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Filmkritik: „From a House on Willow Street“ (2016)

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FROM A HOUSE ON WILLOW STREET

(HOUSE ON WILLOW STREET)

Story

 
 
 

Vier Kleinkriminelle planen einen großen Coup. Leider müssen sie schnell einsehen, dass es auch Dämonen missfällt, wenn man gegen Gesetze verstößt.

 
 
 


 
 
 

FROM A HOUSE ON WILLOW STREET – Kritik

 
 
 
Wenn vermeintliche Bösewichte selbst zu Gejagten werden. Das ist guter Stoff für fiese Horror-Unterhaltung von der man sich doch gern berieseln lassen möchte – vor allem wenn ein „Haus“ im Titel auf bösartige Gruselunterhaltung hoffen lässt. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass in unscheinbaren Häusern an reißerisch bezeichneten Straßen und Plätzen nicht selten das Böse zu Hause ist. So passiert im Mysterythriller THE HOUSE ON PINE STREET, dem Rache-Schocker LAST HOUSE ON THE LEFT oder dem Psychopathen-Grusler HOUSE AT THE END OF THE STREET, wo sich in abgelegenen Anwesen schockierende Dinge ereignet haben. Auch FROM A HOUSE ON WILLOW STREET lockt mit vielversprechender Titelgebung und springt auf den „House“-Zug auf. Doch diesmal sollte man nicht zuviel erwarten. Professionelle Optik macht das Fan-Herz weich. Forscht man aber tiefer, tritt schnell Ernüchterung ein, denn FROM A HOUSE ON WILLOW STREET ist weit weg von perfekt. Regisseur ALASTAIR ORR zeichnet verantwortlich. Der kommt aus Südafrika und hat scheinbar Gefallen am Horrorfach gefunden – zumindest legt das die bisherige Filmografie nahe. Mit einem hastig zusammengeschnippelten Trailer soll neugierig auf FROM A HOUSE ON WILLOW STREET gemacht werden. Leider verbrät man darin gleich die besten Szenen, weshalb enttäuschte Gesichter vorprogrammiert sind. Nach der Dschungel-Kreaturen-Gurke INDIGENOUS liefert Filmemacher ALASTAIR ORR Horrorstoff ab, der dem Vorgängerfilm des Regisseurs intellektuell das Wasser reichen kann. Das bedeutet: Abermals kämpfen dumme Protagonisten gegen das Böse auf Erden und schlagen es trotz geistiger Umneblung am Ende in die Flucht. Neu ist im direkten Vergleich das Gespür für’s Visuelle. Der dreckige und semiprofessionelle Videolook aus INDIGENOUS musste weichen. Dafür sind in FROM A HOUSE ON WILLOW STREET nun makellose Hochglanzaufnahmen zu sehen, die es gut und gerne mit Horrorproduktionen großer Studios aufnehmen können. Doch machen mehr Budget und professionelles Equipment aus einem sonst eher einfallslosen Drehbuch sehenswertes Horrorkino?
 
 
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Kidnapping ist kein Kavaliersdelikt. Das müssen auch die Helden (darunter SHARIN VINSON) in FROM A HOUSE ON WILLOW STREET feststellen, die die Tochter einer gut betuchten Familie entführen wollen. Es sind Diamanten, auf die es die Bande abgesehen hat und welche nun als Lösegeld gefordert werden. Doch weil es sich hier um einen Horrorfilm handelt, darf man davon ausgehen, dass alles anders kommen wird. Die Entführung läuft zwar nach Plan, nur die Eltern der Geisel reagieren weder auf Anrufe oder Botschaften. Sind die etwa nicht daheim? Um auf Nummer sich zu gehen, begibt man sich noch einmal zum Tatort, um nach dem Rechten zu sehen. Was man jedoch nach akribischer Suche im Elternhaus findet, lässt den Kleinganoven das Blut in den Adern gefrieren. Die Eltern liegen verstümmelt in ihren Betten und im Keller findet man von Rohren durchbohrte Exorzisten. Wer hat diese grausamen Taten begangen? Schnell wird klar, dass hier wohl höhere Mächte am Werk sein müssen, denn die entführte Katherine (CARLYN BURCHELL) beginnt plötzlich zu schweben und faselt boshafte Verse.
 
