Filmkritik: „Stay Out Stay Alive“ (2019)

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STAY OUT STAY ALIVE

Story

 
 
 

Fünf Freunde erleben in einer alten Mine einen Goldrausch und müssen dort um ihr Leben bangen.

 
 
 


 
 
 

STAY OUT STAY ALIVE – Kritik

 
 
 
Schilder auf denen ein „Betreten verboten“ vermerkt ist, sind im Horrorfilm immer so eine Sache. Grundsätzlich handelt es sich dabei um Dekoration, werden die darauf vermerkten Hinweise in der Regel missachtet. Die Einsicht kommt meistens zu spät. Weil die Warnung nicht ernst genommen werden, wird mit dem Tod bestraft. Protagonisten in Genrefilmen lernen eben nicht dazu. Genau diese Erfahrung müssen auch unsere neunmalklugen Helden in STAY OUT STAY ALIVE machen, die sich mal wieder über jedwede Verbote hinwegsetzen und am Ende die Konsequenz dafür erhalten. Die amerikanische Indie-Produktion über Naivität, Moral und Habgier geht auf das Konto von DEAN YURKE. Der zeichnete bisher für unzählige visuelle Effekte in vielen bekannten Hollywood-Streifen verantwortlich. Darunter: THE AVENGERS, diverse STAR WARS- und auch HARRY POTTER-Filme. Als Regisseur betritt er nun Neuland und ist damit nicht allein. Im Horrorfilm-Geschäft ist es mittlerweile keine Seltenheit mehr, dass Kreativlinge der Filmbranche auch in anderen Bereichen Erfahrungen sammeln.
 
 
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In diesem Film geht es um fünf junge Menschen, die sich zu einem Ausflug in einen amerikanischen Nationalpark begeben, um dort ein paar alte Minen zu erkunden. Die Gegend hat eine tragische Vergangenheit. Während der Zeit des Goldrausches in der Mitte des 19. Jahrhundert kam es hier zu Auseinandersetzungen zwischen amerikanischen Ureinwohnern und Minenarbeitern. Seither ist die Gegend verflucht. Doch das kümmert unsere Freunde nicht. Die setzen sich den Anweisungen von Park-Rangerin Susanna hinweg und erkunden trotz Warnungen das Naturschutzgebiet auf eigene Faust. Die Strafe folgt auf dem Fuß. Einer der Freunde verunglückt in einer der Minen. Doch der Unfall hat auch etwas Gutes. In diesem verlassenen Schacht gibt es Gold in Hülle und Fülle. Das spornt die Kumpels an, doch etwas länger zu verweilen. Das Wohl des verletzten Freundes ist schnell Nebensache. Viel wichtiger ist das Gold und vor allem das, was man damit anfangen kann. Ein verhängnisvolles Unterfangen, das den jungen Leuten das Leben kosten wird.
 
 
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STAY OUT STAY ALIVE beruht – so erklärt man im Vorspann – auf wahren Begebenheiten. Der Streifen wurde vom Mariposa-Indianerkrieg und einem daraus resultierenden Fluch inspiriert. Das ist zwar alles weit hergeholt, lässt sich aber besser verkaufen. Weitaus weniger dick aufgetragen ist die Botschaft des Films. Die handelt einmal mehr von der Bestie Mensch, die – sobald mit Extremsituationen konfrontiert – ihr wahres Gesicht offenbart. Genau das passiert auch in STAY OUT STAY ALIVE. Rasch ist man vom schnellen Reichtum fasziniert, der die Protagonisten verändert. Da ist sich bald jeder selbst der Nächste. Freundschaften oder gar ein Menschenleben haben auf einmal kaum noch Gewichtung. Dass das im Chaos enden wird, dürfte abzusehen sein.
 
 
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STAY OUT STAY ALIVE ist kein Horrorfilm im klassischen Sinne. Vielmehr verbirgt sich hinter dem reißerischen Titel ein Psychothriller, der den Zuschauer den Spiegel vor Augen halten will. Ein zynisches Lehrstück über menschliche Schwächen, das vor allem dank gut ausgewählten Jungdarstellern nachwirkt. Frische Gesichter, die dazu auch noch was können. Das ist normalerweise in Indie-Produktionen mit so einem kleinen Budget nicht die Regel. Die talentierten Akteure stemmen das kammerspielartig ausgelegte Survival-Stück allein auf ihren Schultern und bekommen kurz Unterstützung von Horrorikone BARBARA CRAMPTON. Die war in den 1980/90er in einige sehr bekannten Horrorfilmen zu sehen und scheint sich zu ihren Anfängen zurückzubegeben. Zuletzt sah man sie verstärkt in Genre-Produktionen. Darunter: dem gefeierten WE ARE STILL HERE – aber auch im hundsmiserablen Splatter-Trash DEATH HOUSE.
 
 
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STAY OUT STAY ALIVE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Eine ungemütliche Parabel über Habgier, Neid und Raffsucht. Wenn fünf junge Leute alte Minen erkunden, erwartet man eigentlich so Filme wie THE DESCENT in denen boshafte Kreaturen nach dem Leben der Helden trachten. Dass sich Horror aber auch ohne Monster in Höhlen entfalten kann, beweist STAY OUT STAY ALIVE. Darin springen sich Freunde wegen gefundenem Gold an die Gurgel, weil niemand was abgeben möchte. Der Film kommt fast ohne Spezialeffekte aus und geht es weitaus psychologischer an. Regisseur DEAN YURKE streift menschliche Urängste, thematisiert aber auch die dunkle Seite des Menschen, welche in jedem von uns schlummert. Entstanden ist ein kleiner Indie-Beitrag, der vor allem von der Tatsache zerrt, wie und ob das hier alles gut enden wird. Der Film entfaltet eine bemerkenswerte Dynamik. Schnell kippt die Stimmung, es werden Konflikte geschnürt und es kommt zum unausweichlichen Showdown. Angesichts der Tatsache, dass das alles nur für etwas Gold passiert, schockiert – ist aber nicht weit hergeholt. STAY OUT STAY ALIVE ist eine zynische Geschichte, wie sie tagtäglich so ähnlich überall auf der Welt passiert. Da kommt mal wieder zum Vorschein, dass der Mensch für ein paar Taler mehr in der Tasche dem Teufel gern seine Seele verkauft.

 
 
 


 
 
 

STAY OUT STAY ALIVE – Zensur

 
 
 
STAY OUT STAY ALIVE hat eigentlich keine Gewalt zu bieten. Eine Spitzhacke wird in einen Körper gehauen und ein Gewehrschuss wird ausgelöst – das war’s. Ansonsten klemmt sich eine Protagonistin das Bein ein. Der Rest ertrinkt. Hierzulande ist definitiv eine FSK16 möglich. Vielleicht sogar auch eine FSK12. Insofern es der Überlebensthriller überhaupt nach Deutschland schafft.
 
 
 


 
 
 

STAY OUT STAY ALIVE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Brainstorm Motion Pictures LLC)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Hole (2001)
 
Die Höhle – Überleben ist ein Instinkt, keine Wahl (2014)
 
Beneath – Abstieg in die Finsternis (2013)
 

Filmkritik: „Daniel Isn’t Real“ (2019)

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DANIEL ISN’T REAL

Story

 
 
 

Luke besitzt einen imaginären Freund, der ihm bald das Leben zur Hölle macht.

 
 
 


 
 
 

DANIEL ISN’T REAL – Kritik

 
 
 
Egal, was ELIJAH WOODS anpackt, es hat nicht nur Hand und Fuß – es wird auch zum Hit. Der Schauspieler startete seine Karriere mit einer Mini-Rolle in ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT 2 und war danach in Hollywood-Filmen wie THE FACULTY oder DEEP IMPACT zu sehen. Der ganz große Durchbruch kam dann als Frodo Beutlin in der Kinofilmreihe DER HERR DER RINGE. Mittlerweile tritt Wood auch als Produzent in Erscheinung. Neben einer eigenen Plattenfirma gründete das Multitalent 2010 eine eigene Produktionsfirma namens SPECTREVISION. Die stellt seither fleißig Horrorfilme her. Bisher ging daraus brauchbares Material hervor. Darunter Genre-Werke wie THE GREASY STRANGLER, MANDY, COOTIES und THE BOY.
 
 
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Auch der ungewöhnliche DANIEL ISN’T REAL stammt aus genannte Produktionsschmiede und erzählt die Geschichte des kleinen Lukes, der einen imaginären Freund namens Daniel besitzt. Der hilft dem Jungen über so manchen Schmerz hinweg, hat aber eine dunkle Seite. Daniel ist das personifizierte Böse und hat nur ein Ziel: Chaos anrichten. Ein wesentlicher Grund, warum Luke den mysteriösen Freund in das Puppenhaus der Großmutter verbannen muss. Jahre später ist aus Luke ein attraktiver Mann geworden. Der steht unter Unistress und muss sich auch noch um den Geisteszustand der Mutter sorgen. Da juckt es den Studenten in den Fingern. Er greift zum Schlüssel des Puppenhauses und befreit den Freund aus Kindertagen. Letzterer ist zugleich zur Stelle und steht dem desorientierten Luke zur Seite. Eine Erleichterung, die aber bald desaströse Ausmaßnahme annimmt. Der imaginäre Daniel ist nämlich der Teufel persönlich und tut alles daran Unheil anzurichten. Statt an schlechten Tagen Halt zu geben, will Daniel das Leben seines Freundes für sich beanspruchen. Leider lässt sich das Böse diesmal nicht so einfach zurück in ein Puppenhaus verbannen. Da ist guter Rat teuer, denn Luke wird sein überflüssiges Anhängsel nicht wieder los.
 
