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Gruselfilme

Filmkritik: „Blair Witch“ (2016)

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BLAIR WITCH

Story

 
 
 

„James und Lisa verliefen sich im Wald.
Dort war es finster und auch so bitter kalt.
Sie kamen an ein Häuschen … aus Holz und Schimmel fein.
Wo mag die Blair Witch der ollen Hütte sein?“
 
(frei nach dem anonymen Kinderlied um 1900)

 
 
 


 
 
 

BLAIR WITCH – Kritik

 
 
 
1999 wirbelte ein erstaunlich frischer Wind die Kinolandschaft auf. Infolge einer raffinierten PR strömte das Publikum in die Lichtspielhäuser, um in BLAIR WITCH PROJECT das Geheimnis dreier vermisster Jugendlicher zu lüften, die unter mysteriösen Umständen verschwanden. Wochenlang wurde zuvor auf öffentlichen Plakaten über deren ungeklärtes Schicksal spekuliert. Nun sollten aufgetauchte Originalbänder Licht ins Dunkel bringen. Verantwortlich für das Grauen, mit dem die arglosen Hobbyfilmer konfrontiert wurden, sollte die Hexe von Blair sein, die gemäß „recherchierter“ Legenden in den Wäldern um Burkittsville ihr Unwesen trieb und kleinen Kindern nach dem Leben trachtete. Viele Jahre später entschloss man sich nun unter größter Geheinhaltung ein Sequel zu produzieren, das unter dem Titel THE WOODS das Licht der Welt erblickte und so mit einem Überraschungseffekt punkten wollte. Als überzeugendes Bindeglied zwischen den Filmen fungiert hierbei der Bruder, der seit 1994 nicht mehr auffindbaren Heather, der sich – keine Ruhe findend – auf die Suche nach dem Familienmitglied begibt. Gemeinsam mit Freunden und zwielichtigen Helfern startet man also erneut. Allerdings diesmal technisch deutlich besser ausgerüstet. Doch auch wenn einige Drohnenaufnahmen tatsächlich neue Perspektiven eröffnen, ist dieser Umstand nicht von Belang, da der High-Tech-Kram beim folgenden Überlebenskampf – wie erwartet – völlig nutzlos ist.
 
 
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Gedreht wurde erneut im damals noch spektakulären Found Footage Stil, mit dem Ziel Action zu erzeugen, die den Betrachter unmittelbar ins Geschehen zieht. Leider wirkt dieser „Kniff“ nach einer Unmenge ähnlicher Produktionen längst überholt und vermag entsprechend nicht wirklich zu überzeugen. Fairerweise sei angemerkt, dass das Gesehene sicher schwer zu filmen war, aber trotzdem innerhalb des Genrebereiches im Ergebnis professionell visualisierte Bilder liefert. Aber reicht das um von BLAIR WITCH mitgerissen zu werden? Wenn nach 25 Minuten Vorspiel erstmals eine verletzte Fußsohle Interesse zu wecken vermag, haut das nicht gerade aus den Socken … Aber die Hoffnung bleibt, auch bei Gewichtung des soweit respektabel aufspielenden Cast, der jedoch nur zum Teil Mitfühlpotenzial bietet. Doch was folgt, hat wenig mit Innovation zu tun. Gefühlt wird 100 mal zuvor Gesehenes geboten und die Stationen: Spaß, Symbole, Misstrauen, Suche und Panik werden brav abgearbeitet. Dabei nervt vor allen Dingen das ständige Schreien der Namen gesuchter Personen ungemein. Aber auch die an das plötzliche Auftauchen von Protagonisten gekoppelten Jump Scares entlocken, zumindest den Horror-Nerds, nur ein müdes Gähnen.
 
 
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Da man die Leidenschaft der Macher durchaus erahnen kann, bleibt immerhin die Zuversicht auf ein überzeugendes Ende, welches neue Facetten bietet und den Nachfolger als sinnvoll legitimiert. Und tatsächlich gibt es neben den Erweiterungen der BLAIR WITCH-Hintergrundstory, dem Spiel mit der Zeit, einer höheren Opferzahl und vereinzelten Gewalteffekten endlich sekundenlang auch einen Blick auf das zu erhaschen, nach dem sich viele im Original vergeblich gesehnt haben dürften. Aber so wie es sich nunmal leider oft mit erfüllten Wünschen verhält, gestaltet sich das Auftauchen der Legende nach einer anstrengenden – teils klaustrophobischen und insbesondere im Haus rummeligen – Achterbahnfahrt als zwiespältig. Somit werden einige mit dem Ergebnis zufrieden sein, während andere desillusioniert abwinken. Für eine übergreifende Verärgerung könnte dagegen der erneut abrupte Schluss sorgen, dem beim Original immerhin leidenschaftliche Diskussionen über das Gesehene folgten. Doch ein reger Disput dürfte weitgehend ausbleiben, weil es einen bedeutsamen Unterschied zum großen Vorbild gibt: Ende der 90er wusste man tatsächlich nicht, was an den Bildern real und was fiktiv war. Dies führte zu einer überzeugend unbehaglichen Grundstimmung. Auch wollte man sich nach dem Kinobesuch nicht wirklich eingestehen, dass man eigentlich ein geschickt präsentiertes „Nichts“ gesehen hatte, weil es im Grunde nichts zu sehen gab. Aber dieses „Nichts“ wusste trotzdem zu faszinieren. BLAIR WITCH dagegen bietet zwar eine bunt-krude Mischung aus Nostalgie, Body Horror sowie eine Prise Monster- und „The Cabin In The Woods“-SciFi-Elementen, kann jedoch nur ansatzweise an die damals so unheimliche Grundstimmung anknüpfen.
 
 
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BLAIR WITCH – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Das vom Wackelkameramodus technisch perfekt umgesetzte BLAIR WITCH funktioniert wohl in erster Linie für die, denen der Erstling unbekannt ist, oder alle, die mit eigenen Augen sehen wollen, wie das Hexending nun tatsächlich optisch rüberkommt. (Oder auch nicht … wie man dem durchaus interessanten, da unterschwelllig ironisch-zornigen, Audiokommentar entnehmen kann.) Demnach dürften ebenso willige Easter Egg Sucher auf ihre Kosten kommen. Anderen bieten die weiteren ausführlichen Extras, welche Entstehungsbedingungen und das durchaus sympathisch leidenschaftliche Produktionsteam unter der Regie des souveränen Adam Wingard (YOU’RE NEXT/THE GUEST) in den Mittelpunkt rücken wohl mehr Kurzweil.
 
 
 


 
 
 

BLAIR WITCH – Zensur

 
 
 
Neben einem verletzten Fuß nebst Eigenleben gibt es nur zwei Gewalteffekte zu sehen, auf die nicht näher eingegangen werden soll, da der Film sonst weitere der ohnehin wenigen Höhepunkte verliert. Eine FSK ab 16 ist deren Folge.
 
 
 


 
 
 

BLAIR WITCH – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) StudioCanal (KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Blair Witch; USA 2016

Genre: Horror, Drama, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 89 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Deutscher Trailer Nerve (1:28 Min.), Deutscher Trailer Weinberg (1:54 Min.), Audiokommentar von Regisseur Adam Wingard & Autor Simon Barrett, Making-of (3:17 Min.), House of Horrors: Exploring the Set (15:49 Min.), Neverending Night: Behind-The-Scenes of Blair Witch: Ungewisser Tod – Der Cast (12:45 Min.), Verzerrte Realität (13:19 Min.), Unendliche Nacht – Das Making-of (19:04 Min.), Die Enthüllung (22:58 Min.), Gefangen in der Zeitschleife (9:04 Min.), P.O.V. – Beim Dreh (29:24 Min.), Deuscher Blair Witch-Kinotrailer (2:00 Min.), Deutscher Trailer Der letzte Exorzismus, Deutscher Trailer Hannibal – 1. Staffel, Deutscher Trailer Possession – Das Dunkle in Dir, Deutscher Trailer The Blair Witch Project, Deutscher Trailer The Strangers

Release-Termin: 09.02.2017

 

Blair Witch [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

BLAIR WITCH – Trailer

 
 

 
 

Andy78

(Die Rechte für alle Grafiken liegen bei STUDIOCANAL)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Blair Witch Project (1999)
 
Blair Witch 2 (2000)
 
Paranormal Activity (2007)
 
The Entity (2015)
 
Katakomben (2014)
 
Grave Encounters 2 (2012)
 
Nightlight (2015)
 
UFO – Es ist hier (2016)
 


Filmkritik: „Bornless Ones“ (2016)

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BORNLESS ONES

Story

 
 
 

Nix mit Ruhe und Natur-Idylle. In einer Waldhütte sind die Teufel los. Fünf junge Menschen müssen es darin mit bösen Dämonen aufnehmen.

 
 
 


 
 
 

BORNLESS ONES – Kritik

 
 
 
Wenn sich ein kleines Studio am wohl kontroversesten Horror-Remake der letzten Jahre vergeht, dürfte das wohl nicht unbegründet für Aufsehen sorgen. So gibt es wohl kaum eine Neuverfilmung, die die Horrorfilmszene so stark polarisiert hat, wie das 2013 von FEDE ALVAREZ inszenierte Remake zum Kultklassiker EVIL DEAD. Dieses wurde von vielen Fans des Originals verteufelt, aber von ebenso vielen wohlwollend angenommen. Weil trotz Kassenerfolg aber bisher keine Fortsetzung nachgeschoben wurde, versucht nun das weniger bekannte Produktionsstudio BLACK DRONE MEDIA die Wartezeit bis zum möglichen Sequel zu verkürzen. Mit BORNLESS ONES hat man nämlich dort einen kleinen Schocker gedreht, den man auch gut und gern als weiteren Ableger der EVIL DEAD-Reihe bezeichnen könnte. Hier spult man alles noch einmal vor der Kamera ab, was die Neuinterpretation von 2013 ausgezeichnet hat. Das bedeutet: Gleiche Story, ähnlich visueller Stil und einige fiese Ekelmomente. Wer jetzt aber meint, dass beim dreisten Kopieren nur Blödsinn entstehen kann, wird schnell eines Besseren belehrt. Der aufgewärmte Horror-Cocktail funktioniert nämlich erstaunlich gut und dürfte Fans des Remakes schnell in seinen Bann ziehen. Da soll einer noch einmal behaupten mit wenig Budget lassen sich keine guten Horrorfilme inszenieren. BORNLESS ONES kann trotz wenig eigener Ideen bedeutend mehr, als der meiste unkreative B-Movie-Abschaum jüngeren Datums. Dafür sollte man Regisseur ALEXANDER BABAEV an dieser Stelle mal lobend die Hand schütteln. Mit Low-Budget-Horrorfilmen unterhalten kann scheinbar nicht jeder.
 