 
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Guter Start, der Rest: Naja. Eigentlich hätte aus FROM A HOUSE ON WILLOW STREET fesselnder Horror werden können, der bis in den Schlaf verfolgt. Leider macht die zweite Filmhälfte aus diesem Horrorthriller dann doch nur eine übertriebene Gruselachterbahn ohne tieferen Sinn, die aber immerhin ohne Längen abgehandelt wird. Während Regisseur ALASTAIR ORR in den ersten 45 Minuten Spannung durch mysteriöse Vorfälle aufbaut, die auf subtilen Grusel mit Hirn hoffen lassen, lösen sich Vorfreuden spätestens ab der Halbzeit in Luft auf. Genau das Gegenteil flimmert nämlich über die Mattscheibe und dürfte Feingeister die Haare zu Berge stehen lassen. So wird aus einer unheimlichen Entführung plötzlich vorhersehbarer Dämonen-Nonsens, der sich zu sehr den Konventionen des Horrorkinos unterwirft und sich in einem faden Brei aus Klischees und Effekthascherei verfängt. Eine enttäuschende Wendung, weil einfallslose CGI-Effekte und austauschbare Besessenheitsthematik aus FROM A HOUSE ON WILLOW STREET belanglosen Horror-Blödsinn macht, an den sich bereits Stunden nach Sichtung niemand mehr erinnern wird. Hier hätte man mehr draus machen können, zumal dem Drehbuch in den letzten Zügen auch noch die Ideen ausgehen und die immer gleichen Spezialeffekte aus der Effektkiste gekramt werden. Da schweben besessene Zombie-Freunde durch die Luft und dämonische Wurmparasiten krabbeln aus Mündern, weil sie nach neuen Wirtskörpern suchen. Weil die immer gleichen Effekte zelebriert werden und die Helden auch noch spannungsarm vor einem Dämon in Menschengestalt flüchten müssen, versinkt FROM A HOUSE ON WILLOW STREET schnell in der Belanglosigkeit. Das hat man irgendwie alles schon mal besser gesehen, wobei wir an dieser Stelle noch einmal die Horrorstreifen DON’T BREATH und THE AUTOPSY OF JANE DOE in Erinnerung rufen möchten. Bei genauerer Betrachtung ist FROM A HOUSE ON WILLOW STREET nichts anderes, als ein Mix genannter Grusel-Hits. Leider erreicht der Film nicht mal annähernd jene Qualitäten. Spezialeffekte und Action sind eben nicht immer alles. In Zeiten permanenter Ideenarmut sind es clevere Geschichten, die vor allem das Horror-Genre dringend nötig hat.
 
 
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FROM A HOUSE ON WILLOW STREET – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Eine kurzweilige und atmosphärische Gruselachterbahn, die kaum Verschnaufpausen bietet. Leider hat FROM A HOUSE ON WILLOW STREET nur ein Problem: Hier fehlen Ideen. Der Streifen schaut zwar mit seinem permanent düsteren Look und den teils gut getricksten Spezialeffekten hervorragend aus. Blickt man aber hinter die Fassade, ist dieser komplett in Südafrika gedrehte Dämonen-Spuk nichts anderes, als ein hirnloser Okkult-Zirkus voller Schocks, der sich in erster Linie ans Mainstream-Publikum richtet. Was stark und unheimlich beginnt, katapultiert sich nach 45 Minuten selbst ins Aus. Geschichte und Figuren bleiben flach. Dafür wird Wert auf Spezialeffekte aus dem Computer gelegt. Was man hier geboten bekommt ist weit weg von clever. Ein bösartiger Dämon will die Menschenwelt beherrschen, benötigt aber fünf Seelen um auf Erden zu wandeln. Natürlich ist das konventioneller Blödsinn, der möglichst viele Schreckmomente abhaken möchte und mit permanent gruseliger Stimmung so etwas wie Spannung heraufbeschwören will. Leider verhalten sich die Figuren dämlich und auch der Dämon in Menschengestalt ist trotz magischer Fähigkeiten nicht die hellste Kerze auf der Torte. Dumme Handlungen gestalten das Treiben vorhersehbar. Das macht diesen Streifen zum Spannungskiller, der trotz netter Optik keinen Preis für Originalität gewinnen dürfte. Bei so einfältiger Gruselmacherei will man fast schon Mitleid mit Hauptdarstellerin SHARIN VINSON haben, die sich bereits mit Horrorfilmen auskennt und in YOU’RE NEXT oder BAIT 3D zu sehen war. Auch diese Popcornstreifen waren nicht sonderlich helle, hatten aber immerhin fiese Morde in petto. Letztere sucht man in FROM A HOUSE ON WILLOW STREET übrigens vergebens. Der Film hat nämlich kaum Schauwerte zu bieten, was vermutlich jene enttäuschen wird, die sich nach Sichtung des ansprechend geschnittenen Trailers ein Splatter-Feuerwerk erhofft haben.
 
