Filmkritik: „Der Voyeur auf dem Dachboden“ (1976)

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DER VOYEUR AUF DEM DACHBODEN

(DER VOYEUR | EDOGAWA RANPO RYOKI-KAN: YANEURA NO SANPOSHA)

Story

 
 
 
Im Jahr 1923 spioniert ein voyeuristischer Hausbesitzer seine Mieter aus und beobachtet dabei u.a. eine reiche Dame, die ihren Mann betrügt. Nach einem Mordfall spitzen sich die Ereignisse zu.

 
 
 


 
 
 

DER VOYEUR AUF DEM DACHBODEN – Kritik

 
 
Tarō Hirai, besser bekannt unter seinem von Edgar Allan Poe inspirierten Pseudonym „Edogawa Rampo“ (1894 – 1965), gilt als einer der bedeutendsten japanischen Mystery-, Krimi & Thriller-Autoren seiner Zeit. Hauptsächlich bekannt scheint er für seine Reihe um Privatdetektiv Kogoro Akechi, doch auch abseits davon tummeln sich etliche spannende und mysteriöse Einträge in seiner Bibliographie, die neugierig auf die ein oder andere Stichprobe machen. Umso ärgerlicher also, dass mein erster Berührungspunkt mit seinem Werk dieser „Roman Porno“ ist, also ein japanischer Softcore-Film des ältesten großen japanischen Filmstudios überhaupt, Nikkatsu.
 
 
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Zwischen 1971 und 1988 wurden von diesem Studio nämlich hunderte Filme mit teils großem Erfolg produziert, die sich mit ihrer Länge und ihren Inhalten an bereits etablierten Pinku Eiga- Beiträgen der Toei Studios etc. anlehnten, jedoch mit oftmals höherem Budget und demnach eindrucksvollerer Ausstattung punkten konnten. So die grobe Zusammenfassung eines ziemlichen Laien, der selber nur sehr punktuelle Ausflüge in die spannenden Welten des japanischen Exploitation-Kinos der 70er Jahre unternommen hat.
 
 
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Wären alle Filme dabei so zäh und wenig unterhaltsam wie der vorliegende, das würde auch so bleiben – Gott sei Dank gibt es also Titel wie die „Stray Cat“-Reihe, die grandiosen „Lone Wolf & Cub“-Samuraifilme zwischen traditionsbewusstem Arthouse-Kino und blutiger Kurzweil, die „Female Prisoner Scorpion“-Titel und so viele weitere Beiträge, die mehr aus ihren Wurzeln oder Inspirationen machen können. Doch zurück zum Film: An Rampos Literatur wurde sich mehrfach bedient, „Watcher in the Attic“ ist eine der Geschichten, in der das im Pinku eiga ohnehin enorm präsente, später u.a. von Hisayasu Satō in all seinen Formen untersuchte Thema das Voyeurismus gepaart wird mit einem Thriller, historisch gebettet in das Jahr 1923, also Japan zur Taishō-Zeit. Als letztes Stichwort sollte vielleicht „ero guro“ genannt werden, der japanische Begriff für ein Kunstgenre, das grob gesagt das erotische und das groteske, aber auch moralisch abtrünnige, dekadente, sexuell korrumpierte kombiniert und sowohl in Rampos Geschichten, als auch in zahlreichen japanischen Horrorfilmen und Pinku eigas beobachtet werden kann.
 
 
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Mit der kurzen Laufzeit von 73 Minuten als erstes Indiz, der FSK 18-Freigabe und dem eindeutigen Titel war ich dabei natürlich bereits vorgewarnt, wusste um das Alter des Films und die vermutliche Intention, doch die erste halbe Stunde hat mich dann doch ziemlich überrascht: Denn bis auf den titelgebenden Voyeur, der barfuß über den Dachboden kriecht und abwechselnd Genrestar Junko Miyashita dabei zusieht, wie sie u.a. mit einem Mann im klassichen Pierrot-Clownskostüm, oder aber ihrem Chauffeur, der sich in einem Stuhl versteckt, fremdgeht, geschieht nicht viel. Das ist aufgrund des Budgets und historischen Settings immer wieder hübsch anzusehen, mit POV- Aufnahmen, eindrucksvollen Umgebungen und stimmigen Kostümen versehen, doch weder erotisch anregend noch wirklich spannend oder atmosphärisch blieb diese Reihung repetitiver sexueller Treffen nichtsdestotrotz. Eine lange Kamerafahrt zu den Opening Credits, ein absurdes Fischgemälde ohne jeden Kontext und etwas sexistischer, absurder Dialog bleiben hier noch am ehesten hängen.
 
 
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Doch ignoriert man einmal den Sex und den deplatziert wirkenden Humor durch sonst unwichtige Nebencharaktere, kristallisiert sich immerhin ein fast schon neo-noiriger Voyeur heraus, der einsam zu dissonanten Synthie-Geräuschen auf seiner Matratze liegt und stumm raucht, meint er habe kein Herz, einzig versucht gelangweilt zu bleiben. Und gerade als ich den Film das erste Mal in meinen Notizen als „Fetischfilm“ bezeichnet habe, der mehr an einem Sittengemälde, Historienporträt und vielleicht einer Sozialstudie interessiert scheint, denn an einer Story, geschieht ein Mord und zur Halbzeit wechselt das Geschehen zu einem nicht weniger langsamen, aber immerhin dramaturgisch halbwegs motivierten Werk.
 
 
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Im weiteren Verlauf folgen demnach also natürlich noch weitere Nacktheiten, Fetische, voyeuristische Momente und triebhafte Motivationen, doch mischen sich diese nun mit unterhaltsamen Mordversuchen, überraschend schonungslosen Tötungen und einigen äußerst ästhetisch beleuchteten sowie gefilmten Einstellungen. Das Ende ist es dann tatsächlich, das hier den Unterschied macht, denn in seinen finalen Minuten entpuppt sich „Der Voyeur auf dem Dachboden“ nun noch als liebevolle Hommage, als Abgesang auf eine ganze Ära und Generation, historisch gebettet, dramatisch, mit echten Bildern, verstörender letzter Szene und aussagekräftigem Finale. Überraschend greifend, gehaltvoll und pointiert nach einem Film, der mich oftmals eher langweilte.
 
 
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DER VOYEUR AUF DEM DACHBODEN – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
Kunstvoller, für eine Genreproduktion sehr zahmer und harmloser, historischer Erotikfilm mit überzeugender Hauptdarstellerin, hübschen Kostümen, überraschendem Finale und wenig Story bis dahin.
 
 


 
 
 

DER VOYEUR AUF DEM DACHBODEN – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Der Voyeur auf dem Dachboden“ ist ungeschnitten und frei ab 18 Jahren.
 
 
 


 
 
 

DER VOYEUR AUF DEM DACHBODEN – Deutsche DVD

 
 
 
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(c) Schröder Media (DVD im KeepCase – auf 500 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Edogawa Ranpo ryôki-kan: Yaneura no sanposha; Japan 1976

Genre: Erotik, Krimi, Horror, Mystery

Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0 Mono), Japanisch (Dolby Digital 2.0 Mono)

Untertitel: Englisch

Bild: 2,35:1

Laufzeit: ca. 73 Minuten

FSK: FSK18 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: DVD im Keepcase

Extras: Trailer

Release-Termin: KeepCase: 01.07.2021

 

Der Voyeur auf dem Dachboden [DVD im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

DER VOYEUR AUF DEM DACHBODEN – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Schröder Media)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Beauty’s Exotic Dance: Torture! (1977)
 
A Woman Called Sada Abe (1975)
 
Woman on the Night Train (1972)
 

Filmkritik: „Exquisite Corpse – Dein schöner Körper“ (2021)

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EXQUISITE CORPSE – DEIN SCHÖNER KÖRPER

(EXQUISITE CORPSE)

Story

 
 
 
Nach einem tragischen Vorfall entdeckt eine junge Künstlerin, dass ihre Liebhaberin schmerzende Geheimnisse vor ihr versteckt hielt.

 
 
 


 
 
 

EXQUISITE CORPSE – Kritik

 
 
Spanische Genreproduktionen waren in den letzten Jahren immer wieder für eine positive Überraschung gut, ohne eine vernünftige Kritik auf Englisch oder Deutsch gefunden zu haben also bar jeder Erwartung auf möglichst eigenständiges, unabhängiges, ggf. gar sperriges (Kunst)Kino gefreut – und 88 Minuten später nur enttäuscht mit den Achseln gezuckt. Denn Lucía Vassallos vierte Regiearbeit wird in Deutschland zwar als „sinnlicher Mystery-Thriller“ verkauft, ist nur leider weder erotisch, noch mysteriös oder spannend – was eine leere Hülle von einem Film übrig lässt, welche der ansprechenden Präsentation und Vermarktung durch das exzellente Label „Donau Film“ leider so gar nicht gerecht wird.
 
 
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Das Bild einer nackten Frau, die im milchigen Wasser einer überlaufenden Badewanne liegt, ziert bereits das stimmungsvolle, ruhige Menü und wird nach den Opening Credits vor weißem Hintergrund, sowie langsam lauter plätscherndem, dann rauschendem Wasser fortgeführt: Blanca, eine junge Frau mit Albinismus, liegt nach diesem Vorfall im Koma. Clara, die Protagonistin von „Exquisite Corpse“, war früher ihre Liebhaberin und erfährt im Krankenhaus nun schockiert, dass Blanca vermutlich schwanger ist. Von nun an folgt der Film Clara, einer jungen Künstlerin die sich mit Jobs als Kellnerin oder Friseurin über Wasser hält, dabei, wie sie die Erinnerungen ihrer Beziehung mit Blanca aufarbeitet und neue Informationen über ihre Liebe erfährt. Was prinzipiell oft gesehen, aber in den richtigen Händen, mit den richtigen Offenbarungen und Wendungen, spannend klingt, dient nun leider nicht als Aufhänger für einen weiteren Storyverlauf mit neuen Konflikten, Zielen oder Charakteren, sondern stellt schon tatsächlich die gesamte Story dar – was mit tiefenpsychologischen Dialogen, verträumt-meditativer Arthouse-Inszenierung oder durch Partyszenen, Drogentrips, sexuelle Eskapaden und herausragend selbstzerstörerische Performances immer noch funktionieren würde, hier aber allzu banal abgetastet wird.
 
