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Mysterie-Horror


Filmkritik: „Sacrifice“ (2016)

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SACRIFICE

Story

 
 
 

Eine Frauenärztin verschlägt es samt ihres Gatten in die Provinz, wo sie einem mysteriösen Kult auf die Schliche kommt.

 
 
 


 
 
 

SACRIFICE – Kritik

 
 
 
Totgeglaubte leben länger! Filmemacher PETER A. DOWLING war vor vielen Jahren mal kurzzeitig ziemlich gefragt. 2008 zeichnete der für die Regie des Horrorfilms STAGE NIGHT verantwortlich und steuerte einige Zeit zuvor sogar das Drehbuch zum Thriller FLIGHTPLAN mit JODIE FOSTER bei. Danach war plötzlich Funkstille. Lange war es still um den Regisseur – jetzt ist er wieder da und zwar mit einem Beispiel für derzeit so beliebten Okkult-Horror. Wer jetzt aber glaubt, dass mit SACRIFICE beunruhigende Dämonenaustreibungen oder blutige Rituale über den Fernseher sausen, der irrt. Viel mit Horror hat der Streifen nämlich nicht am Hut. SACRIFICE ist eher im Thriller-Genre beheimatet und richtet sich mit Puzzle- und Rätseltaktik an ein eher knobelerprobtes Krimi-Publikum, das mehr an Detektivarbeit interessiert ist und weniger blutiges Einerlei auf der Mattscheibe sehen will. Demzufolge steht ein okkultes Ratespiel über mysteriöse Ritualmorde im Mittelpunkt, das es zu lüften gilt. Kinogänger mit Vorliebe fürs Grobe dürfte so etwas natürlich langweilen.
 
 
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Wieder mal verirrt sich Schauspielerin RADHA MITCHELL in einen Film fernab von Liebe und Herzschmerz. Sie scheint Gefallen an Kinostreifen gefunden zu haben, wo es gerne mal deftig und düster zur Sache geht. Zuletzt war das mit dem Mystery-Film THE DARKNESS der Fall. Aber auch in der Videospielverfilmung SILENT HILL und dem Found-Footage-Schocker EVIDENCE schlug sie sich wacker als Heldin durch ungemütliche Albtraumszenarien. Auch im mysteriösen Sekten-Thriller SACRIFICE hat sie die Heldenrolle ergattert und verkörpert Tora, eine Frau mittleren Alters, die zwar als Frauenärztin Schwangere berät, aber selbst keine Kinder bekommen kann. Nach einer weiteren Fehlgeburt, entscheidet Gatte Duncan (RUPERT GRAVES), dass das Leben auf dem Land weitergeht. Fernab der Großstadthektik soll auf den schottischen Shetland-Inseln ein Gang heruntergefahren werden. Das Leben scheint hier stillzustehen und auch der angeschlagenen Tora geht es langsam wieder besser. Leider schreibt das Leben manchmal die sonderbarsten Geschichten. Als Tora hinter dem Haus im Boden den Körper einer übel zugerichteten Frau entdeckt, ist Schluss mit Erholung. Der Leichenfund wirft Fragen auf. Nicht nur, dass auf der Haut der Toten rätselhafte Symbole eingeritzt wurden; auch das Herz der Frau wurde offenbar bei lebendigem Leibe entfernt. Leider werden die Akten bald geschlossen, denn Wissenschaftler sind sich einig, dass diese Moorleiche bereits seit Jahrhunderten ihr Dasein unter der Erde fristet. Doch Frauenärztin Tora ist da anderer Meinung. Die vermutete einen frischen Mord, stellt eigene Ermittlungen an und wittert das Werk eines ominösen Kultes, der seit Jahrhunderten auf den Inseln sein Unwesen treibt.
 
 
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Spannende Sonntagabendunterhaltung – simpel gestrickt, aber immerhin kurzweilig. Leider hat SACRIFICE ein großes Problem. Der Film ist leicht zu durchschauen und wirkt an vielen Stellen vorhersehbar. Wieder einmal ist es eine Kleinstadt, die zusammenhält. Hier kennt jeder jeden und Traditionen sind dazu da, um sie aufrechtzuerhalten. Demzufolge weiß natürlich niemand von nichts – obwohl von Anfang an klar ist, dass auf dieser Insel der Teufel zu Hause ist. SACRIFICE orientiert sich an den typischen Vertreter der Gattung Kleinstadt-Okkult-Horror, wie er Anfang der Siebziger in Robin Hardys legendärem THE WICKER MAN seine Vorlage für die Ewigkeit fand. Wer zu viele Fragen stellt wird ausradiert – ebenso die, die beim Auflösen behilflich sind. Doch die Heldin ist hartnäckig und zeigt, was eine Harke ist. Sie kommt beim Recherchieren zwar nur schleppend voran, enttarnt aber am Ende die hinterlistige Saubande. Mit Originalität hat das nichts im Entferntesten zu tun. So geht es gradlinig voran und Anhaltspunkte werden schlüssig kombiniert. Leider wirkt das Detektivspiel teils sehr konstruiert, ändert aber nichts an der Tatsache, dass man unterhalten wird. SACRIFICE erinnert an die vielen skandinavischen Thriller, die in den letzten Jahren vor allem des kühl-trostlosen Filmlooks wegen auffallen und öfters auf den Öffentlich Rechtlichen TV-Sendern gezeigte werden. Wenn man also schön gefilmten, aber anspruchslosen Stoff fürs Abendprogramm benötigt, ist man hier gut aufgehoben. Richtige Nervennahrung oder gar Suspense-Horror sieht aber anders aus!
 
 
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SACRIFICE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
SACRIFICE basiert auf dem erfolgreichen Roman von Autorin SHARON J. BOLTON, ist aber nichts Großes. Hinter dem geradlinig erzählter Sekten-Thriller ohne Überraschungen steckt einfach gut verdauliche Detektivarbeit, bei der man irgendwie nicht das Gefühl loswerden möchte, als wollte man hier anfänglich was fürs Fernsehen drehen. Demzufolge ist Gezeigtes nicht sonderlich anspruchsvoll, glänzt aber immerhin mit typisch schottischer Kulisse. Leider hat SACRIFICE nur wenig mit Horror am Hut. Vielmehr verbirgt sich hinter dem vielversprechenden Filmtitel ein kurzweiliger Okkult-Krimi mit Thriller-Elementen, den man sich anschauen kann, wenn mal gerade nichts in der Glotze kommt. Man macht aber auch nichts falsch, wenn man SACRIFICE einfach mal auslässt. Von missraten kann hier zwar nicht die Rede sein. Trotzdem kommt – wenn man das so sieht – mal wieder die Erkenntnis in den Kopf, dass manche Bücher nicht zwingend verfilmt werden müssen. SACRIFICE gehört ins Buchregal, aber nicht auf die Mattscheibe.
 
 
 


 
 
 

SACRIFICE – Zensur

 
 
 
Wer jetzt glaubt, dass hier Gewalt zelebriert wird, der irrt. SACRIFICE ist relativ harmlos. Es gibt nahezu kaum etwas zu sehen. Am Ende bekommt ein Bösewicht einen Dolch in den Körper gejagt. Wegen der düsteren Thematik über Morde und Rituale dürfte es aber bei einer FSK16 bleiben.
 
 
 


 
 
 

SACRIFICE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei IFC)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Wicker Man (1973)
 
The Wicker Man (2006)
 
Rosemaries Baby (1968)
 


Filmkritik: „The Forgotten“ (2014)

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THE FORGOTTEN

Story

 
 
 

In britischen Sozialwohnungen passieren seltsame Dinge. Dem 14jährigen Tommy bereiten unheimliche Geräusche aus der Nachbarswohnung Angst. Der will in THE FORGOTTEN herausfinden, ob das Gepolter rational erklärbare Ursprünge besitzt oder ob da vielleicht doch höhere Mächte am Werk sind.

 
 
 


 
 
 

THE FORGOTTEN – Kritik

 
 
 
Es müssen nicht immer düstere Friedhöfe, alte Burgen oder englische Herrenhäuser sein, in denen Kreaturen aus dem Jenseits Unruhe stiften. Auch in den Ghettos britischer Großstädte fühlen sich Geister neuerdings heimisch und treiben Besetzer verlassener Sozialwohnungen in den Wahnsinn. Erfahrene Zuschauer wissen natürlich, dass Spuk in den meisten Fällen nicht grundlos stattfindet. Meist wollen Geister den Lebenden Botschaften überbringen oder den eigenen verfrühten Tod rächen, der durch die Hand skrupelloser Zeitgenossen herbeigeführt wurde. In den meisten Fällen löst das unerwartete Kettenreaktionen aus. Ob das auch in THE FORGOTTEN der Fall ist? Hinter dem sensibel orchestrierten Gruselstreifen stecken zwei, die zumindest in England nicht unbekannt sind. OLIVER FRAMTON und JAMES HALL zeichneten für Arbeiten an der langjährigen Polizeiserie THE BILL verantwortlich, die zwischen 1984–2010 eine feste Größe im britischen TV war und unter dem Titel DIE WACHE sogar für Deutschland adaptiert wurde. Für die britische Version steuerten die beiden Autoren Geschichten bei, die dann regelmäßig über die Mattscheibe flimmerten. Mit THE FORGOTTEN hat man zusammen an etwas Eigenem gearbeitet – fernab von Trivialität und Massengeschmack. Ein riskanter Versuch, der sich sehen lassen kann. Über einige wenige Logiklücken sieht man da gern hinweg.
 
