FILMCHECKER – Die Seite im Netz für Horror. ☠☠☠ Kritiken zu den besten Horrorfilmen ☣☣☣ Slasher, Folterfilme, Thriller, Splatterfilme, Gruselfilme.

Beiträge mit Schlagwort “Giallo

Filmkritik: „Francesca“ (2015)

francesca-mediabook
 
 
 

FRANCESCA

Story

 
 
 
Ein Killer geht um. Kommissar Bruno Moretti (Luis Emilio Rodriguez) will eine mysteriöse Mordserie untersuchen und kommt einer grausamen Psychopathin auf die Schliche.

 
 
 


 
 
 

FRANCESCA – Kritik

 
 
 
Es mag da draußen ja immer noch (vermutlich jüngere) Horrorfans geben, die nicht wissen, was man unter sogenannten „Giallos“, korrekt „Gialli“, versteht. Hierbei handelt es sich in erster Linie um italienische Filme, die dem Thrillergenre zuzuordnen sind und in denen Serienkiller meist attraktive Frauen brutal ermorden, während die grausame Bluttat virtuos von der Kamera eingefangen wird. Das kunstvoll und spektakulär inszenierte Morden wurde in den 1960ern von Altmeister MARIO BAVA ins Leben gerufen und kam in den 70ern erst richtig in Mode. Leider war Anfang der 1980er – bis auf ein paar aufflackernde Ausnahmen – Schluss, weil Zombies, Kannibalen und Selbstjustiz-Heuler weitaus mehr Scheinchen in Kinokassen und Videotheken wehten, als die oftmals kryptisch erzählten Giallos aus den Schmieden von ARGENTO, TESSARI oder PRADEAUX. Auch wenn die Hochzeiten der Giallos bereits Jahrzehnte zurückliegen, erleben die kreativen Schlitzerfilme jüngst eine kleine Renaissance. Getreu dem Motto „Was früher gut war, kann heute nicht schlecht sein“ lassen junge Filmemacher ein vergessenes Subgenre erneut aufleben, das vor einem halben Jahrhundert mal von deutschen Edgar-Wallace-Filmen beeinflusst wurde.
 
 
francesca-bild-3
 
 
Nach neueren Krimis, wie TULPA, AMER und misslungen Versuchen durch den müde gewordenen DARIO ARGENTO, den klassischen Giallo einer neuen Generation Zuschauer schmackhaft zu machen, geht es mit FRANCESCA weiter – einem Neo-Giallo, der auch noch im Ursprungsland der Filmgattung gedreht wurde: Italien. Darin wird von einer grausamen Mordserie berichtet, die die Polizei in Alarmbereitschaft versetzt. Die Taten tragen immer die gleiche Handschrift. So sind die Augen der Leichen mit Münzen bedeckt und rätselhafte Bekennerschreiben werfen Fragen auf. Weil der Mörder Handschuhe trägt, führen Ermittlungen zu keinem Erfolg. Doch Kommissar Bruno Moretti ist ein ausgefuchstes Schlitzohr. Dem kommt bald ein Fall in Erinnerung, bei dem eine Frau Jahre zuvor spurlos verschwand. Die hatte bereits als Kind nur Unsinn im Kopf und spielte bevorzugt mit spitzem Werkzeug. Erfahrene Leser dürften vermutlich schnell kombinieren können, denn bei besagter Frau handelt es sich, um die titelgebende Killerin.
 
 
francesca-bild-2
 
 
Netter, kleiner Genrefilm, der seine Liebhaber finden wird. FRANCESCA ist kein Horrorstreifen für jedermann. Vielmehr werden hier Zuschauer angesprochen, die mit DARIO ARGENTO, MARIO BAVA oder SERGIO MARTINO groß geworden sind und auch etwas anfangen können. FRANCESCA ist ein typischer Vertreter der Gattung Giallo, wie er bereits in den 1970ern über die Leinwand flimmerte. Das bedeutet, dass er nicht nur in seiner Machart an Filme dieses Jahrzehnts erinnert; Regisseur LUCIANO ONETTI suggeriert dem Zuschauer mittels kontrastreichen Bildern, schnellen Zooms und blasse Farben, dass er auch einen Film aus dieser Zeit zu sehen bekommt. Selbstverständlich ist FRANCESCA ein Werk neueren Datums. Trotzdem rückt jene Tatsache schnell in den Hintergrund, weil Onetti detailverliebt mit bekannten Stilmitteln experimentiert, die dem Giallo seinerzeit zum Erfolg verholfen haben. So gibt es nicht nur kunstvoll bebilderte Morde zu sehen, die von Synthesizer-Klängen begleitet werden; auch der behandschuhter Killer darf nicht fehlen, der seit Italo-Krimis – wie DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN HANDSCHUHE – zum Hauptwiedererkennungsmerkmal vieler Gialli gehört.
 
 
francesca-bild-4
 
 
Auch wenn FRANCESCA das Herz aller Liebhaber dieser Filme schneller schlagen lässt, stört das zu krampfhafte Nacheifern bekannter Giallo-Größen dann doch ein wenig. Weil mehr Herzblut ins Visuelle investiert wurde, kommt die Geschichte zu kurz. Die wurde nach üblichem Genre-Konzept zusammengekritzelt und wirkt in Kombination mit der unkonventionellen Inszenierung für heutige Verhältnisse äußerst angestaubt, unbeholfen und hölzern. Sie wird – zumindest für unerfahrene Zuschauer – zur Geduldsprobe, weil das Spiel aus surreal anmutenden Einstellungen und ungewohnten Farben unnötig verwirrt und nicht gerade förderlich für den Spannungsaufbau ist. Aber auch in punkto Härte wäre mehr möglich gewesen. Der gebürtige Argentinier LUCIANO ONETTI zeigt zwar deftige Morde; vergleicht man aber den zelebrierenden Umgang mit Gewalt in vielen älteren Werken besagtem Subgenres, vermisst man den Mut der Klassiker, die mit zeigefreudigem Detailreichtum manch Sittenhüter um den Schlaf gebracht haben.
 
 
francesca-bild-1
 
 
 


 
 
 

FRANCESCA – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Der Giallo ist tot, es lebe der Giallo! Lang hat erwähntes Thriller-Subgenre das Dasein des Vergessenen gefristet. Das dürfte sich mit FRANCESCA nicht ändern, der sich dann durch Einsatz typischer Giallo-Stilmitteln an ein eher bewandertes Publikum richtet, die etwas mit dieser Art von Filmen anfangen können. Liebhaber kommerzieller Hochglanzproduktionen werden FRANCESCA als unsehbar abstempeln. Das ist auch kein Wunder, denn im kunstvoll zelebrierenden Morden kommt die Spannung ein wenig kurz. Zudem findet die Handlung auf einem Bierdeckel Platz, obwohl das Geschehen unermüdlich zwischen Zeitebenen und Ereignissen wechselt. Das ist so gewollt, denn Regisseur LUCIANO ONETTI huldigt bewusst engstirnig den vielen Giallo-Streifen der 70er. Liebhaber dieser Filmgattung werden die liebevolle Hommage des Filmemachers zu schätzen wissen. Die werden für knapp 80 Minuten in eine vertraute Welt jener Filme entführt, die dem heutigen Slasher zum Erfolg verholfen haben. Wer Action und Tempo benötigt, aber nix mit dem italienischen Horror-Zeitgeist der 70er anfangen kann, ist bei FRANCESCA an der falschen Adresse.
 
