Filmkritik: „Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt“ (1999)

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ECHOES – STIMMEN AUS DER ZWISCHENWELT

(STIR OF ECHOES)

Story

 
 
 

Nachdem ein Familienvater sich hypnotisieren ließ, wurde eine Tür in ihm geöffnet und nun wird er von Visionen geplagt, die mit einem schrecklichen Ereignis zusammenhängen.

 
 
 


 
 
 

ECHOES – Kritik

 
 
 
1999 gab es gleich zwei richtig starke Geisterhorrorfilme. Doch während „The Sixth Sense“ ein ungemeiner Erfolg wurde, konnte „Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt“ sich nicht zum Kultfilm entwickeln. Das ist eigentlich unberechtigt, bekommt man hier doch einen wirklich guten Film geboten, der nicht zum Spuk-Einheitsbrei gehört.
 
 
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Familie Witzky lebt ein zufriedenes Leben. Eines Abends lässt sich Vater Tom auf einer Party zum Spaß hypnotisieren, doch etwas geht dabei schief. Plötzlich wird Tom von Visionen und Erscheinungen geplagt. Noch beunruhigender ist jedoch, dass selbst der kleine Sohn scheinbar Dinge sieht, was für ihn aber normal erscheint. Umso länger die Visionen von Tom andauern, desto mehr steigert er sich in einen Wahn hinein, denn er will unbedingt wissen, was hier Sache ist.
Das Drehbuch basiert auf einem Roman und erzählt eine ganz normale Geistergeschichte. Nichts an „Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt“ ist besonders kreativ oder originell. Dafür funktioniert die Story aber ausgesprochen gut, denn sie ergibt einen Sinn, wird schlüssig aufgelöst und lässt den Zuschauer schön miträtseln. Es gibt nämlich immer wieder Anhaltspunkte, um darauf zu kommen, was hier gespielt wird und da braucht es am Ende gar keinen großen „Wow“-Effekt, um überzeugen zu können. Die kleinen Details werden schön eingebaut und am Ende ist das einfach ein Drehbuch, welches von vorne bis hinten bestens funktioniert.
 
 
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Es liegt allerdings besonders an Kevin Bacon, dass „Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt“ so gut funktioniert, denn der liefert hier sehr gut ab. Bacon stellt seinen Wahn ideal dar, bleibt dabei jedoch stets sympathisch und manche Szenen sind schon sehr intensiv gespielt. Doch auch Kathryn Erbe macht als seine Film-Ehefrau eine durchaus gute Figur. Sogar der kleine Zachary David Cope ist für sein Alter echt gut und spielt das niemals nervig. In Nebenrollen überzeugen Illeana Douglas und Kevin Dunn. Die Besetzung nimmt die gute Figurenzeichnung dankend an, denn in diesem Film gibt es nicht zu viele Klischees. So ist es schön, dass Tom trotz seines Wahns niemals gewalttätig wird und Maggie sich der Sache nicht komplett verschließt. Die Charaktere handeln glaubwürdig und das macht ein Mitfiebern für den Zuschauer erst so gut möglich. Eine gute Entscheidung war es auch, dass Jake als kleines Kind zwar mit eingebaut wurde, der Fokus jedoch nicht so sehr auf ihm liegt. Wenn es dann zur Auflösung kommt, kann man die Figuren noch immer halbwegs nachvollziehen und das ist erfreulich.
 
 
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Daneben lebt „Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt“ aber auch von der durchaus passenden Inszenierung. Hier wird nicht so viel Wert auf Schockeffekte gelegt, selbst wenn man sich ab und zu mal erschrecken kann. Die Atmosphäre, welche aufgebaut wird, hat es in sich, denn obwohl es niemals zu nervenzerreißend wird, besitzt der Film seine düstere, unheimliche Stimmung, die gekonnt ausgebaut wird. Regisseur David Koepp inszeniert das Treiben relativ ruhig, baut aber auch immer mal kleine Spielereien mit ein. Wie man z.B. die Hypnose bildlich dargestellt hat, ist sehr gelungen. Doch auch die kleinen Visionen wurden stark bebildert. Obwohl man es dabei mit einem Horrorfilm zu tun hat, legt es der Film gar nicht so sehr auf Horror an. Es gibt nämlich einige Drama-Elemente und im Endeffekt ist das sogar eher ein Krimi. Der Aufbau funktioniert bestens und die 90 Minuten Laufzeit vergehen sehr schnell. Es gibt keine große Einleitung und hinterher wird immer mehr an der Spannungsschraube gezogen, bis es im Finale sogar noch eine kleine Portion Action gibt. Nebenbei ist erfreulich, dass hier ohne viele Effekte ausgekommen wird und der Score rundet das positive Gesamtbild ordentlich ab.
 
 
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ECHOES – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
„Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt“ darf sich kleiner Klassiker des Geisterhorrors nennen, denn er funktioniert selbst 20 Jahre nach Erscheinen noch wunderbar. Die Handlung wird schlüssig und interessant erzählt, die Darsteller sind toll und die Figurenzeichnung kommt ohne Unglaubwürdigkeiten aus. Zusätzlich wurde alles schön unheimlich inszeniert und eine richtige Stärke ist die Atmosphäre, denn diese reicht von entspannt bis hin zu richtig unheimlich. Es ist kein lauter Spuk, sondern eher ein subtiler, der edel erzählt wird. Selbst nach mehrmaligem Schauen unterhält das noch sehr gut und wirklich kein Fan vom Grusel sollte „Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt“ verpasst haben!
 
 
 


 
 
 

ECHOES – Zensur

 
 
 
„Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt“ ist eher ein subtiler Gruselfilm. Deshalb erhielt der Film bereits für die Kinoauswertung eine ungeschnittene FSK16. Gleiches folgte für die Auswertung auf DVD. Die nun erhältliche Blu-ray besitzt auch den blauen FSK16-Sticker.
 
 
 


 
 
 

ECHOES – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) KOCH FILMS (Mediabook – Cover A)

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(c) KOCH FILMS (Mediabook – Cover B)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Stir of Echoes; USA 1999

Genre: Horror, Mystery, Thriller,

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 2.0

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 109 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook mit 2 Cover-Auflagen

Extras: Booklet, Audiokommentar, Interviews, Making of, Trailer

Release-Termin: 11.07.2019

 

Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt – Mediabook A [Blu-ray + DVD] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt – Mediabook B [Blu-ray + DVD] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

ECHOES – Trailer

 
 


 
 

Benjamin Falk

(Die Rechte für alle Grafiken liegen bei KOCH FILMS)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Echoes 2 – Stimmen Aus Der Zwischenwelt (2007)
 
Paranormal Resurrection (2014)
 
Schatten der Wahrheit (2000)
 
Jessabelle (2014)
 
White Noise (2005)
 

Filmkritik: „Feedback“ (2019)

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FEEDBACK

Story

 
 
 

Radioshow des Grauens: Einige maskierte Einbrecher legen eine Radiostation lahm und übernehmen das Zepter. Mit blutigen Folgen.

 
 
 


 
 
 

FEEDBACK – Kritik

 
 
 
Die besten Horrorfilme sind die, die einen kalt und unvorbereitet treffen. Da schiebt man ahnungslos einen Film in den Player und erwartet eigentlich nicht viel. Umso erfreulicher, wenn es einen dann doch packt und nicht mehr loslassen will. Der spanische FEEDBACK ist eine dieser beschriebenen Produktionen. Der wurde ausschließlich in englischer Sprache gedreht und international besetzt. So lässt sich ein europäischer Film besser international verkaufen. Das Ergebnis ist Qualitätsarbeit aus Spanien bei der nicht wundern würde, wenn einen Herrn Jason Blumhouse der Teufel packt und FEEDBACK noch einmal für den amerikanischen Filmmarkt neu interpretieren würde. FEEDBACK erinnert in seiner Machart an FUNNY GAMES, KIDNAPPED oder den erst kürzlich hier besprochenen DAS GEHEIMNIS DER ROSE. In letzterem wurde eine Familie von einem Fremden terrorisiert, der noch ein Hühnchen mit der Bande zu rupfen hatte. Während dort der Horror in erster Linie psychischer Natur war, hält Regisseur PEDRO C. ALONSO von Kopfkino allein nicht sonderlich viel. Der lässt in seinem Regiedebüt FEEDBACK gleich mal den Hammer schwingen und sorgt für ein Blutbad. Hier wird Schockwirkung mit dem Riesenhammer erzielt. Zartbesaitete halten besser Abstand, denn FEEDBACK wirkt wegen der schonungslosen Skrupellosig- und Unberechenbarkeit von Bestie Mensch nach.
 
 
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Der Moderator einer erfolgreichen Radiosendung erlebt die Hölle auf Erden. Der wird eines Abends während einer Live-Übertragung von Einbrechern in seinem Moderationsraum festhalten. Jarvis Dolan soll die Sendung wie üblich weiter führen aber den Anweisungen der maskierten Fremden Folge leisten. Die haben keine besonderen Musikwünsche, sondern wollen den Moderator vor Live-Publikum zur Rede stellen. Eine Angelegenheit, die die Karriere des bekannten Rundfunksprechers beenden könnte. Das weiß Jarvis Dolan natürlich, doch ihm bleibt nichts anderes übrig, als das perfide Spiel mitzuspielen. Die Kriminellen haben nämlich Geiseln in der Hand und sind zu allem bereit. Ist der Moderator nicht kooperativ, sterben nahestehende Menschen. Eine Tatsache, die diese Live-Sendung zur längsten im bisherigen Leben des Jarvis Dolan macht.
 
