Filmkritik: „The Oak Room“ (2020)

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THE OAK ROOM

Story

 
 
 

Eines Abends bekommt ein Barbesitzer Besuch von einem jungen Mann, der eine Geschichte erzählen will, die schon bald mehr Substanz besitzen soll, als dem Barbesitzer lieb ist.

 
 
 


 
 
 

THE OAK ROOM – Kritik

 
 
 
Es gibt Filme, wie z.B. die von Quentin Tarantino, darin wird vorwiegend gequatscht und dennoch fühlt man sich als Zuschauer nahezu gefesselt. In eine ähnliche Richtung schlägt „The Oak Room“, der wirklich rein von Erzählungen lebt. Leider bringt das hier einige Längen mit sich, aber im Endeffekt ist es gut genug gemacht, um einen dennoch bei der Stange zu halten.
 
 
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Der Barkeeper Paul will seine Kneipe eigentlich schließen, denn draußen tobt ein Schneesturm, da kommt plötzlich Steve herein. Er ist der Sohn von Pauls bestem Freund, den er lange nicht gesehen hat und der ihm ordentlich Geld schuldet. Kein Wunder, dass Paul dem jungen Steve nicht gerade wohlgesonnen ist. Statt Geld bietet Steve Paul eine Geschichte an, die es wert wäre zu hören. Paul kann das nur belächeln, lässt sich aber darauf ein und muss dann bald feststellen, dass diese Geschichte mehr mit ihm zu tun hat, als ihm lieb ist. Bis es soweit ist, vergeht allerdings viel Zeit. In der Geschichte wird ebenfalls eine Geschichte erzählt. Eigentlich besteht der gesamte Film nur aus verschiedenen Geschichten, die hinterher zusammengefügt werden und dann ein großes Ganzes ergeben. Der Weg dorthin ist langatmig, aber nicht uninteressant. Es ist nicht gerade verblüffend, dass „The Oak Room“ auf einem Theaterstück basiert, denn im Endeffekt bekommt man auch hier reines Theater geboten, nur eben als Film verpackt. Den größten Wow-Effekt besitzt der Schluss nun nicht unbedingt, aber trotzdem ist die verschachtelte Handlung reizvoll, wenn man sich darauf einlassen mag.
 
 
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Ein großer Vorteil vom Film ist seine solide Inszenierung. Das ist sehr wichtig, denn bei einem Kammerspiel wie diesem, sind die Möglichkeiten nicht gerade groß. Umso entscheidender ist, dass die Kamera alles gut einfängt und man mit den begrenzten Räumlichkeiten eine gute Atmosphäre kreiert. All das gelingt „The Oak Room“ ordentlich. Der Schneesturm draußen wurde gut genutzt und die Kneipenräume, die selten von mehr als zwei Menschen gleichzeitig gefüllt sind, sorgen für eine gute Stimmung. Aus handwerklicher Sicht hat Regisseur Cody Calahan das sehr souverän gemacht. Der Unterhaltungswert erweist sich trotzdem als kleines Sorgenkind, denn auch wenn manche Erzählung spannend zu verfolgen ist, ermüdet sich der Stil mit der Zeit. Hinzu kommt die Tatsache, dass man den Film eigentlich in keinerlei Genre stecken kann. Das ist kein Thriller, kein Horror, keine Action, keine Komödie. Am ehesten vielleicht noch ein Drama, aber auch dies nur ganz bedingt. Wenn man weiß, worauf man sich einlässt und auf dialoglastige Werke steht, wird einen das kaum stören und trotzdem besitzt das seine Längen, die nicht zu verhindern sind, aber einfach Kurzweil rauben.
 
 
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Sehr wichtig sind dann natürlich auch noch die Darsteller und hier kann sich „The Oak Room“ voll und ganz auf seinen Cast verlassen. Peter Outerbridge und RJ Mitte, den die meisten wohl am ehesten als Walter jr. aus „Breaking Bad“ kennen werden, machen ihre Sache sehr souverän. Mit Ari Millen ist sogar ein Darsteller aus dem Theaterstück mit an Bord, was für den gesamten Film nur förderlich sein kann. Die Anzahl der Schauspieler ist so minimalistisch, wie das gesamte Werk, aber die Dialoge werden sehr gut vorgetragen und laden zum Lauschen ein. Am Ende gibt es dann sogar ganz kurz noch eine Portion Gewalt zu sehen, die aber irgendwie deplatziert wirkt und einen nicht so stimmungsvollen Bruch darstellt. Und die Schlusspointe sitzt, lässt den Zuschauer aber auch im Unklaren, wie es ausgehen wird. Der Score wird sehr dezent eingesetzt und wenn dann mal Musik zu hören ist, verfehlt das seine Wirkung absolut nicht.

 
 


 
 
 

THE OAK ROOM – Fazit

 
 
6 Punkte Final
 
 
„The Oak Room“ ist nur für Leute geeignet, die dem Theater nicht abgeneigt sind, die ein Kammerspiel haben wollen und es mögen, wenn ein Film lediglich aus Dialogen besteht. Die Zielgruppe dürfte damit gar nicht mal so groß sein. Auch wenn der Film für das, was er sein will, echt gut gemacht wurde, ist das Geschehen oftmals ziemlich langatmig. Es kommt kaum Spannung auf und das Konzept des ewigen Geschichtenerzählens wird auf Dauer monoton. Die handwerklich souveräne Arbeit und die grundsoliden Darsteller sorgen dafür, dass man gerne am Ball bleibt, aber etwas mehr Abwechslung hätte hier trotzdem nicht geschadet!
 
 
 


 
 
 

THE OAK ROOM – Zensur

 
 
 
„The Oak Room“ hat kaum Gewaltmomente zu bieten und bietet eher psychologisches Grauen. Am Ende wir dennoch ein Kopf abgetrennt, was wohl für eine FSK16 sorgen dürfte.
 
 
 


 
 
 

THE OAK ROOM – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Breakthrough Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Memento (2000)
 
The Hateful 8 (2015)
 

Filmkritik: „Koko-di Koko-da“ (2019)

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KOKO-DI KOKO-DA

Story

 
 
 

Ein traumatisiertes Ehepaar muss sich den eigenen Dämonen stellen und dabei einen Camping-Ausflug immer und immer wieder durchmachen.

 
 
 


 
 
 

KOKO-DI KOKO-DA – Kritik

 
 
 
Die Vielzahl von „Und täglich grüßt das Murmeltier“ Varianten ist in den letzten Jahren immer weiter angestiegen. Die schwedisch-dänische Koproduktion „Koko-di Koko-da“ bedient sich nun ebenfalls an dieser Thematik und macht daraus etwas völlig Eigenständiges. Ein höchst spezieller Film, der es aber verdient, angeschaut zu werden.
 
 
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Tobias und Elin sind ein glücklich verheiratetes Paar, doch eines Tages stirbt ihre gerade erst acht Jahre alt gewordene Tochter und seitdem läuft es in der Ehe alles andere als gut. Um vielleicht mal wieder etwas näher zu sich zu finden, planen sie drei Jahre später einen Urlaubstrip und campen dann im Wald. Hier allerdings geht ein seltsamer Mann mit seinen Leuten umher und terrorisiert das Ehepaar. Nach dem Tod ist jedoch noch lange nicht Schluss, denn danach beginnt das Szenario von vorn und ein Entkommen aus dieser Endlosschleife scheint nicht in Nähe zu sein. Das Drehbuch ist höchst ambitioniert und nutzt die „Und täglich grüßt das Murmeltier“ Thematik als eine Metapher für die Trauerbewältigung. Das Szenario ist längst nicht so steif, wie man das aus anderen Vertretern dieser Art kennt und gibt sich ab der zweiten Hälfte deutlich dynamischer. Die Story folgt ihren ganz eigenen Regeln und bleibt dabei stets interpretationswürdig. Die eine richtige Antwort gibt es nicht, aber die ganzen Metaphern wie z.B. der Phönix aus der Asche, lassen sich doch klar erkennen. Herausgekommen ist eine Handlung, die interessant ist, irgendwo sogar wertvoll erscheint und gar nicht mal so sehr am eigenen Anspruch erstickt.
 
 
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Richtig gut gelungen, ist vor allen Dingen die Umsetzung, denn man kennt die zahlreichen Varianten vom Murmeltier ja schon in- und auswendig. Da geht alles immer wieder von vorne los und es werden möglichst viele, einprägsame Momente geschaffen, die man hinterher variieren kann. Ganz anders ist das in „Koko-di Koko-da“. Hier ist die Ausgangssituation die normale Sache, dass Elin sich erleichtern muss. Was zuvor geschehen ist, bekommt man abwechslungsreich gezeigt, denn auch hier ist das Geschehen dynamisch. Man schaut nicht ständig sich wiederholenden Bildern zu, sondern Regisseur Johannes Nyholm rekonstruiert den Abend zuvor bei jedem Neubeginn mit anderen Facetten. Hinterher kann man dem Kreis der Wiederholungen sogar entkommen und spätestens hier bekommt der Film seine ganz eigenen Regeln. Das ist handwerklich so simpel, wie gelungen umgesetzt und braucht tatsächlich keine großen Schauwerte. Hier liegt der Schwerpunkt auf einer Geschichte, die erzählt werden will und die gedeutet werden möchte. Nicht mal die Darsteller werden da besonders gefordert. Sie spielen durchaus sehr gut, scheinen aber stets im Hintergrund zu agieren. Oftmals, während der Autofahrten, sieht man nicht mal ihre Gesichter.
 