 
 


 
 
 

FRANCESCA – Zensur

 
 
 
FRANCESCA hat es ungeschnitten nach Deutschland geschafft. Im Vergleich zu vielen früheren Giallos ist das schon beachtlich, denn viele der alten Schlitzerfilme stehen hierzulande wegen ihrer detailfreudigen Zurschaustellung von Gewalt immer noch auf dem Index. FRANCESCA kann auf DVD und im Mediabook gekauft werden. Beides besitzt den roten FSK-Flatschen: Keine Jugendfreigabe. Eine Einzelveröffentlichung auf Blu-ray kann derzeit noch nicht gekauft werden. Ein Release ist aber geplant.
 
 
 


 
 
 

FRANCESCA – Deutsche Blu-ray

 
 
 
francesca-dvd

(c) Mad Dimension (KeepCase DVD)

 
francesca-mediabook

(c) Mad Dimension (limitiertes Mediabook mit DVD und BD – limitiert auf 3500 Stück)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Francesca; Argentinien, Italien 2015

Genre: Horror, Thriller, Krimi

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Italienisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 80 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase (DVD) | Mediabook (BD+DVD) | KeepCase (BD) – ist geplant

Extras: Interview, Behind the Scenes, Hidden Scene, Deleted Scene Trailer zum Film, Trailershow | Zusätzlich im Mediabook: 20-seitiger Buchteil mit einem Text von Nando Rohner,

Release-Termin: 29.01.2016 (DVD KeepCase) | 29.01.2016 (Mediabook) | 01.04.2016 (BD KeepCase) – ist geplant |

 

Francesca [DVD] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Francesca [Limitiertes DVD+BD Mediabook] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

FRANCESCA – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

Die Rechte aller für die Review verwendeten Bilder liegen bei MAD DIMENSION

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Sonno Profondo (2013)

Eyes of Crystal – Die Angst in deinen Augen (2004)

Amer – Die dunkle Seite Deiner Träume (2009)

Sleepless (2001)

Advertisements

Filmreview: „P.O.E. Project of Evil“ (2012)

poe-project-of-evil-2012
 
 
 

P.O.E. PROJECT OF EVIL

Story

 
 
 
Einige italienische Regisseure haben sich sieben literarische Werke des amerikanischen Horror-Schreiberlings EDGAR ALLAN POES vorgenommen und filmische Interpretationen mit reichlich Blut, Sex und Gewalt gedreht …
 
 
 


 
 
 

P.O.E. PROJECT OF EVIL – Kritik

 
 
 
Horror-Anthologiestreifen sind gefragter denn je. Die kleinen Kurzfilmsammlungen erfreuen sich seit den Überraschungserfolgen von V/H/S und THE ABC’S OF DEATH wieder großer Beliebtheit und lassen ähnliche Werke wie Pilze aus dem Boden sprießen. Bereits 2011 hatten 15 internationale Regisseure das Potenzial jener Filmkunst erkannt und an einer Horrorsammlung gewerkelt, die unter dem Titel P.O.E. POETRY OF EVIL in die Händlerregal gebracht wurde. Weil das Sammelsurium bekannter Horrorgeschichten aus der Feder EDGAR ALLAN POES gut angekommen ist, folgt nun der zweite Streich für den sich noch einmal sieben italienische Filmmacher zusammengesetzt haben, um an einer blutigen Erwachsenenvariante der Poe’schen Gruselstorys zu basteln. Bevor jedoch die Freude in Euphorie umschlägt: Herr Argento ist nicht mit von der Partie, dafür aber einige Filmemacher Italiens, deren kleine Genre-Schocker es immerhin schon in den deutschen Handel geschafft haben. Zu den wohl bekannteste Regisseuren diese Riege gehört zweifelsohne EDO TAGLIAVINI, dessen blutreicher Horrorfilm BLOODLINE – DER KILLER hierzulande vom Rechteinhaber sogar in einer hochskalierten 3D-Version auf den Markt geschmissen wurde und es trotz hohem Gore-Gehalt unbeschadet durch die FSK geschafft hat.
 
P.O.E. PROJECT OF EVIL nennt sich der zweite Ausflug in die Welt des EDGAR ALLAN POE, wobei das hier servierte Geschichtengebräu nicht jedem Horrorfan munden dürfte, auch wenn es diesmal deutlich ruppiger zugange geht, als im Streifen zuvor. Die sieben Erzählungen des berühmten Horrorautors werden so ziemlich frei interpretiert und haben außer dem Titel meist kaum noch etwas mit den Schriften Poes gemein. Wirklich unheimlich wird es nicht, dafür aber sehr blutig und vor allem surreal, denn einige der Kurzwerke erinnern eher an bizarre Experimental- und Kunstfilme, als an grausigen Horror. Hier wird einmal mehr deutlich, dass Indie-Streifen meist mehr kreativen Spielraum in der Umsetzung besitzen, als manch teurer Studio-Schocker, deren Macher sich nicht selten an den Auflagen der Produzenten orientieren müssen. P.O.E. PROJECT OF EVIL ist ein engagiertes Indie-Projekt, glänzt mit eigenwilligem Konzept und überrascht durch einen zwar ungeschliffenen aber durchaus charmanten, wenn auch rauen Look. Die Ausleuchtung ist meist miserabel und die Schauspieler vermutlich von der Straße aufgelesen. Dennoch funktioniert der Film auf seine ganze eigene Weise, bietet er doch dem Zuschauer genügend Abwechslung und Abartigkeiten, so dass man auch schon mal darüber hinwegsehen kann, dass nicht alle Segmente qualitativ gleich überzeugen können.
 
Jede Geschichte trägt die individuelle Handschrift des jeweiligen Regisseurs, der hier seine ganz eigene Vision der Poe’schen Gruselmärchen auf Zelluloid gebannt und diese mit allerhand Sex, Mord und Gekröse „verschönert“ hat. Auf Konventionen wird gepfiffen, stattdessen wurde gedreht, worauf man Lust hatte. So kommt der Zuschauer in den Genuss des Stumm-Kurfilms LOSS OF BREATH, in dem ein Pornostar von zwei Schlägertypen seiner Männlichkeit beraubt wird. An Kastrationen fand man vermutlich Gefallen, so dass im recht wortkargen THE TELL-TALE HEART von einem Obdachlosen berichtet wird, der nach Thailand reist, dort seinen Penis abschneidet um ein neues Leben als Ladyboy leben zu können. Nicht minder grausam geht es in der Giallo-Hommage THE MURDERS IN THE RUE MORGUE zu, in der zwei Prostituierte von einem Affen vergewaltigt werden und blutige Rache am Besitzer des Tieres ausüben. Zitate und Verbeugungen hagelt es in P.O.E. PROJECT OF EVIL reichlich, wobei die italienischen Filmemacher vor all jenen Gruselkönigen den Hut ziehen, die im italienischen Genre-Kino Rang und Namen haben. DARIO ARGENTO wird für seine extravaganten Farbspielereien und deftigen Schlitzer-Krimis gehuldigt und der italienische Zombie-Papst LUCIO FULCIO wird mit der Untoten-Episode THE PREMATURE BURIAL noch einmal gen Himmel gepriesen.
 
Auch wenn diese Sammlung von Horror-Kurzfilmen recht durchwachsen ist und man hin und wieder nach dem Sinn in einigen Episoden sucht, bleibt am Ende ein teils verstörendes Stück Film über, das aus den klassischen Geschichten eines EDGAR ALLAN POE zeitgemäße Interpretationen zaubert, mit denen jedoch der verwöhnte Mainstream-Zuschauer herzlich wenig anfangen kann.
 
