Filmkritik: „Gwen“ (2018)

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GWEN

(THE DARK OUTSIDE)

Story

 
 
 

Eine zurückgezogen lebende Familie erlebt in friedlicher walisischen Landschaft den Horror auf Erden. Ihr vermeintlich sicheres Zuhause in den Bergen verwandelt sich zum Ort des Schreckens, weil auf einmal Dinge passieren, die sich nicht erklären lassen.

 
 
 


 
 
 

GWEN – Kritik

 
 
 
Wenn man etwas im Horrorkino gelernt hat, dann die Erkenntnis, dass selbst Idylle trügerisch sein kann. Da verwandeln sich gern mal pittoreske Landschaften zum Vorort der Hölle, wo Menschen Dinge tun, die grausam und boshaft sind. Genau diese Erfahrung müssen auch die Helden im folgenden Film durchleben, wo inmitten malerischer Natur das Grauen seine Kreise zieht. Hinter dem nebeligen Gotik-Albtraum, wie er auch aus den legendären Hammer-Studios stammen könnte, versteckt sich ein Newcomer. Regisseur WILLIAM MCGREGOR schürt erstaunlich souverän Ängste, als hätte er zuvor nichts anderes gemacht. Dabei ist er noch unerfahren im Filmdrehen. Bisher zeichnete er für die Regie in Serien und Kurzfilmen verantwortlich. GWEN ist nun der erst Langfilm, bei dem er das Zepter übernommen hat. Das Resultat kann sich sehen lassen, denn die wunderschöne Naturkulisse im Film entwickelt einen zermürbenden Kontrast zur düsteren Realität, mit welcher die Charaktere konfrontiert werden.
 
 
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Wales im Jahre 1855. Ein Schicksalsjahr, das für eine fernab der Stadt lebende Familie zum Albtraum wird. Während so langsam die industrielle Revolution Einzug hält, klammert sich Mutter Elen samt Nachwuchs lieber an alte Strukturen. Man lebt autark auf einem kleinen Bauernhof irgendwo in den Bergen, besucht regelmäßig die Kirche und schlägt sich mit dem Verkauf von selbst angebauten Gemüse über die Runden. Doch da wird das alleinerziehende Familienoberhaupt krank und stellt die heranwachsende Gwen vor große Herausforderungen. Nicht nur, dass sie jetzt die Arbeiten der Mutter übernehmen und sich um die kleine Schwester kümmern muss; die Heranwachsende sieht sich mit mysteriösen Vorkommnissen konfrontiert, die ihr große Angst bereiten. Da sterben plötzlich Nachbarn und Tiere unter seltsamen Umständen und mit dem unbescholtenen Kindsein ist es plötzlich vorbei. Sind hier etwa höhere Mächte am Werk, die der Familie schaden wollen? Einfach wird des Rätsels Lösung definitiv nicht. Vielmehr ist die Auflösung für Zuschauer und Helden ein Schlag ins Gesicht.
 
 
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Wenn ein Teenager plötzlich Verantwortung übernehmen muss. GWEN ist ein Mysterydrama vor historischer Kulisse, das ein bis dato unbeschwert lebendes Mädchen mit der bitteren Realität konfrontiert. Regisseur WILLIAM MCGREGOR protokolliert in nebeligen, kühlen und trostlosen Bildern den tragischen Übergang in die Erwachsenenwelt mit all seinen Gefahren. Nichts wird geschönt. Stattdessen wird eine Jugendliche in eine Welt voller Gefahren getrieben, in der selbst ein Erwachsener nicht gern sein möchte. Filmemacher WILLIAM MCGREGOR verzichtet auf lange Dialoge. Stattdessen lässt er Bilder sprechen und erzählt wortkarg eine düstere Geschichte, in der Titelfigur Gwen auf einen dunklen Pfad der Verantwortung geschickt wird.
 
 
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Nichts ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Da passieren plötzlich seltsame Dinge, die sich nicht erklären lassen und die bis dato heile Welt der frommen Gwen erschüttern. So stirbt plötzlich alles um sie herum. In der Stadt wird sie wegen der Familie geächtet und in der Nacht schleichen mysteriöse Schatten ums Haus. Doch alles nur Fassade! GWEN macht es nämlich vielen aktuellen Genre-Filmen gleich und führt den Zuschauer auf falsche Fährten. Der Mysteryeinschlag hat nämlich nur Alibi-Funktion, um die Spannung halten zu können. Letztere baut sich langsam auf und zieht sich wie ein roter Faden bis zum Finale. Dort werden dann plausible Antworten geliefert. Erleichterung bringen die aber nicht. GWEN ist ein überraschend gelungener Historien-Beitrag mit unbehaglicher Atmosphäre, der vor allem durch seine beiden Hauptdarstellerinnen lebt. Wir sehen ELEANOR WORTHINGTON-COX als Gwen und MAXINE PEAKE als Mutter Elan. Beide tragen den walisischen Albtraum beinahe ausschließlich durch Mimik und Gestik. Gesprochen wird nur selten. Ein beachtliches Kunststück, bewirkt vor allem der Minimalismus maximales Grauen.
 
 
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Regisseur WILLIAM MCGREGOR verriet in Interviews, dass er schon als Jugendlicher Interesse fürs Erzählen von Geschichten entwickelte. Der schnappte sich in den Teeanger-Jahren eine Mini-Videokamera und begann damit Geschichten zu erzählen. Die Anfänge waren unspektakulär – aber kreativ. So wurden erste Gehversuche in Form von Dokumentarfilmen über die Tiere auf der elterlichen Farm gestartet. Dabei schien der damals noch unerfahrene Cineast gut beobachtet zu haben. So erklärte der Filmemacher, dass er sich für die Geschichte zu GWEN vom Nationalpark Snowdonia (eine Bergregion im Nordwesten von Wales) inspirieren ließ. Als er von der industriellen Revolution in Nordwales erfuhr und mehr darüber wissen wollte, mietete sich McGregor eine Hütte in Snowdonia, tauchte in die Landschaft ein und erforschte Geschichte, Sagen und Folklore der Gegend. Nach und nach fand sich so die Handlung zu Papier, für die viele Schauplätze im Film von Orten inspiriert wurden, an denen der Newcomer für seine Recherchen tatsächlich gewesen war. GWEN ist eine Weiterentwicklung des Kurzfilms WHO’S AFRAID OF THE WATER SPRITE, den McGregor in seinen Studientagen gedreht hatte. Das Ergebnis ist tiefgründiger als gedacht. Wohl ein Grund, warum so viele Lobeshymnen das Filmplakat zieren. Viele derer sind vollkommen gerechtfertigt. Fans mit Hang zum Programmkino und Arthaus werden Gefallen finden.
 
 


 
 
 

GWEN – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Zermürbendes Grauen im Stile eine HAGAZUSSA – DER HEXENFLUCH, welcher Arthaus- und Programmkinoliebhaber hellhörig werden lassen dürfte. GWEN ist ein kleiner Blender, was man an dieser Stelle nicht negativ werten sollte. Der Film suggeriert dem Zuschauer nämlich das, was er eigentlich gar nicht ist. Was als schauriger Mysterythriller beginnt, endet als trauriges Drama über einen Teenager, der seine Familie zusammenhalten möchte und mit dem Leben in seiner ganzen Härte konfrontiert wird. GWEN ist das etwas andere Coming-of-Age-Drama vor historischer Kulisse, das nicht unberührt lässt. Wer den Anspruch im Genre-Kino benötigt, darf sich diesen Film – allein schon wegen den schauspielerischen Qualitäten – nicht entgehen lassen.
 
 
 


 
 
 

GWEN – Zensur

 
 
 
GWEN hat kaum Gewalt zu bieten. Wenn diese den Weg in den Film findet, dann wird Gewalt nur angedeutet oder passiert im Off. Einem Pferd wird die Kehle durchgeschnitten. Weiterhin wird eine Protagonistin erst niedergeschlagen und danach angezündet. Hierzulande dürfte GWEN eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten.
 
 
 


 
 
 

GWEN – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Shudder)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Hagazussa – Der Hexenfluch (2017)
 
The Witch (2015)
 
Pakt der Wölfe (2001)
 
Die Frau in Schwarz (2012)
 
The Village – Das Dorf (2004)
 

Filmkritik: „Wir“ (2019)

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WIR

(US)

Story

 
 
 
Eine Familie sieht sich plötzlich mit ihren Doppelgängern konfrontiert und diese kommen nicht in friedlicher Absicht.

 
 
 


 
 
 

WIR – Kritik

 
 
 
Mit seinem Regiedebüt „Get Out“ konnte Jordan Peele einen echten Überraschungshit liefern, der sowohl beim Publikum, wie auch bei den Kritikern bestens ankam. Der zweite Film nach so einem überragenden Erfolg ist natürlich nicht leicht, denn auf der einen Seite sollte man sich nicht zu sehr wiederholen, auf der anderen Seite muss man gewisse Erwartungshaltungen erfüllen. „Wir“ ist definitiv ganz anders, als „Get Out“. Er ist gut, teilweise sogar sehr gut, im Endeffekt jedoch nicht so clever, wie Peele’s Debüt.
 
 
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Familie Wilson macht Ferien nahe am Strand. Der Mann und die Kinder wollen diesen gerne besuchen und dort auf den Jahrmarkt gehen, aber Mutter Adelaide hat etwas dagegen. Das hängt mit einem Ereignis aus ihrer Kindheit zusammen, denn schon damals befand sie sich auf dem Jahrmarkt und in einer Art Geisterbahn machte Adelaide eine schockierende Begegnung mit einem Doppelgänger. Doch das ist lange her und seitdem ist nichts Schlimmes mehr geschehen, also besucht Familie Wilson den Strand doch. Als sie dann wieder nach Hause kommen, darf das Horrorszenario allerdings starten, denn plötzlich stehen die Doppelgänger vor der Tür.
 