 
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Psychologischer Schauer trifft auf unangenehmen Body-Horror. DANIEL ISN’T REAL ist der außergewöhnlichste Horrorstreifen des Jahres 2019. Statt Horror-Klischees lustlos abzuarbeiten, zelebriert Regisseur ADAM EGYPT MORTIMER unangenehmen Kopf-Horror, der den Zuschauer mit auf eine Reise in menschliche Abgründe nimmt. Der imaginäre Daniel wird hier als dämonengleicher Parasit beschrieben, der sich in den Kopf seines Opfers einnistet, um dort die Welt seines Wirts aus dem Gleichgewicht zu bringen. Hat dieser erst einmal Vertrauen gewonnen, ist der Rest für den Bösewicht ein Kinderspiel. ADAM EGYPT MORTIMER weiß, wie er polarisieren muss, um das Publikum zu schocken. Das ist ihm bereits einmal mit dem brutalen Horrorthriller SOME KIND OF HATE gelungen. Der setzte vermehrt auf blutige Schauwerte. Die geraten im neuen Werk in den Hintergrund. Statt möglichst blutige Gewalt zu zelebrieren, geht es der Filmemacher diesmal psychologischer an und lässt dabei den Zuschauer lang im Unklaren, was der imaginäre Freund nun eigentlich will. Sind hier dämonische Kräfte im Spiel, die von einer unschuldigen Seele Besitz ergreifen? Oder handelt es sich bei Daniel nur um eine der vielen Persönlichkeiten im Kopf eines schizophrenen Mannes? Die Antwort darauf lässt auf sich warten, wobei ADAM EGYPT MORTIMER am Ende mit gelungenen Spezialeffekten die Katze aus dem Sack lässt.
 
 
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Da bekommt der Zuschauer plötzlich surreale Body-Horror-Szenen zu sehen. Darin werden aus einem Körper auf einmal zwei, denn Daniel möchte nicht mehr ein nicht-körperlicher Führer zu sein. Er beginnt die Kontrolle über Lukes Körper zu übernehmen und schafft es sogar sich vom Fleisch seines Opfers zu lösen. Das ist tricktechnisch gut umgesetzt und erinnert an Körpertransformationen aus Filmen wie NIGHTMARE ON ELM STREET 5 oder dem Remake von THE THING. Als ob das nicht alles grotesk genug ist, macht DANIEL ISN’T REAL im Finale sogar noch einen Abstecher in die düstere Welt von CLIVE BARKER. Dort muss der Held einen Weg aus seinem eignen Unterbewusstsein finden, in das ihn sein Gegenspieler verbannt hat. Leider ist es da schaurig und gar nicht schön. Assoziationen zur Höhlenwelt aus HELLRAISER sind nicht unbegründet. In einer Art selbstgeschaffener Albtraumwelt muss Luke versuchen, wieder die Kontrolle über den eigenen Körper zu erlangen. Vorbei an entstellten Dämonen und düsteren Gängen. Das ist alles doppeldeutig und metapherreich. Kompliziertes Filmfutter also und vermutlich nicht für jedermann geeignet, der Antworten auf dem Silbertablett serviert haben möchte. Immerhin mangelt es DANIEL ISN’T REAL nicht an Filmzitaten. Die zumindest dürfte jeder Horrorfilmkenner auf Anhieb erkennen. Wer selbst die nicht versteht, schaut lieber was Leichteres auf NETFLIX.
 
 
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DANIEL ISN’T REAL – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Überraschend unkonventioneller Mix aus Psychothriller und Horrorfilm, der tiefgründiger ist, als er auf den ersten Blick scheint. DANIEL ISN’T REAL basiert auf dem Roman IN THIS WAY I WAS SAVED von BRIAN DELEEUW, der es sich nicht nehmen lassen hat, auch gleich das Drehbuch zur Filmadaption zusammen mit Regisseur ADAM EGYPT MORTIMER zu verfassen. Das Resultat ist ein surrealer Horrortrip, der nur vor kreativen Ideen strotzt. Da bekommt der Zuschauer endlich mal was Neues zu sehen und nicht den schon wieder lauwarm aufgewärmten Horrornonsens. Keine rastlosen Geister, keine amoklaufenden Massenmörder und auch keine Hobbysadisten mit einer nervigen Leidenschaft fürs Foltern. DANIEL ISN’T REAL bringt endlich mal wieder was mit Anspruch und Hirn auf die Mattscheibe. Offenbar war das auch im Sinne von Schauspieler ELIJAH WOODS. Der zeichnet für diesen etwas anderen Psycho-Horror mit seiner eigenen Filmfirma SPECTREVISION verantwortlich. Hoffentlich kommt da in Zukunft noch mehr. Schenkt man Gerüchten im Internet Glauben, hat die Produktionsfirma Interesse an den Rechten der NIGHTMARE ON ELM STREET-Reihe bekundet, um das Franchise fortführen zu können. Mit Woods als Firmengründer kann da wohl nichts mehr schiefgehen.
 
 
 


 
 
 

DANIEL ISN’T REAL – Zensur

 
 
 
DANIEL ISN’T REAL ist – anders wie das Langfilmregiedebüt von ADAM EGYPT MORTIMER – in Sachen Gewalt sehr zurückhaltend. Dafür bekommt man groteske Körpertausch-Szenen zu sehen. Die Körper verschmelzen miteinander oder werden soweit gedenkt, dass der eine in den anderen hineinsteigen kann. Ein paar kurze Gewaltszenen gibt es auch. So bekommt man gleich zu Beginn einen Amoklauf zu sehen. Weiterhin wird ein Psychologe während einer Sitzung mit einem spitzen Gegenstand ermordet. Hierzulande dürfte DANIEL ISN’T REAL aber ohne Probleme eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

DANIEL ISN’T REAL – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Shudder | Samuel Goldwyn Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Split (2016)

Simon Killer (2012)

Mein Bruder Kain (1992)

Let Her Out (2016)

Seconds Apart (2011)

Enter the Dangerous Mind (2013)

Twisted Sisters (2006)

Filmkritik: „The Silence“ (2019)

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THE SILENCE

Story

 
 
 
In „The Silence“ wird die Menschheit von einer unbekannten Parasitenart überfallen, die ein enorm gutes Gehör besitzt. Es gilt also: Nur, wer sich absolut still verhalten kann, hat auch Chancen zu überleben.

 
 
 


 
 
 

THE SILENCE – Kritik

 
 
Die Story von „The Silence“ mag denen, die „A Quiet Place“ gesehen haben ziemlich bekannt vorkommen. Da dieser 2018 einer der größten Überraschungs-Hits war, liegt der Verdacht nahe, dass man es hier mit einer Kopie zu tun hat, weil andere auch etwas vom Kuchen abhaben wollten. Das wäre jedoch unfair, weil die Dreharbeiten zu „The Silence“ bereits 2017 begannen, außerdem basiert das Ganze auch noch auf einem Roman. Trotzdem sind Vergleiche natürlich nicht zu verhindern, da sich die Szenarien sehr ähneln. Man hat aus der Geschichte jedoch eine sehr eigenständige Variante gemacht, die äußerst kurzweilig daherkommt.
 
 
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In einem Höhlensystem wird eine bislang unbekannte Parasitenart entdeckt, die sich rasch verbreitet und schon bald ganz oben in der Nahrungskette steht. Diese Spezies, welches „Wespe“ genannt wird, ist blind, kann aber äußerst gut hören. Deshalb muss sich jeder enorm still verhalten, wenn er überleben möchte. Nun bekommt der Zuschauer den Überlebenskampf vom Familie Andrews zu sehen, die schon bald nach der Nachricht, was in der Welt vor sich geht, aufbricht, um irgendwie irgendwo bestehen zu können. Wie auch bei „A Quiet Place“ ist ein taubes Familienmitglied vorhanden, Gebärdensprache kommt vor, dominiert das Geschehen jedoch nicht so stark und geflüstert wird ebenfalls reichlich. Viele Elemente sind gleich, doch kopiert wirkt das dennoch niemals, denn dafür sind die Herangehensweisen zu unterschiedlich. Die Parasiten, welche die Prämisse erst möglich machen, sind nicht gerade ein kreativer Höhepunkt, dienen aber sowieso nur als Mittel zum Zweck. Im letzten Drittel schlägt man nämlich überraschend einen doch noch ganz anderen Weg ein. Gerade hier distanziert man sich sehr von „A Quiet Place“. Genügend Eigenständigkeit ist also vorhanden und somit weiß das Drehbuch zu überzeugen.
 
 
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Anfangs gibt es noch ganz normale Dialoge zu hören, denn da ist die Welt noch in Ordnung. Es dauert nicht lange, bis die Wesen angreifen und mit fortschreitender Laufzeit wird immer weniger gesprochen. Hinterher wird oftmals geflüstert oder man verständigt sich über Gebärdensprache. Man muss als Zuschauer also schon mal desöfteren Untertitel lesen, doch allgemein sind die Dialoge, ob nun gesprochen oder in Textform, gar nicht so interessant. Viel packender ist es immer dann, wenn absolute Stille das Treiben beherrscht und man versuchen muss, diese aufrecht zu erhalten. Hieraus schöpft „The Silence“ ein paar spannende Momente, die zwar leider meistens recht flott wieder gelöst werden, aber dennoch für Kurzweil sorgen. Die 90 Minuten Laufzeit sind wirklich zügig vorbei und besitzen keinerlei Längen. Das offene Ende ist fast etwas zu happy geraten, doch allgemein ist die Atmosphäre schön düster und ein wenig postapokalyptisches Feeling kommt mit simplen Mitteln ebenfalls zustande. Das wurde handwerklich schon souverän gestaltet. Die Schauplätze wechseln einige Male und das Tempo ist sehr hoch. Zeitgleich werden viele Szenen aber von dieser Ruhe beherrscht – Ein schöner Gegensatz, der das Geschehen nur noch unterhaltsamer macht. Über die Effekte kann man sich ebenfalls nicht beklagen. Zwar sieht man, dass die Parasiten aus dem Computer stammen und ihr Aussehen ist nicht höchst originell, aber solide ist das durchaus. Zudem gibt es ein paar recht brutale Szenen, die schon weh tun können.
 
