ziel des Attentats überlebt hat. Die beobachtende Kälte künstlicher Linsen wird in der ansprechend inszenierten Exposition nun fortgeführt, da mehrere Überwachungskameras unsere Protagonistin Mila, überzeugend gespielt von Polina Davydova, nun beim Kauf eines Fisches für ihren Vater, sowie der Ankunft in ihrem recht schäbigen Mietshaus, filmen. Sobald wir keinem Material diegetischer Kameras mehr folgen, setzt zum Glück auch moderner, stimmiger HD-Look mit behutsam kadrierten Aufnahmen ein, bevor Mila nach knappen 10 Minuten höchst effektiv ausgeknockt und entführt wird.
 
 
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Und wie in ideenlosen, eintönigen, niedrig budgetierten Genrefilmen fast schon üblich, wacht Mila nun in einem bunker/keller-ähnlichem Raum auf, aus dem sie so schnell nicht mehr herauskommt und in dem nun ein Großteil des Films spielen wird. Doch während das bei besagten innovationslosen Langweilern ein Grund zum baldigen Abschalten wäre, so weiß „Sleepless Beauty“ um die Limitierungen seiner Inszenierung und nutzt darum einen Clou, der sich deutlich vom Rest abhebt. Zuerst einmal tut es das grundsätzliche Level des Films schon, denn der Online-Livestream hat einen, soweit ich das nachvollziehen konnte, durchaus realistischen und nicht durchschaubar geschriebenen Chatbereich mit allerlei abfälligen bis schockierten oder gar gelangweilten Reaktionen, das Setting wird durch eine gruselige Raumatmo, regelmäßiges Piepen, Rauschen, Pochen und Flimmern audiovisuell bestens unterstützt, unsere Hauptdarstellerin scheint hilflos ausgeliefert, unschuldig und weder selber schuld, noch unsympathisch und die sadistischen Spiele, mit denen Mila u.a. gefoltert wird, sind üblicherweise rein psychischer, nicht physischer Natur.
 
 
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Wer also eine exploitativ halbnackte junge Frau leiden sehen wollte, die aufgeschnitten oder gar vergewaltigt wird, um sich zu rächen oder auch nicht, der wird hier enttäuscht werden. Doch diese oberflächliche Ebene der Verstörung und des ziellosen Horrors ist es nicht, die in diesem Film vorherrscht. Das Böse sitzt tiefer. Nach 19 Minuten Film und der Vorstellung der Grundprämisse beginnt das eigentliche Märtyrium und zeitgleich die Ermittlungsarbeit der Polizei, Letzteres geerdeter und realistischer, als Ersteres. Und dann, ein „Saw“ nicht unähnlich sadistisches Spiel später, geschieht es das erste Mal: Ich hab mich erschrocken, war schockiert, kurz panisch, habe pausiert und durchgeatmet. Geht es jetzt etwa derart höllisch und mich packend weiter? Noch nicht ganz – nach dem gelungenen Einstieg und Teaser der absoluten Hölle folgt nun die vermutlich schwächste, wenn auch kurze und immer noch solide Phase des Films, da nun weder in den – teils ganz kreativ geschriebenen – Demütigungen bzw. „Spielen“, die mit Mila getrieben werden, noch in der Ermittlungsarbeit im Mietshaus allzu viel passiert, oder nach vorne getrieben wird. Zudem muss zu diesem Zeitpunkt, nach Tagen der Folter und Entführung, mal festgehalten werden, dass der Titel des Films, „Sleepless Beauty“, imo darum total fehl am Platz ist, weil der Film selber die Idee der Schlafentzugs-Folter nie weiter aufgreift oder erklärt und Mila auch nach Tagen der Folter, des Stresses und des angeblichen nicht-Schlafen-Könnens unbewacht auf dem Boden rumliegt, aber es trotzdem schafft, die Augen offen zu halten?
 
 
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Aber gut, das Hinterfragen der Logik ihrer Situation bzw. der Details einiger Szenen schadet eher, was dafür keinesfalls schadet, das ist fast alles von nun an. Denn hat man die generischeren Szenen geschafft, die sich zwischen 20 Minuten Exposition und 10 Minuten marginal enttäuschendem Ende tummeln, so bleibt nur noch das Main Meat, die größte Stärke dieses russischen Brainfucks. Und ohne diese zu spoilen, kann ich nur preisgeben dass ich die Hölle gesehen habe, und das sie kein angenehmer Platz ist. Nein, diese übersexualisierte, fleischige Vision von endlosem Schmerz, dem Zyklus unentrinnbar riesiger, Dali bis Giger bis Clive Barker-esquer Architektur endlosen Leidens und Schmerzens, so drückend mit irrem Sounddesign und hallenden Schreien inszeniert, verwoben in diese äußerst greifend intensiv abgefuckt hoffnungslose Situation der Entführung und Folter, ist nichts anderes als mutig und gar innovativ. Noch in keinem Film habe ich, ohne dass das Genre leicht gewechselt wird oder es für sich steht, eine solche Sequenz mit einem solchen Gänsehaut-Faktor in einem Horrorfilm gesehen und seit etwa einem Jahr hab ich auch keinen Film mehr gesehen, der eine solch viszerale, physische „Fight or flight“-Reaktion getriggert hat.
 
 
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Guckt diesen Film alleine, guckt ihn im Originalton, guckt ihn auf großer Leinwand und mit Headset oder aufgedrehter Anlage – schafft man es, über die Genrekonventionen und ggf. aufkeimenden Logikprobleme hinwegzugucken, wird man hier mit einer Grenzerfahrung konfrontiert, die keine Splatter-FX oder typische Exploitation nötig hat, um druckvoll einen immerhin durchschnittlichen Plot auf ein ganz anderes Niveau zu heben, nur durch die Inszenierung.
 
 


 
 
 

SLEEPLESS BEAUTY – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
Wie alltägliche Genrekost wirkender und anfangender Horrorfilm, der sich nach und nach als höllischer Alptraum entpuppt. Nicht ohne Logikfehler, aber sehr gut inszeniert und gespielt, mit kraftvollem Sounddesign, starkem Soundtrack, gekonnten Bildern und absolutem Verstörfaktor, wenn man für „sowas“ empfänglich ist. Unfassbar knapp noch 8/10.
 
 


 
 
 

SLEEPLESS BEAUTY – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Sleepless Beauty – Gefangen im Albtraum“ ist ungeschnitten und für Zuschauer ab 18 Jahren geeignet.
 
 
 


 
 
 

SLEEPLESS BEAUTY – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) M-Square Pictures / daredo (Soulfood) (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Ya ne splyu; Russland 2020

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Russisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 84 Minuten

FSK: keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 28.05.2021

 

Sleepless Beauty – Gefangen im Albtraum [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

SLEEPLESS BEAUTY – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei M-Square Pictures / daredo (Soulfood) )

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Experiment Killing Room (2009)
 
Truth or Dare (2012)
 

Filmkritik: „Psycho Goreman“ (2020)

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PSYCHO GOREMAN

Story

 
 
 
Was geschieht, wenn Kinder plötzlich über eine uralte, dämonische Macht verfügen, zeigt uns äußerst eindrucksvoll der Funsplatter „Psycho Goreman“.
 
 
 


 
 
 

PSYCHO GOREMAN – Kritik

 
 
Es ist immer erfreulich, wenn man endlich wieder eine gute Horrorkomödie vor sich hat, denn davon gibt es echt viel zu wenige. „Psycho Goreman“ klingt zwar eigentlich mehr nach einem echten Gorefest, bietet im Endeffekt aber erstaunlich harmonische Unterhaltung, die sich einen Dreck um politische Korrektheit schert, schön anarchisch und trotzdem irgendwie süß daherkommt. Ein Fest für jeden, der auf kuriose Unterhaltung steht.
 