 
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Die Sexszenen könnte man als sinnlich bezeichnen, auch schreckt der Film nicht vor Nacktheit zurück, weder bereichern diese aber den Plot, noch werden sie je so explizit oder ausgewälzt, dass man von einem entscheidenden Faktor der Produktion reden könnte. Auch die Probleme der Beziehung, die wachsende Distanz und die Missverständnisse in der Kommunikation werden zwar realistisch gespielt und wahlweise ansprechend, oder im allzu generischen, lichtdurchfluteten Ikea- Look bebildert, doch rücken sie weder in den Mittelpunkt des Films, noch sind sie für sich genommen unterhaltsam. Es wird sich viel geküsst und viel Butoh getanzt, immer wieder entdeckt Clara neue Liebhaber von denen sie nichts wusste, doch wer auf einen späten Racheplot, eine überzeugende Selbstfindung oder einen Twist wartet, der wird bitter enttäuscht werden. Das wahre Mysterium an „Exquisite Corpse – Dein schöner Körper“ ist im Endeffekt die fehlende Antwort auf die Frage, was hier erzählt, welche Art Zuschauer hier abgeholt werden sollte.
 
 
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Das ist umso frustrierender, da sowohl Schauspiel, Technik als auch Soundtrack immer wieder überzeugen können, oder gar gnädig stimmen – ich würde allzu gerne über den genauen Plot, die gestreiften Themen, die Relevanz der angesprochenen Laborforschung mit Oxytocin und Nagetieren diskutieren, doch von einer einzigen, schmerzhaft unpassenden und brutalen Szene abgesehen, bleibt es nach halbwegs neugierig machenden 30 Minuten zäh, langweilig und repetitiv. Das Finale liefert die mit ästhetischsten Einstellungen, interessantesten Ideen und besten Montagen des Films und hätte nicht zuletzt mit seiner Tanzchoreographie überzeugen können, wäre der Weg dahin nicht so fade. Wer langsamen Beziehungsdramen etwas abgewinnen kann, der darf dem durchaus gut aussehenden „Exquisite Corpse – Dein schöner Körper“ eine Chance geben, doch allen anderen Genrefans
rate ich deutlich ab.
 
 


 
 
 

EXQUISITE CORPSE – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
„Exquisite Corpse – Dein schöner Körper“ ist ein unterwältigendes Beziehungsdrama mit wenig Herausstellungsmerkmalen und unnötig langsamen Tempo.
 
 


 
 
 

EXQUISITE CORPSE – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Exquisite Corpse – Dein schöner Körper“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

EXQUISITE CORPSE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Donau Film (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Cadáver Exquisito; Argentinien 2021

Genre: Thriller, Drama, Erotik

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Spanisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 91 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase

Extras: Trailer

Release-Termin: KeepCase: 24.09.2021

 

Exquisite Corpse – Dein schöner Körper [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

EXQUISITE CORPSE – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Donau Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Eine unmoralische Frau – Cosi fan tutte (1992)
 
Paprika – Ein Leben für die Liebe (1991)
 

Filmkritik: „In den Fängen des Wolfes – The Bygone“ (2019)

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IN DEN FÄNGEN DES WOLFES – THE BYGONE

(THE BYGONE)

Story

 
 
 
Als ein junger Cowboy einer Indianerin hilft, soll sich dies bald für ihn rächen, denn damit deckt er Geheimnisse der ansonsten so idyllischen Kleinstadt auf.

 
 
 


 
 
 

IN DEN FÄNGEN DES WOLFES – Kritik

 
 
Nicht nur der Western, sondern auch der Neo-Western erlebt immer mal wieder eine neue Veröffentlichung. Wenn das Ganze dann mit schweren Themen dient und ein Regie-Debüt darstellt, darf man sowohl neugierig, als auch vorsichtig sein. „In den Fängen des Wolfes“, oder auch „The Bygone“ im Original, ist durchaus ambitioniert, will am Ende aber doch etwas zu viel und verliert deshalb immer mal wieder den Fokus.
 
 
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Der junge Cowboy Kip wird eines Abends Zeuge, wie eine Frau in einem Nachtclub missbraucht wird. Er hilft ihr und lässt sie bei sich übernachten. Die junge Frau stellt sich als Waniya heraus, die in die Fänge eines Mädchenhändlerrings geraten ist. Kip verliebt sich ziemlich schnell, doch eines Tages verschwindet Waniya plötzlich. Als Kip sich auf die Suche nach ihr begibt, deckt er damit ein paar Geheimnisse der Kleinstadt auf, die alles andere als idyllisch sind.
 
 
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Die Geschichte behandelt schwere Themen, die alles andere als fiktiv sind. Seit der Kolonialisierung stiegen sexuelle Übergriffe auf amerikanische Ureinwohnerinnen drastisch an. Es geht um Zwangsprostitution und Menschenhandel. Zusätzlich will man die Vergangenheit aufarbeiten und dazu gesellen sich bekannte Motive, wie ominöse Bösewichte, die auch noch etwas mit Öl zu tun haben. Ergänzt wird dieses Drehbuch von einer gewissen Angst vor der Zukunft, eine Ungewissheit, wenn das Land allmählich verschwindet und die Verbundenheit mit der Natur nicht mehr vorhanden ist. Reichlich Stoff also, den uns „In den Fängen des Wolfes“ vorsetzt. Obwohl da mächtig viel Platz für Anspruch ist, ist die Handlung nicht optimal geschrieben. Auf der einen Seite ist sie nämlich zu überladen und auf der anderen Seite will sie einfach nicht auf den Punkt kommen.
 
 
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Man hätte das wirklich alles etwas fokussierter vortragen können, dann wäre auch der Unterhaltungswert besser gewesen. Nach einem soliden Einstieg will „In den Fängen des Wolfes“ nämlich nicht zur Sache kommen, redet ständig um den heißen Brei herum, legt etliche Fährten, beschäftigt sich jedoch mit keiner so richtig. Somit entstehen Längen und selbst wenn die 106 Minuten Laufzeit eigentlich angebracht sind, können sie nicht durchgehend unterhalten. Dafür mangelt es dem Treiben dann doch an Tempo und an Spannung. Wenn sich mehr auf den Thriller konzentriert wird, dann kommt schon mal etwas Spannung auf und die wenigen Actionszenen lassen sich gut anschauen, aber überwiegend dominieren dann doch die Dialoge das Geschehen und diese hätte man ruhig etwas straffen dürfen. Immerhin geht es in der zweiten Hälfte schon manchmal zur Sache und dann ist der Film auch gar nicht mal harmlos.
 
 
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Größtenteils bedienen die beiden Regisseure Graham und Parker Phillips, die damit ihr Regie-Debüt ablieferten und sich auch für das Drehbuch verantwortlich zeigten, allerdings das Drama. Dies gelingt ihnen nicht schlecht, weil es einige nachdenkliche Momente gibt und eine gewisse Melancholie stests in der Luft liegt. Trotzdem hätte der Thriller-Anteil, welcher besser gelungen ist, ruhig höher ausfallen dürfen. Die Mischung ist nicht ganz ausgewogen und der Western-Anteil ist zudem auch nicht besonders hoch ausgefallen. Dafür kann sich die Inszenierung allerdings sehen lassen, denn den beiden Phillips gelingen schon sehr hübsche Aufnahmen. Zusammen mit dem gelungenen Score sehen manche Bilder echt eindrucksvoll aus. Die konsequent düstere Stimmung ist ebenfalls gelungen. Zudem sind die wenigen Actionszenen gekonnt gestaltet und besitzen einen gewissen Schauwert.
 
 
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Über die Darsteller lässt sich außerdem auch nicht meckern. Graham Phillips ist selbst in einer Hauptrolle zu sehen und spielt den etwas weinerlichen Cowboy passabel, wenn auch nicht besonders eindringlich. Sydney Schafer ist als Waniya nicht so oft zu sehen, kann jedoch einen bleibenden Eindruck hinterlassen und Shawn Hatosy bleibt als Bösewicht auch etwas länger in Erinnerung. Zudem weiß Jamie McShane zu überzeugen und das lässt sich von allen anderen, recht vielen Nebendarstellern, ebenfalls behaupten. Das Schauspiel ist durchaus zu gebrauchen. Die Figurenzeichnung ist zudem auch nicht so schlecht. Man spielt schon mit ein paar Klischees und setzt nicht alles so um, wie der Zuschauer das kennt. Teilweise wirken die Charaktere kritisch und durchdacht, teilweise aber auch etwas platt und stereotypisch. Insgesamt hätte das definitiv noch etwas markanter ausfallen dürfen, doch beklagen kann man sich darüber kaum, weil die Figuren nicht zu stumpf geraten sind.
 
 
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IN DEN FÄNGEN DES WOLFES – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
„In den Fängen des Wolfes – The Bygone“ ist ein durch und durch ambitionierter Film, der sich teilweise nur selbst etwas im Wege steht. Besonders das Drehbuch ist nämlich etwas überladen. Da ist es schon eine Kunst, dass man trotzdem lange Zeit nicht so richtig auf den Punkt kommen will. Etwas mehr Fokus auf einen Teil der Geschichte hätte die Handlung jedenfalls spannender gemacht. Es gibt recht viel Drama zu sehen und der Thriller hält sich lange Zeit im Hintergrund, kommt allerdings unterhaltsam daher, wenn er mal auftaucht. Die Atmosphäre besitzt ihren Reiz und über die Darsteller kann man sich absolut nicht beklagen. Sogar die Figurenzeichnung ist passabel ausgefallen. Leider mangelt es etwas an Unterhaltungswert, denn es gibt zu viele Längen und zu wenig Tempo. Wer ruhigeren Filmen gegenüber jedoch aufgeschlossen ist und gerne Neo-Western schaut, sollte „In den Fängen des Wolfes“ ruhig eine Chance geben. Gut gemacht ist er nämlich durchaus!
 
 


 
 
 

IN DEN FÄNGEN DES WOLFES – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „In den Fängen des Wolfes – The Bygone“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

IN DEN FÄNGEN DES WOLFES – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) White Pearl Movies (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Bygone; USA 2019

Genre: Western, Mystery, Drama, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 107 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase

Extras: Original + Deutscher Trailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 23.07.2021

 

In den Fängen des Wolfes – The Bygone [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

IN DEN FÄNGEN DES WOLFES – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei White Pearl Movies)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Wind River (2017)
 
Halbblut (1992)
 

Filmkritik: „Satanic – Ausgeburt des Wahnsinns“ (1989)

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SATANIC – AUSGEBURT DES WAHNSINNS

(SONNY BOY)

Story

 
 
 
Redneck-Gangster Slue findet auf dem Rücksitz eines auf illegalem Wege bei ihm gelandeten Autos ein Baby. Seine Frau, eigentlich ein Herr, spürt das Mutterherz und man beschließt, das Bürschchen aufzuziehen. Mit rausgeschnittener Zunge und einer Erziehung, die böse Menschen vielleicht einem Kettenhund zumuten würden, wächst „Sonny Boy“ zu einem grenzdebilen Country-Jesus heran und beschwört bei seinem ersten Ausbruch von Familienanwesen einen Wirbelsturm aus Blut, Gewalt und Wahnsinn herauf.