 
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Die Darsteller wissen zu überzeugen. Allen voran ist Stanley Tucci absolut souverän in seiner Rolle. Er strahlt eine tolle Ruhe aus, aber auch Kiernan Shipka ist als seine taube Filmtochter gut und die Beiden geben auf jeden Fall die eindringlichsten Leistungen von sich. Vom Rest wird weniger verlangt, doch enttäuscht wird man hier ebenfalls nicht. So viele Darsteller gibt es übrigens gar nicht zu sehen, was im Falle von „The Silence“ gut so ist. Die Figurenzeichnung ist ziemlich normal und zweckdienlich. Viel erfährt man über die Charaktere nicht und wirklich viel erzählen, dürfen sie ja auch gar nicht. Trotzdem sind genügend Sympathien vorhanden, um mit Familie Andrews mitfiebern zu können. Schön ist nebenbei, dass das Verhalten der Protagonisten recht logisch ist und nebenbei bekommt man noch einen unaufdringlichen Score zu hören, der die Atmosphäre gut unterstützt.
 
 
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THE SILENCE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Mit „The Silence“ bekommt der Sinnes-Horror einen weiteren, gelungenen Beitrag spendiert. Der Film erinnert zwar schon sehr an „A Quiet Place“, stellt jedoch keine reine Kopie dar und macht einige Dinge sogar besser. Auf jeden Fall ist er dynamischer und kurzweiliger. Aus der simplen Grundprämisse hat man mit guten Ideen eine ganze Menge gemacht und selbst wenn die Logik manchmal minimal schwächelt, ist das Szenario authentisch umgesetzt. Außerdem gibt es gute Darsteller zu sehen, die handwerkliche Arbeit überzeugt und manche Szenen besitzen eine ordentliche Portion Spannung. Leider kommt das Ende ziemlich abrupt und manche Momente hätten noch deutlich mehr Potenzial gehabt, aber Fans von „A Quiet Place“ sollten sich diese Variante keineswegs entgehen lassen. Unterhaltsam!
 
 
 


 
 
 

THE SILENCE – Zensur

 
 
 
„The Silence“ hat von der FSK eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten. Die Fassung ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

THE SILENCE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Constantin Film (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Silence; Deutschland | USA 2019

Genre: Thriller, Horror, Mystery

Ton: Deutsch DTS-HD HR 5.1, Deutsch DD 2.0, Englisch DTS-HD HR 5.1

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 91 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 07.11.2019

 

The Silence [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

THE SILENCE – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Constantin Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
A Quiet Place (2018)
 
Bird Box – Schließe deine Augen (2018)
 

Filmkritik: „Mary“ (2019)

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MARY

Story

 
 
 

Ein Familienvater bringt eine alte Yacht wieder auf Vordermann und fühlt sich von deren Galleonsfigur plötzlich magisch angezogen. Ein Schelm, wer da Böses vermutet.


 
 
 


 
 
 

MARY – Kritik

 
 
 
Auf einer kleinen Segelyacht auf offenem Meer festzusitzen dürfte Horrorvorstellung genug sein. So gab es schon einige Filmemacher, die daraus brauchbares Psychomaterial fabriziert und damit Zuschauer wie Protagonisten an ihre Grenzen getrieben haben. Zuletzt gelang das ROB GRANT mit HARPOON ganz gut. Darin sorgte ein Motorschaden dafür, dass sich drei Freunde auf hoher See an die Gurgel gingen. Doch auch anderer Filme nutzten das begrenzte Set eines Bootes dafür, um klaustrophobische Stimmung heraufzubeschwören und mit psychologischen Horror Herzrasen zu verursachen. Darunter TODESSTILLE oder TRIANGLE – um nur einige sehenswerte Thriller zu nennen. Irgendwo zwischen genannten Produktionen befindet sich auch MARY. Der macht sich ebenfalls die Tatsache zu Eigen, dass aus einem Kutter schnell ein verzwicktes Gefängnis werden kann, wenn man weit draußen auf dem Meer umhertreibt, wo Hilfe lang auf sich warten lässt. Was den Streifen aber von all den oben erwähnten Produktionen unterscheidet, ist der paranormale Einschlag, den sich Drehbuchautor ANTHONY JASWINSKI ausgedacht hat. Letzterer hatte vor einiger Zeit zwei gute Drehbücher abgeliefert und bescherte mit THE SHALLOWS sowie KRISTY – LAUF UM DEIN LEBEN kurzweiligen Adrenalinkick. Da kann eigentlich nichts mehr schiefgehen? Denkste! Offenbar verließen Jaswinski beim Drehbuch zu MARY die Geister. Kaum Spannung und alles schon unzählige Male gesehen. Auch Autoren haben mal nen schlechten Tag.
 
 
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Eine Seefahrt, die ist lustig. Eine Seefahrt bringt den Tod. In MARY dreht sich alles um Vater David (GARY OLDMAN), der ein runtergekommenes Segelschiff bei einer Auktion ersteigert und es wieder fahrtüchtig machen will. Gattin Sarah ist zwar nicht sonderlich begeistert, aber gibt letztendlich klein bei. Einige Wochen später erstrahlt das Boot in neuem Glanz und soll auch gleich ihr erstes Ziel ansteuern. Ausgerechnet zum Bermudadreieck zieht es den Besitzer. Der pfeift auf Warnungen und steuert samt Familie sowie Bekannten der Gefahr entgegen. Doch das Teufelsdreieck im Atlantik soll das kleinere Übel bleiben. Auf der restaurierten Yacht geht es bald nicht mit rechten Dingen zu. Der Freund der älteren Tochter scheint von unsichtbaren Mächten besessen und auch Nesthäkchen Mary verhält sich auf einmal alles andere – nur nicht normal. Da bekommt es das Familienoberhaupt verständlicherweise mit der Angst zu tun. Alles nur Einbildung oder waschechter Spuk? MARY nimmt zwar das Finale vorweg, rekonstruiert anschließend die Ereignisse in Rückblenden.
 
 
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Etwas Originalität wäre schön gewesen. MARY ist vorhersehbare Gruselware von der Stange, die kein Geheimnis um ihren dünnen Plot macht. Viel zu früh lüftet Regisseur MICHAEL GIO des Pudels Kern und tut sich damit keinen Gefallen. Ja, das Boot ist von einem boshaften Geist besessen, der nur ein Ziel kennt: die Besitzer ins Unglück stürzen. Das passiert Schritt für Schritt ohne dass jemand etwas davon bemerkt. Erst sind es grauenvolle Visionen und Albträume, die Mutter Sarah den Verstand rauben. Später malt der jüngste Spross schaurigen Bilder, auf denen eine dunkle Gestalt zu sehen ist, die schreckliche Dinge anstellt. Viele Zufälle – aber niemand wird stutzig. Willkommen zu einem weiteren dummen Horrorfilm des Jahres 2019.
 
 
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MARY ist eine Aneinanderreihung von Horrorfilm-Klischees, die man in beinahe jedem Geisterfilm zu sehen bekommt. Visionen, Spuk, Besessenheit und 10-kleine-Jägermeister-Prinzip. Am Ende sind fast alle tot. Neue Ideen? Fehlanzeige! Stattdessen läuft alles so ab, wie man es eben aus den vielen Gruselfilmen kennt, die seit den Erfolgen von RING, THE CONJURING oder auch PARANORMAL ACTIVITY viel zu oft über die Mattscheibe geflimmert sind. Das ist ermüdend, zumal sich Drehbuchschreiber ANTHONY JASWINSKI nicht einmal um eine kreative Auflösung bemüht hat. Viele Fragen, kaum Antworten. Stattdessen ein offenes Ende, das im Horrorfilme neuerdings zum guten Ton gehört. Da fragt man sich zu Recht, was Oscar-Gewinner GARY OLDMAN in diesem drittklassigen Horrorfilm zu suchen hat. Der hat im Jahr 2018 eine Oscar-Auszeichnung für seine Hauptrolle in DIE DUNKELSTE STUNDE erhalten und schreit sich nun – mehr schlecht, als recht – durch einen beliebigen Geisterfilm, denn man Stunden später schon wieder vergessen hat. Na hoffentlich hat er sich da nicht unter Wert verkauft.
 
 
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MARY – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Plumpes Drehbuch mit null Ideen. MARY ist ein erschreckend vorhersehbarer Film, der nicht ansatzweise seine Schauspieler fordert – ganz geschweige sein Publikum. Das Drehbuch liest sich, als habe sich jemand in einer Nacht- und Nebelaktion dazu entschlossen eine Geistergeschichte zu Papier zu bringen, damit daraus ein Gruselstreifen gedreht werden kann. Klingt nach einer weiteren NETFLIX-Produktion – ist aber keine. So hat man in Gedanken erfolgreiche Gruselfilme abgespult und all jene Gruselzutaten zusammengekritzelt, an die man sich erinnern konnte. Etwas AMITYVILLE hier, etwas RING dort – fertig ist Geister-Horror nach Schema F. Damit sich der geistlose Geister-Unsinn von der Masse abhebt, entschied man sich den Ort des Geschehens auszutauschen. So spukt es diesmal nicht in einer Irrenanstalt oder in einem abgelegenen Landhaus – der schnarchende Tod geht diesmal auf einem Kutter umher. Liest sich, wie eine weitere Version des Horrorklassikers DEATH SHIP von 1980. Der war auch keine Sternstunde des Horrorkinos, schlägt MARY aber um Längen. Muss man nicht gesehen haben – auch wenn Schauspieler GARY OLDMAN dabei ist, der sich am Set verirrt haben muss und eine millionenschwere Hollywood-Produktion mit einem Low-Budget-Schnarcher verwechselt hat.
 
