Filmkritik: „Crawl“ (2019)

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CRAWL

Story

 
 
 

In „Crawl“ trifft der Überlebenskampf gegen einen Hurrikan auf den von Alligatoren-Attacken. Ein Vater und eine Tochter müssen sich nämlich gleich gegen Beides verteidigen.

 
 
 


 
 
 

CRAWL – Kritik

 
 
 
Alexandre Aja macht fleißig weiter mit seinen Horrorfilmen und scheint sich dabei nie auf ein gewisses Subgenre festzulegen. Der Mann hat Klassiker wie das Terrorkino „High Tension“ oder das Remake von „The Hills Have Eyes“ im Gepäck, geht aber auch gern mal den spaßigeren Weg wie in „Piranha 3D“. Also Tierhorror ist ihm nicht fremd und dennoch ist der simpel betitelte „Crawl“ mal wieder ganz anders. Sowieso ist es lange her, dass das Tierhorror-Genre es auf die große Leinwand geschafft hat und nun kommt Herr Aja daher und zaubert einen völlig ironiefreien, teilweise fast unerträglich spannenden Beitrag hervor.
 
 
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Mitten in der Hurrikansaison sucht die junge Haley nach ihrem Vater. Ein bedrohlicher Hurrikan zieht auf, doch Dave meldet sich einfach nicht. Die Vermutung liegt nahe, dass er sich noch im abgesperrtem Bereich befindet, also pfeift Haley auf alle Warnungen und begibt sich dorthin. Sie findet ihren Vater auch, aber unter dem Haus, schwer verletzt. Nun will sie ihn retten, doch ein paar Alligatoren machen das schwerer, als zunächst vermutet und ein Überlebenskampf der Extraklasse darf beginnen. Dass Haley Hochleistungsschwimmerin ist und die Beziehung zu ihrem Vater schwer angekratzt ist, kommt dem Szenario natürlich sehr entgegen. Dieses Drehbuch wird nie und nimmer Innovationspreise gewinnen können, denn dafür fällt alles viel zu zweckdienlich und vorhersehbar aus. Das Gute daran ist, dass dies gar nicht notwendig ist, denn diese Handlung funktioniert wunderbar. Die Figuren werden nur ganz leicht charakterisiert. Man gibt ihnen den Hintergrund, der notwendig ist und das reicht völlig aus. Denn nach einer wirklich nur kurzen Einleitung geht „Crawl“ sofort zur Sache und hier zeigt sich dann das Talent von Alexandre Aja.
 
 
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Der Film ist nämlich echt stark inszeniert. Aja hält sich gar nicht lange damit auf, die Bedrohung nur anzudeuten, was oftmals im Tierhorrorbereich ein großer Nachteil sein kann. Hier ist das anders, weil die Spannungsschraube tatsächlich immer mehr angezogen werden kann. Das liegt allerdings auch mit daran, dass hier mehrere Gefahren aufeinanderprallen und „Crawl“ so einen richtigen Genremix darstellt. Da hätten wir natürlich den Tierhorror, der absolut nicht zu kurz kommt, denn die fiesen Alligatoren dürfen so manches mal angreifen. Zusätzlich gibt es aber eben die Naturkatastrophe, die gleich zweierlei Gefahren mit sich bringt. Den Hurrikan und das Hochwasser. Besonders letzteres bekommt viel Aufmerksamkeit spendiert und da fühlt sich der Zuschauer plötzlich wieder wie in einem waschechten Katastrophenfilm. Beide Komponenten miteinander zu verbinden, ist clever und funktioniert besonders durch die tolle Regie von Aja so hervorragend. Der zaubert nämlich immer wieder dermaßen spannende Situationen auf die Leinwand, dass man sich nur fest gegen den Kinosessel pressen kann. Dabei mag manches vorhersehbar sein und mit der Logik nimmt es der Film auch nicht immer so genau. Zumindest darf man anzweifeln, dass das Verhalten der Alligatoren immer plausibel ist und so eine Duschkabine ist mit Sicherheit auch nicht so stabil, doch man ist „Crawl“ im Endeffekt nicht böse dafür, weil er solche kleinen Ungereimtheiten dafür nutzt, um noch mehr Spannung aus dem Szenario herauszuholen.
 
 
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Daneben wird der Film ordentlich gespielt und das eigentlich nur von zwei Darstellern. Besonders Kaya Scodelario verdient dabei Lob, denn sie spielt sehr authentisch und man kauft ihr die toughe, junge Frau zu jedem Zeitpunkt ab. Doch auch Barry Pepper als ihr Vater überzeugt vollkommen. Beide bekommen nur eine ganz simple Figurenzeichnung, die aber völlig ausreicht, um mit ihnen mitfiebern zu können. Man wünscht beiden sehnlichst das Happy End, doch bis es soweit sein könnte, müssen sie durch so manche Qual hindurch. Hier macht „Crawl“ keinerlei Gefangene. Sobald das Szenario eingeleitet ist und der erste Alligator gesichtet wurde, gibt es keine Pausen mehr. Die Situation scheint dermaßen ausweglos, dass man sich als Zuschauer schon fragen kann, wie die denn dort heil herauskommen sollen. Daraus resultiert Spannung und dass alles nebenbei noch gänzlich humorfrei vorgetragen wird, macht das Treiben nur noch düsterer.
 
 
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Obwohl die Laufzeit mit unter 90 Minuten echt nicht lang ausgefallen ist, wird hier dank des hohen Tempos viel aus dem Szenario gemacht. Selbst wenn Gefahren abgewehrt wurden, geht es immer noch weiter und ein Outro gibt es nicht mal. Sofort erscheint der Abspann. Effizienter geht es wohl kaum noch. Dass es bei Herrn Aja nicht harmlos zur Sache geht, dürfte nebenbei niemanden verwundern. So manch eine Attacke der Alligatoren hält schon Splatter bereit, der allerdings niemals ausufert. Die Effekte können sich insgesamt sehen lassen. Zwar sieht man den Alligatoren die Herkunft aus dem Computer schon ein wenig an, aber für diese Preisklasse ist das mehr als gelungen. Außerdem sieht das Unwetter einfach richtig stark aus und alleine dies sorgt für eine beunruhigende Atmosphäre.
 
 
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CRAWL – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Am Ende bleibt „Crawl“ ein simpler Tierhorrorfilm, der aber vieles sehr richtig macht und im Endeffekt einfach verdammt spannend ist. Besonders die Kombination von Katastrophenfilm und Tierhorror macht hier echt etwas her und wurde stark genutzt. Kleinere Logikfehler verzeiht man gerne, weil man einfach zu gefesselt ist von dem Geschehen auf der Leinwand. Das besitzt nur eine oberflächliche Figurenzeichnung und einige Klischees scheinen obligatorisch zu sein, aber dafür wird das von den beiden Hauptdarstellern bestens gespielt und das Szenario wurde sehr gekonnt inszeniert. Außerdem ist das Budget für Tierhorror ja immerhin doch noch ziemlich hoch und das erkennt man, denn der Film wirkt hochwertig und kommt überraschenderweise gänzlich ohne Ironie aus. Den humorvollsten Moment gibt es da erst mit dem Abspann, wenn ein bekannter Song ertönt. Auf jeden Fall bekommt man hier actionreiche, packende Unterhaltung geboten, die so in der Form definitiv keine Selbstverständlichkeit mehr darstellt. Top!
 
 
 


 
 
 

CRAWL – Zensur

 
 
 
„Crawl“ hat einige Alligatoren-Angriffe zu bieten. Es werden Körper ins Wasser gerissen, ein Arm wird abgefressen und diverse Bisswunden runden das umfangreiche Portfolio an unappetitlichen Szenen ab. Hierzulande hat „Crawl“ eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten. Diese ist angemessen.
 
 
 


 
 
 

CRAWL – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei PARAMOUNT PICTURES DEUTSCHLAND)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Die Fährte des Grauens (2007)
 
Lake Placid – Der Schrecken aus der Tiefe (1999)
 
Der Fluss der Mörderkrokodile (1979)
 
Black Water (2007)
 

Filmkritik: „Gwen“ (2018)

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GWEN

(THE DARK OUTSIDE)

Story

 
 
 

Eine zurückgezogen lebende Familie erlebt in friedlicher walisischen Landschaft den Horror auf Erden. Ihr vermeintlich sicheres Zuhause in den Bergen verwandelt sich zum Ort des Schreckens, weil auf einmal Dinge passieren, die sich nicht erklären lassen.

 
 
 


 
 
 

GWEN – Kritik

 
 
 
Wenn man etwas im Horrorkino gelernt hat, dann die Erkenntnis, dass selbst Idylle trügerisch sein kann. Da verwandeln sich gern mal pittoreske Landschaften zum Vorort der Hölle, wo Menschen Dinge tun, die grausam und boshaft sind. Genau diese Erfahrung müssen auch die Helden im folgenden Film durchleben, wo inmitten malerischer Natur das Grauen seine Kreise zieht. Hinter dem nebeligen Gotik-Albtraum, wie er auch aus den legendären Hammer-Studios stammen könnte, versteckt sich ein Newcomer. Regisseur WILLIAM MCGREGOR schürt erstaunlich souverän Ängste, als hätte er zuvor nichts anderes gemacht. Dabei ist er noch unerfahren im Filmdrehen. Bisher zeichnete er für die Regie in Serien und Kurzfilmen verantwortlich. GWEN ist nun der erst Langfilm, bei dem er das Zepter übernommen hat. Das Resultat kann sich sehen lassen, denn die wunderschöne Naturkulisse im Film entwickelt einen zermürbenden Kontrast zur düsteren Realität, mit welcher die Charaktere konfrontiert werden.
 
