Filmkritik: „Behind You“ (2020)

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BEHIND YOU

Story

 
 
 

Zwei Schwestern erleben im Haus der Tante den absoluten Horror. Dort lebt das Böse, dass sich durch die (unfreiwillige) Unterstützung der Geschwister einen Weg in die Welt der Menschen bahnen möchte.

 
 
 


 
 
 

BEHIND YOU – Kritik

 
 
 
Dass von Spiegeln eine schaurige Faszination ausgeht, ist unumstritten. Vor allem in der Literatur wird davon ausgegangen, dass es sich hierbei um tückische Flächen der Reflektion und Projektion handelt, die gern mal die böse Seiten ihres Betrachters widerspiegeln. So geißelten die Gebrüder Grimm die eitle Selbstbeschau der boshaften Stiefmutter im Hausmärchen SCHNEEWITTCHEN. Aber auch Autor LEWIS CAROL schickte seine Heldin in ALICE IM WUNDERLAND auf einen schrägen Selbstfindungstrip hinter die Welt der Spiegel. Dort stolperte die Buchfigur Alice auf der Suche nach ihrer selbst durch manch aufregendes Abenteuer. Weitaus weniger schräg ergeht es hingegen den Protagonisten des folgenden Films. Die Regisseure MATTHEW WHEDON und ANDREW MECHAM versuchen mit dem Spielfilmdebüt BEHIND YOU das latente Grauen des eigenen Abbilds zum Thema eines Horrorfilms zu machen. Dabei bedienen sie sich – wie bereits Filmemacher BERNARD ROSE im Kultfilm CANDYMAN – dem alten Bloody-Mary-Mythos und versuchen selbigen neue Impulse einzuverleiben. Gelungen ist das nicht unbedingt, denn was in BEHIND YOU gezeigt wird, hat man in den letzten zehn Jahren viel zu oft gesehen und gewinnt zweifelsohne keinen Originalitätspreis.
 
 
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BEHIND YOU erzählt die Geschichte von zwei jungen Schwestern, die nach dem Tod ihrer Mutter in die Obhut ihrer entfremdeten Tante Beth (JAN BROBERG aus ALEXANDRE AJAS MANIAC) gegeben werden. Die ist leider gar nicht erfreut darüber, dass sie nun auf die Kinder aufpassen muss. Dennoch gibt sie klein bei. Dass die Verwandte so distanziert reagiert, hat auch seinen Grund. Im Keller steht nämlich ein Spiegel, von dem allerlei Übel ausgeht. Diese Erfahrung müssen bald auch die beiden Mädchen machen. So schleicht sich des Nachts die jüngere Claire (ELIZABETH BIRKNER) in die verbotenen Räumlichkeiten und zieht so die Aufmerksamkeit einer bösen Macht auf sich, die in besagtem Spiegel haust. Die schlüpft auch gleich in den Körper des ahnungslosen Wirts und sorgt für allerlei Unheil. Da ist verständlicherweise guter Rat teuer, denn so schnell wird man den unwillkommenen Eindringling nicht mehr los.
 
 
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Besessenheitsthematik die 10000ste. BEHIND YOU ist generisches Horrorfutter, das sich nicht einmal die Mühe macht irgendetwas Originelles in die toterzählte Geschichte zu bringen. Offenbar wollte man ein breites Publikum ansprechen, weshalb man sich dafür entschied eine konventionell gestrickte Handlung zu erzählen, die alle Klischees bekannter Geisterfilme durchwandert. So fehlen unheimliche Spieluhren, die von Geisterhand angeschaltet werden genauso wenig, wie flüsternde Geisterstimmen, die in die Irre führen wollen. Aber es wird noch tiefer in der angestaubten Gruselmottenkiste gegraben. Natürlich versuchen plötzlich zuschlagende Türen, vorbeihuschende Schatten und aus Spiegeln starrende Geisterfratzen auch irgendwie Unbehagen zu verursachen. Ein schwieriges Unterfangen, vor allem auch deshalb, weil die Gruselrezepturen derart vorhersehbar über die Leinwand laufen, dass alteingesessene Horrorfilmkenner nicht unbegründet von der Einfältigkeit des simplen Drehbuchs Gänsehaut bekommen.
 
 
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Dabei hat die Vergangenheit gezeigt, dass mit Spiegeln fruchtbarer Horror inszeniert werden kann, der spannend und kreativ ist. Ein gutes Beispiel hierfür wäre das von Alexandre Aja gedrehte Remake zum südkoreanischen Gruselfilm INTO THE MIRROR. Darin wird das Spiegelbild zum ultimativ Bösen deklariert, das seinen Betrachter erst manipuliert und anschließend tötet. Wo im Original noch subtiler Schauer durch asiatisches Gruselhandwerk erzeugt wird, geht Aja weitaus rabiater zur Sache. Der zeigt in der amerikanischen Neuverfilmung abwechslungsreiches aber auch blutiges Sterben, das vor allem durch erfinderische Spezialeffekte überzeugen konnte. Davon ist BEHIND YOU weit entfernt. Was hier gezeigt wird, mutet beinahe altbacken, steif und verbittert an. Die Verläufe sind klar, gradlinig, bekannt und überraschungsarm. An Blut wird gespart. Hinzukommt, dass sich Figuren teils nicht nachvollziehbar verhalten und unnahbar bleiben. Dass auch noch die beiden Jungdarsteller trotz ambitioniertem Schauspiel mehr nerven, als überzeugen, versetzt dem austauschbaren BEHIND YOU den Todesstoß. Nein, da schieben wir schnell den nächsten Horrorstreifen in den Player. Über BEHIND YOU wollen wir besseren kein weiteres Wort vergeuden.
 
 


 
 
 

BEHIND YOU – Fazit

 
 
5 Punkte Final
 
 
Man stelle sich vor, man hört eine Platte wieder und wieder, bis zu sie zu nerven beginnt. Gleiches Phänomen stellt sich im Falle von BEHIND YOU ein. Bei diesem lieblos abgedrehten Gruselfilm will man das Gefühl nicht loswerden, als habe man diesen Streifen zuvor schon dutzende Male gesehen. Der Grund: Die Regisseure MATTHEW WHEDON und ANDREW MECHAM haken Verläufe ab, die man in vielen Geisterfilmen der letzten 20 Jahre leicht abgewandelt ähnlich zu sehen bekommen hat. BEHIND YOU ist konventioneller Dämonen-Horror von der Stange, der weder Höhepunkte, eigene Ideen oder Überraschungen zu bieten hat. Ein paar bekannte Gruselmomente hier, etwas nervtötende Besessenheitsthemtik da – fertig ist ein weiterer beliebiger Gruselfilm für die Masse, der nichts Neues zeigt, dafür aber Zeit raubt. BEHIND YOU wurde von den Produzenten finanziert, die bereits für den günstigen Found-Footage-Film THE GALLOWS verantwortlich zeichnen. Die setzen die Reihe preiswert gedrehter Genre-Filme mit BEHIND YOU fort und spulen bekannte Abläufe zum Sparkurs ab. Erfahrene Horrorfilmkenner sollten Abstand nehmen. Neulinge hingegen könnten bei so manch vorhersehbarem Schreckmoment vielleicht noch zusammenzucken. Trotzdem ist dieser lahme Gruselfilm nichts, was dauerhaft im Kopf bleibt. Schade ums Budget.
 
 
 


 
 
 

BEHIND YOU – Zensur

 
 
 
BEHIND YOU ist ein vollkommen harmloser Vertreter der Gattung „Dämonen- und Geistergrusler“. Es gibt kaum Schuwerte zu sehen. Man darf von einer ungeschnittenen Freigabe ab 16 Jahren ausgehen.
 
 
 


 
 
 

BEHIND YOU – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von Vertical Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Devil’s Dolls (2016)
 
Speak No Evil (2013)
 
The Hollow Child (2017)
 
Fall 39 (2009)
 

Filmkritik: „Don’t Let Them In“ (2020)

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DON’T LET THEM IN

Story

 
 
 

Zwei Sozialarbeiter müssen für den nächsten Fall Nerven lassen. Im Haus des neuen Klienten werden sie von drei Fremden in die Mangel genommen.

 
 
 


 
 
 

DON’T LET THEM IN – Kritik

 
 
 
Marketing ist alles. Das kann manchmal hinterhältig sein. Da wird alles daran getan, um die Aufmerksamkeit des Zuschauers zu gewinnen. Hier ein reißerisches Filmplakat, dort ein hektisch geschnittener Trailer. Was letztendlich wirklich auf dem Tisch landet, ist zweitrangig – Hauptsache der Filmfan kauft. Eine dieser Marketing-Mogelpackungen nennt sich DON’T LET THEM IN. Das amerikanische Cover zur Heimkinoveröffentlichung suggeriert vertrautes Horrorfilmfutter. Dort sind vermummte Gestalten zu sehen, die mit Gewalt in ein Haus eindringen wollen. Erfahrene Filmkenner ziehen da nicht zu Unrecht Parallelen zum Horror-Hit THE PURGE, in dem ahnungslose Hauseigentümer von mordlüsternen Fremden terrorisiert und abgeschlachtet werden. Leider hat der vorliegende Indie-Horror kaum was mit genanntem Horrorthriller aus der Blumhouse Produzentenwerkstatt gemein. Der Film geht andere Wege. Enttäuschte Gesichter werden vorprogrammiert sein.
 