 
 


 
 
 

FROM A HOUSE ON WILLOW STREET – Zensur

 
 
 
Was Gewalt angeht hält sich FROM A HOUSE ON WILLOW STREET sehr zurück. Es gibt kurz verstümmelte und übel zugerichtete Leichen zu sehen. Ansonsten verwandeln sich die wenigen Protagonisten im späteren Verlauf – ähnlich wie im Kult-Splatter EVIL DEAD – in willenlose Dämonen-Zombies. Wer jetzt aber denkt, dass die brutal morden, irrt gewaltig. In FROM A HOUSE ON WILLOW STREET sind die verwandelten Kleinganoven nur Handlanger eines Oberdämons, die Angst und Schrecken verbreiten sollen. Wegen der gelungenen Make-up und Spezialeffekte sowie verstörender Visionen dürfte es für den Streifen ohne Probleme eine FSK16 geben. FROM A HOUSE ON WILLOW STREET wird im Herbst 2017 nach Deutschland gebracht. TIBERIUS FILM besitzt die deutschen Auswertungsrechte.
 
 
 


 
 
 

FROM A HOUSE ON WILLOW STREET – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei IFC FILMS)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Don’t Breath (2016)
 
The Autopsy of Jane Doe (2016)
 
The Badger Game (2014)
 
Demonic (2015)
 
Evil Dead (2013)
 


Filmkritik: „The Greasy Strangler“ (2016)

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THE GREASY STRANGLER

Story

 
 
 
Die Beziehung von Vater Big Ronnie (MICHAEL ST. MICHAELS) und seinem Sohn Big Brayden (SKY ELOBAR) gerät aus den Fugen, nachdem eine Frau in die Leben der beiden einfällt und ein Killer im Viertel die Runde macht.

 
 
 


 
 
 

THE GREASY STRANGLER – Kritik

 
 