 
 


 
 
 

MARY – Zensur

 
 
 
MARY ist ein subtiler Gruselfilm und hat kaum Gewalt zu bieten. Letztere spielt sich im FSK16-Bereich ab. Man darf genau mit dieser Freigabe rechnen.
 
 
 


 
 
 

MARY – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei RLJE Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Triangle – Die Angst kommt in Wellen (2009)
 
Ghost Ship (2002)
 
Dead Water (2019)
 
Deadwater (2008)
 
Death Ship (1980)
 

Filmkritik: „Gwen“ (2018)

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GWEN

(THE DARK OUTSIDE)

Story

 
 
 

Eine zurückgezogen lebende Familie erlebt in friedlicher walisischen Landschaft den Horror auf Erden. Ihr vermeintlich sicheres Zuhause in den Bergen verwandelt sich zum Ort des Schreckens, weil auf einmal Dinge passieren, die sich nicht erklären lassen.

 
 
 


 
 
 

GWEN – Kritik

 
 
 
Wenn man etwas im Horrorkino gelernt hat, dann die Erkenntnis, dass selbst Idylle trügerisch sein kann. Da verwandeln sich gern mal pittoreske Landschaften zum Vorort der Hölle, wo Menschen Dinge tun, die grausam und boshaft sind. Genau diese Erfahrung müssen auch die Helden im folgenden Film durchleben, wo inmitten malerischer Natur das Grauen seine Kreise zieht. Hinter dem nebeligen Gotik-Albtraum, wie er auch aus den legendären Hammer-Studios stammen könnte, versteckt sich ein Newcomer. Regisseur WILLIAM MCGREGOR schürt erstaunlich souverän Ängste, als hätte er zuvor nichts anderes gemacht. Dabei ist er noch unerfahren im Filmdrehen. Bisher zeichnete er für die Regie in Serien und Kurzfilmen verantwortlich. GWEN ist nun der erst Langfilm, bei dem er das Zepter übernommen hat. Das Resultat kann sich sehen lassen, denn die wunderschöne Naturkulisse im Film entwickelt einen zermürbenden Kontrast zur düsteren Realität, mit welcher die Charaktere konfrontiert werden.
 
 
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Wales im Jahre 1855. Ein Schicksalsjahr, das für eine fernab der Stadt lebende Familie zum Albtraum wird. Während so langsam die industrielle Revolution Einzug hält, klammert sich Mutter Elen samt Nachwuchs lieber an alte Strukturen. Man lebt autark auf einem kleinen Bauernhof irgendwo in den Bergen, besucht regelmäßig die Kirche und schlägt sich mit dem Verkauf von selbst angebauten Gemüse über die Runden. Doch da wird das alleinerziehende Familienoberhaupt krank und stellt die heranwachsende Gwen vor große Herausforderungen. Nicht nur, dass sie jetzt die Arbeiten der Mutter übernehmen und sich um die kleine Schwester kümmern muss; die Heranwachsende sieht sich mit mysteriösen Vorkommnissen konfrontiert, die ihr große Angst bereiten. Da sterben plötzlich Nachbarn und Tiere unter seltsamen Umständen und mit dem unbescholtenen Kindsein ist es plötzlich vorbei. Sind hier etwa höhere Mächte am Werk, die der Familie schaden wollen? Einfach wird des Rätsels Lösung definitiv nicht. Vielmehr ist die Auflösung für Zuschauer und Helden ein Schlag ins Gesicht.
 
 
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Wenn ein Teenager plötzlich Verantwortung übernehmen muss. GWEN ist ein Mysterydrama vor historischer Kulisse, das ein bis dato unbeschwert lebendes Mädchen mit der bitteren Realität konfrontiert. Regisseur WILLIAM MCGREGOR protokolliert in nebeligen, kühlen und trostlosen Bildern den tragischen Übergang in die Erwachsenenwelt mit all seinen Gefahren. Nichts wird geschönt. Stattdessen wird eine Jugendliche in eine Welt voller Gefahren getrieben, in der selbst ein Erwachsener nicht gern sein möchte. Filmemacher WILLIAM MCGREGOR verzichtet auf lange Dialoge. Stattdessen lässt er Bilder sprechen und erzählt wortkarg eine düstere Geschichte, in der Titelfigur Gwen auf einen dunklen Pfad der Verantwortung geschickt wird.
 
 
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Nichts ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Da passieren plötzlich seltsame Dinge, die sich nicht erklären lassen und die bis dato heile Welt der frommen Gwen erschüttern. So stirbt plötzlich alles um sie herum. In der Stadt wird sie wegen der Familie geächtet und in der Nacht schleichen mysteriöse Schatten ums Haus. Doch alles nur Fassade! GWEN macht es nämlich vielen aktuellen Genre-Filmen gleich und führt den Zuschauer auf falsche Fährten. Der Mysteryeinschlag hat nämlich nur Alibi-Funktion, um die Spannung halten zu können. Letztere baut sich langsam auf und zieht sich wie ein roter Faden bis zum Finale. Dort werden dann plausible Antworten geliefert. Erleichterung bringen die aber nicht. GWEN ist ein überraschend gelungener Historien-Beitrag mit unbehaglicher Atmosphäre, der vor allem durch seine beiden Hauptdarstellerinnen lebt. Wir sehen ELEANOR WORTHINGTON-COX als Gwen und MAXINE PEAKE als Mutter Elan. Beide tragen den walisischen Albtraum beinahe ausschließlich durch Mimik und Gestik. Gesprochen wird nur selten. Ein beachtliches Kunststück, bewirkt vor allem der Minimalismus maximales Grauen.
 
 
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Regisseur WILLIAM MCGREGOR verriet in Interviews, dass er schon als Jugendlicher Interesse fürs Erzählen von Geschichten entwickelte. Der schnappte sich in den Teeanger-Jahren eine Mini-Videokamera und begann damit Geschichten zu erzählen. Die Anfänge waren unspektakulär – aber kreativ. So wurden erste Gehversuche in Form von Dokumentarfilmen über die Tiere auf der elterlichen Farm gestartet. Dabei schien der damals noch unerfahrene Cineast gut beobachtet zu haben. So erklärte der Filmemacher, dass er sich für die Geschichte zu GWEN vom Nationalpark Snowdonia (eine Bergregion im Nordwesten von Wales) inspirieren ließ. Als er von der industriellen Revolution in Nordwales erfuhr und mehr darüber wissen wollte, mietete sich McGregor eine Hütte in Snowdonia, tauchte in die Landschaft ein und erforschte Geschichte, Sagen und Folklore der Gegend. Nach und nach fand sich so die Handlung zu Papier, für die viele Schauplätze im Film von Orten inspiriert wurden, an denen der Newcomer für seine Recherchen tatsächlich gewesen war. GWEN ist eine Weiterentwicklung des Kurzfilms WHO’S AFRAID OF THE WATER SPRITE, den McGregor in seinen Studientagen gedreht hatte. Das Ergebnis ist tiefgründiger als gedacht. Wohl ein Grund, warum so viele Lobeshymnen das Filmplakat zieren. Viele derer sind vollkommen gerechtfertigt. Fans mit Hang zum Programmkino und Arthaus werden Gefallen finden.
 
 


 
 
 

GWEN – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Zermürbendes Grauen im Stile eine HAGAZUSSA – DER HEXENFLUCH, welcher Arthaus- und Programmkinoliebhaber hellhörig werden lassen dürfte. GWEN ist ein kleiner Blender, was man an dieser Stelle nicht negativ werten sollte. Der Film suggeriert dem Zuschauer nämlich das, was er eigentlich gar nicht ist. Was als schauriger Mysterythriller beginnt, endet als trauriges Drama über einen Teenager, der seine Familie zusammenhalten möchte und mit dem Leben in seiner ganzen Härte konfrontiert wird. GWEN ist das etwas andere Coming-of-Age-Drama vor historischer Kulisse, das nicht unberührt lässt. Wer den Anspruch im Genre-Kino benötigt, darf sich diesen Film – allein schon wegen den schauspielerischen Qualitäten – nicht entgehen lassen.
 
 
 


 
 
 

GWEN – Zensur

 
 
 
GWEN hat kaum Gewalt zu bieten. Wenn diese den Weg in den Film findet, dann wird Gewalt nur angedeutet oder passiert im Off. Einem Pferd wird die Kehle durchgeschnitten. Weiterhin wird eine Protagonistin erst niedergeschlagen und danach angezündet. Hierzulande dürfte GWEN eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten.
 
 
 


 
 
 

GWEN – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Shudder)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Hagazussa – Der Hexenfluch (2017)
 
The Witch (2015)
 
Pakt der Wölfe (2001)
 
Die Frau in Schwarz (2012)
 
The Village – Das Dorf (2004)
 

Filmkritik: „Wir“ (2019)

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WIR

(US)

Story

 
 
 
Eine Familie sieht sich plötzlich mit ihren Doppelgängern konfrontiert und diese kommen nicht in friedlicher Absicht.

 
 
 


 
 
 

WIR – Kritik

 
 
 
Mit seinem Regiedebüt „Get Out“ konnte Jordan Peele einen echten Überraschungshit liefern, der sowohl beim Publikum, wie auch bei den Kritikern bestens ankam. Der zweite Film nach so einem überragenden Erfolg ist natürlich nicht leicht, denn auf der einen Seite sollte man sich nicht zu sehr wiederholen, auf der anderen Seite muss man gewisse Erwartungshaltungen erfüllen. „Wir“ ist definitiv ganz anders, als „Get Out“. Er ist gut, teilweise sogar sehr gut, im Endeffekt jedoch nicht so clever, wie Peele’s Debüt.
 