 
 
 


 
 
 

SATANIC – Kritik

 
 
Es gibt Filme, die unfreiwillig lustig sind. Für solche Filme ist eine regelrechte Weltcommunity von Freaks entstanden, deren Ein und Alles der Genuss eines Dramas oder eines kernigen Männer-Actionfilms unter dem Gesichtspunkt des „so bad, it’s good“-Faktors ist. Von miesen Horrorfilmen, die nur so zu ertragen sind, ganz zu schweigen. Dann gibt’s Filme, natürlich eher in unserer postmodernen Affenstallwelt zu finden, die absichtlich so gedreht werden, dass sie der Zuschauer auslacht. Nicht zu verwechseln mit dem erwünschten Lachen über eine als Amüsement angelegte Komödie. Filme wie die am Reißbrett entworfenen CGI-Haifilme vor ein paar Jahren oder MANDY gehren in diese Kategorie. Die Königsdisziplin des schrägen Filmens sind dann die Raketen der Verwirrung, die das Zuschauergehirn so frittieren, so auf den Kopf stellen, und am Ende schlicht unbeantwortet lassen, was nun ernst, was komödiantisch, was beabsichtigt und was ein derbes Versehen ist. SATANIC – AUSGEBURT DES WAHNSINNS hakt alle Kästchen letztgenannter Kategorie ab, dreht zwei Pirouetten und frisst dann das Blatt Papier mit den eben zurechtklamüserten Ideen auf. Ja, SONNY BOY, so der Originaltitel, hat durchaus einen Einschlag gewissen schwarzen Humors, ist aber gleichzeitig der Film, in dem ein transsexueller Gangster einem Findelkind die Zunge herausschneidet und den Knaben auf der Farm gefangen hält. Klingt dann wieder eher bitter, oder? Wie gerne würde ich hier von der bizarren Künstlerpersönlichkeit referieren, die hinter einer Grindhouse-Nahkampfwaffe wie diesem Film steckt, muss aber leider enttäuscht gestehen, dass Robert Martin Carroll in drei Jahrzehnten nur drei Filme gedreht hat. Quasi ein Terrence Malik des Irrsinns. Apropos, die Holzpyramide in der Wüste muss irgendwas simulieren, das ich nicht verstanden habe. Heil Satan.
 
 
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Paul L. Smith, sagenhafter Hüne von Baddie-Darsteller, dessen Filmographie per se das perfekte Festival gestalten könnte, ist als Hillbilly-Gangster gewohnt evil. Als Pearl, seine sorgende treGattin und Gangsterbraut, glänzt David Carradine in drag. Carradine, doch so was wie der Schutzheilige des Exploitation-Schauspielers, der für 200 Dollars und ne Tüte Gras jede Rolle annimmt, solange sie nicht in Pornofilmen mit Arbeit verbunden ist, liefert hier eine Performance ab, die selbst im Portfolio dieses gesegneten Wahnsinnigen überraschend wirkt. Bekanntermaßen hat sich der Mann mit den unzähligen imdb-Einträgen beim Sex mit zwei Nutten in Thailand selbst zu Tode gewürgt und es wäre ehrlichgesagt seltsam, wäre das nicht so gekommen. Mit Brad Dourif als Weasel brilliert die dritte Schauspiel-Maschine am Set. Michael Griffin, der betont jesushaft auftretende Darsteller des Sonny Boy kann gegen diese Breitseite an Overacting freilich nur verlieren, macht aber das beste aus seiner Lämmchen-Rolle.
 
 
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Aus Gründen, die zu verstehen ich trotz fortgeschrittenen Alters noch nicht ausreichend okkulte Bücher gelesen habe, war ausgerechnet dieser SATANIC – AUSGEBURT DES WAHNSINNS zu Anfang der DVD-Revolution ein Scheibchen, das in deutschen Videotheken, Buchhandlungen und sogar Supermarktfilialen zu erwerben war. Für kleines Geld und von einer Firma, deren Namen heute nur noch wenige kennen, die aber, allein schon, wenn man an asiatischen Horror oder italienische Trashfilme von schlechten Western bis zu Endzeitreißern und Tentakelhorror denkt, viel für das Genrefan-Herz geleistet hat. Leider war der Silberling qualitativ eher niederer Güte und – viel schlimmer – geschnitten bis nach Afrika.
 
 
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SATANIC – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
Mit SATANIC – AUSGEBURT DES WAHNSINNS landet einer der geistesgestörtesten Independent- und Grindhouse-Böller des Videothekenzeitalters auf dem das ganze Jahr lauernden Gabentisch. 32 Jahre nach Erscheinen und knapp 20 nach dem ersten Auftritt als lumpige Cut-DVD. Der Film ist ein Fest für alle Fans großer Exploitation-Schauspieler in betont sudelig-schmuddeligen Auftritten und verlangt vom Zuseher definitiv einen Sinn für finstersten Humor.
 
 


 
 
 

SATANIC – Zensur

 
 
 
SATANIC – AUSGEBURT DES WAHNSINNS hatte es nicht leicht. Bereits im Entstehungsland musste der Streifen für ein R-Rating um etwa sechs Minuten geschnitten werden. Auf dieser Grundlage existierte bis dato auch die deutsche Fassung, die für eine 18er-Freigabe auch noch einmal fünf Minuten Federn lassen musste. Immerhin bliebt der geschnittenen Fassung so zumindest eine Indizierung oder Beschlagnahme in Deutschland erspart. Nun aber die guten News: Am 31. Juli 2020 veröffentlichte das österreichische Label NSM RECORDS die erste deutschsprachige Veröffentlichung von SATANIC in der ungeschnittenen Fassung. Der Release im Mediabook war aber FSK-ungeprüft. Das änderte sich jedoch am 07.05.2021. Dann nämlich erhielt die Unrated Fassung den Segen von der FSK und bekam in der ungeschnittenen Fassung eine Freigabe ab 16 Jahren. Die Kaufhausfassung ist daher trotz blauem FSK-Flatschen ungeschnitten und unrated.
 
 
 


 
 
 

SATANIC – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) NSM RECORDS (KeepCase Blu-ray mit Wechselcover)

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(c) NSM RECORDS (Mediabook mit BD + DVD – Cover A)

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(c) NSM RECORDS (Mediabook mit BD + DVD – Cover B)

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(c) NSM RECORDS (Mediabook mit BD + DVD – Cover C)

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(c) NSM RECORDS (Mediabook mit BD + DVD – Cover D)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN

Originaltitel: Sonny Boy; USA 1989

Genre: Horror, Thriller, Action, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 2.0

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 103 Min.

FSK: Mediabook: ungeprüft (ungeschnittene Fassung) | KeepCase: FSK16 (ungeschnitten)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase mit Wechselcover | Mediabook

Extras: Bonusfassung [1,78:1], Originaltrailer [1,85:1] (2:23 Min.), Originaltrailer [1,33:1] (2:24 Min.), Originaltrailer [2,35:1] (2:23 Min.), Easter Egg | zusätzlich im Mediabook: Film auf DVD, 24-seitiges Booklet mit Text von Matthias Künnecke

Release-Termin: Mediabook (Cover A-D): 10. Juli 2020 | BD-KeepCase: 30. Juli 2021

 

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SATANIC – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei NSM RECORDS)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Baby (1973)
 
Animal Woman (1974)
 

Filmkritik: „She Dies Tomorrow“ (2020)

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SHE DIES TOMORROW

Story

 
 
 
Amy spürt, dass sie morgen sterben wird. In einer Mischung aus Panik, Befreiung, Disassoziation und Manie steckt sie ungewollt ihre Freundin mit dem Gedanken an, die ihrerseits auf eine Party eingeladen ist…

 
 
 


 
 
 

SHE DIES TOMORROW – Kritik

 
 
Die US-amerikanische Produzentin, Schauspielerin und, nach mehreren Kurzfilmen und dem Florida-Thriller „Sun Don’t Shine“ (2012), auch Regisseurin Amy Seimetz dürfte Genrefans spätestens durch Adam Wingard’s „You’re Next“, Shane Carruths grandiosen „Upstream Color“, in letzterer Zeit sonst durch das Pet Sematary-Remake oder „Alien: Covenant“ ein Begriff sein. Weniger „Alien“, Mainstream, Genreware und Action, mehr Arthouse-Anleihen, introvertiertes Reflektieren und persönliches Erzählen gilt es nun in ihrem zweiten Langfilm zu erwarten, dessen Protagonistin nicht zufällig den Vornamen mit der Regisseurin teilt.
 
 
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Der erste Akt des Films ist ein langsames Einatmen und realisieren, taktile Reize werden ausgespielt, haptisches, sinnliches Ergreifen der Umwelt sichtbar gemacht, kunstvolle Kameraarbeit und Lichtsetzung trifft auf eine One-Man-Show von Kate Lyn Sheil, einer begabten jungen Darstellerin die sich bereits in etlichen Indie-Perlen wie „The Comedy“, „Buster’s Mal Heart“ oder „The Sacrament“ beweisen konnte, häufig an Seimetz‘ Seite. In dieser Phase werden das behutsame Tempo des Films, der persönliche Ansatz an das Thema einer zutiefst beunruhigenden Vorahnung des eigenen Todes sowie die vortreffliche, soghafte Cinematographie etabliert. Und dadurch eine Erwartungshaltung aufgebaut, der die folgende Stunde leider nicht standhält. Sobald sich die durch „Happiness“, „Twin Peaks: The Return“ oder „Eternal Sunshine of the spotless mind“ berühmte Jane Adams nämlich als nächste Protagonistin herausstellt, deren Panik und Beunruhigung üblicherer und extrovertierter Natur ist, gleitet der Film in eine Reihe von Vignetten oder Episoden, in denen sich die Verzweiflung und Ängste wie eine Epidemie verbreiten.
 
 
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Langsamer, modern gefilmter, eindringlich persönlich gespielter sowie geschriebener, existentieller Grusel mit metaphorischer Doppelbödigkeit und Symbolgehalt, der den schwarzen Humor der Absurdität seiner konstruierten Situationen nicht zu kurz kommen lässt, liest sich erstmal wie der Traum vom perfekten Indie-Projekt und auch ich war sehr angetan, bin vorfreudig bei Nacht und mit Headset gewappnet an diesen Film getreten. Doch durch die Zerfaserung des Scripts in mehrere Einzelsituationen und -schicksale gehen Identifikationsfaktor und Stringenz einer einzelnen Protagonistin leider verloren. Dazu leider auch die Bildgewaltigkeit der Cinemtatographie, da die ansprechendsten Einstellungen und interessantesten Konzepte direk zu Beginn präsentiert werden.
 