 
In Zeiten, in denen im Horror-Genre offenbar nur noch recycelt wird, dem großen Hollywood sowieso die Ideen ausgehen und man im Privatfernsehen ausschließlich gescripteten Reality-Kram vorgesetzt bekommt, tun Filme wie THE GREASY STRANGLER Not. Filme, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen. Irgendwo zwischen Arthouse, Trash und Groteske wird dem Zuschauer hier filmischer Irrsinn geboten, für den man unbedingt gewappnet sein sollte. Wer hier einen Film nach klassischem Aufbau erwartet, wird zügig eines Besseren belehrt. Der Streifen besitzt weder Spannungsbogen, noch glaubhafte Interaktionen oder gar Sympathieträger in der Besetzung. Stattdessen werden Geschmacklosigkeiten am laufenden Band serviert und die stets gleichen Szenenverläufe abgespult. Rein gar nichts macht hier Sinn. Das dürfte bei den meisten Zuschauern auf Unverständnis stoßen – ist aber so gewollt, denn in diesem schwer kategorisierbaren Film soll cineastische Anarchie regieren. Wer sich demzufolge auf dieses Sammelsurium der Skurrilitäten einlässt und für knappe 90 Minuten den Verstand ausschaltet, könnte einen der abgefahrensten Filme des Jahres 2016 zu sehen bekommen. Letzterer, der Verstand, ist hier ohnehin überflüssig, denn THE GREASY STRANGLER furzt sprichwörtlich auf Konventionen und sorgt mit seinem schwarzen Humor und Bekenntnis zum Bad Taste für allerhand Schmunzler. Das haben auch die Zuschauer des FANTASY FILMFEST 2016 erkannt, wo der Streifen seine Deutschlandpremiere feierte und dort gerade wegen seiner schräg-sonderbaren Machart von der Mehrheit des Publikums wohlwollend angenommen wurde. Offenbar haben die Macher mit ihrem sonderbaren Filmexperiment genau den Nerv gelangweilter Filmnerds getroffen. Anders lassen sich wohl die vielen Lobeshymnen im Netz nicht erklären, die THE GREASY STRANGLER (zu Deutsch: DER SCHMIERIGE WÜRGER) sogar von alteingesessenen Cineasten erhalten hat.
 
 
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Von ranzigem Frittenfett und übergroßen Monster-Penissen. In THE GREASY STRANGLER leben Vater und Sohn so in den Tag hinein. Sie verdienen sich den Lebensunterhalt damit, Touristen durch Los Angeles zu lotsen und an den meistberüchtigten Discotheken Halt zu machen. Doch die tägliche Routine wird von einer Begegnung mit Folgen gestört. Bei einer dieser Führungen ist nämlich die wissbegierige Janet (ELIZABETH DE RAZZO) am Start. Die interessiert sich nicht nur für die Clubs und Diskos erwähnter Großstadt, sondern hat auch bald ein Auge auf den Guildo-Horn-gleichen Reiseführer Big Brayden geworfen. Das will dem eifersüchtigen Vater so gar nicht gefallen. Der sieht seine tägliche Ration Frittiertes in Gefahr, die vom Sohnemann höchstpersönlich allabendlich auf den Tisch gebracht wird. So versucht Vater Big Ronnie dem Sohn das Mädchen auszureden. Als das nicht funktioniert, müssen schärfere Geschütze ausfahren werden. Der knöchrige Eigenbrötler dreht den Spieß einfach um und versucht die Aufmerksamkeit der attraktiven Schönheit für sich zu gewinnen. Doch der groteske Konkurrenzkampf zwischen Vater und Sohn ist bald das kleinere Übel. In der Gegend treibt derweil ein mit Fett besudelter Killer sein Unwesen. Der erwürgt seine Opfer mit kräftiger Hand und versetzt das Viertel in Angst und Schrecken. Die Polizei steht vor einem Rätsel. Bis Einzelgänger Big Brayden eine waghalsige Vermutung aufstellt und sein bis dato geregeltes Leben auf den Kopf stellt.
 