 
 


 
 
 

P.O.E. PROJECT OF EVIL – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Ein verstörend-bizarres Filmexperiment mit reichlich Sex und Gewalt, das man so vermutlich noch nicht auf dem Bildschirm hatte. Für P.O.E. PROJECT OF EVIL mussten sieben klassische Werke der Schriftstellerlegende EDGAR ALLAN POE herhalten, die hier modern aufbereitet nur noch wenig mit den eigentlichen Schriften des Autors gemein haben. Die sieben italienischen Regisseure konnten sich bei der filmischen Adaptionen soviel Freiheiten nehmen wir nur möglich und haben teils surreale Beiträge auf Zelluloid gebannt, an denen kommerzverliebte Filmfans sicher gar keine Freude haben dürften. Die meisten Segmente dieser Anthologie erinnern an blutige Kunst- und Experimentalfilme, die trotz kleinen Budgets dennoch mit ganz eigenem Look glänzen, auch wenn dieser manchmal mit einigen technischen Defiziten so kämpfen hat. P.O.E. PROJECT OF EVIL verweist ziemlich oft auf das italienische Horrorkino der 80er und huldigt ganz nebenbei die ganz Großen des modernen Euro-Horrors: DARIO ARGENTO und LUCIO FULCI. Wer sich selbst als offener Horrorfan bezeichnet und die Nase voll hat vom ständig sich wiederholenden Horror-Einerlei, sollte mal einen Blick in P.O.E. PROJECT OF EVIL werfen. Anders wie in der Vorgänger-Anthologie P.O.E. POETRY OF EVIL bekommt der Zuschauer hier eine obskure, deprimierende und ziemlich finstere Bilderflut präsentiert, die ihresgleichen sucht.
 
 
 


 
 
 

P.O.E. PROJECT OF EVIL – Zensur

 
 
 
Die Fortsetzung P.O.E. PROJECT OF EVIL ist trotz kostengünstigem Indie-Look ganz schön gepfeffert, was die Gewaltmomente betrifft. Ein Mann wird kastriert und die Kamera hält drauf. Gleich in der zweiten Episode bekommt man eine Frau zu sehen, deren Gliedmaßen abgesägt wurden. Außerdem wird hier recht krude vergewaltigt. Leider wird der Streifen hierzulande nicht veröffentlicht. Das Filmprojekt wurde im deutschsprachigen Ausland veröffentlicht und kann leider nur auf Filmbörsen oder in auf Horrorfilme spezialisierte Onlineshops erworben werden.
 
 
 


 
 
 

P.O.E. PROJECT OF EVIL – Deutsche Blu-ray

 
 
 
P.O.E-Project-of-Evil-Mediabook-F
P.O.E-Project-of-Evil-Mediabook-G
P.O.E-Project-of-Evil-Mediabook-E
P.O.E-Project-of-Evil-Mediabook-D
P.O.E-Project-of-Evil-Mediabook-C
P.O.E-Project-of-Evil-Mediabook-B
P.O.E-Project-of-Evil-Mediabook-A
P.O.E-Project-of-Evil-Mediabook-G

(c) ILLUSIONS UNLTD. films

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: POE – Project Of Evil; Italien 2012

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch Dolby Digital 2.0, Deutsch Dolby Digital 5.1, Deutsch DTS HD 2.0, Deutsch DTS HD 5.1, Englisch Dolby Digital 2.0,, Englisch DTS HD 2.0

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,32:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 95 (BD) / ca. 91 Min. (DVD)

FSK: ungeprüft und daher erst ab 18 Jahren (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook

Extras: diverse Trailer zum Film, 2 Kurzfilme (je ca. 10 Minuten), Trailershow mit drei weiteren Veröffentlichungen des Labels, 84-seitiges Booklet mit den deutschen Übersetzungen aller im Film gezeigten Original-Kurzgeschichten aus der Feder von Edgar Allan Poe

 
 
 
Man muss ILLUSIONS UNLTD. films an dieser Stelle einmal für die mutige Veröffentlichungspolitik loben, denn das österreichische Label bringt seit geraumer Zeit nicht ausschließlich nur Klassiker als deutsche HD-Ersterscheinungen auf den Horror-Markt. Mittlerweile erscheinen in regelmäßigen Abständen sogar neuere Produktionen im deutschsprachigen Ausland, die vermutlich ohnehin keine Freigabe hier in Deutschland erhalten würden. Nach den Splatterstreifen CROSS BEARER, THE CEMETERY und demnächst FIST OF JESUS hat sich das Horror-Label erneut die Rechte an einem äußerst „speziellen“ Indie-Film gesichert, der zur Abwechslung die Marke „Anspruch“ trägt. Auch der experimentale P.O.E. – PROJECT OF EVIL wird mit einer ansprechenden Aufbereitung im Mediabook gehuldigt, wobei man sagen muss, dass diese Veröffentlichung vermutlich die beste weltweit sein dürfte, denn neben eine schicken Verpackung hat sich der Anbieter etwas ganz besonderes einfallen lassen. Im Inneren des Buches befindet sich ein 84-seitiges Booklet mit den deutschen Erstübersetzungen jener EDGAR ALLAN POE Geschichten, die dem Film zugrunde liegen. So können alle Segmente des Streifens mit die Original-Vorlage verglichen werden. Dass sich ILLUSIONS im Gegensatz zu österreichischen Heimkino-Kollegen, wie NSM und XT nicht nur ausschließlich auf Verpackungswahn konzentriert, zeigt einmal mehr die technische Aufbereitung der gebotenen Scheiben. P.O.E. – PROJECT OF EVIL wurde nicht nur mit ansprechender deutscher Übersetzung ausgestattet (von Porno-Übersetzung keine Spur); das Unternehmen hat selbst die Titeleinblendungen der jeweiligen Kurzgeschichten ins Deutsche übersetzen lassen und an deutschsprachige Untertitel für den Hauptfilm gedacht. Zudem stimmt ein ansprechend gestaltetes Bewegtmenü auf den Hauptfilm ein. Doch all das ist natürlich längst nicht alles, denn Bonus hat es selbstverständlich auch auf die Veröffentlichung geschafft. Zu sehen gibt es neben den obligatorischen Filmtrailer auch zwei Kurzfilme (je rund 10 Minuten), die ebenfalls deutsche Untertitel erhalten haben. Drei Programmvorschauen weiterer Streifen des Publishers sind in einer Trailershow zu finden. Wer Horrorfilme jenseits des Mainstream sucht, ist mit P.O.E – PROJECT OF EVIL gut beraten, zumal sich die Veröffentlichung aus dem Hause ILLUSIONS UNLTD. durchaus gut im Sammlerregal macht. Übrigens erscheint das Mediabook in drei verschiedenen Covermotiven. Jedes Buch ist auf 666 Stück limitiert und kommt in bekannter DVD/Blu-ray-Combo daher. Schnell zugreifen heißt da die Devise, bevor das bevorzugtes Motiv ausverkauft ist und zu Mondpreisen gehandelt wird.
 