 
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Überschaubare Kulisse und Hochspannung pur. Die ganze Handlung von FEEDBACK spielt sich – ähnlich wie in so Filmen wie PANIC ROOM oder ELEVATOR – auf begrenztem Raum ab. Das bedeutet, dass sich die Geschehnisse in nur einem einzigen Zimmer zutragen, was zusätzlich für Anspannung sorgt. Panik, Klaustrophobie, Angst – extreme Herausforderungen, die den Film tragen und zu einer schweißtreibenden Angelegenheit machen. Regisseur PEDRO C. ALONSO lässt kaum Verschnaufpausen zu. Er beweist einen bewundernswerten Umgang mit Spannung, fordert seine Opfer und ebenso den Zuschauer. Was wollen die Einbrecher, wer versteckt sich hinter den Masken und zu was sind die Fremden fähig? Antworten auf Fragen, die natürlich so lang wie möglich verschleiert werden. Dazwischen: explizite Gewalt, psychologischer Terror und unerwartete Wendungen. Ja, FEEDBACK ist kein einfach zu verdauendes Filmchen – vor allem auch deshalb, weil der Film Kompromisse scheut und den Zuschauer wie auch seine Opfer durch die Filmhölle gehen lässt. Dabei bleibt grundsätzlich unklar, wer denn nun hier eigentlich gut und wer böse ist. Da verschwimmen Grenzen. Filmemacher PEDRO C. ALONSO macht aus Menschen Monster, die selbst in Extremsituationen über Leichen gehen und sich kontinuierlich in der moralischen Zweideutigkeit bewegen. Eine Tatsache, die verstört, zumal der Newcomer auch noch mit einem hinterlistigen Ende dort trifft, wo es am meisten wehtut. Das ist zwar nichts für Zuschauer mit schwachem Kreislauf. Trotzdem bleibt man aber mit so brachial schonungslosen Filmen im Gedächtnis. Eine Tatsache, die schon so manchem Filmschaffenden den Weg nach Hollywood geebnet hat. Kollegen wie ALEXANDRE AJA können ein Lied davon singen.
 
 
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FEEDBACK – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Eine kontroverse Geiselnahme, die schon bald aus dem Ruder läuft. FEEDBACK ist kein Kinderfasching. Der Film entpuppt sich als klaustrophobisches Kammerspiel, das vor allem durch eines im Gedächtnis bleibt: Schockwirkung. Hier ist nichts, wie es auf den ersten Blick scheint. Das betrifft Figuren, wie auch Handlungsverläufe. Dazwischen: brachiale Gewaltausbrüche, die so unvorbereitet und heftig kommen, dass der Puls rast. Regisseur PEDRO C. ALONSO entpuppt sich als wahrhaftiger Spannungsmeister. Kaum Action, viele Dialoge. Dennoch vergehen die knapp 90 Minuten wie im Flug. Danach erhebt man sich schweißgebadet aus dem Filmsessel und braucht erstmal eine kalte Dusche. Krasses Debütwerk.
 
 
 


 
 
 

FEEDBACK – Zensur

 
 
 
FEEDBACK hat einige doch sehr harte Szenen zu bieten. Da wird mit einem riesigen Hammer eine Hand zertrümmert, auf einen Schädel mehrmals eingeschlagen und einen Kehlenschnitt gibt es auch zu sehen. Man darf von einer Erwachsenenfreigabe ausgehen: FSK18.
 
 
 


 
 
 

FEEDBACK – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei eOne Films Spain | Blue Fox Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Funny Games (1997)
 
Das Geheimnis der Rose (2017)
 
Kidnapped (2010)
 
Hate Crime (2013)
 

Filmkritik: „Level 16“ (2018)

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LEVEL 16

Story

 
 
 

In einer Akademie werden Teenagerinnen mit harter Hand geführt. Bis es plötzlich zwei Mädchen nicht mehr aushalten und das System der Schule hinterfragen.

 
 
 


 
 
 

LEVEL 16 – Kritik

 
 
 
Während minderwertige Horrorfilme gern mal mit reißerischen Covergestaltungen um die Gunst der Käuferschaft buhlen, passiert es nicht selten, dass viele Streifen erst gar nicht gekauft werden, weil das Cover der DVD oder Blu-ray zum zugehörigen Film nicht ansprechend gestaltet wurde. Das ist dahingehend schade, weil so Produktionen erst gar nicht gesehen werden, die eigentlich Aufmerksamkeit verdient hätten. Ein solches Beispiel ist der folgende LEVEL 16. Der wurde auf einigen Festivals zu Recht mit Preisen und Lob überschüttet. Leider hat man beim Cover-Design nicht unbedingt Kreativität walten lassen, was wohl dazu führen wird, dass der Geheimtipp im Kaufregal liegen bleibt. Eine Schande, verpasst man doch so einen der besten Indie-Genrefilme der letzten Jahre. Deshalb klären wir auf: LEVEL 16 ist einer jener Filme, der gesehen werden sollte, weil er nachwirkt. Ganz ohne Blut, Mord und Totschlag!
 
 
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Die Mädchen der Vestalis-Akademie haben es nicht leicht. Die müssen sich strengen Regeln unterwerfen und werden zu Reinheit, Gehorsamkeit und Bescheidenheit erzogen. Nur wer demütig und anständig bleibt, hat so die Chance von liebenden Eltern adoptiert zu werden. Doch bevor die Teenagerinnen in ein neues Zuhause ziehen können, muss Level 16 durchwandert werden. Hierbei handelt es sich um die finale Stufe der Akademie, die nur durch Fleiß, Unterwerfung und Disziplin erreicht werden kann. In jenem Level 16 befinden sich auch Vivien (KATIE DOUGLAS) und Sophia (CELINA MARTIN). Die beginnen bald das System zu hinterfragen und wollen nur noch raus. Doch der Weg in die Freiheit ist steinig und schwer. Auf den Gängen befinden sich bewaffnete Männer und beinahe jede Tür dieser Einrichtung wurde mittels Schlüsselkarte verschlossen. Sieht so eine Schule für strebsame Schülerinnen aus?
 
 
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LEVEL 16 besitzt das, was guten Genre-Filmen neueren Datums oft fehlt. Der Film überzeugt durch gute Schauspieler, eine undurchsichtige Handlung und zermürbende Atmosphäre, die einen tief in den Filmsessel versinken lässt. Was in dieser eigensinnigen Mädchenschule tatsächlich vor sich geht, wird zum großen Geheimnis gemacht. Was liegt hier im Argen, warum werden die Mädchen in dieser Akademie streng bewacht und hart geführt? Die Antwort darauf lässt auf sich warten. Bis der Streifen nämlich mit der Sprache herausrückt, vergeht viel Zeit. Da wird gern mal angedeutet, Spannung vorangetrieben und mit klaustrophobischer Stimmung provoziert. Letztere lässt früh erahnen, dass hinter diesen Mauern ein perfides Spiel gespielt wird. So mutet es eigensinnig an, dass die pubertierenden Mädchen weder Lesen, Schreiben noch Rechnen können. Als wäre das für eine Eliteschule nicht seltsam genug, werden die jungen Frauen auch noch wie Gefangene in Zellen gehalten, um sie vor drohendem Unheil fernzuhalten, das sich draußen an der Luft zusammenbraut. Erfahrene Zuschauer wissen: normal ist das definitiv nicht.
 
 
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Regisseurin DANISHKA ESTERHAZY dreht ausschließlich Filme in denen starke Frauen im Zentrum stehen. Das ist auch in LEVEL 16 der Fall. Hierbei handelt es sich um einen dystopischen Thriller, der in erster Linie das Zusammenspiel seiner kleinen Helden fokussiert. Dabei wird die Kulisse bewusst minimalistisch gehalten, damit sich der Zuschauer auf die Figuren konzentrieren kann. Die werden im Film von Aufsehern der Einrichtung manipuliert und mit Bestrafungen terrorisiert, um so zu anständigen und „reinen“ Frauen heranzuwachsen. Da macht sich unter den Mädchen ein Gefühl der Angst breit, die sich so ziemlich schnell auch auf den Zuschauer überträgt. Eine Kunst für sich, die vor allem auf die schauspielerischen Leistungen zurückzuführen ist. Die jungen Darstellerinnen winseln und weinen ziemlich echt. Das hat zur Folge, dass die psychischen Folterungen und die emotionalen Qualen der Schülerinnen durch Mark und Bein gehen. LEVEL 16 ist der beste Beweis dafür, dass es kein millionenschweres Budget und teure Spezialeffekte bedarf, um sehenswerte Genre-Ware zu drehen. Ein gutes Drehbuch und talentierte Schauspieler sind alles, um knapp 90 Minuten unterhalten zu können.
 
 


 
 
 

LEVEL 16 – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Der kanadische LEVEL 16 ist ein dystopisches Thriller-Drama mit kühlen und sterilen Look, über das man besser nicht zu viel liest, um sich nicht die Spannung verderben zu lassen. Der minimalistische Streifen lebt nämlich von der Prämisse, dass er aus seinem übersichtlichen Plot ein großes Geheimnis macht. Der Zuschauer wird – wie seine jungen Darstellerinnen – lang im Unklaren darüber gelassen, was es denn nun mit dieser Schule auf sich hat, die im Film heranwachsende Mädchen zu gehörigen Damen erzieht. Diese Undurchsichtigkeit macht den kammerspielartig aufgebauten LEVEL 16 so ziemlich spannend. Sollte man als offener Filmfan gesehen haben. Sehenswert!
 