 
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Die beiden Geschwister Mimi und Luke entdecken beim Spielen einen seltsamen Edelstein und ein ominöses Gerät in einem Erdloch. Ohne zu wissen, womit sie es da zu tun haben, setzen die Geschwister eine äußerst gefährliche außerirdische Kraft frei, die einst von einem anderen Planeten Lichtjahre entfernt verbannt wurde. Für Mimi ist das jedoch kein Grund, um Angst zu haben, denn mit dem Edelstein lässt sich das gruselige, zerstörerische Monster ganz leicht kontrollieren. Wer im Besitz des Edelsteins ist, hat das Sagen und deshalb richtet Mimi gemeinsam mit Luke so einigen Schaden an. Doch auf einem Planeten in weiter Ferne läuten die Alarmsignale und eine weitere Macht ist auf dem Weg, um dem Ungetüm Einhalt zu gebieten. Was für ein schriller Mix! Bei „Psycho Goreman“ fühlt man sich an unglaublich viele Dinge erinnert. An „Wishmaster“, an „Hellraiser“, an „Masters of the Universe“, an „Flash Gordon“, ja sogar irgendwie etwas an „Krieg der Sterne“ und sogar minimal an „Dragon Ball Z“. Dieser Film mischt sich wirklich von allem etwas zusammen und erscheint im Endeffekt trotzdem recht eigenständig. Man hatte herrlich schräge Ideen und formt diese zu einem kindlich-naiven, albernen und völlig sinnbefreiten Quatsch, welcher jedoch absolut Spaß macht. Das Drehbuch hat schon mal das Zeug zum Kult.
 
 
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Dass das so gut funktioniert, liegt vor allen Dingen an der Atmosphäre, die schrulliger einfach nicht hätte sein können. Wenn ein kleines Mädchen das Sagen über eine Bestie hat, dann kommt man sich fast vor wie in einem Werk von Disney. Im nächsten Moment fliegen dann aber die Gedärme herum. „Psycho Goreman“ ist ein Film der Gegensätze und das macht ihn so heiter. Dabei ist der Grundton überraschend soft und sogar ein wenig Coming-of-Age-Drama schafft es in die Handlung. Der übernatürliche Teil wirkt wie eine abgefahrene Mischung aus Science-Fiction, Fantasy und Horror, während ein Großteil der Laufzeit von der Komödie dominiert wird. Hier gilt wie immer: Humor ist Geschmackssache und nicht jeder wird die Gags gut finden. Viele davon sind nämlich wirklich over-the-top und wirken mächtig albern. Trotzdem ist die Trefferquote angenehm und das gesamte Treiben ist dermaßen locker und schräg, dass man sich sehr gut unterhalten fühlt.
 
 
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Mit Steven Kostanski ist sowieso immer wieder zu rechnen. Mit „The Void“ zeigte er seine ernste Seite, aber schon bei Streifen wie „Manborg“, „Father’s Day“ oder der überraschend guten Neuauflage „Leprechauns Returns“ bewies der Mann, dass er amüsanten Horror bestens beherrscht. Die Inszenierung ist kreativ, verspielt und teilweise ziemlich verrückt, nur um in manchen Momenten dann fast wieder kommerziell zu wirken. Hinzu gesellen sich abgefahrene Effekte, die herrlich retro erscheinen, weil sie eben überwiegend von Hand gemacht wurden. Die ganzen Wesen sehen richtig schön kreativ gestaltet aus und auch der Psycho Goreman ist eine Wucht. Die vielen Lichteffekte könnten so direkt aus den 80ern stammen, was hier positiv verstanden werden soll. Außerdem splattert es ab und zu noch schön, wobei die Freigabe ab 16 Jahren hier schon verrät, dass es nicht zu derb wird. Das ist etwas schade, denn mehr wäre definitiv nicht verkehrt gewesen, aber der Blutgehalt geht dennoch in Ordnung und der Soundtrack macht dem Wort „retro“ ebenfalls alle Ehre.
 
 
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Über die Darsteller kann man sich übrigens nicht beklagen. Es ist immer mutig Kinder in Hauptrollen zu stecken, denn viele Filme scheiterten schon daran. Mit der Figur von Mimi macht es sich „Psycho Goreman“ ebenfalls nicht leicht, denn nicht jeder wird etwas mit dem rotzfrechen Gör anfangen können. Da befindet man sich auf einer schmalen Linie zwischen cool und nervig. Nita-Josee Hanna macht ihre Sache aber ganz ordentlich und Owen Myre agiert angenehm zurückhaltend. Die Rollen der Eltern hätten etwas markanter ausfallen dürfen, gehen jedoch in Ordnung und Matthew Ninaber ist in der Rolle des Psycho Goreman einfach herrlich. Zum Glück verfehlt hier auch die deutsche Synchronisation ihren Zweck nicht. Nebenbei bekommt man sogar eine einigermaßen stimmige Figurenzeichnung geboten, die teilweise bewusst kitschig ist, teilweise aber auch erfreulich stark auf gewisse Klischees verzichtet.
 
 


 
 
 

PSYCHO GOREMAN – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
„Psycho Goreman“ besitzt ganz klar seine Schwächen, aber diese können dem Sehgenuss kaum etwas anhaben und man hat es hier mit einem potenziellen Kultfilm zu tun. Die Story ist völlig simpel, aber herrlich kreativ und man hat hier einfach dermaßen viele Zutaten vermischt, dass die Atmosphäre kaum vielseitiger sein könnte. Das geht über Sci-Fi bis hin zu Fantasy und endet in einer albernen Komödie, die manchmal sehr kindlich-naiv wirkt. Mit dem Humor muss man sich arrangieren können, aber das ist einfach Geschmackssache. Auch sollte man auf altmodische Effekte stehen, aber sowieso schreit einfach alles an „Psycho Goreman“ nach retro. Das wurde handwerklich ordentlich gemacht, besitzt einen klasse Unterhaltungswert, gute Darsteller, wunderbare Effekte und ein paar echt gelungene Lacher. Zwar können einem manche Figuren etwas auf den Keks gehen und für mehr Gore wäre man bei dem Titel ebenfalls dankbar gewesen, doch alles in einem ist dieser Film köstlich und dass er mit viel Herz gemacht wurde, bemerkt man ebenfalls. Gerne eine Fortsetzung davon!
 
 


 
 
 

PSYCHO GOREMAN – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Psycho Goreman“ ist ungeschnitten und überraschenderweise bereits für Zuschauer ab 16 Jahren geeignet.
 
 
 


 
 
 

PSYCHO GOREMAN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Films (Blu-ray im KeepCase)

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(c) Koch Films (Mediabook – Cover A – Koch Films Shop exklusiv)

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(c) Koch Films (Mediabook – Cover C)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Psycho Goreman; Kanada 2020

Genre: Horror, Komödien, Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 95 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase mit Wechselcover | Mediabooks

Extras: Audiokommentar des Regisseurs, Interview mit Steven Kostanski, Interviews mit Cast & Crew, Deleted Scene, Behind the Scenes, Bildergalerie

Release-Termin: KeepCase: 22.04.2021 | Mediabook: 25.02.2021

 

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PSYCHO GOREMAN – Trailer

 
 



 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Koch Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Wes Craven’s Wishmaster (1997)
 
Hellraiser – Das Tor zur Hölle (1987)
 
Masters of the Universe (1987)
 
Flash Gordon (1980)
 
Turbo Kid (2015)
 

Filmkritik „Wrong Turn – The Foundation“ (2021)

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WRONG TURN – THE FOUNDATION

(WRONG TURN)

Story

 
 
 

Eine Gruppe junger Wanderer kommt am Appalachen-Trail vom rechten Weg ab und zahlt dafür mit dem Tod.

 
 
 


 
 
 

WRONG TURN – Kritik

 
 
 
Jedes Horrorfilm-Franchise hat seine Antihelden. NIGHTMARE ON ELM STREET hat Kultkiller Freddy, FREITAG DER 13. lässt Hockeymasken-Mörder Jason auf Teenager los und TEXAS CHAINSAW MASSACRE wäre ohne den kettensägenschwingenden Leatherface nur halb so beliebt. Was aber, wenn man aus diesen Filmreihen das streicht, was sie berüchtigt gemacht hat. Genau dieses Experiment ist man bereits in den 1980ern mit HALLOWEEN III und der Serie FREDDY’S NIGHTMARES eingegangen. Dort entfernte man die Horrorikonen Michael Myers und Freddy Krueger. Das Ergebnis war wenig überraschend. Erwähnte Produktionen kamen beim Publikum gar nicht gut an. Berechtigte Kritik, die nun offenbar auch CONSTANTIN FILM mit seiner Endlos-Reihe WRONG TURN riskieren möchte. Im Jahr 2018 wurde nämlich bekannt, dass man dem Franchise neues Leben mit einem Reboot einverleiben wollte. Ein nur allzu berechtigtes Vorhaben machten sich die letzten Ableger der WRONG TURN-Reihe weniger durch Ideen und Qualität einen Namen als vielmehr mit Gewalt, schlechten Effekten und Zensurproblemen.
 