 
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Wales im Jahre 1855. Ein Schicksalsjahr, das für eine fernab der Stadt lebende Familie zum Albtraum wird. Während so langsam die industrielle Revolution Einzug hält, klammert sich Mutter Elen samt Nachwuchs lieber an alte Strukturen. Man lebt autark auf einem kleinen Bauernhof irgendwo in den Bergen, besucht regelmäßig die Kirche und schlägt sich mit dem Verkauf von selbst angebauten Gemüse über die Runden. Doch da wird das alleinerziehende Familienoberhaupt krank und stellt die heranwachsende Gwen vor große Herausforderungen. Nicht nur, dass sie jetzt die Arbeiten der Mutter übernehmen und sich um die kleine Schwester kümmern muss; die Heranwachsende sieht sich mit mysteriösen Vorkommnissen konfrontiert, die ihr große Angst bereiten. Da sterben plötzlich Nachbarn und Tiere unter seltsamen Umständen und mit dem unbescholtenen Kindsein ist es plötzlich vorbei. Sind hier etwa höhere Mächte am Werk, die der Familie schaden wollen? Einfach wird des Rätsels Lösung definitiv nicht. Vielmehr ist die Auflösung für Zuschauer und Helden ein Schlag ins Gesicht.
 
 
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Wenn ein Teenager plötzlich Verantwortung übernehmen muss. GWEN ist ein Mysterydrama vor historischer Kulisse, das ein bis dato unbeschwert lebendes Mädchen mit der bitteren Realität konfrontiert. Regisseur WILLIAM MCGREGOR protokolliert in nebeligen, kühlen und trostlosen Bildern den tragischen Übergang in die Erwachsenenwelt mit all seinen Gefahren. Nichts wird geschönt. Stattdessen wird eine Jugendliche in eine Welt voller Gefahren getrieben, in der selbst ein Erwachsener nicht gern sein möchte. Filmemacher WILLIAM MCGREGOR verzichtet auf lange Dialoge. Stattdessen lässt er Bilder sprechen und erzählt wortkarg eine düstere Geschichte, in der Titelfigur Gwen auf einen dunklen Pfad der Verantwortung geschickt wird.
 
 
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Nichts ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Da passieren plötzlich seltsame Dinge, die sich nicht erklären lassen und die bis dato heile Welt der frommen Gwen erschüttern. So stirbt plötzlich alles um sie herum. In der Stadt wird sie wegen der Familie geächtet und in der Nacht schleichen mysteriöse Schatten ums Haus. Doch alles nur Fassade! GWEN macht es nämlich vielen aktuellen Genre-Filmen gleich und führt den Zuschauer auf falsche Fährten. Der Mysteryeinschlag hat nämlich nur Alibi-Funktion, um die Spannung halten zu können. Letztere baut sich langsam auf und zieht sich wie ein roter Faden bis zum Finale. Dort werden dann plausible Antworten geliefert. Erleichterung bringen die aber nicht. GWEN ist ein überraschend gelungener Historien-Beitrag mit unbehaglicher Atmosphäre, der vor allem durch seine beiden Hauptdarstellerinnen lebt. Wir sehen ELEANOR WORTHINGTON-COX als Gwen und MAXINE PEAKE als Mutter Elan. Beide tragen den walisischen Albtraum beinahe ausschließlich durch Mimik und Gestik. Gesprochen wird nur selten. Ein beachtliches Kunststück, bewirkt vor allem der Minimalismus maximales Grauen.
 
 
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Regisseur WILLIAM MCGREGOR verriet in Interviews, dass er schon als Jugendlicher Interesse fürs Erzählen von Geschichten entwickelte. Der schnappte sich in den Teeanger-Jahren eine Mini-Videokamera und begann damit Geschichten zu erzählen. Die Anfänge waren unspektakulär – aber kreativ. So wurden erste Gehversuche in Form von Dokumentarfilmen über die Tiere auf der elterlichen Farm gestartet. Dabei schien der damals noch unerfahrene Cineast gut beobachtet zu haben. So erklärte der Filmemacher, dass er sich für die Geschichte zu GWEN vom Nationalpark Snowdonia (eine Bergregion im Nordwesten von Wales) inspirieren ließ. Als er von der industriellen Revolution in Nordwales erfuhr und mehr darüber wissen wollte, mietete sich McGregor eine Hütte in Snowdonia, tauchte in die Landschaft ein und erforschte Geschichte, Sagen und Folklore der Gegend. Nach und nach fand sich so die Handlung zu Papier, für die viele Schauplätze im Film von Orten inspiriert wurden, an denen der Newcomer für seine Recherchen tatsächlich gewesen war. GWEN ist eine Weiterentwicklung des Kurzfilms WHO’S AFRAID OF THE WATER SPRITE, den McGregor in seinen Studientagen gedreht hatte. Das Ergebnis ist tiefgründiger als gedacht. Wohl ein Grund, warum so viele Lobeshymnen das Filmplakat zieren. Viele derer sind vollkommen gerechtfertigt. Fans mit Hang zum Programmkino und Arthaus werden Gefallen finden.
 
 


 
 
 

GWEN – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Zermürbendes Grauen im Stile eine HAGAZUSSA – DER HEXENFLUCH, welcher Arthaus- und Programmkinoliebhaber hellhörig werden lassen dürfte. GWEN ist ein kleiner Blender, was man an dieser Stelle nicht negativ werten sollte. Der Film suggeriert dem Zuschauer nämlich das, was er eigentlich gar nicht ist. Was als schauriger Mysterythriller beginnt, endet als trauriges Drama über einen Teenager, der seine Familie zusammenhalten möchte und mit dem Leben in seiner ganzen Härte konfrontiert wird. GWEN ist das etwas andere Coming-of-Age-Drama vor historischer Kulisse, das nicht unberührt lässt. Wer den Anspruch im Genre-Kino benötigt, darf sich diesen Film – allein schon wegen den schauspielerischen Qualitäten – nicht entgehen lassen.
 
 
 


 
 
 

GWEN – Zensur

 
 
 
GWEN hat kaum Gewalt zu bieten. Wenn diese den Weg in den Film findet, dann wird Gewalt nur angedeutet oder passiert im Off. Einem Pferd wird die Kehle durchgeschnitten. Weiterhin wird eine Protagonistin erst niedergeschlagen und danach angezündet. Hierzulande dürfte GWEN eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten.
 
 
 


 
 
 

GWEN – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Shudder)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Hagazussa – Der Hexenfluch (2017)
 
The Witch (2015)
 
Pakt der Wölfe (2001)
 
Die Frau in Schwarz (2012)
 
The Village – Das Dorf (2004)
 

Filmkritik: „Dragged Across Concrete“ (2018)

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DRAGGED ACROSS CONCRETE

Story

 
 
 

Im düsteren Thriller „Dragged Across Concrete“ wechseln zwei Cops die Seiten, um sich zu bereichern, doch dabei legen sie sich mit psychopathischen Verbrechern an und die Sache scheint kein gutes Ende nehmen zu können.

 
 
 


 
 
 

DRAGGED ACROSS CONCRETE – Kritik

 
 
 
S. Craig Zahler hat sich mit nur zwei Regie-Arbeiten schon zum absoluten Genre-Experten gemausert. Sein Debüt „Bone Tomahawk“ stellte eine Mischung aus Horror und Western dar und sein zweites Werk „Brawl in Cell Block 99“ dürfte kein Auge von Exploitations-Fans trocken gelassen haben. Die Erwartungen an „Dragged Across Concrete“ hätten kaum höher sein können. Eine enorm hohe Laufzeit, richtig gute Darsteller und eben Zahler als Regisseur. Was soll da großartig schiefgehen? Wer den Regisseur kennt und sich deshalb keinerlei falsche Erwartungen gestaltet, wird mit Sicherheit nicht enttäuscht sein, wobei Zahler sein Publikum auch hier wieder gnadenlos spalten wird.
 
 
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Die Cops Brett und Anthony sind nicht gerade für ihre soften Methoden bekannt. Besonders Brett, der erfahrenere und ältere von Beiden, macht aus seinen skrupellosen Methoden keinen Hehl und geht gerade mit ausländischen Kriminellen nicht zimperlich um. Eines Tages reicht das aus für eine Suspendierung und weil Brett eine schwerkranke Frau hat, muss er an Geld herankommen. Also überredet er Anthony dazu, die Seiten zu wechseln. Schnell hat man sich einen Tipp eingeholt und observiert einen Verbrecher. Doch was anfangs nach einem Drogengeschäft aussieht, wird bald zu einem Banküberfall und mit den Kriminellen ist nicht zu spaßen, denn diese machen keine Gefangenen. Das liest sich nicht gerade besonders anspruchsvoll und eigentlich ist diese Story auch überhaupt nichts Besonderes. Hier gesellt sich Cop-Thriller zu Heist-Movie, aber wenn S. Craig Zahler das Drehbuch selbst schreibt, fällt die Handlung trotzdem anders aus. Auf die üblichen Konventionen wird überwiegend gepfiffen und so kann der Zuschauer sich niemals sicher sein, was als nächstes geschehen wird. So simpel die Geschichte im Kern auch sein mag, so treffsicher ist sie doch auch, wenn es um die Analyse des Weltgeschehens geht. Dieses Weltbild sieht nicht gerade rosig aus und geht eher in eine nihilistische Richtung. Themen wie Rassismus und Politik werden immer mal angesprochen, doch stets am Rande. Dies dominiert nicht das Geschehen, doch es ist vorhanden und verleiht dem Drehbuch so am Ende doch einen gewissen Anspruch.
 