 
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Der opulente Soundtrack impliziert Gänsehaut-Momente oder große Realisierungen, setzt aber zu hohe Ansprüche an die Bildebene des Films, die diegetische, sehr stimmige, klassische Musik der Exposition, ein letztes Feiern der Künste und Menschlichkeit vorm Abstieg, weicht immer öfter Szenen ohne Musikuntermaltung, die sich nur auf der Situation, dem Schauspiel und den Dialogen ausruhen. Trockener Humor, bunt beleuchtete, leicht trippige Szenen mit erhebender Score, tragisch angedachte Momente und romantisch-nostalgische Erinnerungen geben sich die Hand, doch vieles davon geht in der Montage und akuten Überlänge leider Gottes unter.
 
 
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Denn so kurz dieser knapp 80-minütige, leicht halluzinogene, lobenswert ambitionierte, von Ängsten und Neurosen und der Ahnung, dass etwas Schlimmes geschehen wird bestimmte Film, dessen spätere Cameos Spaß machen, dessen Schauspiel größtenteils sehr lobenswert ist, dessen Bilder sich einprägen und sehen lassen können und dessen Score ich immer wieder genießen konnte auch ist, so sehr fühlt es sich an, als würde sich hier ein prinzipiell überragender Kurzfilm verstecken, der, auf seine Langfilmzeit gestreckt, zu selten dazu kommt, seine Visionen und Stärken adäquat auszuspielen.
 
 
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SHE DIES TOMORROW – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
Eigenständiges, sehenswertes und technisch nahezu makelloses, existentielles Drama im Gewand eines Horrorfilms, mit starken Peformances und super Exposition, aber auch einigen Längen und zu hinterfragenden Entscheidungen.

 
 


 
 
 

SHE DIES TOMORROW – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „She Dies Tomorrow“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

SHE DIES TOMORROW – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Films (Blu-ray + DVD im Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: She Dies Tomorrow; USA 2020

Genre: Horror, Mystery, Thriller, Drama, Fantasy, Komödien, Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.78:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 85 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray + DVD im Mediabook

Extras: Original Trailer, Trailershow, Booklet, Film auf DVD

Release-Termin: KeepCase: 22.07.2021

 

She Dies Tomorrow [Blu-ray + DVD im Mediabook] auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

SHE DIES TOMORROW – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Koch Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Signal (2014)
 
The Other Lamb (2019)
 

Filmkritik: „Die Insel der Ungeheuer“ (1976)

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DIE INSEL DER UNGEHEUER

(THE FOOD OF THE GODS AND HOW IT CAME TO EARTH | THE FOOD OF THE GODS)

Story

 
 
 
Chemikalien blubbern aus dem Boden einer Insel vor Kanadas Küste und werden vom gottesfürchtigen alten Farmerehepaar Skinner mit einem Geschenk von ganz oben verwechselt. Sie verfüttern den üblen Stoff an ihr Nutzvieh, Hühner bevorzugt, und werden hernach Zeugen von deren Riesenwachstum. Hallelujah! Footballspieler Morgan (Marjoe Gortner) nebst Mannschaftskollegen, ein schwangeres Pärchen (Tom Stovall und Belinda Balaski, sie aus PIRANHA, also erfahren mit Tierhorror), ein Hundefutterfabrikant (Ralph Meeker) und eine Wissenschaftlerin bereisen die Insel mit den unterschiedlichen Absichten auf den Seelen. Die kommerzielle des Pressfleischherstellers ist davon die offensichtlichste und abstoßendste. Nun haben in der Zwischenzeit mannshohe Nagetiere das Regiment übers Eiland unternommen. Die ungleichen Leidensgenossen verschanzen sich im Haus der Skinners und stehen mitten im Krieg gegen die Riesenratten.

 
 
 


 
 
 

DIE INSEL DER UNGEHEUER – Kritik

 
 
Mr. BIG. Initialen des Bert Ira Gordon, die sich ihr Besitzer zum Markenzeichen machen sollte. Größer, monströser, wilder. Eine haarige Spinne (DIE RACHE DER SCHWARZEN SPINNE, 1958), die durch in der Highschool-Turnhalle gespielte Rock ’n’ Roll Musik wächst und wächst, mutierte Zyklopen mit nicht zu leugnendem Aggressionsproblem (DER KOLOSS, 1957) oder eben die Kreaturen aus Wald und Flur im heute behandelten Schlockbomber DIE INSEL DER UNGEHEUER, Gordons sehr freier und verknappter Interpretation einer Geschichte von Fantasy- und Sci-Fi-Urvater H.G. Wells. Für Adaptionen des klassischsten aller Science-Fiction-Autoren war der Amerikaner ein Spezialist. Das erkannte man auch bei der Kult-Autokino-Filmschmiede American International Pictures und erteilte Mr. Big den Auftrag, seine preisgünstigen und trotzdem überzeugenden Fähigkeiten doch in eine etwas zeitgemäßere Verpackung zu wickeln. Der Film wurde zu AIPs erfolgreichstem Produkt der Saison und sein Regisseur wird, so Gott will, zur Belohnung für seinen Output hundert Jahre alt werden. Lang ist das nicht mehr hin.
 
 
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Hauptdarsteller Marjoe Gortner ist geschlagen mit einer Optik zwischen David Hasselhoff, Mike Krüger UND Thomas Gottschalk, also gleich beiden Supernasen. Auch sonst ist er ein außergewöhnlicher Mensch. Kein Eintrag seiner Filmographie kann guten Gewissens mit dem – wie wir Psychologen wissen – problematischen Wörtchen „normal“ gekennzeichnet werden. Da gab es Riesenvieh-Horror wie den Film, über den Sie gerade lesen, einen fiesen Auftritt im Seventies-Mainstream-Katastrophen-Reißer ERDBEBEN oder einen ebenso geisteskranken wie budgetschwachen KRIEG DER STERNE-Raubfilm namens STAR CRASH. Der natürlich aus Italien kommen musste. In dem spielt sogar der junge Hasselhoff selbst mit. Schwer auseinander zu halten, diese beiden permanent brünstigen Afro-Elche. Seinen größten Auftritt hat der charismatische Knallkopf aber in einer legendären Dokumentation. In MARJOE führt Gortner vor, wie er als Kinderprediger jahrelang frenetisch-gläubige Kirchengemeinden in den amerikanischen Südstaaten um ihr Erspartes brachte. Als junger Kerl, vom eigenen Vater um die Beute aus der evangelikalen Gläubigenmelkung gebracht, lebte er halbjährlich als Hippie in Kalifornien und zog das andere halbe Jahr zurück in den Süden, wo er den Hinterwäldlern gegen bare Münze das Seelenheil aufbesserte.
 
 
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Der „Golden Turkey Award“ der Gebrüder Medved – ging in ihrem Buch (also der ersten Sekundärliteratur zum Phänomen Trash-Kino) auch an „Die Insel der Ungeheuer“. Ausgezeichnet wurde er als der mieseste Rattenfilm. Kann man das so unterschreiben? Bedingt. Rattenfilm ist das Kleisterwerk sowieso erst in seiner zweiten Hälfte, der sparsamen und leider merklich entschleunigten Belagerungssequenz. Entschleunigt aber nur dann, wenn Marjoe nicht brüllend durchs verranzte Gehöft rennt und unintelligent Getier aufscheucht. Vorher ist der Film ein brillanter Lehrfilm für angehende Tricktechniker. Behandelt wird die Frage, wie man analoge Spezialeffekte besser nicht zur Schlussmontage in den Schneideraum gibt. Wir sehen den kernigen Star im Kampf gegen einen riesenhaften Gockel. Damit ist ausnahmsweise wirklich das Vogelmännchen gemeint. CGI gab’s noch lange nicht. Was es aber auch 1976 schon gegeben hätte, heißt Sorgfalt. Die hat man aber im Auto gelassen und so ist der Kampfhahn ein Konstrukt aus Pappe und Federn, dessen sich der lockige Landpfarrer erwehren muss. Es ist wundervoll. Ratten durfte der FX-Pappdeckelrührer auch basteln – aber nur für die Nahaufnahmen und die Angriffe der fiesen Beißer. Man stelle sich die armen Produktionshelfer vor. Dunkelheit, nasses Matschwetter auf einer versprengten Insel vor British Columbia. Endloses Knien, dann zottige Riesenrattenköpfe in das Auto eines gleich totgebissenen Landwirts schieben. Liebe Leser, diese Production Assistants sind für Ihre Unterhaltung durch den Morast gekrochen. Die Methode der Rückprojektion wird ebenfalls ausgiebig genutzt. Killerwespen, natürlich auch per Videoschnitt aufgeblasen, und weitere Ratten werden an die Wand gestrahlt. Die tapferen Humanoiden bekämpfen dann diese Wände. Das sieht so beknackt aus, wie es klingt. So fünfzehn Dollar mehr hat dann das nachträgliche Reinkopieren der Bestien in das fertige Filmmaterial gekostet. Mehr definitiv nicht. Woran nicht gespart wurde, war Kunstblut. Man tobt sich regelrecht aus. Stellenweise erinnert das Geschäume an den US-Frühsplatter von Herschell Gordon Lewis. Warnung: Eine American Humane Association gab es in ihrer heutigen Form noch nicht und so werden leider auch echte Ratten in den Tierhimmel befördert. Also nix für Halter von Haustiernagern, der Film. .
 
 
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DIE INSEL DER UNGEHEUER – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
DIE INSEL DER UNGEHEUER versucht den Brückenschlag zwischen einem klassischen Genre für Trashliebhaber, dem Fifties-Monsterfilm nämlich und der härteren Horrorshow der Siebziger. Das Experiment gelingt in Ansätzen sogar so, wie es sich die Macher gedacht haben dürften, unterhält aber noch mehr durch seinen Nostalgiewert. Der setzt sich, wenn heute unter die Lupe genommen, aus den gebündelten Geschmacklosigkeiten beider Jahrzehnte zusammen und trifft ins Schwarze. Dazu die Besetzung. Neben Prediger-Unikum Gortner schlafwandelt Film-Noir-Idol Ralph Meeker als derber Kapitalist durch das Skript und die fromme Mrs. Skinner wird von Ida Lupino gegeben. Die gilt als eine der ersten unabhängigen Regisseurinnen Hollywoods und dürfte sich in jungen Jahren auch nicht dabei gesehen haben, irgendwann als Chemikalie verkauften Pudding an Hühner zu verfüttern.
 