 
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BORNLESS ONES erzählt die bekannte Geschichte von einer Holzhütte und Dämonen. Das gemütliche Häuschen hat sich diesmal Emily (MARGARET JUDSON) für kleines Geld geangelt, die dort mit Bruder Zach (MICHAEL JOHNSTON) einzieht, um ihm ein besseres Leben bereiten zu können. Der sitzt seit einem furchtbaren Unfall im Rollstuhl, leidet an schwerer Zerebralparese und ist auf Pflege angewiesen. Doch die beiden sind nicht allein. Ehemann Jesse (DEVIN GOODSELL) zieht mit ein, um die beiden so gut es geht zu unterstützen. Um das Waldhaus auf Vordermann bringen zu können, packen auch Freunde mit an, die aber bald über den Kauf gar nicht mehr so erfreut sind, als man an Wänden religiöse Symbole entdeckt. Doch es kommt noch dicker. Der pflegebedürftige Zach scheint über Nacht geheilt und kann plötzlich wieder laufen und sprechen. Was anfänglich erfreut, hat aber einen Haken: die sieben Dämonen der Hölle sind in den Körper des jungen Mannes geschlüpft und wollen Schaden anrichten. Wie es weitergehen wird, dürften EVIL DEAD-Kenner wohl bereits erahnen. Nach und nach werden die Freunde zu willenlosen Marionetten dämonischer Kräfte. Die bemächtigen sich deren Körper und richten ein Blutbad an, weil sich die besessenen Kumpels selbst an die Gurgel gehen.
 
 
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Ein EVIL DEAD-Plagiat stimmungsvoll inszeniert. Man mag kaum glauben, dass Regisseur ALEXANDER BABAEV mit BORNLESS ONES den ersten Langfilm gedreht hat. Der bietet im Debüt stimmungsvolle Kameraeinstellungen, gespenstige Atmosphäre und handfeste Schocks, die man in solcher Form nicht einmal in Streifen alteingesessener Filmemachern zu sehen bekommt. Offenbar hat der Nachwuchsregisseur das EVIL DEAD-Remake akribisch studiert. Anders lassen sich die vielen Verweise nicht erklären, die hier mit viele Liebe zum Detail über die Mattscheibe flimmern. Selbst verfremdete Dämonenstimmen oder die grotesken Kontaktlinsen besessener Opfer wurden von der glattgebügelten TANZ DER TEUFEL-Neuauflage übernommen, so dass man ohne Zweifel behaupten kann, dass da wohl ein Fan des Streifens am Werk gewesen sein muss. Trotz technisch beeindruckender Hommage: Wer harten Splatter und ausufernde Gore-Exzesse erwartet, dürfte enttäuscht werden. BORNLESS ONES zieht einen Großteil seines Schreckens aus der schaurigen Stimmung, die durch schlecht ausgeleuchtete Kulissen entsteht. Dennoch gibt es etwas an Gewalt zu sehen, wobei das meiste aber wohl kaum der Rede sein dürfte. Die Kamera schwenkt oft schnell weg, Gewalttaten werden nur angedeutet oder Gemetzel im Off zelebriert. Das tut der Gruselstimmung aber keinen Abbruch, denn Kopfkino kann manchmal mehr Gänsehaut bereiten, als eimerweise Kunstblut.
 
 
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BORNLESS ONES – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Ein atmosphärisch beeindruckend in Szene gesetzter Dämonentanz. Was hier nach weiterem Splatter-Gewitter aus der Mache von FEDE ALVAREZ / SAM RAIMI anmutet, ist kein neuer EVIL DEAD-Teil, sondern eher ein Fanfilm mit anderem Titel. BORNLESS ONES klaut rigoros bei genanntem Kultklassiker – und das viel, dreist und häufig. Das Ergebnis kann sich aber sehen lassen, denn trotz unverschämten Ideenklaus überzeugt BORNLESS ONES durch talentierte Kameraarbeit sowie Gespür für Gänsehaut und Gruselstimmung. Wer sich bisher nicht an der von FEDE ALVAREZ inszenierten EVIL DEAD-Neuverfilmung sattsehen konnte, wird diesen Film lieben. BORNLESS ONES schaut visuell haargenau so aus wie der makellose Horror-Reboot von 2013 und hat zudem auch noch eine ähnliche Geschichte zu bieten. Morbide Horrorunterhaltung ist garantiert – und das sogar ohne CGI und Splatter-Reigen. Trotz Low-Budget-Produktion empfehlenswert. Das kann man nicht von jedem B-Movie behaupten.
 
 
 


 
 
 

BORNLESS ONES – Zensur

 
 
 
Natürlich gibt es auch in BORNLESS ONES grafische Gemeinheiten zu sehen. Ein spitzer Gegenstand wird in ein Auge gestochen, eine schwangere Protagonistin schneidet sich den Bauch auf und der Kiefer einer der Helden wird ausgekugelt und anschließend mit Bohrer und Schrauber wieder einsatzbereit gemacht. Das ist aber noch nicht alles – natürlich gibt es noch mehr Gewalt zu sehen. Weil im Film bewusst unheimliche Atmosphäre mit schlechter Ausleuchtung bewirkt wird, sieht man viele der Spezialeffekte aber nicht sonderlich detailliert. Hierzulande gibt es wohl dennoch eine ungeschnittene Freigabe für Erwachsene mit rotem FSK-Sticker.
 
 
 


 
 
 

BORNLESS ONES – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Black Drone Media | Uncork’d Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Evil Dead (2013)
 
Cabin of the Dead (2012)
 
ExitUs – Play it Backwards (2015)
 
Tanz der Teufel (1981)
 
Tanz der Teufel 2 (1987)
 
Night of the Demons (1988)


Filmkritik: „Lavender“ (2016)

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LAVENDER

Story

 
 
 
Eine junge Frau glaubt als Kind die eigene Familie ermordet zu haben. Auf der Suche nach Antworten kommt sie einem schaurigen Geheimnis auf die Schliche.

 
 
 


 
 
 

LAVENDER – Kritik

 
 
 
Und weiter geht’s mit Mystery und zwar einer jener Sorte, wie wir ihn von FILMCHECKER auch gern mal als Publikumsblender bezeichnen. Das sind für uns jene Filme, die den Zuschauer an der Nase herumführen und am Ende mit überraschender Auflösung vor den Kopf stoßen, welche man so nie kommen gesehen hat. Ein wahrer Meister dieses Faches ist Regisseur M. NIGHT SHYAMALAN. Der wurde über Nacht durch das Geisterdrama THE SIXTH SENSE berühmt und dreht seither Hollywoodware am Fließband, die sich vor allem durch überraschungsreiche Filmwendungen auszeichnet. Was Shyamalan fast schon fanatisch auf die Spitze treibt, versucht jetzt Filmemacher ED GASS-GONNELLY zu kopieren. Der gebürtige Kanadier lies vor einigen Jahren in DER LETZTE EXORZISMUS 2 Kruzifixe tanzen und treibt im nächsten Streich mit dem Titel LAVENDER nicht Teufel aus, sondern jagt eine vom Leben gezeichnete Frau durch die Psycho-Hölle. Was für ein Sauhund.
 
 
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LAVENDER erzählt die tragischen Erlebnisse eine jungen Mutter (ABBIE CORNISH). Die hat als Kind Furchtbares erlebt. Im Landhaus der Eltern wurde ein grausames Verbrechen verübt bei dem die gesamte Familie der damals zehnjährigen Jane ihr Leben lassen musste. Weil man keine Beweise sichern könnte, fiel der Verdacht auf die einzige Überlebende, die auch Jahrzehnte nach der Tat immer mal wieder von der Vergangenheit eingeholt wird. Doch immer dann, wenn man meint, dass es die Welt nicht gut mit einem meint, kommt es oft noch schlimmer. Bei einem Autounfall verliert Jane das Gedächtnis und muss Erinnerungslücken schließen. Doch fehlende Erinnerungen sind bald das kleinere Übel. Seit dem Vorfall passieren plötzlich seltsame Dinge. Die junge Frau beginnt Dinge zu sehen, die sich offenbar nur vor ihrem Auge abspielen. Zudem führen mysteriöse Geschenke auf eine geheimnisvolle Spur, die Jane zu dem Ort lotsen, an dem vor vielen Jahren das Martyrium der attraktiven Mittdreißigerin begonnen hat. Doch was liegt hier im Argen? Wetten, dass man das simple Rätsel so schnell nicht durchschauen wird?
 
 
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Was für die grauen Zellen: LAVENDER ist ein ruhig und gemächlich erzählter Gruselthriller, der sich weniger der Effekthascherei widmet. Dieser Film beschäftigt sich in erster Linie mit Vergangenheitsbewältigung und lässt seine Heldin einer Spur voller Geheimnisse folgen an deren Ende die Katze aus dem Sack gelassen wird. Protagonistin Jane begibt sich hier auf Zeitreise, durchforstet dabei die eigene Vergangenheit und entschlüsselt ein schreckliches Familiengeheimnis, das sie auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Bis jedoch mysteriöse Ereignisse Sinn ergeben wollen, vergeht viel Zeit. Treiben tief im Unterbewusstsein schlummernde Schuldgefühle die attraktive Jane in den Wahnsinn oder haben sich garstige Familiengeister an die Fersen der jungen Frau geheftet? Bis des Pudels Kern aufgelöst wird, lässt sich Filmemacher ED GASS-GONNELLY einige Optionen offen und spielt gekonnt mit der Erwartungshaltung des Zuschauers. Teils gelingt ihm das ganz gut, denn bald will selbst dem Publikum nicht mehr plausibel erscheinen, was da auf der Mattscheibe nur Einbildung ist und was tatsächlich passiert. Leider ist nicht alles Gold was glänzt. So durchdacht die Auflösung auch sein mag – LAVENDER macht es dem Zuschauer mit dem langsamen Erzählstil nicht gerade leicht. Szenenverläufe wiederholen sich, oft dümpelt die Handlung auf der Stelle und unheilverkündende Gruselatmosphäre bildet die Ausnahme. Irgendwie hat man da in letzter Zeit Runderes zu sehen bekommen. THE HOUSE ON PINE STREET wäre an dieser Stelle zu nennen. Dort fand man grandiosen Spagat zwischen Zuschauermanipulation, Psycho-Horror und Gruselstimmung. Nichtsdestotrotz können Fans seichter Mysterystreifen einen Blick wagen. LAVENDER hat ansprechende Bilder zu bieten und besitzt für Indie-Horror auch noch talentierte Schauspieler – insofern man das nervige Gör im Film mal außer Acht lässt. Vergleicht man den schnell gedrehten und meist wenig kreativen Horror-Schund der letzten Jahre, gehört LAVENDER zweifelsohne zu den besseren Filmen innerhalb des Genres. Einmal gesehen – aber dann auch schon wieder abgehakt.
 