 
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Die Atmosphäre hat es in sich und „Koko-di Koko-da“ ist absolut kein Wohlfühlfilm geworden. Am Anfang erreicht man mit ein paar Minuten Laufzeit die Stimmung einer Harmonie innerhalb einer Familie, die man dann auch gleich wieder zerstört. Schon hier befindet sich das Drama auf seinem Höhepunkt. Danach gesellen sich allerdings ein paar Horror-Motive mit zum Geschehen. Der Terror-Einschlag ist nicht riesig, sorgt jedoch für Abwechslung und hier stört es dann ausnahmsweise auch gar nicht mal, dass es kaum grafische Gewalt zu sehen gibt. Besonders schön sind die Schattenspiele mit den Pappfiguren gelungen, die zwei Male einige Minuten Laufzeit in Anspruch nehmen, wichtig für die Message der Handlung sind und zudem von einer wunderbar folkloristischen Musik begleitet werden, dass man fast zu Tränen gerührt ist. Im Kern ist „Koko-di Koko-da“ eigentlich auch kein bitterböser Film, aber seine Atmosphäre wirkt dermaßen trist und trostlos, dass man dies meinen könnte. Mit 86 Minuten Laufzeit hat man übrigens auch alles richtig gemacht. Denkt man anfangs noch, dass das vielleicht sogar etwas zu wenig sein könnte, entstehen so hinterher keinerlei Längen und das Ganze wurde nicht künstlich aufgeplustert.
 
 
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KOKO-DI KOKO-DA – Fazit

 
 
8 Punkte Final
 
 
„Koko-di Koko-da“ bietet eine Mischung aus Mindfuck und Arthouse-Kino, ist so interpretationsfähig, wie gefüllt mit Metaphern und nutzt ein bekanntes Szenario gänzlich eigenständig. Das ist eigenwillig und nicht immer einfach, erzählt aber eine richtig gelungene Story. Gerade weil die Herangehensweise erfreulich dynamisch daherkommt, sorgt das manchmal für echte Überraschungen. Ein intensives Drama mit einigen Horror-Einschüben, welches sicherlich polarisieren kann und mit einer erdrückenden Atmosphäre dient. Sicher nichts für Jedermann, aber für Arthouse-Fans Pflichtprogramm!
 
 
 


 
 
 

KOKO-DI KOKO-DA – Zensur

 
 
 
„Koko-di Koko-da“ besitzt ein paar blutige Momente, die aber niemals explizit werden. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die FSK immer sehr gnädig mit Arthouse-Horror gewesen. Demzufolge würde es nicht wundern, wenn die FSK den Streifen bereits für Zwölfjährige freigibt. Dennoch denken wir, dass „Koko-di Koko-da“ eine FSK16 erhalten wird.
 
 
 


 
 
 

KOKO-DI KOKO-DA – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Stray Dogs)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Pool (2014)
 
Und täglich grüßt das Murmeltier (1993)
 
Edge of Tomorrow (2014)
 
Happy Deathday (2017)
 

Filmkritik: „The Deep Ones“ (2020)

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THE DEEP ONES

(H.P. LOVECRAFTS THE DEEP ONES)

Story

 
 
 

Für „The Deep Ones“ durfte mal wieder der Name H.P. Lovecraft herhalten, denn es geht um Cthulhu und Monsterwesen aus dem Wasser, welche von einer Sekte verehrt werden.

 
 
 


 
 
 

THE DEEP ONES – Kritik

 
 
 
Wohl kaum ein Mensch war so beeinflussend für die Horrorwelt, wie H.P. Lovecraft. Selbst über 80 Jahre nach seinem Tod, gibt es noch immer zahlreiche Werke, die auf seinen Ideen basieren. Dazu zählt nun auch der Low-Budget-Reißer „The Deep Ones“, der aus der Vorlage aber leider nur ein müdes Gähnen hervorzaubert.
 
 
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Alex und Petri wollen mal wieder richtig schön entspannen und dem Alltag entfliehen, weshalb sie sich ein schickes Ferienhaus am Strand mieten. Die Vermieter sind auch vor Ort und drängen sich nach Alex Meinung etwas zu sehr auf. Nur Petri genießt den Kontakt mit ihnen. Schon bald stellt sich heraus, dass die Vermieter zusammen mit anderen Bewohnern der Gegend eine Sekte führen, die einem Monsterwesen aus dem Wasser huldigt und Alex soll ein ganz besonderes Geschenk erhalten. Dass hier Lovecraft als Vorbild fungierte, ist nicht zu übersehen. Man hat sich seiner Geschichte um den Cthulhu-Kult angenommen und aus der Story überhaupt nichts Eigenständiges gemacht. So wie das hier erzählt wird, wurde es schon etliche Male erzählt. Eigene Ideen sieht man eigentlich gar nicht und das alles wäre kaum so schlimm, wenn wenigstens die Umsetzung überzeugen könnte, nur leider gestaltet sich dort alles ähnlich lustlos.
 
 

 
 
Regisseur Chad Farrin, der hier auch für das Drehbuch verantwortlich war, konnte schon bei etwas größeren Werken mitwirken, aber wenn er selbst inszeniert, hat er sich ganz dem billigen Trash verpflichtet und dass die Mittel in „The Deep Ones“ sehr begrenzt waren, sieht man dem Streifen zu jeder Sekunde an. Die Schauplätze wirken nicht gerade toll und nicht mal der Meerausblick oder der Strand sorgen hier für Schauwerte. Zwar wird manchmal etwas mit Farben und Lichtern gespielt, aber das sieht ebenfalls nicht gerade spektakulär aus. Die Atmosphäre atmet eher Mystery, als richtigen Monsterhorror, wird aber sowieso dermaßen plump aufgebaut, dass sie einen kaum erreichen kann. Für Kinder, die solche Filme eigentlich noch nicht sehen dürften, ist das bestimmt ein wahres Fest und auch unheimlich, aber an diese richtet sich ein solches Werk ja nun mal nicht primär. Weil das handwerklich schon sehr begrenzt ist und kaum Stimmung aufkommen lassen will, hat es der Unterhaltungswert sowieso nicht leicht.
 
 
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Dabei ist der Anfang noch vielversprechend, denn es dauert wirklich nicht lange, bis die bösen Absichten der Vermieter klar sind und ein paar Flashbacks bringen auch gleich etwas Horror mit ins Geschehen, so dass man denken könnte, es würde so weitergehen. Doch nach dem recht temporeichen Beginn, gibt es bis zum Finale fast nur noch Langweile. Höhepunkt ist hier die Party mit einer gefühlt minutenlangen Begrüßung aller Gäste. Die Dialoge sind nicht gerade hörenswert und von Monstern fehlt auch fast jegliche Spur. Lediglich im kurzen Finale gibt es noch ein paar nette Kostüme zu sehen, aber Splatter gibt es gar keinen, weshalb man für „The Deep Ones“ eigentlich schon wieder die Freigabe ab 14 Jahren einführen sollte. Zum Glück läuft das Ganze nur 82 Minuten und ist von daher nicht so lang geraten, aber selbst innerhalb dieser Laufzeit gibt es zu viele Längen. Die Darsteller können das auch kaum retten. Gina La Piana und Robert Miano machen ihre Sache noch ganz okay, doch der Rest spielt das wirklich nicht gut und die Charaktere sind sowieso dermaßen dünn gestaltet, dass hier keine Sympathien aufkommen können.
Der billige Score passt zwar, hört sich aber nicht gerade prickelnd an.
 
 


 
 
 

THE DEEP ONES – Fazit

 
 
3 Punkte Final
 
 
„The Deep Ones“ bedient sich fleißig an Lovecraft und kreiert daraus einen Film, den es schon oft genug gegeben hat, nur oftmals eben in deutlich besser. Wenn nicht viele Mittel zur Verfügung stehen, muss das kein K.O.-Kriterium sein, aber diesem Werk merkt man einfach keinerlei Leidenschaft an. Es gibt fast ausschließlich langweilige Szenen zu sehen und nur ganz selten mal ein paar hübsche Monsterkostüme. Die handwerkliche Arbeit ist höchstens durchschnittlich, die Darsteller agieren nicht gerade begeisternd die Endpointe ist so vorhersehbar, wie alles an dem Streifen. Leider nicht empfehlenswert!
 
 
 


 
 
 

THE DEEP ONES – Zensur

 
 
 
„The Deep Ones“ hat kaum grausame Schauwerte zu bieten. Abgesehen von etwas roter Farbe und ein paar Monsterkostümen ist dieser Streifen völlig harmlos. Daher könnte er bedenkenlos ab 12 Jahren freigeben werden. Dennoch denken wir, dass es eine FSK16 werden wird.
 