 
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Teenager Tommy hat es nicht leicht. Seine Eltern leben getrennt und der Junge hat keine Freunde, weshalb er sich zurückzieht und Bilder malt. Als die Mutter einen Nervenzusammenbruch erleidet, soll der Jugendliche beim Vater wohnen. Der entpuppt sich als Hausbesetzer und plündert abrissreife Gebäude, um sich mit dem Verkauf von Kupferrohren über Wasser halten zu können. Leider ist der Vormund kein unbeschriebenes Blatt, was den Jungen stutzig macht, weil der Vater eigenartiges Verhalten an den Tag legt. Als der von Zuhältern zusammengeschlagen wird und im Krankenhaus landet, ist Tommy auf sich allein gestellt. Nun ist guter Rat teuer. Im neuen Zuhause scheint es nicht mit rechten Dingen zuzugehen. Seltsames Poltern ist im Apartment nebenan zu hören. Leider wohnt dort schon seit Jahren niemand mehr. Das verursacht natürlich Unbehagen. Doch das Leben schlägt manchmal sonderbare Wege ein. Beim Zeichnen auf einer Parkbank lernt er die geheimnisvolle Carmen kennen. Schnell entsteht zwischen den Jugendlichen eine innige Freundschaft, die keine Grenzen kennt. Zusammen versucht man das Geheimnis der unheimlichen Geräusche zu ergründen, die Tommy Nacht für Nacht den Schlaf rauben. Leider ist die Auflösung alles andere als erbaulich.
 
 
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Grusel mit Anspruch. THE FORGOTTEN setzt Köpfchen voraus, was aufgrund der hohen Anzahl an trivial gedrehter Spuk- und Geisterfilme der letzten Jahre schon als Glanzleistung betitelt werden kann. Viele davon machen nämlich das Hirn des Zuschauers zu Brei, wenn mit schlechten Geschichten versucht wird, Unterhaltung vorzugaukeln. Im Grunde besteht das Ergebnis dann aber doch nur aus einer Aneinanderreihung von Klischees. Der englische Regisseur OLIVER FRAMTON macht da einiges anders. Hinter dem Schauerdebüt von der Insel verbirgt sich nämlich ein berührender und zugleich deprimierend-trauriger Geisterfilm, der vor allem durch hervorragend besetzte Jungdarsteller überzeugen kann. Wie im schwedischen SO FINSTER DIE NACHT entsteht hier eine Freundschaft zwischen zwei Jugendlichen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Während der 14jährige Tommy (CLEM TIBBER) als Einzelgänger durchs Leben geht und zurückgezogen in einer ganz eigenen Welt lebt, verschanzt sich die unnahbare Carmen (ELARIA JOHNSON aus AFTERDEATH) hinter dicken Mauern und lässt kaum Schwäche zu. Trotz ihrer Gegensätze erkennen die pubertierenden Protagonisten schnell, dass sie mehr Gemeinsamkeiten besitzen als anfangs vermutet. So machen sich die beiden auf, ein Rätsel zu lösen, das den Zuschauer durch seine unbefriedigende und unerwartete Auflösung leider vor dem Kopf stößt, den Zuschauer aber gleichzeitig da packt, wo es weh tut. Kino kann manchmal ein richtiges Arschloch sein.
 
 
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THE FORGOTTEN ist nichts für Arthouse-Hasser. Dieser Genrestreifen gehört zu jener Gattung Film, die man eigentlich gern im Programmkino sehen würde. Statt plakative Grusel- und Schockeffekte abzuhandeln, waren Drehbuchautor JAMES HALL die Hauptdarsteller wichtig. Demzufolge liegt der Fokus mehr auf Charakterentwicklung und Drama, statt auf Spuk und Erschrecken. Weil es der Film ruhig angeht und so Unheil gemächlich aufgebaut wird, ist THE FORGOTTEN garantiert kein Film für Gegner des langsamen Erzählens. Die sollten besser nach kommerziellem Spukkino Ausschau halten. Der nächste Blödsinn aus Hollywood lässt mit Sicherheit nicht lange auf sich warten. Da sind wir uns sicher.
 
 


 
 
 

THE FORGOTTEN – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Authentisch gespieltes Schauerstück vor ungewöhnlicher Gruselkulisse. THE FORGOTTEN beweist, dass es nicht nur in alten Herrenhäusern oder modrigen Kellergewölben spuken kann. Auch in heruntergekommenen Neubaublöcken Großbritanniens finden es Geister gemütlich. Triste Wohnviertel in sozialen Brennpunkten laden ein zu Spuk auf hohem Niveau. THE FORGOTTEN ist keiner dieser konventionell zusammengekleisterten Gruselfilme. Hier nimmt man sich Zeit für Charakter und Emotionen, so dass Spuk und Budenzauber beinahe zu kurz kommen. Ein gute Entscheidung: THE FORGOTTEN berührt – vor allem wegen der Antihelden, die von talentierten Jungdarstellern verkörpert werden. Mehr Drama statt Horror steht auf dem Programm, was den Beitrag aus der Masse hervorstechen lässt. Wer mit dem schwedischen SO FINSTER DIE NACHT was anfangen konnte, wird sich hier gut aufgehoben fühlen. THE FORGOTTEN ist nämlich mehr oder weniger vom gleichen Kaliber. Ungewöhnlich, ergreifend und sehenswert.
 
 
 


 
 
 

THE FORGOTTEN – Zensur

 
 
 
In THE FORGOTTEN gibt es weder Gewalt noch Blut zu sehen. Hierbei handelt es sich um ein Gruseldrama, das eher von seiner unheilvollen Stimmung lebt, als die Geschehnisse in Blut zu ertränken. Weil es doch hin und wieder etwas unheimlich wird, bekommt der Streifen in Deutschland vermutliche eine FSK16. Insofern sich überhaupt ein Label finden lässt, das den Film hierzulande veröffentlichen möchte. THE FORGOTTEN ist nämlich sehr speziell und richtet sich eher an ein Arthaus-erprobtes Publikum. Übrigens: das Filmplakat ist vollkommen irreführend. Hier wird reißerischer Geisterspuk vorgegaukelt. Der Film ist aber ein ganz anderes Kaliber.
 
 
 


 
 
 

THE FORGOTTEN – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
So finster die Nacht (2008)
 
Let Me In (2010)
 
Citadel – Wo das Böse wohnt (2012)
 


Filmkritik: „Monsterland“ (2016)

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MONSTERLAND

Story

 
 
 

Eine weitere Horror-Anthologie, in der buchstäblich die Monster los sind. Die wollen der Menschheit nichts Gutes und treiben einen Überlebenden in ein menschenleeres Kino, in dem unheimliche Filme über die Leinwand flimmern.

 
 
 


 
 
 

MONSTERLAND – Kritik

 
 
 
Kennst Du noch den satirischen Horror-Erfolg THE CABIN IN THE WOODS, in dem verschiedene Horrorwesen aus ihren Käfigen gelassen wurden und am Ende ein Blutbad in den unterirdischen Räumen einer geheimen Organisation anrichteten? Die Kurzgeschichtensammlung MONSTERLAND spinnt diese Geschehnisse weiter und zeigt, was quasi passieren könnte, wenn Monster die Herrschaft über die Menschheit übernehmen würden. Postapokalyptische Bilder stimmen ein, wohin die Reise gehen soll. Doch die Macher des Films haben anderes im Sinn. Ein Kino steht im Mittelpunkt. In das flüchtet der einzige Überlebende einer Kleinstadt, um sich vor Horden aggressiver Mutanten und bizarrer Kreaturen in Sicherheit zu bringen. Doch statt im Theater Verteidigungspläne zu schmieden, will er lieber Filme gucken und Popcorn vertilgen – macht ja auch Sinn. Unheimlich. So wirft sich der Flüchtende in den Kinosessel und lässt zehn Kurzfilme auf sich einprasseln, die von sonderbaren Ereignissen und grotesken Wesen berichten. Leider können davon nur wenige halbwegs überzeugen.
 
 
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Los geht es mit DON’T GO INTO THE WATER, in dem sich die üblichen Jugendlichen beim Baden Streiche spielen. Leider lauert in den Tiefen etwas Böses, das einen teuflischen Hunger nach Menschenfleisch verspürt. Man kann sich ausmalen, wie dieser Badeausflug ausgehen wird. Was hier klingt wie die zigste Kopie von „DER WEISSE HAI“, ist ziemlich kalter Kaffee. Die Geschichte ist gerade einmal vier Minuten lang, kann sich nicht entwickeln und wirkt unfertig. Zudem gibt’s außer Blutfontänen keine Monster zu sehen. Demzufolge bleibt unklar, was da im Wasser lauert, denn des Rätsels Lösung wird nicht geklärt. Ein schwacher Auftakt.
 
Besser wird es mit THE GREY MATTER. Hier versucht ein Büroangestellter, bei einer attraktiven Kollegin zu landen – leider vergebens. Eines Tages passieren seltsame Dinge. Er wacht eines Morgens mit einem riesigen Loch im Hinterkopf auf. Darin wohnt neuerdings ein Parasit, der ihm wertvolle Tipps gibt, bei Frauen landen zu können. Was skurril klingt, ist ziemlich schwarzhumorig und erinnert hin und wieder an Frank Henenlotters Neo-Trashfilm ELMER, in dem sich ein ähnlich wurmartiges Ungetüm am Hirn seines Wirtes zu schaffen macht. Dennoch nur Durchschnittsware.
 