 
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Zwei Sozialarbeiter nehmen ihre Arbeit besonders ernst. Die betreuen Menschen am Rande der Gesellschaft und sehen so oft jede Menge Elend. Ein neuer Fall führt zu einem Klienten am Hintern der Welt. In einem heruntergekommenen Anwesen lebt ein Kindermörder, der nach 15 Jahren aus der Haft entlassen wurde. Nun soll er fachmännisch betreut werden. Leider verläuft der Besuch vom sozialen Dienst komplizierter als gedacht. Der Mann scheint nämlich verwirrt zu sein. Der sieht sich von Fremden verfolgt und sperrt den Besuch gleich mal in den eigenen vier Wänden ein. Da ist die Stimmung natürlich im Keller. Doch Karl und Jenna lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. Die haben im Beruf schon so manch heikle Situation bewältigt und wissen, was zu tun ist. DON’T LET THEM IN wäre aber kein Horrorfilm, wenn nicht irgendwas unheimliches passieren würde. Der entlassene Häftling hatte mit seiner Paranoia nicht unrecht. Tatsächlich wollen drei Männer ins Haus. Was die aber wollen, hat mit dem oben genannten THE PURGE so rein gar nichts am Hut.
 
 
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Wer sich allein vom Cover zum Kauf verleiten lässt, schaut später dumm aus der Wäsche. DON’T LET THEM IN verspielt sein Potenzial zu früh. Drei maskierter Männer wollen in ein Haus und lassen nicht locker. Die schleichen um das Anwesen und brechen letztendlich ein. Wer jetzt aber glaubt, dass das Home Invasion par excellence ist, irrt gewaltig. Es wird weder gequält, noch gefoltert oder sinnlos gemordet. Die gern mal in dieser Art von Filmen gezeigte Vergewaltigung unschuldiger Menschen fehlt ebenso. Regisseur MIKE DUNKIN hat andere Pläne und steuert eine unerwartete Richtung an. Es geht ins Fantastische, was letztendlich bedeutet, dass es übernatürlich wird. Ja, das bringt Abwechslung in das eingerostete Home-Invasion-Genre, das seit Jahren wegen fehlender Originalität keinen so guten Ruf mehr genießt. Das ist aber schon das Einzige, was hervorzuheben wäre.
 
 
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Der britische DON’T LET THEM IN bleibt nämlich weitestgehend spannungsarm und zeigt, dass er wegen des kleinen Budgets nicht viel riskieren kann. Somit reichts nur für ein Kammerspiel mit drei Figuren auf begrenztem Raum, das vehement versucht, so etwas wie Klaustrophobie und Panik zu verursachen. Drei Leute sitzen drinnen fest und werden vom Bösen bedroht. Letzteres wartet vor der Türe und ist nicht freundlich gestimmt. Die Bedrohung wird mit einfachen Mitteln möglichst lang hinausgezögert, damit der Film Spielfilmlänge erreicht. Doch das Interesse am Fortgang ist bald verflogen. Nach knapp 40 Minuten Rätselraten und der Ungewissheit, wer da ins Haus will, wird das Geheimnis gelüftet. Es sind keine Menschen, sondern Mächte fernab der irdischen Welt, die Rechnungen begleichen wollen. Danach ist die Luft raus und DON’T LET THEM IN quält sich mit wirren Wendungen zur weit entfernten Zielgerade, ohne dabei echte Höhepunkte abzuhaken. Krönender Abschluss ist ein Twist. Der beleuchtet alle Geschehnisse aus einer anderen Perspektive und presst den Film zwanghaft in eine Schublade, in die er so gar nicht passen will. Das mutet sehr konstruiert an und lässt mit dem Kopf schütteln. Launischer kann ein B-Movie nicht enden.
 
 
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DON’T LET THEM IN – Fazit

 
 
5 Punkte Final
 
 
THE PURGE trifft auf YOU’RE NEXT. Mit diesen beiden bekannten Horrorfilmen wird auf dem amerikanischen Filmplakat geworben. Sehr gewagt, zumal sich DON’T LET THEM IN weit weg von den Qualitäten genannter Streifen befindet und auch sonst nur wenige bis gar keine Parallelen vorzuweisen hat. DON’T LET THEM IN sollte anfangs DEVIL’S NIGHT heißen. Offenbar verriet der Titel zu viel über den Plot und wurde für den internationalen Filmmarkt in DON’T LET THEM IN umgetauft. Der Film beginnt wie jeder beliebige Home-Invasion-Thriller und endet anders als erhofft. Hört sich interessant an, ist aber großer Käse, weil zu sehr in der Nonsens-Schublade für Horrorfilme gewühlt wird. Ein konfuser Twist trägt ganz schön dick auf. Da geht die Glaubwürdigkeit verloren. Bleibt noch zu erwähnen, dass DON’T LET THEM IN zwar britischen Humor, zwei Splatter-Momente und brauchbares Schauspiel besitzt – aber dennoch keine Empfehlung bekommt. Der Grund: Langeweile. Wer Einschlafhilfe benötigt, kann einen Blick riskieren. Der Low-Budget-Sektor des Horrorgenres hat schon bessere Werke hervorgebracht.
 
 
 


 
 
 

DON’T LET THEM IN – Zensur

 
 
 
In DON’T LET THEM IN werden zwei Köpfe zerschossen, die dann übertrieben explodieren und die Protagonisten mit Blut besudeln. Ansonsten sieht man noch Stichwunden. Ja, die Effekte sind ganz brauchbar, machen den Film aber nicht unbedingt besser. Hierzulande darf man eine FSK16 erwarten – insofern DON’T LET THEM IN in Deutschland überhaupt ausgewertet werden sollte.
 
 
 


 
 
 

DON’T LET THEM IN – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von The Ideas Factory | 4Digital Media)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Wolves at the Door (2016)
 
Ghostland (2018)
 
Them – Spiel oder stirb (2006)
 

Filmkritik: „The Assent“ (2019)

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THE ASSENT

Story

 
 
 

Ein schizophrener Vater macht sich Sorgen um das eigene Kind, als das plötzlich auch Wesensveränderungen an den Tag legt. Hat es die furchtbare Krankheit vom Vormund geerbt? Eine Frage mit der THE ASSENT versucht den Zuschauer zu verwirren.

 
 
 


 
 
 

THE ASSENT – Kritik

 
 
 
Die wohl wichtigste Regel im Horrorfilmgeschäft: Wenn Dein Film nicht sonderlich dolle ist, schneid einen guten Trailer zusammen und liefer ein vielversprechendes Filmplakat ab. So ist die Aufmerksamkeit des Publikums gewiss und die Filmfans kaufen blind. Genau diese Masche fährt auch Regisseur PEARRY REGINALD TEO mit dem Okkult-Horror THE ASSENT. Das Poster schaut Bombe aus und der Werbefilm macht Lust auf mehr. Die Einsicht kommt nach der Sichtung. THE ASSENT ist einer dieser Low-Budget-Grusler die man früher ohne Umwege in die Videotheken gestellt hat. Die liefen zwei bis drei Wochen gut und wanderten anschließend in die unteren Regale, um dort zu verstauben. Kaum Neuerungen. Stattdessen altbekannte Abläufe und Überraschungsarmut. Muss das denn sein?
 
 
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THE ASSENT rückt den alleinstehenden Vater Joel (Hollywood-Schauspieler ROBERT KAZINSKY) in den Mittelpunkt. Der hat kein einfaches Los gezogen. Seit die Gattin bei einem Autounfall gestorben ist, muss er sich um Sohnemann Mason (CADEN DRAGOMER) kümmern und versucht mit Nebenjobs den Lebensunterhalt zu bestreiten, um nicht das Sorgerecht zu verlieren. Kein leichtes Unterfangen, zumal das Familienoberhaupt auch noch unter Schizophrenie leidet und ständig seltsame Dinge sieht. Da kündigt aus heiterem Himmel die Babysitterin und das geregelte Leben gerät aus den Fugen. Wer passt nun auf das Kind auf, während der Vater das Geld verdient? Eine Frage, die auf einmal in Angst umschlägt. Mason beginnt sich plötzlich zu verändern und erblickt wie der Vater Dinge, die sonst niemand sieht. Entwickelt der Spross etwa die gleichen Symptome wie der Papa? Gut, dass sich der Sache ein Priester annimmt. Der hat von der Wesensveränderung des Jungen gehört und vermutet dämonische Kräfte. Schnell wird ein Exorzismus vorbereitet, um den Eindringling zu vertreiben. Ob am Ende alles gut ausgehen wird?
 
 
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THE ASSENT wurde als gruseligster Film auf dem Toronto After Dark Filmfestival 2019 beworben. Das stimmt aber nur bedingt. Was sofort ins Auge fällt und die Tatsache bekräftigt, ist der düstere Look. Atmosphärisch kann man diesem Gruselstreifen nicht abstreiten, dass es ihm hin und wieder gelingt, mit gespenstigen Bildern und surrealen Kameraeinstellungen eine schaurige Stimmung zu erzeugen. Inhaltlich ist das, was THE ASSENT aber bietet Schnee von gestern. Drehbuchautor und Regisseur PEARRY REGINALD TEO bedient sich ganz unverfroren bei Friedkins DER EXORZIST, ohne aber je dessen Klasse zu erreichen. Wir haben ein Kind, das von dämonischen Kräften heimgesucht wird und drei Stufen durchlebt, die einen Exorzismus unausweichlich machen. Damit die Plattheit der Handlung nicht ganz so offensichtlich ist, wird von Verwirrungstaktik Gebrauch gemacht. Sind die Wesensveränderungen auf eine psychische Krankheit zurückzuführen, an der bereits Vater Joel leidet und welche er seinem Sohnemann weitervererbt hat? Oder hat die Verwandlung übernatürliche Gründe und gehen auf das Konto des Teufels? Der Täuschungsversuch steuert einen Twist an. Der kommt vor Abspann ganz überraschend und klärt den Zuschauer hinterlistig auf, dass der sich gutgläubig an der Nase hat herumführen lassen. Aufgrund der unvorhersehbaren Auflösung bekommt THE ASSENT gerade noch so die Kurve. Hätte man auf den Überraschungsmoment verzichtet, wäre dieser Okkult-Horror auch nur einer von mittlerweile viel zu vielen.
 