 
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Ein Neustart war demzufolge unausweichlich. Nun steht dieser an, kommt ins Kino und spult vertraute Abläufe ab. Alles beginnt mit einem aufgewühlten Vater (MATTHEW MODINE aus 47 METERS DOWN). Der macht sich auf die Suche nach Tochter Jen (CHARLOTTE VEGA), die sich seit Wochen nicht meldet. Die Sorgen sind groß, kann die New Yorkerin nicht mehr erreicht werden. Das Telefon ist aus und auch sonst herrscht Funkstille. Ob da etwas passiert ist? Ganz abwegig ist der Gedanke nicht. Die junge Frau hatte sich nämlich mit einigen Freunden auf den Weg zum Appalachian Trail gemacht. Dort wollte man etwas Wandern und die Natur erkunden. Eine spannende Reise, die aber bald in Horror umschlägt – wie Rückblenden erklären. Trotz Warnungen von Einheimischen hält man sich nicht an Wegmarkierungen. Die Strafe folgt auf dem Fuß. Man stapft in sonderbare Fallen und bekommt es mit der Angst zu tun. Als man wieder klare Gedanken fassen kann, befindet man sich in den Fängen einer ominösen Gemeinschaft. Die ist nicht gut auf neugierige Wanderer zu sprechen, welche fernab der üblichen Waldwege herumschnüffeln.
 
 
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Alles auf null und doch ganz anders. Der WRONG TURN-Neuanfang ist eine Sache, die bei eingefleischten Fans der Filmreihe so gar nicht auf Begeisterung stoßen wird. Das Problem: die Erwartungshaltung. Was in diesem Reboot fehlt, sind nämlich die deformierten Hinterwäldler, welche in der Original-Serie für Angst und Schrecken gesorgt haben. Diese wurden entfernt und durch eine mysteriöse Gemeinschaft von Bergbewohnern ersetzt, die seit Mitte des 19. Jahrhundert im Osten der Vereinigten Staaten autark leben und alles daran tun, damit man deren verborgenes Dorf nicht findet. Klingt natürlich weitaus langweiliger, als entstellte Kannibalen, die niederen Instinkten frönen. Aber wir geben Entwarnung. Das Quasi-Remake von WRONG TURN ist ganz ordentlich, orientiert sich in der Machart an den Sekten-Thriller MIDSOMMAR und lässt sogar Fans des blutigen Handwerks nicht unbefriedigt zurück. Subtile Gesellschaftskritik gibt es übrigens gratis dazu.
 
 
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Mehr Thrill statt Horror lautet die Devise. WRONG TURN von 2021 ist in erster Linie ein Survival-Thriller und will mit Backwood-Horror so gar nichts mehr zu tun haben. Eine weise Entscheidung von Drehbuchautor ALAN B. MCELROY, auf dessen Kappe bereits das Drehbuch zum Original von 2003 geht. Der hat hier eine weitaus erwachsenere Geschichte zu Papier gebracht, die von MIKE P. NELSON inszeniert wurde. Letzterer hat offenbar Blut im Horror-Genre geleckt. Zuletzt führte er Regie beim Endzeit-Horror THE DOMESTICS und bewies eindrucksvoll, dass er sich gut mit Spannung und Überlebenskämpfen auskennt. Gute Voraussetzungen, um WRONG TURN zu alten Qualitäten zurückzuführen. Was da nämlich in den letzten Teilen zugemutet wurde, war keine Sternstunde des Horrorkinos.
 
 
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So teilt sich das Reboot in zwei Handlungsstränge auf und hetzt seine Helden sprichwörtlich in ein ungewisses Abenteuer. Während der eine vom sorgenden Vater Scott erzählt, der sich auf die Suche nach der verschollenen Tochter begibt, berichtet die andere von jungen Leuten, die durch eine Reihe von Umständen in den eigenen Tod schlittern. Das mag zwar alles etwas konstruiert anmuten, wird aber von Regisseur MIKE P. NELSON derart rasant zum Ende geführt, dass kaum Zeit zum Verschnaufen bleibt. Erst im Finale kreuzen sich beide Handlungsstränge und laufen ineinander. Adrenalin-Horror hat nie besser funktioniert.

 
 


 
 
 

WRONG TURN – Fazit

 
 
8 Punkte Final
 
 
Weg vom Splatter-Nonsens hin zum Spannungskino. Das Remake, Reboot oder wie man auch immer die Neuauflage bezeichnen möchte, hat mit der vertrauten Reihe kaum noch etwas gemein. Die beliebten Bösewichte hat man aus dem Drehbuch radiert und der Gewaltpegel wurde nach unten geschraubt. Ein gewagtes Unterfangen, das dennoch sehenswert ist. WRONG TURN von 2021 hat eine toughe Heldin, hervorragende Darsteller und eine ordentliche Portion Spannung. Hinzukommt, dass er technisch endlich mal wieder Kinoqualität erreicht und auch noch gut getrickste Spezialeffekte in petto hat. Da sieht man gern über die Tatsache hinweg, dass es vielleicht besser gewesen wäre, wenn man den Schocker unter anderem Titel vermarktet hätte. So muss sich der Film missgünstigen Vergleichen eingefleischter Fans der Originalreihe stellen, die jetzt schon – gelinde gesagt – unfair sind. Bleibt nur noch zu erwähnen, dass sich jeder Zuschauer am Ende die Frage stellen wird, wie man diesen WRONG TURN fortsetzen könnte. Viele Optionen werden nicht gegeben. Wir meinen aber, dass man vermutlich Wege finden wird, um einen Spagat zu den Bösewichten der Originalserie zu ziehen. Dazu ist das Fan-Echo einfach zu wichtig für CONSTANTIN FILM – schließlich will das Filmunternehmen in Zukunft weiter diese lukrative Kuh melken.
 
 
 


 
 
 

WRONG TURN – Zensur

 
 
 
Das Remake / Reboot von WRONG TURN hat in Deutschland eine Freigabe ab 18 Jahren erhalten. Diese Filmfassung ist ungeschnitten. Es werden zermatschte Köpfe gezeigt, eine Figur fällt in eine Falle mit Holzpfählen und Augen werden auch noch mit einem heißen Eisen ausgebrannt. Weiterhin gibt es Messereinstiche und Pfeilwunden zu sehen. Demzufolge ist die hohe Freigabe gerechtfertig. Wer aber ein Splatterfeuerwerk und sadistische Morde erwartet, wird enttäuscht werden.
 
 
 


 
 
 

WRONG TURN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Constantin Film (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Wrong Turn – The Foundation; USA 2021

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD HR 5.1, Deutsch DD 2.0, Englisch DTS-HD HR 5.1

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bild: 2.38:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 110 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Audiokommentar (Englisch), Making-of (27 Min.), Deleted Scenes (ca. 8 Min.), Trailer

Release-Termin: KeepCase: 22.07.2021

 
 

Wrong Turn – The Foundation [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

WRONG TURN – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei CONSTANTIN FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Midsommar (2019)
 
The Village – Das Dorf (2004)
 
Kinder des Zorns (1984)
 

Filmkritik: „Slaughter“ (1972)

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SLAUGHTER

Story

 
 
 
Der heimgekehrte Vietnam-Gewaltspezialist Slaughter (Jim Brown) muss mit Schrecken feststellen, dass sein Vater einem Mafia-Attentat zum Opfer gefallen ist. Erstes Umschauen im kriminellen Untergrund führt Slaughter erst zum Erlegen eines Gangsters und infolgedessen in den Knast. Dort macht ihm der Geheimdienst – in Form des großen amerikanischen Übel-Schauspielers Cameron Mitchell – ein verlockendes Angebot. Als Gegenleistung für seine Freiheit soll er einen Mafioso umnieten, der in einer südamerikanischen Bananenrepublik sein Drogenimperium aufgebaut hat. Im unmittelbaren Dunstkreis des Bösewichts: Dominic Hoffo, der Mörder von Slaughters Vater.