 
 


 
 
 

THE DEEP ONES – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Crappy World Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Call of Cthulhu (2005)
 
H.P. Lovecrafts Necronomicon (1993)
 

Filmkritik: „Amulet – Es wird dich finden“ (2020)

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AMULET – ES WIRD DICH FINDEN

(AMULET)

Story

 
 
 
Ein ehemaliger Soldat, der obdachlos in London lebt, wird von einer Nonne zu einer alten Villa gebracht, in der er sich gegen Essen und Unterkunft nur etwas mit dem Schimmel und der alten Dame im Obergeschoss herumschlagen muss.

 
 
 


 
 
 

AMULET – Kritik

 
 
Es hätte so schön sein können, so schön und so einfach – ein scheinbar europäischer Vertreter des übernatürlichen Horrors war an der Zeit, gesichtet zu werden, und er wirkte wie ein vermutlich durchschnittlicher Vertreter seiner Zunft, der auf der imdb einige User polarisiert, im Endeffekt aber größtenteils mittelmäßige Kritiken bekommen hat. Spielfilmdebütantin und Feministin Romola Garai dürfte dabei spätetestens seit „Abbitte“ als Schauspielerin bekannt sein und wer die bisherige Karriere der 38-Jährigen Britin verfolgt hat, den dürfte es nicht wundern dass reines Genrevergnügen hier nicht im Vordergrund stand – zumindest vor der Kamera war die Horrorrichtung ihr doch eher fremd. Was folgt, ist weder ein simpel zu durchschauender Standard-Horror, noch die Frischzellenkultur des Jahres – aber je nach Blickwinkel kann ich hier trotzdem fast jede Bewertung nachvollziehen.
 
 
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Die gothisch-verträumten Opening Credits nutzen kraftvoll abgemischte, chorale Gesänge, Funkenregen und Unschärfe zu ihrem Vorteil und lassen eine professionelle Produktion erwarten, Überblenden durch bildgewaltige Wälder und ein Mann liegt neben einem dicken Gewehr auf einem Feldbett in seinem rustikalen Holzhaus. Natürliches Licht und nebelverhangene Wälder, eine mysteriöse Holzschnitzerei wird im Boden gefunden, dazu ein brodelnder und kratzender, beunruhigender Soundtrack. Die Szene offenbart sich als Traum, da unser Hauptprotagonist Tomaz in der Realität wohl in ärmlichen Verhältnissen mit anderen Obdachlosen oder Heroinabhängigen auf blanken Matratzen in zerfallenen Gebäuden lebt, und dort jemand ein Feuer gelegt hat. Der Kriegsflüchtling wird von einer fürsorglichen, zuversichtlichen Nonne ins Krankenhaus gebracht, eine prachtvolle aber alte und schimmelige Villa stellt daraufhin sein neues Zuhause dar. Carla Juri, die man aus „Blade Runner 2049“ oder gar „Feuchtgebiete“ kennen kann, spielt hier die verunsichert wirkende Magda, die sich um ihre kränkelnde Mutter kümmert und gerne etwas hausmännische Hilfe beansprucht. Schnell gibt es Fleischpastete sowie undefinierten Eintopf, der gierig vom ausgehungerten Tomaz verschlungen wird, zudem häufen sich die Unüblichkeiten langsam – so wird von der Mutter viel geredet, aber zu sehen gibt es sie nicht, bis auf eine Bisswunde an Magdas Arm und die Warnung, dass Tomaz wohl unerwünscht ist. Ganz abgesehen davon natürlich, dass Tomaz‘ Träume sich zu verdichten scheinen und er sich die Hände zusammen kleben muss, bevor er schlafen geht…
 
 
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Ist man nach einem stimmigen Aufbau mit durchaus neugierig machender Exposition in der teilweise in hübschen Details und Umgebungsaufnahmen eingefangenen Villa mit ihren Vorhängeschlössen, verzierten Wänden und blutigen Bettlaken angekommen, offenbart sich „Amulet“ als absoluter Slowburn, der die Geduld des Zuschauers ggf. auf die Probe stellt und sich sehr lange in Zurückhaltung übt. Ein Horror-Highlight ist für mich das im Nachinein sinnvolle Foreshadowing mit einer handgemachten, erschreckenden und ziemlich verstörend- unerklärt-alptraumhaften Szene, deren Effektarbeit und Aufbau ich absolut genießen konnte, doch auch wenn die ersten 35 Minuten wie aus einem Guss wirken und sich der Film jetzt langsam steigern könnte, doch auch wenn die genaue Hintergrundgeschichte um die titelgebende Holzschnitzerei angenehm undurchsichtig bleibt und Kerzenlicht für wohlige Schaueratmosphäre sorgt, so ist die Reihung von Genreelementen, Flashbacks und Tempo herausnehmenden Dialogen über Rollenklischees („Men think romance is silly“) doch sehr behäbig. Nach der Hälfte des Films sind wir mehr beim Charakterdrama angekommen denn beim Horrorfilm, technisch zweifelsohne auf einem hohen Level, nur mit einem Script versehen, das viel Spannung aufbaut und Fragen generiert, zu wenig davon aber eigenständig oder originell beantwortet. Besitzt man als Zuschauer jedoch die nötige Hingabe zum Film, die nötige Aufmerksamkeit und das Durchhaltevermögen, so wird man rein genretechnisch tatsächlich noch mit Body-Horror, gruseligen Einstellungen und gar akuter Bedrohung konfrontiert, wie ich es nicht erwartet hätte. Ein großes WTF eine halbe Stunde vorm Ende,eine erste Bluttat nach etwa 70 Minuten – und dann folgen Twist nach Twist und das Script bricht dem Film einfach das Genick.
 
 
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Garai scheint nämlich mehr interessiert daran, ein Statement zu setzen und ihrer Agenda zu folgen, als daran einen logischen Horrorfilm zu schreiben. Was heißen soll, dass die moralinsaure Auflösung auf einmal viel von dem zerstört, das der Film vorher so liebevoll aufgebaut hat: Da erscheint ein Charakter im neuen Licht und Outfit, das weder zur Darstellerin noch zum Script oder der Rolle passt, da wird ein Rechtesystem jenseits von Gut und Böse impliziert, da kommt die Schlüsselsequenz des Films ohne jegliche verständliche Motivation daher. Menschem lassen gerne mal im dritten Akt ihre Masken fallen, hier aber werden grundsätzliche Tendenzen oder Archetypen zu 180° gedreht, nur damit es den größtmöglichsten Twistfaktor hat. Das Finale dieser 100 Minuten Berg- und Talfahrt ärgern mich dabei fast mit am meisten, einfach weil es so verdammt schade um diese alptraumhafte, surreale, lynchesque, unerklärte Sequenz kosmischen Horrors ist, die sich anzugucken lohnt, die sich aber nur sehr unbequem in die Welt des Films fügen will. Ein interessanter Film, und für Freunde ungewöhnlichen Horrors sicherlich auch ein sehr sehenswerter, aber auch einer, der auf einem unfertigen Script basiert, das beliebige Genretropen und oft gesehene Build-Ups auf eigenständige, aber enttäuschend sinnlose Weise auflöst.
 
 
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AMULET – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
Interessanter, technisch hochwertiger Slowburn, der sich lange Zeit an der Schnittstelle zwischen unterkühlten, europäischen Thriller-Produktionen, Charakterdrama und Standardhorror aufhält, um später zu offensichtlich einzig seine Weltanschauung zu befriedigen. Wenig sinnig, rein atmosphärisch aber gelungen.
 
 


 
 
 

AMULET – Zensur

 
 
 
Die auf Blu-ray und DVD veröffentlichte Fassung von „Amulet – Es wird dich finden“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

AMULET – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Ascot Eilte (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Amulet; Großbritannien | Vereinigte Arabische Emirate 2020

Genre: Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 2.38:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 99 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 23.10.2020

 
 

Amulet [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

AMULET – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Ascot Elite)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
We Are Still Here (2015)
 
House – Willkommen in der Hölle (2016)
 
Warhouse – Kriegszustand (2013)
 

Filmkritik: „Sator“ (2019)

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SATOR

Story

 
 
 

Adam lebt alleine und abgeschieden im Wald, um auf ein Wesen namens Sator zu warten, welches seine Familie schon lange beeinflusst.

 
 
 


 
 
 

SATOR – Kritik

 
 
 
Es gibt Filme, die einen irgendwie beeindrucken können und einem trotzdem nicht so richtig gefallen wollen. „Sator“ ist genau so ein Fall, denn eigentlich ist das Werk höchst interessant, besonders wenn man die Hintergrundgeschichte erfährt, aber gleichzeitig ist das dermaßen langsam, sperrig und zeitweise leider dadurch eben auch langweilig, dass viel vom Reiz abhanden kommt.
 
 
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Die Großmutter erzählte immer wieder von Sator, einem seltsamen Wesen, das tief in den Wäldern sein Unwesen treibt, das Leute manipuliert und zu sich kommen lässt. Adam hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Wesen zu stellen, denn es hat seine Familie lange genug beeinflusst. Dazu zieht er in eine einsame Hütte und wartet jeden Tag in den Wäldern erneut auf Sator. Lange Zeit geschieht nichts, doch dann meldet sich Sator plötzlich. Jordan Graham schrieb das Drehbuch selbst und veränderte es wohl im Laufe der Zeit, denn seine Großmutter wurde wirklich dement und schrieb innerhalb von drei Monaten zahlreiche Seiten, in denen sie immer wieder von Sator berichtete. Selbst wenn das natürlich nur der Fantasie eines kranken Geistes entstammt, besitzt „Sator“ deshalb mehr Bezug zur Realität, als es im Horrorfilm üblich ist. Graham bastelte daraus eine Story, die mit keiner Auflösung daherkommt und allgemein kaum etwas erklärt. Darauf muss man sich schon einlassen mögen, denn eine typische Geschichte ist das hier nicht. Sowieso lebt der Film aber viel eher von seinen Bildern, als von der Story selbst.
 