 
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Jordan Peele, der das Drehbuch natürlich erneut selbst schrieb, wirft viele Zutaten in einen Topf. Da hätten wir anfangs etwas Mystery, dann kurzzeitig Home-Invasion-Elemente, ehe sich das Szenario schon fast in eine Zombie-Thematik verwandelt. Daneben gibt es religiöse Motive, ein paar kleinere Verschwörungstheorie-Happen und am Ende eben sehr viele Doppelgänger-Zutaten. In seinem Debüt spielte der Regisseur noch viel mit Rassismus; davon ist in „Wir“ gar nichts vorhanden, doch das ist gut so, denn so wiederholt sich Peele nicht. Die Story ist im Kern relativ simpel, wird aber ordentlich genutzt und wirkt gerade deshalb so interessant, weil der Zuschauer lange Zeit im Dunkeln tappen muss. Irgendwann kann man sich denken, was gespielt wird, denn dafür sind die Hinweise dann doch zu offensichtlich. Alles endet jedoch mit einem Knall, denn zum Schluss baut Peele noch einen Twist ein, auf den man eigentlich kommen könnte, der aber dennoch überraschen kann. So richtig logisch will das alles zwar im Rückblick nicht sein und gewisse Interpretationsfreiräume bleiben definitiv vorhanden, doch insgesamt betrachtet, bietet „Wir“ ein gelungenes Drehbuch, welches letztendlich nur ab und zu etwas am eigenen Anspruch scheitert.
 
 
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Da gibt es nämlich eine große gesellschaftskritische Komponente, die Peele mal unterschwellig, mal sehr offensichtlich ausfährt. Der Spruch „Wir sind Amerikaner“ ist sicherlich nicht einfach nur als Gag gedacht und besonders am Ende bemerkt man, wie groß „Wir“ gerne sein möchte. Leider erreicht er dieses Ziel nicht voll und ganz, denn dafür werden einfach zu wenige Hintergründe geliefert und als Horrorfilm verliert er deshalb etwas an Wirkung. Das Spiel mit den eigenen Ängsten, das sich aus der Spiegelbild-Thematik ergibt, verleiht der Story allerdings zusätzlichen Reiz. Die Idee ist ja nicht komplett neu, doch alleine der Gedanke, man wäre plötzlich selbst sein Feind, ist unheimlich. Und in Wirklichkeit ist es ja manchmal genau so. Deshalb kann „Wir“ dies auch als Metapher nutzen. Dieser Aspekt wird dann im Endeffekt jedoch nicht komplett ausgefahren, denn eine echte Schattenseite, vor der Familie „Wilson“ sich fürchten würde, scheint es nicht zu geben. Und so akzeptieren sie ihre Doppelgänger-Gegner auch schnell als Feinde, ohne dass die eigenen Urängste lange eine Rolle spielen würden.
 
 
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Die Darsteller machen ihre Sache allesamt hervorragend. Lupita Nyong’o spielt das beeindruckend und Winston Duke ist einfach nur sympathisch. Shahadi Wright-Joseph überzeugt besonders in ihrer zweiten Rolle und Evan Alex hinkt zwar etwas hinterher, geht aber ebenfalls vollkommen in Ordnung. Die Darsteller sind dann ja sogar in Doppelrollen zu sehen und gerade hier bemerkt man, dass sie ein facettenreiches Spiel beherrschen. Nebenrollen gibt es eher weniger zu sehen und das unsympathische, weiße Paar hätte es da auch gar nicht zwangsläufig gebraucht. Die Figurenzeichnung bleibt relativ simpel, doch Familie Wilson wird sympathisch dargestellt und man kann mit diesen Protagonisten durchaus mitfiebern.
 
 
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Die Inszenierung überzeugt und Jordan Peele hat hier wieder sehr gute Arbeit abgeliefert. Dabei wirkt „Wir“ gar nicht mal sonderlich aufwendiger, als „Get Out“, was allerdings sympathisch ist. Peele arbeitet gerne mit Symbolik und so steht hier die Farbe rot im Vordergrund, aber auch mit dem Spiegelbild wird ab und zu gerne mal gespielt. Es gibt schon ein paar tolle Bilder zu sehen und die Kameraarbeit verdient da ein extra Lob, weil „Wir“ optisch einfach eine sehr schicke Angelegenheit geworden ist. Die Atmosphäre hingegen ist etwas zwiespältig zu betrachten, denn obwohl der Film gerne ernsten Horror bieten will, was er durchaus auch tut, so bemerkt man Peele seine Wurzeln der Komödie immer mal wieder an. So ganz ernst kann er dann scheinbar doch nicht bleiben. Das sorgt zwar für amüsante Momente, steht aber auch etwas zu sehr im Kontrast zur ernsten Horrorschiene. Trotzdem ist das Treiben oftmals recht packend und manchmal intensiv. Auf jeden Fall vergehen die zwei Stunden Laufzeit ohne größere Längen und das obwohl das Tempo oftmals gerne etwas reduzierter ist. Bis es mal richtig los geht, vergeht einige Zeit und in der zweiten Hälfte gibt es auch kleinere Pausen. Das alles dient hier jedoch dem Stimmungsaufbau und deshalb stört das überhaupt nicht. Viel Gewalt oder viele Effekte gibt es hier übrigens nicht zu sehen – Die braucht es aber auch nicht. Zum Ende kann man noch den durchaus gelungenen Score loben, denn dieser begleitet das Geschehen immer schön atmosphärisch.
 
 


 
 
 

WIR – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
„Wir“ ist ein ordentlicher, zweiter Film von Jordan Peele, der hier erneut beweist, dass mit ihm als Horror-Regisseur in Zukunft noch zu rechnen ist, selbst wenn er an seinen großen Erfolg „Get Out“ nicht ganz anknüpfen kann. Dafür ist die Handlung teilweise etwas zu überladen. Das Drehbuch will von allem etwas, kann überraschen und ist durchaus gut geschrieben, macht aber auch nicht immer den größten Sinn und verliert teilweise etwas an Zugkraft. Außerdem kommt hier zwar beklemmender Horror auf, doch dieses Mal hätte man auf ein wenig Humor vielleicht besser verzichtet, denn es fällt teilweise nicht leicht „Wir“ absolut ernst zu nehmen. Das sind alles kleinere Schönheitsfehler, die nichts am ordentlichen Unterhaltungswert und den wirklich starken Darstellerleistungen ändern. Am Ende ist das immer noch clever genug, um als leicht anspruchsvoller Horror durchzugehen und wer starke Bilder zu schätzen weiß, wird sowieso genügend bedient. Ein guter Film!
 
 
 


 
 
 

WIR – Zensur

 
 
 
„Wir“ – der im Original „US“ heißt, ist nicht sonderlich zeigefreudig in Sachen Gewalt. Im Kino war der Streifen bereits ungeschnitten FSK16. Auf DVD und Blu-ray ist das nicht anders. Auf beiden Heimkinomedien befindet sich der blaue FSK-Flatschen. Auch diese Fassung ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

WIR – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Universal Pictures Home Entertainment

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: US; USA 2019

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch Dolby Atmos, Englisch Dolby Atmos, Türkisch DD 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch, Hindi, Türkisch

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 116 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase ohne Wendecover

Extras: Die Monster in uns, Miteinander verbunden: Der Doppeldreh, Unveröffentlichte Szenen, Jordan Peeles ganz eigene Art von Horror, Die Dualität von „Wir“, Eins werden mit Red, Jeder stirbt, Wie oben – so unten: Grand Pas de deux

Release-Termin: 25.07.2019

 

Wir [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 


 
 
 

WIR – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Universal Pictures Deutschland)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Enemy (2013)
 
The Double (2013)
 
Cam (2018)
 

Filmkritik: „The Prodigy“ (2019)

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THE PRODIGY

Story

 
 
 

Hinter lieben Kinderaugen verbirgt sich das Böse. Miles ist zwar hochintelligent, hat aber auch eine dunkle Seite. Offenbar stimmt was mit dem Jungen nicht, was die Eltern vor große Probleme stellt.

 
 
 


 
 
 

THE PRODIGY – Kritik

 
 
 
Besessene, fehlgeleitete oder einfach nur böse Kinder sind im Horrorfilm schon lange nichts Seltenes mehr. Die lassen sich mindestens genauso oft blicken, wie maskierte Serienkiller, rastlose Geister oder nimmersatte Zombies. Ein großer Unterschied zwischen genannten Konsorten ist aber, dass Kinder die boshaften Gedanken ziemlich gut verbergen können. Da werden schon mal hinter der Fassade von Unschuld und Reinheit perfide Pläne geschmiedet. Bis Erwachsene das hinterlistige Spiel begriffen haben, sind schon die ersten Leichen zu beklagen. Der Horrorfilm THE PRODIGY macht da keine Ausnahme. Die Handlung orientiert sich an so Werken wie DAS OMEN, JOSHUA oder MIKEY. Neu ist Gebotenes demnach nicht. Trotzdem ist THE PRODIGY ganz solide.
 