 
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Was es nicht alles gibt. Schaut man sich nämlich die Produzentenliste genauer an, fällt ein bekannter Name ins Auge. Kein geringerer als Herr-der-Ringe-Frodo ELIJAH WOOD hat als Geldgeber fungiert. Das ist etwas ungewöhnlich, vor allem auch deshalb, weil der bekannte Schauspieler selbst durch millionenschwere Blockbuster bekannt wurde und nun einen der wohl ungewöhnlichsten Filme der letzten Jahre mitproduziert hat. Absurder Humor wird geboten, der nicht jedermanns Sache sein wird und in seiner teils sinnbefreiten Machart an die vielen Filme des französischen Regisseurs QUENTIN DUPIEUX erinnert. Letztgenannter überraschte zuletzt mit Anti-Filmen wie REALITY, RUBBER oder WRONG COPS (übrigens ebenso gelobte FANTASY FILMFEST-Beiträge) und scharte damit sogar eine kleine Fangemeinde zusammen, die in seinen sonderbaren Werken große Filmkunst sahen. Gleiches trifft irgendwie auch auf THE GREASY STRANGLER zu, der eine faszinierende Aura des Blödsinns entfacht, der man sich leider nicht entziehen kann. Was hier über die Leinwand flimmert ist so unterirdisch, dass man meinen könnte, Gedrehtes käme von einem anderen Planeten. Helge Schneider goes international. Zu sehen gibt es ekelerregende Protagonisten, die entweder nackt frittiertes Essen futtern oder mit einem rosa T-Shirt bekleidet durch die Straßen von Los Angeles watscheln. Dazwischen lauscht man simplen Dialogen und sieht dabei zu wie sich schmierige Typen gegenseitig ins Gesicht furzen. Als wäre das nicht alles bereits grenzwertig genug, baumeln auch noch übergroße Geschlechtsteile vor der Kamera oder reiben sich unästhetische Körper im Liebesakt aneinander. Nein, die gezeigten Bilder in THE GREASY STRANGLER bekommt man so schnell nicht wieder aus dem Kopf und das ist auch gut so. Regisseur JIM HOSKING traut sich zu zeigen, was sonst niemand wagt auf die Leinwand zu bringen. Der Mut das Publikum gegen sich aufzubringen macht THE GREASY STRANGLER besonders und rechtfertigt allein schon die Sichtung dieses ominösen Kinospektakels, das sich keinen Deut darum schert, was der Zuschauer davon hält. Demzufolge sollte man diese Obskurität moderner Filmkunst auch mit einer gehörigen Portion Ironie genießen, denn ein tieferer Sinn erschließt sich zu keinem Zeitpunkt. Wer sich dessen bewusst ist und zelebrierten Irrsinn mit (Bier und) einem Augenzwinkern sieht, wird gut unterhalten werden. Alles andere wäre vertane Zeit.
 
 
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THE GREASY STRANGLER – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Ein absurd-komisches Ekel-Fest für Fans von Kultregisseur QUENTIN DUPIEUX. Dieses skurrile Kinospektakel ist kein Film für Feingeister, Anstandsprediger oder Spaßbremsen. THE GREASY STRANGLER hat all das, was man eigentlich nicht in Kinofilmen sehen will: Hässliche Menschen, geschmacklose Outfits, stumpfsinnige Dialoge und eine sinnbefreite Handlung – Ekelmomente inklusive. Was nach Trash klingt, ist definitiv Trash – hat aber auch etwas von anarchistischer Kunst. Geboten wird eine gerne surreale Bilderflut an Geschmacklosigkeiten, die durchaus eine gewisse Faszination versprüht. Mut zeichnet THE GREASY STRANGER aus. Der Film folgt weder Konventionen, noch ist er an der Meinung des Publikums interessiert. Dieser Streifen folgt eigenen Regeln und das macht ihn interessant. Nichts macht hier Sinn oder entspricht gängigen Sehgewohnheiten. Ein gewisser Experimentiergeist ist da nicht von der Hand zu weisen. Regisseur JIM HOSKING (Segment „G“ in THE ABC’S OF DEATH 2) hat hier einen Antifilm inszeniert, der aber nur aufgeschlossenen Kinogängern zu empfehlen ist. Deshalb sollte man THE GREASY STRANGLER nicht mit der Hoffnung sehen, unterhalten zu werden. Wer das hier erwartet, wird enttäuscht werden. Sehen und wirken lassen, lautet die Devise. Dabei sollte der Kopf aus- und das Spaßzentrum eingeschaltet werden. Nur so wird man an THE GREASY STRANGLER Gefallen finden.
 
 
 


 
 
 

THE GREASY STRANGLER – Zensur

 
 
 
THE GREASY STRANGLER hat kaum blutige Schauwerte zu bieten. Ein paar kuriose Kills gibt es zu sehen, die aber derart grotesk zelebriert werden, dass Schmunzler nicht ausbleiben werden. Dieser Film dürfte mit viel Glück ab 12 Jahre freigegeben werden. Wir rechnen aber eher mit einer FSK16. THE GREASY STRANGLER soll im Sommer 2017 über TIBERIUS FILM im Handel stehen. Kann man sich schon mal vormerken.
 