 
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LAVENDER – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Mehr Drama statt Horror. Wenn längst begrabene Ängste plötzlich wieder da sind. LAVENDER ist nichts für hyperaktive Zuschauer und macht es mit seinem langsamen Erzählstil Filmen wie BABADOOK, THE HOUSE ON PINE STREET oder UNDER THE SHADOWS gleich. Wer eine Vorliebe für hektisch geschnittene und blutige umgesetzt Horrorschocker besitzt, hat im Falle von LAVENDER das Nachsehen. Bei diesem Indie-Streifen handelt es sich um einen gemächlich inszenierten und psychologisch angehauchten Gruselfilm, der eine Frau bei der Suche nach der eigenen, vergessenen Vergangenheit begleitet. Sonderlich viel passiert nicht, wobei Höhepunkt mal wieder ein Überraschungstwist ist, der die Filme von Regisseur M. NIGHT SHYAMALAN Revue passieren lässt. Übrigens zeigen sich Parallelen zum Vorgängerfilm von ED GASS-GONNELLY. Der hat in LAVENDER Regie geführt und bereits 2013 Regie im Film DER LETZTE EXORZISMUS 2 geführt. Auch dort musste sich eine Frau mit Erinnerungslücken herumschlagen und wurde anschließend auf schmerzliche Weise von ihrer Vergangenheit eingeholt. Leider sind beides Filme ohne Nachdruck. Dazu fehlt genannten Streifen einfach das Salz in der Suppe, um wirklich Eindruck hinterlassen zu können.
 
 
 


 
 
 

LAVENDER – Zensur

 
 
 
LAVENDER hat – bis auf den Schluss – kaum Grausamkeiten zu bieten. Der Film ist eher psychologischer Natur und dürfte demzufolge hier ohne Probleme mit FSK16 in den Handel kommen.
 
 
 


 
 
 

LAVENDER – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Pacific Northwest Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Der Babadook (2014)
 
The House on Pine Street (2015)
 
Under the Shadows (2016)
 
The Disappointments Room (2016)
 


Filmkritik: „Arbor Demon“ (2016)

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ARBOR DEMON

(ENCLOSURE)

Story

 
 
 
Ehe-Jubiläum mit Folgen: Ein Hochzeitstag endet anders als erwartet, nachdem man bei einem Campingausflug im Wald auf unheimliche Kreaturen stößt.

 
 
 


 
 
 

ARBOR DEMON – Kritik

 
 
 
Ob im Sport, der Musik oder eben auch im Film: Es ist nicht selten, dass Kinder von Berühmtheiten in die Fußstapfen ihrer Eltern treten. Die Gründe dafür können vielfältig sein. Mal ist es, weil sie nichts Anderes kennen oder den Eltern nacheinfern wollen. Manchmal kann es aber auch sein, dass gezeigt werden will, dass der bekannte Name nicht alles ist über das man verfügt, sondern dass auch Talent vorhanden ist. So ähnlich dürfte es auch Schauspielerin FIONA DOURIF ergehen, deren Familienname zumindest in Genre-Kreisen kein unbeschriebenes Blatt ist. Kein Geringerer als Horrorlegende BRAD DOURIF ist nämlich der Vater genannter Dame und dürfte vielen Liebhabern des Phantastischen Films durch Auftritten in Kultfilmen wie ALIEN – DIE WIEDERGEBURT, DUNE oder HERR DER RINGE ein Begriff sein. Weitaus mehr Popularität erhielt der Schauspieler aber mit einer Sprechrolle. Was nämlich nur eingefleischte Horrorfans wissen: Mörderpuppe Chucky wird von BRAD DOURIF gesprochen – und das bereits seit 1988. Dass die Erwartungen an Tochter Fiona demzufolge besonders hoch sein dürften, ist nicht unbegründet. So konnte sich der Nachwuchs bereits durch Hauptrollen in Horrorware wie CURSE OF CHUCKY (da hat der Vater wohl Kontakte spielen lassen) oder FEAR CLINIC einen Namen machen. Mit guter Rollenauswahl und ausreichend Fleiß könnte FIONA DOURIF so gleichen Weg einschlagen, wie die nicht minder bekannte DANIELLE HARRIS. Letztgenannte genießt durch unzählige Auftritte in Horrorfilmen den Ruf einer waschechten Scream Queen und hat sich Jahre nach HALLOWEEN 4 zur beliebten Horrorikone gemausert, die sich gern mal in günstig gedrehten Schockern blicken lässt.
 
 
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Nächste Ausfahrt: Horrorfilm. Auch ARBOR DEMON (der anfangs noch ENCLOSURE hieß) ist selbstverständlichen im düsteren Genre beheimatet und dürfte dem Bekanntheitsgrad von FIONA DOURIF zugutekommen. Darin schlägt Mutter Natur mal wieder erbarmungslos zu – subtile Umweltbotschaft gibt’s gratis obendrauf. Ausgedacht hat sich den geradlinigen, aber dennoch kritischen Wald-Horror Regisseur PATRICK REA. Der wirbelte die Horrorszene vor einigen Jahren mit dem Low-Budget-Grusler NAILBITER auf, war aber danach wieder in der Versenkung verschwunden. Mit ARBOR DEMON versucht er wieder für Gesprächsstoff zu sorgen und präsentiert klaustrophobischen Zelt-Schauer mit außergewöhnlichem Kreaturen-Design, das man so schon lange nicht mehr im Horrorfilm zu sehen bekommen hat.
 
 
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Eigentlich wollten Ex-Rettungssanitäter Charles (KEVIN RYAN) und Frau Dana nur den zweijährigen Hochzeitstag beim gemütlichen Camping im Wald feiern. Doch im Horrorfilm kommt meist immer als anders. Dana (FIONA DOURIF) ist nämlich schwanger und traut sich nicht dem Gatten davon zu berichten, weil man eines dieser Pärchen ist, das nicht so gut mit Kindern kann. Umso erschütternder, was den Liebenden widerfahren wird. Sie geraten in einen Strudel von Umständen, der die Beziehung auf eine harte Probe stellt. Erst sind es lokale Jäger, die von Etwas angefallen und in Stücke gerissen werden. Später nehmen die beiden einen der Überlebenden (JAKE BUSEY aus MOST LIKELY TO DIE und THE DEVIL’S DOZEN) auf, welcher im Zelt von unheimlichen Legenden berichtet, die ihm von der Großmutter erzählt wurden. Schnell wird klar, dass die Geschichten Wahrheitsgehalt besitzen. Was draußen im Wald seine Kreise zieht, haust seit Jahrhunderten im Verborgenen und wurde zuvor von noch keinem Menschen gesehen. Nur warum tötet es ahnungslosen Spaziergänger, die in der Natur Erholung suchen? Die Antwort darauf lässt nicht lange auf sich warten, denn Dana trägt etwas in sich, was den geheimnisvollen Kreaturen des Waldes lieb und teuer ist.
 
 
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Die Idee zum Film kam Regisseur PATRICK REA selbst bei einem Campingausflug mit der Frau. Kaum am Lake Perry – einem See in der Nähe der Stadt Lawrence in Kansas – angekommen, beobachtete das Paar in den frühen Morgenstunden eine Auseinandersetzung zwischen zwei Campern. Als sich einer der beiden Streithähne wutentbrannt auf sein Quad schwang und beinahe das Zelt der Turteltauben streifte, rastete das Paar aus. Um sich den Ausflug nicht madig zu machen, scherzte Rea, dass es doch lustig wäre, wenn als Strafe etwas aus dem Wald kommen und die Übeltäter bestrafen würde, damit man wieder in Ruhe schlafen könne. Als man Jahre später das Drehbuch zu ARBOR DEMON verfasste, war Reas Frau schwanger. Ein Umstand, der mit in die Geschichte eingeflochten wurde und für zusätzliche Spannungen sorgen soll. Apropos Spannung: Diesbezüglich hat genannter Waldkreaturen-Horror erhebliche Startschwierigkeiten. Der Film beginnt mit gängigem Muster, lässt Camper unheimliche Geräusche hören und zeigt mysteriöse Schatten auf Fotos, die Fotografin Dana mit der Spiegelreflexkamera geschossen hat. Die vorhersehbaren Verläufe sind keine Spannungsgaranten. Trotzdem schafft ARBOR DEMON in der letzten halben Stunde die Kurve. Erst nach und nach bekommt der Zuschauer zu sehen, was sich im Gebüsch vor neugierigen Blicken versteckt. Zeigen sich die Filmbösewichte dann endlich in voller Pracht, überrascht der Einfalls- und Detailreichtum der Maskenbilder. Die verdienen Lob, denn gerade der obskuren Kostüme wegen bleibt ARBOR DEMON in Erinnerung. Trotzdem ist auch dieser Horrorfilm – trotz FIONA DOURIF als Hauptdarstellerin – kein Geheimtipp. Sieht man vom Kreaturen-Design ab, ist auch dieser Streifen auch nur ein weiterer der Sorte: Menschen werden im Wald vom Bösen verfolgt und müssen dabei ums Überleben bangen. Ob da nun Bären, Hexen, Bigfoot oder Waldwesen nach dem Leben trachten, ist letztendlich Jacke wie Hose. Handlungsverläufe fernab der üblichen Pfade hätten im Falle ARBOR DEMON vermutlich Wunder bewirken können. So ist es leider nur aufgewärmter Kaffee.
 