 
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Episode 3 heißt CURIOSITY KILLS und ist einer der besten Beiträge dieser Geschichtensammlung. Darin macht ein kleiner Junge im Arbeitskoffer des Vaters eine rätselhafte Entdeckung. Zwei seltsame Flüssigkeiten hat der von seiner Arbeit mit nach Hause gebracht. Es handelt sich um radioaktive Substanzen. Die werden heimliche an das Haustier verfüttert, das sich in eine tickende Zeitbombe verwandelt. Was folgt macht Laune, denn eine nuklear verseuchte Ratte saust unaufhaltsam durch die Wohnung und sorgt dabei für allerhand Situationskomik. Slapstick- und Blödelhumor ist hier Programm. Was passiert wird derart abgefahren und überspitzt dargestellt, dass laute Lacher nicht ausbleiben werden. Der junge PETER JACKSON hätte daran wohl seine helle Freude gehabt.
 
 
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Weniger spaßig geht es in HAG zugange, der sich einem mysteriösem Thema widmet, das bereits die Dokumentation THE NIGHTMARE beleuchtet hat: Schlaflähmung. In dieser Episode sucht ein Paar Rat beim Psychologen. Während einer Eheberatung soll geklärt werden, warum der Gatte unter quälenden Albträumen leidet. Der glaubt des Nachts von einer dämonischen Fratze im Bett attackiert zu werden, doch des Rätsels Lösung ist erschreckender als er wohl je vermutet hätte. HAG erinnert mit makabrem Ausklang an die vielen Gruselgeschichten der Horror-Reihe GESCHICHTEN AUS DER GRUFT. Leider ist die Auflösung trotz reichlich Hokuspokus Blödsinn, auch wenn mal wieder DER EXORZIST fürs Zitieren herhalten musste. Immerhin gibt es ein Widersehen mit JOHN FRANKLIN. Der hatte 1982 im Originalfilm zu KINDER DES ZORNS den bösartigen Sektenführer Isaac verkörpert. Das markante Gesicht des mittlerweile als Lehrer tätigen Wichts vergisst man nicht so schnell. Schön es mal wieder gesehen zu haben.
 
Der wohl schlechteste Kurzfilm wird mit MONSTER MAN geboten. In diesem stümperhaft animierten Zeichentrickfilm nimmt es ein betagter Mann mit einem Monster auf. Dieses wird ohne Widerworte mit der Gehhilfe des Rentners zur Strecke gebracht. Leider erwecken die einfach gehaltenen Animationen den Anschein, hier habe jemand am heimischen PC herumexperimentiert und mit günstiger Software einen Fünfminüter zusammengeschnitten. Auch wenn der Titel großes Monsterkino verspricht, kann MONSTER MAN nicht überzeugen. So etwas darf unseretwegen gern bei YouTube hochgeladen werden. In einem Spielfilm, der auch noch auf großer Leinwand gezeigt wird, hat so etwas nichts zu suchen.
 
Gott sei Dank bietet MONSTERLAND anschließend mehr Gehalt, denn in der Geschichte HOUSE CALL kommen endlich auch einmal die Gorehounds auf ihre Kosten. Hier wird ein Zahnarzt auf eine Bewährungsprobe gestellt. Ein junger Mann klingelt an dessen Tür und behauptet ein Vampir zu sein. Demzufolge soll der Arzt ihm die Eckzähne ziehen. Leider sind Bohrer und Zange in der Praxis, weshalb improvisiert werden muss. Gegenstände aus dem Baumarkt kommen zum Einsatz und die Kamera hält reißerisch drauf. Für Zartbesaitete definitiv zu viel des Guten. Für diese Zahnextraktion sind geübte Nerven Voraussetzung. HOUSE CALL ist eine der gelungenen Beiträge dieser Sammlung, was vor allem der bitterbösen Pointe zu verdanken ist, die beim Horrorfan Freude aufkommen lässt. Sehenswert!
 
 
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Leider kann die hervorragende Qualität nicht beibehalten werden, die mit dieser Vampirepisode geboten wird. Im darauf folgenden HAPPY MEMORIES wurmt es nämlich gewaltig. Hierbei handelt es sich um einen bizarren Handpuppenfilm für den man reichlich Phantasie mitbringen sollte, um überhaupt verstehen zu können, was sich da vor den Augen des Zuschauers abspielt. Abstruse Monster aus einer anderen Welt foltern hier ein kleines Wesen, das am Ende der Geschichte wiedergeboren wird. HAPPY MEMORIES ist verworren und unschlüssig – nimmt sogar fast schon surrealistische Züge an. Liebhaber des Experimentellen kommen da wohl als einzige auf ihre Kosten. Fürs Otto-Normal-Publikum ist dieser Kurzfilme leider schwer zugänglich.
 
Leichter zu verdauen ist hingegen STAY AT HOME DAD. Darin will ein Mann der Liebsten beim Stillen des Nachwuchses behilflich sein. Er erfährt von einem ominösen Experiment, das ihm Brüste wachsen lässt. Die gedeihen prächtig und sorgen anschließend für jede Menge Lacher, weil der Milchfluss nicht unter Kontrolle gebracht werden kann. Doch der Spaß hat bald ein Ende. STAY AT HOME DAD schließt nämlich mit einem makabren Finale ab. Handgemachte Spezialeffekte kommen da zum Einsatz und erinnern in ihrem grotesken Ausmaß an die Werke des legendären Schriftstellers H.P.LOVECRAFT. Der Kurzfilm aus der Mache von ANDRW KASCH und JOHN SKIPP ist eine runde Sache und gehört zu den wenigen Höhepunkten von MONSTERLAND.
 
Trotzdem kommt das Beste zum Schluss. Mit HELLYFISH gibt es herrlich sinnfreien Trash zu bewundern, der intellektuell auf gleicher Welle schwimmt wie die dreidimensionale Fortsetzung zum Remake-Horror PIRANHA von 2012. Im Filmsegment wird ein Badestrand von übergroßen Quallen heimgesucht, die sich über die Badegäste hermachen und verputzen. Der Kurzfilm wurde bereits auf diversen Filmfestivals gefeiert und bietet edles CGI in Kombination mit pumpenden Beats und schrägen Ideen. Was anmutet wie ein F/X-Demonstrationsvideo ist unterm Strich hirnfreies Invasionsgemetzel, das dem Horrorfan ein breites Grinsen ins Gesicht zaubert.
 
 
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Ausverkauf und Resterampe. Man sollte wissen, dass die Kurzfilme von MONSTERLAND nicht extra für diese Anthologie angefertigt wurden. Fast alles, was man hier zu sehen bekommt, gab es nämlich schon mal – auf Filmfestivals und im Internet. MONSTERLAND ist eine wahllose Zusammenstellung von Kurzfilmen, die man wohl eingekauft und zusammengeschnitten hat, um flink Geld für was auch immer zu verdienen. Das einzige, was neu gedreht wurde ist die Rahmenhandlung. Die hält die jeweiligen Segmente zusammen, strotz aber nicht gerade vor Einfallsreichtum. Wer ein Herz für Horror-Anthologien besitzt, kann gern mal einen Blick riskieren, sollte aber die Erwartungen herunterschrauben. So grandios wie es der Trailer verspricht ist MONSTERLAND keineswegs. Hier handelt es sich um Fast-Food-Horror mit nicht sonderlich herausragenden Gruselgeschichten. Bis auf den Quallen-Trash und den Ratten-Slapstick bleibt kaum etwas in Erinnerung. Angesichts der Tatsache, dass hier eine stattliche Anzahl von zehn Kurzfilmen über den Bildschirm flimmern, ist das schon ziemlich deprimierend.
 
 
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MONSTERLAND – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Spaßiger Zeitvertreib für Fans des Anthologie-Horrors. Leider kann MONSTERLAND Horrorsammlungen wie ABCS OF DEATH oder der V/H/S-Reihe nicht annähernd das Wasser reichen. Angesichts der Tatsache, dass Genre-Anthologien derzeit Hochkonjunktur erleben, ist MONSTERLAND nämlich eine kleine Enttäuschung. Hier sind leider nur wenige Kurzgeschichten gelungen. Zwar sind die gebotenen Kurzfilme abwechslungsreich, wirken aber wahllos zusammengestellt. Der Grund hierfür ist ganz einfach. Fast alle Geschichten liefen bereits auf Festivals oder im Internet. Das bedeutet, dass bis auf die Rahmenhandlung kaum etwas für diese Sammlung eigens gedreht wurde. Offensichtlich ist bei der engeren Auswahl der Ausschuss gelandet. Bis auf wenige Ausnahmen (allen voran die Quallen-Episode) sind die meisten Filme durchwachsen und schnell wieder vergessen. Daher ist MONSTERLAND nur eingefleischten Fans von Geschichtensammlungen zu empfehlen. Netter Spaß für Zwischendurch, aber ohne Tiefgang und mit nur wenig Herzblut.
 
 
 


 
 
 

MONSTERLAND – Zensur

 
 
 
MONSTERLAND ist keine Splattergranate. Bis auf die Zahnarztepisode HOUSE CALL wird hier kaum harter Stoff gezeigt. Demzufolge dürfte es die Anthologie hierzulande sehr leicht haben mit einer Freigabe. Man kann jetzt schon sagen, dass MONSTERLAND bereits für Jugendliche ab 16 Jahren geeignet sein wird.
 