 
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THE ASSENT – Fazit

 
 
6 Punkte Final
 
 
Familiendrama meets Dämonen-Horror. Atmosphärischer Exorzismus-Horror mit verblüffender Auflösung für den Regisseur PEARRY REGINALD TEO verantwortlich zeichnet. Der hat schon einige Billig-Horrorsachen – wie DEAD INSIDE oder GHOSTHUNTERS – verbrochen. Das waren arschlangweilige und günstig produzierte Gurken über die zurecht heute niemand mehr spricht. THE ASSENT ist die bis dato beste Arbeit des Filmemachers, wenngleich aber auch nicht unbedingt eine Sternstunde des Besessenheit-Genres. Alles verläuft hier nach den Regeln, die einst William Friedkin mit seinem DER EXORZIST im Jahr 1973 für Horrorfilme aufgestellt hat, in denen Menschen von Priestern exorziert werden müssen. Während dieses scheinbar zeitlose Meisterwerk auch heute noch unverfroren schockiert und das Publikum aus den Kinosesseln reißt, gelingt das vielen neueren und ähnlich gelagerten Produktionen nur selten. Gleiches trifft auf THE ASSENT zu, der vermutlich deswegen kaum gruselt, weil er eben fast die gleichen Handlungsabläufe abspult, die man seit genannten Klassiker zu häufig vor der Linse hatte. Immerhin gefällt ein Twist am Ende des Films. Dennoch ist THE ASSENT nichts mehr als Video-Dutzendware, die mittlerweile am Fließband produziert wird. Kann man schauen, muss man aber nicht.
 
 
 


 
 
 

THE ASSENT – Zensur

 
 
 
Gewalttechnisch passiert in THE ASSENT eigentlich nicht viel. Etwas Gruselige Stummung und ein paar verstörende Visionen dürften dafür sorgen, dass der Exorzismus-Horror hierzulande eine sichere FSK16 erhalten wird.
 
 
 


 
 
 

THE ASSENT – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen stammen von Eagle Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Der Exorzist (1973)
 
Incarnate – Teuflische Besessenheit (2016)
 
Erlöse uns von dem Bösen (2014)
 
Possession – Das Dunkle in Dir (2012)
 

Filmkritik: „Belzebuth“ (2017)

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BELZEBUTH

Story

 
 
 

Eine Reihe schrecklicher Morde an Kindern bringt einen Special Agent an seine Grenzen.

 
 
 


 
 
 

BELZEBUTH – Kritik

 
 
 
Wenn der Name von Schauspieler TOBIN BELL auf einem Filmplakat zu lesen ist, läuten bei Filmkennern die Alarmglocken. Das muss heftige Filmunterhaltung werden, die sich vor allem durch eines auszeichnet: Gewalt. Der Darsteller hat sich nämlich seit den 2000ern mit der Rolle als JIGSAW in der brutalen SAW-Filmreihe ein Denkmal gesetzt. Seither wird er ausschließlich mit diesen Horrorschockern in Verbindung gebracht. Dabei wird völlig vergessen, dass der Amerikaner in den 1980ern und 1990ern ganz andere Filme gemacht hat, die hochkarätig besetzt waren. Darunter Hollywood-Produktionen wie DIE FIRMA oder GOOD FELLAS. Leider wird Bell gleiches Schicksal zuteil, wie vielen Schauspielern zuvor, die zu oft in derselben Rolle zu sehen waren. Es gelingt nicht mehr aus dem Kreislauf auszubrechen und Angebote für seriöse Filme anderer Genres zu erhalten. Deshalb muss man nehmen, was kommt. Für Bell bedeutet das: neue SAW-Fortsetzungen oder Auftritte in günstigen Horrorproduktionen. Daher folgt nun nach SAW, DARK HOUSE und THE SANDMAN ein weiterer Horrorfilm. Der nennt sich BELZEBUTH, entstand in Mexiko und ist gar nicht übel. Offenbar sah das auch der amerikanische Streaminganbieter SHUDDER so und krallte sich gleich die Rechte des Thrillers.
 
 
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Special Agent Emanuel Ritter ist mit seinem Leben rundum zufrieden. Die Arbeit bei der Polizei ist interessant und auch privat läuft es perfekt. Da kommt es plötzlich zu einer grausamen Mordserie an der Grenze zwischen den USA und Mexiko, die selbst dem erfahrenen Gesetzeshüter an die Nieren gehen. Bei den Opfern handelt es sich nämlich um Kinder, die auf schreckliche Art ihr Leben lassen müssen. Darunter der eigene Nachwuchs des Polizeibeamten. Doch wer ist nur zu solchen Taten fähig? Offenbar übernatürliche Mächte. Das zumindest behauptet ein Vertreter des Vatikans, der in den Morden die Handschrift des alttestamentarischen heidnischen Dämons Beelzebub sieht. Ist da was Wahres dran? Man macht bald gemeinsame Sache und kommt so einem Strippenzieher auf die Spur, der mit allen Wassern gewaschen ist.
 
 
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Wie gewinnt man Horrorfilmzuschauer? Natürlich mit Schockwirkung. So beginnt BELZEBUTH direkt mit schrecklichen Szenen, die sich ins Gedächtnis einbrennen und das Kopfkino aktivieren. Wir sehen, wie eine Krankenschwester unzählige Säuglinge einer Geburtenstation abschlachtet. Außer ein paar Blutspritzern, Geschrei und Chaos ist nichts zu erkennen. Dennoch macht sich ein beklemmendes Angstgefühl breit. Doch das ist noch lange nicht die Spitze des Eisbergs. Es folgen weitere Massaker an unschuldigen Kindern. So sehen wir in einer anderen Szene, wie ein Junge seine Mitschüler in einer Grundschule hinrichtet. Verstörende Gewalt, die in einem weiteren Massenmord gipfelt. Die Putzfrau einer Schwimmhalle handelt von Sinnen. Die schnappt sich diverse Stromkabel und springt in ein Becken planschender Kinder. Gewalt als Mittel zum Selbstzweck. Regisseur EMILIO PORTES weiß wie viel gezeigt werden muss, ohne gleich die Splatterkeule schwingen zu müssen, damit aber trotzdem vor den Kopf stößt. Die Aufmerksamkeit des Publikums ist ihm damit gewiss.
 
 
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In der Tat sitzt man gefesselt vor der Glotze und will wissen, wer für die Taten verantwortlich zeichnet. Terroristen? Ein hasserfüllter Serienkiller? Eine Sekte? Atmosphäre und Spannungsaufbau sind beachtlich. Der Zuschauer folgt einigen Polizisten, die bei ihren Recherchen immer weiter in einen Strudel von Umständen gezogen werden, der sie am Ende in große Gefahr bringt. Der Ton ist rau, die Stimmung düster. Die Hölle allgegenwärtig. Leider kommt BELZEBUTH in der Halbzeit vom rechten Weg ab. Während der Film in der ersten Stunde um Spannung und Atmosphäre bemüht ist, platzen die Geheimnisse sprichwörtlich in der zweiten Hälfte aus ihm heraus. Plumpe Antworten, generische Abläufe, verworrene Handlungsstränge. Regisseur EMILIO PORTES opfert seinen interessanten Genre-Beitrag zugunsten kommerziellen Horrorkinos und verrennt sich zu sehr im totgefilmten Okkult-Fach. Da dürfen Exorzismusszenen ebenso wenig fehlen, wie Dämonengeplapper und plakative Effektemacherei. Die Kamera hält vehement drauf und die anfangs zelebrierte Subtilität mit dem effektiven Kopfkino wird kurzerhand über Bord geworfen. Ärgerlich.
 
 
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BELZEBUTH – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Finchers SIEBEN trifft auf Friedkins DER EXORZIST. Der mexikanische Horrorfilm BELZEBUTH ist eine Granate in Sachen Atmosphäre. Der Zuschauer wird schnell in ein düsteres und ungemütliches Szenario gezerrt, das zum beunruhigendsten gehört, was man in letzter Zeit auf der Mattscheibe hatte. Dabei ganz stark: die erste Hälfte dieses Horrorthrillers. Schreckliche Morde, viele Rätsel und jede Menge Fragen. Dazwischen Kopfkino purr. So hätte es weitergehen können. Regisseur EMILIO PORTES entscheidet sich aber für einen anderen Weg und will lieber konventionell weiter machen. Viel Geschrei, plakative (teils doofe) Effekte und generische Handlungsverläufe sind die Folge. Damit schlittert BELZEBUTH haarscharf am Geheimtipp vorbei. Trotzdem ist BELZEBUTH immer noch ein sehr spannender Horrorfilm mit einem charismatischen TOBIN BELL – diesmal mit übertriebenen Tattooschmuck und langem Bart.
 
 
 


 
 
 

BELZEBUTH – Zensur

 
 
 
Die Gewaltszenen in BELZEBUTH sind heftig. Da werden Kinder ermordet. Wer aber jetzt denkt, dass die Grausamkeiten detailliert zelebriert werden, wird enttäuscht. Die Kamera blendet weg. Meist sieht man nur etwas Blut an Wände oder in Gesichter spritzen. Trotzdem sind die Reaktionen der Beobachter und die Schreie heftig. Weiterhin kommt in der zweiten Filmhälfte etwas Splatter zum Einsatz. Mit etwas Glück dürfte es für BELZEBUTH eine FSK16 geben.
 