 
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Wirklich gut ist „Dragged Across Concrete“ aber am ehesten, weil er sich nicht an die üblichen Regeln hält. Nachdem Zahler ja bereits mit seinen beiden vorherigen Regie-Arbeiten gezeigt hat, dass er es gerne langsamer und länger hat, treibt er dieses Spiel mit „Dragged Across Concrete“ nun vollends auf die Spitze. 160 Minuten Laufzeit sind für einen Film dieser Art absolut nicht wenig und das erfordert schon gewisses Sitzfleisch vom Publikum. Zahler zelebriert die Langsamkeit, treibt seine Handlung gnadenlos schleppend voran. Die Kunst daran ist, dass er dabei trotzdem niemals langweilt. In der ersten Hälfte beschäftigt man sich am ehesten mit den beiden suspendierten Cops Brett und Anthony. Sie erhalten ihren Hintergrund und dieser muss gar nicht großartig ausgefeilt werden damit sie glaubwürdig wirken. Ihre Charaktere sind ambivalent. Eigentlich stellen sie nicht gerade die Guten dar und trotzdem kann man sie nachvollziehen, ja gewissermaßen sogar gutheißen, was sie da machen. Auch alle anderen Figuren werden nur am Rand charakterisiert und immer reicht das vollkommen aus. Es ist allerdings viel weniger das Zusammenspiel dieser verschiedenen Figuren, sondern noch viel mehr die Inszenierung von Zahler, die das alles so sehenswert macht.
 
 
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Lange nimmt der Regisseur sich Zeit, zeigt auch die wohl eher unwichtigen Dinge, entwirft damit jedoch ein stimmiges und authentisches Bild des Lebens. Plötzlich eskaliert die Situation ohne große Vorwarnung und dann spielt auch Gewalt eine Rolle. Die Freigabe ab 16 Jahren mag täuschen, aber harmlos ist „Dragged Across Concrete“ ganz sicher nicht. Die Gewalt findet hier allerdings nur beiläufig und niemals ausufernd statt. Obwohl das Weltbild im Film düsterer Natur ist, gibt es trotzdem so eine Art Fairness. Manche Szenen lassen eine gewisse Trostlosigkeit spüren, andere hingegen besitzen mit ihrem leicht schwarzen Humor schon fast etwas Lockeres. Auf jeden Fall gesellen sich viele unterschiedliche Stimmungen zu einem homogenen Ganzen zusammen. Ein wenig Drama, etwas Thriller, eine minimale Portion Heist-Movie und am Ende auch ein ganz wenig Actionfilm. Von Spannung wird das Treiben dabei mit Sicherheit nicht dominiert, denn dafür sind die meisten Szenen zu unspektakulär. Erst im letzten Drittel geht es diesbezüglich etwas mehr zur Sache, doch auch zuvor fühlt man sich stets sehr gut unterhalten. Dafür sorgen neben den gut ausgearbeiteten Dialogen vor allen Dingen auch die starken Darsteller.
 
 
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Vince Vaughn darf leider keine zweite Leistung wie in „Brawl in Cell Block 99“ von sich geben, doch nach wie vor macht er sich in den ernsten Rollen bestens und enttäuscht nicht. Besonders interessant ist es zudem Mel Gibson an seiner Seite zu sehen und vor allen Dingen ihn in einem Film von S. Craig Zahler zu sehen. Gibson, der sich von seinen Eskapaden mittlerweile ja ziemlich rehabilitiert hat, ist hier in einer mutigen Rolle zu sehen, weil sie seinem eigenen Weltbild wahrscheinlich gar nicht so unähnlich ist. Wer hier nun das emotionsstärkste Schauspiel erwartet, wird vielleicht enttäuscht sein, aber auch so ist das sehr routiniert und packend gespielt. In kleineren Rollen gibt es Udo Kier, Thomas Kretschmann und eine starke Jennifer Carpenter zu sehen. Wirklich gut ist nebenbei auch Tory Kittles. Allgemein enttäuscht hier kein Darsteller und das Treiben ist zeitweise recht dialoglastig, obwohl im Endeffekt dann doch gar nicht so viel gesagt wird. „Dragged Across Concrete“ ist ein stiller Film, was auch das Fehlen von einem Score noch mal stark bestätigt. Bis auf ein paar Songs vom Soundtrack gibt es im gesamten Film keinerlei Musik zu hören. Das passt und rundet dieses eher spezielle Werk ideal ab.
 
 
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DRAGGED ACROSS CONCRETE – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
S. Craig Zahler macht so weiter, wie er aufgehört hat und geht seinen Weg konsequent weiter. Manche werden ihn dafür lieben, andere werden damit nichts mehr anfangen können. „Dragged Across Concrete“ ist die reine Langsamkeit. Die Geschichte hätte man in der Hälfte der Laufzeit erzählen können und selbst wenn das auf den ersten Blick gar nicht so viel Substanz besitzt, machen die Feinheiten doch eine ganze Menge aus. Das Drehbuch besitzt auf jeden Fall seine Portion Anspruch und dazu gesellt sich eine sehr interessante Besetzung, die einen ordentlichen Job abliefert. Die Inszenierung ist typisch für Zahler, langsam, teilweise entgegen der Erwartungen und dann wieder in Gewalt eskalierend. Doch „Dragged Across Concrete“ ist noch deutlich langsamer, als seine beiden Vorgänger. Nicht jeder wird damit etwas anfangen können und das ist auch gut so. Fakt bleibt jedoch, dass Zahler seinen Ruf als Genre-Experte weiter festigen können wird, denn mit so unkonventionellen, konsequenten Filmen bietet er etwas, womit heutzutage nicht mehr viele Filme dienen können: Überraschung!
 
 
 


 
 
 

DRAGGED ACROSS CONCRETE – Zensur

 
 
 
„Dragged Across Concrete“ hat im Vergleich zu den bisherigen Arbeiten von Regisseur S. Craig Zahler (der übrigens mit am Drehbuch „Puppet Master: Das tödlichste Reich“ schrieb) eine überraschend niedrige FSK-Freigabe erhalten. Zuletzt sorgten die Filme des Filmemachers gerade wegen der Zurschaustellung von Gewalt für Furore. Der neuste Streich ist da zurückhaltender. Deshalb gab es für den Streifen von der FSK eine Freigabe ab 16 Jahren in der ungeschnittenen Fassung.
 
 
 


 
 
 

DRAGGED ACROSS CONCRETE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) UNIVERSUM FILM

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Dragged Across Concrete; USA 2018

Genre: Action, Drama, Krimis

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 163 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase ohne Wechselcover

Extras: Featurette: Elements of Crime – Part 1-3, Featurette: Moral Conflict Creating Cinema that Challenges, Trailer

Release-Termin: 20.08.2019

 

Hausu (Special Edition) [Blu-ray + DVD] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

DRAGGED ACROSS CONCRETE – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Abbildungen stammen von UNIVERSUM FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Brawl in Cell Block 99 (2017)
 
Killing Them Softly (2012)
 
Training Day (2001)
 
Dark Blue (2002)
 

Filmkritik: „Lords of Chaos“ (2018)

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LORDS OF CHAOS

Story

 
 
 

„Lords Of Chaos“ beschreibt ein Zeitfenster der achtziger Jahre, in dem in Skandinavien die Keimzelle des über-extremen „Black Metal“ entsteht. Im Zentrum der Geschichte stehen die blonden, bald schwarzgefärbten und weiß getünchten Bübchen der Band „Mayhem“. Die suhlen sich in betont satanischer (hier begriffen als menschenfeindlicher) Haltung, ritzen und quälen sich selbst, bluten aufs Publikum und werfen auch mal Teile von Tierkadavern in die Menge. Ein perverser Band-Wettkampf, wer wohl am besten singe, nein, wer wohl am finstersten brüte, bricht los und endet in einer Spirale aus Brandstiftung, Gewalt und Tod.

 
 
 


 
 
 

LORDS OF CHAOS – Kritik

 
 
 
Aus dem unbeachteten Augenwinkel und eher der Rubrik „völlig unerwartet“ zuzuordnen steht da ein Monolith des Irrsinns im Raume, der „Lords Of Chaos“ heißt. Nicht nur unerwartet. Eigentlich noch extremer: Man würde sich diese Stories selbst nicht glauben. Selbst dann nicht, wenn man an geheimnisvollen Pilzen genuckelt hätte und sie sich auf einer Party selber erzählen würde. Das gilt für die Geschichte im Film genauso wie für dessen Entstehung und Hintergrund.
 
 
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Norwegen, Schweden, Finnland: Gelangweilte Mittelklasse-Rotzlöffel versuchen, sich in den Rubriken Menschenhass, Satans-Faschismus und allgemeiner spätpubertärer Kernigkeit zu überbieten. So weit, so normal. Hierfür gründen sie Bands und spielen eine nur noch aufs Extreme angelegte und mit derben Punk-Genres wie Grindcore verwandte Krachmucke und nennen sie Black Metal. Da der musikalischen Theorie auch praktische Taten folgen sollen, führt der Irrsinn zügig zu Mord, Totschlag und brennenden Kirchen. War aber nicht alles schlecht: Die Neurose, potentielle Plattenladen-Kunden erst einen fachlich anspruchsvollen Fragebogen ausfüllen zu lassen, bevor Eintritt gewährt wird, sollte wenigstens Schule machen. Bewundernswerte Konsequenz drückt sich eben nicht nur in Mord und Suizid aus.
 