 
 


 
 
 

LEVEL 16 – Zensur

 
 
 
LEVEL 16 ist eher ein zurückhaltendes Drama, statt bluttriefender Horrorfilm. Am Ende fällt ein Mann über eine Mauer und bricht sich das Genick. Weiterhin sieht man eine Leiche, deren Haut abgezogen wurde und mit einem Skalpell wird ein Gesicht verunstaltet zerschnitten. Hierzulande hat LEVEL 16 eine FSK16 in ungeschnittener Form erhalten.
 
 
 


 
 
 

LEVEL 16 – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) SPLENDID FILM (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Level 16; Kanada 2018

Genre: Drama, Mystery

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Niederländisch

Bild: 2,35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 103 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 29.03.2019

 

Level 16 [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

LEVEL 16 – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei SPLENDID FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Die Insel (2005)
 
The Handmaids Tale (seit 2017)
 

Filmkritik: „You Might Be the Killer“ (2018)

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YOU MIGHT BE THE KILLER

Story

 
 
 

A little bit FRIDAY THE 13TH: In einem Sommercamp wütet ein maskierter Killer und tötet alle Campbetreuer auf grausame Weise.

 
 
 


 
 
 

YOU MIGHT BE THE KILLER – Kritik

 
 
 
Immer wenn man meint bekannten Horror-Subgenres nichts Neues mehr hinzufügen zu können, kommt ein ambitionierter Filmemacher daher und belehrt den Zuschauer eines Besseren. Seit Jahren fristet der Slasher ein jämmerliches Dasein im Heimkino. Alteingesessenen Filmkenner spricht man da aus der Seele. Seit Wes Cravens SCREAM will sich diese Unterart des Horrorfilms einfach nicht mehr weiterentwickeln und spult immer wieder gleiche Verläufe ab, die bereits in den Anfängen des Slasher-Kinos Programm gewesen waren. Das verursachtet verständlicherweise bei jenen Zuschauern Langeweile, denen es nach Unterhaltung dürstet. Die wollen nicht immer wieder gleiche Geschichten auf der Mattscheibe sehen, die sich einzig durch ausgetauschte Besetzung voneinander unterscheiden. Stattdessen will man überrascht werden und Wege fernab bekannter Pfade gehen. Frische Ideen sind demnach fällig.
 
 
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Gleiche Gedanken hatte offenbar auch Regisseur BRETT SIMMONS. Dem dürfte die Ideen-Stagnation im Slasher-Bereich auch ein Dorn im Auge gesesen sein. Wohl ein Grund warum er mit YOU MIGHT BE THE KILLER einen Film dieser Gattung inszeniert hat, der sich von den üblichen Verdächtigen unterscheidet. Darin beginnt eigentlich alles ganz vertraut. Ein Überlebender befindet sich auf der Flucht vor einem maskierten Mörder. Sam (FRAN KRANZ auf BLOODSUCKING BASTARDS) nennt sich das verwirrte Opfer, das sich in der Hütte eines Sommercamps verstecken kann und direkt zum Telefon greift. Doch statt die Polizei zu rufen, wählt der Camp-Leiter lieber die Nummer von Freundin Chuck (ALYSON HANNIGAN aus der AMERICAN PIE-Reihe). Die arbeitet in einem Comic-Laden und kennt sich mit Horrorfilmen und deren Verläufen auf. Statt schnell zur Hilfe zu eilen oder den Notruf zu alamieren, versucht sie ihrem Freund am Telefon zu helfen. Was der aber zu erzählen hat, drängt YOU MIGHT BE THE KILLER in eine unerwartet erfrischende Richtung.
 
 
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Verkehrte Welt. YOU MIGHT BE THE KILLER ist Meta-Horror, der mal was anderes versucht. Statt die bekannte Horror-Geschichte aus der Sicht der Opfer zu erzählen, die in einem Sommercamp vor einem maskierten Killer flüchten müssen, geht die als Hommage an die Freitag-Filme der 1980er getarnte Horrorkomödie kreativere Wege. In diesem Film folgt der Zuschauer dem Killer auf Schritt und Tritt. Der schaut dem Bösen quasi beim Töten über die Schulter und kann sich so mal ein Bild dessen machen, was ein Killer alles erlebt, wenn der im Horrorfilm auf Beutefang geht. Dass das natürlich alles andere als ernst gemeint ist, wird schnell klar. YOU MIGHT BE THE KILLER ist ein Film, der sich zu keiner Minute ernst nimmt. Regisseur BRETT SIMMONS hat eine Menge Spaß daran mit Slasher-Klischees zu spielen und selbige auch noch durch den Kakao zu ziehen. Das sorgt für so manch urkomischen Moment und selbst eingefleischte Fans können noch etwas lernen. So wird im Film erklärt, wie Antiheld Sam zur Maskierung kommt und durch welch unglückliche Umstände die Camp-Kollegen das Zeitliche segnen müssen. Als wäre das nicht alles schon tragisch genug, muss er auch noch einen Weg finden, wie er das „Final Girl“ aufhalten kann, das am Ende eines jeden Meuchelthrillers dem Bösen die Leviten lesen muss. Weil YOU MIGHT BE THE KILLER auch noch ganz unverfroren aus bekannten Klassikern wie FREITAG DER 13. oder SLEEPAWAY CAMP zitiert und konventionellen Erzählmechanismen mittels Flashbacks den Stinkefinger zeigt, ist YOU MIGHT BE THE KILLER schon jetzt Pflichtprogramm für Slasher-Fans und solche, die es noch werden wollen.
 
 
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YOU MIGHT BE THE KILLER – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Clever, witzig und vollkommen anders. YOU MIGHT BE THE KILLER ist der beste Beweis dafür, dass auch der in die Jahre gekommene Slasher unterhalten kann – wenn sich nur ambitionierte Filmleute trauen angestaubte Regeln zu brechen. Das ist im Falle von YOU MIGHT BE THE KILLER geschehen. Der Film ist quasi eine vollkommen andere Sicht auf das Slasher-Genre der 1980er und das lässt den Streifen aus der grauen Masse an billig und lieblos produzierten Meuchelfilmen hervorstechen. Interessant ist hierbei, wie es zum Film überhaupt kam. Die Grundlage zum Meta-Horror lieferten nämlich die Autoren SAM SYKES und CHUCK WENDIG. Die waren kreativ und ersponnen sich eine absurde Horrorgeschichte, die auf Twitter 11.000 Leser unterhielt. Als wäre das nicht schon sonderbar genug, machten sie sich in selbigem Twitter-Thread auch noch über die Klischees und Verläufe von Horror-Slashern lustig. Die cleveren Gedankengänge kamen nicht nur bei den Lesern des Threads gut an. Auch die beiden Initiatoren sahen in den eigenen Gedankengängen Potenzial für einen Langfilm. So kam, was kommen musste. SAM SYKES und CHUCK WENDIG nahmen Geld in die Hand und beauftragten Regisseur BRETT SIMMONS für den Regieposten. Letzterer kennt sich mit Horrorfilmen aus. Der inszenierte bereits Genre-Ware, wie ANIMAL, HUSK und eine Episode im Anthologie-Horrorfilm CHILLING VISIONS: 5 STATES OF FEAR. Jede Menge Erfahrungen, die YOU MIGHT BE THE KILLER zu einem sehenswerten Filmerlebnis machen.
 
 
 


 
 
 

YOU MIGHT BE THE KILLER – Zensur

 
 
 
YOU MIGHT BE THE KILLER hat ein paar blutige Gore-Effekte zu bieten. Da werden Hälse mit der Machete aufgeschnitten oder ein Schädel in zwei Hälften geschlagen. Wegen des humoristischen Untertons dürfte die Meta-Horrorkomödie eine FSK16 erhalten. Hierzulande hat sich die Rechte das Label INDEED FILM gesichert und wird den Streifen voraussichtlich im Frühjahr 2019 veröffentlichen.
 
 
 


 
 
 

YOU MIGHT BE THE KILLER – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Screen Media Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Behind the Mask (2006)
 
Final Girls (2015)
 
Scream – Schrei (1996)
 

Filmkritik: „Secret Santa“ (2017)

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SECRET SANTA

Story

 
 
 

Eine dysfunktionale Familie rechnet an Weihnachten miteinander ab.

 
 
 


 
 
 

SECRET SANTA – Kritik

 
 
 
Weihnachten in Familie. Das ist für die einen der Höhepunkt des Jahres, für andere aber auch der Horror auf Erden. Nicht selten trifft man da auf nervige Verwandte, denen man nicht unbegründet den Rest des Jahres aus dem Weg gegangen ist. Da muss man an der Festtafel Geschichten lauschen, die man eigentlich gar nicht hören will oder Geschenke auspacken, die man besser gleich in der Mülltonne entsorgen möchte. Man kann sich die eigene Familie eben nicht immer aussuchen. Genau jene weisen Worte sind nun auch in der Horrorkomödie SECRET SANTA Programm, die übrigens nichts mit dem gleichnamigen Slasher zu tun hat, der bereits 2015 auf die Genre-Gemeinde losgelassen wurde. Statt maskiertem Killer ist es im folgenden Horror-Spaß das Weihnachtsfest selbst, dass einer dysfunktionalen Familie zum tödlichen Verhängnis wird. Regisseur ADAM MARCUS hat hier die Horror-Version der Weihnachtskomödie SCHÖNE BESCHERUNG inszeniert und sich selbst übertroffen. Selten hat man einen böseren Weihnachtsfilm als diesen hier gesehen. Freunde makabrer Späße und blutiger Raffinessen kommen da auf ihre Kosten.
 