 
 
 


 
 
 

SLAUGHTER – Kritik

 
 
Nachdem wir kürzlich mit ZEHN STUNDEN ZEIT FÜR VIRGIL TIBBS einen noch eher seriös aufgemachten Kriminalfilm als einen der Wegbereiter für das afroamerikanische Actionkino der Siebzigervorgestellt haben, dürfen wir Euch heute mit Jack Starretts SLAUGHTER einen Blaxploitation-Knaller reinsten Wassers an die Herzen legen.
 
 
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Hauptdarsteller Jim Brown, das Verkaufsmerkmal des Films, zählt, gemeinsam mit Fred „The Hammer“ Williamson, Richard Roundtree oder Jim Kelly zu den Ikonen dieser Art Film. Vor seiner Zeit als Schauspieler absolviert dieser Bison von einem Mann eine Karriere auf der Position des Fullbacks im American Football, von der die Experten dieses eigentümlichen und ruppigen Sports aus Übersee noch heute schwärmen. Wir reden hier tatsächlich von einem generationsübergreifend herausragenden Talent der Kategorie Pelé, Zidane oder Franz Beckenbauer, würden wir’s denn auf hiesige Verhältnisse übertragen wollen. Der Übergang vom Rasen auf die Bühne, bzw. vor die Kamera gelingt dem Athleten mit Bravour. Er spielt Haupt- und Nebenrollen in Dramen, Literaturverfilmungen, Thrillern und sogar progressiven Western, bevor er zu einem der Gesichter der Blaxploitation wird und sich hinter den populäreren Kollegen nicht verstecken muss. SLAUGHTER ist sein erster Film im Genre. Viele weitere Herrenfilme folgen und – so ist das bei Genres und ihren Spielregeln – ähneln sich schon alle ein wenig. Noch in den frühen Neunzigern reicht die Anwesenheit von Brown als Kommentator aus, um einer der ersten UFC-Shows die nötige sportliche Ernsthaftigkeit zu verleihen.
 
 
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Dem Strickmuster nach schießen, dreschen und bumsen sich die schwarzen Machos durch ihre Filme und haben es mit Gangstern, Hinterwäldlern, Ku-Klux-Klan-Rassisten und anderem Gesocks zu tun. Auch in SLAUGHTER sind die Mafia-Lumpen üble Rassenhasser. Besonders Vatermörder Dominic Hoffo kann die dunkelhäutigen Miteinwohner des Landes überhaupt nicht leiden. Das liegt auch daran, dass seine Freundin, das Gangsterbräutchen Ann (gespielt von einem verblühenden Starlet von einst, Stella Stevens) nur zu gern der sexuelle Lockvogel für den schwarzen Potenzprotz sein möchte. Rassismus-Motivation: Penisneid. Gibt’s bestimmt öfter. Die Tatsache, in Hoffos Rolle den gewohnheitsmäßig am Rad drehenden Charakter-Schreischauspieler Rip Torn (erst 2019 mit stolzen 88 Jahren abgetreten) zu sehen, erfüllt uns natürlich mit besonderer Dankbarkeit.
 
 
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Den Regisseur, Jack Starrett ist das, kennt der geneigte Bahnhofskino-Vorsteher als den Macher zahlreicher Biker-Filme wie RUN, ANGEL, RUN oder THE LOSERS. Als Schauspieler brilliert der texanische Stuntfachmann in der Rolle des unappetitlichen Hilfssheriffs im ersten RAMBO-Film und als in Prügelszenen eingesetzter Nebenrollen-Knecht in so ziemlich jeder Fernsehserie der Siebziger und Achtziger. SLAUGHTER ist sein erster von zwei Blaxploitation-Filmen. Im Folgejahr dreht er noch den knusprigen Damen-Actioner EIN FALL FÜR CLEOPATRA JONES. Im Horrorfilm ist er nur einmal aktiv und lässt 1975 den schrägen „Satansjünger in der Wüste“-Klopper VIER IM RASENDEN SARG aufs Publikum los.
 
 
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SLAUGHTER – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
SLAUGHTER ist ein Aushängeschild des derberen Blaxploitation-Films, dem man seine Low-Budget-Herkunft zwar ansieht, daran aber nichts Negatives erkennen kann. Jim Brown in seiner ersten Genrerolle hat eine Präsenz ohne gleichen und Action-Regisseur Jack Starrett lässt professionell die Fetzen fliegen. Tipp!
 
 


 
 
 

SLAUGHTER – Zensur

 
 
 
SLAUGHTER erschien auf VHS in Deutschland nur in einer um 38 Sekunden geschnittenen Veröffentlichung. Wie die meisten Exploitationfilme in den 1980ern wurde auch SLAUGHTER auf dem Index gesetzt. Von 1983 bis 2008 war der Streifen indiziert. Auf DVD erschien der Kultfilm nie. Das ändert sich aber jetzt. Der Anbieter WICKED VISION hat SLAUGHTER neu prüfen lassen und erhielt für die ungeschnittene Fassung eine Freigabe ab 16 Jahren. Diese befindet sich auf der erhältlichen DVD und Blu-ray. Geil!
 
 
 


 
 
 

SLAUGHTER – Blu-ray

 
 
 
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(c) Wicked-Vision (KeepCase Blu-ray – auf 1.500 Exemplare limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Slaughter; USA 1972

Genre: Thriller, Action, Drama, Krimis

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 92 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Scanavo-Box

Extras: Europäische HD-Premiere, Sammelschuber für 10 Filme mit Spottlack-Veredelung, Von LSP-Medien restauriertem Kinoton, 24-seitiges Booklet mit einem Essay von Christoph N. Kellerbach, Exklusiv: Audiokommentar mit Dr. Gerd Naumann und Christopher Klaese,
Exklusiv: „Der Gangster als stilbewusster Antiheld“ Episode 1, Deutscher Kinovorspann, Originaltrailer, Bildergalerie, DVD mit dem Hauptfilm

Release-Termin: Scanavo-Box: 18.12.2020

 

Slaughter [Blu-ray + DVD] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

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Unterstützt WICKED VISION und kauft die hochwertige Sammlerveröffentlichung im WICKED Shop!

 
 


 
 
 

SLAUGHTER – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei Wicked-Vision)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Foxy Brown (1974)
 
In der Hitze der Nacht (1967)
 
Die Organisation (1971)
 
Ein Mann sieht rot (1974)
 
Dirty Harry (1971)
 

Filmkritik: „Jason und die Argonauten“ (1963)

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JASON UND DIE ARGONAUTEN

(JASON AND THE ARGONAUTS)

Story

 
 
 
Der Thron Thessaliens ist vom Umstürzler Pelios übernommen worden, der dafür die halbe Königsfamilie ausradiert. Überlebender ist sein Neffe Jason, ein Liebling der Götter. Unter dem Schutz des Olymps macht sich der junge Krieger auf, das legendäre Goldene Vlies zu finden. Mit der Hilfe dieses magischen Widderfells will Jason den Bösewicht wieder absetzen. Für die gefährliche Seereise mit seinem Schiff, der Argo, rekrutiert er weitere Helden, die er für den Kampf mit goldenen Titanen, Harpyien, Skeletten und der Hydra auch braucht.

 
 
 


 
 
 

JASON UND DIE ARGONAUTEN – Kritik

 
 
JASON UND DIE ARGONAUTEN ist die Verfilmung der griechischen Heldensage vom Goldenen Vlies. Somit ist das Drehbuch 2300 Jahre alt, könnte man witzeln. Penible Geschichts-, bzw. eher Altertums-Nerds werden bemerken, dass im Film andere Figuren über den Jordan gehen als in der Vorlage. Hat man seinen Gustav Schwab nicht verinnerlicht, stört diese Abweichung freilich kaum.
 