 
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Man kann hier schon von einem echten Autorenfilm sprechen, denn Graham machte fast alles im Alleingang. Von ihm stammt das Drehbuch, er übernahm die Regie, die Produktion, war als Editor tätig und auch für die Soundkulisse verantwortlich. Gekostet hat ihm sein zweiter Langfilm gute fünf Jahre und so viel Herzblut verdient Anerkennung. Sogar seine echte Großmutter ist im Film zu sehen. „Sator“ lebt von der starken Bildersprache und den Naturkulissen, denn gedreht wurde viel in einem Nationalpark und das gibt enorm viel her. Der Wald erfüllt seinen Zweck als gruselige Kulisse voll und ganz, zaubert nebenbei aber auch wunderschöne Bilder daher. Wenn es Nacht wird, dann ist hier auch wirklich alles sehr düster. Während Filme mit größerem Budget meistens bestens ausgeleuchtet sind, stammt hier das einzige Licht von einer Taschenlampe und das ist dann gleich viel wirkungsvoller. Eigentlich ist das alles sehr simpel gestaltet und auch beim Wesen Sator selbst musste nicht viel getrickst werden. Manchmal erreicht gerade so etwas jedoch eine viel größere Wirkung und es gibt definitiv ein paar Szenen, die stark sind und so schnell nicht mehr zu vergessen sind. Die Atmosphäre könnte düsterer kaum sein und der Horror entfaltet sich dermaßen subtil, dass man schon eine Gänsehaut bekommen kann. Dazu gesellen sich simple Soundeffekte, die ebenfalls wirkungsvoll sind.
 
 
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So positiv das bis hierhin auch klingen mag, „Sator“ ist im Endeffekt bedauerlicherweise ziemlich langweilig, denn das Tempo ist gnadenlos langsam. Am Anfang gibt es oftmals Rückblicke, die in Schwarzweiss und im 4:3 Format daherkommen. Hieraus entsteht fast eine Art Drama, aber nach einer gewissen Zeit bremsen sie das Geschehen nur noch aus. Die Horrorszenen sind wirklich gut gemacht, kommen aber eigentlich gar nicht mal so oft vor. Immer dann, wenn man hofft, dass es jetzt mal richtig losgehen würde, ist es auch schon wieder vorbei. So muss man am Ende doch sagen, dass höchstens die Hälfte der 85 Minuten Laufzeit einen guten Unterhaltungswert besitzen. Dass die Darsteller, von denen es sowieso nicht viele zu sehen gibt, nebenbei nicht wirklich viel zu tun haben und es nicht mal viele Dialoge zu hören gibt, macht die langsame Art und Weise noch erdrückender.
 
 


 
 
 

SATOR – Fazit

 
 
5 Punkte Final
 
 
Es ist wirklich schade, dass „Sator“ so wenig zu unterhalten vermag, denn vom Handwerk her wurde er sehr gut gemacht. Die Kulissen sind toll, die Horrorszenen sind unheimlich und nebenbei beweist der Film, dass man auch mit simplen Mitteln herausragende Wirkungen erreichen kann. Auf die Story, die im Endeffekt nichts erklärt, muss man sich allerdings einlassen und wenn man nicht den Hauch eines Faibles für ruhigere Horrorkost besitzt, dann ist man hier vollkommen an der falschen Adresse. Das Ergebnis besitzt ganz starke Momente, aber auch viel Füllmaterial, welches einfach langweilt, weshalb trotz der vielen, positiven Seiten keine höhere Wertung als der Durchschnitt drin ist!
 
 
 


 
 
 

SATOR – Zensur

 
 
 
Der Streifen besitzt nur eine blutige Szene und dürfte ohne Probleme in Deutschland bei Veröffentlichung eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten. Der Film lief bisher nur auf dem Hardline Filmfestival. Immerhin ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

SATOR – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Yellow Veil Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Blair Witch Project (1999)
 
The Witch (2015)
 

Filmkritik: „Luz: The Flower of Evil“ (2019)

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LUZ: THE FLOWER OF EVIL

(LUZ)

Story

 
 
 

In einem kleinen Dorf in den Bergen entwickelt sich die Suche nach Gott für die Einheimischen langsam aber sicher zum echten Untergang.

 
 
 


 
 
 

LUZ: THE FLOWER OF EVIL – Kritik

 
 
 
In den letzten Jahren hat der subtile und langsame Horror wieder deutlich an Beliebtheit gewonnen, was z.B. Filme wie „Hagazussa“ oder „Midsommar“ bewiesen haben. Auch „Luz: The Flower of Evil“ aus Spanien bedient sich an der Langsamkeit. Er bietet keinen Horrorfilm per se, sondern spielt vor allen Dingen mit dem Thema Menschlichkeit. Das Resultat wird bei weitem nicht jeden gefallen, aber dass man hier überragende Bilder serviert bekommt, ist nun wirklich nicht zu leugnen.
 
 
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Das Geschehen spielt sich weit abgeschieden in den Bergen ab. Welche Zeit man schreibt, erfährt der Zuschauer nicht direkt, denn das Zeitalter ist in dieser Natur sowieso nicht relevant. El Señor führt seine drei Töchter und die paar Dorfbewohner an, in dem Glauben, dass er ein Prophet sei und bald Jesus finden wird, der alle von ihren Sünden reinwäscht. Seine Frau ist vor einiger Zeit schon gestorben und die drei Töchter vermissen sie sehr. Als Uma immer mehr beginnt, das Gesprochene von El Señor in Frage zu stellen, bahnt sich bald eine Katastrophe an. Das Drehbuch lässt sich gut als religiöse Parabel verstehen und besteht aus Inhalten, die nicht immer so ganz leicht auf der Hand liegen. Vieles bleibt interpretationswürdig und der Zuschauer erhält kaum Informationen über die Hintergründe. Selbst das Ende ist ziemlich offen und das Schöne an dieser Handlung ist, dass jeder sie anders auffassen kann. Trotzdem ist klar erkenntlich, dass sich die Geschichte sehr mit dem Mensch an sich auseinandersetzt, mit seinen Taten, seiner Herkunft und seiner Bestimmung. Antworten gibt es auf all diese Dinge jedoch kaum. Man kann mit diesem Drehbuch seine Freude haben, aber man muss es nicht zwangsläufig mögen, weil „Luz“ nebenbei dermaßen sperrig gestaltet wurde, dass absolut nicht jeder Filmfreund damit etwas anfangen können wird.
 
 
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Der Kolumbianer Juan Diego Escobar Alzate, der neben der Regie auch noch das Drehbuch schrieb und weitere Funktionen übernahm, liefert mit diesem Werk sein Langfilmdebüt ab und dass er schon viel Erfahrung mit Kurzfilmen etc. sammeln konnte, sieht man „Luz“ deutlich an. Die größte Stärke besitzen die Bilder der Natur. Egal ob es knallbunte Farben der grünen Wiesen sind oder Bilder der Sterne bei Nacht – Das sieht alles phänomenal aus und bietet enorm hohe Schauwerte. Ja, da fühlt man sich teilweise wirklich wie in einem Heimatfilm und die Filter, die man hier verwendet hat, könnten besser gar nicht gewählt sein. Hinzu gesellt sich allgemein noch eine schöne Bildersprache und es gibt durchaus Szenen, die sich in die Netzhaut einbrennen. Am meisten verloren hat allerdings derjenige, der hier einen richtigen Horrorfilm erwartet, denn abgesehen von dämonischem Flüstern und einer Ziege als Symbol für den Teufel, gibt es hier keinerlei Elemente, die jemals etwas mit übernatürlichem Horror zu tun haben. Das Grauen entsteht hier eher unterschwellig und ist rein menschlicher Natur. Das sorgt hinterher für eine sehr unangenehme Szene, die an die Nieren geht, aber ansonsten ist auch von roter Farbe nie viel zu sehen.
 
 
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Selbst wenn man die richtige Erwartungshaltung mit bringt, muss man nebenbei sehr tolerant für Längen sein, denn „Luz“ ist reichlich langsam aufgebaut. Eine Weile lang kann man sich von den tollen Bildern berauschen lassen, aber nach einer gewissen Zeit kann das religiöse Gerede auch mal ein wenig penetrant werden. Zum Finale hin wird das Tempo ganz kurz etwas angehoben, was für eine kleine Portion Spannung sorgt, aber ansonsten macht es einem der Unterhaltungswert mit seinen 104 Minuten Laufzeit alles andere als leicht. Es mangelt etwas an Abwechslung und es dauert zu lange, bis das Geschehen zu seinem Höhepunkt findet. Dafür bekommt man allerdings ordentliche Darsteller zu sehen. Conrado Osorio, mit der definitiv schwierigsten Rolle, kann sich sehen lassen. Seine drei Töchter werden von Yuri Vargas, Sharon Guzman und Andrea Esquivel auch sehr zweckdienlich gespielt und alle anderen Darsteller sind sowieso kaum zu sehen. Eine tiefere Figurenzeichnung sollte man übrigens auch nicht erwarten, denn diese muss man sich schon selbst erarbeiten bzw. sollte man hier ebenfalls bereit sein, gewisse Interpretationen zu treffen.
 