 
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Endlich haben sich die Sarah (TAYLOR SCHILLING) und John (PETER MOONEY) einen großen Wunsch erfüllt. Sohn Miles (JACKSON ROBERT SCOTT) wird geboren und ist das ganze Glück der noch jungen Familie. Doch je älter Miles wird, um so mehr bereitet der Junge Probleme. In der Schule verprügelt er die Mitschüler und auch sonst verhält sich das Kind alles andere als normal. Der hochbegabte Bursche faselt nachts in fremden Sprachen, malt seltsame Bilder und beginnt die Autorität der Eltern zu missachten. Gott sei Dank gibt es Spezialisten. Die unterziehen Test und setzen Miles sogar in Hypnose. Die Ergebnisse sind besorgniserregend. Was man nämlich in psychologischen Sitzungen über den Jungen herausfindet, lässt nicht nur den Therapeuten das Blut in den Andern gefrieren.
 
 
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THE PRODIGY erzählt die allseits bekannte Geschichte über einen Jungen, der offenbar von bösen Mächten manipuliert wird. Das ist zweifelsohne nicht gerade etwas, was man zum ersten Mal auf TV oder Kinoleinwand zu sehen bekommt. In der Tat hält sich THE PRODIGY arg an der Checkliste für Filme, in denen Kinder mörderischen Unfug aushecken. Was THE PRODIGY aber ganz passabel macht, ist die Aufklärung des gesamten Spuks. Die Erklärungsansätze sind relativ unverbraucht und sorgen für manch schaurige Szene. Eine derer ist bereits im Trailer zu sehen und sorgt für Puls. Da läuft der kleine Miles in Todesangst auf die Mutter zu und will in ihren Armen Schutz suchen. Die hält die Arme offen und staunt nicht schlecht, als aus dem Sohn plötzlich ein erwachsener Mann wird. Mit dem richtigen Lautstärkepegel vorausgesetzt reisst es dem Zuschauer da aus seinem Sessel.
 
 
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Überhaupt geht Regisseur NICHOLAS MCCARTHY in Sachen Schocks bedacht um. Die sind rar gesät, aber umso intensiver, wenn sie dann doch einmal den Weg in den Film finden. Da zucken selbst alteingesessene Filmkenner wie wir zusammen. Gleiches trifft auch auf die Atmosphäre zu. Schnell entsteht ein unbehagliches Gefühl, was vor allem durch die verstörende Handlung des kleinen Hauptdarstellers entsteht. Der legt sein kindliches Wesen ab und faselt plötzlich wie ein Erwachsener. Als wäre das nicht alles befremdlich genug, beginnt er Intrigen zu spinnen und Menschen zu bedrohen. Dass die Hemmschwelle zum Mord nicht weit ist, dürfte an der nötigen Schockwirkung liegen, auf die solche Art von Filmen hinarbeitet.
 
 
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Dennoch, so technisch bedacht der Film auch ist und so gut die wenigen Akteure vor der Kamera schauspielern – THE PRODIGY kann die bedacht aufgebaute Spannung in der ersten Filmhälfte nicht auf Dauer halten. Während man anfangs noch sehr darum bemüht ist, das Geheimnis über das merkwürdige Verhalten des kleinen Miles zu hüten, wusste man nicht nachdem es gelüftet wurde, wie man THE PRODIGY zu einem befriedigenden Ende bringen sollte. Wir sehen zwar wie und was die bösen Mächte mit dem Jungen veranstalten. Zu was das alles genau führen soll bleibt ungewiss. Offenbar war das auch Regisseur NICHOLAS MCCARTHY bewusst. Der löst das Problem im Eiltempo und verpasst dem Film knapp zehn Minuten vor Schluss einen hektischen und dann doch sehr konsequenten Abschluss. Manch Zuschauer dürfte sich da etwas überfordert fühlen – zumal das Finale nichts für jene ist, die gern alles durch die rosarote Brille sehen wollen.
 
 
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THE PRODIGY – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Bitterböser Horrorthriller mit Anlehnung an DAS OMEN, der einige tiefsitzende Schockmomente parat hält. Letztere waren offenbar so krass, dass man einige derer aus dem Film schneiden musste. So zumindest erklärte es Regisseur NICHOLAS MCCARTHY in Interviews mit der amerikanischen Filmpresse kurz vor Kinostart seines Horrorfilms. Bei einer Preview kam es zu furchtbaren Schreiattacken im Publikum, weshalb man sich dazu entschloss einige Schockszenen zu entfernen. Ob der Filmemacher das nur aus PR-Zwecken erwähnte oder ob THE PRODIGY wirklich so viele böse Momente besaß, dürfte wohl allein der Regisseur wissen. Immerhin weiß der britische Filmschaffende was er tut. NICHOLAS MCCARTHY kennt sich nämlich im Genre aus. Der konnte mit THE PACT und AT THE DEVIL’S DOOR bereits beweisen, dass er sich in Sachen Horror gut auskennt. Seine Souveränität im Umgang mit schaurigen Bildern ist auch in THE PRODIGY unverkennbar. Der Film erfindet zwar das Rad nicht neu, ist aber ein solider Vertreter jener Gattung Filme, wo es hinterlistige Gören mit Erwachsenen nicht gut meinen. Aus technischer Hinsicht kann man nicht meckern. Nur im Finale schwächelt der Streifen etwas. Da drücken wir mal ein Auge zu!
 
 
 


 
 
 

THE PRODIGY – Zensur

 
 
 
THE PRODIGY hat kaum Splatterszenen zu bieten. Man bekommt die verwesten Überreste eines Hundes zu sehen. Weiterhin sieht man eine abgetrennte Hand. Ein Mann und zwei Frauen werden zudem erschossen. Hierzulande hat es für die THE PRODIGY eine FSK16 gegeben.
 
 
 


 
 
 

THE PRODIGY – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) SPLENDID FILM (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Prodigy; Kanada | USA 2019

Genre: Grusel, Thriller, Mystery

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Niederländisch

Bild: 2,39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 92 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer, Trailershow, Audiokommentar von Regisseur Nicholas McCarthy, Promos, Galerie

Release-Termin: 07.06.2019

 

The Prodigy [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

THE PRODIGY – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei SPLENDID FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Teufelskind Joshua (2007)
 
Das Omen (1976)
 
Omen IV: Das Erwachen (1991)
 

Filmkritik: „Isabelle“ (2018)

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ISABELLE

(THE WANTING | ISABELLE’S WANTING)

Story

 
 
 

Ein bleiches Mädchen bringt durch das ständige Beobachten der neuen Nachbarn genau jene um den Verstand. Letztere fühlen sich so langsam genervt – zumal ihnen der Neuanfang am Rande der Stadt alles andere als einfach fällt.

 
 
 


 
 
 

ISABELLE – Kritik

 
 
 
Wer sich mit Horrorfilmen auskennt weiß schon lange, dass reißerisch gestaltete Filmplakate schon lange nicht mehr die Qualität eines Horrorfilms widerspiegeln. Da wird gern mal mit Blut, Gedärm oder entstellten Fratzen geworben, um die Neugierde des Zuschauers zu wecken. Leider wird so nur vom eigentlichen Inhalt abgelenkt. Bei den meisten neueren Horrorfilmen sieht es damit mau aus. Zum Leidwesen des Käufers. Dem wird einmal mehr bewusst, dass man sich nicht vom Filmplakat leiten lassen soll. In der Regel steckt nämlich genau bei jenen Covergestaltungen Schund dahinter, die auf Biegen und Brechen um die Gunst des Käufers buhlen. Gute Horrorfilme habe ausgefeilte Poster-Kreationen nicht nötig.
 
 
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Bei der folgenden Genre-Produktion mit dem Titel ISABELLE trifft genau diese Formel zu. Da schaut eine verängstigte Frau vom Cover und suggeriert so dem Zuschauer, dass er hier wohl einen der gruseligsten Filme der letzten Jahre zu sehen bekommt. Die Realität sieht anders aus. Der von ROBERT HEYDON inszenierte Horrorstreifen hat zwar mit ADAM BRODY (aus FINAL DESTINATION 3) und SHEILA MCCARTHY (aus STILL/BORN) bekannte Gesichter zu bieten. In Sachen Grusel wird aber nur beliebige Standardware geboten, die eher ermüden lässt, statt den Zuschauer vor Angst um den Schlaf zu bringen. Vielleicht wäre eine gelangweilte Frau auf dem Poster aufschlussreicher gewesen, statt den Käufer mal wieder mit Fehlinformationen hinter das Licht zu führen. Dann hätte der Zuschauer auch direkt verstanden, was ihn erwarten wird.
 
 
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Nervige Stalkerin: In ISABELLE zieht es werdende Eltern in ein gemütliches Häuslein in ruhiger Gegend. Eigentlich das Beste, was der schwangeren Larissa und dem Gatten Matt passieren konnte. Würde da nicht plötzlich ein schrecklicher Schicksalsschlag ereilen. Der ungeborene Sohn stirbt ganz unerwartet und das junge Paar fällt in ein tiefes Loch. Kein guter Start in das gemeinsame Leben, was sich vor allem bei Larissa bemerkbar macht. Die hat mit Depressionen zu kämpfen und sieht sich plötzlich von der schaurigen Nachbarstochter verfolgt. Letztere sitzt im Rollstuhl und beobachtet die neuen Nachbarn von ihrem Dachfenster aus. Da überkommt der traumatisierten Larissa ein unangenehmes Gefühl. Zurecht, denn es dauert nicht lang, bis das bleiche Mädel von Gegenüber auch noch in der Wohnung der jungen Eltern auf Entdeckungsreise geht – unaufgefordert versteht sich. Alles nur Einbildung und doch real? Eine Frage, der Ehemann Matt auf den Grund gehen muss. Ob er schnell professionelle Hilfe finden wird?
 