 
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Familie Wilson macht Ferien nahe am Strand. Der Mann und die Kinder wollen diesen gerne besuchen und dort auf den Jahrmarkt gehen, aber Mutter Adelaide hat etwas dagegen. Das hängt mit einem Ereignis aus ihrer Kindheit zusammen, denn schon damals befand sie sich auf dem Jahrmarkt und in einer Art Geisterbahn machte Adelaide eine schockierende Begegnung mit einem Doppelgänger. Doch das ist lange her und seitdem ist nichts Schlimmes mehr geschehen, also besucht Familie Wilson den Strand doch. Als sie dann wieder nach Hause kommen, darf das Horrorszenario allerdings starten, denn plötzlich stehen die Doppelgänger vor der Tür.
 
 
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Jordan Peele, der das Drehbuch natürlich erneut selbst schrieb, wirft viele Zutaten in einen Topf. Da hätten wir anfangs etwas Mystery, dann kurzzeitig Home-Invasion-Elemente, ehe sich das Szenario schon fast in eine Zombie-Thematik verwandelt. Daneben gibt es religiöse Motive, ein paar kleinere Verschwörungstheorie-Happen und am Ende eben sehr viele Doppelgänger-Zutaten. In seinem Debüt spielte der Regisseur noch viel mit Rassismus; davon ist in „Wir“ gar nichts vorhanden, doch das ist gut so, denn so wiederholt sich Peele nicht. Die Story ist im Kern relativ simpel, wird aber ordentlich genutzt und wirkt gerade deshalb so interessant, weil der Zuschauer lange Zeit im Dunkeln tappen muss. Irgendwann kann man sich denken, was gespielt wird, denn dafür sind die Hinweise dann doch zu offensichtlich. Alles endet jedoch mit einem Knall, denn zum Schluss baut Peele noch einen Twist ein, auf den man eigentlich kommen könnte, der aber dennoch überraschen kann. So richtig logisch will das alles zwar im Rückblick nicht sein und gewisse Interpretationsfreiräume bleiben definitiv vorhanden, doch insgesamt betrachtet, bietet „Wir“ ein gelungenes Drehbuch, welches letztendlich nur ab und zu etwas am eigenen Anspruch scheitert.
 
 
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Da gibt es nämlich eine große gesellschaftskritische Komponente, die Peele mal unterschwellig, mal sehr offensichtlich ausfährt. Der Spruch „Wir sind Amerikaner“ ist sicherlich nicht einfach nur als Gag gedacht und besonders am Ende bemerkt man, wie groß „Wir“ gerne sein möchte. Leider erreicht er dieses Ziel nicht voll und ganz, denn dafür werden einfach zu wenige Hintergründe geliefert und als Horrorfilm verliert er deshalb etwas an Wirkung. Das Spiel mit den eigenen Ängsten, das sich aus der Spiegelbild-Thematik ergibt, verleiht der Story allerdings zusätzlichen Reiz. Die Idee ist ja nicht komplett neu, doch alleine der Gedanke, man wäre plötzlich selbst sein Feind, ist unheimlich. Und in Wirklichkeit ist es ja manchmal genau so. Deshalb kann „Wir“ dies auch als Metapher nutzen. Dieser Aspekt wird dann im Endeffekt jedoch nicht komplett ausgefahren, denn eine echte Schattenseite, vor der Familie „Wilson“ sich fürchten würde, scheint es nicht zu geben. Und so akzeptieren sie ihre Doppelgänger-Gegner auch schnell als Feinde, ohne dass die eigenen Urängste lange eine Rolle spielen würden.
 
 
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Die Darsteller machen ihre Sache allesamt hervorragend. Lupita Nyong’o spielt das beeindruckend und Winston Duke ist einfach nur sympathisch. Shahadi Wright-Joseph überzeugt besonders in ihrer zweiten Rolle und Evan Alex hinkt zwar etwas hinterher, geht aber ebenfalls vollkommen in Ordnung. Die Darsteller sind dann ja sogar in Doppelrollen zu sehen und gerade hier bemerkt man, dass sie ein facettenreiches Spiel beherrschen. Nebenrollen gibt es eher weniger zu sehen und das unsympathische, weiße Paar hätte es da auch gar nicht zwangsläufig gebraucht. Die Figurenzeichnung bleibt relativ simpel, doch Familie Wilson wird sympathisch dargestellt und man kann mit diesen Protagonisten durchaus mitfiebern.
 
 
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Die Inszenierung überzeugt und Jordan Peele hat hier wieder sehr gute Arbeit abgeliefert. Dabei wirkt „Wir“ gar nicht mal sonderlich aufwendiger, als „Get Out“, was allerdings sympathisch ist. Peele arbeitet gerne mit Symbolik und so steht hier die Farbe rot im Vordergrund, aber auch mit dem Spiegelbild wird ab und zu gerne mal gespielt. Es gibt schon ein paar tolle Bilder zu sehen und die Kameraarbeit verdient da ein extra Lob, weil „Wir“ optisch einfach eine sehr schicke Angelegenheit geworden ist. Die Atmosphäre hingegen ist etwas zwiespältig zu betrachten, denn obwohl der Film gerne ernsten Horror bieten will, was er durchaus auch tut, so bemerkt man Peele seine Wurzeln der Komödie immer mal wieder an. So ganz ernst kann er dann scheinbar doch nicht bleiben. Das sorgt zwar für amüsante Momente, steht aber auch etwas zu sehr im Kontrast zur ernsten Horrorschiene. Trotzdem ist das Treiben oftmals recht packend und manchmal intensiv. Auf jeden Fall vergehen die zwei Stunden Laufzeit ohne größere Längen und das obwohl das Tempo oftmals gerne etwas reduzierter ist. Bis es mal richtig los geht, vergeht einige Zeit und in der zweiten Hälfte gibt es auch kleinere Pausen. Das alles dient hier jedoch dem Stimmungsaufbau und deshalb stört das überhaupt nicht. Viel Gewalt oder viele Effekte gibt es hier übrigens nicht zu sehen – Die braucht es aber auch nicht. Zum Ende kann man noch den durchaus gelungenen Score loben, denn dieser begleitet das Geschehen immer schön atmosphärisch.
 
 


 
 
 

WIR – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
„Wir“ ist ein ordentlicher, zweiter Film von Jordan Peele, der hier erneut beweist, dass mit ihm als Horror-Regisseur in Zukunft noch zu rechnen ist, selbst wenn er an seinen großen Erfolg „Get Out“ nicht ganz anknüpfen kann. Dafür ist die Handlung teilweise etwas zu überladen. Das Drehbuch will von allem etwas, kann überraschen und ist durchaus gut geschrieben, macht aber auch nicht immer den größten Sinn und verliert teilweise etwas an Zugkraft. Außerdem kommt hier zwar beklemmender Horror auf, doch dieses Mal hätte man auf ein wenig Humor vielleicht besser verzichtet, denn es fällt teilweise nicht leicht „Wir“ absolut ernst zu nehmen. Das sind alles kleinere Schönheitsfehler, die nichts am ordentlichen Unterhaltungswert und den wirklich starken Darstellerleistungen ändern. Am Ende ist das immer noch clever genug, um als leicht anspruchsvoller Horror durchzugehen und wer starke Bilder zu schätzen weiß, wird sowieso genügend bedient. Ein guter Film!
 
 
 


 
 
 

WIR – Zensur

 
 
 
„Wir“ – der im Original „US“ heißt, ist nicht sonderlich zeigefreudig in Sachen Gewalt. Im Kino war der Streifen bereits ungeschnitten FSK16. Auf DVD und Blu-ray ist das nicht anders. Auf beiden Heimkinomedien befindet sich der blaue FSK-Flatschen. Auch diese Fassung ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

WIR – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Universal Pictures Home Entertainment

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: US; USA 2019

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch Dolby Atmos, Englisch Dolby Atmos, Türkisch DD 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch, Hindi, Türkisch

Bild: 2.39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 116 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase ohne Wendecover

Extras: Die Monster in uns, Miteinander verbunden: Der Doppeldreh, Unveröffentlichte Szenen, Jordan Peeles ganz eigene Art von Horror, Die Dualität von „Wir“, Eins werden mit Red, Jeder stirbt, Wie oben – so unten: Grand Pas de deux

Release-Termin: 25.07.2019

 

Wir [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 


 
 
 

WIR – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Universal Pictures Deutschland)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Enemy (2013)
 
The Double (2013)
 
Cam (2018)
 

Filmkritik: „The Prodigy“ (2019)

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THE PRODIGY

Story

 
 
 

Hinter lieben Kinderaugen verbirgt sich das Böse. Miles ist zwar hochintelligent, hat aber auch eine dunkle Seite. Offenbar stimmt was mit dem Jungen nicht, was die Eltern vor große Probleme stellt.

 
 
 


 
 
 

THE PRODIGY – Kritik

 
 
 
Besessene, fehlgeleitete oder einfach nur böse Kinder sind im Horrorfilm schon lange nichts Seltenes mehr. Die lassen sich mindestens genauso oft blicken, wie maskierte Serienkiller, rastlose Geister oder nimmersatte Zombies. Ein großer Unterschied zwischen genannten Konsorten ist aber, dass Kinder die boshaften Gedanken ziemlich gut verbergen können. Da werden schon mal hinter der Fassade von Unschuld und Reinheit perfide Pläne geschmiedet. Bis Erwachsene das hinterlistige Spiel begriffen haben, sind schon die ersten Leichen zu beklagen. Der Horrorfilm THE PRODIGY macht da keine Ausnahme. Die Handlung orientiert sich an so Werken wie DAS OMEN, JOSHUA oder MIKEY. Neu ist Gebotenes demnach nicht. Trotzdem ist THE PRODIGY ganz solide.
 