 
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Ein weiterer toller Film, der schon zu Kinozeiten, mehr aber noch durch die Verwertung als Homevideo und Fernsehausstrahlung und die daran gekoppelte Berichterstattung in Filmliteratur und -Journaille über die Stop-Motion-Effekte des Visual-Großzauberers von Hollywood, Ray Harryhausen ist natürlich gemeint, definiert wird. Letztes Jahr wäre er 100 Jahre alt geworden. Nehmen wir nur den Schwertkampf mit der vielköpfigen Hydra und verwandeln uns wieder in Zehnjährige, die das Kino der Phantastik gerade neu für sich entdecken dürfen. Wie auch bei den SINDBAD-Filmen dieser Zeit folgt Harryhausens Technik, seine so unglaublich minutiös fotografierten, nach dem eigentlich simplen Prinzip des Daumenkinos funktionierenden Miniaturen und die antiken Traumlandschaften auf seinen Matte-Painting-Hintergründen, direkt auf die Arbeitsweise George Meliès, ist also der lineare Nachfolger des französischen Erfinders der Vision vom Kino als – im wahrsten Sinne des Wortes – Projektionsfläche des Staunens über vorgeführte Unmöglichkeiten.
 
 
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JASON UND DIE ARGONAUTEN ist auch jener Film, in dem die vielleicht bekannteste Sequenz aus der Traumerweckungs-Werkstatt des Meisters zu finden ist: Der Kampf gegen die aus den Zähnen der Hydra zum Leben erwachten Skelette. Allein diese, vier Monate der Kleinstarbeit beanspruchende Szene eines an herrlichen Ideen nicht gerade armen Films ist ein erklärter Meilenstein der Spezialeffekt-Geschichte und taucht als Zitat in unzähligen Filmen oder auch Videospielen auf.
Für Regisseur Don Chaffey ist der Film die Eintrittskarte für eine langjährige Karriere bei Walt Disney, wo er unter anderem den schrägen ELLIOT DAS SCHMUNZELMONSTER dreht. Auch beim Fernsehen und schließlich im Hause Hammer in England findet er Aufträge – wenn auch eher in den fürs Stamm-Horrorpublikum ungewohnten Fantasy- und Historienfilmen des beliebten Studios.
 
 
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In der Rolle des Herkules sehen wir Nigel Green, mehr oder minder die Definition eines Kultfilm-Schauspielers, Filmfreunden ist dieses höchstgradig britisch geschnittene Gesicht bekannt aus zahlreichen Abenteuerschinken wie DAS SCHWERT DES ROBIN HOOD, 1960, damals angesagten Agentenreißern (IPCRESS – STRENG GEHEIM, 1965 oder HEISSE KATZEN, 1967) und ganz besonders historischen Kriegsfilmen ZULU, 1964 oder KHARTOUM, 1966). Auch im Horrorgenre taucht Green immer mal auf. So etwa neben Vincent Price in SATANAS – SCHLOSS DER BLUTIGEN BESTIE, 1964 oder als männlicher Hauptdarsteller neben Ingrid Pitt in Hammers Gräfin-Bathory-Vampirfilm COMTESSE DES GRAUENS, 1971. Ein Jahr danach nimmt er sich leider mit Schlaftabletten das Leben. Auch Honor Blackman aus MIT SCHIRM, CHARME UND MELONE und eines der ersten Bond Girls, ist, als Hera, mit von der Partie und stiehlt dem eher hölzernen Jason-Darsteller Todd Armstrong doch die Show. Meint man gar nicht, ist der doch in der Schauspielschule in Kalifornien ein Jahrgangskollege von Gene Hackman und Dustin Hoffman. 1992 greift er nach einer Schmerzmittelabhängigkeit zur Waffe und reiht sich in den tragischen Club der Filmstar-Selbstmörder ein.
 
 
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JASON UND DIE ARGONAUTEN – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
JASON UND DIE ARGONAUTEN ist ein weiteres Märchen- oder Sagenfilm-Meisterwerk aus bester Technicolor-Zeit. Der Star der Produktion ist erwartungsgemäß hinter den Kulissen zu finden. Ray Harryhausens wunderbar nostalgische Effektarbeit versetzt den Zuschauer in eine Gefühlswelt, die durch immer gleich aufgezogene Horror- oder Phantastikfilme der Gegenwart einfach nicht mehr erreicht werden kann. Erstklassiger Stoff.
 
 


 
 
 

JASON UND DIE ARGONAUTEN – Zensur

 
 
 
JASON UND DIE ARGONAUTEN lief bereits ungeschnitten in den deutschen Kinos mit einer Freigabe ab 12 Jahren. Das hat sich weder auf VHS, DVD oder Blu-ray geändert. Letztere ist ebenso ungeschnitten und besitzt den grünen FSK12-Sticker.
 
 
 


 
 
 

JASON UND DIE ARGONAUTEN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Explosive Media (KeepCase Blu-ray im Schuber)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN

Originaltitel: Jason and the Argonauts; Großbritannien | USA 1963

Genre: Fantasy, Abenteuer

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Instrumental DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.78:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 104 Min.

FSK: FSK12 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase mit Wechselcover mit Schuber

Extras: Deutsche Blu-Ray Erstveröffentlichung von brandneuem HD Master mit tonnenweise Bonus-Material, Isolierte Musiktonspur, Audiokommentar von Ray Harryhausen & Tony Dalton, Audiokommentar von Peter Jackson & Randy Cook, Über Jason and the Argonauts (11:52 Min.), Harryhausens Verdienste (25:32 Min.), Herrmanns Musik (26:51 Min.), Hinter den Kulissen (11:47 Min.), Harryhausen Chronicles (57:55 Min.), This is Dynamation (3:23 Min.), US Kino Trailer 1 (1:23 Min.), US Kino Trailer 2 (3:00 Min.), Bildergalerie (62 Bilder, 3:47 Min.)

Release-Termin: KeepCase: 03.12.2020

 

Jason und die Argonauten [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

JASON UND DIE ARGONAUTEN – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei Explosive Media)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Kampf der Titanen (1981)
 
Sindbads siebente Reise (1958)
 
Die geheimnisvolle Insel (1961)
 

Filmkritik: „Deathstalker – Der Todesjäger“ (1983)

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DEATHSTALKER – DER TODESJÄGER

(DEATHSTALKER)

Story

 
 
 
Unser Titelheld ist ein umhervagabundierender Schwertmann, der lieber für das Gute antritt. Eine Hexe gibt ihm die Mission, verschiedene magische Relikte aufzutreiben, von denen sich zwei im Besitz des Magier-Diktators Munkar befinden. Auf dem Weg zu diesem Munkar schließen sich dem Deathstalker die knapp bekleidete Kriegerin Kaira und ein findiger Taschendieb an. Sie nehmen an Kampfturnieren teil, deren Sieger zur nächsten Turnier-Runde auf Munkars Festung eingeladen werden. Wäre doch gelacht, wenn unsere Eisenbeißer nicht alle Kräfte bemühen könnten, um dem üblen Hexer das Handwerk zu legen.

 
 
 


 
 
 

DEATHSTALKER – Kritik

 
 
Passt alles. Die Gewalt ist ordentlich, Langeweile gibt’s nicht und man wird beim Anschauen des Films sofort wieder neun Jahre jung. Die Kaira spielt Lana Clarkson, jene ultra-amerikanisch aussehende Amazone, die in so manchem dieser Filme zu bewundern ist und 2003 von ihrem Mann, dem legendären Musikproduzenten Phil Spector, über den Haufen geballert wird. Angestachelt vom Erfolg des DEATHSTALKER lässt Produzent Roger Corman (ja, an dem Mann führt nix vorbei – niemals!) die Zelte am argentinischen Drehort gleich stehen und improvisiert der fitten Lana den auch geilen BARBARIAN QUEEN auf den knusprigen Leib. Prinzessin Codille wird von Barbi Benton gegeben, die eine ähnliche Biographie vorzuweisen hat, jedoch nicht erschossen wurde. Bisher noch nicht zumindest. Hach, die Barbarenfilm-Welt der frühen Achtziger! Ausgelöst vom Erfolg des geilsten aller Schwarzenegger-Böller, CONAN DER BARBAR, entfaltet sich eine regelrechte Schattenindustrie der Muskelidioten-Meisterwerke. Eine Schattenindustrie, der man noch heute jeden Abend ein Kerzchen anzünden und ein Käsebrot opfern sollte, aus Dank für all die so mordsmäßig unterhaltsamen Trash-Raketen, deren Ästhetik zwischen World Wrestling Federation, den Pulp-Gemälden Frank Frazettas und Dungeons & Dragons-Rollenspielen zuhause ist.
 