 


 
 
 

ARBOR DEMON – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Mutter Natur gibt – Mutter Natur nimmt. Klaustrophobischer Zelt-Horror mit einzigartigem Kreaturen-Design und subtiler Ökobotschaft. Aus ARBOR DEMON (Alternativtitel: ENCLOSURE) hätte ein wirklich sehenswerter Horrorfilm werden können, wenn man Mut zum Unkonventionellen bewiesen hätte. Die Filmbösewichte sind Bombe und zeugen von Einfallsreichtum. Leider trifft das aber nicht auf die Handlung zu. Die klaut schamlos bei Filmen wie BLAIR WITCH PROJECT, WILLOW CREEK und Konsorten. Zu sehen gibt es besorgte Protagonisten, die sich im Schutze eines Zeltes vor etwas Bösem in Sicherheit bringen müssen. Drinnen wird nicht nur vor dem da draußen gebibbert. Auch private Konflikte sorgen zusätzlich im Zelt für Spannung. ARBOR DEMON ist kein großer Wurf. Die Geschichte passt auf einen Bierdeckel, hat aber immerhin talentierte Schauspieler zu bieten, die man in vielen B-Movies oft vergebens sucht. Die retten, was zu retten ist und machen aus ARBOR DEMON zuminest solide Genre-Unterhaltung für verregnete Sonntage. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
 
 
 


 
 
 

ARBOR DEMON – Zensur

 
 
 
ARBOR DEMON hat nicht viel Brutalität zu bieten. Einen Knochenbruch gibt es zu sehen und wie einem Protagonisten mit einer Waffe ins Beim geschossen wird. Weiterhin fällt einer der Charaktere mit dem Schädel gegen ein Hirschgeweih und ein Genick wird ebenfalls gebrochen. Das alles reicht für eine umgeschnittene FSK16.
 
 
 


 
 
 

ARBOR DEMON – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Gravitas Ventures | Producer Capital Fund)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Feed the Gods (2013)
 
Willow Creek (2013)
 
The Jungle (2013)
 
The Monster (2016)


Filmkritik: „Eloise“ (2017)

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ELOISE

(THE HAUNTING OF ELOISE)

Story

 
 
 
Wegen einer Sterbeurkunde verirren sich vier Freunde in eine verlassene Irrenanstalt. Selbstverständlich spukt es darin.

 
 
 


 
 
 

ELOISE – Kritik

 
 
 
Immer mal wieder in Horrorfilmen zu sehen: Verlassene Kranken- oder schaurige Irrenhäuser. Letztere ziehen vor allem im Grusel-Genre ihren Reiz daraus, dass dort nicht selten unethische Experimente an ahnungslosen Probanden vorgenommen werden, die in der Regel zum Tod der Patienten führen. Was folgt, kennen gruselerprobte Zuschauer aus dem FF. Kaum stehen genannte Gemäuer leer, manifestiert sich darin das Böse. Da ziehen jene durch Gänge und Flure, die dort grausam ihr Leben lassen mussten und wollen denen an den Kragen, die die Gebäude aus Neugierde erkunden möchten. Auch für den Spukstreifen ELOISE trifft ebensolches Gruselmuster zu. Dahinter verbirgt sich mal wieder einer dieser Horrorfilme, dem ein realer Background zugrunde liegt. Die psychiatrische Anstalt im Film namens „Eloise“ gibt es wirklich und befindet sich im amerikanischen Michigan. Im Jahr 1982 wurde die riesige Gebäudeanlage (die sogar über eine eigene Polizeistation, Bäckerei und ein Postamt verfügte) geschlossen. Seither ranken viele Legenden und Schauergeschichten um den stillgelegten Klinik-Komplex, die geradezu prädestiniert dafür sind, daraus was Unheimliches fürs Kino zu drehen.
 
 
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Was man für Geld nicht alles tut. Im Film ELOISE erlebt der smarte Jacob Martin (CHACE CRWAFORD) ein Wechselbad der Gefühle. Dessen Vater hat sich mit einem Rasiermesser die Kehle aufgeschnitten, was der Mittzwanziger relativ gefasst aufnimmt. Der Grund dafür offenbart sich recht schnell. Der Vater hat dem Sohn nämlich ein stattliches Erbe vermacht mit dem es sich gut leben lässt. Leider hat die Sache nur einen Haken. Um an das Erbe zu kommen, benötigt der Frauenschwarm den Totenschein seiner verstorbenen Tante, von der er nicht einmal wusste, dass es sie gab. Um den jedoch erhalten zu können, muss er den Behördenweg gehen und die Dokumente beantragen. Weil aber Behördenmühlen bekanntermaßen langsam mahlen, will man sich die Papiere auf schnellerem Wege besorgen. Jacob bricht mit seinen Kumpels einfach in jene Anstalt ein, in der die Tante zu Lebzeiten behandelt wurde. Keine gute Idee, denn dort geht es nicht mit rechten Dingen zu. Leider kommen Ratschläge zu spät. Kaum in die Nervenheilanstalt eingebrochen, erwachen die Seelen jener aus dem Tiefschlaf, die innerhalb der Anstaltsmauern bei einem verheerenden Brand ums Leben gekommen sind. Ein extravaganter Plot – wie wir meinen – den man so vermutlich noch nie zu sehen bekommen hat.
 
 
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Auch Filmemacher müssen mutig sein. Um den Film möglichst gruselig erscheinen zu lassen, drehte man am Originalschauplatz. Die Dreharbeiten zu ELOISE erfolgten in genau jener psychiatrischen Heilanstalt im amerikanischen Michigan, die einst mit über 78 Gebäuden zu den größten psychiatrischen Einrichtungen der Welt gehörte. Das lässt die Geschehnisse gespenstiger erscheinen, gerade auch deshalb, weil echte Grundmauern dann doch authentischer wirken als bemalte Kulissen aus Gips und Pappe. Trotz gut gemeinter Absichten, ist ELOISE aber kein Gruselkracher geworden. Was nützen atmosphärische Kulissen, wenn man Gebotenes vorausahnen kann. Der Film ist nicht sonderlich originell und spult hastig ab, was man schon in Filmen wie HAUNTED HILL, GRAVE ENCOUNTERS, SESSION 9 oder HOUSE OF DUST zu sehen bekommen hat. Das bedeutet, dass sich die Freunde plötzlich mit der Vergangenheit der Anstalt auseinandersetzen müssen und ins Amerika der 1970er Jahre katapultiert werden. In einer Art Geister-Parallelwelt treffen sie auf Terminator 2-Bösewicht ROBERT PATRICK, der auch hier wieder als Unruhestifter unterwegs ist. Im Namen der Medizin konfrontiert er Insassen mit den eigenen Ängsten und macht dabei nicht vor Folterei halt. Weil fürs Operieren stets frisches Material benötigt wird, müssen die ungebetenen Einbrecher dran glauben. Einige von denen landen auf dem Untersuchungstisch des Herrn Professor, der auch als Geist weiß wie man das Skalpell blutige schwingen muss.
 
 
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Hilfe hier spukt’s – und das nicht gerade einfallsreich. ELOISE ist typisch amerikanisches Gruselfutter mit schönen Menschen, Hochglanzoptik und überschaubarer Handlung, die übrigens kaum Schockmomenten parat hält. Stattdessen werden Unglaubwürdigkeiten und Logiklücken aufgetischt. Nun gut, mag so mancher meinen – im Horrorfilm ist das die Regel. Dennoch sollte eine gewisse Grundglaubwürdigkeit vorhanden sein, um Filme überhaupt ernst nehmen zu können. So finden die Protagonisten von ELOISE allerhand haarsträubendes Zeug in einer verlassenen Psychiatrie, das da eigentlich nicht hingehören sollte. Schränke mit Patientenakten sind für jedermann zugänglich, Folterfotos von Insassen schmücken Wände und Strom scheint über 30 Jahre nach Anstaltsschließung immer noch aktiv zu sein. Das mutet mehr als seltsam, vor allem auch deshalb, weil der gesamten Gebäudekomplex vom Gesetzeshüter mit Klebeband abgesperrt wurde. Hat man hier nach Polizeiuntersuchungen aus Bequemlichkeit nicht aufräumen wollen? Nur Korrekturlesen kann helfen. Zumindest hätte man dann die offensichtlichsten Filmfehler aus dem Drehbuch radieren können. So läuft die Filmfehlersuche der Gruselei den Rang ab und macht ELOISE zum unfreiwilligen Lacher. Shit happens machmal.
 
 
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ELOISE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Nett gefilmter Geisterfilm mit schönen Menschen, vielen Geheimnissen sowie allerhand Filmfehlern und Logiklücken. ELOISE muss man nicht gesehen haben, denn geboten wird nichts Neues. ROBERTO LEGATO hat den überraschungsarmen Gruselstreifen inszeniert. Bisher konnte der sich als Spezialist für visuelle Effekte bei Filmen wie AVATAR, SHUTTER ISLAND und HUGO CABRET einen Namen machen. Visuelle Effekte sind zwar in ELOISE nur selten zu sehen – dafür hinterlässt der Streifen visuell aber einen guten Eindruck. Die Kulisse ist stimmungsvoll, die Kameraarbeit passt und nach 45 Minuten wird auch das Tempo straffer. Nennenswerte Höhepunkte gibt es kaum. Dafür überrascht ein Kurzauftritt von ROBERT PATRICK. Als Gruselsnack für Zwischendurch eignet sich ELOISE perfekt. Nachdruck hinterlässt der Film aber keineswegs. Sobald der Abspann über die Mattscheibe flimmert, hat man Gesehenes schon wieder vergessen. Das zeichnet keinen guten Horrorfilm aus.
 
 
 


 
 
 

ELOISE – Zensur

 
 
 
ELOISE ist Gruselkino wie man es kennt. Das bedeutet in der Regel, dass von schaufreudigen Gemetzel kaum etwas zu sehen ist. In diesen Filmen geht es eher subtil und zurückhaltend zu, was auch für ELOISE zutrifft. Eine Spritze wird mehrmals in den Arm einer Insassin gerammt und eine Behandlung mit Stromschlägen gibt es auch zu sehen. Weitaus ungemütlicher: Wie ein Gegenstand in ein Auge gehämmert wird. Hierzulande wird es dafür eine FSK16 geben. In Deutschland liegen die Rechte bei UNIVERSUM FILM. Der Anbieter wird den Gruselstreifen im Frühjahr 2017 ins Heimkino bringen.
 
 
 


 
 
 

ELOISE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Universum Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Haunted Hill (1999)
 
Haunted Hill – Die Rückkehr in das Haus des Schreckens (2007)
 
House of Dust (2013)


Filmkritik: „The Axe Murders of Villisca“ (2016)

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THE AXE MURDERS OF VILLISCA

Story

 
 
 
In einem Spukhaus werden drei Teenager mit der eigenen Vergangenheit und der des Hauses konfrontiert.