 
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Endlich haben sich die Sarah (TAYLOR SCHILLING) und John (PETER MOONEY) einen großen Wunsch erfüllt. Sohn Miles (JACKSON ROBERT SCOTT) wird geboren und ist das ganze Glück der noch jungen Familie. Doch je älter Miles wird, um so mehr bereitet der Junge Probleme. In der Schule verprügelt er die Mitschüler und auch sonst verhält sich das Kind alles andere als normal. Der hochbegabte Bursche faselt nachts in fremden Sprachen, malt seltsame Bilder und beginnt die Autorität der Eltern zu missachten. Gott sei Dank gibt es Spezialisten. Die unterziehen Test und setzen Miles sogar in Hypnose. Die Ergebnisse sind besorgniserregend. Was man nämlich in psychologischen Sitzungen über den Jungen herausfindet, lässt nicht nur den Therapeuten das Blut in den Andern gefrieren.
 
 
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THE PRODIGY erzählt die allseits bekannte Geschichte über einen Jungen, der offenbar von bösen Mächten manipuliert wird. Das ist zweifelsohne nicht gerade etwas, was man zum ersten Mal auf TV oder Kinoleinwand zu sehen bekommt. In der Tat hält sich THE PRODIGY arg an der Checkliste für Filme, in denen Kinder mörderischen Unfug aushecken. Was THE PRODIGY aber ganz passabel macht, ist die Aufklärung des gesamten Spuks. Die Erklärungsansätze sind relativ unverbraucht und sorgen für manch schaurige Szene. Eine derer ist bereits im Trailer zu sehen und sorgt für Puls. Da läuft der kleine Miles in Todesangst auf die Mutter zu und will in ihren Armen Schutz suchen. Die hält die Arme offen und staunt nicht schlecht, als aus dem Sohn plötzlich ein erwachsener Mann wird. Mit dem richtigen Lautstärkepegel vorausgesetzt reisst es dem Zuschauer da aus seinem Sessel.
 
 
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Überhaupt geht Regisseur NICHOLAS MCCARTHY in Sachen Schocks bedacht um. Die sind rar gesät, aber umso intensiver, wenn sie dann doch einmal den Weg in den Film finden. Da zucken selbst alteingesessene Filmkenner wie wir zusammen. Gleiches trifft auch auf die Atmosphäre zu. Schnell entsteht ein unbehagliches Gefühl, was vor allem durch die verstörende Handlung des kleinen Hauptdarstellers entsteht. Der legt sein kindliches Wesen ab und faselt plötzlich wie ein Erwachsener. Als wäre das nicht alles befremdlich genug, beginnt er Intrigen zu spinnen und Menschen zu bedrohen. Dass die Hemmschwelle zum Mord nicht weit ist, dürfte an der nötigen Schockwirkung liegen, auf die solche Art von Filmen hinarbeitet.
 
 
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Dennoch, so technisch bedacht der Film auch ist und so gut die wenigen Akteure vor der Kamera schauspielern – THE PRODIGY kann die bedacht aufgebaute Spannung in der ersten Filmhälfte nicht auf Dauer halten. Während man anfangs noch sehr darum bemüht ist, das Geheimnis über das merkwürdige Verhalten des kleinen Miles zu hüten, wusste man nicht nachdem es gelüftet wurde, wie man THE PRODIGY zu einem befriedigenden Ende bringen sollte. Wir sehen zwar wie und was die bösen Mächte mit dem Jungen veranstalten. Zu was das alles genau führen soll bleibt ungewiss. Offenbar war das auch Regisseur NICHOLAS MCCARTHY bewusst. Der löst das Problem im Eiltempo und verpasst dem Film knapp zehn Minuten vor Schluss einen hektischen und dann doch sehr konsequenten Abschluss. Manch Zuschauer dürfte sich da etwas überfordert fühlen – zumal das Finale nichts für jene ist, die gern alles durch die rosarote Brille sehen wollen.
 
 
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THE PRODIGY – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Bitterböser Horrorthriller mit Anlehnung an DAS OMEN, der einige tiefsitzende Schockmomente parat hält. Letztere waren offenbar so krass, dass man einige derer aus dem Film schneiden musste. So zumindest erklärte es Regisseur NICHOLAS MCCARTHY in Interviews mit der amerikanischen Filmpresse kurz vor Kinostart seines Horrorfilms. Bei einer Preview kam es zu furchtbaren Schreiattacken im Publikum, weshalb man sich dazu entschloss einige Schockszenen zu entfernen. Ob der Filmemacher das nur aus PR-Zwecken erwähnte oder ob THE PRODIGY wirklich so viele böse Momente besaß, dürfte wohl allein der Regisseur wissen. Immerhin weiß der britische Filmschaffende was er tut. NICHOLAS MCCARTHY kennt sich nämlich im Genre aus. Der konnte mit THE PACT und AT THE DEVIL’S DOOR bereits beweisen, dass er sich in Sachen Horror gut auskennt. Seine Souveränität im Umgang mit schaurigen Bildern ist auch in THE PRODIGY unverkennbar. Der Film erfindet zwar das Rad nicht neu, ist aber ein solider Vertreter jener Gattung Filme, wo es hinterlistige Gören mit Erwachsenen nicht gut meinen. Aus technischer Hinsicht kann man nicht meckern. Nur im Finale schwächelt der Streifen etwas. Da drücken wir mal ein Auge zu!
 
 
 


 
 
 

THE PRODIGY – Zensur

 
 
 
THE PRODIGY hat kaum Splatterszenen zu bieten. Man bekommt die verwesten Überreste eines Hundes zu sehen. Weiterhin sieht man eine abgetrennte Hand. Ein Mann und zwei Frauen werden zudem erschossen. Hierzulande hat es für die THE PRODIGY eine FSK16 gegeben.
 
 
 


 
 
 

THE PRODIGY – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) SPLENDID FILM (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Prodigy; Kanada | USA 2019

Genre: Grusel, Thriller, Mystery

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Niederländisch

Bild: 2,39:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 92 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer, Trailershow, Audiokommentar von Regisseur Nicholas McCarthy, Promos, Galerie

Release-Termin: 07.06.2019

 

The Prodigy [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

THE PRODIGY – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei SPLENDID FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Teufelskind Joshua (2007)
 
Das Omen (1976)
 
Omen IV: Das Erwachen (1991)
 

Filmkritik: „Isabelle“ (2018)

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ISABELLE

(THE WANTING | ISABELLE’S WANTING)

Story

 
 
 

Ein bleiches Mädchen bringt durch das ständige Beobachten der neuen Nachbarn genau jene um den Verstand. Letztere fühlen sich so langsam genervt – zumal ihnen der Neuanfang am Rande der Stadt alles andere als einfach fällt.

 
 
 


 
 
 

ISABELLE – Kritik

 
 
 
Wer sich mit Horrorfilmen auskennt weiß schon lange, dass reißerisch gestaltete Filmplakate schon lange nicht mehr die Qualität eines Horrorfilms widerspiegeln. Da wird gern mal mit Blut, Gedärm oder entstellten Fratzen geworben, um die Neugierde des Zuschauers zu wecken. Leider wird so nur vom eigentlichen Inhalt abgelenkt. Bei den meisten neueren Horrorfilmen sieht es damit mau aus. Zum Leidwesen des Käufers. Dem wird einmal mehr bewusst, dass man sich nicht vom Filmplakat leiten lassen soll. In der Regel steckt nämlich genau bei jenen Covergestaltungen Schund dahinter, die auf Biegen und Brechen um die Gunst des Käufers buhlen. Gute Horrorfilme habe ausgefeilte Poster-Kreationen nicht nötig.
 
 
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Bei der folgenden Genre-Produktion mit dem Titel ISABELLE trifft genau diese Formel zu. Da schaut eine verängstigte Frau vom Cover und suggeriert so dem Zuschauer, dass er hier wohl einen der gruseligsten Filme der letzten Jahre zu sehen bekommt. Die Realität sieht anders aus. Der von ROBERT HEYDON inszenierte Horrorstreifen hat zwar mit ADAM BRODY (aus FINAL DESTINATION 3) und SHEILA MCCARTHY (aus STILL/BORN) bekannte Gesichter zu bieten. In Sachen Grusel wird aber nur beliebige Standardware geboten, die eher ermüden lässt, statt den Zuschauer vor Angst um den Schlaf zu bringen. Vielleicht wäre eine gelangweilte Frau auf dem Poster aufschlussreicher gewesen, statt den Käufer mal wieder mit Fehlinformationen hinter das Licht zu führen. Dann hätte der Zuschauer auch direkt verstanden, was ihn erwarten wird.
 
 
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Nervige Stalkerin: In ISABELLE zieht es werdende Eltern in ein gemütliches Häuslein in ruhiger Gegend. Eigentlich das Beste, was der schwangeren Larissa und dem Gatten Matt passieren konnte. Würde da nicht plötzlich ein schrecklicher Schicksalsschlag ereilen. Der ungeborene Sohn stirbt ganz unerwartet und das junge Paar fällt in ein tiefes Loch. Kein guter Start in das gemeinsame Leben, was sich vor allem bei Larissa bemerkbar macht. Die hat mit Depressionen zu kämpfen und sieht sich plötzlich von der schaurigen Nachbarstochter verfolgt. Letztere sitzt im Rollstuhl und beobachtet die neuen Nachbarn von ihrem Dachfenster aus. Da überkommt der traumatisierten Larissa ein unangenehmes Gefühl. Zurecht, denn es dauert nicht lang, bis das bleiche Mädel von Gegenüber auch noch in der Wohnung der jungen Eltern auf Entdeckungsreise geht – unaufgefordert versteht sich. Alles nur Einbildung und doch real? Eine Frage, der Ehemann Matt auf den Grund gehen muss. Ob er schnell professionelle Hilfe finden wird?
 