 
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Wie bei DEATHSTALKER! Man denkt, es habe zwischen 1982 und etwa 1988 ein inoffizieller Wettstreit bestanden. Ein Turnier, in dem die rücksichtslosesten Regie-Söldner aus den USA, Italien, bis rüber auf die Philippinen beweisen müssen, wer den geilsten Muckibude-gegen-Plastikmonster-Sudelfilm aufs von jeder inneren Qualitätskontrolle befreite Publikum loslassen kann. Wer dieses Turnier auf Produzentenseite für sich entscheiden konnte, wissen wir nicht. Was wir allerdings wissen, ist der erste Platz auf dem Siegertreppchen für den Zuschauer.
 
 
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Kinder, es gibt an manchen Tagen nichts Besseres, als Filme, in denen Bodybuilder ohne Schauspielerfahrung mit weiß glänzenden Raubtierzähnen durch das kalifornische oder römische Hinterland stapfen. Dort treffen sie auf ehemalige Playboy-Bunnys mit unglaublich hochgesprühten Mähnen, G-Strings und manchmal sogar Silikonhupen der garstigen Achtziger-Herstellungsweise – also zwei bewegungslos unter gespannter Haut steckende Tennisbälle, durch deren Mitte ein Motorrad fahren könnte. Dann noch ein Dieb, Elf, Zwerg, untalentierter Zauberer oder anderer Standard-Fantasy-Nebencharakter und die Sache kann losgehen. Gemeinsam muss die Crew wahlweise eine Prinzessin befreien, einen tyrannischen Herrscher stürzen oder einem schlecht in Stop-Motion, Pappmaché oder Pappmaché-Stop-Motion verwirklichtes Riesenmonster Mores lehren.
 
 
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Barbarenfilme sind immer gleich. Ja, gegen den variationsarmen und eigentlich nicht zu begreifend immer unterhaltsamen Stumpfsinn nach Conan sind Genres wie Italo-Western, Kung-Fu-Filme oder Porno-Best-Ofs Blumensträuße der Abwechslung. Trotzdem: Auf der Beerdigung des Rezensenten wird neben LSD-Zwang, einer Free Jazz Band und einem Ringkampfturnier auf ein 48-Stunden-Barbarenmarathon laufen.
 
 
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DEATHSTALKER – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
Ihr seht, heute steht hier der Text eines Genre-Liebhabers. Im vollbesetzten Umkleidepuff der Barbarenfilme trägt DEATHSTALKER, der erste von insgesamt vier Teilen, eine Kapitänsbinde. Wer Fantasy mag, die statt ätherischer Tolkien-Pose lieber rülpst und ihrem Nächsten auf die Nase haut, der kommt an dieser gut gelaunten Sonnencreme-Rakete von einem Film nicht vorbei.
 
 


 
 
 

DEATHSTALKER – Zensur

 
 
 
1985 wurde DEATHSTALKER in der deutschen, ungeschnittenen FSK 18-VHS indiziert. Nach Ablauf der 25-Jahres-Frist erfolgte die Listenstreichung, was das Label daredo / Soulfood im Jahr 2018 dazu veranlasste den Kult-Trash auf Blu-ray in Deutschland angeschnitten zu veröffentlichen. Die erhältliche Fassung auf Blaustrahl ist daher ungeschnitten und komplett. Auf dem Cover befindet sich ein roter FSK-Flatschen.
 
 
 


 
 
 

DEATHSTALKER – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) White Pearl Movies (KeepCase Blu-ray)

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(c) White Pearl Movies (Mediabook mit Blu-ray + DVD auf 1500 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Deathstalker; Argentinien | USA 1983

Genre: Fantasy, Action, Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 2.0

Untertitel: keine

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 80 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook | Blu-ray im KeepCase ohne Wechselcover

Extras: Originaltrailer (2:03 Min.), Artworkgalerie (2:42 Min., 27 Bilder) | zusätzlich im Mediabook: Film auf DVD, 16-seitiges Booklet mit Infos zu Film und Darstellern sowie vielen Bildern

Release-Termin: Mediabook: 24.08.2018 | KeepCase: 23.10.2020

 

Deathstalker – Der Todesjäger [Mediabook mit Blu-ray + DVD] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Deathstalker – Der Todesjäger [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

DEATHSTALKER – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei White Pearl Movies)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Mystor – Der Todesjäger II (1987)
 
Red Sonja (1985)
 
Conan der Barbar (1982)
 

Filmkritik: „Becky“ (2019)

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BECKY

Story

 
 
 
Die rebellische Becky und ihr verstrittener Vater geraten in das Visier einer Gruppe geflüchteter Häftlinge, als sie eigentlich am idyllischen Seehaus die Wogen der Verhangenheit glätten wollten.

 
 
 


 
 
 

BECKY – Kritik

 
 
Weniger als eine halbe Sekunde ertönt ein lautes, verzerrtes Geräusch, Schnitt und die Teenagerin Becky erzählt der Psychologin und dem Polizisten im lichtüberfluteten Raum, sichtlich verstört, was passiert ist – Flashbacks einer hektischen Flucht durch den Wald, schrille Synthesizer-Sirenen und die Einblendung „Zwei Wochen vorher“ später werden sowohl im Gefängnishof, Dominicks (Kevin James) Revier, einem Neonazi mit dickem Hakenkreuz auf dem Schädel, als auch in der Schule, Beckys Revier, einzelne Leute von einer Gruppe verprügelt. Foreshadowing auf heftigste Gewalteinlagen, die jedoch noch einige Rückblenden zur krebskranken Mutter und überzeugend geschriebene Dialoge zwischen Vater und pubertierender Tochter lange auf sich warten lassen müssen…
 
 
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Einerseits habe ich nie mehr als ein paar synchronisierte Schnipsel „King of Queens“ im Fernsehen gesehen, die mir aber nie sonderlich gefallen haben, weshalb ich keine Angst hatte, Kevin James hier nach jahrelanger Prägung nicht mehr in einer anderen Rolle sehen zu können, andererseits aber hat genau diese fehlende Vorerfahrung mit seinem Werk auch dazu geführt, dass ich ihn voll und ganz negativ mit ideenlosen, selbstverliebten Non-Comedies wie Pixels oder Kindsköpfe 2 assoziiert habe. Was genau von seiner Performance als humorloser Neonazi in „Becky“ zu erwarten sein würde, war mir also ein Mysterium und auch wenn James hier nie mit der Wucht eines Patrick Stewarts aus „Green Room“ z.B. agiert, so bin ich froh berichten zu können, dass dieser deutlich weniger ernste Film das – ganz im Gegensatz zum teils grässlich realistischen Nazi vs. Punker-Highlight – auch gar nicht nötig hat.
 
 
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Denn „Becky“ ist seine gesamten, schlanken 86 Minuten lang nur auf eines aus und das ist, möglichst gut zu Unterhalten: Der stringente Drei-Akt-Aufbau unterfüttert die Charaktere zu Beginn zwar noch mit wenig genutztem Konfliktpotential und scheint interessiert am Familiendrama, doch innerhalb von Sekunden wird durch gekonnte Match Cuts eine aufeinander zu laufende Montagesequenz gestartet, die sich alsbald mit einem an der Tür klopfendem Neonazi und seinen Mitflüchtlingen entlädt. Gerade die höfliche Fassade beherrscht James hier bestens, doch auch der restliche Cast macht seine Sache überzeugend genug, allen voran die 15-Jährige Hauptdarstellerin Lulu Wilson, deren energische Anti-Haltung ich schnell abkaufen konnte. Es wird unüblich realistisch und geerdet mit ihren Plänen, Ideen und Angriffen umgegangen, die Bösartigkeit oder Erbarmungslosigkeit eines „Agression Scales“ wird dabei nie erreicht, dafür ist dieser stets gut beleuchtete, auf Hochglanz polierte Film aber deutlich expliziter, wenn es dann mal drastisch wird. Die comichafte Überzeichnung des gnadenlos tötenden Teens fokussiert sich dabei bewusst auf die Splatstick-Einlagen selber, so dass der Film an sich nicht zur reinen Farce verkommt. Die hausbesetzenden Gangster gehen zwar auch kaltschnäuzig vor, zu zynische oder ausgewälzte Foltereinlagen sind aber zum Glück nicht zu befürchten.
 