 
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LUZ: THE FLOWER OF EVIL – Fazit

 
 
6 Punkte Final
 
 
„Luz: The Flower of Evil“ ist eigentlich ein typischer Love-it-or-hate-it-Film geworden, der starke Geschmackssache ist. Den Zuschauer erwarten grandiose Bilder der Natur, die perfekt eingefangen wurden. Ihn erwartet jedoch auch eine Laufzeit, die mit Längen um sich wirft und selten so richtig auf den Punkt kommen will. Das wird gut gespielt, ist handwerklich echt toll gemacht und bietet eine Geschichte, über die man sich Gedanken machen muss, ist nebenbei aber auch so sperrig, dass einem das nicht gefallen muss. Etwas mehr Tempo, ein Hauch mehr Horror und ein wenig mehr Abwechslung hätten „Luz“ jedenfalls gut getan, aber auch so sollte jeder Arthouse-Fan dem Werk mal eine Chance geben!
 
 
 


 
 
 

LUZ: THE FLOWER OF EVIL – Zensur

 
 
 
In „Luz: The Flower of Evil“ gibt es nur eine derbe Szene zu sehen, in der einer Schwangeren ihr Baby aus dem Bauch geschnitten wird. Die Kamera hält dabei allerdings nicht detailliert drauf, so dass es nicht zu explizit wird. Der ungewöhnliche Genre-Beitrag dürfte ohne Probleme eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten, was wohl auch daran liegen dürfte, weil der Film mehr Arthouse ist, als blutrünstiger Horrorschocker.
 
 
 


 
 
 

LUZ: THE FLOWER OF EVIL – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei MPI Media | Mad Dimension)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Sacrament (2013)
 
The Devil’s Hand – Vergib mir Vater, denn ich habe gesündigt (2014)
 
Midsommar (2019)
 
Hagazussa – Der Hexenfluch (2017)
 
The Witch (2015)
 
The Other Lamb (2019)
 

Filmkritik: „Al Morir la Matinée“ (2020)

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AL MORIR LA MATINÉE

Story

 
 
 

Wer sich zur Vorstellung des Todes wagt, ist bei „Al Morir la Matinée“ genau richtig, denn in diesem Kino verlässt das Publikum den Saal bestimmt nicht lebendig.

 
 
 


 
 
 

AL MORIR LA MATINÉE – Kritik

 
 
 
Horrorkost aus Uruguay ist nun sicher nicht alltäglich; hochwertige Horrorkost aus Uruguay bestimmt sogar noch viel seltener. Gerade Slasherfans werden mit „Al Morir la Matinée“ auf ihre Kosten kommen und wer das Horrorkino der 70er und 80er Jahre zu schätzen weiß, sollte hier durchaus auch mal einen Blick riskieren.
 
 
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Das Geschehen spielt sich in einem Kino ab, welches früher mal prächtig war, mittlerweile aber ziemlich heruntergekommen ist. Tochter Ana löst ihren kranken Vater für die Vorstellungen ab, obwohl sie eigentlich viel eher für ihr Examen lernen müsste. Während lediglich eine handvoll Zuschauer sich einen Exploitationsstreifen anschauen, geht ein Killer im dunklen Saal umher und metzelt einen nach dem anderen nieder. Nun, innovativ ist diese Story sicher nicht, aber das ist im Slasher nun auch eher selten der Fall. „Al Morir la Matinée“ lässt sich ganz klar als große Hommage an das Horrorkino der 70er und 80er Jahre bezeichnen, was man alleine schon an den ganzen Filmplakaten im Hintergrund erkennt. Etwas schade ist lediglich, dass man sich keinen größeren Plot ausgedacht hat, denn nicht selten spielt man im Slasher gerne mal mit der Identität des Killers. Eine Auflösung hält die Story hier jedoch nicht parat. Simpler könnte es wirklich kaum sein, aber gerade weil die Umsetzung sich doch sehen lassen kann, verzeiht man dem Werk das ganz gerne.
 
 
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Regisseur Maximiliano Contenti besitzt eine echte Leidenschaft für das ältere Horrorkino und das erkennt man. „Al Morir la Matinée“ ist erst sein zweiter Langfilm und gerade wenn man bedenkt, dass man sich hier völlig in Low-Budget-Kreisen bewegt, kann sich das Resultat doch echt sehen lassen. Das Kino als Schauplatz mag auf Dauer etwas eintönig sein, zaubert jedoch eine wunderbare Atmosphäre hervor. Da lässt sich die Liebe für’s Kino absolut erkennen und man fühlt sich fast selbst wie das Publikum im Saal. Die Horror-Anteile lassen sich zwar etwas Zeit, doch wenn der Killer dann zuschlägt, geht es auch ganz gut zur Sache. Mittlerweile mag man Härteres gewöhnt sein, doch in den 80ern wäre das in Deutschland sicherlich nur gekürzt erschienen. Der nächste Pluspunkt ist: Die Effekte sind herrlich altmodisch von Hand gemacht und sehen sogar ziemlich gut aus. Leider geht der Killer nicht besonders abwechslungsreich zur Sache, aber die Morde sind dennoch brachial genug, um den Gorehound zufrieden zu stellen. Daneben gibt es immer mal wieder ein schönes Spiel mit Lichtern und Farben (was schon fast etwas an einen Giallo erinnert) und allgemein kann man der handwerklichen Arbeit für diese Preisklasse nicht viel vorwerfen.
 
 
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Nun ist nicht alles Gold, was glänzt und auch „Al Morir la Matinée“ besitzt seine Schattenseiten. Etwas bedauerlich ist, dass der Film recht langsam ist. Bis es überhaupt mal etwas zur Sache geht, ist bereits über ein Drittel der Laufzeit vorüber. So richtig böse sein, will man dem Werk dafür zwar nicht, weil die Atmosphäre einfach stimmt, aber trotzdem sind die Highlights zu selten vertreten. Hinterher kommt zwar noch etwas Spannung auf, weil sich die finalen Opfer auch zu wehren wissen, aber so richtig aufregend will das niemals werden und so stellt das Geschehen eher seichte Slasher-Kost dar. Angenehm hingegen sind die Darsteller, die zwar echt nicht besonders viel zu tun haben, aber ihre Sache passabel machen und überhaupt nicht stören. Die Figurenzeichnung ist (nahezu obligatorisch) kaum präsent und ein echtes Mitfiebern mit den Charakteren stellt sich alleine deshalb schon ein, aber immerhin ist hier niemand nervig und die Sympathien stimmen soweit. Abgerundet wird das Geschehen von einem herrlichen Retro-Score, der einfach perfekt passt.
 
 


 
 
 

AL MORIR LA MATINÉE – Fazit

 
 
6 Punkte Final
 
 
„Al Morir la Matinée“ ist ein Film für echte Slasherfans, die handgemachten Splatter zu schätzen wissen. Gerade die Atmosphäre dieses Retro-Horrors ist sehr gelungen. Zwar gibt die Story nahezu nichts her, aber der Schauplatz weiß zu gefallen und die Darsteller agieren allesamt sehr erträglich. Die handwerkliche Arbeit ist überraschend hochwertig und genügend Blut fließt definitiv. Leider besitzt der Film so seine Längen und ist im Endeffekt einfach kaum aufregend, aber als Hommage an das alte Horrorkino ist das hier absolut zu gebrauchen. Sympathisch!
 
 
 


 
 
 

AL MORIR LA MATINÉE – Zensur

 
 
 
Der Film ist ziemlich blutig und besitzt eine beachtliche Anzahl an Splatterszenen – meistens wird hierbei mit dem Messer vorgegangen. Ein Titel wie „Al Morir la Matinée“ wäre in den 1980ern hierzulande sicher nur geschnitten in die Videotheken gekommen. Heutzutage dürfte aber einer ungeschnittenen FSK18 Freigabe nichts im Wege stehen.
 
 
 


 
 
 

AL MORIR LA MATINÉE – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Yukoh Films | RBS | Reel Suspects)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Im Augenblick der Angst (1987)
 
Final Cut – Die letzte Vorstellung (2014)
 
Edge of the Axe (1988)
 
Behind the Mask (2006)
 

Filmkritik: „Kumanthong“ (2019)

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KUMANTHONG

(THAT SON TAM LINH)

Story

 
 
 

In „Kumanthong“ wird frei die Geschichte des ersten vietnamesischen Serienkillers nacherzählt.