 
 


 
 
 

BELZEBUTH – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Videocine / Pastorela Peliculas)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Sieben (1995)
 
Speak no Evil (2013)
 
Sinister (2012)
 
Bereavement – In den Händen des Bösen (2010)
 

Filmkritik: „Here Comes Hell“ (2019)

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HERE COMES HELL

Story

 
 
 

Stark gespielter Dämonenhorror mit schaurig-kurioser Atmosphäre. Für fünf Bekannte, die sich in einem großen Anwesen treffen, wird die Nacht zum Albtraum, denn als sie versuchen mit der anderen Seite Kontakt aufzunehmen, resultiert daraus dämonischer Besuch.

 
 
 


 
 
 

HERE COMES HELL – Kritik

 
 
 
Wir schreiben das Jahr 2019 und noch immer erfreut sich der Dämonen-Horror großer Beliebtheit. Mit einem Budget von gerade mal ca. 20.000 Pfund hat sich der Newcomer Jack McHenry dann gleich mal an diesem Horror probiert. Liegt ja auch auf der Hand, denn ein großes Budget braucht man bei solchen Filmen nicht unbedingt. Herzblut und Ambitionen sind da viel wichtiger. Beides merkt man „Here Comes Hell“ an und trotzdem will das Resultat nicht so richtig funktionieren, weil zu viel Leerlauf herrscht und der geneigte Horrorfan auch nicht wirklich etwas Neues zu sehen bekommt.
 
 
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Fünf junge Leute, die allesamt in gewisser Weise miteinander in Verbindung stehen, treffen sich im Anwesen Westwood Manor zusammen, um dort eine Dinner-Party zu zelebrieren. Doch der Gastgeber hat eigentlich andere Pläne. Er will den Vorbesitzer des Anwesens hinaufbeschwören, denn der machte damals wohl Bekanntschaft mit paranormalen Wesen. Sowieso gibt es viele Gerüchte und Legenden über das große Haus und als man dann eine Séance abhält, wird schnell klar, dass an all diesen Gerüchten etwas dran ist. Der ganz normale Dämonenhorror könnte man also sagen. Was „Here Comes Hell“ ein wenig von vielen Genre-Vertretern abhebt, ist die Tatsache, dass er sich in den 1930er Jahren abspielt und man so eine sehr altmodische Stimmung erzeugt. Ansonsten läuft alles nach Schema F ab und die gängigen Klischees fehlen da auch nicht. Am ehesten erinnert das Szenario an „Evil Dead“, nur eben nicht im Wald in einer kleinen Holzhütte, sondern auf dem Land in einem großen Anwesen in älterer Zeit. Leider besitzt das Ganze nur relativ wenig Substanz und besteht nicht gerade aus vielen kreativen Ideen, so dass das Drehbuch, welches ebenfalls Jack McHenry verfasst hat, ein wenig blass bleibt.
 
 
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Eine gute Entscheidung war es allerdings, „Here Comes Hell“ komplett in Schwarz-Weiss zu drehen. Das verleiht dem Werk schon die ideale Stimmung. Die Schauplätze können sich allgemein sehen lassen und wirken authentisch altmodisch. Dazu gesellt sich noch ein recht klassischer Score, der die Atmosphäre ebenfalls verstärken kann. Man kann Jack McHenry nur dafür loben, was er aus dem schmalen Budget gezaubert hat, denn besonders aus handwerklicher Sicht lässt sich der Film gut anschauen. Das ist ambitioniert gemacht, besitzt verspielte Kamerafahrten und zudem einige Effekte, die für diese Preisklasse überraschend gut aussehen. Für diese zeichnete sich ebenfalls McHenry verantwortlich. Zwar wird leider nicht sonderlich viel gesplattert, aber ein paar blutige Effekte gibt es zu sehen und diese sind solide ausgefallen. Daneben schrumpft noch eine Frau und es tauchen Geistergestalten auf. Das sieht alles nicht phänomenal gut aus, aber man durfte solche Effekte selbst in teureren Filmen schon deutlich schlechter sehen.
 
 
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Realisiert wurde „Here Comes Hell“ dann mit eigentlich nur sechs Darstellern und man darf von einer solchen Preisklasse sicherlich nicht die besten Leistungen erwarten, doch überraschenderweise machen die Schauspieler ihre Sache gut. Immer mal ist ein wenig Overacting mit im Spiel, doch das wird glaubwürdig gespielt und ist niemals nervig ausgefallen. Sowieso lässt man sich erstaunlich viel Zeit, um die Charaktere einzuführen. Besonders viel Substanz besitzen sie dadurch nicht, aber leicht verschroben und ein wenig eigenartig wirken sie alle. Obwohl man sich so viel Zeit lässt bei der Einführung, kommen leider dennoch keine großen Sympathien auf.
 
 
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Und das ist das größte Problem von „Here Comes Hell“. Die erste Hälfte ist einfach ziemlich langweilig. Hier lernt man die fünf Charaktere kennen und wie ihre Beziehung zueinander aussieht, doch dieser Teil fällt zu langatmig aus. Bei einer Laufzeit von nur 75 Minuten (mit Abspann) ist es zu viel, wenn die Hälfte über nichts geschieht. Erst danach häufen sich die Dämonen-Attacken so langsam und ehe man sich dann versieht, ist der Film auch schon wieder zu Ende. Die zweite Hälfte ist relativ unterhaltsam und es wird etwas blutiger, so dass hier von Kurzweil gesprochen werden kann. Doch Horrorkomödie kann man das leider nicht wirklich nennen. Abgesehen davon, dass „Here Comes Hell“ niemals besonders ernst wirkt, besitzt er einfach keine Lacher und ist zu selten wirklich amüsant. Gruselig ist das allerdings auch niemals so richtig. So kann man als Fan von solchen Werken zwar mitunter seinen Spaß haben, weil ein paar wenige Einfälle etwas überraschend kommen, aber größtenteils bekommt man nichts geboten, was man nicht schon origineller gesehen hätte.
 
 


 
 
 

HERE COMES HELL – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Altmodischer Dämonenhorror trifft auf abgedrehte Komödie. „Here Comes Hell“ ist handwerklich wirklich gut gemacht. Das sehr geringe Budget wurde stark genutzt, denn die Optik überzeugt, die Kulissen wirken authentisch, sogar die Darsteller agieren passend und die recht wenigen Effekte sehen für diese Preisklasse sehr gut aus. Daneben wird zusammen mit einem soliden Score eine leicht schaurige, leicht skurrile Atmosphäre erzeugt, die wirklich schön altmodisch wirkt. Leider gibt die Story aber so gut wie nichts her, es mangelt an kreativen Einfällen, die Figurenzeichnung ist langweilig und die erste Hälfte des Filmes ist deutlich zu langatmig geraten. Wenn am Ende nur eine gute, halbe Stunde Dämonen-Horror herausspringt, ist das zu wenig und lustig will es leider auch kaum werden. Fans des gut gemachten, günstigen Horrorfilms sollten ruhig einen Blick riskieren, doch die Erwartungen sollten nicht zu hoch ausfallen!
 
 
 


 
 
 

HERE COMES HELL – Zensur

 
 
 
„Here Comes Hell“ ist ein liebevoll gestalteter Horrorfilm mit kreativen Effekten alter Schule. Er wurde mittels Kickstarter finanziert und hat einige blutige Schmankerl zu bieten. Man darf von einer ungeschnittenen FSK16 ausgehen. Das deutsche Label INDEED FILM wird den Streifen im Herbst 2019 in Deutschland veröffentlichen.
 
 
 


 
 
 

HERE COMES HELL – Trailer

 
 

 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Trashouse Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Tanz der Teufel (1981)
 
Evil Dead (2013)
 
Night of the Demons (1988)
 
Night of the Demons (1994)
 
Ritter der Dämonen (1995)
 

Filmkritik: „Hausu“ (1977)

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HAUSU

(HOUSE)

Story

 
 
 

Im verschrobenen Kultklassiker „Hausu“ sucht ein sechzehnjähriges Mädchen das Haus ihrer Tante auf, ohne zu wissen, dass dort Dämonen auf sie warten.

 
 
 


 
 
 

HAUSU – Kritik

 
 
 
Das japanische Kino wartet schon mit so manch kuriosen Beiträgen auf. Gerade im Horrorbereich weichen die Sehgewohnheiten zu einem westlichen Publikum doch enorm ab. Wenn man es dann noch mit einem skurrilen Film aus dem Jahre 1977 zu tun bekommt, darf man schon gespannt sein. „Hausu“ ist nicht nur als Endprodukt seltsam, schon alleine die Entstehungsgeschichte ist merkwürdig. Ursprünglich kam die Tōhō-Filmgesellschaft auf den Experimental-Filmer Nobuhiko Ōbayashi zu, um eine Art „Der weiße Hai“ zu drehen. Es entstand ein Drehbuch, bei welchem Ōbayashi Ängste seiner Tochter einfließen ließ. Am Ende war eine Geisterhorrorfilmstory entstanden, die nur scheinbar niemand verfilmen wollte. So vergingen zwei Jahre und letztendlich durfte Ōbayashi, der zuvor noch keinen Langfilm gedreht hatte, Regie führen. Dabei ist ein äußerst eigenwilliger, verspielter Film entstanden, der nicht ganz zu unrecht einen gewissen Kultstatus gewinnen konnte, denn was man hier sieht, ist schon echt ziemlich abgefahren.
 