 
 


 
 
 

MONSTERLAND – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken & Poster liegen bei RLJ Entertainment | Dread Central)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Holidays – Surviving Them Is Hell (2016)
 
V/H/S 2 (2013)
 
V/H/S 3 – Viral (2014)
 
Still 2 (2014)
 
P.O.E. Project of Evil (2012)
 
5 Senses of Fear (2013)
 
Phobia 2 (2009)
 
Sanitarium (2013)
 
Scary or Die (2012)


Filmkritik: „Cell“ (2016)

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CELL

Story

 
 
 

„… Kein Schwein ruft mich an, keine Sau interessiert sich für mich …“ tönte es vor ein paar Jährchen aus den Volksempfängern. Leider gilt das nicht für alle Protagonisten in CELL. All jene, die nicht vom Handy lassen können, verwandeln sich hier durch ein seltsames Funksignal in aggressive Furien und machen den übrigen Menschen das Leben zur Hölle. Ein Kampf um Leben und Tod beginnt.

 
 
 


 
 
 

CELL – Kritik

 
 
 
STEPHEN KING und seine Bestseller sind immer so eine Sache. Nicht jeder Horrorfan wird mit seinen Kurzgeschichten und Romanen warm, weil der Autor dafür bekannt ist, sich oft (zu viel) Zeit für den Aufbau von Grauen zu nehmen. Angesichts der Tatsache, dass heute die Konkurrenz für ein Publikum mit der Aufmerksamkeitsspanne einer Springbohne zu massiv ist, gewinnt man mit derart altmodischen Erzählform offensichtlich keinen Blumentopf mehr. Gleiches gilt übrigens auch für die Verfilmungen seiner Bücher. Auch die spalten Zuschauer und Leser gern mal in zwei Lager und können nicht immer den hohen Erwartungen gerecht werden. Einer der Gründe: viele King-Filme leiden unter einem schwerfälligen und meist zähen Handlungsaufbau, der lang benötigt, bis er eine Temposteigerung zulässt. Das ist nicht jedermanns Sache, denn in Zeiten in denen hektische Schnitte und rasante Verfolgungsjagden für Schwindelgefühle sorgen, kann so traditionelles Heraufbeschwören von Unbehagen zur ermüdenden Angelegenheit werden. Auch wenn King in erster Linie bekannt für subtile Schauer und detailliertes Erforschen von Albträumen ist, lässt sich mit dessen Werken auch Jahre nach dem Adaptions-Wahn während der 80er und 90er viel Geld verdienen. So musste nach Werken wie ZIMMER 1408 und DER NEBEL nun auch der Handy-Horror PULS dran glauben, dessen Leinwandumsetzung nach langer Entstehungszeit Anfang 2016 unter dem Titel CELL endlich veröffentlicht wurde.
 
 
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Wenn Technologie zum Horror wird. In CELL stürzen Handys und Funksignale die Menschheit ins Verderben. Sie machen aus Menschen willenlose Zombie-Marionetten. Was sich skurril anhört, macht aber Sinn. So verriet der Bestsellerautor im Interview, dass er Mobilfunkgeräte für die Geißel des 20. bzw. 21. Jahrhunderts hält und deshalb kein Handy sein Eigen nennt. Ganz so Unrecht hat er da nicht, denn offensichtlich geht ohne Smartphone und Tablet in heutiger Zeit leider gar nichts mehr. Da denkt nicht nur der Mann aus Maine, dass es eigentlich gar keine mysteriösen Signale mehr braucht. Zombifiziert sind die Jünger von Steve Jobs und ähnlichen finsteren Gottheiten sowieso schon. Das sah King als Anlass, um sich genauer mit modernen Technologien auseinander zu setzen und deren unaufhaltsamen Fortschritt zu kritisieren, der die Menschen immer abhängiger macht. Was bereits im Buch PULS aktuelles Thema war, kommt nun auch auf die Leinwand. Zwar wurden einige Handlungsstränge verändert; die Grundaussage bleibt aber die Gleiche. King-Kenner dürften sich da wohl an RHEA-M zurückerinnert fühlen.
 
 
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Im Film erlebt Comiczeichner Clay Riddell (JOHN CUSACK – nach ZIMMER 1408 wieder am Start) am Flughafen Sonderbares. Als während eines Telefonats mit dem Sohn der Akku versagt, verwandeln sich plötzlich die Menschen in seiner Umgebung in tobende Furien. Sie beginnen einander zu zerfleischen und hinterlassen eine Schneise der Verwüstung. In letzter Sekunde kann sich der Familienvater retten und verschanzt sich zusammen mit anderen Flüchtenden (u.a. SAMUEL L. JACKSON) in seinem Apartment. Schnell wird klar, dass hier Höheres im Spiel ist. Und in der Tat, das Funksignal der Handys scheint die Hirne ihrer Besitzer zu vernebeln. Die werden in fremdgesteuerte Zombies umfunktioniert, welche sich willenlos einem nichtgreifbare Macht unterwerfen und sich zu Schwärmen zusammenrotten. Gott, schon wieder wollen wir schreiben, dass sich das liest, wie eine ganz normale Szene aus dem deutschen Alltag. Nach anfänglichen Schrecken kommt die Familie in den Sinn. Riddell will retten was zu retten ist und macht sich auf, um Frau und Kind zu suchen. Leider ist der Weg bis dahin steinig, denn die zornigen Kreaturen sind überall. Ihre Geister schließen sich auf einer telepathischen Ebene zu einer neuen Existenz zusammen, die nur eines im Sinn hat: die wenigen Normalmenschen ebenfalls zu unterjochen. Wird Riddell die Familie finden und die Welt vorm sicheren Untergang bewahren können?
 
 
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Dass diese Verfilmung aus der Feder des legendären STEPHEN KING überhaupt noch das Licht der Welt erblickt hat, grenzt fast schon an ein Wunder. Die Leinwandadaption des Roman PULS sollte eigentlich bereits 2006 in den Dreh gehen. Kein geringerer als der für moderne Schnapsideen von Exploitation-Filmen berüchtigte ELI ROTH hatte sich die Filmrechte gesichert und wollte den kritischen Schauerstoff ins Kino bringen. Weil der aber seinerzeit an der misslungenen HOSTEL-Fortsetzung tüftelte und nach den Dreharbeiten feststellen musste, dass er mit Kings Werken doch nicht so kann, musste die Idee zum Film auf Eis gelegt werden. Erst 2009 kamen neue Pläne auf den Tisch. So sollte der Romanstoff als vierstündige TV-Serie ins Fernsehen gebracht werden. Leider wurde auch dieses Vorhaben schnell wieder revidiert, obwohl bereits ein fertig geschriebenes Drehbuch von King selbst vorlag. Immerhin konnte man sich fünf Jahre später einigen. Nach ersten Konzeptplakaten im Internet wurden Januar 2014 endlich Dreharbeiten aufgenommen und das Projekt nahm Gestalt an. Das schien auch King gefreut zu haben, der im Internet die Werbetrommel für den Kinostart rührte und Fans versicherte, dass das veränderte, düstere Ende neue Maßstäbe setzen würde. So Unrecht hat er da nicht. Das von ADAM ALLECA überarbeitete Drehbuch weicht nämlich großzügig von jenem Skript ab, das der Bestsellerautor extra für den Film beigesteuert hat. Statt Erlösung und Happy End gibt’s kurz vor dem Abspann den sprichwörtlichen Schlag ins Gesicht. Ein geschickter Schachzug, denn ohne Zweifel bleibt CELL mit seinem unerfreulichen Ausgang länger im Gedächtnis hängen, als es das postapokalyptische Weltuntergangsszenario anfangs vermuten lassen würde.
 
 


 
 
 

CELL – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Keine schlechte King-Verfilmung, aber auch nicht die Beste. Wie schon bei vielen anderen Leinwandadaptionen der Bücher von STEPHEN KING, hat auch CELL hin und wieder Probleme mit dem Tempo. Ab und an dümpeln die Geschehnisse nämlich auf der Stelle. Zudem wird Nebencharakteren mancherorts zu viel Zeit für Entwicklung eingeräumt. Das lässt Längen entstehen. Dennoch zieht CELL seinen Reiz daraus, dass die Zombie-Problematik aus einer anderen Perspektive betrachtet wird. Bei den Kreaturen in diesem Überlebensthriller handelt es sich nämlich nicht um traditionelle Untote, wie man sie in den Werken des legendären GEORGE A. ROMERO (alter Alki-Freund Kings, von dem er sich immer wieder hat inspirieren lassen – Prost!) zu sehen bekommt. Vielmehr geht es hier um Menschen, die von einer fremden Macht manipuliert und gesteuert werden – Kritik am Fortschrittsgedanken inklusive. Wer die Bücher des erfolgreichen Romanautors mag, sollte unbedingt einen Blick riskieren, auch wenn die Verfilmung hin und wieder von der King’schen Romanvorlage abweicht. So bildet der krönende Abschluss ein Finale, das mit unerfreulichem Ausgang so manchen Zuschauer verstören wird. Spätestens hier haben Drehbuchautor und Regisseur alles richtig gemacht.
 
 
 


 
 
 

CELL – Zensur

 
 
 
CELL ist keine Gewaltgranate. Zu Beginn geht drunter und drüber. Auf einem Flughafen verwandeln sich Menschen zu Furien und fallen über sich selbst her. Da gibt es kurz einige Gewaltspitzen und Knochenbrüche zu sehen. Danach ist damit größtenteils Schluss. Hierzulande wird es für CELL problemlos den blauen FSK-Flatschen geben. FSK16.
 