 
 


 
 
 

THE GREASY STRANGLER – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Tiberius Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Wrong (2012)
 
Wrong Cops (2013)
 
Rubber (2010)
 


Filmkritik: „31 – A Rob Zombie Film“ (2016)

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31 – A ROB ZOMBIE FILM

Story

 
 
 
Eine Gruppe Schausteller (darunter einige Darsteller aus früheren Filmen von ROB ZOMBIE) wird von Fremden überfallen und in eine unterirdische Arena verschleppt. Dort müssen sie ums Überleben kämpfen.

 
 
 


 
 
 

31 – Kritik

 
 
 
Eigentlich wollte Zottelbart und Musiker ROB ZOMBIE nach THE LORDS OF SALEM dem Filmemachen den Rücken kehren. Der surreale Okkult-Grusler erntete mehr negative Kritiken – vor allem auch deswegen, weil Fanboys hier nicht die für Zombie bekannten Gewaltorgien zu sehen bekamen. Stattdessen kehrte der kontroverse Regisseur derben Schlachtplatten den Rücken und probierte sich im Subtilen aus. Leider war das Publikum vom optisch immerhin beeindruckenden Richtungswandel nicht sonderlich begeistert. Demzufolge erhielt ROB ZOMBIE für seinen schleichenden und teils ziellosen Schauerausflug nicht die Anerkennung, die er erhofft hatte und war beleidigt. Die Quintessenz: Erstmal Schluss mit Filmedrehen – zurück zu Comics und Musik. Offenbar war’s ihm so ohne Regieklappe in der Hand auf Dauer zu langweilig. Deshalb machten kurze Zeit nach THE LORDS OF SALEM Informationen im Internet die Runde, dass der Filmemacher an einem weiteren Horrorfilm tüfteln würde, der zu Zombies Regie-Wurzeln zurückkehren sollte. Mehr Härte und Hoffnung auf ein NC-17 (die höchste Freigabe, die Filme in den USA erhalten können) sollten Erwartungshaltungen schüren. Doch verspricht 31 auch das, was der Musiker, Comicautor und Regisseur seinen Anhängern im Vorfeld versprochen hat?
 
 
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Halloween des Jahres 1979. Eine Gruppe Schausteller reist mit einem Bus durch das Hinterland der Vereinigten Staaten. Viel scheinen die nicht im Hirn zu haben, denn gute Manieren oder eloquenter Ausdruck scheinen den Zeitgenossen fremd. Da kommt es dem Zuschauer geradezu gelegen, dass der gammeligen Sitte endlich mal der Marsch geblasen wird. Bei der Reise durchs ländliche Amerika stoßen die Freunde auf seltsame Vogelscheuchen, die jemand kurz zuvor auf der Fahrbahn platziert haben muss. Wenig später ist Land unter. Vermummte Gestalten überfallen den Bus, töten die Bande und verschleppen fünf der Kumpels in eine unterirdische Arena. Hier werden Todesspiele gespielt und Wetten abgegeben. Gut für die Initiatoren der Veranstaltung, schlecht für die unfreiwilligen Teilnehmer der Menschenhatz. Die müssen sich vor einer Horde Killer-Clowns in Sicherheit bringen, die mit unterschiedlichem Mordwerkzeug den menschlichen Zielscheiben an den Kragen wollen. Immerhin gibt es ein Ziel. Wer zwölf Stunden im Spiel 31 überlebt, kann auf Gnade hoffen. Doch ob es überhaupt einem der fünf Freunden gelingt, die Nacht heil zu überstehen? Man kann es nur hoffen.
 