 
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ISABELLE ist kein cleverer Horrorfilm. Der Gruselstreifen versucht erst gar nicht, dass Beste aus der dünnen Story zu machen. Wo man in Filmen wie THE HOUSE ON PINE STREET oder DARK CIRCLES ähnliche Themen aufgriff und den Zuschauer durch falsche Fährten an der Nase herumführte, geht man in ISABELLE den Weg des geringsten Widerstandes und fällt gleich mit der Tür ins Haus. Dabei entpuppt sich bereits der Trailer als katastrophale Spannungsbremse. Der verrät gleich mal genau jenen Plot, der anfangs noch verschleiert wird und den Zuschauer vor der Glotze halten soll. So ist Regisseur ROBERT HEYDON kläglich darum bemüht ein Mysterium um die Geschehnisse in ISABELLE zu weben. Unsere Filmheldin verliert ihr neugeborenes Kind und beginnt plötzlich Dinge zu sehen, die gar nicht da sind. Alles nur Folgen eines schwerwiegenden Traumas oder ist Larissa auf einmal empfänglich für paranormale Ereignisse? Der Sprung vom Psychothriller zum Geisterfilm ist kurz und macht aus ISABELLE ziemlich austauschbaren Gruselbrei, der sich wirklich jedem Klischee bedient, das man nun schon in gefühlt 1000 Filmen über zornige Geister zu sehen bekommen hat. Das ist angesichts der Tatsache ermüdend, weil es mittlerweile einfach zu viele Gruselproduktionen gibt, in den es spukt oder poltert. Weil die nach immer gleichen Schema abgehandelt werden, hat sich allmählich ein Sättigungsgefühl eingestellt. Das macht sich auch im Falle von ISABELLE bemerkbar. Ja, hier ist ein böses wütendes Geistermädchen am Werke, das dem Gör aus dem japanischen RING-Universum Konkurrenz machen will. Will das jemand sehen? Wir meinen: nein! Etwas mehr Grips und Einfallsreichtum tut beim Gruselhandwerk zwingend Not.
 
 
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ISABELLE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Ein weiterer Versuch dem aus TV-Geräten und Brunnen krabbelnden Mädchen der Horrorfilm-Reihe RING den Rang abzulaufen. Der Gruselfilm ISABELLE ist ein solider Gruselfilm für Anfänger – mehr aber auch nicht. Regisseur ROBERT HEYDON versucht mit ausgelutschten Rezepturen des Geisterfilm-Genres irgendwie Spannung aufzubauen. Vergebens! Der Streifen verrät viel zu früh, dass die stalkende Nachbarstochter eigentlich ein Geist ist und einen Weg sucht, trotz Geisterhülle irgendwie unter den Lebenden verweilen zu können. Für die Filmhelden Grund genug, nach den sterbliche Überresten der toten Stalkerin zu suchen, um dem Geist ins Reich der Toten abschieben zu können. Ja, jetzt haben wir den wenig überraschenden Plot aufgelöst. Den vorausahnen zu können ist aber auch keine Kunst. Erfahrene Zuschauer wittern bereits nach wenigen Minuten die Fährte. Der dumm geschnittene Trailer verrät den Rest. Wer sich den angeschaut hat, kann sich Sichtung des eigentlichen Films sparen. ISABELLE ist paranormale Dutzendware – ohne echten Spannungsbogen. Austauschbar, beliebig, unnötig.
 
 
 


 
 
 

ISABELLE – Zensur

 
 
 
ISABELLE hat kaum Gewalt zu bieten. Eine Filmfigur erstickt, weil man ihr eine Plastiktüte über den Kopf zieht. Weiterhin bringt sich ein Charakter selbst um und eine Protagonistin stürzt aus dem Fenster. Das ist alles sowas von FSK16 – man glaubt es kaum.
 
 
 


 
 
 

ISABELLE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei The Wanting Film Inc.)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Jessabelle – Die Vorhersehung (2014)
 
Gallows Hill (2013)
 
Haunt – Das Böse erwacht (2013)
 
Dark Circles (2013)
 
The House on Pine Street (2015)
 

Filmkritik: „I Trapped the Devil“ (2019)

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I TRAPPED THE DEVIL

Story

 
 
 

Zwei entfremdete Brüder treffen am Heiligen Abend aufeinander und erleben ein Weihnachtsfest voller Angst.

 
 
 


 
 
 

I TRAPPED THE DEVIL – Kritik

 
 
 
Horrorfilme, die an Heiligabend spielen, bilden nicht erst seit gestern ein eigenes Genre. Bereits in den 1970ern wurde Weihnachten in Filmen wie BLACK CHRISTMAS oder UNTER MORDVERDACHT zum bluttriefenden Grauen deklariert, wo statt gefeiert grausam gestorben werden musste. Was in den 1970ern aber noch die Ausnahme war, hat sich mittlerweile im Horror-Genre fest etabliert. So vergeht nahezu kein Jahr an dem nicht mehrere Horrorfilme gedreht werden, die das Weihnachtsfest zum Thema schrecklicher Ereignisse machen. I TRAPPED THE DEVIL ist einer derer. Kurioserweise handelt es sich hier um einen Genre-Beitrag, der zwar zur Weihnachtszeit spielt, aber kaum Weihnachtsstimmung aufkommen lässt. Stattdessen wird der Zuschauer in einen Albtraum aus Wahn, Paranoia und Okkult-Horror gezogen, der vor allem durch eines auffällig wird: klaustrophobische Bilder und ungemütliche Atmosphäre.
 
 
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Wenn Weihnachten eine unerwartete Richtung einschlägt. Eigentlich möchten Matt und Frau Karen nur die Festtage mit der Familie verbringen. Doch es kommt alles ganz anders. Die beiden wollen Matts psychisch labilen Bruder besuchen, um ihm am Weihnachtsabend Gesellschaft zu leisten. Leider ist Bruderherz Steve über den unangemeldeten Besuch alles andere als erfreut. Die miese Weihnachtsstimmung hat auch ihren Grund. Steve hat nämlich andere Sorgen. Der hat im Keller einen Menschen eingesperrt, von dem er fest davon überzeugt ist, dass es sich dabei um den Leibhaftigen persönlich handelt. Letzterer soll angeblich für die vielen Negativschlagzeilen in den Tageszeitungen verantwortlich zeichnen. Eine gewagte Theorie, die bald absurde Ausmaße annimmt und die Frage in den Raum stellt, ob der paranoide Bruder damit Recht behält oder alles doch nur einem kranken Geist entspringt.
 
 
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Handwerklich souverän inszenierter Gruselfilm mit kleinen Schwächen. Die Geschichte hinter I TRAPPED THE DEVIL erinnert ein wenig an die 41. Episode der beliebten THE TWILIGHT ZONE mit dem Titel THE HOWLING MAN von 1959. Auch dort drehte sich alles um einen eingesperrten Mann, der angeblich deshalb hinter verschlossenen Mauern sein Dasein fristen musste, weil man fest der Überzeugung war es hier mit dem Teufel zu tun zu haben. Was dort aber in knapp 30 Minuten über die Mattscheibe lief, wird in I TRAPPED THE DEVIL in Spielfilmlänge abgehandelt. Das ist dahingehend problematisch, weil nicht viel Story geboten wird. Regisseur JOSH LOBO lässt die überschaubare Handlung zu häufig um die Frage kreisen, was denn nun eigentlich des Pudels Kern seines ersten Spielfilms ist. Wer befindet sich tatsächlich im Keller und haben die wüsten Verschwörungstheorien überhaupt Gewichtung mit denen der Zuschauer hier konfrontiert wird? Um genau jene Fragen wird ein großes Mysterium gesponnen, für welches das Publikum viel Geduld mitbringen muss. Die Auflösung flimmert nämlich erst eine Minute vorm Abspann über den Bildschirm.
 
 
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Viel Substanz besitzt I TRAPPED THE DEVIL keineswegs. Die Geschichte tritt nämlich zugunsten Atmosphäre in den Hintergrund. Hier erhalten unbequeme Bilder und angespannte Stimmung Hauptaugenmerk. Regisseur JOSH LOBO versucht mit gruseligen Kameraeinstellungen und farblich stimmiger Ausleuchtung (da werden Bilder in stechendes Rot getaucht – DARIO ARGENTO lässt grüßen) eine Atmosphäre der Angst zu schaffen, die bis zum erlösenden Abspann aufrechterhalten werden soll. In der Tat schafft sie das problemlos. Schnell ist man mittendrin und sitzt angespannt vor dem Fernseher, um genau jene Auflösung zu ergründen, die I TRAPPED THE DEVIL ansteuern möchte. Leider wird die Antwort auf die entscheidende Frage so nur künstlich hinausgezögert. Die Hinhalte-Technik macht nämlich schnell müde. Ein langsamer Erzählfluss tut da sein Übriges. Regisseur JOSH LOBO nimmt sich viel Zeit, um Charaktere zu beleuchten und Stimmung durch visuelle Stilelemente aufzubauen. Die eigentliche Handlung kommt dabei aber nur schleppend in Fahrt. Das macht den visuell starken und schauspielerisch gut besetzten I TRAPPED THE DEVIL zu einem zweischneidigen Schwert. Filmfans mit Hang zum Mainstream werden da schnell das Interesse verlieren.
 