 
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SECRET SANTA erzählt die Geschichte der Familie Pope, die sich einander alles andere als gern hat. Trotzdem findet man sich zum alljährlichen Weihnachtsschmaus zusammen, um das Fest miteinander zu feiern, weil es eben an Weihnachten dazugehört. Doch diesmal soll es nicht nur bei verbalen Anfeindungen bleiben. Dieser Heiligabend wird blutig und grausam. Die Familienmitglieder gehen sich nämlich plötzlich an die Gurgel und fallen übereinander her. Der Grund dafür ist ziemlich makaber: jemand hat Drogen in den Punsch gemischt. Diese bewirken nicht nur, dass der Konsument die Wahrheit sagt. Das gefährliche Getränkt sorgt zudem dafür, dass sich die Angehörigen in aggressive Furien verwandeln und sich gegenseitig abschlachten. Autsch, das wird ganz schön blutig.
 
 
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Das hat man nicht kommen sehen. SECRET SANTA hat es ganz schön in sich. Was sich hier auf der Mattscheibe abspielt, hat man definitiv nicht erwartet. Regisseur ADAM MARCUS will mit diesem Weihnachtshorror offensichtlich an alte Horrorfilm-Erfolge anknüpfen. Der übernahm vor einer Ewigkeit die Regie zum neunten Freitag-Film und verpasst mit JASON GOES TO HELL genannter Slasher-Reihe seinen ganz eigenen Stempel. Doch der Filmemacher war seither nicht untätig. Ihm sind die Drehbücher zu Filmen wie TEXAS CHAINSAW 3D und MOMENTUM zu verdanken, die er zusammen mit Gattin DEBRA SULLIVAN verfasst. Letztere hat es sich nicht nehmen lassen, auch als Drehbuchautorin bei SECRET SANTA wieder mit an Bord zu sein.
 
 
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Eine gute Entscheidung, wie sich im Falle von SECRET SANTA herausstellt. Der Film ist nämlich durchaus sehenswert, da er die teils in Hollywood-Filmen vorgelebte „Heile Welt“ an Weihnachten auf die Schippe nimmt und sie in sattes Blutrot taucht. Statt Herzenswärme, Besinnlichkeit und Nächstenliebe regieren in diesem Film Ignoranz, Hass und Oberflächlichkeit. Das alles entlädt sich in einem absurden Gewaltrausch, der vor allem Splatterfans Freude bereiten dürfte. Im Film geht es nämlich alles andere als zimperlich zu. Hier wird in abgeschnittene Köpfe penetriert, Weihnachtsbaumspitzen zweckentfremdet und Tafelbesteck zum Mordwerkzeug umfunktioniert. Dabei allgegenwärtig: rabenschwarzer Humor. Der besitzt teils derart zynischen Tenor, dass einem nicht nur einmal das Lachen im Halse stecken bleiben kann. Regisseur ADAM MARCUS ist mit dem Low-Budget-Splatter SECRET SANTA ein Glücksgriff gelungen. Der Film entpuppt sich als etwas anderer Weihnachtsfilm, der sich ganz ungeniert von so leichten Familienkomödien wie KEVIN ALLEIN ZU HAUS oder GREMLINS – KLEINE MONSTER abzuheben versucht. Ein hervorragendes Weihnachtskontrastprogramm, aber auch nicht unbedingt massentauglich. Für diesen Film benötigt man schon ein dickes Fell, denn der teils derbe Humor ist nicht für jedermann geeignet. SECRET SANTA ist alles andere als besinnlich und jugendkonform und wird definitiv nicht ungeschnitten an Heiligabend im TV laufen. Damit dürfte SECRET SANTA ein erwähnenswertes Alleinstellungsmerkmal besitzen.
 
 
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SECRET SANTA – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Der wohl bitterböseste Weihnachtsfilm, der je gedreht wurde. Dieses Familienzusammentreffen an Heiligabend ist garantiert kein heiterer Kinderspaß. Ganz im Gegenteil. SECRET SANTA ist eine rabenschwarze Horrorkomödie nur für Erwachsene, bei der dem Zuschauer das Lachen im Halse stecken bleiben wird. Die Quintessenz: Spaß und Blut. Die hervorragenden Darsteller wurden in ihren Rollen perfekt besetzt. Auch die bemerkenswert blutigen Spezialeffekte haben es in sich, die ab der zweiten Filmhälfte erstaunlich oft über die Mattscheibe flimmern und SECRET SANTA das Prädikat „ultimativer Weihnachtssplatterfilm“ aufdrücken. Dass SECRET SANTA ziemlich blutig werden würde, war abzusehen. Als Effektekünstler zeichnet kein anderer als ROBERT KURTZMAN verantwortlich. Der hat mit seinen Spezialeffekten schon vielen Horrorfilmen zu blutigem Erfolg verholfen. Darunter so Kultstreifen wie TANZ DER TEUFEL 2, SCREAM oder WISHMASTER.
 
 
 


 
 
 

SECRET SANTA – Zensur

 
 
 
SECRET SANTA ist trotz Horrorkomödie sehr blutig. Hier gibt es ab Filmmitte abwechslungsreiche Tötungsarten zu sehen, die dem Streifen eine Erwachsenenfreigabe bescheren werden. Eine Szene könnte hierbei große Probleme bereiten. Darin penetriert ein tollwütiger Protagonist in einen abgetrennten Kopf und äußert dabei zynische Sprüche. Holt man den Film FOUND – MEIN BRUDER IST EIN SERIENKILLER zurück ins Gedächtnis, dürfte schnell klar werden, dass die hiesige FSK mit sowas gar keinen Spaß versteht.
 
 
 


 
 
 

SECRET SANTA – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Distilled Media | Skeleton Crew)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Krampus (2015)
 
Better Watch Out (2016)
 
Mercy Christmas (2016)
 

Filmkritik: „I’ll Take Your Dead“ (2018)

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I’LL TAKE YOUR DEAD

Story

 
 
 

Ein alleinerziehender Vater bekommt unerwarteten Besuch von einer skrupellosen Bande Krimineller und muss in den eigenen vier Wänden ums Überleben kämpfen.

 
 
 


 
 
 

I’LL TAKE YOUR DEAD – Kritik

 
 
 
ALEXANDRE AJA, ROB ZOMBIE oder ELI ROTH – Namen bekannter Filmemacher, die den meisten Horrorfilmfans ein Begriff sein dürften. Was aber nur die wenigsten wissen: es gibt weitaus mehr Regisseure, die den Zuschauer mit schaurigen Filmen den Schlaf verderben möchten und dabei nicht unbedingt schlechter sind, als die oben genannten. Zu einem derer zählt CHAD ARCHIBALD. Der dreht am Fließband Genre-Streifen, die sogar auf einschlägigen Festivals gelobt wurden. Dennoch will sich der Name des kreativen Filmfans nicht so recht in die Köpfe einbrennen. Vielleicht gelingt das nun endlich mit I’LL TAKE YOUR DEAD. Hierbei handelt es sich um den bisher besten, ausgereiftesten und rundesten Gruselausflug des Filmemachers, der zuletzt mit so Horrorwerken wie BITE, THE HERETICS oder THE DROWNSMAN versucht hat im Horror-Genre Anschluss zu finden.
 
 
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Endstation Müllbeseitigung. Eigentlich ist William (AIDAN DEVINE) ein fürsorgender Vater. Wäre da nicht die zwielichtige Bestreitung des Lebensunterhalts mit dem er sich und seine Tochter Gloria (AVA PRESTON) über Wasser halten muss. Im Namen einer brutalen Gang beseitigt er die toten Körper jener, die mit Bandenanführer Reggie (ARI MILLEN) so ihre Probleme gehabt haben. Leider kommt bald Abwechslung in den sonst eher stupiden Arbeitsalltag. Eine Leiche der neuen Lieferung ist nämlich gar nicht so tot, wie anfangs vermutet. Eine heikle Situation für den Alleinerziehenden. Der grübelt über das weitere Vorgehen, entscheidet sich aber dann dazu die vermeintliche Tote am Leben zu lassen. Ein fataler Fehler. Weil Gangoberhaupt Reggie erfährt, dass eines seiner Opfer immer noch unter den Lebenden weilt und von seinem Leichenbeseitiger geschützt wird, bringen sich Vater William und dessen Tochter in Gefahr. Zivilcourage kann eben auch manchmal tödlich sein.
 