 
 


 
 
 

CELL – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken & Poster liegen bei TELE MÜNCHEN GRUPPE)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Don’t Grow Up (2015)
 
Plague (2014)
 
Dead Within (2014)
 
The Crazies – Fürchte deinen Nächsten (2010)
 
World War Z (2013)
 
28 Weeks Later (2007)
 
28 Days Later (2002)
 


Filmkritik: „February“ (2015)

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FEBRUARY

THE BLACKCOAT’S DAUGHTER

Story

 
 
 

Zwei Schülerinnen müssen die Winterferien im Mädcheninternat verbringen und erleben dort den blanken Horror.

 
 
 


 
 
 

FEBRUARY – Kritik

 
 
 
Wenn namhafte Schauspieler aus Hollywood in einer eher unauffälligen und kleinen Genreproduktion mitwirken, muss wohl was Großes dahinterstecken. Im Falle des folgenden Mystery-Thrillers ist es der Regisseur selbst, der vermutlich der überzeugende Grund gewesen sein wird, dass Jungstars vom Kaliber EMMA ROBERTS oder KIERNAN SHIPKA mitmachen wollten. Der Sohn des legendären ANTHONY PERKINS (der echte Norman Bates aus PSYCHO und dessen Fortsetzungen) zeichnet verantwortlich und probiert sich nach Schauspielerei und Drehbuchschreiberei (u.a. THE GIRL IN THE PHOTOGRAPHS) nun auch noch als Aufnahmechef aus. FEBRUARY (der in Amerika als THE BLACK COAT’S DAUGHTER vermarktet wird) nennt sich sein erster Spielfilm, der natürlich gerade wegen der berühmten Wurzeln des Regisseurs von Horrorfans und Kritikern akribischer durchleuchtet werden wird, als es bei anderen Nachwuchsregisseuren der Fall ist. Darin wird der Zuschauer in verschneite Winterlandschaften entführt, die schon bei Filmen wie SHINING, THE THING oder dem schwedischen SO FINSTER DIE NACHT zum Erfolg beigetragen haben. Ob das OSGOOD PERKINS auch mit seinem Regiedebüt gelingen wird?
 
 
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FEBRUARY erzählt die Geschichte der 16-jährigen Kathie (KIERNAN SHIPKA) und der etwas älteren Rose (LUCY BOYNTON), die am renommierten kanadischen Bramford Internat unterrichtet werden. Zu Beginn der Winterferien passiert Sonderbares. Weil die beiden Mädchen von Niemandem abgeholt werden, der sie nach Hause bringt, müssen die Schülerinnen weiterhin im Internat verweilen. Für Rose kein Problem. Die hat nun genug Zeit, um sich heimlich mit ihrem Freund zu verabreden. Doch des einen Freud ist des anderen Leid. Die introvertierte Kathie findet die Warterei in dem menschenleeren Gebäude alles andere als erfreulich. Sie hat gar schauriges Zeug über die Schule erfahren und scheint der festen Überzeugung, dass darin das Böse haust. Offensichtlich hat sie damit auch recht, denn schon bald scheinen der Schülerin bösartige Mächte auf Schritt und Tritt zu folgen. Hirngespinste oder Realität? Die Antwort darauf wird hier nicht verraten. Währenddessen hat die verwirrte Joan (EMMA ROBERTS) andere Probleme. Sie hockt leicht bekleidet am Bahnhof und wartet in frostiger Kälte auf einen Zug nach Bramford. Gott sei Dank hat ein älteres Ehepaar Mitleid und sorgt sich um das Wohl der orientierungslosen Frau. Die älteren Herrschaften nehmen die Reisende mit dem Auto mit, ohne zu ahnen, welch schwerwiegende Folgen die selbstlose Tat für alle Beteiligten haben wird.
 
 
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Intelligenter Angstmacher mit Tiefgang. Vollste Konzentration ist geboten, denn die Geschehnisse in FEBRUARY werden nicht chronologisch erzählt. Parallel zur Haupthandlung verläuft ein zweiter Erzählstrang. Dieser scheint anfangs nicht sonderlich aufschlussreich zu sein, wird aber am Ende mit der eigentlichen Geschichte verwoben. Regisseur OSGOOD PERKINS hat die Handlung seines ersten Spielfilms betont verschachtelt aufgebaut und springt zwischen Zeitebenen und Erzählsträngen hin und her. Dabei hält er sich bedeckt mit Informationen, damit die Spannung bis zum Exzess hinausgezögert werden kann. Erst nach und nach ergeben die Ereignisse im Film einen Sinn. Das erfordert Aufmerksamkeit, damit nicht der rote Faden verloren geht. Leider dürfte dieser anspruchsvoll-verwirrende Erzählstil nicht jedermanns Sache sein. FEBRUARY richtet sich mit seiner sprunghaften, langsamen und minimalistischen Inszenierung an ein mitdenkendes Publikum, dem ein kluger Aufbau des Grauens wichtiger ist, als literweise Kunstblut und Putzkübel voller Innereien auf der Windschutzscheibe. Das gelingt im Falle von FEBRUARY ganz gut, denn mit einfach Mitteln wird eine immer präsenter werdende Aura des Bösen aufgebaut, die den Zuschauer deutlich zu verstehen gibt, dass in diesem Film etwas gar Schreckliches passieren wird. So sorgen bewusst schlecht ausgeleuchtete Räume, klassische Inszenierung eines Licht-und-Schatten-Spiels sowie bedrohliches, David Lynchianisches Bassgrummeln für ein mulmiges Gefühl im Zuschauerbäuchlein. Lang bleibt unklar, wohin die Reise überhaupt führen wird. Sie kulminiert in einem wirklich expliziten Finale. In dem geht es nicht gerade zimperlich zu. Angesichts der zuvor eher subtil aufgebauten Gruselatmosphäre sind die unerwartet deftigen Gewaltmomente am Ende dann doch ein Tritt in die Magengegend. Zartbesaitete Gemüter wird das mit Sicherheit verstören. Für Hardcore-Horrorfans ist dieser geleistete Blutzoll aber nicht ausreichend.
 
 
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FEBRUARY – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Schauriger Winter-Horror mit unerwartet derbem Ausgang, der durch seine unheilvolle Atmosphäre ein permanent ungutes Gefühl im Unterbewusstsein verursacht. Das Sprichwort „Wie der Vater, so der Sohn“ ist hier Programm, denn Regisseur OSGOOD PERKINS tut es seinem berühmten Vater ANTHONY PERKINS gleich. Nach langjähriger Arbeit als Schauspieler nahm er nun auch mal auf dem Regiestuhl Platz und probierte sich – wie schon einst der Vater mit PSYCHO III – selbst im filmischen Angstmachen aus. Der erste Ausflug ins Horrorfach kann sich sehen lassen – sein Debüt FEBRUARY überzeugt durch einen intelligenten Erzählaufbau, der konventionell zusammengezimmerten Horrorfilmen selbstbewusst den Stinkefinger zeigt. Horror mit Kopf wird geboten, in dem eine stetig wachsende Stimmung des Unheils heraufbeschworen wird und den Zuschauer am Ende da packt, wo es am meisten wehtut. FEBRUARY ist Arthouse-Horror mit Tiefgang, den man wohl mehrmals sehen muss, um ihn genauer erforschen zu können. Visuell und akustisch wird einiges geboten, was definitiv neugierig auf das macht, was Drehbuchautor und Regisseur OSGOOD PERKINS in Zukunft noch für Horrorfans auf die Leinwand bringen wird. Eigensinnig aber sehenswert – insofern man guten Horror nicht am graphischen Härtegrad eines Film festmacht.
 
 
 


 
 
 

FEBRUARY – Zensur

 
 
 
Eigentlich hält sich FEBRUARY in Sachen Gewalt zurück, denn der Horror ist subtiler Natur. Erst gegen Ende wird es deftig. Da werden Messer in Körper gerammt und Menschen enthauptet. Angesichts des eher zurückhaltenden Einsatzes von Gewalt ist das Massaker am Ende doch schon sehr hart anzuschauen. Hierzulande dürfte es wohl dafür einen roten KJ-Flatschen geben. Insofern die FSK einen guten Tag haben sollte, könnte FEBRUARY aber auch mit einer FSK16 durchkommen.
 
 
 


 
 
 

FEBRUARY – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Besessen – Der Teufel in Mir (2012)

Ava’s Possessions (2015)

Goddess of Love (2015)

Anguish (2015)

The Atticus Institute (2015)

The Devil’s Hand (2014)


Filmkritik: „The Boy“ (2016)

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THE BOY

Story

 
 
 
Die hübsche Greta möchte ihre Vergangenheit hinter sich lassen und übernimmt deshalb in der Abgeschiedenheit eines castleähnlichen englischen Anwesens einen einsamen Job als Nanny, der sich jedoch als wahre Herausforderung entpuppt, als sie erfährt, wie „speziell“ der zu beaufsichtigende Junge tatsächlich ist. Seine fürsorglichen Eltern übergeben ihr nämlich gemeinsam mit nicht zu verletzenden Verhaltensregeln die Verantwortung für eine Porzellanpuppe …

 
 
 


 
 
 

THE BOY – Kritik

 
 
 
Dass es Kindermädchen im Horrorgenre nicht leicht haben, ist eine Binsenweisheit. Auch dass mit Puppen nicht gut Kirschen essen ist, dürfte spätestens seit CHUCKY hinlänglich bekannt sein. Umso erfreulicher ist, dass es Regisseur WILLIAM BRENT BELL, der bereits mit WER – DAS BIEST IN DIR und STAY ALIVE Achtungserfolge erzielte, gelingt, dem beliebten Thema engagiert auch neue Facetten abzugewinnen. Bereits nach den ersten Einstellungen spürt man bei THE BOY die Hochwertigkeit des Films. Neben der klaren stimmungsvollen Optik, besticht die edle Location, die mit liebevoll ausgewählten Requisiten und einem unaufdringlichen Klangteppich abgerundet wird. Und man muss es inzwischen leider gesondert erwähnen: auch die Synchro ist professionell.
 