 


 
 
 

I TRAPPED THE DEVIL – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Der wohl gruseligste Weihnachtsfilm, der jemals gedreht wurde. I TRAPPED THE DEVIL ist ein schauriges und vor allem mehrdeutiges Gruselerlebnis, das das Gruselhandwerk der alten Schule zurück auf die Mattscheibe bringt. Hier übernehmen leise Töne die Oberhand. Mit gerade einmal drei Hauptdarstellern wird hier eine subtile und gleichzeitig klaustrophobische Geschichte erzählt, die sich in nur drei Zimmern abspielt. Die überschaubare Kulisse nutzt alle Möglichkeiten des subtilen Angstkinos aus. Da sorgen mysteriöse Stimmen für Gänsehaut, eine befremdliche Ausleuchtung schwört Unbehagen herauf und unbeantwortete Fragen treiben die Spannung voran. Leider hat dieses Debüt-Stück eines ambitionierten Nachwuchsregisseurs einen Haken. I TRAPPED THE DEVIL wird derart langsam erzählt, dass man Probleme bekommen könnte der Handlung zu folgen, wenn man nicht ausgeschlafen ist. Hinzukommt, dass der Streifen in der ersten halben Stunden mit Leerlauf zu kämpfen hat, weil der dünne Plot auf 83 Minuten Laufzeit gestreckt werden musste. Zwar sind alle Zutaten für gruseliges Gänsehautkino vorhanden. Dennoch benötigt der Film lang bis diese zu einem Ganzen finden. Dafür ist das Finale stark. I TRAPPED THE DEVIL ist unausgereiftes Indie-Kino, das aber immer noch weit besser ist als das, was einem mittlerweile alles im Horror-Genre zugemutet wird.
 
 
 


 
 
 

I TRAPPED THE DEVIL – Zensur

 
 
 
I TRAPPED THE DEVIL ist eher ein ruhig erzählter Gruselthriller ohne großartige Gewaltausbrüche. Erst am Ende wird ein Messer in einen Körper gestoßen und eine Waffe kommt auch zum Einsatz. Hierzulande dürfte das alles für eine ungeschnittene FSK16 reichen.
 
 
 


 
 
 

I TRAPPED THE DEVIL – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei IFC FILMS)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Rite – Das Ritual (2011)
 
Erlöse uns von dem Bösen (2014)
 
Lost Souls – Verlorene Seelen (2000)
 

Filmkritik: „Body at Brighton Rock“ (2019)

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BODY AT BRIGHTON ROCK

Story

 
 
 

Frau gegen Natur: Die Mitarbeiterin eines Nationalparks verläuft sich im Wald und muss eine ganze Nacht dort verweilen, bis Hilfe eintrifft. Da werden wenige Stunde zu einer gefühlten Ewigkeit, weil die Fantasie der Hauptdarstellerin boshafte Streiche spielt.

 
 
 


 
 
 

BODY AT BRIGHTON ROCK – Kritik

 
 
 
Es gibt Regeln, die gilt es zu befolgen – nicht nur im Horrorfilm. Eine derer erlernt man bereits im Kindesalter. Da wird immer wieder davon gepredigt, dass man bei Waldspaziergängen besser nicht vom Wegesrand abkommt, um sich nicht zu verlaufen. Eine wichtige Regel, die im Thriller BODY AT BRIGHTON ROCK missachtet wird. Die Strafe folgt auf dem Fuß. Für den cineastischen Denkzettel zeichnet ROXANNE BENJAMIN. Die scheint eine Leidenschaft für Horror-Anthologien zu besitzen, hatte sie bei jeder wichtigen Kurzgeschichtensammlung der letzten Jahre ihre Hände mit ihm Spiel, die im Horrorfilm-Bereich Erfolg verbuchen konnte. So drehte sie nicht nur Segmente für SOUTHBOUND und den ausschließlich von Frauen inszenierten XX. Auch als Produzentin verdiente sich die Filmemacherin und verhalf so Kult-Horror wie V/H/S und V/H/S 2 zu Ruhm. Mit BODY AT BRIGHTON ROCK muss sie nun unter Beweis stellen, dass sie auch mehr als Episoden für Horror-Anthologien kann. BODY AT BRIGHTON ROCK ist der erste Langfilm der Regisseurin und geht in eine andere Richtung. Statt grafischen Horror auf die Leinwand zu bringen, ergründet die Regisseurin menschliche Ängste. Deftige Schocks und grausame Gewalt haben Sendepause. Dafür wird es leise, zurückhaltend und psychologisch. Ob der Richtungswechsel eine gute Entscheidung war.
 
 
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Als frisch ausgebildete Mitarbeiterin des Nationalparks Brighton Rock hat man es nicht leicht. Man muss immer pünktlich auf der Arbeit erscheinen und stets höflich seinen Vorgesetzten gegenübertreten. Etwas, mit dem Wendy (KARINA FONTES) so ihre Probleme hat. Die hat zwar bisher wenig Erfahrung in ihrem Beruf sammeln können, will aber allen zeigen, dass sie auch anspruchsvolle Aufgaben bewältigen kann. Sie tauscht einfach den zugeteilten Aufgabenbereich mit einer Mitarbeiterin, sodass letztere in Ruhe mit einem Kollegen flirten kann. Eine Fehlentscheidung, wie sich bald herausstellen wird. Wendy muss nämlich in die Wälder, um dort ein paar Informationsblätter auszutauschen. Eigentlich eine nicht sonderlich schwere Arbeit, würde unsere Heldin nicht so leichtfertig mit ihren Arbeitsutensilien umgehen. Sie verliert nämlich schnell die Orientierung, weil sie ihre Parkkarte verloren hat. So läuft Wendy immer tiefer in den Park hinein und weiß bald nicht mehr wo sie ist. Da ist guter Rat teuer, zumal die junge Frau auch noch auf eine Leiche trifft, die hier wohl schon längere Zeit liegen muss. Gott sei Dank wurde ein Funkgerät eingepackt. Mit dem fordert sie Hilfe an. Die Sache hat nur einen Haken. Bis man die Position geordert hat und eintreffen wird, wird die Nacht hereingebrochen sein. Deshalb will man mit der Suche bis zum nächsten Morgen warten. Eine Tatsache, die von unserer unsicheren Hauptdarstellerin einiges abverlangt. Kaum sieht man die Hand vor Augen nicht, bekommt es Wendy mit der Angst zu tun. Offenbar ist die junge Dame nicht allein in den Wäldern. Da wird aus einem verängstigten Reh plötzlich eine mutige Kampfamazone. Respekt!
 
 
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Survival-Thriller mit Verwirrungstaktik. BODY AT BRIGHTON ROCK deklariert mal wieder Urängste zum Mittelpunkt. Da werden Themen wie Angst vor der Dunkelheit, Orientierungslosigkeit und Furcht vor dem Unbekannten in den Fokus gerückt, damit eine verzweifelte Protagonistin über sich hinauswachsen kann. Die erlebt hier die Lektion ihres Lebens und muss eine Nacht voller Terror überstehen, die immerhin den Mut der verschreckten Heldin fordert. Da lassen schaurigen Legenden die Fantasie durchgehen, welche davon berichten, dass es in der Gegend spuken soll. Aber auch Mutter Natur macht es der Heldin nicht leicht. Letztere sieht sich plötzlich mit einem Grizzly konfrontiert, der offenbar seit Tagen nichts mehr gefressen hat. Aber damit soll es nicht enden. Auch ein Fremder schleicht sich unerwartet an und entfacht eine Aura des Bösen. Was der hier mitten in der Wildnis im Schilde führt? Erfahrene Filmkenner haben da gleich den Klassiker BEIM STERBEN IST JEDER DER ERSTE im Gedächtnis.
 
 
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BODY AT BRIGHTON ROCK versucht den Zuschauer an der Nase herumzuführen in dem er einfach verschiedene Genre-Rezepturen vereint. Da werden mehrere Richtungen eingeschlagen, die lang offen lassen, worauf der Film eigentlich hinauswill. Das Regie-Debüt von ROXANNE BENJAMIN lässt sich nicht unbedingt in eine Schublade stecken. Der Überlebensthriller streift Zombie-, Tier-Horror und Geisterstreifen, rückt aber am Ende erst mit der Sprache heraus, was sich hier nun wirklich ereignet. Das lässt den Film hervorstechen, weil er sich so souverän gegen Genre-Konventionen auflehnt. Demzufolge ist BODY AT BRIGHTON ROCK auch nichts fürs Massenpublikum. Der Streifen richtet sich eher an jene, die gern mutiges Indie-Kino sehen wollen, das sich weg von den Produktionen großer Studios bewegt. Dort wird viel zu oft das gedreht, was von der Allgemeinheit einfach verstanden und schnell konsumiert werden kann. Mit sowas gibt sich das Multitalent ROXANNE BENJAMIN nicht zufrieden. Die dreht und produziert das, was sie gern sehen möchte und nicht andere. So sollte es öfters sein.
 
 


 
 
 

BODY AT BRIGHTON ROCK – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Eine Geschichte, die seine Protagonistin dabei begleitet ihre Ängste zu überwinden. BODY AT BRIGHTON ROCK ist einer dieser Filme, die mit der Wahrnehmung seiner Figuren spielen. Was ist hier real und was spielt sich nur im Kopf der Charaktere ab. Mit genauer jener Frage hält sich dieser Survival-Thriller über Wasser für den sich Regisseurin ROXANNE BENJAMIN von den Büchern des CHRISTOPHER PIKE inspirieren ließ. BODY AT BRIGHTON ROCK erzählt nicht nur von einer mutigen Frau, die über sich hinauswächst, sondern verbeugt sich auch gleich mal von den glorreichen 1980ern. Allein das macht den Streifen schon sympathisch – auch, wenn am Ende so einige Fragen offen bleiben und die Hauptfigur doch etwas blass hinter der zugegebenermaßen interessant zusammengeflickten Geschichte bleibt.
 