 
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Die Story steht dabei völlig im Hintergrund. Die sechzehnjährige Oshare ist Jahre nach dem Tod ihrer Mutter absolut nicht begeistert davon, dass ihr Vater eine neue Frau gefunden hat. Also verzieht sie sich in den Sommerferien mit ein paar Schulfreundinnen zu ihrer Tante, die abgeschieden auf dem Land lebt. Erst mal dort angekommen, müssen die Mädels schon bald feststellen, dass hier etwas nicht stimmt. Die Tante ist nicht das, was sie vorgibt und mit der Katze hängt das Ganze auch noch zusammen. Streng genommen, wird hier ganz normaler Spuk erzählt, der zwar zusätzlich minimal mit dem Zweiten Weltkrieg verbunden wird, aber dadurch trotzdem kaum an Substanz dazu gewinnt. Diese Handlung bietet simplen Geisterhorror, der allerdings durch die Machart dermaßen konfus wirkt, dass man als Zuschauer schon mal leicht vergessen kann, worum es denn eigentlich geht.
 
 
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Tōhō ließ Ōbayashi letztendlich freie Hand. Die Mitarbeiter empfanden das, was da gedreht wurde, als schwachsinnig und scheinbar wollte das Studio genau so etwas haben. Mit einem Erfolg hatte niemand gerechnet und selbst wenn die Kritiken damals schlecht ausfielen, spielte „Hausu“ in Japan überraschend viel Geld an den Kinokassen ein. Ob das an dieser verspielten Machart gelegen hat, kann man nur mutmaßen, aber Fakt ist, dass „Hausu“ schon sehr speziell ist. Das große Geld wird hinter diesem Werk mit Sicherheit nicht gesteckt haben und trotzdem ist der Film selbst so manch billigem Teil von heute einiges voraus. Ōbayashi lässt auf jeden Fall die Sau heraus und inszeniert wild drauf los. Teilweise ist das alles bodenständig gefilmt und dann kommen wilde Schnitt-Techniken zustande. Hier und da werden Bilder in andere Hintergründe eingefügt, es kommt sogar mal zu kleinen Zeichentrick-Einlagen und im Endeffekt wurden manche Effekte auch mit Zeichentrick realisiert. Das ist alles ziemlich simpel gemacht, aber zeitgleich dermaßen experimentell, dass man als normaler Zuschauer nicht schlecht staunt. Nebenbei wurde das aber mit einer gewissen Stilsicherheit realisiert und wenn dann im Finale alles immer hektischer und wilder wird, kann man nicht anders, als irgendwie fasziniert zu sein.
 
 
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Der eigentlichen Handlung kann man dabei schon bald nicht mehr folgen, aber sie spielt auch eigentlich gar keine echte Rolle. Es gibt zwar eine kleine Schlusspointe, doch am ehesten ist das Drehbuch hier Mittel zum Zweck. Der Zweck besteht darin möglichst abgefahren zu agieren und dabei entsteht dann eine gewisse surreale Atmosphäre. Nichts daran kann der Zuschauer so richtig ernst nehmen und trotzdem stellt „Hausu“ nicht unbedingt eine Horrorkomödie dar. Gruselig oder unheimlich ist das allerdings auch überhaupt nicht. Brutal wird es ebenfalls nicht, doch das ist hier nicht wichtig. Die höchst schrullig gestalteten Effekte alleine sind eine Sichtung wert. Man kann diese nicht zwangsläufig als gut bezeichnen, doch sie sind so liebevoll von Hand gemacht, dass man sie gar nicht als schlecht beurteilen mag. Es entsteht auf jeden Fall eine sehr eigenwillige Stimmung, die fernab von Spannung besteht. Dazu gewinnt man gar nicht genug Draht zu den Charakteren. Diese sind alle einfach so da, bekommen so gut wie keinerlei Hintergrund, wirken weder sympathisch noch unsympathisch. In „Hausu“ spielen solche Dinge keine Rolle. Das Geschehen funktioniert auch so.
 
 
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Dementsprechend gibt es hier eigentlich auch keine Darstellerleistungen, die man ansprechen müsste/könnte. Die meisten Schauspieler kamen sowieso nicht aus der Filmbranche, doch selbst bei billigeren Werken können die Japaner meist mit soliden Leistungen dienen. Dem ist auch in „Hausu“ so. Alles zweckdienlich gespielt, niemals nervig, immer brauchbar, ohne in Erinnerung bleiben zu können. Die skurrile Machart ist hier der Star und teilweise fühlt man sich schon fast etwas mehr an einen Anime, als an einen Horrorfilm erinnert. Technisch ist das aber alles sauber umgesetzt worden und der Score ist zudem ebenfalls nicht schlecht. Nur schade, dass man ständig lesen muss, denn ohne Untertitel geht es für nicht Japanisch-Könner nicht. Scheinbar wurde „Hausu“ bis heute niemals ins Deutsche übersetzt.
 
 
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HAUSU – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
„Hausu“ lässt sich schon als abgefahren bezeichnen. Regisseur Ōbayashi liefert hier ein Feuerwerk an inszenatorischen Ideen und skurrilen Effekten ab. Dass die Story dabei so gut wie keine Rolle spielt, die Charaktere gänzlich austauschbar bleiben und von den Darstellern nicht sonderlich viel verlangt wird, verzeiht man als Zuschauer gerne, denn die knapp 90 Minuten Laufzeit vergehen dank der vielen Einfälle echt kurzweilig und nebenbei wurde das Ganze doch recht hochwertig inszeniert. Die Atmosphäre ist zwar niemals richtig unheimlich, dafür aber relativ amüsant und in manchen Szenen kommt eine surreale, fast schon psychedelische Stimmung auf, die begeistern kann. Das fängt noch halbwegs bodenständig an, wird aber spätestens im Finale zu einem echten Trip. Von daher hat sich „Hausu“ seinen Kultstatus schon irgendwie verdient und wer es gerne experimentell, unkonventionell und speziell hat, sollte sich dieses eigenwillige Werk nicht entgehen lassen. Seltsam, aber gut!
 
 
 


 
 
 

HAUSU – Zensur

 
 
 
Auf dem Cover des Digipacks von „Hausu“ prankt ein FSK16-Logo. Die enthaltene Fassung ist ungeschnitten. Fans asiatischer Genreware können bedenkenlos zugreifen. Aber Achtung: Auf der Scheibe befindet sich der Originalfilm mit deutschen Untertiteln. Eine deutsche Synchronisation wurde „Hausu“ vorenthalten.
 
 
 


 
 
 

HAUSU – Deutsche Blu-ray

 
 
 

(c) Rapid Eye Movies

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Hausu; Japan 1977

Genre: Horror, Fantasy, Komödien

Ton: Japanisch DD 2.0 (Mono)

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.33:1

Laufzeit: ca. 87 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Digipack im Schuber

Extras: Interviews (ca. 18 Min.), Trailer

Release-Termin: 16.08.2019

 

Hausu (Special Edition) [Blu-ray + DVD] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

HAUSU – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Abbildungen stammen von Rapid Eye Movies)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Schreckenshaus des Dr. Rasanoff (1960)
 
Montana Sacra – Der heilige Berg (1973)
 
Der phantastische Planet (1973)
 

Filmkritik: „Isabelle“ (2018)

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ISABELLE

(THE WANTING | ISABELLE’S WANTING)

Story

 
 
 

Ein bleiches Mädchen bringt durch das ständige Beobachten der neuen Nachbarn genau jene um den Verstand. Letztere fühlen sich so langsam genervt – zumal ihnen der Neuanfang am Rande der Stadt alles andere als einfach fällt.

 
 
 


 
 
 

ISABELLE – Kritik

 
 
 
Wer sich mit Horrorfilmen auskennt weiß schon lange, dass reißerisch gestaltete Filmplakate schon lange nicht mehr die Qualität eines Horrorfilms widerspiegeln. Da wird gern mal mit Blut, Gedärm oder entstellten Fratzen geworben, um die Neugierde des Zuschauers zu wecken. Leider wird so nur vom eigentlichen Inhalt abgelenkt. Bei den meisten neueren Horrorfilmen sieht es damit mau aus. Zum Leidwesen des Käufers. Dem wird einmal mehr bewusst, dass man sich nicht vom Filmplakat leiten lassen soll. In der Regel steckt nämlich genau bei jenen Covergestaltungen Schund dahinter, die auf Biegen und Brechen um die Gunst des Käufers buhlen. Gute Horrorfilme habe ausgefeilte Poster-Kreationen nicht nötig.
 
 
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Bei der folgenden Genre-Produktion mit dem Titel ISABELLE trifft genau diese Formel zu. Da schaut eine verängstigte Frau vom Cover und suggeriert so dem Zuschauer, dass er hier wohl einen der gruseligsten Filme der letzten Jahre zu sehen bekommt. Die Realität sieht anders aus. Der von ROBERT HEYDON inszenierte Horrorstreifen hat zwar mit ADAM BRODY (aus FINAL DESTINATION 3) und SHEILA MCCARTHY (aus STILL/BORN) bekannte Gesichter zu bieten. In Sachen Grusel wird aber nur beliebige Standardware geboten, die eher ermüden lässt, statt den Zuschauer vor Angst um den Schlaf zu bringen. Vielleicht wäre eine gelangweilte Frau auf dem Poster aufschlussreicher gewesen, statt den Käufer mal wieder mit Fehlinformationen hinter das Licht zu führen. Dann hätte der Zuschauer auch direkt verstanden, was ihn erwarten wird.
 
 
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Nervige Stalkerin: In ISABELLE zieht es werdende Eltern in ein gemütliches Häuslein in ruhiger Gegend. Eigentlich das Beste, was der schwangeren Larissa und dem Gatten Matt passieren konnte. Würde da nicht plötzlich ein schrecklicher Schicksalsschlag ereilen. Der ungeborene Sohn stirbt ganz unerwartet und das junge Paar fällt in ein tiefes Loch. Kein guter Start in das gemeinsame Leben, was sich vor allem bei Larissa bemerkbar macht. Die hat mit Depressionen zu kämpfen und sieht sich plötzlich von der schaurigen Nachbarstochter verfolgt. Letztere sitzt im Rollstuhl und beobachtet die neuen Nachbarn von ihrem Dachfenster aus. Da überkommt der traumatisierten Larissa ein unangenehmes Gefühl. Zurecht, denn es dauert nicht lang, bis das bleiche Mädel von Gegenüber auch noch in der Wohnung der jungen Eltern auf Entdeckungsreise geht – unaufgefordert versteht sich. Alles nur Einbildung und doch real? Eine Frage, der Ehemann Matt auf den Grund gehen muss. Ob er schnell professionelle Hilfe finden wird?
 