 
 
 


 
 
 

THE AXE MURDERS OF VILLISCA – Kritik

 
 
 
Und schon wieder ein Spukhausfilm. Diesmal handelt es sich aber um einen der besseren Vertreter seiner Art, was in Zeiten schnell gedrehter B-Movie-Gurken zwingend Erwähnung finden sollte. Seit so gotischer Grusel-Horror wie BIS DAS BLUT GEFRIERT oder DIE VERFLUCHTEN im Kino für Schrecken sorgten, hat sich das Genre der Haunted-House-Schocker zum lukrativen Geschäft entwickelt. Warum das so ist, lässt sich schnell erklären. Trotz Unbehagen und Schauer geht von den mysteriösen Gemäuern eine gewisse Faszination aus, der sich so schnell niemand entziehen kann. Das war früher schon so und ist auch heute nicht anders. Dennoch hat sich in jüngster Vergangenheit einiges verändert. Geschichten über gruselige Anwesen allein reichen nicht mehr aus. In einer Zeit wie der heutigen muss Kopfkino visualisiert und möglichst reißerisch auf die Leinwand gebracht werden. Dabei üben vor allem jene Gruselfilme besonderen Reiz auf den Zuschauer aus, wenn die Geschichten dahinter auf tatsächlichen Gegebenheiten beruhen. Das dürfte wohl auch den Erfolg der unzähligen Amityville-Filme erklären, die seit den 1970ern offensichtlich am Fließband produziert werden. Der Erfolg ist nicht unbegründet, gehört die wirklich in Amerika stehende Bretterbude zu den bekanntesten Spukhäusern der Welt, welche sich gerade wegen ihrer schaurigen Geschichte zu einem regelrechten Wallfahrtsort unter Horrorfans entwickelt hat.
 
 
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Nicht minder schaurig, aber dafür umso weniger bekannt: Das Axtmörder-Haus in Villisca/Iowa. Auch darin geschahen schreckliche Dinge, die bis heute nicht rekonstruiert werden konnten. Am Morgens des 10. Juni 1912 soll sich darin Furchtbares ereignet haben. Acht Menschen wurden im Haus mit einer Axt erschlagen – alle Fenster und Spiegel waren mit Tüchern und Decken bedeckt. Trotz akribischer Polizeiarbeit und vieler Recherchen konnten weder Täter oder Erklärungen gefunden werden. Doch offene Fragen sind nicht das eigentliche Mysterium. Weitaus markerschütternder sind die Dinge, die sich nach der Tat ereignet haben sollen. Laut Augenzeugenberichten lebt im Haus das Böse. Neue Hauseigentümer sprachen sogar von Spuk, weshalb das berüchtigte Anwesen mehrfach von Parapsychologen untersucht werden musste. Das sind Geschichten aus denen man Gruselfilme machen kann. Eine einleuchtende Tatsache, die sich wohl auch Regisseur TONY E. VALENZUELA zu Herzen nahm und daraus etwas Gruselfutter fürs Heimkino fabrizierte. Die tatsächlichen Ereignisse von 1912 mussten dafür nur als Alibifunktion herhalten, der Rest ist fiktiv. Egal, Hauptsache Gänsehaut!
 
 
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THE AXE MURDERS OF VILLISCA rückt drei Teenager in den Mittelpunkt. Die haben schon einiges im Leben erdulden müssen, was sie zu Außenseitern an der Schule macht. Vor allem für den attraktiven Caleb (ROBERT ADAMSON) soll damit jetzt Schluss sein. Der will die High School beenden und den Heimatort verlassen, um die Vergangenheit hinter sich lassen zu können. Bevor das neue Leben jedoch beginnen kann, soll der eigene Youtube-Kanal mit Futter versorgt werden. Caleb tourt nämlich mit Kumpel Denny durch die Gegend, um als Geisterjäger paranormalen Ereignissen mit der Kamera auf den Grund zu gehen. Die von allen gemobbte Jess (ALEX FRNKA) schließt sich den Freunden an. Gemeinsam hat man einen Rundgang durch das berüchtigte Axtmörderhaus von Villisca gebucht. Doch eine kurze Begehung reicht nicht aus. Die drei brechen am Abend in das Geisterhaus ein, um Spukmaterial auf Film bannen zu können. Was sie aber erleben ist die Lektion ihres Lebens. Einbruch ist eben kein Kavaliersdelikt.
 
 
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Wer bricht denn nachts freiwillig in Spukhäuser ein? Das können eigentlich nur dumme Teenager sein. In der Tat, sonderlich originell ist THE AXE MURDERS OF VILLISCA keineswegs. Trotzdem wachsen die an der Schule schikanierten (attraktiven) Hauptdarsteller schnell ans Herz. Das liegt wohl hauptsächlich daran, weil dieser Horrorthriller dann doch sehr konventionell gestrickt und fürs junge Publikum gefertigt wurde. THE AXE MURDERS OF VILLISCA beginnt mit dem üblichen Charakteraufbau, stellt seine Protagonisten vor und bringt sie wenig später in Gefahr. Dazu gesellen sich Spuk, Geister und Besessenheit, damit im tobenden Finale die Spezialeffekte aus der Gruselkrabbelkiste gekramt werden können. Klingt einfallslos – ist aber kurzweilig, weil der Streifen mit nicht mal 80 Minuten kaum Leerlauf und auch noch gute Jungdarsteller zu bieten hat. Leider sollte man aber keinen nächsten CONJURING oder AMITYVILLE HORROR erwarten. THE AXE MURDERS OF VILLISCA erweckt den Anschein von TV-Unterhaltung, die man seit einigen Jahren des Öfteren auf den privaten Sendern zu sehen bekommt. Ganz abwegig ist die Vermutung allerdings nicht. Regisseur TONY E. VALENZUELA hat nämlich zuvor reichliche Stoff fürs amerikanische TV gemacht – darunter Serien und Filme. Ebenso fernseherfahren: Die wenigen Darsteller im Film. Einige von denen hat man schon in Folgen von BONES, DEXTER und NAVY CIS gesehen.
 
 


 
 
 

THE AXE MURDERS OF VILLISCA – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Spuk und Geister gehen immer. Dieser Gruselschocker macht AMITYVILLE HORROR Konkurrenz. Der Grundplot zu THE AXE MURDERS OF VILLISCA beruht auf einem historischen Kriminalfall von 1912 und entpuppt sich unterm Strich als solide Horror-Unterhaltung, die an Fernsehfilme auf Sendern wie LIFETIME oder CHILLER erinnert. Das lässt schlimmes erahnen, ist aber unterm Strich ganz in Ordnung, weil Fernsehware mittlerweile immer öfter höheren Produktionsstandart besitzt, als so mancher Kinofilm. Trotz überraschungsarmer Handlung liefert Regisseur TONY E. VALENZUELA leichte Gruselunterhaltung ab, die ganz kurzweilig geraten ist. Schockmomente sind vorhanden, die Atmosphäre passt und die (TV-erfahrenen) Schauspieler können auch was. Fans von modernen Spukhausfilmen werden nicht enttäuscht werden. Wer beliebte Klassiker zum Vergleich heranzieht, dürfte definitiv Gänsehaut bekommen. In diesem Falle aber eher der Bedeutungslosigkeit wegen.
 
 
 


 
 
 

THE AXE MURDERS OF VILLISCA – Zensur

 
 
 
Es gibt ein paar Messerstiche zu sehen. Mit einer Axt wird zudem auf Menschen eingeschlagen. Wer hier aber Blut erwartet, wird enttäuscht werden. Die Kamera blendet nämlich weg. Sollte THE AXE MURDERS OF VILLISCA in Deutschland veröffentlicht werden, dürfte der Streifen eine FSK16 erhalten. Gruselfutter fürs junge Mainstream-Publikum.
 
 
 


 
 
 

THE AXE MURDERS OF VILLISCA – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Ketchum Labs | IFC Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
We Are Still Here (2015)

Demonic (2015)

Das Grauen (1980)

The Conjuring (2013)

Amityville Horror (1979)

Amityville Horror – Eine wahre Geschichte (2005)


Filmkritik: „The Snare“ (2017)

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THE SNARE

Story

 
 
 
Drei Freunde wollen es sich einige Tage in einem leerstehenden Gebäudekomplex gemütlich machen. Leider muss man sich bald eingestehen, dass man dort eingeschlossen ist und der Magen knurrt.

 
 
 


 
 
 

THE SNARE – Kritik

 
 
 
Skrupelloser und heimtückischer als jeder Geist, Dämon oder Zombie ist der Mensch selbst. Das wird vor allem dann besonders deutlich, wenn er sich in Extremsituationen befindet und der egoistische Überlebenswille Anstand und Moral vergessen macht. So haben sich schon einige Filmemacher mit menschlichen Urinstinkten beschäftigt, die das Tier im Menschen geweckt haben. Die Folgen waren nicht immer schön anzuschauen, denn wenn es um Leben und Tod geht, ist in den meisten Fällen kaum mehr Zeit für Menschlichkeit. Ganz ähnlich passiert das auch im folgenden Film. Eine verzwickte Situation erweckt hier den Drang zum Überleben. Fernab von Kitsch und Klischees wird in THE SNARE die ungeschönte Wahrheit präsentiert. Der Mensch ist keineswegs kompromissbereit und nächstenliebend, sondern ichbezogen und rücksichtslos. Eine brisante Botschaft, die von Regisseur C.A.COOPER nicht minder kontrovers fürs Heimkino aufbereitet wurde. Der steigt hier in die Fußstapfen von Filmen wie HUNGER oder THE HOLE in denen erschütternd vor Augen geführt wurde, zu was man doch fähig sein kann, wenn man überleben will. Entstanden ist recht deftiger Tobak, der aber trotzdem nur bedingt überzeugen kann. Trotz diskussionswürdiger Grundlage, macht mal wieder ein Twist alles zunichte. Der drängt THE SNARE in eine andere Richtung und verwirrt den Zuschauer unnötig. Leider kommt das im Horrorgenre mittlerweile zu häufig vor. Im Falle dieses Psychothrillers dürften gut gemeinte Absichten dann doch eher für verärgerte Gesichter sorgen – irgendwie funktioniert die Überraschungswendung nicht so recht. Manchmal ist eben weniger mehr.
 