 
 


 
 
 

BODY AT BRIGHTON ROCK – Zensur

 
 
 
BODY AT BRIGHTON ROCK hat kaum Gewaltmomente zu bieten. Man bekommt kurz eine Leiche zu sehen, die schon längere Zeit auf dem Waldboden liegt. Weiterhin fällt ein Mann von einem Felsen und ein Grizzly verwundet unsere Heldin am Fuß. BODY AT BRIGHTON ROCK dürfte ohne Probleme eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

BODY AT BRIGHTON ROCK – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Magnet Releasing)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Desolation (2017)
 
Backcountry – Gnadenlose Wildnis (2014)
 
Girl in Woods (2016)
 
Borderline (2017)
 
The Ritual (2017)
 

Filmkritik: „The Isle“ (2018)

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THE ISLE

Story

 
 
 

Exzellentes Gruselhandwerk der alten Schule: Auf einer Insel im Meer geht es nicht mit rechten Dingen zu. Drei Schiffbrüchige stranden hier und versuchen alles daran zu tun, dieses Eiland wieder verlassen zu können. Leider vergebens.

 
 
 


 
 
 

THE ISLE – Kritik

 
 
 
Eine Bootsfahrt, die ist lustig – manchmal aber auch nicht. Drei Schiffbrüchige irren im Jahre 1846 mit einem Rettungsboot übers Meer in der Hoffnung, hoffentlich bald Land zu finden. Sie sind die einzigen Überlebenden eines Handelsschiffs, das Waren von England nach Amerika bringen sollte. Doch es gab einen Unfall, das Schiff versank und riss alle in den Tod. Nun sind Kapitän Oliver Gosling und zwei Begleiter auf sich allein gestellt. Aber Rettung naht. Eine Insel vor der Westküste Schottlands taucht plötzlich im Nebel auf. Darauf leben von der Außenwelt abgeschieden wenige Menschen, die den Gestrandeten zur Hilfe eilen. Doch der Zufluchtsort offenbart sich schon bald als Tor zur Hölle. Die Insulaner wollen ihre Gäste nämlich nicht wieder gehen lassen und tun alles daran, dass eine Heimreise erschwert wird. Da ist guter Rat teuer, zumal sich plötzlich seltsame Ereignisse häufen. Da nimmt man unheimliches Geflüster im Dunkeln wahr, schauerhafte Sirenenklänge ziehen über das Meer und in der Nacht scheinen mysteriöse Schatten um die Häuser zu ziehen. Alles plausibel erklärbar oder doch schauriger Natur? Wer die Antwort darauf wissen möchte, muss THE ISLE dann doch bis zum Ende anschauen.
 
 
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Und das ist auch schon die Quintessenz dieses ansprechend verpackten Mysterythrillers. Regisseur MATTHEW BUTLER-HART macht nämlich ein großes Geheimnis über die Gründe seltsamer Vorkommnisse und löst das Mysterium dieser Insel erst im Finale auf. Bis dahin passieren immer wieder unerklärliche Dinge, die so schnell nicht erahnen lassen, was den Zuschauer hier erwarten wird. Glücklicherweise halten auch die wenigen Protagonisten dicht. Die faseln in Rätseln und versuchen das Publikum immer wieder auf falsche Fährten zu locken, um die Auflösung möglichst lang hinauszögern zu können. Ein Schachzug, der THE ISLE über weite Strecken interessant macht.
 
 
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Bei soviel Geheimniskrämerei werden Erinnerungen an den 2004 von M. NIGHT SHYAMALAN inszenierten THE VILLAGE wach. Auch hier stand ein Dorf im Mittelpunkt, in dem allerhand seltsame Dinge geschahen. Dabei wurde der Zuschauer geschickt an der Nase herumgeführt, um am Ende mit einem unerwarteten Twist vor den Kopf gestoßen zu werden. Ganz so rabiat geht Regisseur MATTHEW BUTLER-HART dann doch nicht vor. Der verstreut immer mal wieder Hinweise und lässt so schneller erahnen, welch gruseliges Mysterium dieses abgelegene Dorf umgibt. Handwerklich kann man da nicht meckern. Die nebelverhangene Kulisse Schottlands trägt einen großen Teil zur Atmosphäre bei. Da wird bei den Farben gespart und die Nebelmaschine auf Anschlag gestellt. Kühle Farbfilter tun ihr übriges. Eine permanent beunruhigende aber zugleich rätselhafte Stimmung ist garantiert. Freunde subtiler Gruselschauer und unheimlicher Geschichten wird’s gefallen.
 
 
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THE ISLE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Meisterliches Gruselhandwerk vor historischer Kulisse. THE ISLE ist ein Vertreter der alten Gruselschule und kann vor allem durch eines überzeugen: Geheimniskrämerei. Die liegt im Fokus, um jenes Mysterium bewahren zu können, das einer Insel im Meer umgibt. THE ISLE ist dem klassischen Horror verpflichtet und versucht demnach Schrecken auf subtilem Wege zu bewirken. Das bedeutet: Hektik und Adrenalin haben Sendepause. Stattdessen gilt es in langsamen Schritten einem Geheimnis auf die Schliche zu kommen. Hierbei glänzt vor allem die nebelverhangene schottische Kulisse, die prädestiniert dafür ist, schlaflose Nächte zu bereiten. THE ISLE ist stark vom übernatürlichen Kino der 1970er Jahre beeinflusst und kann sein Spannungsniveau gerade wegen seiner undurchsichtigen Handlung auf hohem Niveau halten. Regisseur MATTHEW BUTLER-HART lässt nämlich nicht so schnell durchscheinen, wohin die Reise gehen soll. Der entführt uns mit seinem Ausflug ins Mysteryfach zurück ins 19. Jahrhundert und hat hier ein eigenes Drehbuch verfilmt, das er zusammen mit Ehefrau TORI BUTLER-HART geschrieben hat. Letztere hat es sich nicht nehmen lassen auch gleich eine Rolle im Film zu übernehmen. Beide scheinen zumindest sicher darin zu sein, was sie tun. THE ISLE ist ein souverän abgehandelter Gruselstreifen, der vor allem für Mysteryfilm-Fans interessant sein dürfte. Die kommen hier auf ihre Kosten. Kann man schon mal auf seine Filmliste setzen.
 
 
 


 
 
 

THE ISLE – Zensur

 
 
 
THE ISLE ist eher ein subtiler Mysterystreifen der auf Stimmung und Atmosphäre legt. Im Film gibt es selbst keine explizit zelebrierten Todesszenen. Es gibt Tote; man bekommt aber nicht zu sehen, wie sie umgebracht wurden. Hierzulande dürfte THE ISLE von der FSK eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten.
 
 
 


 
 
 

THE ISLE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Brainstorm Media)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Village – Das Dorf (2004)
 
The Witch (2015)
 
The Wicker Man (1973)
 
The Wicker Man (2006)
 

Filmkritik: „The Hole in the Ground“ (2019)

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THE HOLE IN THE GROUND

Story

 
 
 

Eine alleinerziehende Mutter erlebt im neuen Heim den Horror auf Erden.

 
 
 


 
 
 

THE HOLE IN THE GROUND – Kritik

 
 
 
Du magst es gruselig und vergräbst Dich gern mal im Kinosessel, während Du dir aus Furcht die Augen zuhältst? Dann haben wir neues Futter für Dich, das dir garantiert schlaflose Nächte bereiten wird. THE HOLE IN THE GROUND nennt sich das unabhängige Horrorstück, das bereits nach seiner Premiere auf dem Sundance Film Festival im Januar 2019 von Kritikern als einer der besten Genre-Filme des Jahres bezeichnet wurde. Das können wir bestätigen. Was hier an psychologischem Grauen über die Leinwand schleicht, ist fesselnd aber auch beängstigend zugleich. Da wird mit fast schon altbackenen Methoden für Unbehagen gesorgt und beim klassischen Angstkino stibitzt. Trotzdem stellen sich die Nackenhaare auf. Eine Kunst für sich, der man an dieser Stelle Respekt zollen muss.
 
 
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THE HOLE IN THE GROUND erzählt eine schaurige Geschichte, die mit Urängsten spielt. Darin zieht es die alleinerziehende Mutter Sarah O’Neill (SEÁNA KERSLAKE) samt Sohnemann (in der zweiten Filmhälfte irgendwie creepy: JAMES QUINN MARKEY) aufs irische Land, wo sie in einem gruseligen Anwesen eine gescheiterte Beziehung hinter sich lassen will. Alles auf Anfang also – doch der Neubeginn hat so seine Tücken. Eines Abends gibt es nämlich Streit mit dem kleinen Chris. Der ist verärgert, flüchtet in die angrenzenden Wälder und scheint plötzlich vom Erdboden verschwunden zu sein. Ein Albtraum, der Mutter Sarah durch die Hölle gehen lässt, denn im Wald hinterm Haus befindet sich ein riesiges Senklock. Doch Gott sei Dank wird alles gut. Das Kind taucht wieder auf und die sind Sorgen vergessen. Leider haben Mütter so ihre Instinkte. Die merken schnell, wenn etwas mit dem Nachwuchs nicht stimmt. So auch unserer Filmheldin. Die stellt plötzlich fest, dass der kleine Chris seit dem mysteriösen Vorfall nicht mehr derselbe ist. Alles nur Einbildung oder Folgen von Stress? Eine beunruhigende Frage, die THE HOLE IN THE GROUND zum wohl gruseligsten Mysterythriller der Saison macht.
 