 
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Eine weitere Stärke von THE BOY ist der zwar überschaubare, aber perfekt ausgewählte Cast, bei dem als Hauptakteurin die frisch agierende Augenweide LAUREN COHAN, die Fans von WALKING DEAD und VAMPIRE DIARIES bekannt sein dürfte, den Zuschauer augenblicklich in ihren Bann zieht. Ihre sympathische Art ermöglicht jederzeit ein Mitfühlen, was zur Folge hat, dass man die skurrilen Ereignisse durch ihre Augen sieht und sich so gemeinsam schrittweise der Lösung des Rätsels um den traurig schauenden Puppenjungen nähert. Nach anfänglicher Irritation erlebt die attraktive junge Frau eine Achterbahnfahrt der Gefühle, die sie an den Rand des Wahnsinns führt. Denn nachdem sie mutterseelenallein im hochherrschaftlichen Haus zurückbleibt, mehren sich die Zeichen, dass der Porzellanjunge ein unheimliches Eigenleben entwickelt, wenn man den mit seinen Eltern abgesprochenen Regelkatalog nicht befolgt. Inwiefern der gewalttätige Ex-Freund oder der fast zu charmante Lebensmittellieferant (RUPERT EVANS aus THE CANAL) dabei ihre Finger im perfiden Spiel haben, gilt es zu klären.
 
 
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THE BOY ist einer jener Filme, der es schafft, den Betrachter auch ohne Special Effects, inflationär gebrauchte Jumpscares oder zelebrierte Gewalt in seinen Bann zu ziehen. Konsumenten, die es laut, hektisch oder grenzaustestend brutal mögen, sind hier somit fehl am Platz, denn es dominieren atmosphärische Bilder, welche einen immer tiefer in der Geschichte versinken lassen. Und dies ist gut so, denn wahrscheinlich wirkt die Story am intensivsten, wenn man nicht zuviel über einen möglichen Plot spekuliert und sich wie die Hauptprotagonistin auf die angebotenen Fährten begibt. So wird man nach dem eher konventionellen Schluss sicher nicht aufgewühlt von der Nachtruhe abgehalten, aber ein angenehmes Gruselgefühl dürfte sich beim wohlwollenden Betrachter mit Sicherheit eingestellt haben. Und die Lehr von der Geschicht? Mädchen, BRICH DIE REGELN NICHT!
 
 
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THE BOY – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
THE BOY erfindet das Horror-Rad zwar nicht neu, aber bietet sympathischen, weitgehend gewaltfreien Old School Grusel, der von einer überzeugenden Hauptdarstellerin und einem sein Handwerk verstehenden Regisseur mit Herz fürs Genre erfolgreich transportiert wird. Damit sticht der Streifen aus der Flut inspirations-und gefühlloser Billigproduktionen positiv heraus. Freunde des schaurig Schönen sollten ihm somit die verdiente Chance geben.
 
 
 


 
 
 

THE BOY – Zensur

 
 
 
Mit einer FSK 12 Freigabe ist THE BOY von keinen Schnitten betroffen, die auch nicht nötig sind, da sich das Unbehagen nicht durch Gewaltspitzen, sondern durch subtilen Grusel einstellt.
 
 
 


 
 
 

THE BOY – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Capelight Pictures (normale Blu-ray im Keepcase)

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(c) Capelight Pictures (Mediabook)

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(c) Capelight Pictures (Steelbook exklusiv bei Media Markt erhältlich)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Boy; USA 2016

Genre: Horror, Mystery, Thriller

Ton: Deutsch Dolby Atmos 7.1, Englisch Dolby Atmos 7.1

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 98 Min.

FSK: FSK12 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | Mediabook | Steelbook (Media Markt exklusiv)

Extras: Making Of (11:21 Min.), Trailer, 6 Teaser, Trailershow | zusätzlich im Mediabook: 24-seitiges Booklet

Release-Termin: 23.06.2016

 

The Boy [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

The Boy [limitiertes Mediabook] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

THE BOY – Trailer

 
 

 
 
 

Andy78

(Die Rechte aller verwendeten Bilder liegen bei Capelight Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Chucky – Die Mörderpuppe (1988)
 
Annabelle (2014)
 
Dead Silence (2007)
 
Dolls (1987)
 
Dolly Dearest (1991)


Filmkritik: „The Hexecutioners“ (2015)

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THE HEXECUTIONERS

Story

 
 
 

Zwei Frauen bringen den Tod. Sie gehen einem bestimmt nicht alltäglichen Beruf nach und leisten Sterbehilfe, wenn es der Auftraggeber verlangt. Doch wie in jedem Job ist nicht immer Sonnenschein – vor allem dann nicht, wenn man zu einem Anwesen gerufen wird, welches man so eigentlich eher in Horrorfilmen zu sehen bekommt. Wetten, dass hinter diesen Mauern irgendetwas nicht stimmt?

 
 
 


 
 
 

THE HEXECUTIONERS – Kritik

 
 
 
Wenn der Job zum Horror wird. Die erste Arbeitswoche hätte sich die zurückhaltende Malison (LIV COLLINS) wohl entspannter vorgestellt. Sie gehört zu einer Gruppe von Menschen, die todkranke Menschen von ihren Qualen erlösen. Seit die Regierung ein neues Gesetz verabschiedet hat, ist Sterbehilfe nicht mehr strafbar. Für geldgeile Unternehmen ein gefundenes Fressen, die aus dem Leid anderer versuchen möglichst viel Geld herauszuschlagen. Auch Malison ist nun Angestellte einer dieser ominösen Firmen. Sie wird zu einem schaurigen Anwesen gerufen. Dem Zuschauer schwant nichts Gutes. Zusammen mit der taffen Olivia (SARAH POWER aus SAW 5) soll dort ein besonders anspruchsvoller Auftrag ausgeführt werden. Für den gibt es viel Geld – insofern man die kuriosen Vorstellungen des Auftraggebers korrekt beachtet. Weil THE HEXECUTIONERS nun mal im Horrorfilm beheimatet ist, kommt natürlich alles anders. Die beiden Sterbehelferinnen ahnen nämlich rasch, dass hier etwas im Argen liegt. Leider kommt die Erkenntnis zu spät. Was den zwei Frauen in diesem Gemäuer widerfahren wird, werden die wohl ihr Lebtag nicht vergessen können.
 
 
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Der MONSTER BRAWL und SEPTIC MAN-Regisseur auf Abwegen. JESSE THOMAS COOK gibt sich in THE HEXECUTIONERS ungewohnt handzahm und lässt Make-up, Masken und Kunstblut weitestgehend in der Kommode verstaut. Statt abermals Trash abzuliefern, kampiert er diesmal im Okkultismus-Genre der 1970er, wo man gern mal mit Teufel und Dämonen im Bunde war. Rituale und diabolische Mächte sind auch in THE HEXECUTIONERS heißer Scheiß. Der Film zeigt eindrucksvoll, dass Cook deutlich mehr beherrscht als billig, anspruchslos und hirnfrei. Sein Okkultthriller gefällt durch langsam aufgebautes Unbehagen, das sich gemächlich einen Weg durch eine mysteriöse Geschichte bahnt, bevor der Regisseur zum Ende die Katze aus dem Sack lässt. Doch was ist des Pudels Kern?
 
 
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THE HEXECUTIONERS verrät nicht viel, lässt den Zuschauer lang im Unklaren und zögert quälend hinaus. Das fesselt, vor allem auch wegen bedrohlicher Stimmung und der morbiden Bildsprache die dank des typisch britisch wirkenden Gothic-Looks an manche Gruselspätwerke der legendären HAMMER STUDIOS erinnert. Regisseur JESSE THOMAS COOK kann auch künstlerisch anspruchsvoll, wenn er will. Fürs Finale lies er sich nicht lumpen und experimentierte mit Farben und Sounddesign. So etwas kennen Horrorfans eigentlich eher aus den Filmen des DARIO ARGENTO oder – in der Gegenwart – Cooks britischem Zeitgenossen BEN WHEATLEY. Cook versucht das Spiel mit der Form auch und taucht den Film während eines merkwürdigen Rituals in sattes schwarz-weiß. Nur die Hauptdarsteller stechen farbig hervor und heben sich von der Kulisse ab, während dissonante Klänge einen absurden Höhepunkt einläuten. Kompliment Herr Cook – ein solch bildgewaltiges und experimentelles Ende hat man nach diesem eher subtil aufgebauten Okkult-Schauer alter Schule wohl nicht erwartet. So können Sie gern weitermachen
 
 
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THE HEXECUTIONERS – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Herrlich morbider Okkultismus-Horror der alten Schule. Das hätte man Regisseur JESSE THOMAS COOK gar nicht zugetraut, der zuvor in erster Linie Low-Budget-Trash abgeliefert hat. Aber auch Filmemacher werden mal weiser – die einen früher, andere später. Im Falle von THE HEXECUTIONERS hat der Reifeprozess Früchte getragen, denn der trist gehaltene Gruselstreifen darf gern als die bisher beste Leistung des kanadischen Regisseurs betitelt werden. Clevere Story und schrullige Filmhelden sorgen für altmodisches Gruselgefühl. Getreu dem Motto „Manchmal ist weniger doch mehr“ wird subtil Gänsehaut bereitet – ganz ohne Gewaltorgien und Holzhammer-Methoden. Das gefällt vor allem deshalb, weil man sich wegen britisch aussehender Gothic-Horror-Szenarien in eine Zeit zurückversetzt fühlt, in der man dem Kinogänger in erster Linie durch das Spiel mit Licht und Schatten Unbehagen beschert hat. Wer eine Leidenschaft für altmodischen Okkult-Horror hat, sollte sich THE HEXECUTIONERS nicht entgehen lassen. Wir zumindest waren angetan – wohl auch deshalb, weil wir uns an den teils ultra-harten Gewaltstreifen mittlerweile sattgesehen haben. In solchen Zeiten weiß man solcherlei Old-School-Hommages zu schätzen. Sehenswert!
 