 
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ISABELLE ist kein cleverer Horrorfilm. Der Gruselstreifen versucht erst gar nicht, dass Beste aus der dünnen Story zu machen. Wo man in Filmen wie THE HOUSE ON PINE STREET oder DARK CIRCLES ähnliche Themen aufgriff und den Zuschauer durch falsche Fährten an der Nase herumführte, geht man in ISABELLE den Weg des geringsten Widerstandes und fällt gleich mit der Tür ins Haus. Dabei entpuppt sich bereits der Trailer als katastrophale Spannungsbremse. Der verrät gleich mal genau jenen Plot, der anfangs noch verschleiert wird und den Zuschauer vor der Glotze halten soll. So ist Regisseur ROBERT HEYDON kläglich darum bemüht ein Mysterium um die Geschehnisse in ISABELLE zu weben. Unsere Filmheldin verliert ihr neugeborenes Kind und beginnt plötzlich Dinge zu sehen, die gar nicht da sind. Alles nur Folgen eines schwerwiegenden Traumas oder ist Larissa auf einmal empfänglich für paranormale Ereignisse? Der Sprung vom Psychothriller zum Geisterfilm ist kurz und macht aus ISABELLE ziemlich austauschbaren Gruselbrei, der sich wirklich jedem Klischee bedient, das man nun schon in gefühlt 1000 Filmen über zornige Geister zu sehen bekommen hat. Das ist angesichts der Tatsache ermüdend, weil es mittlerweile einfach zu viele Gruselproduktionen gibt, in den es spukt oder poltert. Weil die nach immer gleichen Schema abgehandelt werden, hat sich allmählich ein Sättigungsgefühl eingestellt. Das macht sich auch im Falle von ISABELLE bemerkbar. Ja, hier ist ein böses wütendes Geistermädchen am Werke, das dem Gör aus dem japanischen RING-Universum Konkurrenz machen will. Will das jemand sehen? Wir meinen: nein! Etwas mehr Grips und Einfallsreichtum tut beim Gruselhandwerk zwingend Not.
 
 
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ISABELLE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Ein weiterer Versuch dem aus TV-Geräten und Brunnen krabbelnden Mädchen der Horrorfilm-Reihe RING den Rang abzulaufen. Der Gruselfilm ISABELLE ist ein solider Gruselfilm für Anfänger – mehr aber auch nicht. Regisseur ROBERT HEYDON versucht mit ausgelutschten Rezepturen des Geisterfilm-Genres irgendwie Spannung aufzubauen. Vergebens! Der Streifen verrät viel zu früh, dass die stalkende Nachbarstochter eigentlich ein Geist ist und einen Weg sucht, trotz Geisterhülle irgendwie unter den Lebenden verweilen zu können. Für die Filmhelden Grund genug, nach den sterbliche Überresten der toten Stalkerin zu suchen, um dem Geist ins Reich der Toten abschieben zu können. Ja, jetzt haben wir den wenig überraschenden Plot aufgelöst. Den vorausahnen zu können ist aber auch keine Kunst. Erfahrene Zuschauer wittern bereits nach wenigen Minuten die Fährte. Der dumm geschnittene Trailer verrät den Rest. Wer sich den angeschaut hat, kann sich Sichtung des eigentlichen Films sparen. ISABELLE ist paranormale Dutzendware – ohne echten Spannungsbogen. Austauschbar, beliebig, unnötig.
 
 
 


 
 
 

ISABELLE – Zensur

 
 
 
ISABELLE hat kaum Gewalt zu bieten. Eine Filmfigur erstickt, weil man ihr eine Plastiktüte über den Kopf zieht. Weiterhin bringt sich ein Charakter selbst um und eine Protagonistin stürzt aus dem Fenster. Das ist alles sowas von FSK16 – man glaubt es kaum.
 
 
 


 
 
 

ISABELLE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei The Wanting Film Inc.)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Jessabelle – Die Vorhersehung (2014)
 
Gallows Hill (2013)
 
Haunt – Das Böse erwacht (2013)
 
Dark Circles (2013)
 
The House on Pine Street (2015)
 

Filmkritik: „I Trapped the Devil“ (2019)

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I TRAPPED THE DEVIL

Story

 
 
 

Zwei entfremdete Brüder treffen am Heiligen Abend aufeinander und erleben ein Weihnachtsfest voller Angst.

 
 
 


 
 
 

I TRAPPED THE DEVIL – Kritik

 
 
 
Horrorfilme, die an Heiligabend spielen, bilden nicht erst seit gestern ein eigenes Genre. Bereits in den 1970ern wurde Weihnachten in Filmen wie BLACK CHRISTMAS oder UNTER MORDVERDACHT zum bluttriefenden Grauen deklariert, wo statt gefeiert grausam gestorben werden musste. Was in den 1970ern aber noch die Ausnahme war, hat sich mittlerweile im Horror-Genre fest etabliert. So vergeht nahezu kein Jahr an dem nicht mehrere Horrorfilme gedreht werden, die das Weihnachtsfest zum Thema schrecklicher Ereignisse machen. I TRAPPED THE DEVIL ist einer derer. Kurioserweise handelt es sich hier um einen Genre-Beitrag, der zwar zur Weihnachtszeit spielt, aber kaum Weihnachtsstimmung aufkommen lässt. Stattdessen wird der Zuschauer in einen Albtraum aus Wahn, Paranoia und Okkult-Horror gezogen, der vor allem durch eines auffällig wird: klaustrophobische Bilder und ungemütliche Atmosphäre.
 
 
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Wenn Weihnachten eine unerwartete Richtung einschlägt. Eigentlich möchten Matt und Frau Karen nur die Festtage mit der Familie verbringen. Doch es kommt alles ganz anders. Die beiden wollen Matts psychisch labilen Bruder besuchen, um ihm am Weihnachtsabend Gesellschaft zu leisten. Leider ist Bruderherz Steve über den unangemeldeten Besuch alles andere als erfreut. Die miese Weihnachtsstimmung hat auch ihren Grund. Steve hat nämlich andere Sorgen. Der hat im Keller einen Menschen eingesperrt, von dem er fest davon überzeugt ist, dass es sich dabei um den Leibhaftigen persönlich handelt. Letzterer soll angeblich für die vielen Negativschlagzeilen in den Tageszeitungen verantwortlich zeichnen. Eine gewagte Theorie, die bald absurde Ausmaße annimmt und die Frage in den Raum stellt, ob der paranoide Bruder damit Recht behält oder alles doch nur einem kranken Geist entspringt.
 
 
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Handwerklich souverän inszenierter Gruselfilm mit kleinen Schwächen. Die Geschichte hinter I TRAPPED THE DEVIL erinnert ein wenig an die 41. Episode der beliebten THE TWILIGHT ZONE mit dem Titel THE HOWLING MAN von 1959. Auch dort drehte sich alles um einen eingesperrten Mann, der angeblich deshalb hinter verschlossenen Mauern sein Dasein fristen musste, weil man fest der Überzeugung war es hier mit dem Teufel zu tun zu haben. Was dort aber in knapp 30 Minuten über die Mattscheibe lief, wird in I TRAPPED THE DEVIL in Spielfilmlänge abgehandelt. Das ist dahingehend problematisch, weil nicht viel Story geboten wird. Regisseur JOSH LOBO lässt die überschaubare Handlung zu häufig um die Frage kreisen, was denn nun eigentlich des Pudels Kern seines ersten Spielfilms ist. Wer befindet sich tatsächlich im Keller und haben die wüsten Verschwörungstheorien überhaupt Gewichtung mit denen der Zuschauer hier konfrontiert wird? Um genau jene Fragen wird ein großes Mysterium gesponnen, für welches das Publikum viel Geduld mitbringen muss. Die Auflösung flimmert nämlich erst eine Minute vorm Abspann über den Bildschirm.
 
 
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Viel Substanz besitzt I TRAPPED THE DEVIL keineswegs. Die Geschichte tritt nämlich zugunsten Atmosphäre in den Hintergrund. Hier erhalten unbequeme Bilder und angespannte Stimmung Hauptaugenmerk. Regisseur JOSH LOBO versucht mit gruseligen Kameraeinstellungen und farblich stimmiger Ausleuchtung (da werden Bilder in stechendes Rot getaucht – DARIO ARGENTO lässt grüßen) eine Atmosphäre der Angst zu schaffen, die bis zum erlösenden Abspann aufrechterhalten werden soll. In der Tat schafft sie das problemlos. Schnell ist man mittendrin und sitzt angespannt vor dem Fernseher, um genau jene Auflösung zu ergründen, die I TRAPPED THE DEVIL ansteuern möchte. Leider wird die Antwort auf die entscheidende Frage so nur künstlich hinausgezögert. Die Hinhalte-Technik macht nämlich schnell müde. Ein langsamer Erzählfluss tut da sein Übriges. Regisseur JOSH LOBO nimmt sich viel Zeit, um Charaktere zu beleuchten und Stimmung durch visuelle Stilelemente aufzubauen. Die eigentliche Handlung kommt dabei aber nur schleppend in Fahrt. Das macht den visuell starken und schauspielerisch gut besetzten I TRAPPED THE DEVIL zu einem zweischneidigen Schwert. Filmfans mit Hang zum Mainstream werden da schnell das Interesse verlieren.
 
 


 
 
 

I TRAPPED THE DEVIL – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Der wohl gruseligste Weihnachtsfilm, der jemals gedreht wurde. I TRAPPED THE DEVIL ist ein schauriges und vor allem mehrdeutiges Gruselerlebnis, das das Gruselhandwerk der alten Schule zurück auf die Mattscheibe bringt. Hier übernehmen leise Töne die Oberhand. Mit gerade einmal drei Hauptdarstellern wird hier eine subtile und gleichzeitig klaustrophobische Geschichte erzählt, die sich in nur drei Zimmern abspielt. Die überschaubare Kulisse nutzt alle Möglichkeiten des subtilen Angstkinos aus. Da sorgen mysteriöse Stimmen für Gänsehaut, eine befremdliche Ausleuchtung schwört Unbehagen herauf und unbeantwortete Fragen treiben die Spannung voran. Leider hat dieses Debüt-Stück eines ambitionierten Nachwuchsregisseurs einen Haken. I TRAPPED THE DEVIL wird derart langsam erzählt, dass man Probleme bekommen könnte der Handlung zu folgen, wenn man nicht ausgeschlafen ist. Hinzukommt, dass der Streifen in der ersten halben Stunden mit Leerlauf zu kämpfen hat, weil der dünne Plot auf 83 Minuten Laufzeit gestreckt werden musste. Zwar sind alle Zutaten für gruseliges Gänsehautkino vorhanden. Dennoch benötigt der Film lang bis diese zu einem Ganzen finden. Dafür ist das Finale stark. I TRAPPED THE DEVIL ist unausgereiftes Indie-Kino, das aber immer noch weit besser ist als das, was einem mittlerweile alles im Horror-Genre zugemutet wird.
 