 
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Einmal mehr setzt ROB ZOMBIE auf das, was seine Filme nun mal ausmachen. Das bedeutet: Verrohende Sprache, gammelige Typen und brutale Gewaltmomente. Somit orientiert sich 31 in seiner Machart an die Erstlingswerke des Schock-Rockers, der mit DAS HAUS DER 1000 Leichen und der Fortsetzung THE DEVIL’S REJECTS vor allem beim horrorerprobten Zuschauer Eindruck hinterlassen konnte. Leider dürfte die Rückkehr zum Altbewährten diesmal zwar durchaus Fans der härteren Filmart zufriedenstellen; der große Coup ist mit 31 leider nicht gelungen. Horror definiert sich nicht nur durch eine lose Aneinanderreihung von möglichst heftigen Gewaltexzessen. In Zombies 31 bleiben Figuren allesamt gesichtslos, was das Treiben relativ unnahbar gestaltet, denn Sympathieträger fehlen gänzlich. Demzufolge dürfte der Zuschauer weitestgehend unberührt vom Schicksal der Helden und Bösewichte bleiben, denen es in 31 nicht gerade zimperlich an den Kragen geht.
 
 
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Gewalt als Mittel zum Selbstzweck. Das macht 31 aus, denn der Survival-Horrorfilm besitzt außer dem möglichst zeigefreudigen Ausradieren seiner Figuren nicht viel, was Erwähnung finden könnte. Leider verpufft die teils schockierende Wirkung der meisten Gewaltakte gänzlich, denn Macher ROB ZOMBIE lässt viel mit der Kamera wackeln, anstatt mal richtig draufzuhalten. So kommen zwar Nagelkeulen und Motorsägen zum Einsatz – außer viel Geschrei und Hektik bleiben jedoch die wenigsten der groß angekündigten Brutalo-Szenen in Erinnerung. Das spricht nicht gerade für den Film, der ohnehin ein großes Problem mit seiner rudimentären Handlung hat. Die wurde offensichtlich um diverse Gewalteinlagen geschrieben, schafft aber kaum Klarheit. So bleibt unbeantwortet, warum hier Menschen weggefangen und für Todesspiele missbraucht werden. Aber auch das Mysterium um die Drahtzieher der skrupellosen Organisation wird nicht gelüftet. Vermutlich will sich Zombie da wohl Stoff für mögliche Fortsetzungen offen lassen – sollte der Film sein Publikum finden.
 
 
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Letztendlich ist auch 31 einer dieser Film aus der Mache des ROB ZOMBIE, den man entweder mag oder auch nicht. Der schonungslose Überlebenskampf bewegt sich irgendwo zwischen Filmen wie RUNNING MAN und DIE INSEL DER VERDAMMTEN, überzeugt mit dreckigem 70er-Look und punktet definitiv in Sachen Atmosphäre. Hier muss man Zombie durchaus Talent aussprechen, denn 31 dürfte der wohl düsterste Streifen sein, den der zottelige Regisseur bisher auf die Leinwand gebracht hat. Leider hat auch 31 – wie die übrigen Filme des ROB ZOMBIE – ein großes Problem mit der Wortgewandtheit seiner Figuren. Vulgäres Miteinander steht hier an der Tagesordnung, was den Streifen nicht unbedingt besser macht. Das unterstreicht zwar den exploitationhaften Charakter des Horrortrips, geht aber irgendwann so ziemlich auf den Wecker. Wer darüber wegsehen kann und kein Problem mit Filmen hat, die kaum Handlung besitzen und sich von einem Gewaltmoment zum nächsten hangeln, könnte kurzweilig unterhalten werden. Große Horrorfilmkunst ist 31 definitiv nicht. Da hat man schon besseres von Herrn Zombie gesehen.
 
 
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31 – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Exploitation á la carte – Ein ROB ZOMBIE-Schocker wie er im Buche steht. Mit 31 kehrt der kontroverse Macher deftiger Filmalbträume wieder zu seinen Wurzeln zurück. Der durch Crowdfunding finanzierte Schocker hat vor allem eines zu bieten: Gewalt – und davon nicht wenig. Leider dürften die Schlachtorgien nicht jedermanns Sache sein. Das liegt nicht in erster Linie an der Grausamkeit der zelebrierten Morde, sondern eher an der unruhigen Kameraführung, die Schwindelgefühle auslöst. Zombie siebter Ausflug ins Regiefach glänzt durch düstere Optik, die beunruhigt – aber auch durch nahezu kaum vorhandene Handlung. Im Mittelpunkt steht ausschließlich der Gedanke, wie man Opfer möglichst reißerisch bebildert um die Ecke bringen kann. Das kann 31 ganz gut. Zu mehr taugt der Film leider nicht, dazu ist der Streifen einzig darauf aus, die niederen Instinkte des Zuschauers zu befriedigen.
 