 
 
 


 
 
 

KUMANTHONG – Kritik

 
 
 
Viele Länder haben so ihre berüchtigten Serienkiller und Namen wie Jack the Ripper, Jeffrey Dahmer etc. werden wohl den meisten etwas sagen. Dass auch Vietnam seine Serienkiller hatte, wird hingegen nicht vielen bekannt sein. In „Kumanthong“ bekommen wir nun die Geschichte des ersten offiziellen Serienmörders dieses Landes erzählt. Das Ergebnis ist allerdings viel mehr ruhiges Drama, als echter Thriller geworden und besitzt leider zahlreiche Längen.
 
 
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Die taubstumme Soi lebt in einem kleinen Dorf und wird von den meisten Bewohnern wie eine minderwertige Behinderte behandelt. Eines Tages kommt der fremde Huynh ins Dorf. Er ist ein Schamane und kann sein Talent gleich unter Beweis stellen, weshalb er auch seine eigene Praxis errichten kann. Außerdem nimmt er Soi zu seiner Frau. Sie könnte damit eigentlich glücklich sein, aber bald muss sie herausfinden, dass Huynh für seinen Kumanthong-Zauber die Knochen von Menschen braucht und um diese zu bekommen, muss er töten. Die Handlung basiert auf wahren Begebenheiten, wurde aber mit der Fantasie der Drehbuchautoren angereichert und erzählt diese Geschichte nun wohl sehr frei nach. Die Zutaten der Story sind definitiv nicht verkehrt und werden soweit auch gut genutzt, nur dauert es viel zu lange, bis die Handlung mal an Fahrt aufnimmt. Das westliche Publikum könnte so seine Probleme haben mit der Herangehensweise warm zu werden.
 
 
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Der Einstieg fällt dabei durchaus interessant aus. Das Dorf, in dem sich alles abspielt, bietet wirklich die reine Natur und ist als Schauplatz eines Serienkiller-Films mal etwas gänzlich anderes. Auch die Tatsache, dass die Hauptfigur taubstumm ist, ist nichts alltägliches in solchen Filmen. Allerdings sorgen gerade diese Faktoren hinterher dafür, dass keine echte Spannung aufkommen will. Man entwickelt als Zuschauer keinen richtigen Draht zu Soi. Dass sie insgesamt schlechte Karten hat, ist glaubwürdig und dennoch will sich der Verlauf der Handlung nicht so richtig erschließen. Nachdem Huynh anfangs als super sympathischer Doktor eingeführt wurde, wandelt er sich zum echten Psychopathen, was ebenfalls nicht so glaubwürdig daherkommt, selbst wenn seine Background-Story die Erklärungen liefert. Nein, die Figurenzeichnung ist in „Kumanthong“ nicht sonderlich gut gelungen, weil sie sich auf der einen Seite bedeutungsschwanger gibt und auf der anderen Seite doch nur oberflächlich bleibt. Die recht überschaubare Anzahl an Darstellern macht dabei einen soliden Job und man kann sich über die Leistungen nicht beklagen, doch so richtig markant will das alles nicht wirken und es wird schnell wieder aus dem Gedächtnis verflogen sein.
 
 
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Für Regisseur Le Binh Giang stellt „Kumanthong“ erst der zweite Film dar, nachdem er mit seinem ersten wohl massive Probleme hatte. Aus handwerklicher Sicht kann man dem Werk nicht viele Vorwürfe machen. Die Kulissen haben durchaus etwas für sich und ein wenig experimentell wird es mit seltsamen Rückblicken/Visionen auch noch. Trotzdem ist der Stil noch ausbaufähig und wirkt manchmal etwas zerfahren. Nach einem sehr zähen Mittelteil, in dem eigentlich viel und dennoch kaum etwas geschieht, gibt es immerhin noch ein halbwegs spannendes Finale zu verfolgen. Trotzdem ziehen sich die rund 100 Minuten Laufzeit ganz schön in die Länge. Es gibt wenig Spannung und viel Drama, welches aber aufgrund des fehlenden Drahts zu den Figuren nicht richtig wirken kann. Hinzu gesellt sich noch ein manchmal viel zu theatralischer Score, der teilweise sehr gut passt, teilweise aber auch echt zu sehr übertreibt.
 
 


 
 
 

KUMANTHONG – Fazit

 
 
5 Punkte Final
 
 
In seinem Heimatland soll „Kumanthong“ wohl ein Erfolg gewesen sein, aber für ein westliches Publikum ist das nur bedingt empfehlenswert. Auch wenn man gerne mal die „anderen“ Filme schaut, bekommt man hier zu viele Längen geboten, um sich jemals richtig unterhalten zu fühlen. Die Grundzutaten sind dabei echt nicht verkehrt. Sowohl die Story ist interessant, wie auch die handwerkliche Arbeit. Außerdem sind die Darsteller brauchbar. Im Endeffekt gibt es aber zu viel unausgegorenes Drama und zu nichtssagende Charaktere. Wer am vietnamesischen Kino interessiert ist, sollte sich am besten selbst ein Bild davon machen, denn gute Seiten besitzt „Kumanthong“ definitiv, aber er ist nebenbei leider oftmals ziemlich langweilig!
 
 
 


 
 
 

KUMANTHONG – Zensur

 
 
 
In „Kumanthong“ geht es zwar um einen Serienkiller; die Ereignisse sind aber nicht drastisch bebildert. Zwar geht es in ein paar Szenen etwas derber zur Sache, explizit wird es aber kaum. „Kumanthong“ dürfte in Deutschland problemlos ungeschnitten eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

KUMANTHONG – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Galaxy Studio | Galaxy M&E)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Bedevilled – Zeit der Vergeltung (2010)
 
Manhole – Bedrohung von unten (2014)
 
The Wailing (2016)
 

Filmkritik: „Das Grauen auf Schloss Witley“ (1965)

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DAS GRAUEN AUF SCHLOSS WITLEY

(DIE, MONSTER, DIE!)

Story

 
 
 
Arkham, in England, anstatt, wie üblich Massachusetts. Das Herrenhaus (meinetwegen auch Schloß) der Familie Witley ist bei der Landbevölkerung nicht gerade wohlgelitten. Grausige, übernatürliche Dinge sollen hinter den Mauern vorgehen, der alte Nahum Witley (Boris Karloff, zeitypisch leider im Rollstuhl) mit widernatürlicher Wissenschaft experimentieren. Susan, Nahums Tochter, ist mit dem Amerikanier Stephen liiert. Als der auf Inselbesuch kommt, wird der Alte stinkig, will nicht, dass der Schwiegersohn in spe hier übernachtet. Am liebsten wäre ihm gar ein promptes Ende der Beziehung. Warum? In seinem Gewächshaus erforscht Nahum die Wirkung eines auf seinem Grund niedergegangenen Komenten auf die örtliche Pflanzenwelt. Der gleiche Himmelskörper, der für das Verdorren der gesamten Fauna im Umland verantwortlich ist.

 
 
 


 
 
 

DAS GRAUEN AUF SCHLOSS WITLEY – Kritik

 
 
American International Pictures (AIP) nimmt gewohnheitsmäßig keine Gefangenen, wenn’s um’s Verballern äußerst sparsam angesetzter Budgets unter der Maßgabe maximaler Effektivität und Kassenklingelei geht. Da ist’s fast verzeihlich, wenn AIPs hart arbeitende Drehbuchteufel sich beim Adaptieren populärer Horrorliteratur dermaßen viele künstlerische Freiheiten gönnen, dass die Vorlagen zum Schluss gerne mal nur noch an den Namen der Figuren zu erkennen sind. So geschehen auch bei „Das Grauen auf Schloß Witley“. Die Geschichte könnte so auch dem Edgar-Allan-Poe-as-imagined-by-Roger-Corman-Filmzyklus entstammen. Spuk-Gemäuer, Horror-Altstar, langezogener Plot, herausragende Leistungen von Licht, Kamera und Soundtrack, die über das fehlende Produktionsgeld hinwegtäuschen – alles da. Verfilmt wird H.P. Lovecrafts berühmte Geschichte „Die Farbe aus dem All“, etstanden im Jahr 1927. Die Figurennamen sind zusammengebastelt aus denen von Charakteren dieser Story und der ein Jahr später verfassten Geschichte „Das Grauen von Dunwich“, wo die Protagonisten ja die Redneck-Voodoohexer der Familie Wateley (hier zu „Witley“ verknappt) sind.
 
 
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Boris Karloff als verrückter Wissenschaftler, der mit der Strahlung aus einem Kometen Mutationsexperimente an Pflanzen macht, ist auch so eine Sache, die deutlich mehr „AIP“ als HPL“ ruft. Will sagen, so eine eher bodenständige Mad-Scientist-Schote mit strahlenden Helden gegen den greisen Finsterling im Laborkittel entspricht nicht der Arbeitsweise des Schöpfers von außerirdischen Grauensgottheiten wie dem Großen Cthulhu, Shub-Niggurath und des ihnen gewidmeten Subgenres des „Cosmic-Horror“. Nein, das früher häufige, mit der Qualitätssteigerung der Möglichkeiten von Computereffekten inzwischen weniger oft fallende Attribut „unverfilmbar“ trifft auf die Welten H.P. Lovecrafts noch immer zu und lässt seine Fans weiter auf adäquate Adaptionen seiner Geschichten und ihrer Atmosphäre warten. Richard Stanley geht mit „Die Farbe aus dem All“ schonmal in die richtige Richtung, tappt aber in die Falle, Nicolas Cage einen Nicolas-Cage-Film machen zu lassen.
 