 


 
 
 

DIE INSEL DER UNGEHEUER – Zensur

 
 
 
DIE INSEL DER UNGEHEUER erschien zur Veröffentlichung auf VHS-Kassette mit einer Freigabe ab 16 Jahren und war ungeschnitten. Auf DVD wurde der Tier-Horrorfilm in Deutschland nie veröffentlicht. Das hat sich aber im HD-Zeitalter geändert. Das österreichische Label NSM hat sich dem Klassiker angenommen und ihm eine würdige Blu-ray-Veröffentlichung spendiert. Die nun erhältliche Blu-ray Disc aus dem Hause NSM RECORDS ist ebenfalls ab 16 und absolut ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

DIE INSEL DER UNGEHEUER – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) NSM RECORDS (KeepCase Blu-ray mit Wechselcover)

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(c) NSM RECORDS (Mediabook mit BD + DVD – Cover A)

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(c) NSM RECORDS (Mediabook mit BD + DVD – Cover B)

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(c) NSM RECORDS (Mediabook mit BD + DVD – Cover C)

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(c) NSM RECORDS (Mediabook mit BD + DVD – Cover D)

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(c) NSM RECORDS (Mediabook mit BD + DVD – Cover E)

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(c) NSM RECORDS (Mediabook mit BD + DVD – Cover F)

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(c) NSM RECORDS (Mediabook mit BD + DVD – Cover G)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN

Originaltitel: The Food of the Gods; USA 1976

Genre: Horror, Grusel, Mystery

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0 (Mono), Englisch DTS-HD MA 2.0 (Mono)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 88 Min.

FSK: Mediabook: ungeprüft (ungeschnittene Fassung) | KeepCase: FSK16 (ungeschnitten)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase mit Wechselcover | Mediabook

Extras: Audiokommentar von Dr. Rolf Giesen und Dr. Gerd Naumann, Super-8-Fassung, deutscher Trailer (Recut), Originaltrailer (Recut) | zusätzlich im Mediabook: Film auf DVD, 24-seitiges Booklet

Release-Termin: Mediabook (Cover A-G): 08.05.2020 | BD-KeepCase: 25.06.2021

 

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Die Insel der Ungeheuer [Blu-ray + DVD im Mediabook Cover B] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Die Insel der Ungeheuer [Blu-ray + DVD im Mediabook Cover C] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

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DIE INSEL DER UNGEHEUER – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei NSM RECORDS)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Village of the Giants (1965)
 
Die Stunde der Ratte (1989)
 
In der Gewalt der Riesenameisen (1977)
 

Filmkritik: „The Evil – Die Macht des Bösen“ (1978)

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THE EVIL – DIE MACHT DES BÖSEN

(THE EVIL)

Story

 
 
 
Beim Herrichten eines alten Hauses gerät ein Psychologe mit seiner Frau und einer Gruppe Studenten an Mächte, die sie nicht für möglich gehalten hätten.

 
 
 


 
 
 

THE EVIL – Kritik

 
 
„Spukhaus“ bzw. „Haunted House“-Filme haben sich im Horrorgenre schon immer größter Beliebtheit auf Seiten des Publikums sowie der Produzenten erfreut, ist die tausendfach adaptierte Prämisse der als Ort des Rückzugs gedachten Behausung, die sich als Hort des Schreckens und Terrors entpuppt, doch gleichermaßen nah am Leben eines jeden, der je umgezogen ist, als auch aufgrund des singulären Settings, oftmals kosteneffizient zu produzieren. Gerade in den Sechziger-, und dann, dank „Amityville Horror“ 1979, Achtzigerjahren wurde mit den diversesten Beweggründen hantiert, alte, gruselige filmreife Villen, Anwesen und Schlösser von einer Gruppe oftmals junger und/oder forschungsaffiner, projektorientierter Studenten erkunden zu lassen, um dort dann wahlweise vages, subtiles und ungreifbares, oder aber allzu menschlich manifestiertes „Böses“, einen nach dem anderen umbringen zu lassen. Wo sich die Slasherstreifen der Achtziger und die übernatürlichen Werke voller Dämonen, Geister und mysteriösen Entitäten nun aber unterscheiden, das ist der schiere Rahmen der Möglichkeiten, mit denen hier Leute erschrocken, in die Irre geführt oder ermordet werden – denn Geister kennen oft genug keine nachvollziehbaren Regeln, müssen allenfalls ihrer eigenen Logik entsprechen, sind nicht so sehr an Raum und Zeit, ihre Sinne oder physikalische Gesetze gebunden, wie die maskentragenden Machetenschwinger der Folgedekaden. Eine etwas anders aufgelöste Herangehensweise an das Genre liefert „The Evil“ aus dem Jahre 1978.
 
 
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Regisseur Gus Trikonis, dessen Regiefilmographie sich von 1969 bis 1997 erstreckt, inszenierte in erster Linie Komödien, Dramen mit Thrillereinschlag und TV-Produktionen, dabei neben „The Evil“ aber nur zwei weitere Horror/Mysteryfilme ein Jahr später: „The Darker Side Of Terror“ und „She’s Dressed To Kill“, deren Drehbücher er jedoch beide nicht selber verfasste. Insofern ist der vorliegende 89-Minüter, der den Zuschauer in der neuen Blu-ray mit einem atmosphärischen, minimalistischen Menü einstimmt, eine doppelte Ausnahme, stellt er nicht nur einen Horrorfilm von Trikonis da, sondern einen von zwei der 23 Werke des ehemaligen „Westside Story“-Tänzers, die er selbst geschrieben hat – ob diese scheinbare Herzensangelegenheit ihr Genre also sinnvoll nutzt, einen spannenden und beunruhigenden Horrorfilm ins Leben zu rufen?
 
 
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Leise, hohe Geigen leiten ein liebliches Bläserstück ein, zu dem das prachtvolle Schloss im Sonnenaufgang erstahlt und die Opening Credits starten. Der Hausmeister Sam öffnet die Holztür zur riesigen, spinnenwebenbedeckten Eingangshalle und fängt an zu fegen, ein merkwürdiges Geräusch jedoch lässt ihn zum Schraubschlüssel greifen und die Villa erkunden. Die Credits laufen weiter, ein gackerndes Lachen ist zu vernehmen, langsames, mediokres Schleichen durch enge Kellergänge folgt. Ein Feuerstoß aus dem Kamin löst die kaum aufgekommene Spannung auf und Sam verbrennt leidend und brüllend, ein erstes Leitmotiv. Nach diesen sieben Minuten Intro bleibt hauptsächlich festzuhalten, dass die Blu-ray laut Backcover zwar keine Untertitel hat, sehr wohl aber eine deutsche Untertitelspur höchst sporadisch immer wieder mal ein paar Zeilen übersetzt – sollte man die BD überhaupt gestartet kriegen, der fehlerfreie Player hat sich anfänglich geweigert. Aber gut, ich schweife ab.
 
 
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Die eigentliche Geschichte des Films beginnt ohne weitere Umschweife: Der Psychiater C.J. Arnold, gespielt von „Rambo“-Star Richard Crenna, und seine Frau Dr. Caroline, werden von einem Makler zu der Villa mit der eindrucksvollen Kuppel gefahren. Zugleich fällt auf, dass der unzuverlässige Sam einfach nicht wie abgemacht aufgetaucht ist, zudem werden nebenbei Dorfgerüchte und abergläubisches Geschwätz der Anwohner erwähnt, die aber ja natürlich zu vernachlässigen sind, wink wink. Ebenso wie die Tatsache, dass die Villa auf einem ehemals aktiven Vulkan gebaut wurde, der „einfach so“, als sei er zugekorkt worden, aufgehört hat zu erupieren. Hmmmm…. Neben den Tracking Shots gefällt hier auch das Tempo des Films, da Caroline nach gerade einmal 11 Minuten die erste Lichtgestalt, den ersten ungruseligen, sehr an TV- Formate erinnernden, Geist sieht. Eine auf-, dann eine untersichtige Einstellung auf unsere Gruppe und aus dem nichts stürzt ein Teil der Holzdecke ein und trifft C.J., der hier dennoch eine Entzugsklinik eröffnen möchte. Die Kordschlaghosenträger verlassen das Anwesen, eine POV- Einstellung vom Dach sowie das dramatische Orchester kündigen Unheil an. Schnitt und wir befinden uns in einer ihrerzeit sicher modern gebauten Universität, in dem einer der Dozenten scheinbar seine studentische Affäre gebeten hat, mit zu der Villa zu kommen um aufzuräumen. An der Villa selber kehrt nun unser anfängliches Paar samt Ausrüstung zurück und wird vom Rest der insgesamt achtköpfigen Gruppe empfangen, inklusive Burt Reynolds-Look- und Talkalike Robert Viharo als Dwight und einem zuckersüßen Schäferhund. Nach 18 Minuten sieht Carolyn nun nicht nur erneut einen Geist, sondern auch noch wie eine der Wandbüsten sich bewegt und sie anstarrt – was als Effekt durchaus funktioniert, von ihrem Mann aber sehr schnell rationalisiert und nicht ernst genommen wird.
 
 
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Und wer bei komisch dreinguckenden Büsten in gruseligen Häusern an Scooby Doo denkt, der liegt auch ganz richtig, denn die Tonalität der folgenden Szene, in der die schlaghosentragende Gang aufgeregt nach dem weggelockten Hund sucht, der irgendwo im Keller wohl offscreen „The Evil“ zum Opfer gefallen sein muss, hat definitiv das Gefühl einer leicht goofigen, minimal gruseligen Kinderserie – inklusive herrlichem Blick des Hundes, der sich als besessen herausstellt und unblutig angreifen darf. „Caroll, that thing with the dog can be explained very easily!“, meint C.J., „for a doctor you have a very very vivid imagination“, gaslighted er seine Frau, die einen sehr richtigen Verdacht hat, weiterhin, nur damit sie nach einer knappen halben Stunde bereits den dritten Geistermann rumstehen sieht, mitten zwischen den arbeitenden Mitstreitern. Der Hintergrundgeschichte des Hauses wird sich nun in einer wenig spannenden und etwas unbeholfenen Szene gewidmet, in der Caroll eine alte, aber leere Familienchronik der Vorbesitzer findet und das Schmieden des Kreuzes unerklärt über das Feuer des Kamins geblendet wird. Weiteres erfolgloses Warnen ihres Mannes, dann werden zwei Studentinnen Opfer eines Pranks, der für den Zuschauer nicht nur als Jumpscare klappen kann, sondern auch für eine Argento- Gedächtniseinstellung genutzt wird. Diesen Schrecken überlebt, finden die beiden nun aber eine echte Leiche und diese ist nicht nur gut getrickst, sondern auch die erste Instanz von Horror, Schrecken oder Überraschung, die der Film nach geschlagenen 36 Minuten bieten konnte – aber, aber.
 