 
 
poe-project-of-evil-mediabooks
 

Limitiertes Mediabook mit Cover A bei CyberPirates bestellen

Limitiertes Mediabook mit Cover B bei CyberPirates bestellen

Limitiertes Mediabook mit Cover C bei CyberPirates bestellen

 
 


 
 
 

P.O.E. PROJECT OF EVIL – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
V/H/S
 
V/H/S 2
 
ABC’s of Death
 
Two Evil Eyes (1990)
 
The Bunny Game (2010)


Filmreview: „Discopath“ (2013)

Discopath-2013
 
 
 

DISCOPATH

Story

 
 
 
New York City im Jahre 1976. Immer dann, wenn Teenager Duane Lewis (Jeremie Earp-Lavergne) Disco hört, wird er zum Tier. Dann hat er sich nicht mehr unter Kontrolle und bringt Frauen bestialisch um die Ecke. Bald wittert die Polizei die Spur des unberechenbaren Killers, der nach Montreal flieht, um dort seine kleine Leidenschaft ungestört ausleben zu können …
 
 
 


 
 
 

DISCOPATH – Kritik

 
 
 
Schon einmal einen Film über einen Killer gesehen, der auf Disco-Gedudel steht und seine Opfer auf der Tanzfläche ins Jenseits befördert, ohne dass es jemand bemerkt? Von der filmischen Umsetzung einer derart makabren Szenerie hatte Nachwuchstalent RENAUD GAUTHIER schon immer geträumt, so dass er flink an einem Drehbuch zu einem Horrorfilm pinselte und das Projekt mit dem trashigen Namen DISCOPATH auf der französische Crowdfunding-Website TOUSCOPROD bewarb, wo es von anderen Filmbegeisterten mitfinanziert werden konnte. Das Geld schien bei Nutzern des Portals recht locker gesessen zu haben, so dass die knapp 200 000 Dollar Produktionskosten überraschend schnell zusammenkamen und sich GAUTHIER nach einer eigenen Web-Serie, Kurzfilmen und Musikvideos endlich den Traum vom ersten Langfilm erfüllen konnte. Retro geht es in DISCOPATH zu, denn der Film spielt nicht nur in den 70ern, er verbeugt sich auch ehrfürchtig vor den Horrorstreifen jener Zeit. Die Liebeserklärung richtet sich an die deftigen italienischen Giallo-Filme der späten 70er und das austauschbare Slasher-Kino der frühen 80er, als Horror-Streifen wie Argentos TENEBRE, Fulcis NEW YORK RIPPER und Lustigs MANIAC den Jugendschutzbeauftragten der FSK schlaflose Nächte bereitet haben.
 
Macher RENAUD GAUTHIER erzählt in DISCOPATH eine Geschichte, die so bescheuert ist, dass sich das schon wieder zum Kult deklarieren lässt, was sich da auf der Kinoleinwand abspielt. Hier geht es um den Teenager Duane Lewis (JEREMIE EARP-LAVERGNE), der als Kind miterleben musste, wie der Vater beim Musizieren an einem Stromschlag qualvoll verendet ist. Der Junge ist seitdem schwer traumatisiert und permanent dem Wahnsinn nahe, wenn Disco-Musik aus den Lautsprechern der Radios schallt. Bald hat Duane sich selbst nicht mehr unter Kontrolle und ermordet ein adrettes Mädchen, das ihn eigentlich nur zum Tanz in einen lokalen Club einladen wollte. Weil die Polizei recht zügig die Ermittlungen aufnimmt, flüchtet der Nachwuchskiller von New York City nach Montreal und findet dort eine Anstellung in einem Mädcheninternat, wo er getarnt als taubstummer Hausmeister Reparaturarbeiten erledigt. Doch auch in den 80ern scheint Disco nach wie vor zum Tanzen zu animieren, so dass Duance bald wieder in altes Schema verfällt und wahllos Frauen zu meucheln beginnt, sobald Disco-Klänge ertönen. Schnell mehren sich auch in Montreal die Mordfälle und die Polizei kommt dem introvertierten Psychopathen auf die Schliche. Doch der ist den Beamten stets einen Schritt voraus und scheint allmählich Freude an seinem neuen Hobby zu finden.
 
GAUTHIERS Erstling sollte man mit einem Augenzwinkern genießen. In einem Interview verriet der Regie-Neuling, dass der teils ironische Unterton von DISCOPATH anfänglich gar nicht so gewollt gewesen ist. DISCOPATH sollte eigentlich ein furchteinflößender und ernster Film werden. Die oftmals unfreiwillige Komik wurde jedoch erst am Schnittpult erkannt und in der Nachbearbeitung hervorgehoben, steht DISCOPATH aber dennoch ganz gut. Wenn Killer Duane nämlich Frauenköpfe auf Plattentellern spießt und rotieren lässt und wenn eine wilde Verfolgungsjagd vom Kiss-Hit I WAS MADE FOR LOVIN’ YOU begleitet wird, wirkt das so überzogen, dass man meinen könnte gerade eine Persiflage auf das schlitzfreudige 70/80er Horrorkino zu sehen. Schlecht ist das freilich nicht und macht vor allem deshalb Laune, weil GAUTHIER ein talentiertes Händchen für Trash auf hohem Niveau besitzt. Die vielen Gore-Effekte sind abwechslungsreich und werden vollkommen übertrieben zelebriert (da wird Vinyl in Frauenkörper gespießt); die technische Komponente überzeugt durch hervorragende Kameraarbeit und einige Farbspielereien, die man auch schon in Argentos früheren Werken zu sehen bekam, machen sogar Giallo-Fans glücklich. Die eigentliche Quintessenz des Films ist jedoch der Sound, der hier von BRUCE CAMERON mit viel Liebe zum Detail komponiert wurde und an all die großen Tanz-Hits jener Dekade erinnert. Neben neu geschriebenen Stücken wurden auch bekannte Melodien der Disco-Ära (wie KC AND THE SUNSHINE BAND – I’M YOUR BOOGIE MAN) für DISCOPATH wiederverwurstet, die vermutlich bei einigen Horrorfans älteren Semesters Erinnerungen an die eigene Jugend wecken dürften. Leider bleibt bei soviel Liebe zum Retro und übertriebenem Blutgematsche wie so oft inhaltlich einiges auf der Strecke. Eine Charakterisierung der Protagonisten gibt es nämlich nicht und die psychologische Erklärung für Duanes traumatische Reaktion ist mit das schwachsinnigste was der Filmfan bisher im Kino zu sehen bekommen hat. Das weibliche Kanonenfutter stolpert mal wieder vollkommen unbedacht durchs Bild, um in der nächsten Szene irgendwie um die Ecke gebracht zu werden und stümperhaftes Overacting gehört in DISCOPATH zur Tagesordnung. Die genannte Fehlschläge kann man GAUTHIER jedoch nicht verübeln, waren Overacting, mangelnde Charakterisierung und sinnbefreites Morden in den unzähligen Slasher-Gurken der 70er und 80er ohnehin gang und gäbe und haben das Slasher-Genre zu dem gemacht, was es heute ist: Gruselunterhaltung, auf die der Horrorfan nicht mehr verzichten möchte.
 
 
 


 
 
 

DISCOPATH – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
SATURDAY NIGHT FEVER war gestern, jetzt kommt der SATURDAY NIGHT KILLER. Weil dem Regie-Neuling RENAUD GAUTHIER als Kind so einige Disco-Klänge Gänsehaut bereitet haben, verarbeitet er jetzt mit DISCOPATH Kindheitserlebnisse. Antiheld und Killer Duane Lewis hat ähnliches erlebt und meuchelt sich ganz ungeniert und kreativ durch weibliches Fleisch. Gematscht wird reichlich und das nicht immer bierernst, denn DISCOPATH erheitert immer mal wieder mit subtiler Komik, die eigentlich von Macher RENAUD GAUTHIER anfangs gar nicht so gewollt gewesen ist. Der Streifen schöpft Unterhaltungswert aus der trashigen Art, wie er sich vor italienischen Giallo-Filmen und den trivialen Slasher-Schockern der 70er und 80er verbeugt. Da werden Morde blutig und überzogen zelebriert und das weibliche Kanonenfutter spielt auch gern mal mit den Reizen, bevor es in der nächsten Szene den Tod findet. Für Indie-Horror schaut GAUTHIERS Erstwerk einfach nur fantastisch aus und der nostalgische Disco-Soundtrack überzeugt durch Liebe zum Detail. Das FILMCHECKER-Team war angetan, denn DISCOPATH ist charmanter Retro-Trash bei dem Giallo- und Slasherfans ganz warm ums Herz werden dürfte.
 