 
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Im deprimierenden Kammerstück THE SNARE verschlägt es die drei Mittdreißiger Alice, Carl und Lizzy in einen verlassenen Apartmentkomplex irgendwo am Hintern der Welt. Die Schlüssel hat Lizzy dem Vater stibitzt. Nun will man in einer Wohnung im oberen Stock des Hauses ein paar nette Tage verbringen. Leider bekommt der Zuschauer bald mit, dass die introvertierte Alice nicht alle Latten am Zaun hat. Sie wird von Tagträumen, Visionen und Albträumen gequält und schreibt sich die Angst im Tagebuch von der Seele. Doch die traumatisierte Psyche der gequälten Protagonistin rückt bald in den Hintergrund. Kaum hat es sich das Trio in der verlassenen Wohnung gemütlich gemacht, passiert das Unfassbare. Der Fahrstuhl funktioniert nicht mehr und die Freunde sitzen fest. Es gibt keine Möglichkeit mehr, die Wohnung zu verlassen. Zudem funktionieren die Telefone nicht. Eine erschreckende Einsicht, die bald schaurige Ausmaße erreicht. Das Essen wird nämlich knapp und auch Wasser kommt nicht mehr aus der Leitung. Psychische Strapazen, die aus Freunden bald Gegner macht. Ob die Drei einen Weg aus dem Gefängnis finden werden?
 
 
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Wer sich vom Poster blenden lässt, wird enttäuscht. THE SNARE ist kein Geister- oder Okkult-Horror, wie es das Plakat zum Film suggeriert. Hinter dem Streifen steckt mehr Psychothriller und Drama, als waschechter Horror. Das Grauen ist hier psychologischer Natur, macht aber nicht vor ungemütlicher Bilderflut halt. Regisseur C.A.COOPER beschreibt im ersten Langfilm das psychische Martyrium einer vom Vater missbrauchten Frau, die ihrem seelischen Gefängnis zu entkommen versucht. Leider sorgt die Flucht für Komplikationen, denn kaum der einen Hölle entkommen, verirrt sie sich gleich in der nächsten. THE SNARE ist nicht leicht zu durchschauen. Passiert das hier alles im Kopf der ohnehin traumatisierten Filmheldin Alice, verfällt die Filmheldin im psychischen Inferno dem Wahnsinn oder sind hier wirklich drei Menschen in einem Apartment eingeschlossen und gehen sich hier wegen Hunger und Psycho-Stress gegenseitig an die Gurgel. Sonderlich aufschlussreich ist die Handlung von THE SNARE nicht und wirklich plausible Antworten gibt Filmemacher C.A.COOPER nicht. Das hat selbst uns alte Filmhasen gefordert, was nicht gerade für den Film spricht. THE SNARE ist schwer zu entschlüsseln und strotzt nur so vor Metaphern und Zweideutigkeiten. Demzufolge ist dieser Psycho-Horror nichts fürs anspruchslose Publikum, das sich von plakativen Schocks und handgemachten Ekelhaftigkeiten berieseln lassen möchte. Letztere sind hier nichtsdestoweniger mehr als genug vorhanden. Trotzdem lebt THE SNARE dann doch vorrangig von seiner klaustrophobischen Ausgangssituation und den psychischen Strapazen seiner Hauptdarsteller. Die Ekeleffekte sind da nur schmückendes Beiwerk und sollen die verstörende Stimmung des Films unterstreichen. Vor allem in der zweiten Hälfte gelingt das dem eher gemächlich inszenierten Streifen ganz gut. Trotzdem ist THE SNARE keine Referenz in Sachen Psycho-Horror. Mehrfachinterpretationen verwirren und sollen wohl bei genauerer Betrachtung die vielen Plot-Löcher kaschieren, mit denen der britische Debütstreifen des Öfteren zu kämpfen hat. Dann doch besser noch mal Psychothriller wie DAS EXPERIMENT, DIE HÖHLE oder CUBE in den Player legen. Die protokollieren in schockierendem Ausmaß, wie sich in der platzarmen Enge der Gefangenschaft unterdrückte Ängste, Aggressionen und Begierden ihren Weg bahnen und Menschen zu grauenhaften Taten anstiften.
 
 
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THE SNARE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Um was geht es denn hier eigentlich? Dieser Psycho-Horror ist ein ziemliches Durcheinander, das definitiv nichts für jene ist, die im Film immer plausible Antworten auf dem Silbertablett serviert bekommen möchten. THE SNARE hat gleich ein paar Interpretationsansätze in petto, die aber nicht sonderlich gut funktionieren. Der Film fordert den Zuschauer mit Metaphern und Mehrdeutigkeiten und nimmt zu keiner Zeit richtig Stellung. Da sieht der Zuschauer in den Kopf einer traumatisierten Protagonistin und wird mit verstörenden Visionen konfrontiert. Ein anderes Mal werden Figuren dabei gefilmt, wie sie in Folge von Hunger und Durst unfassbare Dinge tun. Dabei stellt sich stets die Frage, was denn nun real ist und was denn nun dem Kopf der ohnehin bereits psychisch vorgeschädigten Filmheldin entspringt. Als Psychogramm einer traumatisierten Frau funktioniert THE SNARE demnach nicht sonderlich gut. Dazu verwirren Rückblenden, Visionen und Träume unnötig. Sieht man THE SNARE als klaustrophobisches Kammerstück über drei Menschen, die in Folge von Hunger und Durst den Respekt voreinander verlieren, hat der Film durchaus Höhepunkte und Daseinsberechtigung. Weil hier aber Grenzen verschwimmen und der Zuschauer bald selbst keinen Überblick mehr über Geschehnisse im Film hat, dürfte sich dieser Psychothriller mit seiner verworrenen Machart nicht sonderlich viele Freunde machen.
 
 
 


 
 
 

THE SNARE – Zensur

 
 
 
Trotz Psychothriller sind in THE SNARE einige deftige Sachen zu sehen. Vom Vergewaltigen von Frauen, über das Verspeisen von menschlichem Fleisch ist hier allerhand kontroverses Zeug zu sehen, das wohl eine Erwachsenenfreigabe rechtfertigt. Wir vermuten, dass THE SNARE wohl einen roten FSK-Flatschen erhalten wird. Dafür aber in ungeschnittener Form.
 
 
 


 
 
 

THE SNARE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte Film für Grafiken liegen bei Bohemian Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Hunger (2009)
 
The Noonday Witch (2016)
 
Vile – Pain (2011)
 
Die Höhle – Überleben ist ein Instinkt, keine Wahl (2014)


Filmkritik: „Phobia“ (2016)

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PHOBIA

Story

 
 
 
Nach einem traumatischen Erlebnis entwickelt Künstlerin Mehak eine krachende Angststörung und traut sich bald nicht mehr aus dem Haus. Mit fatalen Folgen.

 
 
 


 
 
 

PHOBIA – Kritik

 
 
 
Mit PHOBIA hat es nach der Fortsetzung zum Zombie-Film THE DEAD nun bereits der zweite indische Horror-Thriller auf FILMCHECKER geschafft. Das dürfte bei den meisten Lesern für Skepsis sorgen, weht doch in den meisten Filmen aus Indien ein anderer Wind. Hier wird in der Regel geschmachtet und getanzt. Doch es geht auch anders, wie der nachfolgend besprochene Psycho-Thriller beweist. Statt Dauergesang und Folklore fürs indische Massenpublikum oder trendige Auslandsfans auf Zelluloid festzuhalten, schielt man hier lieber gen Westen und übt ernstes Psychohandwerk aus, von dem sich mancher westliche Filmschaffende eine Scheibe abschneiden könnte. Weit weg von Bollywood, Kitsch und Gloria geht es diesmal nicht um Liebe, Freundschaft, Familienbunde oder den immer währenden Kampf gegen das Böse. PHOBIA versucht es mit Thrill und Suspense, fernab von Klischees. Wer sich drauf einlässt wird entlohnt, denn trotz stolzer Laufzeit von knapp zwei Stunden kann der Streifen etwas ganz gut: Verwirren und Manipulieren. So psychologisch geschickt aufgebaute Angstfilme wie DER BABADOOK oder SENSORIA lassen grüßen.
 
 
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Eine Geschichte über Angst und Wahnsinn. Die muss eine erfolgreiche Künstlerin durchleben und droht daran zu zerbrechen. Mehak (RADHIKA APTE) ist schön, jung und dazu noch talentiert. Doch das wird ihr zum Verhängnis. Als sie nach einer Feier mit dem Taxi nach Hause gefahren wird, passiert das Unfassbare. Der Fahrer vergeht sich an der jungen Frau und hinterlässt tiefe emotionale Narben. Die Vergewaltigung löst bei Mehak eine Art der Agoraphobie aus, die es dem Opfer unmöglich macht aus dem Haus zu gehen. Deshalb zieht sie sich immer mehr in ihre eigene Welt zurück. Vom einstigen Glanz der selbstbewussten Schönheit ist bald kaum noch etwas zu verzeichnen. Gott sei Dank nimmt sich der beste Freund des Problems an. Shaan (SATYADEEP MISHRA) will helfen und bringt die verstörte Frau in die Wohnung eines Bekannten, wo die traumatisierte Mehak lernen soll die Phobie in Griff zu bekommen. Doch kaum dort eingezogen, fangen die Probleme erst richtig an. Seltsame Dinge passieren und ein geheimnisvolles Tagebuch lässt darauf schließen, dass in dieser Wohnung schlimme Ereignisse passiert sein müssen. Spukt es hier etwa? Die Suche nach Antworten wird bald zu Mehaks Lebensinhalt. Leider will niemand der einst erfolgreichen Künstlerin Glauben schenken. Die verfällt immer mehr dem Wahn und ebnet sich damit den Weg in eine persönliche Katastrophe.
 