 
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Michael Moynihan gelingt 1998 mit dem akribisch recherchierten und wahnsinnig unterhaltsamen Musik-Sachbuch gleichen Namens ein Erfolg, der sich – untypisch – eben nicht nur auf die Reihen der Metal- oder gar Black-Metal-Heads beschränkt. Nein, man konnte „Lords Of Chaos“ seinerzeit lesen, ohne sich für diese elendig unterproduzierten Lärmwände aus Röchelgesang, nach Küchengeräten klingenden Gitarren und albernen Stakkato-Drums zu erwärmen, die da eben Black Metal genannt werden. Obendrein wahrt der Amerikaner aus Boston eine politische Neutralität beim Berichten über die nach und nach immer faschistoider werdende Szene; und das obwohl er seine eigene, langjährige Musikkarriere mit Überzeugung im deutlich angebräunten Genre des sogenannten „Neofolk“ zelebriert. Für die Verfilmung des Sachbuch-Stoffs als Spielfilm ließ sich nach einigem Hin und her der Schwede Jonas Akerlund gewinnen. Der ist nicht nur vielfach ausgezeichneter Regisseur von Werbespots und Dutzenden weltberühmter Musikvideos, sondern auch noch in jungen Jahren als Schlagzeuger der Ur-Black-Metal-Schrubbkapelle „Bathory“ in Erscheinung getreten. So war’s natürlich ein echter Coup, den auch heute noch als bleichen Finsterling auftretenden skandinavischen Selbstvermarkter auf den Regiestuhl der „Lords Of Chaos“ packen zu können.
 
 
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Akerlund gelingt, ein eng miteinander verschweißtes Ensemble junger Schauspieler, unter anderen Abkömmlingen der infernalischen Showbusiness-Clans Culkin und Ochsenknecht, durch einen Alptraum von Tristesse und roher Gewalt zu dirigieren. „Lords Of Chaos“ ist gleichzeitig fesselnd und abstoßend, die Figuren, genau wie die realen Vorbilder eben, sind Arschlöcher sondersgleichen und die Ausbrüche in filmische Grausamkeit matschigster Splatter. Es bleibt einem glatt die Spucke weg und man möchte nie in einer Gegend verweilen, deren Grau-in-Grau die Gehirne der Beteiligten dermaßen in Haferflocken verwandeln konnte.
 
 
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Schwedischer Hipsterismus ist eine faszinierende Sache. Von dort kommen gerne mal Co-Autoren entsetzlicher Pop-Hits, angesagte Musiker mit beinahe „Blob“-artiger Anpassungsfähigkeit oder auch gesellschaftliche Trends, die sich nur Menschen mit viel Zeit, wenig Beschäftigung und staatlich gesicherten Einkommen ausdenken können. In diesem Geist wird uns das gleiche dünnbesiedelte Land demnächst mit der angeblich gleichzeitig emotionsunfähigen, weil aspergerkranken und trotzdem ständig ängstlich-aufgeladenen Greta Thunberg eine hanebüchene Friedensnobelpreis-Wahl bescheren. So bei it.
 
 
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Black Metal verkauft sich, Internet und Metal-Hype sei Dank, heute besser denn je und hat es inzwischen zu grotesken (wenn auch – siehe, im Knast zum Vollnazi mutiert, Varg Vikernes – nur folgerichtigen) Unterkategorien wie „NSBM“, das heißt tatsächlich „National Socialist Black Metal“, gebracht. Nazi-Satans-Metal ist genauso scheiße wie Du, geneigter Leser, Dir das hoffentlich gerade vorstellst.
 
 


 
 
 

LORDS OF CHAOS – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Wahre Geschichte, Motherfuckers! Das ist tatsächlich das Grellste an „Lords Of Chaos“. Die Moral von der Geschicht‘ scheint anzudeuten, dass Langeweile in nordeuropäischen Gefilden zu furchtbaren Szenarien führen kann. Oder doch eine Warnung vor der destruktiven Kraft schlechter Musik? Man weiß es nicht. Jedenfalls ist Alt-Hipster Jonas Akerlunds Biopic-Gore-Reißer ein Meisterstück der Verfilmung wahrer Ereignisse als Unterhaltungsfilm. Herausragend.
 
 
 


 
 
 

LORDS OF CHAOS – Zensur

 
 
 
„Lords of Chaos“ ist nicht nur verstörend – der Film ist auch sehr brutal. Da werden in diversen Szenen Morde derart lang zelebriert, dass dem Zuschauer Hören und Sehen vergeht. Umso überraschender, dass die FSK diesen Film ungeschnitten freigeben hat. Bis vor einigen Jahren wäre ein Film wie „Lords of Chaos“ wegen seiner zeigefreudigen Brutalität auf dem Index gelandet. Sammler und „Mayhem“-Fans können daher bedenkenlos zugreifen. Der Film ist mit seiner Erwachsenenfreigabe vollkommen komplett.
 
 
 


 
 
 

LORDS OF CHAOS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Studio Hamburg (KeepCase)

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(c) Studio Hamburg (Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Lords of Chaos; Großbritannien | Schweden 2018

Genre: Drama, Thriller, Mystery

Ton: Deutsch DD 5.1, Englisch DD 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 117 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer

Release-Termin: 05.04.2019

 

Lords of Chaos [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Lords of Chaos [Blu-ray im Mediabook] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

LORDS OF CHAOS – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Abbildungen stammen von Studio Hamburg)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Metalhead (2013)
 
This Is Spinal Tap (1984)
 
Almost Famous – Fast berühmt (2000)
 
Deathgasm (2015)
 
Until the Light Takes Us (2008)
 

Filmkritik: „Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt“ (1999)

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ECHOES – STIMMEN AUS DER ZWISCHENWELT

(STIR OF ECHOES)

Story

 
 
 

Nachdem ein Familienvater sich hypnotisieren ließ, wurde eine Tür in ihm geöffnet und nun wird er von Visionen geplagt, die mit einem schrecklichen Ereignis zusammenhängen.

 
 
 


 
 
 

ECHOES – Kritik

 
 
 
1999 gab es gleich zwei richtig starke Geisterhorrorfilme. Doch während „The Sixth Sense“ ein ungemeiner Erfolg wurde, konnte „Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt“ sich nicht zum Kultfilm entwickeln. Das ist eigentlich unberechtigt, bekommt man hier doch einen wirklich guten Film geboten, der nicht zum Spuk-Einheitsbrei gehört.
 
 
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Familie Witzky lebt ein zufriedenes Leben. Eines Abends lässt sich Vater Tom auf einer Party zum Spaß hypnotisieren, doch etwas geht dabei schief. Plötzlich wird Tom von Visionen und Erscheinungen geplagt. Noch beunruhigender ist jedoch, dass selbst der kleine Sohn scheinbar Dinge sieht, was für ihn aber normal erscheint. Umso länger die Visionen von Tom andauern, desto mehr steigert er sich in einen Wahn hinein, denn er will unbedingt wissen, was hier Sache ist.
Das Drehbuch basiert auf einem Roman und erzählt eine ganz normale Geistergeschichte. Nichts an „Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt“ ist besonders kreativ oder originell. Dafür funktioniert die Story aber ausgesprochen gut, denn sie ergibt einen Sinn, wird schlüssig aufgelöst und lässt den Zuschauer schön miträtseln. Es gibt nämlich immer wieder Anhaltspunkte, um darauf zu kommen, was hier gespielt wird und da braucht es am Ende gar keinen großen „Wow“-Effekt, um überzeugen zu können. Die kleinen Details werden schön eingebaut und am Ende ist das einfach ein Drehbuch, welches von vorne bis hinten bestens funktioniert.
 
 
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Es liegt allerdings besonders an Kevin Bacon, dass „Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt“ so gut funktioniert, denn der liefert hier sehr gut ab. Bacon stellt seinen Wahn ideal dar, bleibt dabei jedoch stets sympathisch und manche Szenen sind schon sehr intensiv gespielt. Doch auch Kathryn Erbe macht als seine Film-Ehefrau eine durchaus gute Figur. Sogar der kleine Zachary David Cope ist für sein Alter echt gut und spielt das niemals nervig. In Nebenrollen überzeugen Illeana Douglas und Kevin Dunn. Die Besetzung nimmt die gute Figurenzeichnung dankend an, denn in diesem Film gibt es nicht zu viele Klischees. So ist es schön, dass Tom trotz seines Wahns niemals gewalttätig wird und Maggie sich der Sache nicht komplett verschließt. Die Charaktere handeln glaubwürdig und das macht ein Mitfiebern für den Zuschauer erst so gut möglich. Eine gute Entscheidung war es auch, dass Jake als kleines Kind zwar mit eingebaut wurde, der Fokus jedoch nicht so sehr auf ihm liegt. Wenn es dann zur Auflösung kommt, kann man die Figuren noch immer halbwegs nachvollziehen und das ist erfreulich.
 
 
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Daneben lebt „Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt“ aber auch von der durchaus passenden Inszenierung. Hier wird nicht so viel Wert auf Schockeffekte gelegt, selbst wenn man sich ab und zu mal erschrecken kann. Die Atmosphäre, welche aufgebaut wird, hat es in sich, denn obwohl es niemals zu nervenzerreißend wird, besitzt der Film seine düstere, unheimliche Stimmung, die gekonnt ausgebaut wird. Regisseur David Koepp inszeniert das Treiben relativ ruhig, baut aber auch immer mal kleine Spielereien mit ein. Wie man z.B. die Hypnose bildlich dargestellt hat, ist sehr gelungen. Doch auch die kleinen Visionen wurden stark bebildert. Obwohl man es dabei mit einem Horrorfilm zu tun hat, legt es der Film gar nicht so sehr auf Horror an. Es gibt nämlich einige Drama-Elemente und im Endeffekt ist das sogar eher ein Krimi. Der Aufbau funktioniert bestens und die 90 Minuten Laufzeit vergehen sehr schnell. Es gibt keine große Einleitung und hinterher wird immer mehr an der Spannungsschraube gezogen, bis es im Finale sogar noch eine kleine Portion Action gibt. Nebenbei ist erfreulich, dass hier ohne viele Effekte ausgekommen wird und der Score rundet das positive Gesamtbild ordentlich ab.
 