 
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ISABELLE ist kein cleverer Horrorfilm. Der Gruselstreifen versucht erst gar nicht, dass Beste aus der dünnen Story zu machen. Wo man in Filmen wie THE HOUSE ON PINE STREET oder DARK CIRCLES ähnliche Themen aufgriff und den Zuschauer durch falsche Fährten an der Nase herumführte, geht man in ISABELLE den Weg des geringsten Widerstandes und fällt gleich mit der Tür ins Haus. Dabei entpuppt sich bereits der Trailer als katastrophale Spannungsbremse. Der verrät gleich mal genau jenen Plot, der anfangs noch verschleiert wird und den Zuschauer vor der Glotze halten soll. So ist Regisseur ROBERT HEYDON kläglich darum bemüht ein Mysterium um die Geschehnisse in ISABELLE zu weben. Unsere Filmheldin verliert ihr neugeborenes Kind und beginnt plötzlich Dinge zu sehen, die gar nicht da sind. Alles nur Folgen eines schwerwiegenden Traumas oder ist Larissa auf einmal empfänglich für paranormale Ereignisse? Der Sprung vom Psychothriller zum Geisterfilm ist kurz und macht aus ISABELLE ziemlich austauschbaren Gruselbrei, der sich wirklich jedem Klischee bedient, das man nun schon in gefühlt 1000 Filmen über zornige Geister zu sehen bekommen hat. Das ist angesichts der Tatsache ermüdend, weil es mittlerweile einfach zu viele Gruselproduktionen gibt, in den es spukt oder poltert. Weil die nach immer gleichen Schema abgehandelt werden, hat sich allmählich ein Sättigungsgefühl eingestellt. Das macht sich auch im Falle von ISABELLE bemerkbar. Ja, hier ist ein böses wütendes Geistermädchen am Werke, das dem Gör aus dem japanischen RING-Universum Konkurrenz machen will. Will das jemand sehen? Wir meinen: nein! Etwas mehr Grips und Einfallsreichtum tut beim Gruselhandwerk zwingend Not.
 
 
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ISABELLE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Ein weiterer Versuch dem aus TV-Geräten und Brunnen krabbelnden Mädchen der Horrorfilm-Reihe RING den Rang abzulaufen. Der Gruselfilm ISABELLE ist ein solider Gruselfilm für Anfänger – mehr aber auch nicht. Regisseur ROBERT HEYDON versucht mit ausgelutschten Rezepturen des Geisterfilm-Genres irgendwie Spannung aufzubauen. Vergebens! Der Streifen verrät viel zu früh, dass die stalkende Nachbarstochter eigentlich ein Geist ist und einen Weg sucht, trotz Geisterhülle irgendwie unter den Lebenden verweilen zu können. Für die Filmhelden Grund genug, nach den sterbliche Überresten der toten Stalkerin zu suchen, um dem Geist ins Reich der Toten abschieben zu können. Ja, jetzt haben wir den wenig überraschenden Plot aufgelöst. Den vorausahnen zu können ist aber auch keine Kunst. Erfahrene Zuschauer wittern bereits nach wenigen Minuten die Fährte. Der dumm geschnittene Trailer verrät den Rest. Wer sich den angeschaut hat, kann sich Sichtung des eigentlichen Films sparen. ISABELLE ist paranormale Dutzendware – ohne echten Spannungsbogen. Austauschbar, beliebig, unnötig.
 
 
 


 
 
 

ISABELLE – Zensur

 
 
 
ISABELLE hat kaum Gewalt zu bieten. Eine Filmfigur erstickt, weil man ihr eine Plastiktüte über den Kopf zieht. Weiterhin bringt sich ein Charakter selbst um und eine Protagonistin stürzt aus dem Fenster. Das ist alles sowas von FSK16 – man glaubt es kaum.
 
 
 


 
 
 

ISABELLE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei The Wanting Film Inc.)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Jessabelle – Die Vorhersehung (2014)
 
Gallows Hill (2013)
 
Haunt – Das Böse erwacht (2013)
 
Dark Circles (2013)
 
The House on Pine Street (2015)
 

Filmkritik: „The Convent“ (2018)

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THE CONVENT

(HERETIKS)

Story

 
 
 

Eine der Hexerei beschuldigte Frau landet in einem Kloster und erlebt dort das Grauen auf Erden.

 
 
 


 
 
 

THE CONVENT – Kritik

 
 
 
Die Zeit der Inquisition war nicht unbedingt eine Sternstunde der Geschichte. Da wurden unschuldige Frauen, Männer und sogar Kinder der Hexerei beschuldigt und anschließend zum Tode verurteilt, weil man der Meinung war, dass jene ahnungslosen Seelen mit dem Teufel im Bunde standen. Ein trauriges Kapitel, das natürlich auch im Horrorfilm aufgearbeitet werden musste. Das Resultat: so reißerischer Exploitation wie DER HEXENJÄGER, HEXEN BIS AUFS BLUT GEQUÄLT oder HEXEN – GESCHÄNDET UND ZU TODE GEQUÄLT. Darin wurden geschichtliche Fakten zur Nebensache. Stattdessen wurde gefoltert, ermordet, vergewaltigt und gedemütigt. Die Kamera hielt stets darauf. Ende der 1960er und zu Beginn der 1970er war das schon harter Tobak.
 
 
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Der Horrorfilm THE CONVENT ist auch einer dieser Streifen, der das Thema Inquisition als Alibi nutzt, um Horror zeigen zu können. Da kommt natürlich gleich Freude bei Liebhabern blutiger Exploitationfilme auf. Denen sei gesagt, dass THE CONVENT weitestgehend von der Zurschaustellung grausamer Gewalt absieht und eher eine atmosphärische Geschichte vor Mittelalter-Kulisse erzählt, die sich Elementen aus Okkult- und Dämonen-Horror bedient. Weil seit dem CONJOURING-Spinoff THE NUN auch Nonnen wieder in Mode sind, gibt es die gleich mit dazu. Letztere beweisen in diesem Horrorstreifen Talent fürs Quälen ahnungsloser Novizinnen. Da werden Erinnerung an Nunsploitation-Streifen der 70er Jahre wach. Darin wurde tabuloser Sex und unmenschliche Gewalt hinter Kirchentüren zelebriert. THE CONVENT schlägt ähnliche Richtung ein. Auch hier werden junge Nonnen-Anwärterinnen von Obernonnen schikaniert, bestraft und gebrochen. Nur mit schonungslosen Sexszenen geizt der Streifen – leider!
 
 
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Vom Regen in die Traufe. Die junge (HANNAH ARTERTON) ist ein Pechvogel, wie er im Buche steht. Die wird wegen Hexerei angeklagt, weil sie den Tod der Mutter vorausgeahnt hat. Nun soll das junge Ding auf dem Scheiterhaufen brennen. Ihr Schicksal scheint besiegelt. Da taucht eine geheimnisvolle Nonne (CLAIRE HIGGINS) auf, die eine religiösen Zufluchtsort in der Nähe leitet. Die wortgewandte Alte überzeugt das Gericht und darf die Beschuldigte mit in das von ihr geführt Konvent nehmen, wo sie den Weg zurück zu Gott finden soll. Doch dort soll der Horror für die ahnungslose erst beginnen. Nicht nur, dass sich der Neuling den harten Regeln der Ordensgemeinschaft unterwerfen muss. Hinter den dicken Mauern dieses Klosters herrscht offensichtlich das Böse. Da passieren plötzlich seltsame Dinge und macht Bekanntschaft mit einer bösartigen Präsenz. Als wäre das nicht alles schon schaurig genug, verhalten sich auch die Leiterinnen des Klosters seltsam. Offenbar wissen die, was hier passiert. Ein Rätsel, das nun auch lösen muss.
 
 
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Nein, THE CONVENT ist kein Remake, Reboot oder Sequel vom grotesken Kirchen-Splatter aus der Mache des MIKE MENDEZ, welcher 2000 unter gleichem Titel in den Lichtspielhäusern gezeigt wurde. Der hier besprochene THE CONVENT – der anfangs noch HERETIKS hieß – hat mit der spaßigen Genre-Produktion überhaupt nichts zu tun und will auch sonst nicht spaßig sein. Regisseur PAUL HYETT zeichnet verantwortlich. Der überraschte 2012 mit dem unangenehmen THE SEASONING HOUSE und lies anschließend in HOWL Werwölfe folgen. Spielfilm Nummer drei geht düstere Wege, ist Okkult-Horror der alten Schule und eigentlich bis Filmmitte ganz brauchbar. So muss eine junge Novizin herausfinden, welche geheimnisvollen Legenden um ein düsteres Konvent ranken, in dem immer mal wieder unschuldige Nonnen verschwinden. Weil die Heldin lang im Dunkeln tappt und THE CONVENT auch sonst ein großes Geheimnis über mysteriöse Vorkommnisse hinter Klostermauern macht, bleibt THE CONVENT spannend. Danach wird es leider dämlich.
 