 
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Wie ein furchtbares Verbrechen das Leben einer jungen Frau verändern kann. PHOBIA bebildert den psychischen Verfall seiner Hauptdarstellerin in schonungsloser Detailfreudigkeit und lässt die mit RADHIKA APTE hervorragend besetzte Sympathieträgerin sprichwörtlich durch die Hölle gehen. Doch damit nicht genug. Auch der Zuschauer wird gefordert und soll ähnliche Qualen durchleben wie die Heldin des Films, die sich bald sicher ist, dass sie nicht mehr Herrin ihrer eigenen Sinne ist. Regisseur PAVAN KIRPLANI macht hierfür von hinterlistigen Taschenspielertricks Gebrauch. Ist die Protagonistin wirklich dem Wahnsinn nahe oder gibt es für all die unerklärbaren Ereignisse doch plausible Erklärungen? Die Antwort darauf wird möglichst lang hinausgezögert und mündet in jenem obligatorischen Überraschungstwist, ohne den im Genrefilm offenbar gar nichts mehr geht. Die Auflösung lässt sich dennoch nicht so einfach durchschauen und macht bei genauerer Untersuchung durchaus Sinn. Bis dahin gibt es ein ganz exzellent verschachteltes Verwirrspiel zu sehen, das geschickt zwischen knallhartem Psychothriller, schaurigem Geister-Film und erschreckendem Psychogramm einer Traumatisierten pendelt. Demzufolge ist PHOBIA für all jene ein gefundenes Fressen, die gern in die Psyche fehlgeleiteter Helden schauen wollen. Der indische Psycho-Horror macht vieles richtig – auch wenn die Idee dahinter wegen vieler ähnliche gestrickter Filme in letzter Zeit (u.a. THE DISAPPOINTMENTS ROOM, DER BABADOOK, THE NOONDAY WITCH) allmählich seinen Reiz verliert. Trotzdem gibt eine überdurchschnittliche Bewertung und die Empfehlung vom FILMCHECKER.
 
 
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PHOBIA – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Wenn die sicheren vier Wände zum Albtraum werden. PHOBIA ist ein psychologisches Verwirrspiel in der Machart von DER BABADOOK, das sich vor der westlichen Konkurrenz nicht verstecken muss. Trotz Produktion aus der Hindi-Filmindustrie sollte man sich nicht blenden lassen. Auch Indien kann ernst und ungemütlich. Hinter PHOBIA steckt ein cleverer und vor allem spannender Psychothriller, der mit seiner hervorragenden Hauptdarstellerin glänzt und in der zweiten Filmhälfte kontinuierlich die Spannungsschraube anzieht. Was belanglos beginnt, steigert sich nahezu minütlich zum Albtraum. Das sahen aber indische Kinogänger nicht ganz so. Den gelungenen Angstmacher wollte dort kaum jemand sehen. Trotzdem wurde PHOBIA von Presse und Kritikern gelobt. Das nahm Regisseur PAVAN KIRPLANI zum Anlass trotzdem eine Fortsetzung zu planen. Für Hauptdarstellerin RADHIKA APTE zumindest war der Dreh eine Erfahrung. Die hatte sich für die Dreharbeiten gut vorbereitet und mit Ärzten und Betroffenen gesprochen, um den geistigen und biologischen Aspekt einer Phobie besser verstehen zu können. Geholfen hat die Weiterbildung allemal. Ihre Leistungen im Film sind beachtlich und sollten demzufolge auch lobend hervorgehoben werden.
 
 
 


 
 
 

PHOBIA – Zensur

 
 
 
PHOBIA hat kaum Schauwerte zu bieten, da der Film eher auf Psycho und Suspense aus ist. Ein Finger wird abgeschnitten, ein Messer dringt in Körper ein und mysteriöse Visionen machen der Hauptdarstellerin das Leben schwer. Sollte PHOBIA in Deutschland veröffentlicht werden, dürfte eine FSK16 sicher sein.
 
 
 


 
 
 

PHOBIA – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte Film für Grafiken liegen bei Next Gen Films | Eros International)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Der Babadook (2014)
 
Kaun? (1999)
 
The Noonday Witch (20156
 
The House on Pine Street (2015)
 
Darling (2015)
 


Filmkritik: „The Autopsy of Jane Doe“ (2016)

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THE AUTOPSY OF JANE DOE

Story

 
 
 
Der Körper der toten Jane Doe (so wie nicht identifizierte Personen in den USA genannt werden) stellt Pathologe Tommy Tilden (BRIAN COX aus MINDSCAPE) und dessen Sohn Austin Tilden (EMILE HIRSCH) vor große Herausforderungen. Die sollen die Todesursache finden und bekommen es dabei schnell mit der Angst zu tun.

 
 
 


 
 
 

THE AUTOPSY OF JANE DOE – Kritik

 
 
 
Keine Lust mehr auf schlechte Horrorfilme, die Lebenszeit rauben und die Laune verderben? Das Jahr 2016 hat sich im Angstkino nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Viele miserable Horrorfilme haben das Licht des Zelluloidhimmels erblickt, die den Zuschauer in der Regel mit Langeweile und schlechten Effekten gestraft haben. Offenbar hat das der Regisseur ANDRÉ ØVREDAL erkannt. Der brachte im Jahr 2010 mit TROLLHUNTER eine originelle Mockumentary in die Kinos und hinterließ wegen spektakulärer Effekte selbst in Hollywood Eindruck. Den hinterlässt der Norweger nun auch sechs Jahre nach seiner beeindruckenden Trolljagd. Statt Fabelwesen und Wackelkamera geht es der Filmemacher diesmal subtiler an. In THE AUTOPSY OF JANE DOE möchte er den Zuschauer das Fürchten lehren und ist darin wirklich gut. Selten hat man solch knisternde Hochspannung im Horrorfilm ertragen müssen. Deshalb erscheint es auch nicht übertrieben, wenn man behauptet, dass THE AUTOPSY OF JANE DOE zum Besten gehört, was 2016 im Kino zu bieten hatte.
 
 
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Der Mystery-Horror THE AUTOPSY OF JANE DOE ist nichts für die Splatter- und Gewaltfraktion. Darin findet die Polizei in einem Haus Erschütterndes. Übel verstümmelten Leichen lassen auf einen Mehrfachmord schließen. Doch im Keller stößt man auf weitaus Schlimmeres. Dort ziehen die Beamten den Körper einer mysteriösen Schönheit aus einer Grube, den zuvor wohl jemand im Boden vergraben wollte. Zwei Pathologen sollen den unversehrten Körper untersuchen und die Todesursache bestimmen. Leider stellen sich die Untersuchungen als großes Problem heraus, denn offenbar stimmt etwas mit dem Leichnam nicht. Hand- und Fußgelenke sind gebrochen. Auch die Zunge fehlt. Zudem findet man im Magen der Toten ein Tuch mit mysteriösen Schriftzeichen. Was anfänglich wie ein Mord an einer Frau ausschaut, die von Menschenhändlern zum Sex gezwungen wurde, entwickelt sich bald zum Mysterium. Je weiter die Männer in den Körper der geheimnisvollen Schönheit vordringen, desto mehr Fragen fallen auf. Was musste diese Frau ertragen? Antworten, die schon bald das Leben der beiden Pathologen in Gefahr bringen wird, weil sich plötzlich seltsame Dinge ereignen.
 
 
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Wenn ein lebloser Körper auf dem Seziertisch liegt. Das weckt Erinnerungen an einen ähnlichen Streifen. Unter dem Titel DIE LEICHE DER ANNA FRITZ wurde bereits 2016 ein spanischer Psychothriller in die Läden gebracht, der sich einer ähnlichen Ausgangssituation bediente. Auch in diesem Streifen stieß man auf die Leiche einer mysteriösen Schönheit, der wenig später für Chaos sorgte. Während sich dort jedoch drei Freunde am toten Körper einer bekannten Schauspielerin vergingen und sich aus Angst vor Konsequenz gegenseitig an die Gurgel sprangen, überzeugt THE AUTOPSY OF JANE DOE durch weniger kontroversen Inhalt. Dieser Streifen verfolgt andere Intensionen. Der Gruselthriller will Angst einjagen und ist zu aller Überraschung damit auch noch äußerst erfolgreich. Hier geht es im wahrsten Sinne des Wortes übernatürlich zu. Was anfänglich wie eine normales Leichensezierung beginnt, entwickelt sich im späteren Verlauf für die beiden Hauptprotagonisten zum nicht enden wollenden Albtraum. Dabei orientiert sich THE AUTOPSY OF JANE DOE beim Aufbau am klassischen Horror. Das bedeutet, dass sich Regisseur ANDRÉ ØVREDAL weniger den lauten Schocks und Jump Scares widmet. Stattdessen spielt er virtuos mit Licht und Schatten. Eine unheilverkündende Geräuschkulisse tut ihr Übriges.
 
 
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Der Hauptfokus in THE AUTOPSY OF JANE DOE liegt aber nicht ausschließlich auf Angst und Grusel. Ein stetig steigender Spannungsbogen ist hier die eigentliche Geheimzutat, denn Regisseur ANDRÉ ØVREDAL hält lang geheim, was es denn nun eigentlich mit dem makellosen Frauenkörper auf sich hat. Erst nach und nach kommen die beiden Pathologen hinter das Mysterium und entschlüsseln dabei ein Rätsel, das eiskalt das Blut in den Adern gefrieren lässt. Mehr über den packenden Plot zu verraten, wäre unfair all jenen gegenüber, die sich endlich mal wieder im (Heim)Kino vor Angst in die Hosen machen wollen. THE AUTOPSY OF JANE DOE schafft das ohne Weiteres. Da kann man nur ehrfürchtig seinen Hut ziehen, denn THE AUTOPSY OF JANE DOE ist definitiv einer der besten Horrorfilme der letzten Jahre. Chapeau!
 
 
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THE AUTOPSY OF JANE DOE – Fazit

 
 
 
10 Punkte Final
 
 
 
Eine schaurige Glanzleistung! Ohne Zweifel der beste Horrorfilm aus dem Jahr 2016. Europa zeigt Hollywood einmal mehr eindrucksvoll, wie man anständige Gruselstreifen inszeniert. Statt Gewalt und ausgeklügelte Spezialeffekte aus dem Computer, reichen in der Regel Licht und Schatten aus, um möglichst effektives Grauen heraufbeschwören zu können. Zudem sind nach wie vor gute und vor allem neue Ideen die Quintessenz für sehenswerte Horrorfilme, denn niemand möchte stets recycelten Blödsinn vor die Linse bekommen, den man schon in zig anderen Filmen zu sehen bekommen hat. Der britische Mystery-Horror THE AUTOPSY OF JANE DOE zeigt allen wie es geht. Spannung ist alles und die kommt eben nur dann zustande, wenn man sein Handwerk beherrscht und sich auch mal den Kopf über neue Geschichten zerbricht. Somit gehören die ersten 50 Minuten dieses Horrorthrillers zum Besten, was man seit zehn Jahren im Horror-Genre zu sehen bekommen hat. Wer eine empfindliche Blase besitzt, sollte demzufolge vor Filmbeginn noch einmal auf die Toilette gehen. THE AUTOPSY OF JANE DOE zieht wegen seiner geheimnisvollen Handlung so in den Bann, dass ein Toilettengang danach unmöglich sein wird. Weil der norwegische Regisseur ANDRÉ ØVREDAL hier ganze Arbeit geleistet hat, darf man davon ausgehen, dass bald Produzenten aus Hollywood klingeln werden. Es wäre nämlich nicht das erste Mal, wenn europäische Indie-Filmemacher plötzlich Horrorfilme in der Traumfabrik drehen. Der bisher erfolgreichste Horror-Export aus Europa: ALEXANDRE AJA. Dem Franzosen hat sein Beitrag zur neuen französische Terror-Welle den Weg nach ganz Oben geebnet. Mal sehen, wie weit ANDRÉ ØVREDAL kommen wird.
 