 
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Endlich mal wieder ein guter Thriller. Die machen sich in letzter Zeit rar. I’LL TAKE YOUR DEAD ist ein Mix aus diversen Sub-Genres. Regisseur CHAD ARCHIBALD geht Experimente ein und vermischt hier Geister-Horror mit Thriller- und Home-Invasion-Momenten. Dabei erzählt er eine erschütternde und emotionale Vater-Tochter-Geschichte, die vor allem durch eines punkten kann: ästhetische Bilder und gute Schauspieler. An dieser Stelle sollte vor allem die 14-jährige AVA PRESTON genannt werden. Die spielt wie eine Große und verkörpert eine taffe Teenagerin, die plötzlich beginnt Geister zu sehen. Während Vater William im Auftrag eines Gangsterbosses Leichen in Salzsäure verschwinden lässt, wird Tochter Gloria zum unfreiwilligen Medium. Doch die Gabe ist alles andere als willkommen. Das Mädchen wird nämlich von den Seelen jener heimgesucht, die der Vater verschwinden lassen soll. Für Gloria eine Qual, denn die Angst vor dem Unerklärlichen machen jeden neuen Tag zum Albtraum.
 
 
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Leider schneidet CHAD ARCHIBALD die Geister-Thematik nur an, denn im Mittelpunkt stehen vorrangig zwischenmenschliche Beziehungen, in der vor allem die Vater-Tochter-Beziehung besondere Gewichtung erhält. Die gerät schon bald ins Wanken, weil mit der vermeintlich toten Jackie eine weitere Person in den Fokus gerückt wird, die das Verhältnis der kleinen Familie auf eine harte Probe stellt. Tochter Gloria sieht in ihr einen Mutterersatz und schlägt sich auf die Seite des unerwarteten Gastes. Dass das dem Familienoberhaupt so gar nicht passen will, dürfte logisch sein. Konfliktreiche Geschichten ziehen auch im Genre-Kino nach wie vor.
 
 
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Dennoch dürfte I’LL TAKE YOUR DEAD aber nicht jedem Horrorfan schmecken. Viel mit Horror hat dieser Mysterythriller nämlich nicht am Hut. Das Familiendrama besitzt zwar wenige Gruselmomente, wird aber ab Filmmitte zum Bandenthriller in dem zusätzliche Home-Invasion-Rezepturen implementiert wurden. Der Spannung tut das aber keinen Abbruch. Trotz überschaubarer Handlung zeigt CHAD ARCHIBALD, dass man auch aus kleinen Geschichten packende Abendunterhaltung machen kann. Es kommt einzig darauf an, wie man Handlungen verpackt, die im Grunde genommen auf einen Bierdeckel passen. Im Zuge dessen sollten man deshalb die Karriere des kanadischen Filmemachers im Auge behalten. Betrachtet man nämlich dessen bisherige Arbeiten, ist eine konsequente Weiterentwicklung zu erkennen. Die hat nun im Falle von I’LL TAKE YOUR DEAD ihren bisherigen Höhepunkt erreicht. Ein sehenswertes Stück Zelluloid, das wir an dieser Stelle aufgeschlossenen Genre-Fans ans Herz legen wollen. Da darf man gespannt darauf sein, was in Zukunft von diesem talentierten und ambitionierten Regisseur kommen wird. Handwerklich saubere und atmosphärische Horrorfilme drehen kann der nämlich zweifelsohne.
 
 


 
 
 

I’LL TAKE YOUR DEAD – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Geister-Grusel trifft auf Bandenthriller und Home-Invasion-Grauen. I’LL TAKE YOUR DEAD ist gelungener Indie-Horror, der endlich mal zeigt, was Regisseur CHAD ARCHIBALD wirklich drauf hat. Der ist ein richtiges Arbeitstier und dreht und produziert am Fließband Filme, von denen man definitiv schon mindestens einen gesehen hat. Ob ANTISOCIAL, BED OF THE DEAD oder BITE – der gebürtige Kanadier baut sich so langsam einen Ruf im Genrefilm auf und hat nun mit I’LL TAKE YOUR DEAD endlich mal was Rundes gemacht. Handwerklich ist der Streifen über jeden Zweifel erhaben. Man merkt förmlich, dass der leidenschaftliche Filmemacher sicher bei dem ist, was er tut. Die Kameraarbeit ist exzellent, die Symbiose zwischen Klangteppich und Schreckmomenten hervorragend und auch atmosphärisch fährt I’LL TAKE YOUR DEAD groß auf. Hier sieht alles nach mehr aus, als es letztendlich gekostet hat. Eine Kunst für sich, die vor allem durch die guten Schauspieler verstärkt wird, weil die für Indie-Horror-Verhältnisse ungewöhnlich gut spielen. Da sind die Zeiten üblen Horror-Trash kurz vergessen, der einem sonst mit wenig Aufwand vor die Füße geworfen wird. I’LL TAKE YOUR DEAD ist weit weg von Trash und eine Empfehlung für jene, die endlich mal wieder gute und ehrliche Genre-Ware in den Player schieben wollen. Dieser Film enttäuscht keineswegs. Deshalb vergeben wir für diesen Film das Prädikat: Geheimtipp!
 
 
 


 
 
 

I’LL TAKE YOUR DEAD – Zensur

 
 
 
I’LL TAKE YOUR DEAD wird nicht viel gemordet oder gesplattert. Es wird einer Leiche ein Bein abgesägt. Ebenso bekommt man mal einen abgetrennten Kopf einer Leiche zu suchen. Die meisten Gewaltmomente reduzieren sich auf das Ende. Dann gibt es einige Einschüsse zu sehen. Zudem verbrennt ein Protagonist. Das alles taugt für eine FSK16.
 
 
 


 
 
 

I’LL TAKE YOUR DEAD – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Black Fawn Films | Breakthrough Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Don’t Breathe (2016)
 
Demon Girl – Das Böse lebt in ihr (2016)
 
The Badger Game (2014)
 

Filmkritik: „Ghostland“ (2018)

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GHOSTLAND

(INCIDENT IN A GHOSTLAND)

Story

 
 
 
Zwei Schwestern müssen ihre Angst gegen das personifizierte Böse überwinden, um überleben zu können. In einer Hölle aus Angst und Gewalt sehen sie sich mit zwei Psychopathen konfrontiert, die es nicht gut mit den beiden Mädchen meinen.

 
 
 


 
 
 

GHOSTLAND – Kritik

 
 
 
Das hatte wohl kaum jemand erwartet. PASCAL LAUGIER ist zurück und hat einen Film im Gepäck, der alle überrascht hat. Vor über zehn Jahren feierte der französische Regisseur Erfolge. Mit MARTYRS brauchte der Filmemacher den wohl wichtigsten Beitrag der französischen Terrorwelle in die Lichtspielhäuser und schockierte damit Zuschauer auf dem ganzen Erdball. Leider wurde es danach ruhig und Laugier machte sich rar. Doch das ändert sich jetzt. Ein knappes Jahrzehnt später läuft der Regisseur noch einmal zu Hochtouren auf. Mit GHOSTLAND findet der einst gefeierte Nachwuchsregisseur zu eigentlicher Größe zurück und wiederholt das, mit dem bereits der kontroverse MARTYRS das Publikum in die Magengrube trat. Unterm Strich bedeutet das: knüppelharter Terror, unangenehme Stimmung und Hochspannung pur. Frankreich at his best!
 
 
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Nach dem Tod der Tante zieht Mutter Colleen mit ihren beiden Töchtern in das Haus des verstorbenen Familienmitglieds ein. Hier ist zwar alles etwas verstaubt und auch nicht sonderlich modern eingerichtet; dennoch wollen die drei Frauen in der französischen Einöde ein neues Leben beginnen. Doch der Umzug in morsche Villa fordert bald seinen Tribut. Kaum eingezogen, bekommt man ungebetenen Besuch. Zwei skurrile Gestalten verschaffen sich Zutritt zum Haus und überwältigen die neuen Eigentümer. Was folgt, ist kein Kaffeekränzchen. Die beiden Psychopathen terrorisieren die ahnungslosen Frauen und quälen die Opfer bis aufs Blut. Doch man weiß sich zu wehren. Mit selbstlosem Mut kann Mutter Colleen die Eindringlinge zur Strecke bringen und ihre Töchter retten. Jahre später passieren seltsame Dinge. Tochter Beth hat es zur gefeierten Horrorbuchautorin gebracht. Doch das Leben gerät durch einen verstörenden Anruf aus den Fugen. Die traumatisierte Schwester ist am Telefon und wimmert um Hilfe. Ein folgenschwerer Vorall, der das Leben der drei Frauen verändern wird.
 
 
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PASCAL LAUGIER goes TEXAS CHAINSAW MASSACRE. Ja richtig gelesen. GHOSTLAND ist bei genauerer Betrachtung eine Art französisches Kettensägenmassaker, das die Liebe des Regisseurs zum Horrorkino der Siebzigerjahre widerspiegelt. Darin schickt er abermals zwei Frauen durch die Filmhölle, die – wie bereits im Horror-Hit MARTYRS – seelisch gebrochen werden sollen. Keine leichte Kost, zumal es Laugier wie kein Zweiter versteht an der Terrorschraube zu drehen, dass dem Zuschauer Angst und Bange wird. So durchleben die beiden Schwestern im Film das ultimative Martyrium. Die werden von zwei Psychopathen misshandelt, geschlagen und gefoltert, was auch beim Zuschauer bleibenden Eindruck hinterlässt. Letzterer geht hier mit den Frauen durch die Hölle und dürfte des Öfteren nach Luft ringen, weil Macher PASCAL LAUGIER kaum Verschnaufpausen gönnt und Kompromisse scheut. Filmfreunde mit schwachem Nervenkostüm seien an dieser Stelle vorgewarnt, denn zimperlich geht es hier freilich nicht zu.
 