 
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Leider kann der Spannungsbogen nicht lang gehalten werden. Spätestens nach der Halbzeit vertrödelt dieser gotisch angehauchte Kloster-Horror zu viel Zeit mit dem Abhandeln von Dämonen-Klischees, bedient sich bei dazu noch bei anderen Horror-Subgenres und verkommt so zu Dutzendware. Da werden nicht nur vorhersehbare Schreckmomente und fast schon grotesk anmutende Blutmanschereien abgehakt, die gar nicht zum restlichen Film passen. Auch dem Dämonen-Make-up mangelt es an Glaubwürdigkeit. So trägt das Böse im Film eigensinnige Kontaktlinsen, die leuchten. Ähnliche Anfertigungen hatten wohl feiernde Techno-Anhänger zu Loveparade-Zeiten in den Augen. Furchterregend ist etwas anderes.
 
 


 
 
 

THE CONVENT – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Was atmosphärisch beginnt, endet in einer klischeebeladenen Dämonen- und Zombie-Achterbahn mit schlechten Effekten. Als Liebhaber des klassischen britischen Horrors wollte Regisseur PAUL HYETT genau dieser Film-Epoche eine moderne, härtere und stilvolle Note verleihen. Das ist leider nur bedingt gelungen. Atmosphärisch fährt die dritte abendfüllenden Spielfilm-Produktion des Filmemachers groß auf. Leider wird THE CONVENT ab der Halbzeit ziemlicher Käse. Da wird alles abgefeuert, was das Horror-Genre so hergibt. Regisseur PAUL HYETT wirft Elemente aus Grusel, Zombie, Okkult, Dämonen und Kloster-Horror in einen Topf, rührt um und würzt mit miesen Effekten nach. Das Gebräu ist keine Glanzleistung in Sachen Schrecken. Vielmehr endet THE CONVENT in einer beinahe schon lächerlichen Farce in der nach Dämonen-Beschwörung und bestrafungsgeilen Nonnen plötzlich die Zombies aus ihren Gräbern steigen. Was für ein Quark. Von Regisseur PAUL HYETT hätte man was Besseres erwartet.
 
 
 


 
 
 

THE CONVENT – Zensur

 
 
 
THE CONVENT ist eigentlich ein unheimlicher Gruselfilm, der eher Wert auf unheimliche Atmosphäre liegt. Eigentlich! Wären da nicht einige zufällig eingestreute Splatter-Szenen, die blutige Schauwerte zeigen. Da reißt sich eine Nonne selbst die Augäpfel aus den Augenhöhlen. In einer anderen Szene werden Nonnen zu Zombies umfunktioniert und radieren sich gegenseitig aus. Da fließt das Blut munter über die Mattscheibe. Hierzulande dürfte THE CONVENT dennoch eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten.
 
 
 


 
 
 

THE CONVENT – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Vertical Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Nun (2018)

The Crucifixion (2017)

Der Exorzist III (1989)

The Rite – Das Ritual (2011)

Incarnate – Teuflische Besessenheit (2016)

Filmkritik: „The Axiom – Das Tor zur Hölle“ (2018)

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THE AXIOM – DAS TOR ZUR HÖLLE

(THE AXIOM)

Story

 
 
 

Fünf Freunde geraten auf der Suche nach einer vermissten Bekannten in eine Parallelwelt, wo sie ums Überleben kämpfen müssen.

 
 
 


 
 
 

THE AXIOM – Kritik

 
 
 
Mal wieder ein Indie-Filmemacher, der es wissen will. Seit einigen Jahrzehnten bietet das Horror-Genre ambitionierten Nachwuchsregisseuren die Möglichkeit mit Low-Budget-Produktionen im Filmbusiness Fuß zu fassen. Darunter nicht Wenige, denen mit kreativem Schrecken der große Coup gelungen ist und die es damit sogar bis nach Hollywood geschafft haben. Zu solchen Glückspilzen gehören SAM RAIMI oder PETER JACKSON. Die experimentierten in den Anfangsjahren mit Filmblut, Horror und Gewalt. Mittlerweile drehen sie millionenschwere Blockbuster für die ganze Familie, die man hin und wieder auch schon mal mit einem Oscar auszeichnet. Ganz klein und doch noch so viel vor hat auch NICHOLAS WOOD. Der hat mit dem Langfilmdebüt THE AXIOM einen gelungenen Erstling auf Zelluloid gebannt, mit dem der noch unerfahrene Filmemacher seine Leidenschaft zum Horror-Genre ausdrücken möchte. Von Unerfahrenheit spürt man aber im Debütwerk nichts. THE AXIOM glänzt durch sympathische Figuren, einer guten Handlung und souveräner Inszenierung. Das sah man auch auf diversen Filmfestivals so. Dort nahm man den Streifen mit ins Programm – darunter auch die deutschen Kollegen vom HARD:LINE FILMFESTIVAL im Jahr 2018.
 
 
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Schwester wo bist du? Genau jene Frage stellen sich McKenzie und Martin. Seit sich die Schwester der beiden aufgemacht hat, um sich in einem Nationalpark die Füße zu vertreten, hat man nichts mehr vom geliebten Familienmitglied gehört. Ob da etwas passiert ist? Zumindest will man nach dem Rechten sehen und kommt mit einem sonderbaren Landsmann über die sozialen Medien in Kontakt, der angeblich weiß, wo sich die verschollen geglaubte Schwester befinden soll. Ein Grund die Koffer zu packen und mit Freunden zum Cinder Park zu reisen. Hier will der ominöse Leon auf die Suchenden warten. Doch kaum angekommen faselt der mysteriöse Fremde kryptisches Zeug, berichtet von einem geheimnisvollen Portal in den Wäldern und rüstet die Freunde mit seltsamen Fläschchen aus, die angeblich drohendes Unheil abwenden sollen. Brauchbares Equipment oder nur fauler Hokuspokus? Die Antwort auf diese Frage wartet nicht lang. Weil THE AXIOM nun mal ein Horrorfilm ist und dazu auch noch schaurige Gestalten auf dem Filmplakat abgebildet sind, dürfte klar sein, dass diese Suche alles andere als gemütlich werden wird.
 
 
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Handwerklich ganz gut – nur im Finale happerts. Wir von FILMCHECKER haben in den letzten Jahren reichlich Billig-Trash gesehen, der allein schon mit schludrigem Video-Look und schlechten Schauspielern unbeabsichtigt Gänsehaut verursacht hat. THE AXIOM ist zwar auch unabhängiges Horrorkino, das mit kleinem Kapital umgesetzt wurde, kann sich aber immerhin durch eine gewissen Professionalität behaupten. Stimmige Kamerafahrten und eine unheimliche Geschichte treiben diesen Mysteryfilm voran, der nie zu viel verrät, damit das Geheimnis über das Verschwinden der gesuchten Mary lang bewahrt werden kann. Demzufolge tappen Protagonisten und Zuschauer lang im Dunkeln, weil NICHOLAS WOOD immer nur kleine Anhaltspunkte verteilt, um die Katze möglichst lang im Sack zu lassen. Ein geschickter Schachzug, der THE AXIOM über weite Strecken spannend macht. Da tauchen plötzlich seltsame Kreaturen auf, die Sonne will irgendwie nie untergehen und die Freunde verhalten sich plötzlich wie von Sinnen. Was kann das alles für Ursachen haben? Nach dem Abspann ist man nicht unbedingt schlauer.
 
 
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Regisseur und Drehbuchautor NICHOLAS WOOD treibt es nämlich irgendwann zu weit. Nach einem überraschendem Twist gipfeln die absurden Vorkommnisse in einem Finale, das sich nicht nur in effekthascherischen Schocks verrennt. Auch die Erklärungsnot macht dem Zuschauer zu schaffen. Da will plötzlich kaum noch etwas Sinn ergeben und der Filmemacher scheut sich vor Antworten. Offenbar war Wood zu sehr darum bemüht seinen ersten Langfilm mit Pauken und Trompeten zu beenden. Das Resultat ist eine haarsträubende Auflösung, wie man sie in solch abstruser Weise schon lange nicht mehr auf der Mattscheibe hatte. Das schmälert das sonst doch ganz passable Gruselvergnügen, das zumindest über weite Strecken schon irgendwie an EVIL DEAD erinnert.
 
 
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THE AXIOM – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Sonntagsfahrt mit Bruchlandung. THE AXIOM ist ein atmosphärischer Haunted-Place-Mysterythriller, der in der ersten Filmhälfte wegen seiner undurchsichtigen Handlung ganz kurzweilig geraten ist. Offenbar scheint Regisseur und Drehbuchautor NICHOLAS WOOD nicht nur eine Schwäche für Horrorfilme zu haben. Auch überraschende Filmwendungen dürften eine Leidenschaft des ambitionierten Regie-Newcomers sein. In Sachen Kreativität kann man Wood nichts vorwerfen. Leider ist die Phantasie im Falle von THE AXIOM mit dem noch jungen Filmemacher durchgegangen. Die Auflösung des vorliegenden Films gehört nämlich mit zum Haarsträubendsten, was man in den letzten Jahren auf der Mattscheibe hatte. Fragen über Fragen und doch so wenige Antworten. Vielleicht hat der kreative Neuling plausiblere Erklärungen für eine Fortsetzung aufgehoben. Irgendwie legt es THE AXIOM darauf an irgendwann fortgesetzt zu werden. Hier wäre weniger mehr gewesen, zumal der sinn- und logikfreie Twist den Eindruck erweckt, als habe man hier versucht zwei verschiedene Filme in eine Handlung pressen wollen. Schade.
 