 
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„Das Grauen auf Schloß Witley“ sieht – wie erwähnt AIP-typisch – klasse aus. Das liegt auch an Regisseur Daniel Haller, der wirklich bei Dutzenden Filmen – inklusive des kompletten Horrorkataloges – seines „Heimatstudios“ gelernt hat, mit wenig Mitteln große und beeindruckende Optik zu zaubern. Unter anderem findet sich Hallers Set-Design bei 1963 in Roger Cormans „Die Folterkammer des Hexenjägers“, einer großen Vincent-Price-Show, deren Plot auch ein bunter Lovecraft-Eintopf ist aber als Poe-Verfilmung vermarktet wird. Großer Cthulhu, steh uns bei, ist das kompliziert! 1969 kehrt er zu Lovecraft zurück und arbeitet als Regisseur am psychedelischen „Voodoo Child„. Hinter diesem sicherlich von einem Jimi-Hendrix-Fan ausgesuchten Filmtitel steckt dann tatsächlich eine fantasievolle, wenn auch nicht sonderlich originalgetreue Adaption von „The Dunwich Horror“.
 
 
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DAS GRAUEN AUF SCHLOSS WITLEY – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
Als frühe Verfilmung der Ideen H.P. Lovecrafts, gebührt „Das Grauen auf Schloss Witley“ ein besonderer Platz in den Annalen des Horror-Genres. Die Gang bei American International Pictures verwurstet gleich mehrere Stories des Meisters aus Providence für das Drehbuch. Das Endergebnis ist okay – wirklich vom Hocker reißt einen der Film leider nicht. Ein Schicksal das er sich mit einem Großteil der HPL-Filme teilt. Boris Karloff ein weiteres Mal als gebrechlichen Senior im Rollstuhl zu sehen, tut im Herzen weh.
 
 


 
 
 

DAS GRAUEN AUF SCHLOSS WITLEY – Zensur

 
 
 
„Das Grauen auf Schloss Witley“ lief 1968 in den westdeutschen Kinos und wurde dort in der ungeschnittenen Fassung mit einer Freigabe ab 16 Jahren gezeigt. Die folgenden VHS- und DVD-Veröffentlichungen waren ebenfalls ab 16 und ungeschnitten. Das hat sich auch bei der Blu-ray-Auswertung nicht geändert. Diese ist nach wie vor für Sechzehnjährige geeignet und uncut.
 
 
 


 
 
 

DAS GRAUEN AUF SCHLOSS WITLEY – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Wicked Vision Media (Mediabook – Cover A – limitiert auf 444 Stück)

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(c) Wicked Vision Media (Mediabook – Cover B – limitiert auf 444 Stück)

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(c) Wicked Vision Media (Mediabook – Cover C – limitiert auf 333 Stück)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Die, Monster, Die!; Großbritannien | USA 1965

Genre: Horror, Mystery, Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 80 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook

Extras: 44-seitiges Booklet mit einem Text von Dr. Rolf Giesen & dem Original Comic zum Film, Audiokommentar von Dr. Rolf Giesen & Dr. Gerd Naumann, Deutsche Nostalgie-Fassung (4:3), Deutsche Titelsequenz, Umfangreiche Bildergalerie, Trailer, Film zusätzlich auf DVD

Release-Termin: Mediabook: 14.09.2018

 

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DAS GRAUEN AUF SCHLOSS WITLEY – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei Wicked Vision Media)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Curse (1987)
 
Saat des Bösen (2008)
 
Die Farbe (2010)
 
Die Farbe aus dem All (2019)
 

Filmkritik: „Inner Ghosts – Schlüssel zur Hölle“ (2018)

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INNER GHOSTS – SCHLÜSSEL ZUR HÖLLE

(INNER GHOSTS)

Story

 
 
 
Neurowissenschaftlerin Helen kriegt nach dem Tod eines befreundeten Mediums 7 Millionen für ihr Forschungsprojekt geschenkt, in dem sie im Namen der Alzheimerforschung Geister interviewt.

 
 
 


 
 
 

INNER GHOSTS – Kritik

 
 
Ein weiteres Langfilmdebüt hat es geschafft, einen deutschen Vertrieb zu finden, ein weiterer tapferer Reviewer stellt sich den ohne Abspann 85 Minuten, die der portugiesische bisher Co-Regisseur Paulo Leite hier inszeniert hat. Ob es eine gute Idee war, diesem Streifen eine Chance zu geben? Kämpfen wir uns doch durch knapp 5 Seiten Notizen und finden es heraus.
 
 
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Ein ruhiges Klavierstück mit krächzenden Instrumenten im Hintergrund vermag Unbehagen zu verbreiten, während, merkwürdig gewählt, die Opening Credits von oben nach unten durchs Bild scrollen. Eine dialoglose Montage zeigt blutige, aber im Endeffekte harmlose sowie offensichtlich nicht echte Aufnahmen einer Operation, Nahaufnahmen zudem von einer geplagten jungen Frau, die etwas notiert und schließlich Selbstmord begeht. Die weinende Mutter rennt auf die Leiche ihrer Tochter zu, Schnitt und sie wird uns als Protagonistin vorgestellt, Celia Williams spielt die Neurowissenschaftlerin Helen, die gerade um eine Finanzierung ihres Projekts bittet, bei dem Alzheimerpatienten geholfen werden soll, sich zu erinnern. Williams gibt dabei von Anfang an die wohl überzeugendste und beste Performance des Films ab, was aber regelmäßig auch schwer anders erdenklich ist, da der Restcast so unfassbar hölzern agiert. Hübsch geframete Bilder beißen sich mit den charakterlos matten und entsättigten Farben, Plot kommt dann immerhin zügig in Form der Mutter einer Freundin daher, die sich im hohen Alter befindet, Helen früher unterrichtet hat, und sich ihres baldigen Todes bewusst ist.
 
 
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Recht stimmig bis professionell geschnittene Szenen an der Universität, unterlegt mit fader und charakterloser Musik, sowie die Informationen dass Helen scheinbar ein Medium ist, ihre Tochter aber nicht erreichen konnte weil das „beyond her gift“ ist (?), sie sich geschworen hat, nie wieder ihre Gabe zu nutzen und dass die alte Frau von Helen genau das aber verlangt, folgen innerhalb weniger Minuten als funktionierende Exposition. Ebenfalls recht zufrieden stimmt, dass es nach gerade einmal elf Minuten jetzt wohl richig „loszugehen“ scheint, da sie für ihr Projekt, an einer wissenschaftlichen Universität wohlgemerkt, das sie an Geistern durchführen möchte, mal eben 7 Millionen bekommt. Von einem solchen Budget könnte der Film selber aber vermutlich nur träumen, weshalb der Zuschauer nun auf keinen Fall Hightech-Gear oder auch nur aufwendige designte Apparaturen erwarten sollte, stattdessen wird auf das Budget schlichtweg nie wieder eingegangen, nachdem Helen ein erstes Mal beim irritierend schlecht und inkonsistent spielendem Doctor der Uni vorbeigekommen ist, um den Vertrag zu unterschreiben. Das schwere Atmen der Mutter von Helens Freundin wird vom Horrorfan dann sicherlich wohlig dämonisch assoziiert und sorgt ggf. für erste Spannung, doch der Geist der alten Dame ist nicht nur freundlich gesinnt, sondern auch unspektakulär inszeniert, da einfach nur die Schauspielerin selber noch einmal im Bild steht und mit leicht verzerrter Stimme redet. Sprüche wie „Death is just a wave coming back“ oder „Let the pain go!“ helfen dabei weder Helen, noch dem Zuschauer.
 
 
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In der Box der Verstorbenen finden sich Schlüssel und bald tut sich ein alter, lange nicht mehr genutzter Ort auf, an dem es vor Geistern wohl nur so wimmelt, wie von Helen wenig atmosphärisch oder mysteriös schlichtweg angenommen wird. „There’s an entity to your left“ sagt sie zu ihrer Freundin und zeigt leger nach links, das Sounddesign ist durch ganz viel generisches Rauschen und Radiofrequenzen und Stimmen und mehr Störgeräusche bestenfalls bemüht, aber nie gruselig. Müsste nach gerade einmal 21 Minuten auch gar nicht der Fall sein, wären die ausgebauten und langen Dialogszenen dafür zumindest packend, spannend oder gut gespielt – doch trotz Kerzenbeleuchtung und dunklen Ecken fallen selbst die atmosphärisch platzierten Geistergespräche sehr lange sehr mundän bis peinlich aus, da hier im Endeffekt einfach nur Interviews mit leicht weiß geschminkten, vergessenswert gespielten Typen durchgeführt werden, die mit einem kindischen Sprachverzerrer sprechen. „Albert“, der hilfreiche Geist, erklärt jedenfalls dass die Geister eine neue, gefährliche und experimentelle Art der Kommunikation gefunden hätten, geht auch darauf aber nie wieder ein.
 