 
 


 
 
 

DISCOPATH – Zensur

 
 
 
In DISCOPATH werden Frauen enthauptet, Köpfe auf Plattenteller gespießt und Körperteile mit Schallplatten verschönert. Außerdem wird ein Sprung von einem Hochhaus inklusive Resultat gezeigt, sowie diverse Einstichwunden und Starkstromschläge. Das hat in Deutschland für eine KJ-Freigabe ausgereicht. Der Streifen ist hierzulande ungeschnitten erscheinen.
 
 
 


 
 
 

DISCOPATH – Deutsche Blu-ray

 
 
 
discopath-blu-ray

(c) Mad Dimension

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Discopathe; Kanada 2013

Genre: Horror, Drama, Krimi, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 81 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Schwarze Amaray mit Wendecover

Extras: Trailershow

Release-Termin: 31.10.2014

 

Discopath (Uncut) (Blu-Ray) ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

DISCOPATH – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Alexandre Ajas Maniac (2012)
 
Maniac (1980)
 
Henry: Portrait of a Serial Killer (1986)
 
Der New York Ripper (1982)


Review: „Tulpa – Dämonen der Begierde“ (2012)

tulpa-2013
 
 
 

TULPA – DÄMONEN DER BEGIERDE

Story

 
 
 
Die sexhungrige Karrierefrau Lisa (Claudia Gerini) gerät an einen maskierten Irren, der ihren Sexpartnern auf gar kaltblütige Weise nach dem Leben trachtet …
 
 
 


 
 
 

TULPA – Kritik

 
 
 
Wenn in der Filmrunde der Begriff GIALLO fällt, dürften bei erfahrenen Horrorfans die Alarmglocken läuten. Das italienische Subgenre des Thrillers hat es in den 70ern dank ARGENTO, BAVA und MARTINO zu großer Bekanntheit gebracht und auch den Prüfern der FSK schlaflose Nächte bereitet. Berüchtigte Streifen wie PROFONDO ROSSO (1975), DIE SÄGE DES TEUFELS (1973) oder TENEBRAE (1982) befinden sich in ihrer ungeschnittenen Form selbst heute nochauf der Liste für jugendgefährdende Medien und haben sich mittlerweile zu begehrten Sammlerobjekten bei Liebhabern beschlagnahmten Materials entwickelt. Leider fristet der damals gefeierte Giallo seit Jahren ein mehr als jämmerliches Dasein in der Horrorlandschaft. Altmeister DARIO ARGENTO versucht zwar immer mal wieder den vergessen geglaubten Giallo erneut aufleben zu lassen, scheint aber allmählich auch zu begreifen , dass die von ihm entwickelte Suspense-Rezeptur bei Weitem nicht mehr so gut funktioniert, wie vor 30 Jahren. Immerhin sind ambitionierte Nachwuchsregisseure seit einigen Jahren emsig dabei, die brutale Filmform generalüberholt in die Wohnzimmer zu bringen. Streifen wie MASKS (2011), AMER (2009) und EYES OF CRYSTAL (2004) zeigen eindrucksvoll, dass der Giallo immer noch Daseinsberechtigung besitzt und auch Jahre nach Entstehung Zuschauer in den Bann zu ziehen weiß.
 
FREDERICO ZAMPAGLIONE ist einer von denen. Der ist eigentlich Musiker und Frontmann der Band TIROMANCINO, hält aber seine Leidenschaft zum phantastischen Genre ganz souverän auf Film fest. Auf seine Kappe geht der 2007 veröffentlichte SHADOW – IN DER GEWALT DES BÖSEN mit dem er bereits beweisen konnte, dass er nicht nur gut komponieren und singen kann, sondern zusätzlich auch noch das Regiehandwerk beherrscht. TULPA heißt sein neuster Streich und ist ein lupenreiner Giallo der alten Schule. Es geht um Lisa (CLAUDIA GERINI), die tagsüber die knallharte Geschäftsfrau mimt und am Abend Entspannung in einem exklusiven Privatclub genießt. TULPA nennt sich das anrüchige Etablissement, wo gut zahlende Kunden anonymen Sex in exotischem Ambiente erleben können. Leider entwickeln sich die regelmäßigen Clubbesuche für die Karrierefrau schon bald zum Albtraum, denn ein irrer Mörder hat es auf jene Mitglieder abgesehen, mit denen die unwissende Lisa intim gewesen ist. Um das geheime Doppelleben zu wahren, beginnt sie eigene Recherchen anzustellen, schließlich soll auf der Arbeit niemand von ihrer extravaganten Freizeitgestaltung erfahren. Weit kommt sie mit der Detektivarbeit jedoch nicht, denn schon bald stehen sich Opfer und Killer Auge in Auge gegenüber.
 
Einen Giallo zu drehen ist kein Zauberwerk. Man nehme möglichst grausame Morde, umwebe sie mit einer rudimentären Handlung und garniere sie mit befremdlichen Farbspielereien und akustischen Raffinessen. Für Letztere zeichnet ZAMPAGLIONE logischerweise auch gleich mitverantwortlich. Der Regisseur hat es sich nicht nehmen lassen am Soundtrack mitzuschreiben und selbigen auch gleich einzuspielen. Kultband GOBLIN (a.a. Soundtrack zu DAWN OF THE DEAD, SUSPIRIA) hat die Inspiration geliefert. Die hat bei den bekanntesten Gialli der 70er für stimmungsvolle Akustik gesorgt und wird hauptsächlich mit dem schmuddeligen Schlitzer-Krimis in Verbindung gebracht. ZAMPAGLIONES Sound ist dem von GOBLIN nicht unähnlich. Die ätherischen Klänge besitzen Widererkennungswert, gehen ins Ohr und bringen das blutreiche Treiben auf den Punkt. Mit Blut wird selbstverständlich nicht gegeizt. Das Lebenselixier darf in TULPA reichlich fließen, denn wie in den bekanntesten Streifen dieser Art sind auch hier die Gewaltmomente das Salz in der Suppe. Dabei hat sich ZAMPAGLIONE in ihrer Machart eng an das grausame Gemetzel in den klassischen Gialli orientiert, denn einige der Morde sind in ihrer bizarren Ausführung schon als ziemlich obskur zu bezeichnen. Es werden Gesichter mit Stacheldraht verschandelt und Augen aus Höhlen gerissen. Das obligatorische Abstechen aus der Egosicht des Killers darf natürlich auch nicht fehlen. Übrigens hat der Filmemacher ein Urgestein des italienischen Horrorkinos gewinnen können. Autor DARDANO SACCHETTI war Ideenlieferant und hat zusammen mit dem ambitionierten Regisseur an der Geschichte zum Film gefeilt. Für den manchmal etwas zähen TULPA ein definitiver Zugewinn, hat doch SACCHETTI legendären Horrormeilensteinen wie DAS HAUS AN DER FRIEDHOFSMAUER (1981) und ÜBER DEM JENSEITS (1981) zum Erfolg verholfen indem er deren Drehbücher schrieb.
 