 
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Dem rasanten sowie blutigen, dauerhaft kurzweiligen Geschehen streckenweise die Show stehlen tut nun noch der hochmotivierte, treibende, teils experimentell wirkende Electro-Tribal-Soundtrack, der zwischen gezupften Synthesizern und schnaufend-kriegerischen Sounds tänzelt und den Film gelungen nach vorne leitet. Wirklich neu oder allzu kreativ ist nichts davon, viele der Szenen hat man so oder so ähnlich bereits x-mal gesehen und auch Logik oder Charakterverhalten sollte man nicht immer hinterfragen – doch bei einer solch selbstbewussten tongue-in-cheek-Inszenierung können derlei Mängel gerne verziehen werden. Der schwarzhumorigere, wenn auch harmlosere Weihnachtstipp „Better Watch Out“ ist spontan eine Spur besser gespielt und origineller geschrieben, im Vergleich zum sehr ähnlich gelagerten „The Aggression Scale – Der Killer in dir“ hingegen, hat dieser Streifen der „Coonies“-Macher die Nase ein wenig vorne.
 
 
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Wer also gerne brachiale, und dadurch aber eben so witzige und kaum ernst zu nehmende, trotzdem schmerzende Gore-Einlagen in seinen Geiselthrillern mag, wer auf kurzweilige und trotzdem spannende Filme steht oder wer einfach mal Kevin James in einer relativ ernsten Rolle sehen will, der sollte bei „Becky“ definitiv die Anlage aufdrehen, das Hirn auf Durchzug stellen und sich an cleveren Katz- und Maus-Spielen erfreuen, bevor aus rhetorischer Kriegsführung blutige Kämpfe mit improvisierten Stichwaffen und realistisch bedrohlichen Hunden werden.
 
 


 
 
 

BECKY – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
Kein irrsinnig hübscher, grandios geschriebener oder oscarreif gespielter Film, auch keiner mit sonderlich viel Raffinesse – doch wenn ich bei jedem Kill schnauben, aufheulen oder lachen muss und sich in knapp 90 Minuten trotz oft gesehener Prämisse keine Länge auftut, hat ein Film sehr viel sehr richtig gemacht.
 
 


 
 
 

BECKY – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Becky“ ist mit dem roten FSK-Flatschen vollkommen ungeschnitten. Das verwundert, da „Becky“ doch schon recht zeigefreudig in Sachen Gewalt ist.
 
 
 


 
 
 

BECKY – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Splendid Film (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Becky; USA 2020

Genre: Horror, Thriller, Action, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Niederländisch

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 94 Min.

FSK: keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Interviews, Behind the Scenes

Release-Termin: KeepCase: 30.10.2020

 

Becky [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

BECKY – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Splendid Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Aggression Scale – Der Killer in dir (2012)
 
Hostage – Entführt (2005)
 
Better Watch Out (2016)
 
Deadly Home (2015)
 
Deadly Games (1989)
 

Filmkritik: „Happy Times – Ein blutiges Fest“ (2019)

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HAPPY TIMES – EIN BLUTIGES FEST

(HAPPY TIMES)

Story

 
 
 
In „Happy Times“ wird ein eigentlich als freudiger Anlass geplantes Familienfest zu einem blutrünstigen Massaker, bei dem niemand so richtig unschuldig ist.

 
 
 


 
 
 

HAPPY TIMES – Kritik

 
 
Dass Familienfeiern oftmals gnadenlos nach hinten losgehen und sich verschiedene Parteien an die Haare wollen, ist nicht nur ein Filmklischee, sondern kann auch in der Realität durchaus mal vorkommen. Dass es hinterher allerdings mit Leichen endet und jede menge Blut fließt, kommt im realen Leben wohl zum Glück seltener vor. „Happy Times“ zeigt ein solches Szenario und kommt dermaßen überzogen daher, dass er durchaus Spaß macht.
 
 
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Yossi und Sigal besitzen ein luxuriöses Haus in Hollywood und laden die Familie zu einem Festmahl ein. Darunter befindet sich z.B. der Cousin von Sigal, der mit dem israelischen Gehabe überhaupt nichts anfangen kann und eine Karriere als Schauspieler anstrebt. Er ist dann auch für so manch einen Streit am Essenstisch verantwortlich, doch nach für nach stellt sich heraus, dass hier eigentlich jeder mit jedem ein Hühnchen zu rupfen hat und als dann, mehr oder weniger, versehentlich jemand erschossen wird, ist dem Ansteigen der Leichen kein Einhalt mehr zu gebieten. Eine Familienfeier auf diese Art und Weise durfte man bestimmt noch nicht oft sehen und das Drehbuch kommt erfreulich abwechslungsreich daher. Alleine die politisch unkorrekten Gags und die Rassenwitze im ersten Drittel wirken schon mal erfrischend und könnten so auch direkt aus „South Park“ stammen. Allerdings bleibt es nicht bei diesem satirischen Unterton, sondern die Story macht dann mit Mord- und Totschlag weiter. Auch hier hat man sich kreativ ausgetobt, lässt manche durch einen Unfall, andere durch echte Morde sterben. Das Ganze ist niemals zu vorhersehbar, maßlos übertrieben und einfallsreich, weshalb man der Handlung stets gerne folgt.
 
 
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Dabei lässt sich „Happy Times“ eine gewisse Zeit, was jedoch positiv zu verstehen ist. Es geht zwar gleich mit reichlich Chaos und Streit los, aber mehr als ein Drittel der Laufzeit verläuft alles unblutig. Hier gibt man den Figuren erst mal genügend Stoff, weshalb sie hinterher auf sich losgehen dürfen. Ein Vorteil ist auf jeden Fall die Figurenzeichnung, denn diese kommt äußerst markant daher und ist höchst vielseitig ausgefallen. Jeder Charakter bekommt irgendwann seine Zeit, egal ob er früher oder später stirbt. Deshalb wirkt auch niemand belanglos oder austauschbar. Die vielen Darsteller nehmen das dankend an und erhalten alle irgendwann ihren Höhepunkt. Selbst wer zuvor noch unscheinbar war, darf seine fünf Minuten Ruhm kassieren. Das wird zwar teilweise maßlos übertrieben gespielt, aber das Overacting passt hier einfach und wirkt dadurch niemals nervig. Ein weiterer Punkt, der für Abwechslung sorgt, ist die Tatsache, dass keine Figur so einfach zu durchschauen wäre. Wie hier wer handeln mag, lässt sich zwar erahnen, aber manchmal wird man durchaus überrascht und so entfernt man sich angenehm von Klischee-Rollen.
 
 
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Bis das Ganze an Fahrt gewinnt, vergeht zwar einige Zeit, aber das ist nicht schlimm, weil hier schon für genügend Gags gesorgt wird. Sowieso hat man es bei „Happy Times“ am ehesten mit einer rabenschwarzen Komödie zu tun. Hinterher gesellen sich zwar noch ein paar Motive vom Horrorfilm und vom Thriller mit hinzu, aber das Treiben ist niemals ernst zu nehmen, schon nahezu grotesk und bietet stets bösen Humor. Manchmal übertreibt man es zwar auch etwas zu sehr, so z.B. im nochmals völlig überzogenen Finale, aber überwiegend macht diese Herangehensweise viel Spaß. Dass es nebenbei auch ganz gut blutig zur Sache geht, ist eine schöne Randnotiz. Das artet nie in Splatter-Gefilde aus, besitzt aber einige derbe Momente. Die Effekte sind gut gelungen und sowieso ist die gesamte handwerkliche Arbeit positiv zu vermerken. Das große Haus hat man als Schauplatz bestens genutzt und die Inszenierung gestaltet sich als clever. Nur Spannung kann dabei eigentlich keine aufkommen, denn dafür kann man das Geschehen einfach nicht ernst genug nehmen.