 
 


 
 
 

THE AUTOPSY OF JANE DOE – Zensur

 
 
 
Gewalt gibt es im Film kaum zu sehen. Ein Messer wird in einen Brustkorb gerammt und eine Axt kommt versehentlich zum Einsatz. Weiterhin gibt es übel zugerichtete Leichen zu Beginn zu sehen und ein Mann erliegt an den Verletzungen eines Sturzes aus großer Höhe. Die eigentlichen Schauwerte reduzieren sich auf die Obduktion einer Leiche. Die hier gezeigten Spezialeffekte dürften nichts für Zartbesaitete sein, denn in THE AUTOPSY OF JANE DOE wird äußerst realistisch der Körper einer Frau geöffnet. Trotz Leichenöffnung kann man von einer FSK16 ausgehen.
 
 
 


 
 
 

THE AUTOPSY OF JANE DOE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte Film für Grafiken liegen bei IFC Films | IFC Midnight)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Aftermath (1994)
 
Die Leiche der Anna Fritz (2015)
 
The Body (2012)
 


Filmkritik: “ Incarnate“ (2016)

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INCARNATE

Story

 
 
 
Dr. Seth Ember (AARON ECKART) muss sich in INCARNATE seinen eigenen Dämonen stellen. Als Exorzist im Einsatz muss er erkennen, dass der neuste Patient einen Dämon beherbergt, der ihm kein Unbekannter ist.

 
 
 


 
 
 

INCARNATE – Kritik

 
 
 
Über 40 Jahre ist es nun bereits her, seit WILLIAM FRIEDKIN mit dem Okkult-Horror DER EXORZIST Millionen Kinogänger schockierte und damit nicht nur einen der größten Filmerfolge der frühen 1970er Jahre schuf. Die tricktechnisch beeindruckende Teufelsaustreibung gehört auch heute noch zu jenen verstörenden Filmen, die vor allem eines gut können: Angst beim Zuschauer verursachen. Deshalb nehmen sich auch vier Jahrzehnte später immer noch Filmemacher den Klassiker zum Vorbild, um mit ihren Filmen gleichen Schrecken bewirken zu können. Leider gelingt das nur den wenigsten von ihnen, weil eher plump kopiert wird, statt sich einen eigenen Kopf zu machen. Auch Regisseur BRAD PEYTON versucht mit seinem Horrorfilm INCARNATE auf der beliebten Exorzmus-Welle zu reiten. Der hat schon einschlägige Erfahrung mit Kino-Hits gemacht und zeichnet für Filme wie SAN ANDREAS oder CATS & DOGS 2 verantwortlich. Nach lautem Action-Blockbustern für Groß und Klein, folgt nun Erwachsenenunterhaltung. Dafür bedient sich Peyton ähnlichen Erfolgsmechanismen, die bereits das Kultwerk von WILLIAM FRIEDKIN so berüchtigt gemacht haben. Ob das aufgrund der meisterhaften Vorlage überhaupt gut gehen kann?
 
 
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Dr. Seth Ember (AARON ECKART aus dem Kinoflop I, FRANKENSTEIN) ist ein gebrochener Mann. Er hat bei einem Autounfall Frau und Kind verloren. Seither quälen ihn Selbstzweifel und Gewissensbisse, die den Alltag zur Hölle machen. Doch statt in Selbstmitleid zu verfallen, flüchtet sich der depressive Familienvater in die Arbeit. Er ist als Exorzist zum Wohle der Menschheit im Einsatz. Doch statt mit Bibel und Weihwasser Dämonen auszutreiben, kommen unkonventionelle Methoden zum Einsatz. Dämonenaustreiber Dr. Ember besitzt die Gabe in das Unterbewusstsein der Leidgeplagten vorzudringen. Einmal dort angekommen, bekämpft er finstere Mächte von innen heraus. Doch nicht jeder Dämonenparasit lässt sich so einfach in die Schranken weisen. So hat sich ein ganz heimtückischer Fiesling im Kopf des 11-jährigen Cameron (DAVID MAZOUZ aus THE DARKNESS und SANITARIUM) eingenistet, der bei genauer Betrachtung kein Unbekannter ist. Die ersten Austreibungsversuche verlaufen nicht nach Plan, denn dieser Dämon beherrscht die Gabe der Manipulation. Schnell wird klar, dass hier schärfere Geschütze ausgefahren werden müssen, denn das Wesen im Kopf des Jungen ist mit Kräften ausgestattet, die alles bisher Gesehene in den Schatten stellen.
 
 
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Hinter INCARNARE steckt eine leicht abgeänderte Version des Horrorklassikers DER EXORZIST. Die wurde mal wieder vom nicht gerade unbekannten Herrn Jason Blum mitproduziert, der schon allerhand kommerziellen Unfug (wie MARTYRS oder PLAY) für Hollywood fabriziert hat, um nimmersatte Mainstream-Zuschauer das Fürchten lehren zu können. Sonderlich furchteinflößend ist der hektisch zusammengeschnittene und konsequent durchgestylte INCARNATE jedoch nicht. Gänsehaut wird hier in erster Linie durch laute Schockmomente bewirkt, die in kommerziellen Horrorfilmen nun mal zum guten Ton gehören. Schlecht macht das diesen Horrorfilm aber nicht. Auch wenn INCARNATE weit weg ist von der Kreativität manch cleverer Indie-Produktionen, gehört dieser Okkult-Horror zu den besseren seiner Art. Drehbuchautor RONNIE CHRISTENSEN hat hier nicht nur wahllos Exorzisten-Klischees aneinandergereiht, um möglichst spektakuläre Spezialeffekte zeigen zu können. In dieser düsteren Dämonenaustreibung steckt weit mehr Hirn, als man es von Filmen der BLUMHOUSE PRODUCTIONS erwartet hätte. Der Film geht es überraschend psychologisch an, denn die Dämonen in diesem Horrorthriller verstecken sich hinter den Ängsten ihrer Opfer, die weit im Unterbewusstsein schlummern. Demzufolge fungiert Filmfigur Dr. Ember nicht nur als Exorzist und Dämonenaustreiber, sondern ist gleichzeitig auch Therapeut und Trostspender, der seine Patienten vom seelischen Ballast befreit. Der begibt sich in INCARNATE auf eine psychologische Reise durch den Geist eines kleinen Jungen, forscht nach Ursachen der Besessenheit und findet heraus, dass sein tapferer Patient unter der Trennung der Eltern zu leiden hat. Für den dämonischen Parasiten ein gefundenes Opfer. Der haust im Kopf des angeschlagenen Jungen, labt sich am Schmerz seines Wirtes und treibt ihn damit nur noch weiter in den Abgrund. Eine beunruhigende Diagnose.
 
 
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INCARNATE bläst frischen Wind in die Okkult-Ecke. Wer hier auf vom Teufel besessene Protagonisten hofft, die an Betten gefesselt werden und dabei vulgäres Zeug faseln, wartet vermutlich vergebens. INCARNATE macht vieles anders und vermutlich auch besser. Der etwas andere und erfrischende Umgang mit dem Thema Exorzismus verleiht dem längst eingerosteten Exorzismus-Genre neue Facetten und treibt den Spannungsaufbau voran, weil wegen der originellen Herangehensweise nervende Vorhersehbarkeiten ausbleiben. Bei einer so unkonventionellen Dämonenaustreibung schaut man doch gern über manch reißerische Effekthascherei hinweg, die vor allem im Finale etwas sehr aufdringlich zelebriert wird. Umso mehr sollte man Vorurteile ablegen und INCARNATE eine Chance geben. Auch wenn hinter dem Film eher kommerzielle Filmbuden wie BLUMHOUSE PRODUCTIONS und WWE STUDIOS stecken, hält der Thriller Abstand von hirnlose Stereotypen und Horror nach Schema F. Ungewöhnlich, clever und deshalb empfehlenswert.
 
 
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INCARNATE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
DER EXORZIST meets INCEPTION. Die etwas andere Psychotherapie. INCARNATE wurde bereits 2013 gedreht. Erst drei Jahre später erfolgte die amerikanische Kinoauswertung, was in den meisten Fällen nicht unbedingt Gutes bedeutet. Bei diesem Okkult-Horror kann aber Entwarnung gegeben werden. INCARNATE macht nämlich vieles richtig, wobei vor allem der interessante Umgang mit dem Thema Exorzismus Erwähnung finden sollte. Die üblichen Exorzisten-Klischees haben Sendepause. Es gibt hier weder Erbsenbrei spuckende Besessene zu sehen, noch werden mit Bibelversen und Weihwasser fiese Dämonen ausgetrieben. Das Böse wird mittels kurioser Psychotherapie in die Schranken gewiesen, was im Falle von INCARNATE originell umgesetzt wurde. Spannung ist da, Schocks fehlen nicht und blutige Schauwerte hat dieser Horrorthriller ebenfalls zu bieten. Was will das Horrorfilmherz mehr?
 
 
 


 
 
 

INCARNATE – Zensur

 
 
 
INCARNATE hat nicht viele Gewaltmomente zu bieten. Ein Arm wird auf unangenehme Weise gebrochen, ein Protagonist springt aus dem Fenster und landet unsanft auf dem Asphalt. Außerdem werden Gedärme aus einem Körper gezogen. Eine FSK16 ist sicher. Die Rechte des Films liegen hierzulande bei CONCORDE.
 
 
 


 
 
 

INCARNATE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Packshot und Grafiken liegen bei Concorde Filmverleih GmbH)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Der Exorzist (1973)
 
Exorzist II – Der Ketzer (1977)
 
Der Exorzismus von Emily Rose (2005)
 
Erlöse uns von dem Bösen (2014)
 
Besessen – Der Teufel in mir (2012)
 
Worry Dolls (2016)
 
The Cloth – Kampf mit dem Teufel (2013)