 
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Betrachtet man GHOSTLAND genauer, sind Parallelen zum wohl erfolgreichsten Film des Regisseurs nicht von der Hand zu weisen. Wie in MARTYS sind es wieder zwei Frauen, die in den Mittelpunkt gerückt und an den Rand des psychisch Ertragbaren getrieben werden. Das hat auch seinen Grund. In Interviews gab Laugier nämlich zu verstehen, dass ihm die filmische Erforschung von Männern unwichtig sei. Weitaus spannender sind ihm die Frauen, die sich ihm zugegen als große Rätsel offenbaren, welche er erkunden möchte. Demzufolge wird kaum ein Wort über die Bösewichte in GHOSTLAND vergeudet. Die sind nur Mittel zum Zweck, um tiefer in die Psyche der weiblichen Helden vordringen zu können. Das gelingt dem Filmemacher zweifelsohne. Die zwei Frauen im Film erleben den ultimativen Horror, der sich kaum in Worte fassen oder ertragen lässt. In dieser Hinsicht ist der Franzose PASCAL LAUGIER ein Meister seines Fachs. Hoch lebe das moderne, französische Horrorkino.
 
 
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GHOSTLAND – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Ein Brett von Film und das ohne viel Blut oder Schauwerte. GHOSTLAND ist zwar kein zweiter MARTYRS, aber verflixt nahe dran. Zwei Frauen, zwei Bösewichte und jede Menge Terror. Das sind Zutaten aus denen nennenswerte Horrorfilme gemacht werden. Dabei orientierte sich der französische PASCAL LAUGIER am Terrorkino der 1970er und liefert kontroverses Filmmaterial ab, das vor allem eines kann: verstören. GHOSTLAND ist ungeschönt und düster. Es werden Kompromisse gescheut und Hoffnungen zunichtegemacht. Dabei behilflich: Wendungen und unvorhersehbaren Überraschungen. Entstanden ist ein heftiger Filmalbtraum made in Frankreich, der vor allem der amerikanischen Traumfabrik rigoros den Stinkefinger zeigt. Horrorkenner wissen nämlich, dass Laugier kein Freund Hollywoods ist. Der bekam vor einigen Jahren das Angebot ein amerikanisches Remake zu HELLRAISER zu drehen. Weil er sich mit dem Studio über seine unkonventionellen Ideen nicht einigen konnte, ging er zurück nach Frankreich, um dort Filme zu drehen, die er so machen kann, wie er es will. Das bedeutet: keine glattgebügelten Horrorfilme, die sich auch ein jüngeres Publikum anschauen kann. Für Letzteres ist GHOSTLAND keineswegs geeignet. Dieser Streifen schafft es, ohne Weiteres selbst eingefleischte Horrorfilm-Zuschauer um den Schlaf zu bringen. Das soll schon was heißen.
 
 
 


 
 
 

GHOSTLAND – Zensur

 
 
 
GHOSTLAND hatte keine Freunde bei der FSK. Bei der Erstprüfung fürs Kino wollte man den Film erst für Erwachsene freigeben. Doch Rechteinhaber CAPELIGHT PICTURES ging in Berufung und hatte Glück. Das Label erhielt für den Film eine FSK16-Freigabe. Gleiche Freigabe hat der Streifen nun auch im Heimkino erhalten. Die Fassung auf Blu-ray und DVD ist trotz Jugendfreigabe ungeschnitten. Man sollte sich aber von der niedrigen Einstufung nicht abschrecken lassen. GHOSTLAND hat es in sich!
 
 
 


 
 
 

GHOSTLAND – Deutsche Blu-ray

 
 
 
ghostland-amaray-bluray

(c) CAPELIGHT PICTURES (Blu-ray KeepCase-Version)

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(c) CAPELIGHT PICTURES (Blu-ray Steelbook-Version)

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(c) CAPELIGHT PICTURES (limitiertes Mediabook mit Blu-ray und DVD)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Ghostland; Frankreich | Kanada 2018

Genre: Drama, Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 91 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | limitiertes Mediabook | Steelbook

Extras: Trailer, Trailershow, Making-of | zusätzlich im Mediabook: Film auf DVD, Booklet,

Release-Termin: 10.08.2018

 

Ghostland [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

Ghostland [Blu-ray + DVD im Mediabook] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

Ghostland [Blu-ray im Steelbook] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

GHOSTLAND – Mediabook

 
 
Mediabook Ghostland
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GHOSTLAND – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei CAPELIGHT PICTURES)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Texas Chainsaw Massacre (1974)
 
Texas Chainsaw Massacre – Die Rückkehr (1994)
 
Martyrs (2008)
 
Martyrs – Remake (2015)
 

Filmkritik: „Revenge“ (2017)

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REVENGE

Story

 
 
 

Eine emanzipierte Frau nimmt den Kampf gegen drei Männer auf, die es nicht gut mit der Femme fatale meinen.

 
 
 


 
 
 

REVENGE – Kritik

 
 
 
Frauen rächen erfolgreich – und das schon seit einigen Jahren. Seit einer der ganz großen Rape-and-Revenge-Klassikers der 1970er vor 40 Jahren neu verfilmt wurde, sind wütende Damen im Genrekino keine Seltenheit mehr. Die haben sich neben Geistern, Dämonen und Monstern einen festen Platz im Horrorfilm gesichert und sind seit dem kontroversen Erfolg von I SPIT ON YOUR GRAVE im Jahre 2010 vom Bilderschirm nicht mehr wegzudenken. Letzterer ließ die einst in Bahnhofskinos verbannten Schmuddelfilme neu aufleben und machte ultrabrutales Rächen ganz nebenbei salonfähig. Sachen gibt es, an die hätte man in den 1970ern nicht einmal gedacht. Doch mit dem Revival gewaltverherrlichender Rape-and-Revenge-Streifen wurde nicht nur eine neue Debatte über tabubrechende Gewalt im Genrefilm entfacht. Auch die Sucht nach immer mehr dieser frauenverachtenden Schlachtplatten musste befriedigt werden, was zur Folge hatte, dass profitgeile Produzenten das schnelle Geld witterten und im Akkord billigen Rache-Stoff filmen ließen. Das Ergebnis ist ernüchternd. Die meisten dieser Filme waren nämlich Flops, weil vor lauter Gewalt die Geschichten vernachlässigt wurden. So spulten viele dieser Gurken die ewig gleiche Handlung ab, ohne über den Tellerrand schauen zu wollen. Darin wurden Frauen gnadenlos gequält und misshandelt, um anschließend nicht minder brutal rächen zu können. Zumindest Hobbysadisten dürften da ihren Spaß gehabt haben.
 
 
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Von gleicher Formel macht nun auch der Horrorthriller REVENGE Gebrauch. Der Titel ist hier Programm, im Vergelten liegt quasi das Hauptaugenmerk dieser französischen Produktion. Überraschenderweise ist dieser Rape-and-Revenge-Thriller einer der besseren. Der Grund ist ganz einfach. REVENGE ist trotz einfachem Ablauf einfach gnadenlos spannend und hetzt eine Frau durch karge Wüstenlandschaften, die nur ein Ziel kennt: Töten. Im Mittelpunkt steht die attraktive Jennifer. Die weiß um ihre Reize Bescheid, doch diesmal werden sie ihr zum Verhängnis. Die junge Dame führt eigentlich eine Affäre mit einem verheirateten und steinreichen Firmeninhaber. Doch nach einigen Drinks vernebelt sie mit ihren Verführungskünsten nicht nur den Liebhaber selbst, sondern auch dessen Angestellte. Die verwandeln sich flink zu eroberungsgeilen Primaten und sind plötzlich gar nicht mehr so freundlich. Das Ende vom Lied: einer der Mitarbeiter hat seinen Trieb nicht mehr unter Kontrolle und vergewaltigt das Objekt seiner Begierde. Da ist die Stimmung im Keller. Verständlich, dass die traumatisierte Jennifer nur noch nach Hause möchte und einen Schlussstrich unter dieses Kapitel ziehen will. Doch Liebhaber Richard finden den Stimmungswandel gar nicht schön. Der hat Angst, dass das Techtelmechtel auffliegt und die Ehe ins Wanken gerät. Deshalb stoßen die drei Männer die Unruhestifterin von einer Klippe und hoffen, dass sie möglichst qualvoll stirbt. Doch Jennifer überlebt. Die rauft sich zusammen und läutet einen erbarmungslosen Rachefeldzug ein, für den sie die guten Manieren abgelegen wird.
 