 
 


 
 
 

THE AXIOM – Zensur

 
 
 
THE AXIOM ist kein harter Horrorfilm. Eine Frau wird mit einer Kette erdrosselt, ein Messer wird in einen Körper gerammt und eine Axt sorgt dafür, dass ein Protagonist seine Gedärme verliert. Hierzulande hat THE AXIOM eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

THE AXIOM – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Lighthouse Home Entertainment (KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Axiom; USA 2018

Genre: Horror, Mystery, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Keine

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 98 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer

Release-Termin: 23.08.2019

 

The Axiom – Das Tor zur Hölle [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

THE AXIOM – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Lighthouse Home Entertainment | Vertical Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Curtain (2015)
 
Evil Dead (2013)
 
Bornless Ones (2016)
 
Cabin of the Dead (2012)
 

Filmkritik: „Haunting on Fraternity Row“ (2018)

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HAUNTING ON FRATERNITY ROW

(THE PARTY CRASHER)

Story

 
 
 

In HAUNTING ON FRATERNITY ROW gerät eine Studentenparty aus dem Ruder, weil ein Dämon das Zepter in die Hand nimmt.

 
 
 


 
 
 

HAUNTING ON FRATERNITY ROW – Kritik

 
 
 
Vermutlich kennt jeder folgendes Phänomen: man sieht einen hektisch zusammengeschnittenen Trailer, bei dem reichlich geschrien und getötet wird. Das macht Lust auf mehr. Hat man dann aber den fertigen Film im Player, ist von angepriesenem Mord- und Totschlag kaum noch etwas zu sehen. Die Filmindustrie schummelt, wo es nur geht, damit im Zuge der immer träger werdenden Kaufbereitschaft des Filmfans überhaupt noch Heimkinomedien und Kinokarten verkauft werden können. Ganz vergönnen kann man die zweifelhaften Marketingmethoden nicht. In einer Zeit, in der der Streaming-Markt boomt und Zuschauer lieber auf der Couch sitzen bleiben, statt Media Markt oder Lichtspielhaus zu besuchen, wird nach Tricks gesucht den Kauf neuer Filme irgendwie schmackhaft zu machen. Leider hat nicht selten der zahlungswillige Zuschauer den Nachteil. Der kauft die Blu-ray oder ein Kinoticket und ist enttäuscht, weil der zuvor im Trailer angepriesene Blut- und Schockrausch nahezu kaum vorhanden ist. Gleiche Erfahrung haben wir mit HAUNTING ON FRATERNITY ROW gemacht. Der Trailer suggeriert einen intensiven Horrortrip mit viel Geschrei. Nach dem muss man im fertigen Film genauer suchen. Offenbar haben schlitzohrige Schnittmeister die besten Szenen in knapp zwei Minuten Werbefilm gepackt. Verflixt und zugenäht.
 
 
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Im Haus einer Studentenverbindung wird eine groß angekündigte „Winter Luau“-Party gefeiert, die vielen Studenten im Gedächtnis bleiben soll. Doch die Vorbereitungen zur Sause offenbaren ein düsteres Geheimnis. Durch einen Unfall entdeckt man im Keller des Wohnheims einen geheimnisvollen Raum, der viele Fragen aufwirft. Wurden hier etwa geheimnisvolle Rituale abgehalten? So in etwa! Was die Studenten nämlich nicht wissen ist, dass sie mit der Öffnung des Zimmers einen Dämon befreit haben, der sich nun unter die Partygäste gemischt hat. Der will nicht feiern, sondern töten. Was folgt, ist ein folgenschweres Massaker, das im Chaos endet. Wer wird diese Party wohl überleben? Wir zumindest verraten es an dieser Stelle nicht.
 
 
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Du hast eine Vorliebe für MTV-Reality-Shows in denen verzogene Gören feiern, saufen und grölen? Dann könnte HAUNTING ON FRATERNITY ROW nach Deinem Geschmack sein. Der Film ist nichts anderes als der hyperaktive Zusammenschnitt einer mehr als dummen Party während der sauf- und paarungsbereite Studenten mit paranormalen Dingen konfrontiert werden. Dabei wird von Found-Footage-Stilmitteln Gebrauch gemacht, die aber im Verlauf schnell an Bedeutung verlieren. So bekommt der Zuschauer anfangs noch das zu sehen, was die Partygänger mit Smartphones und Handkameras filmen. Später scheint sich aber die Kamera aus unerklärlichen Gründen zu verselbständigen, sodass unklar bleibt, wer denn nun eigentlich das Bewegtmaterial zur Party liefert. Regisseur BRANT SERSEN nimmt es mit der Found-Footage-Rezeptur nicht so genau und das ist offenbar auch das Beste, was er machen konnte. Weil sich plötzlich die Kamera löst und die Ego-Perspektive vernachlässigt, ist HAUNTING ON FRATERNITY ROW zumindest einfacher zu verdauen, als manch anderer Streifen dieses Sub-Genres. Gut für den Zuschauer. Dieser muss diesmal weitestgehend auf jene Stilelemente verzichten, die das Found-Footage-Genre so berüchtigt und unbeliebt gemacht haben. Das bedeutet, dass Bild-Ausfälle, Störgeräusche oder Wackelattacken aus dem Drehbuch verbannt wurden. Ist HAUNTING ON FRATERNITY ROW daher auch gleichzeitig sehenswert? Wir meinen: Nein!
 
 
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HAUNTING ON FRATERNITY ROW hat ein großes Problem mit seinen Figuren. Gute Filme zeichnen sich dadurch aus, dass ein sympathischer Protagonist den Zuschauer an die Hand nimmt und durch den Film führt. Von zugänglichen Figuren ist aber in diesem Horrorstreifen weit und breit keine Spur. Der Zuschauer bleibt sich selbst überlassen und muss sich durch eine sperrige Handlung quälen, die in erster Linie mit unwichtigen Szenen gefüllt wurde. Da wird sich die Birne weggekokst, gesoffen und mit Mädels geflirtet. Halbstarke Anmachsprüche runden den Partygau ab. Irgendwie bleibt im Trubel der Gruselfaktor auf der Strecke, der bei genauer Betrachtung erst in den letzten 15 Minuten Gewichtung erhält. Eine enttäuschende Prämisse mit dem sich HAUNTING ON FRATERNITY ROW wohl keine Freunde machen wird. Warum? Der Film ist zu viel PROJEKT X statt PARANORMAL ACTIVITY und hat auch sonst keinerlei Spannungsbogen zu bieten. Bevor hier überhaupt irgendwann der Horror losbricht, dürfte der Zuschauer entweder eingeschlafen sein oder seine Klamotten gepackt haben, um selbst auf der nächsten Party zu tanzen. Ein einfältiges Stück Zelluloid und definitiv nur etwas für Hardcore-Found-Footage-Liebhaber.
 
 
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HAUNTING ON FRATERNITY ROW – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
PROJEKT X trifft auf PARANORMAL ACTIVITY. Klingt gut, oder? Ist es aber nicht. Bei diesem Schnarcher handelt es sich im wahrsten Sinne des Wortes, um die geistloseste Party ever. Durch knapp 80 Minuten Film muss sich der Zuschauer im Falle von HAUNTING ON FRATERNITY ROW quälen, bis hier überhaupt mal etwas Nennenswertes passiert, was der Bezeichnung „Horrorfilm“ gerecht werden kann. Bis dahin muss man Sprüche primitiver Alpha-Männchen und das Gegacker nicht sonderlich heller Blondinen ertragen. Ein paar wenig zeigefreudige Fummelszenen und etwas Party-Pop-Musik gibt’s obendrein. HAUNTING ON FRATERNITY ROW ist typischer Filmschrott für die Generation NETFLIX, der es nach anspruchslosen Filmen dürstet, nur mit dem Ziel, die Zeit irgendwie über die Runden zu bekommen. Dass einem hier Horror untergejubelt wird, der noch nicht mal einen Spannungsbogen oder gar sympathische Figuren besitzt, dürfte wohl jenem Zuschauer-Klientel erst gar nicht auffallen. Nein, HAUNTING ON FRATERNITY ROW ist weit weg davon ein guter Film zu sein. Hier hat alles den Anschein, als haben die Macher eine Villa gemietet, Mucke aufgedreht und die Darsteller sich selbst überlassen. Die Handlung ist rudimentär und selbst Schocks sind Mangelware. Gute Voraussetzungen also, um von HAUNTING ON FRATERNITY ROW die Finger zu lassen. Den hat übrigens Regisseur BRANT SERSEN (SANATORIUM) mit einem für Indie-Horror ordentlichen Budget auf die Beine gestellt. Sage und schreibe fünf Millionen Dollar Produktionsbudget standen zur Verfügung, um was Gruseliges zu inszenieren. Wer den Streifen gesehen hat, dürfte sich zu Recht fragen, in was denn die Kohle investiert wurde. Die für Horrorfilme wichtigen Gewaltszenen fehlen fast gänzlich, die Schauspieler agieren eher zweckmäßig und für das Set hätte eine mit Lichterketten geschmückte Garage ausgereicht. Zum Vergleich: Ein Film, wie CULT OF CHUCKY musste mit gleichem Budget haushalten. Ratet mal, welcher der beiden Filme das Rennen macht.
 
 
 


 
 
 

HAUNTING ON FRATERNITY ROW – Zensur

 
 
 
HAUNTING ON FRATERNITY ROW, der anfangs eigentlich mal THE PARTY CRASHER heißen sollte, ist gewalttechnisch kaum der Rede wert. Am Ende sieht man ein paar Protagonisten, denen vom Dämon die Augen herausgerissen wurden. Das sieht teils aus, als habe man über die Gesichter der Opfer einen Snapchat-Filter gelegt und lockt wohl keinen Horrorfilmfan vorm Ofen hervor. Weiterhin gibt es eine aufgeschnittene Kehle zu sehen und etwas „Kleinkram“. Hierzulande dürfte HAUNTING ON FRATERNITY ROW eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

HAUNTING ON FRATERNITY ROW – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Vertical Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Monster Project (2017)
 
Grave Encounters (2011)
 
The Entity (2015)