 
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Jetzt wird es gruselig und das meinen wir auch so. Das Horror-Genre hat nämlich seit einer gefühlten Ewigkeit große Probleme damit dem Zuschauer Gänsehaut zu bereiten. Sei es der Übersättigung wegen oder, weil man Filmzutaten bis zum Erbrechen kopiert, statt mal was Neues auf Zelluloid zu bannen. Wirklich unheimliche Horrorstreifen muss man mit der Lupe suchen. Wohl einer der Gründe, warum LEE CRONIN mit THE HOLE IN THE GROUND zeigt, dass es so einfach sein kann. Der nimmt sich einer kleinen Geschichte an und baut darum ein düsteres Mysterium, das er mit allerhand klassischen Gruselelementen verziert. Da fehlt das bekannte Spiel mit Licht und Schatten ebenso wenig, wie knarrende Dielen, schnell vorbeihuschende Schatten und langsame Kamerafahrten, die von unheimlicher Musik begleitet werden.
 
 
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Horror der alten Schule also, der ganz unschuldig beginnt und den Zuschauer unvorbereitet auf eine Reise des Grauens mitnimmt. THE HOLE IN THE GROUND tut alles daran, dass man ihn nicht so leicht durchschauen kann. Da werden falsche Fährten gestreut, um den Zuschauer lang im Dunkeln tappen zu lassen. Was passiert hier eigentlich? Wurde hier tatsächlich der Sohnemann von außerirdischen Besuchern gegen eine seelenlose Kreatur ausgetauscht oder handelt der Streifen von einer überforderten Frau, die plötzlich dem Mutterdasein nicht mehr gewachsen ist – DER BABADOOK lässt grüßen. Die Antwort darauf verraten wir an dieser Stelle natürlich nicht. Fakt ist aber, dass der Regisseur das Spiel mit dem Schrecken perfekt beherrscht. Der thematisiert die Verlustängste übereifriger Helikoptereltern und vermischt diese mit irischer und keltischer Mythologie. Das Resultat ist ein herrlich beunruhigendes Filmvergnügen, dem vielleicht stets besorgte Eltern besser fernbleiben sollten.
 
 
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THE HOLE IN THE GROUND – Fazit

 
 
 
9 Punkte Final
 
 
 
Von mysteriösen Senklöchern und ausgetauschten Kinder. THE HOLE IN THE GROUND ist DIE Gruselüberraschung des Jahres 2019. Nach all den kommerziellen, effektreichen und lauten Blumhouse-Produktionen hätte man nicht daran gedacht, dass klassisches Angstkino überhaupt noch eine Chance hat. Doch THE HOLE IN THE GROUND belehrt eines besseren. Dieser Indie-Trip hat es in sich, weil ihm das gelingt, worin vielen neueren Produktionen versagen. THE HOLE IN THE GROUND ist nämlich trotz überschaubarer Story mindestens genauso gruselig, wie die im Jahr 2001 von ALEJANDRO AMENÁBAR inszenierte Schauermär THE OTHERS. Diese verzichtete auf ausufernde Effekte und konzentrierte sich stattdessen auf unheimliche Stimmung und das Zusammenspiel seiner Figuren. So ähnlich geht es auch Regisseur LEE CRONIN an. Der braucht nicht viel, um Gänsehaut entstehen zu lassen. Trotzdem schafft er es mit Leichtigkeit eine permanent unbehagliche Atmosphäre aufzubauen, die einem die Nackenhaare zu Berge stehen lassen. Da wird in der Grusel-Requisitenkiste alter Horror-Meister gekramt. Die mit einfachen Mitteln aufgebaute Schauerstimmung ist bemerkenswert. Weil auch die Handlung mit einem Twist aufwartet, sollte man nicht zu viel über THE HOLE IN THE GROUND im Internet lesen. Da wird viel gespoilert und das zerstört den Überraschungseffekt. Wer demnach die Auflösung nicht vorweggenommen haben möchte, sollte möglichst unvorbereitet an den Streifen herangehen. Dann wirkt die Auflösung gleich doppelt so heftig. Geheimtipp!
 
 
 


 
 
 

THE HOLE IN THE GROUND – Zensur

 
 
 
THE HOLE IN THE GROUND ist ein Mysterythriller und hat eigentlich keine Gewaltszenen zu bieten. Es gibt nur eine Szene in der eine Frau mit dem Kopf in die Erde eingegraben wird und dabei erstickt. Mehr Schauwerte hat dieser Gruselfilm nicht zu bieten. Hierzulande hat der Streifen wegen seiner beunruhigenden Stimmung eine FSK16 erhalten. Wer kann, sollte den Gruselfilm im Kino sehen. Dort wird er seine ganze Wirkung vollständig entfalten können.
 
 
 


 
 
 

THE HOLE IN THE GROUND – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Weltkino

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Hole in the Ground; Irland 2019

Genre: Horror, Thriller, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1,

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.40:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 91 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer

Release-Termin: 13.09.2019

 

The Hole in the Ground [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

THE HOLE IN THE GROUND – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Weltkino Filmverleih)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Der Babadook (2014)
 
Der fremde Sohn (2008)
 
The Noonday Witch (2016)
 
Die Körperfresser kommen (1978)
 
Das Dorf der Verdammten (1995)
 

Filmkritik: „Prodigy – Übernatürlich“ (2017)

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PRODIGY – ÜBERNATÜRLICH

(PRODIGY)

Story

 
 
 

Ein Kind mit geheimnisvollen Kräften wird von Wissenschaftlern in einem Hochsicherheitstrakt festgehalten. Ein Psychologe will herausfinden, was dahinter steckt.

 
 
 


 
 
 

PRODIGY – Kritik

 
 
 
Kinder mit besonderen Gaben sind im Horrorfilm schon lange keine Seltenheit mehr. Spätestens seit Kings CARRIE haben die sich im Genre einen festen Platz ergattert und sind beim Erschrecken und Morden mindestens genauso erfinderisch, wie erwachsene Bösewichte. Mit PRODIGY – ÜBERNATÜRLICH gibt es jetzt Nachschub in Sachen Killerkinder, wobei das Cover der hiesigen Heimkinoauswertung doch etwas in die Irre führt. Darauf zu sehen: ein Kind mit Hannibal-Lecter-Maske. Die wird zwar auch im fertigen Film von einer jungen Protagonistin getragen; dennoch ist PRODIGY weit weg von reißerischer Horrorunterhaltung, die das auffällige Blu-ray-Cover nicht unbegründet vermuten lässt.
 
 
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Psychologe Fonda (RICHARD NEIL) erhält einen ganz sonderbaren Auftrag. Er wird in einen Hochsicherheitstrakt gerufen, um dort einen Patienten genauer unter die Lupe zu nehmen. Doch der Arzt staunt nicht schlecht, als plötzlich ein neunjähriges Mädchen (SAVANNAH LILES) vor ihm sitzt. Offenbar handelt es sich hier um ein Kind mit ganz besonderer Gabe. Um die genauer erforschen zu können, benötigt Psychologe Fonda Antworten. Leider ist sein Gegenüber alles andere als kooperativ. Wunderkind Ellie ist nämlich besonders zäh und macht dem Arzt das Analysieren nicht leicht. Doch der erfahrene Psychologe kennt sich mit schwierigen Patienten gut aus. Der lässt sich auf einen geistigen Zweikampf ein und ist am Ende überrascht, dass seine kleine Patientin doch pflegeleichter ist, als er erwartet hätte.
 
 
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Interessant, wie man den Zuschauer bei Stange halten möchte. PRODIGY fällt nicht mit der Tür ins Haus. Statt gleich zu Beginn zu erklären, was es mit dem geheimnisvollen Mädchen auf sich hat, erhält der Zuschauer erst nach und nach Aufschluss darüber, was hier im Argen liegt. So hat Psychologe Fonda ganz zufällig vergessen die Akte seiner neuen Patientin zu lesen. Der will sich ein eigenes Bild machen und muss anhand diverser Befragungen herausfinden, warum seine kleine Patientin abgeschirmt von der Außenwelt in einem Hochsicherheitstrakt ihr Dasein fristen muss. Weil er – ebenso wie der Zuschauer – keine Ahnung von dessen hat, was auf ihn zukommen wird, kann die Spannung konstant gehalten werden. Das ist dahingehend bemerkenswert, weil PRODIGY ausschließlich in einem Verhörraum spielt und auf Effekte oder Action verzichtet. Statt Effekthascherei wird das Rede-Duell zweier Menschen in den Mittelpunkt gerückt, die sich mittels Konversation versuchen gegenseitig zu analysieren.
 
 
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Viel Sitzfleisch, Aufmerksamkeit und Geduld wird deshalb vorausgesetzt. Das ist freilich nichts für konventionelle NETFLIX-Zuschauer, die es schnell, grell und hektisch mögen. Dieser Film ist alles andere – nur nicht das. Die Regisseure ALEX HAUGHEY und BRIAN VIDAL gehen es ruhig an und bewirken gerade durch Minimalismus ein beklemmendes Gefühl. Was anfangs einen ungleichen Kampf vermuten lässt, entwickelt sich bald zum Duell auf Augenhöhe. Psychologe Fonda entwickelt Mitgefühl für seine anstrengende Patienten. Die fasst nach anfänglicher Skepsis Vertrauen und entpuppt sich sehr schnell als verletzliches Kind, das sich wegen traumatischer Ereignisse in eine emotionale Festung verschanzt hat. Hierbei glänzt vor allem Jungdarstellerin SAVANNAH LILES. Die spielt sogar ihre erwachsenen Schauspielkollegen an die Wand. Da können sich so einige erfahrene Darsteller eine Scheibe von abschneiden.
 