 
 


 
 
 

THE HEXECUTIONERS – Zensur

 
 
 

THE HEXECUTIONERS ist eher subtiler Natur. Das Gruseln der Zuschauer liegt im Fokus. Demnach lebt der Streifen in erster Linie von seinem Mysterium, das der Regisseur um die Geschichte des Films webt. Am Ende gibt es ein Ritual zu sehen, bei dem einem Opfer die Innereien aus dem Körper gerissen werden. Die Kamera hält aber nicht drauf, sondern deutet hauptsächlich an. Hierzulande wird THE HEXECUTIONERS eine FSK16 erhalten. Man munkelt das STUDIOCANAL die deutschen Auswertungsrechte besitzt.
 
 
 


 
 
 

THE HEXECUTIONERS – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken / Packshot liegen bei Foresight Features | Raven Banner Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Wicker Man (1973)
 
Wicker Man – Ritual des Bösen (2006)
 
Cherry Tree (2015)
 
The Devil Incarnate (2013)
 
Jug Face (2013)
 


Filmkritik: „Before I Wake“ (2016)

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BEFORE I WAKE

(SOMNIA)

Story

 
 
 

Nach dem tragischen Tod des Sohnes nimmt ein Paar einen kleinen Jungen bei sich auf, um ihm ein neues, schönes Leben ermöglichen zu können. Leider häufen sich mit dessen Ankunft seltsame Ereignisse im Haus.

 
 
 


 
 
 

BEFORE I WAKE – Kritik

 
 
 
Ein Horror-Regisseur auf Erfolgskurs. MIKE FLANAGAN ist jemand den man in Filmkreisen als talentiert bezeichnet. Er scheint nämlich ein goldenes Händchen für wohlig-packende Schauergeschichten zu besitzen und dreht Horrorfilm auf Horrorfilm, die dann auch noch sehenswert sind. Dass man selbst aus totgefilmten Horrorthemen unterhaltsame Genreware machen kann, bewies der amerikanische Filmemacher mit HUSH. Der Streifen kam neben seiner schweißtreibenden Machart vor allem wegen neumodischer Vermarktungsstrategien ins Gespräch, weil er nicht wie gewöhnlich Premiere im Kino oder auf dem Videomarkt feierte. Der große Video-On-Demand-Anbieter NETFLIX sicherte sich die Exklusivrechte und bot HUSH (deutscher Torf-Titel: STILL) allen Abonnenten der Bezahlplattform an. Trotz solch moderner Veröffentlichungswege wurde der Home-Invasion-Thriller zum Überraschungshit. Da kann man nur seinen Hut ziehen.
 
 
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Nach Filmen wie HUSH, OCULUS oder ABSENTIA bleibt Flanagan dem Horrorgenre treu. Löblicherweise legt sich der Filmemacher nicht fest und verirrt sich nach Spiegel-Schauer, Zu-Hause-Schocker und psychologischer Angstmacherei auch mal im Mystery-Fach, um dem Couch Potato mit seltsamen Vorkommnissen Gänsehaut zu bereiten. BEFORE I WAKE (der anfangs eigentlich SOMNIA heißen sollte) nennt sich der von Flanagan inszenierte Mystery-Thriller, der erfreulich tiefgründig und so seinen Trailer Lügen straft. Jessie und Mark haben ein schweres Los gezogen. Das Paar hat unter dem plötzlichen Tod des gemeinsamen Sohnes zu leiden. Der ist unter tragisch in der Badewanne ertrunken und lässt die Schuldgefühle toben. Doch das Leben soll weitergehen. Um bei der Traumabewältigung zu helfen, soll Waisenkind Cody ins Haus einziehen. Der schüchterne und gut erzogene Junge hatte bis dato keine schöne Kindheit und war schon in mehreren Pflegefamilien zuhause. Das sorgt anfangs für Misstrauen. Doch das Kind kann durch seine zuvorkommende Art schnell das Herz der neuen Eltern gewinnen. Eigentlich wäre das Glück perfekt, würden sich nicht mit der Ankunft des Adoptivkindes merkwürdige Ereignisse häufen. Erst flattern des Nachts Schmetterlinge durchs Haus, später erscheint der verstorbene Sohnemann im Wohnzimmer und fällt den Eltern um den Hals. Was hat das alles zu bedeuten und welche Rolle spielt dabei der kleine zurückhaltende Cody?
 
 
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Abermals landet Regisseur MIKE FLANAGAN einen Volltreffer und zeigt allen Angstmachern da draußen, wie man ohne lästige Klischees unterhaltsame Genre-Schauer fabriziert. Die Bezeichnung Horror wird BEFORE I WAKE nur bedingt gerecht, denn im Grunde genommen handelt es sich bei diesem Film in erster Linie um ein zermürbendes Drama über Verlust und Trauer. Darin entwickelt Filmsohn Cody phantastische Fähigkeiten. Seine Träume werden Realität. Leider sind die alles andere als rosig, denn tief im Unterbewusstsein schlummern Erlebnisse, die der Junge im Schlaf verarbeitet. Das sorgt für manch schauderhaften Moment, denn das Böse aus den Träumen findet einen Weg in die Welt der Menschen – auch wenn die Auflösung dahinter weniger erschreckend ist, als es Macher MIKE FLANAGAN dem Zuschauer weiß machen möchte.
 
 
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So ähnlich hat das WES CRAVEN in den 1980ern übrigens gehandhabt. Mit A NIGHTMARE ON ELM STREET machte er die Menschen im Traum verwundbar und schuf mit FREDDY KRUEGER einen Traumdämon, der unbemerkt im Schlaf mordete und dabei kein erbarmen kannte. Der etwas andere Horror wurde zum Kult und zog bisher sechs Fortsetzungen, ein Spin-off und sowie die obligatorische aber durchaus erträgliche Neuverfilmung nach sich. Ganz so drastisch wie in der ELM STREET geht es in BEFORE I WAKE jedoch nicht zu. Hier zählen die leisen Töne, denn der Fokus liegt forderrangig auf Atmosphäre, den Figuren und der Psychologie. Letztere findet in Form von Metaphern Verwendung – das Böse im Film ist die Reflektion dramatischer Erlebnisse, wie sie eben nur Kinder verarbeiten. Bleibt zu erwähnen, dass BEFORE I WAKE vor allem wegen der herzlichen Charakterzeichnung in Erinnerung bleibt. Für die sehenswerte Gruselproduktion konnten zwei bekannte Gesichter gewonnen werden. KATE BOSWORTH und THOMAS JANE (aus DER KULT und THE PUNISHER) verkörpern liebevolle Pflegeeltern ohne Vorurteile. Das macht sie sympathisch – aber ebenso verletzlich. Ein definitiv sehenswerter Genrebeitrag mit Tiefgang. Anschauen lohnt.
 
 
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BEFORE I WAKE – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Spannender und sehenswerter Mystery-Grusel mit Tiefgang. Wie verarbeiten eigentlich Kinder schreckliche Erlebnisse? Die Frage versucht der Mystery-Thriller BEFORE I WAKE zu beantworten. Er versucht in Form schauriger Bilder die verletzte Seele eines kleinen Kindes tiefer zu erforschen und garantiert trotz psychologischer Ansätze wohlige Gruselatmosphäre. BEFORE I WAKE ist ein Fest für Traumdeuter, denn Macher MIKE FLANAGAN bedient sich verschiedener Metaphern, um das psychische Ungleichgewicht seines tapferen Filmkindes zum Ausdruck zu bringen. Wenn Kinder träumen, kann das unbequeme Folgen haben. In diesem Film werden im Unterbewusstsein manifestierte Qualen zur Realität. Abermals zeigt Regisseur MIKE FLANAGAN was er kann. Und das ist nicht wenig. BEVOR I WAKE ist gut durchdachter Mystery-Schauer mit verblüffender und dennoch plausibler Auflösung. Das macht ihn so besonders und sehenswert. Die gut ausgewählten Darsteller und die sympathischen Figuren perfektionieren den hervorragenden Gesamteindruck. BEFORE I WAKE ist Mystery mit Hirn. Wer den verpasst ist selber schuld.
 