 
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Frauenpower im wahrsten Sinne des Wortes. Nach RAW sorgt eine weitere französische Newcomerin mit einem Regiedebüt für Furore. CORALIE FARGAST macht in REVENGE Nägel mit Köpfen und zeigt mit kompromissloser Härte, dass sie genauso blutig kann wie ihre männlichen Regie-Kollegen. Dabei lässt sich im Zuge der #metoo-Debatte eine emanzipierte Kämpferin auf den Zuschauer los, die sich zu Recht von Männer nichts sagen lässt. REVENGE färbt die Leinwand blutrot und unterscheidet sich hierbei von den üblichen Konsorten. Während der Film zu Beginn noch eine gewisse Ernsthaftigkeit besitzt und bedrohliche Atmosphäre heraufbeschwört, wendet sich das Blatt aber schnell. Da verliert sich der böse Ton plötzlich in einem übertriebenen Gewaltrausch, den man dann doch nicht mehr ernst nehmen kann. Beinahe möge man meinen hier eine Persiflage auf das Rape-and-Revenge-Genre zu sehen, denn mit fortlaufender Spielzeit gleicht REVENGE mit seinem ausuferndem Gore- und Splatterfeuerwerk einem Comic für Erwachsene? Da wird die Handlung zur Nebensache, weil durchgestylte Bilder, irre Kamerafahrten und überzeichnete Gewaltszenen plötzlich das Ruder übernehmen. Ein gewisser Unterhaltungswert lässt sich da nicht von der Hand weisen, zumal REVENGE davon Abstand hält seine Figuren mit sadistischen Einfällen der Sensationsgeilheit des Zuschauers wegen zu quälen. Anders als in den I-SPIT-ON-YOU-GRAVE-Filmen verzichtet Regisseurin CORALIE FARGAST auf das minutenlange Foltern seiner Protagonisten. Zudem fehlt der obligatorische Vergewaltigungs-Part. Stattdessen wird das Publikum mit hektischen Verfolgungsjagden bei Laune gehalten, die mit teils makabren Spezialeffekten garniert wurden. Frankreich beweist nach der erfolgreichen Terror-Welle in den 2000ern, dass man immer noch weiß, wie man das gewalterprobte Publikum zufriedenstellen muss. REVENGE hat es geschafft trotz einfacher Rezeptur sogar Kritiker zu überzeugen. Das ist schon bemerkenswert.
 
 
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REVENGE – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Der wohl blutigste Beitrag in der #metoo-Debatte. REVENGE ist eigentlich nur ein weiterer Rape-and-Revenge-Thriller, der niedere Instinkte befriedigen soll. Eigentlich! Was den Film aber von der Konkurrenz unterscheidet, ist seine schrille Machart, die den Film aus der Masse hervorstechen lässt. Glaubwürdigkeit und Logik sind hier fehl am Platz. Zudem steht auch das Martyrium der Filmheldin nicht im Mittelpunkt, die in solchen Film eigentlich durch die Hölle geht. Die Hölle hat die Hauptfigur in REVENGE schnell aus den Augen verloren. Die verwandelt sich stattdessen in einen weiblichen ARNOLD SCHWARZENEGGER und ballert, schlitzt und schlägt um sich herum, als gäbe es keinen Morgen mehr. Dabei wird das Treiben in derart überzogener Gewalt ersoffen, dass sich manch Filmfan das Lachen nicht verkneifen kann. REVENGE ist trotz ernster Thematik irgendwie cool. So sollte Rape’n Revenge am besten immer aussehen.
 
 
 


 
 
 

REVENGE – Zensur

 
 
 
REVENGE geizt nicht mit Schauwerten. Hier gibt es allerhand blutige Gemeinheiten zu sehen. Diese haben den Film eine Erwachsenenfreigabe beschert. Hierzulande erhielt der Film von der FSK den roten Freigabesticker. Das sogar in der ungeschnittenen Fassung. Das verwundert, zumal die Prüfbehörde sonst mit Selbstjustiz-Schockern nicht so gnädig ist.
 
 
 


 
 
 

REVENGE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Media Home Entertainment (Blu-ray im Keepcase)

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(c) Koch Media Home Entertainment (Blu-ray im Steelbook)

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(c) Koch Media Home Entertainment (Blu-ray + DVD im Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Revenge; Frankreich 2017

Genre: Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Französisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 113 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | Steelbook | Mediabook

Extras: Bildergalerie, Trailer | zusätzlich im Mediabook: Booklet

Release-Termin: 23.08.2018

 

Revenge [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

Revenge [Blu-ray im Steelbook] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

Revenge [Blu-ray im Mediabook] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

REVENGE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei KOCH MEDIA)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Savaged (2013)
 
Art of Revenge (2017)
 
I Spit on Your Grave 3 (2015)
 

Kritik: „The Cured – Infiziert. Geheilt. Verstoßen.“ (2017)

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THE CURED – INFIZIERT. GEHEILT, VERSTOSSEN.

(THE CURED)

Story

 
 
 

Von einem Zombie-Virus geheilte Menschen müssen in Angst leben. Nicht, dass sie fürchten müssten sich wieder in Untote zu verwandeln. Nein, diesmal sind es hasserfüllte Mitmenschen, die Zombies und Geheilte am liebsten ganz von der Oberfläche verschwinden lassen wollen.

 
 
 


 
 
 

THE CURED – Kritik

 
 
 
Endlich (fast) alles wieder unter Kontrolle. Über Jahre hat sich der aggressive Maze-Virus innerhalb Europas verbreitet und Menschen in unaufhaltsame Killermaschine verwandelt, die nur ein Ziel kannten: töten. Doch man hat einen Weg gefunden, Infizierte von der Krankheit zu heilen und sie wieder in die Gesellschaft einzugliedern. Leider verläuft der Eingliederungsprozess alles andere als einfach. Die Menschen haben Angst vor den Geheilten, weil diese trotz Genesung immer noch den Virenstamm in sich tragen. Die Furcht vor einer neuen Virusepidemie führt daher zu regelmäßigen Revolten, in welchen sich der Unmut der Bevölkerung entlädt, die eine sofortige Auslöschung all jener fordert, die den Maze-Virus in sich tragen. Auch Senan (SAM KEELEY aus AFTERDEATH) zählt bald zu den Geächteten. Der muss trotz Rehabilitation eine Menge Schikanen über sich ergehen lassen muss. Er gehörte einst selbst zu den Infizierten und tötete im Blutrausch unschuldige Menschen. Nun soll er bei der verwitweten Schwägerin Ebby (ELLEN PAGE) ein neues Leben beginnen und die grausame Vergangenheit hinter sich lassen. Doch der Neustart ist schwer und steinig. Nicht nur, dass verstörende Bilder immer wieder an Zeit der Infizierung erinnern. Auch das Umfeld steht dem desorientierten Mittdreißiger feindselig und verurteilend gegenüber. Keine guten Voraussetzungen für einen Neubeginn. Doch im Untergrund brodelt es. Eine Allianz ehemals Infizierter hat sich zusammengetan, um der Gesellschaft den Kampf anzusagen. Man schmiedet einen teuflischen Plan, um Hass zu vertreiben und endlich von der Bevölkerung akzeptiert zu werden. Weil THE CURED immer noch im Horror-Genre beheimatet ist, dürfte klar sein, dass Pläne aus dem Ruder laufen werden.
 
 
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THE CURED stellt innerhalb des totgefilmten Zombie-Genres eine Ausnahmeerscheinung dar. Der Film erzählt nämlich nicht die längst bekannten Geschichte von Menschen, welche unfreiwillig von einem Virus befallen werden, der sie zu Zombies macht. Regisseur DAVID FREYNE traut sich mit seinem Spielfilmdebüt neue Wege zu gehen und wurde deswegen von Kritikern gefeiert. Ja, die vielen Lobgesänge auf dem Blu-ray-Cover ergeben zur Abwechslung mal Sinn, denn der Newcomer bringt frischen Wind in ein Sub-Genre, das sich mit zu günstig gedrehten Billig-Trash und stets wiederkehrenden Geschichten selbst ins Aus geschossen hat. Diesmal ist aber alles anders. THE CURED beleuchtet das Danach und versucht dabei Erklärungen zu finden, wie es nach einem Virusausbruch mit der Menschheit weitergehen könnte. Keine dummen Teenager, keine dämlichen Entscheidungen – alles durchdacht, ziemlich spannend und hochaktuell.
 
 
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Filmemacher DAVID FREYNE versucht wachzurütteln. In seinem Erstling hält er nämlich der heutigen Gesellschaft den Spiegel vor Augen. Der Zombie-Virus ist hier nur Metapher und die einst Infizierten werden zu Ausgestoßenen, die man am liebsten ganz Ausradieren möchte, weil sie nicht in die Gesellschaft passen. Bewusst gestreute Falschinformationen und Populismus verstärken das Misstrauen gegenüber den Sonderlingen. Das lässt Wut bei jenen entstehen, die sich leicht vernebeln lassen. Die Folge: Hass, Gewalt und Anarchie. Das Endresultat ist Chaos. Aufmerksame Zuschauer finden da schnell Brücken zu aktuellen Themen, die täglich durch die Medien geistern. So könnte man die Infizierten auch gut und gerne gegen Menschen ersetzen, die aus Kriegsländern flüchten und in Deutschland nach Sicherheit suchen. Mittlerweile fühlen die sich hier alles andere als Willkommen. Schuld daran sind Missgönner, die das eigene Wohl in Gefahr sehen. Da wird der Mensch zum Einzelkämpfer. THE CURED bringt genau jene Tatsachen auf den Punkt. Allein dessen, lohnt dieser Indie-Streifen gesehen zu werden, an dem vermutlich der 2017 verstorbene Zombie-Vater GEORGE A. ROMERO besondere Freude gehabt hätte. Der war dafür bekannt, dass er hin und wieder in seinen Filmen soziale und politische Missstände kritisiert hat. In genau jene Fußstapfen tritt auch DAVID FREYNE, der mit THE CURED beweist, dass Zombiefilme nicht zwangsläufig so dumm sein müssen, wie seine nach Menschenfleisch lechzenden Filmbösewichte.
 