 
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Das Gefühl, dass dieses Corman-Vehikel endlich in die Vollen geht, kommt nach geschlagenen 40 Minuten auf, wenn die mysteriöse Falltür im Keller, an der auch schon der Hund gegraben hatte, nebellastig nachgibt und ein Erdbeben auslöst, das in erster Linie durch eine wackelnde Kamera, den pompösen Soundtrack und das Schauspiel inszeniert wurde, aber trotzdem angemessen wuchtig wirken kann. Sehr traurig also, dass der erste onscreen Kill dann so eine peinliche, trashige, schlecht getrickste Einlage ist, in der sich ein Kabel comichaft um Dwight schlängelt, um ihn wenig glaubhaft zu Tode zu schocken. Sämtliche Türen und Fenster verriegeln sich und können nicht mehr geöffnet werden, es folgen erst einmal sehr viel Lärm, Gebrülle, Verzweiflung, Heulerei, Schreierei und „durch die Luft geschleudert werden“, bevor sich in einer Diskussionsszene mit ruhiger, versierter Kamera wieder an oldschooligerem, klassischerem Horror versucht wird. Es ist weder eine besonders frustrierende, noch belohnende oder packende Erfahrung, diesen Spätsziebziger-Horror zu gucken, denn auch wenn die Performances immer wieder stimmen, die kunstvoll von der Kamera eingefangene Villa mit ihren hohen Decken und gemütlichen Ecken glänzen kann und der Killcount überraschend hoch ist, so schwankt der Film zugleich unentschlossen zwischen klassischeren, langsameren Passagen und schlichtweg nicht ernst zu nehmenden Geisterbahn-Horror, in dem die Protagonisten umhergeworfen oder zu Tode geschockt werden. Der einzig nicht-weiße Charakter ist laut Script heroinabhängig und wird zudem als einziges halb ausgezogen und vom „Bösen“ in Unterwäsche über den Boden geklatscht, auch wenn es keine Nacktheit in diesem Film gibt, so werden natürlich teilweise auch sichtlich keine BHs, oder die Jeans mal sehr weit unten getragen. Doch kaum will man sagen, dass dieser Film für Exploitationfans nichts bieten kann oder allgemein sehr harmlos ist für seine Freigabe, folgt eine echt nicht schlecht getrickste, überraschende Splattereinlage – auch wenn der Schaden im nächsten Shot direkt behoben scheint – sowie ein Finale, das man so sicher nicht erwartet hat.
 
 
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So sympathisch es auch ist, dass unser rationaler Protagonist als einziger einen kühlen Kopf behält und versucht, das Mysterium in Ruhe zu lösen, so absurd sind seine Thesen und Erklärungen, wenn eindeutig Übernatürliches geschieht. So tiefschürfend und funktionabel die vielen reinen Dialogszenen auch sein könnten, würden wir die Charaktere überhaupt je richtig kennen lernen, so sehr bremsen sie den Film auch aus. Und so unerwartet, eigenwillig und kindisch-diabolisch das Finale auch ist, so wenig entschädigt es doch leider für die ziemlich ereignislose, hölzerne und höchst repetitive Schrei- und „Spielen als würde man angegriffen werden“-Orgie bis dahin. Der Film tappt dramaturgisch auf der Stelle und lebt größtenteils nur von der marginalen Rätselspannung über das titelgebende Böse, sowie der immer wieder mal aufkommenden Kurzweil eines Siebziger-Geisterfilmes, in dem größtenteils ohne Effekte böse Entitäten inszeniert werden sollen. Ein einzelner Splattereffekt hier, eine wunderbar ausgeführte Szene dort, überraschend alptraumhafte Einschübe an anderer Stelle – man kann sich schon seine Highlights und Momente zum Verlieben, oder zumindest Würdigen dieses allzu üblichen, uramerikanischen Gut vs. Böse- Films zusammensuchen, und ich bereue es auch keinesfalls, ihn gesehen zu haben – doch mehr als ein leicht überdurchschnittlicher, kostengünstig produzierter Spätsziebziger-Grusler ist „The Evil“ dann doch nicht.
 
 


 
 
 

THE EVIL – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
Atmosphärischer Oldschool-Grusel mit ansprechendem Setting trifft auf billigen Genretrash mit peinlichen Effekten. Weiterhin sehen wir ein Starcast mit überzeugenden Performances, das auf ein halbgares, lahmes Script mit wenig Herausstellungsmerkmalen trifft. „The Evil“ ist trotz des unüblichen, erinnerungswürdigen Finales keine Sternstunde des Gruselkinos.
 
 


 
 
 

THE EVIL – Zensur

 
 
 
„The Evil – Die Macht des Bösen“ hatte es – wie viele Horrorfilme in den 1970ern / 1980ern – nicht leicht. Der Streifen erschien nur gekürzt auf VHS und landete von 1984 bis 2009 auf dem Index. Unverständlich! 2018 brachte CMV LASERVISION im Rahmen der hauseigenen Trash-Collection eine ungeschnittene Fassung in zwei DVD-Hardboxen auf den Markt. Danach folgte die deutsche HD-Premiere des Gruselfilms in zwei Mediabooks. Am 19.03.2021 legte CMV den Streifen der FSK zur Neuprüfung vor. Diese sah keine Jugendgefährdung und sprach eine Freigabe ab 16 Jahren aus. „The Evil – Die Macht des Bösen“ ist demnach ab sofort für Jugendliche ab 16 Jahren geeignet. Aufgrund einiger höher eingestufter Trailer auf der erhältlichen DVD / Blu-ray ist die Blu-ray-Veröffentlichung aus dem CMV aber erst für Erwachsene geeignet.
 
 
 


 
 
 

THE EVIL – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) CMV Laservision (KeepCase Blu-ray)

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(c) CMV Laservision (Mediabook mit DVD + Blu-ray Cover A / auf 500 Stück limitiert)

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(c) CMV Laservision (Mediabook mit DVD + Blu-ray Cover B / auf 333 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Evil; USA 1978

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch DD 2.0 (Mono), Englisch DD 2.0 (Mono)

Untertitel: keine

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 89 Min.

FSK: Film: FSK16 | Blu-ray: keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook | KeepCase mit Wechselcover

Extras: Audiokommentar von Christoph N. Kellerbach & Florian Wurfbaum, Original Trailer, TV-Spot
Trailer: The Unseen, Death House, Bloodmania | zusätzlich im Mediabook: Film auf DVD, Booklet mit einem Text von Christoph N. Kellerbach

Release-Termin: Mediabook: 21.05.2021 | KeepCase: 21.05.2021

 

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THE EVIL – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei CMV LASERVISION)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Amityville Horror (1979)
 
Das Grauen (1980)
 
Landhaus der toten Seelen (1976)
 

Filmkritik: „Gothic“ (1986)

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GOTHIC

Story

 
 
 
In einer stürmischen Sommernacht im Juni 1816 lädt der Dichter Lord Byron die zukünftigen Eheleute Percy und Mary (noch mit dem Mädchennamen Godwin) Shelley, Marys Stiefschwester Claire und seinen Arzt Polidori in sein herrschaftliches Anwesen am Genfer See ein. Die Gruppe gebildeter Oberschichtler verbringt eine intensive Zeit tiefschürfender Gespräche über Unheimliches aus Geschichte und Medizin und Psychologisches, okkultistischer Spielereien und schließlich auch körperlicher Annäherungen zueinander. Am Ende ihrer Zusammenkunft ist in Mary Shelley die Saat zum Verfassen ihres Romans „Frankenstein“ gelegt.

 
 
 


 
 
 

GOTHIC – Kritik

 
 
GOTHIC, ein Film, den man in jenen lange vergangenen Tagen von Fernsehaufnahmen und VHS-Kassetten, nachdem man aus englischsprachiger Filmliteratur gerade den Begriff des, ja, „Gothic Horror“ für die Hammer Studios etc. gelernt hatte, fieberhaft von seinem tristen Suchlistenfilm-Schicksal erlösen wollte. Mancher geifernde Horror-Geek war dann allerdings ein wenig angefressen oder sollten wir lieber sagen überfordert vom raumgreifenden, wuchtigen Stil Ken Russells. Andere lieben Film und Regisseur. Der Engländer ist im November nun auch schon zehn Jahre fort und man könnte glauben, die Horror-Bubble reduziert diesen wirklich phänomenalen Regisseur auf seinen meisterlichen Kirchenquälereien-Schocker DIE TEUFEL, erschienen 1971. Dessen gesuchte Langfassung und die darin vermutlich enthaltenen Grausamkeiten vernebeln so manchem die Sicht auf ein umfangreiches Oeuvre großartiger, bildgewaltiger und mit unterbewussten Traum-Ängsten spielender Filme, das zu jeder Zeit eine Heimkino-Retrospektive verdient.
 
 
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Auch GOTHIC, oberflächlich mit ordentlichem Budget versehenes Ausstattungskino mit Gruselkante, in dem Exzentriker Russell mit Julian Sands und Gabriel Byrne gleich zwei der übelsten Schmierlappen inseleuropäischen Schauspielhandwerks auf einmal aufs Publikum loslässt, wirft eben diesem Publikum die gleichen Fragen zur Existenz selbst, überwindungsbereiter Gesellschaftspolitik und der Instabilität psychischer Schutzmechanismen an die Birne. Sogar die in der Gegenwart heißer denn je diskutierten Geschlechterklischees und Erwartungen daran werden mittels der Figur des schwulen und von Selbstzweifeln zerfressenen Doktor Polidori eingeflochten. Aus dessen Feder stammt der Roman „Die Vampire“, in dem der Mediziner auch die Erkenntnisse aus den Tagen am Genfer See zu verwerten weiß.
 
 
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Ja, das kann der berufswahnsinnige Maestro gut. Sind es Drogen, mentale Überspanntheit oder doch aus dem Dunkel von Unterbewusstsein oder den Tiefen der Schattenwelt angreifende Dämonen, die dem Freundeskreis experimentierfreudiger britischer Jungmenschen diese Tage so in wahrsten Sinne des Wortes unvergesslich machen? So ganz eindeutig wird die Frage nicht beantwortet. Ist aber doch eine schöne Idee, die Wurzel für einen der Genrestartschüsse des Horrors in einer vernebelten Sause von Sex und Opium und spiritistischen Sitzungen verorten zu dürfen, oder?
 
 
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Diese auf wahren Ereignissen beruhende Story, zweifelsohne doch eine veritable Wegmarke der Horrorliteratur-Geschichte, beschäftigt auch nach GOTHIC noch weitere Filmemacher. 1988 erscheint der elegische SCHWARZER SOMMER, gedreht vom subversiven Tschechen Ivan Passer und 2017 die eher seichte Romanze MARY SHELLEY unter der Regie von Haifaa al-Mansour, Saudi-Arabiens erster anerkannter Filmerin, international bekannt geworden durch DAS MÄDCHEN WADJDA.
 