 
 


 
 
 

HAPPY TIMES – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
„Happy Times“ ist eine sehr spaßige und richtig schön böse, schwarze Komödie geworden, die das Familienfest mal auf andere Art und Weise zelebriert. Der Humor wechselt von nahezu satirischen Spitzen hin zum fast schon slapstickartigem Blutvergießen und bietet so genügend Abwechslung. Zwar ist das manchmal schon zu viel Übertreibung und Geschmackssache stellt dieser Humor ganz sicher auch dar, aber meistens wird das treffsicher aufbereitet. Bis es zur Action kommt, vergeht einige Zeit, doch es ist immer etwas los und zu vorhersehbar ist das Szenario dabei niemals. Die handwerklich souveräne Arbeit und die guten Darsteller runden diesen blutigen Spaß ideal ab. Wenn’s mal wieder schwarzer Humor sein darf, dann ist „Happy Times“ absolut empfehlenswert!
 
 


 
 
 

HAPPY TIMES – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Happy Times – Ein blutiges Fest“ ist mit ihrer FSK16 vollkommen ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

HAPPY TIMES – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Meteor Film (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Happy Times; Israel | Italien | USA 2019

Genre: Horror, Thriller, Action, Komödien

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, O-Ton DTS-HD MA 5.1 (O-Ton = Englisch / Hebräisch)

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 93 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Entfallene Szenen, Outtakes, Alternative Szene, Originaltrailer, Deutscher Trailer

Release-Termin: KeepCase: 09.10.2020

 

Happy Times – Ein blutiges Fest [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

HAPPY TIMES – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Meteor Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
You’re Next (2011)
 
Ready or Not – Auf die Plätze, fertig, tot (2019)
 
Secret Santa (2017)
 

Filmkritik: „Koko-di Koko-da“ (2019)

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KOKO-DI KOKO-DA

Story

 
 
 

Ein traumatisiertes Ehepaar muss sich den eigenen Dämonen stellen und dabei einen Camping-Ausflug immer und immer wieder durchmachen.

 
 
 


 
 
 

KOKO-DI KOKO-DA – Kritik

 
 
 
Die Vielzahl von „Und täglich grüßt das Murmeltier“ Varianten ist in den letzten Jahren immer weiter angestiegen. Die schwedisch-dänische Koproduktion „Koko-di Koko-da“ bedient sich nun ebenfalls an dieser Thematik und macht daraus etwas völlig Eigenständiges. Ein höchst spezieller Film, der es aber verdient, angeschaut zu werden.
 
 
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Tobias und Elin sind ein glücklich verheiratetes Paar, doch eines Tages stirbt ihre gerade erst acht Jahre alt gewordene Tochter und seitdem läuft es in der Ehe alles andere als gut. Um vielleicht mal wieder etwas näher zu sich zu finden, planen sie drei Jahre später einen Urlaubstrip und campen dann im Wald. Hier allerdings geht ein seltsamer Mann mit seinen Leuten umher und terrorisiert das Ehepaar. Nach dem Tod ist jedoch noch lange nicht Schluss, denn danach beginnt das Szenario von vorn und ein Entkommen aus dieser Endlosschleife scheint nicht in Nähe zu sein. Das Drehbuch ist höchst ambitioniert und nutzt die „Und täglich grüßt das Murmeltier“ Thematik als eine Metapher für die Trauerbewältigung. Das Szenario ist längst nicht so steif, wie man das aus anderen Vertretern dieser Art kennt und gibt sich ab der zweiten Hälfte deutlich dynamischer. Die Story folgt ihren ganz eigenen Regeln und bleibt dabei stets interpretationswürdig. Die eine richtige Antwort gibt es nicht, aber die ganzen Metaphern wie z.B. der Phönix aus der Asche, lassen sich doch klar erkennen. Herausgekommen ist eine Handlung, die interessant ist, irgendwo sogar wertvoll erscheint und gar nicht mal so sehr am eigenen Anspruch erstickt.
 
 
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Richtig gut gelungen, ist vor allen Dingen die Umsetzung, denn man kennt die zahlreichen Varianten vom Murmeltier ja schon in- und auswendig. Da geht alles immer wieder von vorne los und es werden möglichst viele, einprägsame Momente geschaffen, die man hinterher variieren kann. Ganz anders ist das in „Koko-di Koko-da“. Hier ist die Ausgangssituation die normale Sache, dass Elin sich erleichtern muss. Was zuvor geschehen ist, bekommt man abwechslungsreich gezeigt, denn auch hier ist das Geschehen dynamisch. Man schaut nicht ständig sich wiederholenden Bildern zu, sondern Regisseur Johannes Nyholm rekonstruiert den Abend zuvor bei jedem Neubeginn mit anderen Facetten. Hinterher kann man dem Kreis der Wiederholungen sogar entkommen und spätestens hier bekommt der Film seine ganz eigenen Regeln. Das ist handwerklich so simpel, wie gelungen umgesetzt und braucht tatsächlich keine großen Schauwerte. Hier liegt der Schwerpunkt auf einer Geschichte, die erzählt werden will und die gedeutet werden möchte. Nicht mal die Darsteller werden da besonders gefordert. Sie spielen durchaus sehr gut, scheinen aber stets im Hintergrund zu agieren. Oftmals, während der Autofahrten, sieht man nicht mal ihre Gesichter.
 
 
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Die Atmosphäre hat es in sich und „Koko-di Koko-da“ ist absolut kein Wohlfühlfilm geworden. Am Anfang erreicht man mit ein paar Minuten Laufzeit die Stimmung einer Harmonie innerhalb einer Familie, die man dann auch gleich wieder zerstört. Schon hier befindet sich das Drama auf seinem Höhepunkt. Danach gesellen sich allerdings ein paar Horror-Motive mit zum Geschehen. Der Terror-Einschlag ist nicht riesig, sorgt jedoch für Abwechslung und hier stört es dann ausnahmsweise auch gar nicht mal, dass es kaum grafische Gewalt zu sehen gibt. Besonders schön sind die Schattenspiele mit den Pappfiguren gelungen, die zwei Male einige Minuten Laufzeit in Anspruch nehmen, wichtig für die Message der Handlung sind und zudem von einer wunderbar folkloristischen Musik begleitet werden, dass man fast zu Tränen gerührt ist. Im Kern ist „Koko-di Koko-da“ eigentlich auch kein bitterböser Film, aber seine Atmosphäre wirkt dermaßen trist und trostlos, dass man dies meinen könnte. Mit 86 Minuten Laufzeit hat man übrigens auch alles richtig gemacht. Denkt man anfangs noch, dass das vielleicht sogar etwas zu wenig sein könnte, entstehen so hinterher keinerlei Längen und das Ganze wurde nicht künstlich aufgeplustert.
 
 
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KOKO-DI KOKO-DA – Fazit

 
 
8 Punkte Final
 
 
„Koko-di Koko-da“ bietet eine Mischung aus Mindfuck und Arthouse-Kino, ist so interpretationsfähig, wie gefüllt mit Metaphern und nutzt ein bekanntes Szenario gänzlich eigenständig. Das ist eigenwillig und nicht immer einfach, erzählt aber eine richtig gelungene Story. Gerade weil die Herangehensweise erfreulich dynamisch daherkommt, sorgt das manchmal für echte Überraschungen. Ein intensives Drama mit einigen Horror-Einschüben, welches sicherlich polarisieren kann und mit einer erdrückenden Atmosphäre dient. Sicher nichts für Jedermann, aber für Arthouse-Fans Pflichtprogramm!
 
 
 


 
 
 

KOKO-DI KOKO-DA – Zensur

 
 
 
„Koko-di Koko-da“ besitzt ein paar blutige Momente, die aber niemals explizit werden. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die FSK immer sehr gnädig mit Arthouse-Horror gewesen. Demzufolge würde es nicht wundern, wenn die FSK den Streifen bereits für Zwölfjährige freigibt. Dennoch denken wir, dass „Koko-di Koko-da“ eine FSK16 erhalten wird.
 
 
 


 
 
 

KOKO-DI KOKO-DA – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Stray Dogs)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Pool (2014)
 
Und täglich grüßt das Murmeltier (1993)
 
Edge of Tomorrow (2014)
 
Happy Deathday (2017)