 
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ECHOES – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
„Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt“ darf sich kleiner Klassiker des Geisterhorrors nennen, denn er funktioniert selbst 20 Jahre nach Erscheinen noch wunderbar. Die Handlung wird schlüssig und interessant erzählt, die Darsteller sind toll und die Figurenzeichnung kommt ohne Unglaubwürdigkeiten aus. Zusätzlich wurde alles schön unheimlich inszeniert und eine richtige Stärke ist die Atmosphäre, denn diese reicht von entspannt bis hin zu richtig unheimlich. Es ist kein lauter Spuk, sondern eher ein subtiler, der edel erzählt wird. Selbst nach mehrmaligem Schauen unterhält das noch sehr gut und wirklich kein Fan vom Grusel sollte „Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt“ verpasst haben!
 
 
 


 
 
 

ECHOES – Zensur

 
 
 
„Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt“ ist eher ein subtiler Gruselfilm. Deshalb erhielt der Film bereits für die Kinoauswertung eine ungeschnittene FSK16. Gleiches folgte für die Auswertung auf DVD. Die nun erhältliche Blu-ray besitzt auch den blauen FSK16-Sticker.
 
 
 


 
 
 

ECHOES – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) KOCH FILMS (Mediabook – Cover A)

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(c) KOCH FILMS (Mediabook – Cover B)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Stir of Echoes; USA 1999

Genre: Horror, Mystery, Thriller,

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 2.0

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 109 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook mit 2 Cover-Auflagen

Extras: Booklet, Audiokommentar, Interviews, Making of, Trailer

Release-Termin: 11.07.2019

 

Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt – Mediabook A [Blu-ray + DVD] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt – Mediabook B [Blu-ray + DVD] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

ECHOES – Trailer

 
 


 
 

Benjamin Falk

(Die Rechte für alle Grafiken liegen bei KOCH FILMS)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Echoes 2 – Stimmen Aus Der Zwischenwelt (2007)
 
Paranormal Resurrection (2014)
 
Schatten der Wahrheit (2000)
 
Jessabelle (2014)
 
White Noise (2005)
 

Filmkritik: „Feedback: Sende oder stirb!“ (2019)

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FEEDBACK: SENDE ODER STIRB!

(FEEDBACK)

Story

 
 
 

Radioshow des Grauens: Einige maskierte Einbrecher legen eine Radiostation lahm und übernehmen das Zepter. Mit blutigen Folgen.

 
 
 


 
 
 

FEEDBACK – Kritik

 
 
 
Die besten Horrorfilme sind die, die einen kalt und unvorbereitet treffen. Da schiebt man ahnungslos einen Film in den Player und erwartet eigentlich nicht viel. Umso erfreulicher, wenn es einen dann doch packt und nicht mehr loslassen will. Der spanische FEEDBACK ist eine dieser beschriebenen Produktionen. Der wurde ausschließlich in englischer Sprache gedreht und international besetzt. So lässt sich ein europäischer Film besser international verkaufen. Das Ergebnis ist Qualitätsarbeit aus Spanien bei der nicht wundern würde, wenn einen Herrn Jason Blumhouse der Teufel packt und FEEDBACK noch einmal für den amerikanischen Filmmarkt neu interpretieren würde. FEEDBACK erinnert in seiner Machart an FUNNY GAMES, KIDNAPPED oder den erst kürzlich hier besprochenen DAS GEHEIMNIS DER ROSE. In letzterem wurde eine Familie von einem Fremden terrorisiert, der noch ein Hühnchen mit der Bande zu rupfen hatte. Während dort der Horror in erster Linie psychischer Natur war, hält Regisseur PEDRO C. ALONSO von Kopfkino allein nicht sonderlich viel. Der lässt in seinem Regiedebüt FEEDBACK gleich mal den Hammer schwingen und sorgt für ein Blutbad. Hier wird Schockwirkung mit dem Riesenhammer erzielt. Zartbesaitete halten besser Abstand, denn FEEDBACK wirkt wegen der schonungslosen Skrupellosig- und Unberechenbarkeit von Bestie Mensch nach.
 
 
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Der Moderator einer erfolgreichen Radiosendung erlebt die Hölle auf Erden. Der wird eines Abends während einer Live-Übertragung von Einbrechern in seinem Moderationsraum festhalten. Jarvis Dolan soll die Sendung wie üblich weiter führen aber den Anweisungen der maskierten Fremden Folge leisten. Die haben keine besonderen Musikwünsche, sondern wollen den Moderator vor Live-Publikum zur Rede stellen. Eine Angelegenheit, die die Karriere des bekannten Rundfunksprechers beenden könnte. Das weiß Jarvis Dolan natürlich, doch ihm bleibt nichts anderes übrig, als das perfide Spiel mitzuspielen. Die Kriminellen haben nämlich Geiseln in der Hand und sind zu allem bereit. Ist der Moderator nicht kooperativ, sterben nahestehende Menschen. Eine Tatsache, die diese Live-Sendung zur längsten im bisherigen Leben des Jarvis Dolan macht.
 
 
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Überschaubare Kulisse und Hochspannung pur. Die ganze Handlung von FEEDBACK spielt sich – ähnlich wie in so Filmen wie PANIC ROOM oder ELEVATOR – auf begrenztem Raum ab. Das bedeutet, dass sich die Geschehnisse in nur einem einzigen Zimmer zutragen, was zusätzlich für Anspannung sorgt. Panik, Klaustrophobie, Angst – extreme Herausforderungen, die den Film tragen und zu einer schweißtreibenden Angelegenheit machen. Regisseur PEDRO C. ALONSO lässt kaum Verschnaufpausen zu. Er beweist einen bewundernswerten Umgang mit Spannung, fordert seine Opfer und ebenso den Zuschauer. Was wollen die Einbrecher, wer versteckt sich hinter den Masken und zu was sind die Fremden fähig? Antworten auf Fragen, die natürlich so lang wie möglich verschleiert werden. Dazwischen: explizite Gewalt, psychologischer Terror und unerwartete Wendungen. Ja, FEEDBACK ist kein einfach zu verdauendes Filmchen – vor allem auch deshalb, weil der Film Kompromisse scheut und den Zuschauer wie auch seine Opfer durch die Filmhölle gehen lässt. Dabei bleibt grundsätzlich unklar, wer denn nun hier eigentlich gut und wer böse ist. Da verschwimmen Grenzen. Filmemacher PEDRO C. ALONSO macht aus Menschen Monster, die selbst in Extremsituationen über Leichen gehen und sich kontinuierlich in der moralischen Zweideutigkeit bewegen. Eine Tatsache, die verstört, zumal der Newcomer auch noch mit einem hinterlistigen Ende dort trifft, wo es am meisten wehtut. Das ist zwar nichts für Zuschauer mit schwachem Kreislauf. Trotzdem bleibt man aber mit so brachial schonungslosen Filmen im Gedächtnis. Eine Tatsache, die schon so manchem Filmschaffenden den Weg nach Hollywood geebnet hat. Kollegen wie ALEXANDRE AJA können ein Lied davon singen.
 
 
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FEEDBACK – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Eine kontroverse Geiselnahme, die schon bald aus dem Ruder läuft. FEEDBACK ist kein Kinderfasching. Der Film entpuppt sich als klaustrophobisches Kammerspiel, das vor allem durch eines im Gedächtnis bleibt: Schockwirkung. Hier ist nichts, wie es auf den ersten Blick scheint. Das betrifft Figuren, wie auch Handlungsverläufe. Dazwischen: brachiale Gewaltausbrüche, die so unvorbereitet und heftig kommen, dass der Puls rast. Regisseur PEDRO C. ALONSO entpuppt sich als wahrhaftiger Spannungsmeister. Kaum Action, viele Dialoge. Dennoch vergehen die knapp 90 Minuten wie im Flug. Danach erhebt man sich schweißgebadet aus dem Filmsessel und braucht erstmal eine kalte Dusche. Krasses Debütwerk.
 
 
 


 
 
 

FEEDBACK – Zensur

 
 
 
FEEDBACK hat einige doch sehr harte Szenen zu bieten. Da wird mit einem riesigen Hammer eine Hand zertrümmert, auf einen Schädel mehrmals eingeschlagen und einen Kehlenschnitt gibt es auch zu sehen. Man darf von einer Erwachsenenfreigabe ausgehen: FSK18. FEEDBACK – SENDE ODER STIRB (so der deutsche Titel) wird am 29. November 2019 als DVD, Blu-ray und im Mediabook veröffentlicht. Anbieter PANDASTORM PICTURES hat sich die deutschen Rechte gesichert.
 
 
 


 
 
 

FEEDBACK – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei eOne Films Spain | Blue Fox Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Funny Games (1997)
 
Das Geheimnis der Rose (2017)
 
Kidnapped (2010)
 
Hate Crime (2013)
 

Filmkritik: „Level 16“ (2018)

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LEVEL 16

Story

 
 
 

In einer Akademie werden Teenagerinnen mit harter Hand geführt. Bis es plötzlich zwei Mädchen nicht mehr aushalten und das System der Schule hinterfragen.