Trotz guter Voraussetzungen sollte der Fan jedoch die Erwartungen dämpfen, denn Macher FREDERICO ZAMPAGLIONE stiert zu sehr nach den Großen, vergisst dem Film aber eine individuelle Note zu verleihen, weil er zu oft kopiert und nacheifert. Zudem vermisst man Spannung und Atmosphäre, die sich vor allem in den wenigen Tagesszenen gänzlich verabschieden. Teilweise ist das Geschehen derart simpel und ereignisfrei gestrickt, dass nur der nächste Mord den teils behäbigen TULPA aus seiner Lethargie reißen kann. Immerhin hält der Fan mit TULPA einen der wohl erotischsten Vertreter seiner Art in den Händen. Heldin Lisa kann sich bei ihren Swinger-Spielchen nämlich nicht so recht zwischen den Geschlechtern entscheiden und treibt es stattdessen mit Frauen und Männern. Dabei beweist ZAMPAGLIONE einen souveränen Sinn für Ästhetik, denn die Erotikszenen schauen weder billig noch unbeholfen aus. Unterm Strich ist TULPA ein Neo-Giallo, der vermutlich nur dem Fan munden wird und der seinen Reiz hauptsächlich aus seinen grafischen Gewaltspielereien zieht. Die krude Mischung aus Gewalt und Sex besitzt mit Sicherheit einige Höhepunkte, wirkt aber vielerorts etwas arg aufgesetzt. Nichtsdestotrotz ist TULPA ohnehin für den Giallo-Fan Pflichtprogramm. Der wird ZAMPAGLIONES Verbeugung zu schätzen wissen, zumal der brutale Krimiflick bei Weitem besser ist, als das was DARIO ARGENTO in letzter Zeit semi-erfolgreich fabriziert hat.
 
 
 


 
 
 

TULPA – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Ein kruder Cocktail aus Sex und Gewalt – TULPA bringt den klassischen Giallo zurück in die Wohnzimmer und lässt bewanderte Horrorfans in Erinnerung schwelgen. Auch wenn Regisseur FREDERICO ZAMPAGLIONE ziemlich präzise bei den Großmeistern des Giallos stibitzt; die Klasse eines (jungen) ARGENTO erreicht er mit seinem TULPA nie. Der erotische Schlitzer-Krimi ist des Öfteren ganz schön hölzern, das Ende ist mit der schwachsinnigen Auflösung für den Fan solcher Filme als ziemlich enttäuschend zu betiteln und die teils übertriebene Gewalt wirkt manchmal enorm aufgesetzt. Trotzdem muss man ZAMPAGLIONE für die gelungene musikalische Untermalung loben, die sich nicht nur einmal an Stücke der bekannten Band GOBLIN orientiert. Schlecht ist TULPA auf keinen Fall, auch wenn der Film nur Fans des Subgenres zu empfehlen ist, denn Mainstream-Zuschauer werden an TULPA ganz klar nur wenig Gefallen finden.
 
 
 


 
 
 

TULPA – Zensur

 
 
 
Die bisher einzige, deutsche Fassung von TULPA ist ungeprüft und wurde demnach auch der FSK nicht für eine Prüfung vorgelegt. Die hätte den Streifen in ungeschnittener Form ohnehin nicht passieren lassen. Verwunderlich ist das nicht, denn in TULPA geht es übertrieben blutig zur Tat. Wer den Film in deutscher Sprache kaufen möchte, muss ins deutschsprachige Ausland düsen. Denn nur dort kann man den problemlos Giallo erwerben. Eine offizielle Fassung für den hiesigen Handel gibt es bis dato noch nicht, wer aber in einem der vielen Uncut-Onlineshops (u.a. Cyber-Pirates) angemeldet ist, kann sich das gute Stück auch dort bestellen.
 
 
 


 
 
 

TULPA – Deutsche Blu-ray

 
 
 
tulpa blu-ray

(c) LFG

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Tulpa – I demoni del desiderio; Italien 2012

Genre: Horror, Thriller, Erotik

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1, Italienisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 88 Min.

FSK: nicht von der FSK geprüft (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Digipack auf 2000 Stück limitiert

Extras: Making of Tulpa (18:20 Min.), Bildergalerie (02:48 Min.), Deutscher Trailer (01:50 Min.), Originaltrailer (01:46 Min.), Trailershow: Cold Sweat (01:43 Min.), Help me I’m dead (01:19 Min.), Strippers vs. Werewolves (01:45 Min.), S-VHS (01:51 Min.), Yellow (01:56 Min.), kompletter Soundtrack auf CD, zusätzliche DVD mit dem Hauptfilm

Release-Termin: 15.02.2014

 
 
 
Man muss Rechteinhaber LFG an dieser Stelle einmal für die vorbildliche Veröffentlichung loben, denn es passiert nicht oft, dass kleine Labels „spezielle“ Filme neueren Datums mit anständigen Synchronisationen und Untertiteln ausstatten. TULPA hat die selbstverständlich an Bord, denn hier wurde nicht nur der Hauptfilm deutsch untertitelt, sondern auch das Bonusmaterial, schließlich will der deutschsprachige Filmfan auch verstehen, was der Regisseur da auf der Mattscheibe zu berichten hat. TULPA kommt in einer limitierten Digipack-Auflage in den Onlinehandel. Da der Film ungeprüft erscheint, muss der Sammler den Umweg übers deutschsprachige Ausland in Kauf nehmen. Dort bekommt der auch was für sein Geld geboten. Neben dem Hauptfilm hat es noch ein Making-of auf die Blaustrahlscheibe geschafft. I-Tüpfelchen ist jedoch der Soundtrack zum Film, der neben der obligatorischen Film-DVD beiliegt. Wer Gialli liebt sollte zugreifen, denn das schöne Digi dürfte recht schnell vergriffen sein.
 
 

Tulpa – Dämonen der Begierde – Uncut [Blu-ray] [Limited Collector’s Edition] auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

TULPA – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Terror in der Oper (1988)
 
Blutige Seide (1964)
 
Die neunschwänzige Katze (1971)
 
Profondo rosso (1975)
 
 


Filmreview: „The Butterfly Room“ (2012)

butterfly room 2012
 
 
 

THE BUTTERFLY ROOM

Story

 
 
 
Die in die Jahre gekommene Ann (Barbara Steele) erlebt ihren zweiten Frühling. Kinder liebt sie über alles, vor allem dann, wenn diese mit der mysteriösen Dame viel Zeit verbringen. Doch hinter der Fassade der gutherzigen und spendablen Frau verbirgt sich das unberechenbare Böse …
 
 
 


 
 
 

THE BUTTERFLY ROOM – Kritik

 
 
 
Die Liebe einer Mutter stirbt nie. Das mag auch für Nachbarin Ann (BARBARA STEELE) gelten, die einfach derart viel Liebe zu vergeben hat, dass sie gleich für mehrere (ihr fremde) Kinder reicht. Doch die nette, alte Dame von nebenan hat auch ihre Problemchen, denn einen wirklich guten Draht zu ihrer eigenen, erwachsenen und übertrieben hysterischen Tochter Dorothy (HEATHER LANGENKAMP) scheint die gute Frau nicht zu haben. Umso erfreulicher, dass die allein erziehende Mutter Claudia (ERICA LEERHSEN) mit Tochter Julie (ELLERY SPRAYBERRY) in das gegenüberliegende Apartment einzieht. Schnell ist ein guter Kontakt zur neuen Nachbarin aufgebaut, so dass die kleine Julie hin und wieder Zeit mit der schrulligen Ann verbringen kann, wenn Mutter Claudia mal wieder etwas länger auf der Arbeit benötigt. Doch mit der älteren Dame scheint irgendwas im Argen zu liegen. Nachts dringen geheimnisvolle Geräusche aus ihrer Wohnung und Menschen verschwinden spurlos, die zuletzt mit der Rentnerin in Verbindung gestanden haben. Alles hat den Anschein, als wenn Anns mysteriöser Schmetterlingsraum ein Geheimnis wahrt zu dem Julie der Zutritt verboten wurde.
 