 
 


 
 
 

I TRAPPED THE DEVIL – Zensur

 
 
 
I TRAPPED THE DEVIL ist eher ein ruhig erzählter Gruselthriller ohne großartige Gewaltausbrüche. Erst am Ende wird ein Messer in einen Körper gestoßen und eine Waffe kommt auch zum Einsatz. Hierzulande dürfte das alles für eine ungeschnittene FSK16 reichen.
 
 
 


 
 
 

I TRAPPED THE DEVIL – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei IFC FILMS)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Rite – Das Ritual (2011)
 
Erlöse uns von dem Bösen (2014)
 
Lost Souls – Verlorene Seelen (2000)
 

Filmkritik: „Body at Brighton Rock“ (2019)

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BODY AT BRIGHTON ROCK

Story

 
 
 

Frau gegen Natur: Die Mitarbeiterin eines Nationalparks verläuft sich im Wald und muss eine ganze Nacht dort verweilen, bis Hilfe eintrifft. Da werden wenige Stunde zu einer gefühlten Ewigkeit, weil die Fantasie der Hauptdarstellerin boshafte Streiche spielt.

 
 
 


 
 
 

BODY AT BRIGHTON ROCK – Kritik

 
 
 
Es gibt Regeln, die gilt es zu befolgen – nicht nur im Horrorfilm. Eine derer erlernt man bereits im Kindesalter. Da wird immer wieder davon gepredigt, dass man bei Waldspaziergängen besser nicht vom Wegesrand abkommt, um sich nicht zu verlaufen. Eine wichtige Regel, die im Thriller BODY AT BRIGHTON ROCK missachtet wird. Die Strafe folgt auf dem Fuß. Für den cineastischen Denkzettel zeichnet ROXANNE BENJAMIN. Die scheint eine Leidenschaft für Horror-Anthologien zu besitzen, hatte sie bei jeder wichtigen Kurzgeschichtensammlung der letzten Jahre ihre Hände mit ihm Spiel, die im Horrorfilm-Bereich Erfolg verbuchen konnte. So drehte sie nicht nur Segmente für SOUTHBOUND und den ausschließlich von Frauen inszenierten XX. Auch als Produzentin verdiente sich die Filmemacherin und verhalf so Kult-Horror wie V/H/S und V/H/S 2 zu Ruhm. Mit BODY AT BRIGHTON ROCK muss sie nun unter Beweis stellen, dass sie auch mehr als Episoden für Horror-Anthologien kann. BODY AT BRIGHTON ROCK ist der erste Langfilm der Regisseurin und geht in eine andere Richtung. Statt grafischen Horror auf die Leinwand zu bringen, ergründet die Regisseurin menschliche Ängste. Deftige Schocks und grausame Gewalt haben Sendepause. Dafür wird es leise, zurückhaltend und psychologisch. Ob der Richtungswechsel eine gute Entscheidung war.
 
 
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Als frisch ausgebildete Mitarbeiterin des Nationalparks Brighton Rock hat man es nicht leicht. Man muss immer pünktlich auf der Arbeit erscheinen und stets höflich seinen Vorgesetzten gegenübertreten. Etwas, mit dem Wendy (KARINA FONTES) so ihre Probleme hat. Die hat zwar bisher wenig Erfahrung in ihrem Beruf sammeln können, will aber allen zeigen, dass sie auch anspruchsvolle Aufgaben bewältigen kann. Sie tauscht einfach den zugeteilten Aufgabenbereich mit einer Mitarbeiterin, sodass letztere in Ruhe mit einem Kollegen flirten kann. Eine Fehlentscheidung, wie sich bald herausstellen wird. Wendy muss nämlich in die Wälder, um dort ein paar Informationsblätter auszutauschen. Eigentlich eine nicht sonderlich schwere Arbeit, würde unsere Heldin nicht so leichtfertig mit ihren Arbeitsutensilien umgehen. Sie verliert nämlich schnell die Orientierung, weil sie ihre Parkkarte verloren hat. So läuft Wendy immer tiefer in den Park hinein und weiß bald nicht mehr wo sie ist. Da ist guter Rat teuer, zumal die junge Frau auch noch auf eine Leiche trifft, die hier wohl schon längere Zeit liegen muss. Gott sei Dank wurde ein Funkgerät eingepackt. Mit dem fordert sie Hilfe an. Die Sache hat nur einen Haken. Bis man die Position geordert hat und eintreffen wird, wird die Nacht hereingebrochen sein. Deshalb will man mit der Suche bis zum nächsten Morgen warten. Eine Tatsache, die von unserer unsicheren Hauptdarstellerin einiges abverlangt. Kaum sieht man die Hand vor Augen nicht, bekommt es Wendy mit der Angst zu tun. Offenbar ist die junge Dame nicht allein in den Wäldern. Da wird aus einem verängstigten Reh plötzlich eine mutige Kampfamazone. Respekt!
 
 
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Survival-Thriller mit Verwirrungstaktik. BODY AT BRIGHTON ROCK deklariert mal wieder Urängste zum Mittelpunkt. Da werden Themen wie Angst vor der Dunkelheit, Orientierungslosigkeit und Furcht vor dem Unbekannten in den Fokus gerückt, damit eine verzweifelte Protagonistin über sich hinauswachsen kann. Die erlebt hier die Lektion ihres Lebens und muss eine Nacht voller Terror überstehen, die immerhin den Mut der verschreckten Heldin fordert. Da lassen schaurigen Legenden die Fantasie durchgehen, welche davon berichten, dass es in der Gegend spuken soll. Aber auch Mutter Natur macht es der Heldin nicht leicht. Letztere sieht sich plötzlich mit einem Grizzly konfrontiert, der offenbar seit Tagen nichts mehr gefressen hat. Aber damit soll es nicht enden. Auch ein Fremder schleicht sich unerwartet an und entfacht eine Aura des Bösen. Was der hier mitten in der Wildnis im Schilde führt? Erfahrene Filmkenner haben da gleich den Klassiker BEIM STERBEN IST JEDER DER ERSTE im Gedächtnis.
 
 
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BODY AT BRIGHTON ROCK versucht den Zuschauer an der Nase herumzuführen in dem er einfach verschiedene Genre-Rezepturen vereint. Da werden mehrere Richtungen eingeschlagen, die lang offen lassen, worauf der Film eigentlich hinauswill. Das Regie-Debüt von ROXANNE BENJAMIN lässt sich nicht unbedingt in eine Schublade stecken. Der Überlebensthriller streift Zombie-, Tier-Horror und Geisterstreifen, rückt aber am Ende erst mit der Sprache heraus, was sich hier nun wirklich ereignet. Das lässt den Film hervorstechen, weil er sich so souverän gegen Genre-Konventionen auflehnt. Demzufolge ist BODY AT BRIGHTON ROCK auch nichts fürs Massenpublikum. Der Streifen richtet sich eher an jene, die gern mutiges Indie-Kino sehen wollen, das sich weg von den Produktionen großer Studios bewegt. Dort wird viel zu oft das gedreht, was von der Allgemeinheit einfach verstanden und schnell konsumiert werden kann. Mit sowas gibt sich das Multitalent ROXANNE BENJAMIN nicht zufrieden. Die dreht und produziert das, was sie gern sehen möchte und nicht andere. So sollte es öfters sein.
 
 


 
 
 

BODY AT BRIGHTON ROCK – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Eine Geschichte, die seine Protagonistin dabei begleitet ihre Ängste zu überwinden. BODY AT BRIGHTON ROCK ist einer dieser Filme, die mit der Wahrnehmung seiner Figuren spielen. Was ist hier real und was spielt sich nur im Kopf der Charaktere ab. Mit genauer jener Frage hält sich dieser Survival-Thriller über Wasser für den sich Regisseurin ROXANNE BENJAMIN von den Büchern des CHRISTOPHER PIKE inspirieren ließ. BODY AT BRIGHTON ROCK erzählt nicht nur von einer mutigen Frau, die über sich hinauswächst, sondern verbeugt sich auch gleich mal von den glorreichen 1980ern. Allein das macht den Streifen schon sympathisch – auch, wenn am Ende so einige Fragen offen bleiben und die Hauptfigur doch etwas blass hinter der zugegebenermaßen interessant zusammengeflickten Geschichte bleibt.
 
 
 


 
 
 

BODY AT BRIGHTON ROCK – Zensur

 
 
 
BODY AT BRIGHTON ROCK hat kaum Gewaltmomente zu bieten. Man bekommt kurz eine Leiche zu sehen, die schon längere Zeit auf dem Waldboden liegt. Weiterhin fällt ein Mann von einem Felsen und ein Grizzly verwundet unsere Heldin am Fuß. BODY AT BRIGHTON ROCK hat ohne Probleme eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

BODY AT BRIGHTON ROCK – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) I-On New Media (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Body at Brighton Rock; USA 2019

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 87 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Trailer zum Film, Trailershow

Release-Termin: 27.03.2020

 

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BODY AT BRIGHTON ROCK – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei I-On New Media | Magnet Releasing)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Desolation (2017)
 
Backcountry – Gnadenlose Wildnis (2014)
 
Girl in Woods (2016)
 
Borderline (2017)
 
The Ritual (2017)