 
 
 


 
 
 

LEVEL 16 – Kritik

 
 
 
Während minderwertige Horrorfilme gern mal mit reißerischen Covergestaltungen um die Gunst der Käuferschaft buhlen, passiert es nicht selten, dass viele Streifen erst gar nicht gekauft werden, weil das Cover der DVD oder Blu-ray zum zugehörigen Film nicht ansprechend gestaltet wurde. Das ist dahingehend schade, weil so Produktionen erst gar nicht gesehen werden, die eigentlich Aufmerksamkeit verdient hätten. Ein solches Beispiel ist der folgende LEVEL 16. Der wurde auf einigen Festivals zu Recht mit Preisen und Lob überschüttet. Leider hat man beim Cover-Design nicht unbedingt Kreativität walten lassen, was wohl dazu führen wird, dass der Geheimtipp im Kaufregal liegen bleibt. Eine Schande, verpasst man doch so einen der besten Indie-Genrefilme der letzten Jahre. Deshalb klären wir auf: LEVEL 16 ist einer jener Filme, der gesehen werden sollte, weil er nachwirkt. Ganz ohne Blut, Mord und Totschlag!
 
 
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Die Mädchen der Vestalis-Akademie haben es nicht leicht. Die müssen sich strengen Regeln unterwerfen und werden zu Reinheit, Gehorsamkeit und Bescheidenheit erzogen. Nur wer demütig und anständig bleibt, hat so die Chance von liebenden Eltern adoptiert zu werden. Doch bevor die Teenagerinnen in ein neues Zuhause ziehen können, muss Level 16 durchwandert werden. Hierbei handelt es sich um die finale Stufe der Akademie, die nur durch Fleiß, Unterwerfung und Disziplin erreicht werden kann. In jenem Level 16 befinden sich auch Vivien (KATIE DOUGLAS) und Sophia (CELINA MARTIN). Die beginnen bald das System zu hinterfragen und wollen nur noch raus. Doch der Weg in die Freiheit ist steinig und schwer. Auf den Gängen befinden sich bewaffnete Männer und beinahe jede Tür dieser Einrichtung wurde mittels Schlüsselkarte verschlossen. Sieht so eine Schule für strebsame Schülerinnen aus?
 
 
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LEVEL 16 besitzt das, was guten Genre-Filmen neueren Datums oft fehlt. Der Film überzeugt durch gute Schauspieler, eine undurchsichtige Handlung und zermürbende Atmosphäre, die einen tief in den Filmsessel versinken lässt. Was in dieser eigensinnigen Mädchenschule tatsächlich vor sich geht, wird zum großen Geheimnis gemacht. Was liegt hier im Argen, warum werden die Mädchen in dieser Akademie streng bewacht und hart geführt? Die Antwort darauf lässt auf sich warten. Bis der Streifen nämlich mit der Sprache herausrückt, vergeht viel Zeit. Da wird gern mal angedeutet, Spannung vorangetrieben und mit klaustrophobischer Stimmung provoziert. Letztere lässt früh erahnen, dass hinter diesen Mauern ein perfides Spiel gespielt wird. So mutet es eigensinnig an, dass die pubertierenden Mädchen weder Lesen, Schreiben noch Rechnen können. Als wäre das für eine Eliteschule nicht seltsam genug, werden die jungen Frauen auch noch wie Gefangene in Zellen gehalten, um sie vor drohendem Unheil fernzuhalten, das sich draußen an der Luft zusammenbraut. Erfahrene Zuschauer wissen: normal ist das definitiv nicht.
 
 
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Regisseurin DANISHKA ESTERHAZY dreht ausschließlich Filme in denen starke Frauen im Zentrum stehen. Das ist auch in LEVEL 16 der Fall. Hierbei handelt es sich um einen dystopischen Thriller, der in erster Linie das Zusammenspiel seiner kleinen Helden fokussiert. Dabei wird die Kulisse bewusst minimalistisch gehalten, damit sich der Zuschauer auf die Figuren konzentrieren kann. Die werden im Film von Aufsehern der Einrichtung manipuliert und mit Bestrafungen terrorisiert, um so zu anständigen und „reinen“ Frauen heranzuwachsen. Da macht sich unter den Mädchen ein Gefühl der Angst breit, die sich so ziemlich schnell auch auf den Zuschauer überträgt. Eine Kunst für sich, die vor allem auf die schauspielerischen Leistungen zurückzuführen ist. Die jungen Darstellerinnen winseln und weinen ziemlich echt. Das hat zur Folge, dass die psychischen Folterungen und die emotionalen Qualen der Schülerinnen durch Mark und Bein gehen. LEVEL 16 ist der beste Beweis dafür, dass es kein millionenschweres Budget und teure Spezialeffekte bedarf, um sehenswerte Genre-Ware zu drehen. Ein gutes Drehbuch und talentierte Schauspieler sind alles, um knapp 90 Minuten unterhalten zu können.
 
 


 
 
 

LEVEL 16 – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Der kanadische LEVEL 16 ist ein dystopisches Thriller-Drama mit kühlen und sterilen Look, über das man besser nicht zu viel liest, um sich nicht die Spannung verderben zu lassen. Der minimalistische Streifen lebt nämlich von der Prämisse, dass er aus seinem übersichtlichen Plot ein großes Geheimnis macht. Der Zuschauer wird – wie seine jungen Darstellerinnen – lang im Unklaren darüber gelassen, was es denn nun mit dieser Schule auf sich hat, die im Film heranwachsende Mädchen zu gehörigen Damen erzieht. Diese Undurchsichtigkeit macht den kammerspielartig aufgebauten LEVEL 16 so ziemlich spannend. Sollte man als offener Filmfan gesehen haben. Sehenswert!
 
 
 


 
 
 

LEVEL 16 – Zensur

 
 
 
LEVEL 16 ist eher ein zurückhaltendes Drama, statt bluttriefender Horrorfilm. Am Ende fällt ein Mann über eine Mauer und bricht sich das Genick. Weiterhin sieht man eine Leiche, deren Haut abgezogen wurde und mit einem Skalpell wird ein Gesicht verunstaltet zerschnitten. Hierzulande hat LEVEL 16 eine FSK16 in ungeschnittener Form erhalten.
 
 
 


 
 
 

LEVEL 16 – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) SPLENDID FILM (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Level 16; Kanada 2018

Genre: Drama, Mystery

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Niederländisch

Bild: 2,35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 103 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 29.03.2019

 

Level 16 [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

LEVEL 16 – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei SPLENDID FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Die Insel (2005)
 
The Handmaids Tale (seit 2017)
 

Filmkritik: „You Might Be the Killer“ (2018)

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YOU MIGHT BE THE KILLER

Story

 
 
 

A little bit FRIDAY THE 13TH: In einem Sommercamp wütet ein maskierter Killer und tötet alle Campbetreuer auf grausame Weise.

 
 
 


 
 
 

YOU MIGHT BE THE KILLER – Kritik

 
 
 
Immer wenn man meint bekannten Horror-Subgenres nichts Neues mehr hinzufügen zu können, kommt ein ambitionierter Filmemacher daher und belehrt den Zuschauer eines Besseren. Seit Jahren fristet der Slasher ein jämmerliches Dasein im Heimkino. Alteingesessenen Filmkenner spricht man da aus der Seele. Seit Wes Cravens SCREAM will sich diese Unterart des Horrorfilms einfach nicht mehr weiterentwickeln und spult immer wieder gleiche Verläufe ab, die bereits in den Anfängen des Slasher-Kinos Programm gewesen waren. Das verursachtet verständlicherweise bei jenen Zuschauern Langeweile, denen es nach Unterhaltung dürstet. Die wollen nicht immer wieder gleiche Geschichten auf der Mattscheibe sehen, die sich einzig durch ausgetauschte Besetzung voneinander unterscheiden. Stattdessen will man überrascht werden und Wege fernab bekannter Pfade gehen. Frische Ideen sind demnach fällig.
 
 
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Gleiche Gedanken hatte offenbar auch Regisseur BRETT SIMMONS. Dem dürfte die Ideen-Stagnation im Slasher-Bereich auch ein Dorn im Auge gesesen sein. Wohl ein Grund warum er mit YOU MIGHT BE THE KILLER einen Film dieser Gattung inszeniert hat, der sich von den üblichen Verdächtigen unterscheidet. Darin beginnt eigentlich alles ganz vertraut. Ein Überlebender befindet sich auf der Flucht vor einem maskierten Mörder. Sam (FRAN KRANZ auf BLOODSUCKING BASTARDS) nennt sich das verwirrte Opfer, das sich in der Hütte eines Sommercamps verstecken kann und direkt zum Telefon greift. Doch statt die Polizei zu rufen, wählt der Camp-Leiter lieber die Nummer von Freundin Chuck (ALYSON HANNIGAN aus der AMERICAN PIE-Reihe). Die arbeitet in einem Comic-Laden und kennt sich mit Horrorfilmen und deren Verläufen auf. Statt schnell zur Hilfe zu eilen oder den Notruf zu alamieren, versucht sie ihrem Freund am Telefon zu helfen. Was der aber zu erzählen hat, drängt YOU MIGHT BE THE KILLER in eine unerwartet erfrischende Richtung.
 