Der Giallo ist zurück. Das Subgenre des Thrillers wurde von Horror-Kultikone MARIO BAVA (BLUTIGE SEIDE) Mitte der 60er begründet und hat Dank DARIO ARGENTO und SERGIO MARTINO in den 70ern eine Blütezeit erlebt. Seit einigen Jahren versucht man den scheinbar vergessenen Vorläufer des amerikanischen Slasher-Films wieder aufleben zu lassen. Visuell sehr reizvolle und effizient inszenierte Streifen wie GIALLO (2009) oder MASKS (2011) brachten erneut spannendes Krimi-Feeling in die Wohnzimmer und verhalfen dem einst schmuddeligen Giallo zu neuem Glanz. Auch JONATHAN ZARANTONELLO ist ein großer Verfechter jener Filmgattung. Der wollte mit seinem THE BUTTERFLY ROOM nur zwei Dinge: Eine Hommage an den berüchtigten Giallo-Thriller der 70er mit all seinen Lieblingsdarstellern drehen und einen Film in die Kinos bringen, in dem eine Frau unschuldige Kinder gemeingefährlich um die Ecke meuchelt. Ersteres ist ihm zumindest auf jeden Fall eindrucksvoll gelungen. THE BUTTERFLY ROOM entpuppt sich als Klassentreffen der Altstars des Horrorgenres. Wir sehen BARBARA STEELE als bemitleidenswerte und skrupellose Alte, die bereits in Bavas Klassiker DIE STUNDE WENN DRACULA KOMMT (1960) zu sehen war und dort glänzen konnte. Die Darsteller-Riege wird ergänzt durch Scream Queen HEATHER LANGENKAMP, die es vor mehr als 30 Jahren mit Kinderschlächter Freddy Krueger (ROBER ENGLUND) aufnahm und sich im ersten NIGHTMARE ON ELM STREET um Kopf und Kragen schrie. Außerdem ließen es sich Regisseur JOE DANTE (GREMLINS) und CAMILLE KEATON (das Opfer aus dem Original I SPIT ON YOUR GRAVE) nicht nehmen, mal kurz durchs Bild zu huschen, damit die Klassikerfans unter den Filmzuschauern feuchte Höschen bekommen.
 
THE BUTTERFLY ROOM ist ein durchweg sehenswerter Genrebeitrag, was vor allem daran liegen mag, dass ZARANTONELLO dem Horrorfreund nicht die ewig gleiche Brühe vorsetzt, die er schon in zig anderen Möchtegern-Schockern gesehen hat. Sein dritter Spielfilm hat es wahrlich in sich und besinnt sich zu den Wurzeln des Horrors zurück, die das Genre einst zu erfolgreich gemacht haben. Mit überschaubarem Budget erzählt er eine puzzleartige und packende Geschichte, die nie zuviel verrät und mittels intelligent eingestreuter Zeitsprünge von der düsteren Vergangenheit eines betagten, vereinsamten und mordenden Mütterchens berichtet. Hierbei scheint STEELE als meuchelnde Oma perfekt gewählt. Sie agiert zwar ab und an (bewußt?) sonderbar und unbeholfen vor der Kamera, findet aber stets den Spagat zwischen ausgefuchstem Biest und gutherziger Übermutter, der man das eiskalte Killerspiel irgendwie gar nicht übel nehmen will. Im Gegensatz zu den üblichen Verdächtigen der bekannten Gallio-Ära hält sich ZARANTONELLO mit der Zurschaustellung von Grausamkeiten dezent zurück. Großmütterchen Ann schreitet zumeist im Affekt zur Tat und hat eine ganz eigene Methode zur „Müllbeseitigung“ für sich entwickelt, was man natürlich zu keiner Zeit hinterfragen sollte (ist ja schließlich auch ein Horrorfilm), scheint doch Ann im Film mit Bärenkräften gesegnet worden zu sein.
 
Auch wenn es sich bei THE BUTTERFLY ROOM um unverbrauchte Genreware mit viele Liebe zum Detail handelt, hinterlässt das etwas sehr überstützte und viel zu kurze Finale einen recht faden Nachgeschmack. Selbstverständlich arbeitet ZARANTONELLO daraufhin hinaus, dass das perfide Treiben der merkwürdigen Dame am Ende entdeckt wird. Was anfänglich noch nahezu akribisch durchgeplant zu vertuschen versucht wird, verliert am Ende an Wichtigkeit. Ann stapft unüberlegt in ein Fettnäpfchen nach dem anderen und stolpert so in ein Finale, das man fast schon als zwanghaft konstruiert und arg grobmotorisch bezeichnen könnte. Immerhin bleibt das Rätsel um Anns titelgebenden Schmetterlingsraum bis kurz vor Ende gut verschleiert, was auf jeden Fall knapp 90 fesselnde Minuten verspricht. Die sind definitiv gut angelegt, punktet THE BUTTERFLY ROOM doch mit einer unverbrauchten Thriller-Thematik, die zudem sogar auch noch intelligent umgesetzt wurde. Leider hat es bisher noch kein deutscher Verleih riskiert den absolut sehenswerten Streifen auszuwerten, was schon mehr als grotesk anmutet, wenn man sich die Schundwerke anschaut, die tagtäglich in den deutschen Handel gebracht werden. Sollte es dennoch soweit sein: Vormerken und anschauen, denn THE BUTTERFLY ROOM ist eine wirklich liebenswert-schrullige Verbeugung vor den ganz großen Giallo-Regisseuren der 70er Jahre.
 
 
 


 
 
 

THE BUTTERFLY ROOM – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Ein absoluter Leckerbissen für jeden Horrorfan. THE BUTTERFLY ROOM lässt den längst vergessenen, schmuddligen Giallo der 70er Jahre erneut aufleben und haucht ihm sogar noch frischen Wind ein. Selten hat man einen derart betagten Killer auf der Mattscheibe erlebt, der so ausgefuchst und raffiniert zur Tat schreitet, dass im Gegensatz dazu Genre-Kollegen wie Meyers, Voorhees und Co. in Rente gehen können. Regisseur JONATHAN ZARANTONELLO hat alles richtig gemacht und ein kleines Meisterwerk geschaffen, das den ganz großen Giallis der 70er in nichts nachsteht. Wenn nur andere soviel Herzblut in ihr Schaffen investieren würden, gäbe es schon längst nicht mehr so viele minderwertige Filme wie es aktuell der Fall ist. Von uns gibt es daher auch für THE BUTTERFLY ROOM fast volle Punktzahl und den Hinweis auf Horror-Pflichtprogramm!
 