 
 


 
 
 

BEFORE I WAKE – Zensur

 
 
 
BEFORE I WAKE ist ein Mysterydrama, das in Amerika sogar mit einer PG-13-Altersfreigabe in die Kinos gebracht wurde. Die niedrige Alterskennung ist gerechtfertigt, denn bis auf ein paar unheimliche Bilder, gibt es für Horror-Fans kaum etwas zu sehen. Das macht den Film aber nicht schlecht. Ganz im Gegenteil. Einige verstörende Szenen schaffen es sogar Gänsehaut zu bewirken. Vielen Low-Budget-Produktionen mit hohem Blutzoll gelingt das dagegen oft nicht. In Deutschland dürfte es für BEFORE I WAKE problemlos eine FSK16 geben. Hierzulande hat sich CONCORDE die Filmrechte gesichert.
 
 
 


 
 
 

BEFORE I WAKE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken / Packshot liegen bei CONCORDE HOME ENTERTAINMENT)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Der Babadook (2014)
 
Paperhouse – Albträume werden wahr (1988)
 
The Mothman Prophecies – Tödliche Visionen (2002)
 


Filmkritik: „The Tag-Along“ (2015)

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THE TAG-ALONG

(紅衣小女孩)

Story

 
 
 

Der Geist eines kleinen Mädchens bringt das Leben einer kleinen Familie durcheinander. Nur was will das Mädchen in rot? Der Zuschauer wird es bald erfahren.

 
 
 


 
 
 

THE TAG-ALONG- Kritik

 
 
 
Asiatische Schriftzeichen und bleiche Mädels mit zersausten Gammelhaaren auf Plakat und DVD lassen darauf schließen, dass wir mal wieder ganz fern gen Osten schauen. Das mag zwar bei den meisten europäischen Zuschauern für lange Gesichter sorgen, ist aber im Falle des taiwanesischen THE TAG-ALONG vollkommen unbegründet. Ausnahmsweise, wie man inzwischen sagen möchte. Vorurteile sind hier fehl am Platz, denn dieser Ausflug ins Gruselfach hat es in sich. Wohl auch deshalb, weil er trotz Schocks und Schauer auch eine warmherzige Botschaft vermitteln möchte. „Vergiss vor lauter Arbeit nicht das Leben und all jene, die dir wichtig sind.“ So mahnt Regisseur WEI-HAO CHENG mit erhobenem Zeigefinger. Ganz so unrecht hat er mit seiner Aussage nicht, denn in einer selbstsüchtigen und karrieregeilen Zeit wie der unseren, verliert man – im Streben nach Geld und Macht – den Partner und die Familie rasch aus den Augen. Das wird spätestens dann fatal, wenn geliebte Menschen plötzlich nicht mehr da sind. Erst dann wird bewusst, dass kein Geld der Welt Liebe und Geborgenheit ersetzen kann.
 
 
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THE TAG-ALONG ergründet mysteriöse Vorkommnisse in Taiwan. Es verschwinden Rentner spurlos, tauchen aber nach wenigen Wochen traumatisiert wieder aus der Versenkung auf. So auch die Großmutter des Immobilienmaklers Zhi-wei He (RIVER HUANG). Der ist zwar bis über beide Ohren in Freundin Yi-jun Shen (WEI NING HSU) verschossen, hat aber nur Arbeit im Kopf, weshalb der Mittzwanziger anfangs gar nicht mitbekommt, dass die Großmutter verschwunden ist. Gott sei Dank gibt es Fotoapparate und Überwachungskameras. Auf denen ist Sonderbares zu erkennen. Ein kleines Mädchen im roten Kleid scheint der Großmutter auf Schritt und Tritt zu folgen. Leider weiß niemand in der Gegend so recht, um wen es sich bei dem Gör handelt. Erste, noch wirre Erklärungsversuche liefert die Großmutter bald selbst. Sie wird nach Tagen ergebnisloser Suche gefunden und reichlich verstört ins Krankenhaus gebracht. Leider hat der Spuk noch lange kein Ende. Kaum ist die alte Frau wieder da, verschwindet Enkelsohn Zhi-wei He unter mysteriösen Umständen. Für die ebenfalls karriereorientierte Freundin des Vermissten Grund genug, endlich mal die Arbeit ruhen zu lassen und den vielen seltsamen Gegebenheiten auf den Grund zu gehen. Alle Hinweise führen in eine unheimliche Berglandschaft. Doch was die Suchende dort entdecken wird, lässt ihr das Blut in den Adern gefrieren.
 
 
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THE TAG-ALONG macht die taiwanesische Legende vom MÄDCHEN IN ROT zum Thema. Das sollte man vorab wissen, um den Film einordnen zu können. Angeblich sollen sich seit 1988 mysteriöse Erscheinungen von einem Geistermädchen häufen, das in den taiwanesischen Bergen ihr Unwesen treibt. Bei den Menschen in der Gegend um Hualien und Taichung (nördliches Taiwan) sorgen diese paranormalen Ereignisse für Angst und Schrecken – gerade auch deshalb, weil das Erscheinen dieses Mädchens bisher immer zu furchtbaren Tragödien führte. So wurde das bösartige Gör von einem Autofahrer entdeckt und verfolgt. Dann verschwand es plötzlich in dichtem Nebel und hätte den Verfolger fast das Leben gekostet, weil er beinahe eine Felsklippe hinabgestürzt wäre. Schenkt man den Legenden Glauben, wird drohendes Unheil mit dem Erscheinen des rot gekleideten Kindergeistes in Verbindung gebracht, denn nicht selten mussten Menschen mit dem Leben bezahlen, die den kleinen Geist zuvor gesehen hatten. Das hatte zur Folge, dass in Taiwan der Mythos des Bergdämon MO-SIEN (auf Chinesisch: 魔神仔) die Runde machte, der auch heute noch eine ganze Gegend in Schrecken versetzt und reichlich Stoff für gruseliges Horrorkino liefert.
 
 
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Spuk mit Botschaft, so muss es sein. Trotz Geisterthematik verliert sich THE TAG-ALONG über weite Strecken nicht in Klischees. Die Geschichte über Verlust und Familie fokussiert sympathische Protagonisten, die einem rasch ans Herz wachsen und erst im späteren Verlauf schätzen lernen, was Familienzusammenhalt bedeutet. THE TAG-ALONG sticht durch seine atmosphärische Machart ins Auge. Auch wenn es hier hin und wieder spukt, bleibt das Gezeigte spannend – auch, weil man nicht mit der Tür ins Haus fällt. Lang bleibt ungewiss, weshalb hier ein Mädchen im roten Kleid Schabernack treibt. Erst im Finale wird klar, warum das passiert. Spätestens dann rasselt der CGI-Overkill. Das kleine, krabbelnde Etwas wurde am Computer entworfen und windet sich qualvoll in vielen erdenklichen Stellungen. Das ist im lauten Schlusskampf dann doch etwas zuviel des Guten, weil der zuvor subtil erzählte THE TAG-ALONG in einer regelrechten Effektflutwelle ersäuft wird und jegliche Illusionen gleich mit tauchen gehen. Nun will man nicht so ungnädig mit dieser taiwanesischen Genreproduktion ins Gericht gehen. THE TAG-ALONG hat jede Menge schaurige Momente und punktgenaue Schocks zu bieten, die ihre Wirkung nicht verfehlen. Spätestens hier sind die Asiaten vielen westlichen Filmemachern weit voraus. Auch wenn dort immer gleiche Spukstreifen nach ähnlicher Machart gedreht werden, verpackt man Schreckmomente und Kulisse stets so, dass sie trotzdem Gänsehaut bewirken und auf dem Sofa zusammengezucken lassen. Eine Kunst für sich, die man so wohl nur im fernöstlichen Raum beherrscht.
 
 


 
 
 

THE TAG-ALONG – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Effektreiches Spukkino aus Taiwan mit liebenswerten Darstellern und einer guten Story, das die Remake-Macher der Traumfabrik hoffentlich nicht (in den nächsten vier Monaten) auf überflüssige Ideen bringt. Einmal mehr spukt es im Osten, was im Falle von THE TAG-ALONG als durchweg gelungen bezeichnet werden kann. Der Streifen kann eins ganz gut: gruseln. Wenn man dem Spukfilm ein was vorzuwerfen hat, dann ist es der etwas übertriebene Einsatz von CGI. Das kommt vor allem im Finale deutlich zu exhibitionistisch zum Einsatz und macht den eigentlich sonst eher subtil erzählten THE TAG-ALONG zur mit Effekten überladenen Geisterbahnfahrt. Manchmal ist weniger mehr. Trotzdem ist und bleibt der von Regisseur WEI-HAO CHENG inszenierte Gruseltrip ein Hingucker. Wer nicht genug vom asiatischen Genrekino bekommen kann, sollte unbedingt einen Blick wagen. THE TAG-ALONG ist nämlich eine der besseren Genrefilme über bösartige Geistergören.
 
 
 


 
 
 

THE TAG-ALONG – Zensur

 
 
 
THE TAG-ALONG ist ein typischer Geisterfilm, den man seit RING oft aus dem asiatischen Raum geboten bekommt. Blut oder Tote gibt es nicht zu sehen. Es wird eher subtil gegruselt – mit allerhand fiesen Schreckmomenten. In einer Szene hat eine der Hauptdarstellerinnen einen furchtbaren Traum und suhlt sich auf einem blutigen Bettlaken. Ansonsten liegt der Fokus auf möglichst schaurige Stimmung – mit allem was dazu gehört. THE TAG-ALONG ist ein definitiver FSK16-Kandidat.
 
 
 


 
 
 

THE TAG-ALONG – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Grave Halloween (2013)

Sadako 3D – Ring Originals (2012)

Still 2 (2014)

Ring (2002)

Der Fluch – The Grudge (2004)


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