 
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Verkehrte Welt. YOU MIGHT BE THE KILLER ist Meta-Horror, der mal was anderes versucht. Statt die bekannte Horror-Geschichte aus der Sicht der Opfer zu erzählen, die in einem Sommercamp vor einem maskierten Killer flüchten müssen, geht die als Hommage an die Freitag-Filme der 1980er getarnte Horrorkomödie kreativere Wege. In diesem Film folgt der Zuschauer dem Killer auf Schritt und Tritt. Der schaut dem Bösen quasi beim Töten über die Schulter und kann sich so mal ein Bild dessen machen, was ein Killer alles erlebt, wenn der im Horrorfilm auf Beutefang geht. Dass das natürlich alles andere als ernst gemeint ist, wird schnell klar. YOU MIGHT BE THE KILLER ist ein Film, der sich zu keiner Minute ernst nimmt. Regisseur BRETT SIMMONS hat eine Menge Spaß daran mit Slasher-Klischees zu spielen und selbige auch noch durch den Kakao zu ziehen. Das sorgt für so manch urkomischen Moment und selbst eingefleischte Fans können noch etwas lernen. So wird im Film erklärt, wie Antiheld Sam zur Maskierung kommt und durch welch unglückliche Umstände die Camp-Kollegen das Zeitliche segnen müssen. Als wäre das nicht alles schon tragisch genug, muss er auch noch einen Weg finden, wie er das „Final Girl“ aufhalten kann, das am Ende eines jeden Meuchelthrillers dem Bösen die Leviten lesen muss. Weil YOU MIGHT BE THE KILLER auch noch ganz unverfroren aus bekannten Klassikern wie FREITAG DER 13. oder SLEEPAWAY CAMP zitiert und konventionellen Erzählmechanismen mittels Flashbacks den Stinkefinger zeigt, ist YOU MIGHT BE THE KILLER schon jetzt Pflichtprogramm für Slasher-Fans und solche, die es noch werden wollen.
 
 
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YOU MIGHT BE THE KILLER – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Clever, witzig und vollkommen anders. YOU MIGHT BE THE KILLER ist der beste Beweis dafür, dass auch der in die Jahre gekommene Slasher unterhalten kann – wenn sich nur ambitionierte Filmleute trauen angestaubte Regeln zu brechen. Das ist im Falle von YOU MIGHT BE THE KILLER geschehen. Der Film ist quasi eine vollkommen andere Sicht auf das Slasher-Genre der 1980er und das lässt den Streifen aus der grauen Masse an billig und lieblos produzierten Meuchelfilmen hervorstechen. Interessant ist hierbei, wie es zum Film überhaupt kam. Die Grundlage zum Meta-Horror lieferten nämlich die Autoren SAM SYKES und CHUCK WENDIG. Die waren kreativ und ersponnen sich eine absurde Horrorgeschichte, die auf Twitter 11.000 Leser unterhielt. Als wäre das nicht schon sonderbar genug, machten sie sich in selbigem Twitter-Thread auch noch über die Klischees und Verläufe von Horror-Slashern lustig. Die cleveren Gedankengänge kamen nicht nur bei den Lesern des Threads gut an. Auch die beiden Initiatoren sahen in den eigenen Gedankengängen Potenzial für einen Langfilm. So kam, was kommen musste. SAM SYKES und CHUCK WENDIG nahmen Geld in die Hand und beauftragten Regisseur BRETT SIMMONS für den Regieposten. Letzterer kennt sich mit Horrorfilmen aus. Der inszenierte bereits Genre-Ware, wie ANIMAL, HUSK und eine Episode im Anthologie-Horrorfilm CHILLING VISIONS: 5 STATES OF FEAR. Jede Menge Erfahrungen, die YOU MIGHT BE THE KILLER zu einem sehenswerten Filmerlebnis machen.
 
 
 


 
 
 

YOU MIGHT BE THE KILLER – Zensur

 
 
 
YOU MIGHT BE THE KILLER hat ein paar blutige Gore-Effekte zu bieten. Da werden Hälse mit der Machete aufgeschnitten oder ein Schädel in zwei Hälften geschlagen. Wegen des humoristischen Untertons dürfte die Meta-Horrorkomödie eine FSK16 erhalten. Hierzulande hat sich die Rechte das Label INDEED FILM gesichert und wird den Streifen voraussichtlich im Frühjahr 2019 veröffentlichen.
 
 
 


 
 
 

YOU MIGHT BE THE KILLER – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Screen Media Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Behind the Mask (2006)
 
Final Girls (2015)
 
Scream – Schrei (1996)
 

Filmkritik: „Secret Santa“ (2017)

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SECRET SANTA

Story

 
 
 

Eine dysfunktionale Familie rechnet an Weihnachten miteinander ab.

 
 
 


 
 
 

SECRET SANTA – Kritik

 
 
 
Weihnachten in Familie. Das ist für die einen der Höhepunkt des Jahres, für andere aber auch der Horror auf Erden. Nicht selten trifft man da auf nervige Verwandte, denen man nicht unbegründet den Rest des Jahres aus dem Weg gegangen ist. Da muss man an der Festtafel Geschichten lauschen, die man eigentlich gar nicht hören will oder Geschenke auspacken, die man besser gleich in der Mülltonne entsorgen möchte. Man kann sich die eigene Familie eben nicht immer aussuchen. Genau jene weisen Worte sind nun auch in der Horrorkomödie SECRET SANTA Programm, die übrigens nichts mit dem gleichnamigen Slasher zu tun hat, der bereits 2015 auf die Genre-Gemeinde losgelassen wurde. Statt maskiertem Killer ist es im folgenden Horror-Spaß das Weihnachtsfest selbst, dass einer dysfunktionalen Familie zum tödlichen Verhängnis wird. Regisseur ADAM MARCUS hat hier die Horror-Version der Weihnachtskomödie SCHÖNE BESCHERUNG inszeniert und sich selbst übertroffen. Selten hat man einen böseren Weihnachtsfilm als diesen hier gesehen. Freunde makabrer Späße und blutiger Raffinessen kommen da auf ihre Kosten.
 
 
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SECRET SANTA erzählt die Geschichte der Familie Pope, die sich einander alles andere als gern hat. Trotzdem findet man sich zum alljährlichen Weihnachtsschmaus zusammen, um das Fest miteinander zu feiern, weil es eben an Weihnachten dazugehört. Doch diesmal soll es nicht nur bei verbalen Anfeindungen bleiben. Dieser Heiligabend wird blutig und grausam. Die Familienmitglieder gehen sich nämlich plötzlich an die Gurgel und fallen übereinander her. Der Grund dafür ist ziemlich makaber: jemand hat Drogen in den Punsch gemischt. Diese bewirken nicht nur, dass der Konsument die Wahrheit sagt. Das gefährliche Getränkt sorgt zudem dafür, dass sich die Angehörigen in aggressive Furien verwandeln und sich gegenseitig abschlachten. Autsch, das wird ganz schön blutig.
 
 
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Das hat man nicht kommen sehen. SECRET SANTA hat es ganz schön in sich. Was sich hier auf der Mattscheibe abspielt, hat man definitiv nicht erwartet. Regisseur ADAM MARCUS will mit diesem Weihnachtshorror offensichtlich an alte Horrorfilm-Erfolge anknüpfen. Der übernahm vor einer Ewigkeit die Regie zum neunten Freitag-Film und verpasst mit JASON GOES TO HELL genannter Slasher-Reihe seinen ganz eigenen Stempel. Doch der Filmemacher war seither nicht untätig. Ihm sind die Drehbücher zu Filmen wie TEXAS CHAINSAW 3D und MOMENTUM zu verdanken, die er zusammen mit Gattin DEBRA SULLIVAN verfasst. Letztere hat es sich nicht nehmen lassen, auch als Drehbuchautorin bei SECRET SANTA wieder mit an Bord zu sein.
 
 
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Eine gute Entscheidung, wie sich im Falle von SECRET SANTA herausstellt. Der Film ist nämlich durchaus sehenswert, da er die teils in Hollywood-Filmen vorgelebte „Heile Welt“ an Weihnachten auf die Schippe nimmt und sie in sattes Blutrot taucht. Statt Herzenswärme, Besinnlichkeit und Nächstenliebe regieren in diesem Film Ignoranz, Hass und Oberflächlichkeit. Das alles entlädt sich in einem absurden Gewaltrausch, der vor allem Splatterfans Freude bereiten dürfte. Im Film geht es nämlich alles andere als zimperlich zu. Hier wird in abgeschnittene Köpfe penetriert, Weihnachtsbaumspitzen zweckentfremdet und Tafelbesteck zum Mordwerkzeug umfunktioniert. Dabei allgegenwärtig: rabenschwarzer Humor. Der besitzt teils derart zynischen Tenor, dass einem nicht nur einmal das Lachen im Halse stecken bleiben kann. Regisseur ADAM MARCUS ist mit dem Low-Budget-Splatter SECRET SANTA ein Glücksgriff gelungen. Der Film entpuppt sich als etwas anderer Weihnachtsfilm, der sich ganz ungeniert von so leichten Familienkomödien wie KEVIN ALLEIN ZU HAUS oder GREMLINS – KLEINE MONSTER abzuheben versucht. Ein hervorragendes Weihnachtskontrastprogramm, aber auch nicht unbedingt massentauglich. Für diesen Film benötigt man schon ein dickes Fell, denn der teils derbe Humor ist nicht für jedermann geeignet. SECRET SANTA ist alles andere als besinnlich und jugendkonform und wird definitiv nicht ungeschnitten an Heiligabend im TV laufen. Damit dürfte SECRET SANTA ein erwähnenswertes Alleinstellungsmerkmal besitzen.
 
 
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SECRET SANTA – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Der wohl bitterböseste Weihnachtsfilm, der je gedreht wurde. Dieses Familienzusammentreffen an Heiligabend ist garantiert kein heiterer Kinderspaß. Ganz im Gegenteil. SECRET SANTA ist eine rabenschwarze Horrorkomödie nur für Erwachsene, bei der dem Zuschauer das Lachen im Halse stecken bleiben wird. Die Quintessenz: Spaß und Blut. Die hervorragenden Darsteller wurden in ihren Rollen perfekt besetzt. Auch die bemerkenswert blutigen Spezialeffekte haben es in sich, die ab der zweiten Filmhälfte erstaunlich oft über die Mattscheibe flimmern und SECRET SANTA das Prädikat „ultimativer Weihnachtssplatterfilm“ aufdrücken. Dass SECRET SANTA ziemlich blutig werden würde, war abzusehen. Als Effektekünstler zeichnet kein anderer als ROBERT KURTZMAN verantwortlich. Der hat mit seinen Spezialeffekten schon vielen Horrorfilmen zu blutigem Erfolg verholfen. Darunter so Kultstreifen wie TANZ DER TEUFEL 2, SCREAM oder WISHMASTER.
 