 

 
 


 
 
 

GOTHIC – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
Auch nach über dreißig Jahren noch faszinierendes Portrait einer opiumgeschwängerten Gründerstunde des Horror-Genres. GOTHIC, nicht bloß aufgrund Thomas Dolbys Soundtrack jederzeit als Produkt der aalglatten Achtziger zu erkennen, ist sicherlich nicht der beste Film des wunderbar verrückten Ken Russell, lohnt aber, in einer schönen Fassung wie der vorliegenden ins Regal eingereiht zu werden. Gilt natürlich auch für Fans, die nicht nur Gothic Horror schauen.
 
 


 
 
 

GOTHIC – Zensur

 
 
 
GOTHIC erschien zur Veröffentlichung auf VHS-Kassette noch mit einer Freigabe ab 18 Jahren. Das galt auch für die erhältliche DVD. Alle bis dato herausgebrachten Veröffentlichungen waren aber ungeschnitten. Im Jahr 2013 legte 20TH CENTURY FOX den Film neu der FSK vor und erhielt für den Klassiker eine FSK 16-Freigabe. Das hat sich auch mit der nun erhältlichen Blu-ray aus dem Hause NSM RECORDS nicht geändert. Der Streifen ist trotz Jugendfreigabe ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

GOTHIC – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) NSM RECORDS (KeepCase Blu-ray mit Wechselcover)

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(c) NSM RECORDS (Mediabook mit BD + DVD – Cover A – auf 444 Stück limitiert)

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(c) NSM RECORDS (Mediabook mit BD + DVD – Cover B – auf 111 Stück limitiert)

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(c) NSM RECORDS (Mediabook mit BD + DVD – Cover C – auf 222 Stück limitiert)

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(c) NSM RECORDS (Mediabook mit BD + DVD – Cover D – auf 111 Stück limitiert)

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(c) NSM RECORDS (Mediabook mit BD + DVD – Cover E – auf 222 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN

Originaltitel: Gothic; Großbritannien 1986

Genre: Horror, Grusel, Mystery

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 2.0, Instrumental DTS-HD MA 2.0, Deutsch DTS-HD MA 2.0 = Deutsche Kinosynchronisation

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 87 Min.

FSK: Mediabook: ungeprüft (ungeschnittene Fassung) | KeepCase: FSK16 (ungeschnitten)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase mit Wechselcover | Mediabook

Extras: Audiokommentar mit Lisi Rusell und Filmhistoriker Matthew Melia (Englisch DTS-HD MA 2.0, Ohne Untertitel), Audiokommentar mit Dr. Rolf Giesen und Dr. Gerd Naumann (Englisch DTS-HD MA 2.0, Ohne Untertitel), Isolierte Musik & Audio-Interview mit Komponist Thomas Dolby, Fear Itself – Interview mit Drehbuchautor Stephen Volk (17:26 Min., Englisch, Optionale Deutsche Untertitel, Optionale Englisch Untertitel), One Rainy Night – Interview mit Kamermann Mike Southon (23:09 Min., Englisch, Optionale Deutsche Untertitel, Optionale Englisch Untertitel), The Soul of Shelley – Interview mit Schauspieler Julian Sands (17:53 Min., Englisch, Optionale Deutsche Untertitel, Optionale Englisch Untertitel), Deutscher Trailer (2:41 Min.), Originaltrailer (2:17 Min.), TV-Spot (0:34 Min.), Bildergalerie (4:08 Min. | zusätzlich im Mediabook: Film auf DVD, 16-seitiges Booklet mit einem Text von Jonas Hoppe

Release-Termin: Mediabook (Cover A-E): 27.09.2019 | BD-KeepCase: 30.04.2021

 

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GOTHIC – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei NSM RECORDS)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Mary Shelley’s Frankenstein (1994)
 
Begierde (1983)
 
Crimson Peak (2015)
 

Filmkritik: „15 Killings – Interview mit einem Serienkiller“ (2020)

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15 KILLINGS – INTERVIEW MIT EINEM SERIENKILLER

(15 KILLINGS)

Story

 
 
 
Ein Neurologe besucht einen inhaftierten Serienmörder, um sein Gehirn zu untersuchen und entdeckt den Schrecken, der hinter seinen gewalttätigen Impulsen lauert.
 
 
 


 
 
 

15 KILLINGS – Kritik

 
 
Dennis Nilsen, geboren 1945, verstorben 2018, war ein schottischer, nekrophiler, homosexueller Serienkiller, dessen zahlreichen Morde an jungen Männern viel zu spät und umständlich entdeckt wurden, obwohl alle typischen Zeichen des introvertierten Mannes, der laut Film natürlich schon als Kind eine Katze erwürgt hat, seit Jahren abzulesen waren. Um sich Details zu diesem tatsächlich sehr spannenden, tragischen und furchterregenden Fall anzueignen, kann man wahlweise die (englische) Wikipediaseite lesen, oder aber knapp 100 Minuten lang diesen Film von Yianni John Dracos angucken, der nach einer Komödie Anfang der 2000er hier nun seinen ersten ernsteren Langfilm präsentiert – ich empfehle eindeutig Ersteres. Denn bei Gott, was für eine sterbenslangweilige, frustrierende und repetitive Erfahrung das Erdulden dieses Totalausfalls doch war; und das auch noch bei einer wenn auch nicht einmaligen, so doch eindeutig zur Adaption einladenden Vorlage. Aber wie so oft bei niedrig budgetierten Genrefilmen fragt man sich leider schnell, für wen diese Produktion überhaupt gemacht wurde.
 
 
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Nilsen hat seine Opfer ausschließlich stranguliert oder ertränkt, was sämtliche Gorebauern und Splatterfans, die selbst True Crime Werke in einem Akt ultimativen Zynismus für die saftigen Schauwerte gucken, zu Recht abschrecken dürfte. Hab ich zum Glück auch nie erwartet, aber auch was Würgeszenen selber angeht sollte man keinen nahegehenden Realismus á la „No Country for Old Men“ oder „Der Goldene Handschuh“ erwarten. Als realistisches, korrekt recherchiertes Charakterporträt, psychologischer Thriller internaler Traumaverarbeitung oder Biographie Nilsens von der Geburt bis zu seinem Tod taugt der Film dann auch nicht, da hier nur blitzlichtartig und unzusammenhängend in die Vergangenheit geblendet wird, während im Hier und Jetzt nur seine Morde, und somit letzten freien Jahre festgehalten wurden.
 
 
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Und wer nun also weder auf die Akkuratesse der genauen Fakten, noch auf verstörenden Gewaltszenen aus ist und, wie ich, sich auch einfach mit einem guten, unterhaltsamen Genrefilm zufrieden geben will, der hat erst so richtig verloren. Das komplett irreführende Cover mit den zahlreichen Hieb- und Stichwaffen, die im gesamten Film sowie in der Realität des Falles allenfalls als kurz gezeigte Leichenzerkleinerer zum Zuge kommen, nie aber als Mordwaffe, also komplett ignoriert, startet der Film zu unruhigen Streichern, Schwarzblenden und natürlich Hauptdarsteller Steve Bongeorno als schmierigen Protagonisten Norris, wie er in einer Bar einen blonden Jüngling beäugt. Die Musik klingt dabei tatsächlich so, als käme sie aus den Boxen der Bar, das ist aber leider auch schon das Highlight dieser Szene, die mit ihrem billigen Look, überbeleuchtetem Bild und schlimm abgemischten Atmos direkt negativ auffällt. Natürlich kommt der junge Mann mit zu Norris, eine Liebelei wird nicht gezeigt, am nächsten Morgen aber erdrosselt Norris wie erwartet sein Opfer und die Kamera dreht sich kopfüber, als wären wir in einem Noé – unerwartet und relativ effektiv, Titlecard setzt ein, Hoffnung ist da.
 
 
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Ein uninspiriertes, wenn auch professioneller aussehendes Set dient als Verhörraum, Genre- & Percy Jackson-Star Maria Olsen muss sich nun in endlos belanglosem Schulvortragsstil durch ziemlich grottigen und sinnlosen Mono/Dialog quälen, in dem sie Norris den Aufbau des gesamtem Gehirns erklärt. Warum? Weil sie durch das Interview mit ihm erzielen möchte, ihn für weitere Tests zu gewinnen, die klären, wie die Gehirne von Psychopathen beeinflusst oder aufgebaut sind. Wird das je wieder aufgegriffen, ist das wichtig für den sonstigen Film, je interessant, clever, witzig, pointiert oder allgemein relevant? Nein, absolut nicht. Maria Olsen war vermutlich für einen Tag da, hat keinen Fick gegeben, warum auch, einmal diesem Try-Hard Laiendarsteller die ausgedruckten Wikipedia Hirndefinitionen vorgelesen und ist dann wieder gefahren, der Rest ist der eigentliche Film. Schlimm, sowas. Doch auch diese gefühlt 20 Minuten unnützer Ballast würden noch keine derart niedrige Wertung rechtfertigen, würde der Rest passen. Und der Rest, das ist natürlich die verfilmte Version der Nacherzählungen seiner Morde, verschnitten mit ein paar immerhin Abwechslung bringenden Flashbacks, nur sind diese leider genau so trocken und uninteressant, wie sie sich lesen. Ob es wirklich eine komödiantisch überspitzte Nachbarin gab, die quasi jeden der Todeskämpfe und Morde in Nilsens Wohnung gehört hat, aber nie auf die Idee kam, die Polizei zu rufen, konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen – abseits davon aber ist die beste Erklärung für die unendliche Ödnis, die dieser Film bietet, die ich finden konnte, die, dass bewusst gezeigt werden soll wie unendlich langweilig, repetitiv, teilweise absurd und unpointiert das Leben eines Serienkillers wie Norris ist, da wirklich wirklich nichts passiert.
 
 
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Doch auch das kann man jetzt falsch verstehen, also lasst mich erklären: Ich liebe eigentlich Filme, in denen „nichts passiert“, in denen minutenlange Stativaufnahmen vorherrschen oder die Umgebung liebevoll eingefangen wird, in denen man mit einer üblichen Inhaltsangabe kaum voran kommt. Doch Dracos versucht sich hier nicht an einem ambitionierten Arthousefilm mit philosophischem Gehalt oder zumindest überzeugender audiovisueller Inszenierung, nein, trotz einer handvoll gelungener Bilder und Posen ist es größtenteils eine fast schon dokumentarische, unkommentierte Inszenierung, in der hier Mord nach Mord, Mann nach Mann abgehandelt wird. Durch die Unbeholfenheit und optische Ähnlichkeit erinnert der Film dabei immer wieder an eine völlig nach hinten losgegangene Parodie von „The House That Jack Built“, der im Gegensatz zu diesem Werk aber entschieden bewusst komisch ist. „Wieso hat dieser introvertierte, auf den ersten Blick merkwürdige Nilsentyp denn je problemlos so viele junge Männer bekommen?“, fragt sich der geneigte Leser auch – völlig zu Recht, womit wir bei der nächsten Schauspiel- und somit auch Logikschwäche des Films wären: Der echte Nilsen war scheinbar ein verdammt charismatischer Typ, ein Charmeur, der genau wusste wie er Leute manipulieren musste. Das arme, verbitterte Würstchen als das er hier hingegen dargestellt wird, würde mit seiner Art kaum so lange so erfolgreich die Fassade aufrecht erhalten können, wie es in der Realität der Fall war. Das „gruseliger weirdo“-Schauspiel könnte dabei sogar klappen, wäre der Rest seiner Umgebung realistisch eingefangen und würde das restliche Schauspiel funktionieren – hier aber sticht Norris nicht hervor, sondern reiht sich in die unüberzeugenden, den Zuschauer ausschließenden Performances.
 