 
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THE CURED – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Eine Gesellschaft der Manipulierten. Dieser Film hält der Gesellschaft dreist den Spiegel vor Augen. THE CURED zeigt eine Welt ohne Mitgefühl, Verständnis und Selbstsucht. So wie im wahren Leben. Das macht dieses Indie-Drama besonders, das von hervorragenden Darstellern getragen wird, deren Figuren ausführlich beleuchtet werden. Der Zombie-Virus dient in diesem Streifen nur als Metapher. Gleichwohl könnte man die von einem Zombie-Virus geheilten Menschen im Films auch gegen jede andere Minderheit unserer Gesellschaft austauschen – die Grundaussage des Films bliebe die gleiche. Das macht THE CURED zu einem aktuellen und gleichzeitig kontroversen Kinobeitrag, der vor allem bei jenen gut ankommen dürfte, die dringend im Horrorfilm nach Substanz suchen. Die hat THE CURED zweifelsohne, der ganz nebenbei zu den besten Zombiefilmen der letzten Jahre gehört. Pflichtprogramm für anspruchsvolle Horrorfilmfans.
 
 
 


 
 
 

THE CURED – Zensur

 
 
 
THE CURED – INFIZIERT. GEHEILT, VERSTOSSEN. (so der deutsche Titel) ist nicht sehr brutal. Erst gegen Ende gibt es einige Zombie-Attacken zu sehen, die aber jetzt nicht sehr zeigefreudig zelebriert werden. Hierzulande hat der Zombiefilm eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten. Ungeschnitten versteht sich.
 
 
 


 
 
 

THE CURED – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) SPLENDID FILM (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Cured; Irland 2017

Genre: Horror, Drama, Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Holländisch

Bild: 2,39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 95 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 25.05.2018

 

The Cured – Infiziert. Geheilt. Verstoßen. [Blu-ray] auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

THE CURED – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei SPLENDID FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
28 Days Later (2002)
 
28 Weeks Later (2007)
 
Zombie 2 (1985)
 
Land of the Dead (2005)
 

Filmkritik: „Das Geheimnis von Marrowbone“ (2017)

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DAS GEHEIMNIS VON MARROWBONE

(MARROWBONE | EL SECRETO DE MARROWBONE)

Story

 
 
 

Vier Geschwister erleben auf einem abgelegenen Landsitz, das Grauen auf Erden. Offenbar spukt es hier, was die Kinder dazu veranlasst, die Spiegel im Haus mit Tüchern zu verdecken.

 
 
 


 
 
 

DAS GEHEIMNIS VON MARROWBONE – Kritik

 
 
 
Wer oft auf FILMCHECKER liest und die Vorlieben des Personals kennt, dürfte vermutlich mitbekommen haben, dass es uns nach Anspruch dürstet. Nicht, dass wir nicht auch gern mal einen sinnbefreiten Splatterfilm in den Player schieben würden. Dennoch sieht die Horrorwelt mit all den immer wieder gleichen Geschichten und Verläufen nicht mehr ganz so rosarot aus, wie wir sie noch als junge Hüpfer bewundert haben. Gott sei Dank belehrt uns Spanien gern mal eines besseren. Von dort gehen nämlich immer mal wieder Filme um die Welt, die Genre-Fans wachrütteln und zeigen, dass es auch anders gehen kann. Offenbar legt man in Spanien immer noch Wert auf das Erzählen von unverbrauchten Geschichten, die nicht nur allein mit Gewalt und Hochglanzbildern bei Laune halten wollen. Spanische Filmemacher versuchen mit Substanz, Qualität und Anspruch, dem zweifelhaften Ruf des Horror-Genres entgegenzuwirken. Mit einigen Filmen ist das zweifelsohne gelungen. Titel wie SHREW’S NEST, JULIA’S EYES oder TIMECRIMES wurden von Presse und Kritikern gelobt. Genau jene Reihe von hochwertiger Exportware setzt man nun mit dem Mysterydrama DAS GEHEIMNIS VON MARROWBONE (Originaltitel: EL SECRETO DE MARROWBONE) fort. Ein melancholischer und schön gefilmter – aber auch zutiefst trauriger Gruselfilm, wie wir finden.
 
 
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Neues Leben, neues Glück. Eine Familie will im England der 1960er ein neues Leben beginnen. Nach einem traumatischen Ereignis legt die alleinerziehende Mutter Rose Fairbairn (NICOLA HARRISON) den alten Namen ab und bezieht mit ihren Kindern ein altes Anwesen in ländlicher Idylle. Doch der Neuanfang steht unter keinem guten Stern. Das Familienoberhaupt erkrankt plötzlich und stirbt wenige Tage später. Zurück bleiben die Kinder Jack (GEORGE MACKAY), Billy (CHARLIE HEATON), Jane (MIA GOTH) und Sam (MATTHEW STAGG), die nun allein über die Runden kommen müssen. Doch das Leben ohne Eltern ist schwieriger als gedacht. Niemand darf nämlich vom Tod der Mutter erfahren. Um nicht getrennt zu werden und das Dasein im Waisenhaus fristen zu müssen, suggeriert man Besuchern die heile Welt. Doch im Schutze des Anwesens passieren bald seltsame Dinge. Offenbar geht es nicht mit rechten Dingen zu, was die Kinder vor Probleme stellt. Die können niemanden um Hilfe bitten, ohne dass erwähntes Familiengeheimnis gelüftet wird. Da ist guter Rat teuer.
 
 
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Dass dieses Gruseldrama großes Kino werden würde, war abzusehen. Hinter der spanischen Produktion steckt nämlich jemand, der sich mit subtilem und wendungsreichen Horror auskennt. DAS GEHEIMNIS VON MARROWBONE wurde von SERGIO G. SÁNCHEZ inszeniert und zu Papier gebracht. Der hatte vor einigen Jahren das Drehbuch zum erfolgreichen Mysterythriller DAS WAISENHAUS geschrieben, welcher international gut angenommen wurde und über 79 Millionen US-Dollar einspielen konnte. Offenbar wollte der spanische Meister des Subtilen allen zeigen, dass er sich nicht nur gute Gruselgeschichten ausdenken kann. Mit DAS GEHEIMNIS VON MARROWBONE feiert der Filmemacher sein Regiedebüt und zieht alle Register modernen Gruselkinos ohne dabei zu langweilen. Das Resultat kann sich sehen lassen und entpuppt sich als großartiges Verwirrspiel, das von Manipulationstaktik Gebrauch macht. Die findet bei Mysterystreifen neueren Datums mittlerweile ziemlich oft Verwendung und versucht mit falschen Fährten für Verwirrung zu stiften. Nicht anders sieht das bei DAS GEHEIMNIS VON MARROWBONE aus, der dem Zuschauer am Ende Illusionen raubt. Was nämlich wie Spukhaus-Horror beginnt, verwandelt sich im Verlaufe des Films zu etwas ganz anderem. Da darf natürlich ein unerwarteter Twist nicht fehlen, der spätestens seit THE SIXTH SENSE im Mystery-Genre nicht fehlen darf und DAS GEHEIMNIS VON MARROWBONE in eine ganz andere Richtung lenkt. Die überraschende Wendung sieht man nicht kommen und zeigt, dass SERGIO G. SÁNCHEZ ein hervorragendes Gespür für das Erzählen fesselnder und tiefgründiger Geschichten besitzt, die sich fernab der Eindimensionalität bewegen, mit der man im Horror-Genre seit Jahren gequält wird. Da können sich Drehbuchautor aus Hollywood und natürlich auch viele Möchtegern-Horrorfilm-Regisseure eine Scheibe abschneiden. Geschichte und Figuren sind eben alles.
 
 
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DAS GEHEIMNIS VON MARROWBONE – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Großartiges Mysterykino, das am Ende die Katze aus dem Sack lässt. DAS GEHEIMNIS VON MARROWBONE hat alles, was man von einem Gruselfilm erwartet. Der Film kann mit hervorragendem Jung-Cast überzeugen, der hier nicht engagiert wurde, um von Schockmoment zu Schockmoment getrieben zu werden. Die talentierten Schauspieler verkörpern verunsicherte Figuren, die mit inneren Konflikten zu kämpfen haben und deshalb authentisch und zugänglich wirken. Doch weitaus bemerkenswerter als die Darsteller ist die Geschichte zum Film selbst, die nicht das ist, was sie dem Zuschauer versucht vorzugaukeln. Was als atmosphärischer Spukfilm beginnt, verirrt sich bald in andere Gefilde und fällt am Ende doch zermürbender aus, als anfangs vermutet. Da sitzt man am Ende verstört im Kinosessel und braucht was Hochprozentiges zum Verdauen. Großartig, tiefgründig, unvorhersehbar, sehenswert!
 
 
 


 
 
 

DAS GEHEIMNIS VON MARROWBONE – Zensur

 
 
 
DAS GEHEIMNIS VON MARROWBONE hat kaum Schauwerte zu bieten. Erst am Ende gibt es davon etwas zu sehen, das aber sehr zurückhaltend eingesetzt und nur angedeutet wird. Wegen der permanent unheilvollen Atmosphäre, einigen Gruselmomenten und dem doch etwas sehr krassen Twist hat die spanische Produktion eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

DAS GEHEIMNIS VON MARROWBONE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Universum Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: El secreto de Marrowbone; Spanien 2017

Genre: Horror, Thriller, Grusel

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.39:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 110 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase ohne Wendecover

Extras: Originaltrailer, Trailershow

Release-Termin: 26.10.2018

 

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DAS GEHEIMNIS VON MARROWBONE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Universum Filmmo)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Within (2016)
 
Das Waisenhaus (2007)
 
The Others (2001)
 
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