 
 


 
 
 

THE BUTTERFLY ROOM – Zensur

 
 
 
Hierzulande konnte THE BUTTERFLY ROOM problemlos die FSK passieren. Da im Film nur wenige Grausamkeiten gezeigt werden, die zudem kaum blutig sind, wurde der Streifen ab 16 Jahren freigegben. Die Kaufhausversion ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

THE BUTTERFLY ROOM – Deutsche Blu-ray

 
 
 
the-butterfly-room-blu-ray

(c) Maritim Pictures

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Butterfly Room; USA 2012

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch Dolby Digital 2.0, Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 87 Min. (uncut)

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wendecover

Extras: Originaltrailer, Trailershow

Release-Termin: 10.06.2014

 
 
 

Butterfly Room – Vom Bösen besessen [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

THE BUTTERFLY ROOM – Trailer

 
 

 
 

Marcel Demuth (Hellraiser80)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Sleep Tight (2011)
 
Das Kindermädchen (1990)
 
Fear – Wenn Liebe Angst macht (1996)
 
Stepfather (1987)
 
Stepfather (2009)
 


Filmreview: „Christopher Roth – Der Killer in Dir“ (2010)

 

Um etwas Abstand vom immensen Erfolgsdruck zu gewinnen, zieht es den erfolgreichen Romanautor Christopher Roth zusammen mit seiner Frau in ein idyllisches italienisches Dörflein fernab von Stress und Hektik.

Doch von Erholung und Urlaub keine Spur.

Denn ein überaus fanatischer Serienkiller, nutzt die Gunst der Stunde um, inspiriert von Roth´s Romanen, unweit des Ferienwohnsitzes des verliebten Paares auf „Beutezug“ zu gehen.

Als der Schriftsteller wenige Tage nach der Publikation des ersten Mordes ein seltsames Kästchen mit einem, vom Serienkiller selbst verfassten Brief, auf dem Küchentisch vorfindet, ahnt er noch nicht, welch blutrünstigen Alptraum ihn erwarten wird.

 

 

Manchmal überrascht, oder verblüfft es Genrefans weltweit, wer da so alles auf dem Regiestuhl Platz nimmt.

Christopher Roth“ – Regisseur Maxime Alexandre scheint auf den ersten Blick für den Filmfan recht unbedeutend.

Stöbert man aber genauer in seiner Vita so dürften vor allem Horrorfilmfans schnell hellhörig werden.

Maxime Alexandre hat sich bisher als Kameramann  einen Namen gemacht und eindrucksvoll bewiesen, dass er sein Arbeitsutensil perfekt im Griff hat.

Die, von ihm gefilmte Werke wie „High Tension“ (2003), „The Hills have Eyes“ (2006) und „Crazies“ (2010) durften im Rahmen des Genres weltweit gehörige Erfolge verbuchen und scheinbar war es ihm wohlmöglich mit der Zeit und den diversen Lobeshymnen leid, immer nur als unbedeutendes Anhängsel im Atemzug mit Regisseur Alexandré Anja („High Tension“ (2003), „Hills have Eyes“ (2006), „Piranha 3D“ (2010)) genannt zu werden, sodass er nun auch sein Können mit dem Thriller „Christopher Roth“ als ernstzunehmender Regisseur und Drehbuchautor unter Beweis stellen möchte.

Ein heikles Vorhaben, scheinen doch diverse Filmemacher mit derart beruflichen Veränderungen gescheitert. Im Falle von „Christopher Roth“, seinem zweiten cineastischen Beitrag als Regisseur, kann ich dennoch alle Skeptiker beruhigen.

Handwerklich hat er mit seinem Horrorthriller wahrlich saubere Arbeit bewiesen und sein Gespür für atmosphärisch dichte Kameraeinstellungen- und Fahrten unterstreichen seinen enorm talentiertes und virtuoses Geschick im Umgang mit der Kamera.

Dabei fällt schnell auf, dass gerade sein perfekt inszeniertes Hin- und Herhüpfen zwischen Gut und Böse von farblich geschickter Verspieltheit geprägt ist.

Immer dann, wenn der Killer rabiat zu Gange geht, werden Farben, Sound und Kulisse auf das Wesentliche reduziert – im Kontrast dazu erstrahlen die prägnanten Auftritte des titelgebenden Helden und das seiner Frau in kräftigen, sonnig-heiteren und stimmungsvollen Farben.

Aufgrund der Kombination von künstlerisch genau durchdachten Kamerafahrten im Einklang mit stimmungsvoll-kontrovers zusammengestrickten Farb- und Soundschnipseln und dem Einfügen überaus harter Gewalteinlagen dürfte Filmkenner schnell an die früheren Werke eines Dario Argento´s erinnert werden.

Die Intension ist scheinbar gar nicht mal an den Haaren herbeigezogen, erinnert „Christopher Roth“ unmerklich an diverse italienische Giallo-Schlitzerfilme der 60er und 70er Jahre.

Demnach sehr einprägsam, und stellvertretend als liebevolle Hommage an dieses Subgenre gesehen, die (fiktive) Szene, in der eine junge schwarzgekleidete Frau in einem steril-wirkenden weißen Bad steht und sich vor dem Badspiegel die Haare fönt. Unerwartet pirscht sich der unbekannte Killer an das ahnungslose Opfer von hinten heran und „schlachtet“ die ahnungsvolle Frau erbarmungslos nieder. Die Klassische Musik, welche das deprimierende Unterfangen unterstreicht in Kombination mit den erschreckend realistisch umgesetzten dunkelroten Flutfontänen und dem klinisch-sterilen weißen Farbton des Badezimmers machen diese Szene zu einem echten Augenschmaus für Filmkenner.

Dass Maxime Alexandre scheinbar ein Gespür für rohe und überaus sadistische Gewalteinlagen besitzt sei an dieser Stelle nicht von der Hand zu weisen, bedenkt man mit welchen, in der Horrorszene anerkannten, Filmregisseuren er bisher zusammengearbeitet hat.

Seine unerträglich grausamen und vor allem explizit gefeierten Gewaltspitzen deuten darauf hin, dass er im Laufe seiner bisherigen Arbeit als Kameramann (in diversen Horrorproduktionen) aufmerksam verfolgt hat, wie er Horrorfilmfreunde auf dem gesamten Erball bei Laune halten kann.

Sein „Christopher Roth“ dürfte vor allem bei den hiesigen Zensurbehörden auf gehörig Unverständnis  stoßen und die Darstellung seiner Morde könnte auf „ungeübte“ Zuschauer überaus radikal wirken.

Demnach gehe ich davon aus, dass Alexandres Zweitwerk in deutschen Gefilden vom Vertrieb „Mr. Banker Film“ , FSK-freundlich, „zurechtgestutzt“ veröffentlicht  wird.

 

 

Maxime Alexandre´s zweiter abendfüllender Ausflug auf dem Regiestuhl hat vollends funktioniert.

Zwar benötigt der Filme eine Weile bis er in Fahrt kommt und besitzt in der ersten Hälfte einige Leerläufer, legt aber in der zweiten Filmhälfte gehörig nach und kann mit einem überaus spannenden  Finale und einer handvoll recht drastisch-gewählten Goreinlagen überzeugen.

Der aktuelle Horrorthriller „Christopher Roth“ spricht ein vorwiegend älteres, sowie erfahreneres Filmpublikum an und das ist auch gut so, denn von der breiten Masse an dummen Teenie-Horrorfilmen, sich endlos wiederholenden „Paranormal Activity“-Fortsetzungen und Plagiaten, sowie penetrant nervenden Hollywood-Remakeaufgüsse hebt sich dieser kleine überraschend sehenswerte Film sehr positiv ab.

 

 

 

Fazit 6,5/10 Punkte

 

High Tension“ – Kameramann wandelt jetzt auf Drehbuch- und Regisseurpfaden.

Vorhaben geglückt – Bitte weiter so!

 

FSK-Prognose: leicht geschnitten mit FSK „Keine Jugendfreigabe“ – Film selbst erscheint Mitte März 2012 in Deutschland auf DVD und Blu-ray Disc von „Mr. Banker Film“

 

 

Hellraiser80