 
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Ein paar blitzlichtartige Eindrücke der Kunst, Minuten zu Stunden zu machen: Norris will seine Geschichten nicht erzählen, lässt sich aber durch Schokolade bestechen. Flashback, Norris spielt als Teenie etwas zu brutal mit seinem Hund. Flashback, Trinkszene, jeder wartet auf den anderen Schauspieler bevor er mit seiner Zeile startet, Musik fehlt auch. Flashback, Norris wird von zahlreichen Kolleginnen auf seiner Arbeit angesprochen, weicht aber stets aus. Flashback, Norris nimmt einen jungen Mann mit nach Hause, der überzeugender spielt als Bongeorno es tut, erwürgt ihn, lässt für beide ein Bad ein. Eine Vinylsammlung, die nur für eine Szene zu sehen ist und sonst wie, weist „Black Sabbath“ auf, dann läuft aber klassische Musik(?). Alles davon ist maximal durchschnittlich gespielt, nichts davon geschickt editiert oder aufregend inszeniert, nichts davon erzählt etwas Neues. Wenn mehr und mehr Leichen versteckt oder zerhackt und die Toilette runtergespült werden müssen, freut man sich nicht aufgrund der Spannung darüber, sondern weil der Film hoffentlich bald endet. 1989 hat die 21-jährige Fhiona Louise den Fall verfilmt und immerhin auf diesen Streifen, der auch noch von Arrow auf Blu-ray erschienen ist, freu ich mich nach der spannenden Wikipediaseite definitiv. Hat man sich durch die 90 Minuten gequält, endet es dann doch tatsächlich mit der Einschläferung seines Hundes (???), quälend kitschiger, bemüht epischer Musik und einer peinlichen Texteinblendung. Fuck me, die Tiefen des Kritikertums.
 
 


 
 
 

15 KILLINGS – Fazit

 
 
 
2 Punkte Final
 
 
Ein hölzern gespielter, furchtbar geschriebener, lieblos adaptierter, todlangweiliger Serienkillerfilm ohne akribische Authentizität, tiefschichtige Charaktere, eine überzeugende Inszenierung, Spannung oder greifende Genreelemente. Ein Film ohne Handlungsfortschritt oder Charakterbögen, ohne Rätsel- oder Verlaufsspannung oder Daseinsberechtigung. Ein Film, den ich niemandem empfehlen kann.
 
 


 
 
 

15 KILLINGS – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „15 Killings – Interview mit einem Serienkiller“ ist ungeschnitten und für Zuschauer ab 18 Jahren geeignet.
 
 
 


 
 
 

15 KILLINGS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) tonpool Medien GmbH / UCM One (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: 15 Killings; USA 2020

Genre: Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 97 Minuten

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase mit Wechselcover

Extras: Original Trailer, Deutscher Trailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 26.03.2021

 

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15 KILLINGS – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei tonpool Medien GmbH / UCM One)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
A Young Man with High Potential (2018)
 
The Cold Light of Day (2012)
 

Filmkritik: „Vidar the Vampire“ (2017)

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VIDAR THE VAMPIRE

(VAMPYRVIDAR)

Story

 
 
 
Ein gläubiger Bauer wird von Jesus höchstpersönlich zum Vampir gemacht, aber sein Leben wird dadurch auch nicht angenehmer.
 
 
 


 
 
 

VIDAR THE VAMPIRE – Kritik

 
 
Bei Filmkost aus Norwegen denkt man eher an melancholische, dunkle und schwere Kost. „Vidar the Vampire“ versprach allerdings eine norwegische Horrorkomödie zu werden und das klingt schon mal sehr interessant. Gute Ansätze sind hier definitiv vorhanden; Problem ist nur, dass der Film weder richtige Horror-Elemente noch genügend Komödien-Faktoren mit sich bringt.
 
 
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Vidar ist über 30, hatte noch nie eine Frau und lebt mit seiner Mutter auf einem abgeschiedenen Bauernhof. Er ist also reichlich berechtigt, unzufrieden mit seinem Leben zu sein. Eines Abends betet der gläubige Christ zu Gott und dann erscheint ihm wirklich Jesus. Der will das Leben von Vidar verschönern, doch dafür muss er ihn erst zum Vampir machen. Mit neuen Fähigkeiten ausgestattet, ist Vidar optimistisch, dass er nun besser zurechtkommen wird, aber schon bald muss er erkennen, dass sein Leben als Vampir auch nicht toller ist. Da das Thema Vampir schon seit langem ausgelutscht ist, braucht es natürlich kreative Ideen, um ein weiteres solches Szenario schmackhaft zu machen. „Vidar the Vampire“ benutzt nun also den Einfall, Jesus selbst als Vampir darzustellen und geht somit in eine recht blasphemische Richtung. Die Religion bekommt hier definitiv ihr Fett weg und wer bei diesem Thema sensibel reagiert, wird damit nicht viel anfangen können. Ansonsten besitzt das Drehbuch allerdings nur wenig Substanz. Die Grundgeschichte ist mehr als simpel und zeitweise wartet man ungeduldig darauf, dass die Erzählung auch endlich mal etwas zu erzählen hat.
 
 
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So zwiespältig wie die Handlung, fällt dann auch die Atmosphäre aus. „Vidar the Vampire“ kann sich überhaupt nicht entscheiden, was er gerne darstellen möchte. So gibt es neben den bereits erwähnten, blasphemischen Seitenhieben, die eine gewisse Note von Satire tragen, noch weiteren Humor. Blöd ist daran nur, dass er nicht funktioniert. Man wollte schon recht derb zur Sache gehen, nur lustig ist das Resultat kaum. Manche Szenen wirken schon relativ grotesk und werden den Trash-Fan ansprechen, aber echte Lacher bleiben aus und das ist zu schwach für eine Komödie. Richtigen Horror sollte man jedoch ebenfalls nicht erwarten. Es gibt zwar solche Elemente, aber sie werden hier keineswegs genutzt, um eine spannende, bedrohliche Komponente entstehen zu lassen. Was man dafür tatsächlich einige Male entdecken kann, ist ein Drama. Hier kommt doch wieder das melancholische Gemüt der Norweger durch und selbst wenn die Emotionen eine untergeordnete Rolle spielen, spürt man diese Schwermütigkeit ganz gut. Verstärkt wird sie vom oftmals akustischen Soundtrack, der ideal passt und sich gut anhören lässt. Leider gelingt es „Vidar the Vampire“ nun nicht, all diese Zutaten zu einem homogenen Ganzen zusammenzuführen. Und die verschiedenen Zutaten für sich alleine, funktionieren hier einfach nicht ausreichend genug.
 
 
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Thomas Aske Berg wollte wohl schon immer mal einen Vampir spielen, aber da in Norwegen keiner daran interessiert war, einen Vampirfilm zu drehen, nahm er die Sache gemeinsam mit Fredrik Waldeland selbst in die Hand. Dass dort kein großes Budget zur Verfügung stand, sollte nun nicht verwunderlich sein. Dieses brauchte es aber auch gar nicht. Die handwerkliche Arbeit ist definitiv nicht schlecht und die Optik geht vollkommen klar. Die Schauplätze sind nicht gerade spektakulär, sehen aber nie zu langweilig aus und vor allen Dingen ist die Inszenierung recht kreativ. So wird schon immer mal wieder mit der Erzählart gespielt. So richtig zielführend, ist das eigentlich nie, aber gerade weil das Tempo sehr gering ist und es Zutaten wie Action oder Spannung gar nicht gibt, ist die experimentierfreudige Inszenierung begrüßenswert. Berg spielt den Vampir dann auch ganz brauchbar und allgemein kann man sich über die Darsteller nicht beschweren. Nur wird auch niemand lange in Erinnerung bleiben, denn dafür sind die Charaktere hier viel zu nichtssagend. Effekte sollte man nicht viele erwarten. Ein bisschen Blut wird vergossen und die Tricks sind okay, doch solche stehen hier nicht im Fokus. Dafür gibt es eine gute Portion Sex zu betrachten.
 
 


 
 
 

VIDAR THE VAMPIRE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
„Vidar the Vampire“ besitzt ansprechende Zutaten, wirkt ambitioniert und kann trotzdem nicht so richtig gefallen. Abgesehen von bissiger Religionskritik, bietet die Story nämlich zu wenig Neues. Man hat einen Vampirfilm dieser Art vielleicht noch nicht gesehen, doch die verschiedenen Zutaten wurden einfach nicht besonders gut miteinander vermischt. So bleibt am Ende ein Film, der aus handwerklicher Sicht passabel ist, aber weder Horror, noch echte Komödie bietet und mit seiner melancholischen Note eher noch für Verwirrung sorgt. Die Darsteller sind brauchbar und es gibt durchaus ein paar Szenen, die so grotesk sind, dass sie etwas länger in Erinnerung bleiben dürften, aber für insgesamt fast 90 Minuten Laufzeit wird dem Zuschauer ein zu geringer Unterhaltungswert geboten, weil einfach nicht viel geschieht. Fakt ist aber auch, dass „Vidar the Vampire“ einen starken Fall von Geschmackssache darstellt und wer auf der Suche nach kuriosen Werken ist, sollte hier ruhig einen Blick riskieren.
 
 


 
 
 

VIDAR THE VAMPIRE – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Vidar the Vampire“ ist ungeschnitten und für Zuschauer ab 16 Jahren geeignet.
 
 
 


 
 
 

VIDAR THE VAMPIRE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Donau Film (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: VampyrVidar; Norwegen 2017

Genre: Komödie, Fantasy, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Norwegisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 83 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Teaser

Release-Termin: KeepCase: 26.02.2021

 

Vidar the Vampire [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

VIDAR THE VAMPIRE – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Donau Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
5 Zimmer Küche Sarg (2014)
 
Only Lovers Left Alive (2013)
 
Vampire’s Kiss (1988)