 
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Optisch-atmosphärisches Highlight, wenn man denn auf diese nächtliche Stadtoptik steht, dürfte die kurze Sequenz sein, in der eine Joggerin bis zum überraschend klappenden Jumpscare und Offscreen-Angriff angenehm durchdacht eingefangene Bilder durchqueren darf. Das sieht nicht nur besser aus, sondern ist auch marginal spannender als Helens Seance, in der mittlerweile kein einziger Geist mehr gezeigt wird, sondern nur noch zahlreiche Stimmen von 100 abwärts zählen dürfen für ihre Tests. Wie irgendwas davon wissenschaftlich sein oder Alzheimerpatienten helfen soll, in einer Welt, in der Geister nicht als existent etabliert sind, sondern einfach von Helen so angenommen und ja auch erfahren werden, vom Rest der Menschheit aber scheinbar nicht, bis auf anderen Medien, ist die berechtigte Frage, die sich der Zuschauer – nebst anderen – sowie auch der Doctor der Uni stellt. Mit dem ärgerlichen Nebeneffekt nur, dass diese belanglosen, extrem repetitiven und vorhersehbaren Gespräche immer wieder kommen, nichts vorantreiben, keinen Unteschied oder Spaß machen und ganz fürchterlich von Miguel Linares gespielt sind. Wie dem auch sei, die Joggerin stellt sich als weiteres Medium heraus, die von Helen geschult werden will und ihre Visionen zudem als Graphic Designerin und Künsterlin umsetzt. Interessanter Charakter prinzipiell, selbstredend wird bis auf ein „Ich werde seit meiner Kindheit gejagt“ nichts daraus gemacht. Ein Drittel des Films, etwa eine halbe Stunde ist vergangen und bis auf die kurze Jogsequenz noch kein Hauch von Horror, dafür aber werden die Mädels sowie der Zuschauer von Helen mit einem ewigen pseudowissenschaftlichen Monolog zugemüllt, indem drei Arten von Geistern unterschieden werden, was offensichtlich auch keinen Unterschied für irgendwas macht.
 
 
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Wichtig ist nur, dass der Film und auch Helen im Film implizieren, dass die Geister prinzipiell harmlos sind und nichts Böses wollen, ihre neuen „Schülerinnen“ also nichts Böses zu erwarten haben – der Soundtrack hingegen versucht eine möglichst mysteriöse und bedrohliche Atmosphäre herauf zu beschwören, was von der geschilderten Szene aber an sich boykottiert wird. Zur Halbzeit der ganzen Chose dürfen dann Münzen gekotzt werden und auch der nächste, ok aussehende, aber mit einem extradiegetisch lautem Geräusch unterlegte, Jumpscare folgt. Und weil diese kurze und kaum effektive Sequenz schon wieder genug Aufregung für diesen Horror(?)film ist, spendiert Helen uns weitere unsinnige und frustrierend vage erklärte Dämonenkonzepte von Huntern und Doppelgängern. Die zahlreichen dämonischen Dokumente der Nacht werden von der wissenschaftlich agierenden Uni merkwürdigerweise auch beim dritten Mal nicht gerade herzlich empfangen, weshalb dieser grottig spielende Schauspieler Helen nun endlich feuern darf, wodurch sie das Projekt an sich aber wohl nicht verliert.
 
 
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Nach geschlagenen 50 Minuten wird die ach-so-bedrohliche Kreatur ungeschönt und unverdeckt mit Licht für zu viele Sekunden gezeigt und zieht sich comichaft in seinen Schatten zurück, nachdem sie von Helen einfach nur angeschrien wurde. Der wahre Horror ist es, hier nicht lachen oder zum zwanzigsten Mal auf den Timer gucken zu müssen. Im Dunkeln, schnell geschnitten und angedeutet hätte dieses simple Mann-im-Anzug-Design zweifelsohne funktionieren können, so aber hat sich der Horror enttarnt und lächerlich gemacht, bevor er auch nur aufgekommen ist. Der Wissensvorsprung des Zuschauers hilft dabei wenig, gute 10 Minuten länger als wir braucht das Dreiergespann junger visionengeplagter Damen nämlich (was ein Zufall übrigens, dass alle drei Medien unterschiedlich alte, attraktive Frauen sind) um zu verstehen, was Sache ist. Um nach Ewigkeiten, aber somit ganz wie im Film, auch endlich etwas Deutlicheres als plot device zu nutzen als „Geister und tote Tochter“ in dieser Review, stelle ich die Laserscanner und 3D-Drucker vor, die eine von den Dämonen per unvollständiger Anleitung hinterlegte Maschine zur Kommunikation mit eben jenen drucken soll, damit Helen, äh…sowas wie einen Wi-FI-Verstärker für ihre Gabe hat, und ihre Tochter sprechen kann? Ich meine, Kommunikation existiert ja bereits darum ist die Motivation der Gruppe bis auf reine Neugierde schleierhaft, doch ich gebe mein Bestes, hier Sinn zu finden. Kaum steht die an sich wenig gruselige Kinderspielzeug-Apparatur, folgen auch erstmalig im ganzen Film leicht atmosphärische, unscharfe Einstellungen umherhuschender Silhouetten, wo einige effektive Perspektiven bei sind, sowie auch bedrohliche Musik. Doch statt die Geisterrichtung nach halbgaren Drama-Ansätzen und viel Leere endlich einzuschlagen, kommt nun doch tatsächlich der gottverdammte Doktor wieder vorbei, um den Sehgenuss zu schmälern…
 
 
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Weiter nacherzählen möchte ich wie üblich nicht, denn wenn dieser elendig langsame, charakterlose und fade Pseudohorror endlich mal eine Idee, einen plot device, eine Bedrohung, einen Antagonisten oder irgendwas gefunden hat, das längeres Interesse wecken könnte, ist er auch gott sei Dank schon wieder vorbei – etwa 30 Minuten bleiben an dieser Stelle noch und gruselig ist nur, wie hier völlige Dunkelheit mit offensichtlichem Licht inszeniert wird und Türen knallen sowie Darstellerinnen, die „I’m so afraid!“ rufen, als Horror gelten sollen. Die Rolle des Doktors im Kontrast zu Helen kratzt an der absoluten Oberfläche der Grundsätze moralischer wissenschaftlicher Arbeit, ein durchaus ekliger Mann im Gummianzug sorgt später für Erinnerungen an glorreichere Genretage oder z.B. den unterbewerteten „The Rambler“, das Framing ist immer wieder motivierter als der Rest des Films und Celia Williams kauf ich mehr ab, als jedem anderen Castmitglied. Doch wenn wir 18 Minuten vor Ende wirklich noch weitere Pseudosicence-Interfaces gezeigt kriegen und eine rappelnde Box als faszinierend verkauft werden soll, dann bleibt wenig Gnade oder Mitleid für diese elendig ideenlose und fade Produktion über, die unsere Heldinnen plötzlich als völlig wehrlose Opfer darstellt, die nicht viel tun können bis auf nervig zu schreien.
 
 
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Als sei das noch nicht nervig genug, setzt der Film seine gesamte Brutalität, seinen gesamten Schockfaktor in einen einzelnen Effekt und gestaltet diesen dann aber mindestens so offensichtlich schlecht getrickst und künstlich wie drastisch, was zu spät und zu wenig ist. Und als sei DAS auch noch nicht enttäuschend genug, werden die beiden gelungensten Ideen bzw. kreativsten Sequenzen, die auch am besten funktionieren, am Stück am Ende des Films verheizt, so dass möglichst wenig Menschen sie sehen und es wirklich keinen Unterschied mehr macht. Doch auch die entschädigen für gar nichts, da hier noch eine deutliche Epilepsiewarnung ausgesprochen werden muss dank der fabelhaften Idee, gute sieben Minuten des Films nur mit flackerndem Licht zu verbringen, um es sich bei der Effektarbeit leichter zu machen, oder einfach damit ein paar Menschen weniger in den Genuss kommen müssen. Das Script dieses Horrorfilms über Alzheimerforschung selber von einem Alzheimerpatienten schreiben zu lassen, der die Hälfte der Plotpoints sowie jegliche Idee von Pacing regelmäßig völlig vergisst, ist ein mutiger Schachzug gewesen, der sich imo nicht ausgezahlt hat.
 
 


 
 
 

INNER GHOSTS – Fazit

 
 
 
2 Punkte Final
 
 
Unterirdisch langweiliger, generischer, ideenloser und größtenteils furchtbar gespielter Geisterfilm, der weder als Drama noch als Horror annährend funktioniert. Punktuell hübsch kadrierte Bilder und eine stabilisierende Performance der Protagonistin helfen wenig wenn von spannenden Charakteren, Dialogen, Konflikten, Antagonisten oder auch nur etwas Kurzweil keine Spur zu finden ist

 
 


 
 
 

INNER GHOSTS – Zensur

 
 
 
„Inner Ghosts – Schlüssel zur Hölle“ hat von der FSK eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten. Die deutsche Filmfassung ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

INNER GHOSTS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Lighthouse Home Entertainment (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Inner Ghosts; Brasilien | Portugal 2018

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.40:1 (1080i) | @25 Hz

Laufzeit: ca. 89 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer

Release-Termin: KeepCase: 21.08.2020

 

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INNER GHOSTS – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Lighthouse Home Entertainment)

 
 
 
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Ashes (2018)
 
I am ZoZo (2012)
 
The House on Pine Street (2015)