 
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PRODIGY – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Es lebe der Minimalismus. PRODIGY – ÜBERNATÜRLICH zeigt eindrucksvoll, dass nicht viel benötigt wird, um spannende Geschichten zu erzählen. Der Film entpuppt sich als Kammerspiel, in dem vornehmlich zwei Protagonisten miteinander sprechen. Das hört sich erstmal langweilig an, ist aber alles andere – nur nicht das. Hier gilt es Rätsel zu ergründen. Ganz langsam machen sich da Abgründe auf und der Zuschauer ist live dabei. PRODIGY ist kein lupenreiner Horrorfilm. Vielmehr verbirgt sich hinter dieser amerikanischen Indie-Produktion ein wilder Genre-Mix, der besser ist, als es das reißerische Filmplakat vermuten lässt. Die Regisseure ALEX HAUGHEY und BRIAN VIDAL vermischen in ihrem dialoglastigem Spielfilm Elemente aus Dramen, Mystery- und Science Fiction-Filmen. Das Resultat ist vor allem wegen der permanent unbehaglichen Atmosphäre und den überzeugenden Schauspielern eine Sichtung wert. Für Fans mysteriöser Gruselfilme eine Empfehlung.
 
 
 


 
 
 

PRODIGY – Zensur

 
 
 
PRODIGY – ÜBERNATÜRLICH hat keine Gewalt zu bieten. Es werden ein paar Wissenschaftlicher mithilfe von Telekinese durch die Luft gewirbelt – das war’s. Hierzulande gab es für den Mysterystreifen eine FSK12 in ungeschnittener Form. Wegen Bonusmaterial besitzt die erhältliche Heimkinoauswertung aber einen blauen FSK16-Flatschen.
 
 


 
 
 

PRODIGY – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Indeed Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Prodigy; USA 2017

Genre: Thriller, Drama, Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 2.40:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 79 Min.

FSK: FSK12 (ungeschnittene Fassung) | Wegen Bonus ist Blu-ray aber FSK16

Verpackung: Keepcase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 25.01.2019

 

Prodigy – Übernatürlich [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

PRODIGY – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei INDEED FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Dark Touch (2013)
 
Alena (2015)
 
Carrie – Des Satans jüngste Tochter (1976)
 
Carrie (2013)
 
Stephanie – Das Böse in ihr (2017)
 
Der Feuerteufel (1984)
 

Filmkritik: „The Witch in the Window“ (2018)

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THE WITCH IN THE WINDOW

(THE VERMONT HOUSE)

Story

 
 
 

Ein unerwarteter Hauskauf, Familienprobleme und Geister: THE WITCH IN THE WINDOW handelt von einem Haus auf dem Lande, in dem es mal wieder poltert und spukt.

 
 
 


 
 
 

THE WITCH IN THE WINDOW – Kritik

 
 
 
Wenn es nach der Werbung hiesiger Baumärkte geht, gibt es wohl nicht schöneres, als eigene vier Wände. Da haben findige Marketingexperten sicherlich recht. Dumm nur, wenn man die neue Bleibe auch noch mit Geistern teilen muss. Da stellt sich logischerweise die Frage, ob man trotzdem bleiben oder das Traumhaus wieder verkaufen soll? Antworten darauf sucht nun Regisseur ANDY MITTON. Der gehört zu jenen Filmemachern, die aus Liebe zum Gruselfach im Horror-Genre verharren. Sieht man sich sein bisheriges Schaffen an, zeigt sich schnell, dass der außer Horrorzeug bisher noch nichts anderes gedreht hat. Neben dem unsagbar schlechten Mystery-Unsinn YELLOWBRICKROAD und einem Beitrag zur Horror-Anthologie CHILLING VISIONS: 5 SENSES OF FEAR fiel der Regisseur zuletzt mit WE GO ON positiv auf. Leider war Letzterer wohl eher eine Eintagsfliege. Der neue Ausflug ins Gruselfach mit dem Titel THE WITCH IN THE WINDOW ist leider nicht so pralle und enttäuscht durch halbgare Gruselei, die eher langweilt, statt schlaflose Nächte zu bereiten.
 
 
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Vater Simon ist in Schnäppchenlaune. Irgendwo in der Einöde hat er ein günstiges Häuslein gekauft, das er nun auf Vordermann bringen will. Dazu nimmt er Sohnemann Finn mit auf die Baustelle, der das Familienoberhaupt unterstützen soll. Eigentlich eine gute Sache, um den Sprössling von den zerrütteten Familienverhältnissen abzulenken. Die Eltern verstehen sich nämlich nicht mehr so gut und das merkt auch der Nachwuchs. Doch Vater Simon hofft das Beste. Leider durchkreuzen seltsame Ereignisse bald eifrige Pläne. Im renovierungsbedürftigen Heim passieren plötzlich seltsame Dinge. Offenbar hat eine ehemalige Bewohnerin nicht mit der Welt der Lebenden abgeschlossen. Die spukt durch die Räume und jagt dem neuen Eigentümer damit einen Heidenschreck ein. Der ist auch begründet. Nachbar Louis hat die Geisterfrau zu Lebzeiten gekannt. Der hat einiges zu berichten und das ist alles andere als beruhigend.
 
 
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Eigentlich hätt’s die Hexe gar nicht gebraucht. THE WITCH IN THE WINDOW ist nämlich bei genauerer Betrachtung eher ein Drama in dem ein Vater versucht seine kleine Familie zusammenzuhalten. Die Ehe befindet sich auf einem Scheideweg und der pubertierende Sohnemann Finn bekommt langsam davon Wind, dass es außerhalb des sicheren Familienlebens auch noch eine andere, weitaus unsichere Welt gibt, vor der ihn die Eltern beschützen wollen. Das da plötzlich der Geist einer knochigen Alten Wege kreuzt, fühlt sich angesichts der ohnehin schon problematischen Familienverhältnisse irgendwie aufgezwungen an. In der Tat ist das aber auch so. Der Horror-Part wirkt überflüssig, zumal die Horror-Elemente rar verstreut wurden, dass Grusel-Fans vor lauter Dialogen schnell müde werden. Viel Grusel-Feeling wird nämlich nicht geboten. Stattdessen wird reichlich gequasselt und sich irgendwie durchs Drehbuch gehangelt. Demzufolge rückt der Gruselpart in den Hintergrund. Der ist minimalistisch und besitzt – bis auf eine kurze Szene – weder Schreckmomente noch Geschrei. Offenbar ist das gewollt. Regisseur ANDY MITTON will nicht plakativ Erschrecken. Der fokussiert problematische Familienverhältnisse und versucht am Ende eine nahezu schon träumerische Lösung zu finden, um sich entfremdete Eltern wieder einander näher zu bringen. Soweit, so gut – wäre da nicht das reißerische Filmplakat und der auf Horror getrimmte Trailer. Beides erweckt falsche Erwartungen beim Zuschauer. THE WITCH IN THE WINDOW ist weit weg von konventioneller Gruselware und dürfte so viele Horrorfilm-Liebhaber – vor allem der sehr langsamen und beinahe ereignislosen Erzählweise wegen – enttäuschen. Drama und Grusel-Combo. Eigentlich ein Mix, der schon so einigen Gruselfilmen zum Erfolg verholfen hat. Im Falle von THE WITCH IN THE WINDOW zündet der Genre-Cocktail nicht sonderlich gut. Der Grund: beide Komponenten passen so gar nicht zusammen und wurden auch noch langweilig zu einem zähen Gruselbrei vermischt. Muss man nicht sehen.
 
 
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THE WITCH IN THE WINDOW – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Familiendrama unter dem Deckmantel eines Gruselfilms. THE WITCH IN THE WINDOW ist ein Mix aus Drama und Geisterfilm, bei dem aber die Geisterproblematik eher Alibi-Funktion besitzt und sich auch noch dazu überflüssig anfühlt. Letztere hätte man auch aus dem Film streichen können. THE WITCH IN THE WINDOW hätte so die gleiche Botschaft vermitteln können. Trotz 77 Minuten Laufzeit ist der Film ziemlich lang geraten. Der Grund: Geschwätzig- und Ereignislosigkeit. Die Inszenierung ist schleppend und sonderlich viel passiert auch nicht. Eine Bewährungsprobe für jene, die sich von THE WITCH IN THE WINDOW den Grusel-Overkill versprochen haben. Viel Grusel wird nicht geboten. Ein großes Problem, zumal der Streifen im Titel, Trailer und auf dem Plakat mit einer Hexe wirbt. Hat man den Film gesehen, wird man schnell feststellen, dass die Hexe nicht im Mittelpunkt steht, sondern schwierige Familienverhältnisse. Statt satanische Hexenferse und schauderhafte Erscheinungen sorgt sich Regisseur ANDY MITTON lieber um zwischenmenschliche Konflikte. Kein Grusel-Hokuspokus, sondern deprimierendes Familien-Tralala. THE WITCH IN THE WINDOW ist ein waschechter Blender und ein langweiliger auch noch obendrauf. Wer die Sichtung übersteht, ohne eingeschlafen zu sein, erhält von uns einen Preis. Immerhin erwähnenswert: die gute Kameraarbeit. Die allein reicht aber nicht aus, um eine Empfehlung aussprechen zu können.
 
 
 


 
 
 

THE WITCH IN THE WINDOW – Zensur

 
 
 
THE WITCH IN THE WINDOW ist ein Mysterydrama mit wirklich keinerlei Gewalt. Es gibt einen Schreckmoment zu sehen – das war’s. Explizite Schauwerte hat der Streifen gar nicht und gruselt in erster Linie auf subtilem Wege. Hierzulande könnte man diesen Film sogar schon ab 12 Jahren freigeben.
 
 
 


 
 
 

THE WITCH IN THE WINDOW – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Uncork’d Entertainment | One Bad House Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Devil in the Dark (2017)
 
The House on Pine Street (2015)
 
I Remember You (2017)