 
 


 
 
 

SECRET SANTA – Zensur

 
 
 
SECRET SANTA ist trotz Horrorkomödie sehr blutig. Hier gibt es ab Filmmitte abwechslungsreiche Tötungsarten zu sehen, die dem Streifen eine Erwachsenenfreigabe bescheren werden. Eine Szene könnte hierbei große Probleme bereiten. Darin penetriert ein tollwütiger Protagonist in einen abgetrennten Kopf und äußert dabei zynische Sprüche. Holt man den Film FOUND – MEIN BRUDER IST EIN SERIENKILLER zurück ins Gedächtnis, dürfte schnell klar werden, dass die hiesige FSK mit sowas gar keinen Spaß versteht.
 
 
 


 
 
 

SECRET SANTA – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Distilled Media | Skeleton Crew)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Krampus (2015)
 
Better Watch Out (2016)
 
Mercy Christmas (2016)
 

Filmkritik: „I’ll Take Your Dead“ (2018)

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I’LL TAKE YOUR DEAD

Story

 
 
 

Ein alleinerziehender Vater bekommt unerwarteten Besuch von einer skrupellosen Bande Krimineller und muss in den eigenen vier Wänden ums Überleben kämpfen.

 
 
 


 
 
 

I’LL TAKE YOUR DEAD – Kritik

 
 
 
ALEXANDRE AJA, ROB ZOMBIE oder ELI ROTH – Namen bekannter Filmemacher, die den meisten Horrorfilmfans ein Begriff sein dürften. Was aber nur die wenigsten wissen: es gibt weitaus mehr Regisseure, die den Zuschauer mit schaurigen Filmen den Schlaf verderben möchten und dabei nicht unbedingt schlechter sind, als die oben genannten. Zu einem derer zählt CHAD ARCHIBALD. Der dreht am Fließband Genre-Streifen, die sogar auf einschlägigen Festivals gelobt wurden. Dennoch will sich der Name des kreativen Filmfans nicht so recht in die Köpfe einbrennen. Vielleicht gelingt das nun endlich mit I’LL TAKE YOUR DEAD. Hierbei handelt es sich um den bisher besten, ausgereiftesten und rundesten Gruselausflug des Filmemachers, der zuletzt mit so Horrorwerken wie BITE, THE HERETICS oder THE DROWNSMAN versucht hat im Horror-Genre Anschluss zu finden.
 
 
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Endstation Müllbeseitigung. Eigentlich ist William (AIDAN DEVINE) ein fürsorgender Vater. Wäre da nicht die zwielichtige Bestreitung des Lebensunterhalts mit dem er sich und seine Tochter Gloria (AVA PRESTON) über Wasser halten muss. Im Namen einer brutalen Gang beseitigt er die toten Körper jener, die mit Bandenanführer Reggie (ARI MILLEN) so ihre Probleme gehabt haben. Leider kommt bald Abwechslung in den sonst eher stupiden Arbeitsalltag. Eine Leiche der neuen Lieferung ist nämlich gar nicht so tot, wie anfangs vermutet. Eine heikle Situation für den Alleinerziehenden. Der grübelt über das weitere Vorgehen, entscheidet sich aber dann dazu die vermeintliche Tote am Leben zu lassen. Ein fataler Fehler. Weil Gangoberhaupt Reggie erfährt, dass eines seiner Opfer immer noch unter den Lebenden weilt und von seinem Leichenbeseitiger geschützt wird, bringen sich Vater William und dessen Tochter in Gefahr. Zivilcourage kann eben auch manchmal tödlich sein.
 
 
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Endlich mal wieder ein guter Thriller. Die machen sich in letzter Zeit rar. I’LL TAKE YOUR DEAD ist ein Mix aus diversen Sub-Genres. Regisseur CHAD ARCHIBALD geht Experimente ein und vermischt hier Geister-Horror mit Thriller- und Home-Invasion-Momenten. Dabei erzählt er eine erschütternde und emotionale Vater-Tochter-Geschichte, die vor allem durch eines punkten kann: ästhetische Bilder und gute Schauspieler. An dieser Stelle sollte vor allem die 14-jährige AVA PRESTON genannt werden. Die spielt wie eine Große und verkörpert eine taffe Teenagerin, die plötzlich beginnt Geister zu sehen. Während Vater William im Auftrag eines Gangsterbosses Leichen in Salzsäure verschwinden lässt, wird Tochter Gloria zum unfreiwilligen Medium. Doch die Gabe ist alles andere als willkommen. Das Mädchen wird nämlich von den Seelen jener heimgesucht, die der Vater verschwinden lassen soll. Für Gloria eine Qual, denn die Angst vor dem Unerklärlichen machen jeden neuen Tag zum Albtraum.
 
 
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Leider schneidet CHAD ARCHIBALD die Geister-Thematik nur an, denn im Mittelpunkt stehen vorrangig zwischenmenschliche Beziehungen, in der vor allem die Vater-Tochter-Beziehung besondere Gewichtung erhält. Die gerät schon bald ins Wanken, weil mit der vermeintlich toten Jackie eine weitere Person in den Fokus gerückt wird, die das Verhältnis der kleinen Familie auf eine harte Probe stellt. Tochter Gloria sieht in ihr einen Mutterersatz und schlägt sich auf die Seite des unerwarteten Gastes. Dass das dem Familienoberhaupt so gar nicht passen will, dürfte logisch sein. Konfliktreiche Geschichten ziehen auch im Genre-Kino nach wie vor.
 
 
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Dennoch dürfte I’LL TAKE YOUR DEAD aber nicht jedem Horrorfan schmecken. Viel mit Horror hat dieser Mysterythriller nämlich nicht am Hut. Das Familiendrama besitzt zwar wenige Gruselmomente, wird aber ab Filmmitte zum Bandenthriller in dem zusätzliche Home-Invasion-Rezepturen implementiert wurden. Der Spannung tut das aber keinen Abbruch. Trotz überschaubarer Handlung zeigt CHAD ARCHIBALD, dass man auch aus kleinen Geschichten packende Abendunterhaltung machen kann. Es kommt einzig darauf an, wie man Handlungen verpackt, die im Grunde genommen auf einen Bierdeckel passen. Im Zuge dessen sollten man deshalb die Karriere des kanadischen Filmemachers im Auge behalten. Betrachtet man nämlich dessen bisherige Arbeiten, ist eine konsequente Weiterentwicklung zu erkennen. Die hat nun im Falle von I’LL TAKE YOUR DEAD ihren bisherigen Höhepunkt erreicht. Ein sehenswertes Stück Zelluloid, das wir an dieser Stelle aufgeschlossenen Genre-Fans ans Herz legen wollen. Da darf man gespannt darauf sein, was in Zukunft von diesem talentierten und ambitionierten Regisseur kommen wird. Handwerklich saubere und atmosphärische Horrorfilme drehen kann der nämlich zweifelsohne.
 
 


 
 
 

I’LL TAKE YOUR DEAD – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Geister-Grusel trifft auf Bandenthriller und Home-Invasion-Grauen. I’LL TAKE YOUR DEAD ist gelungener Indie-Horror, der endlich mal zeigt, was Regisseur CHAD ARCHIBALD wirklich drauf hat. Der ist ein richtiges Arbeitstier und dreht und produziert am Fließband Filme, von denen man definitiv schon mindestens einen gesehen hat. Ob ANTISOCIAL, BED OF THE DEAD oder BITE – der gebürtige Kanadier baut sich so langsam einen Ruf im Genrefilm auf und hat nun mit I’LL TAKE YOUR DEAD endlich mal was Rundes gemacht. Handwerklich ist der Streifen über jeden Zweifel erhaben. Man merkt förmlich, dass der leidenschaftliche Filmemacher sicher bei dem ist, was er tut. Die Kameraarbeit ist exzellent, die Symbiose zwischen Klangteppich und Schreckmomenten hervorragend und auch atmosphärisch fährt I’LL TAKE YOUR DEAD groß auf. Hier sieht alles nach mehr aus, als es letztendlich gekostet hat. Eine Kunst für sich, die vor allem durch die guten Schauspieler verstärkt wird, weil die für Indie-Horror-Verhältnisse ungewöhnlich gut spielen. Da sind die Zeiten üblen Horror-Trash kurz vergessen, der einem sonst mit wenig Aufwand vor die Füße geworfen wird. I’LL TAKE YOUR DEAD ist weit weg von Trash und eine Empfehlung für jene, die endlich mal wieder gute und ehrliche Genre-Ware in den Player schieben wollen. Dieser Film enttäuscht keineswegs. Deshalb vergeben wir für diesen Film das Prädikat: Geheimtipp!
 
 
 


 
 
 

I’LL TAKE YOUR DEAD – Zensur

 
 
 
I’LL TAKE YOUR DEAD wird nicht viel gemordet oder gesplattert. Es wird einer Leiche ein Bein abgesägt. Ebenso bekommt man mal einen abgetrennten Kopf einer Leiche zu suchen. Die meisten Gewaltmomente reduzieren sich auf das Ende. Dann gibt es einige Einschüsse zu sehen. Zudem verbrennt ein Protagonist. Das alles taugt für eine FSK16.
 
 
 


 
 
 

I’LL TAKE YOUR DEAD – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Black Fawn Films | Breakthrough Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Don’t Breathe (2016)
 
Demon Girl – Das Böse lebt in ihr (2016)
 
The Badger Game (2014)