 
 


 
 
 

31 – Zensur

 
 
 
31 hatte es nicht leicht mit der US-Freigabebehörde MPAA. Die wollte dem Streifen in der Urfassung das kommerziell tödliche NC-17 aufdrücken. Demzufolge musste der Streifen vom Regisseur geschnitten werden (angeblich nur 4 Sekunen), um ein R-Rating erhalten zu können. Auf dieser Version beruht nun auch die deutsche DVD und Blu-ray. Diese beinhaltet demzufolge die amerikanische Kinofassung. Immerhin ist die aber komplett. Angesichts der ruppigen Vorgehensweisen im Film ist die ungeschnittene Freigabe schon sehr verwunderlich.
 
 
 


 
 
 

31 – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Tiberius Film (KeepCase Blu-ray)

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(c) Tiberius Film (limitiertes Steelbook mit DVD & Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: 31; USA 2016

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 102 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | limitiertes Steelbook

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 02.03.2017 (BD KeepCase)

 

31 – A Rob Zombie Film [KeepCase Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

31 – A Rob Zombie Film [Limitiertes und nummeriertes 2 Disc-Steelbook] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

31 – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Tiberius Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Running Man (1987)
 
Insel der Verdammten (1982)
 
Carnage Park (2016)
 
Hostel (2005)
 


Filmkritik: „Carnage Park“ (2016)

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CARNAGE PARK – WILLKOMMEN IN DER HÖLLE

Story

 
 
 

Ein schießwütiger Heckenschütze (PAT HEALY aus STARRY EYES, COMPLIANCE und THE INNKEEPERS) schießt im staubigen Kalifornien aus der Ferne auf Menschen. Beim neusten Opfer hat er sich ein besonders zähes Ziel ausgesucht. Das lässt sich nämlich nichts gefallen.

 
 
 


 
 
 

CARNAGE PARK – Kritik

 
 
 
Regisseur MICKEY KEATING goes Exploitation. Wer regelmäßig die Filmvorstellungen auf FILMCHECKER liest und sich auch mit den Filmen auseinandersetzt, die er sich angeschaut hat, wird mittlerweile erkannt haben, dass der noch nicht einmal dreißig Jahre alte Filmemacher und seine Werke zu den ganz großen Geheimtipps im Genre zählen. Sie fallen durch Experimentierfreudigkeit und Einfallsreichtum auf. Keating lässt sich nicht reinreden, bei dem was er tut. Er dreht, worauf er Lust hat und schreibt sogar seine Drehbücher selbst. Warum das so vonstatten geht, verriet er erst kürzlich in einem Interview. So erklärte er, dass er sich nicht vorstellen könne, ein fremdes Skript zu verfilmen, weil er seinem Schaffen gern eine individuelle Note verpassen möchte. Deshalb geht bei ihm – vom Schreiben des Drehbuchs bis hin zum Führen der Regie – stets alles Hand in Hand, um beim Filmemachern alle Zügel selbst halten zu können. Keating bleibt seiner Richtung treu und probiert sich weiter aus. Nach dem Okkultismus-Horror RITUAL, der Sci-Fi-Mystery POD und dem minimalistischen Psycho-Geister-Drama DARLING wird es mit CARNAGE PARK reißerischer. Das Grindhouse-Kino der späten 1970er und frühen 1980er lässt grüßen. CARNAGE PARK besucht eine Zeit, in der es im Kino nicht gerade zimperlich zu ging.
 
 
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CARNAGE PARK beruht angeblich auf wahren Begebenheiten – zumindest wird das im Vorspann zum Film erklärt. Im Film folgt der Zuschauer einem Diebes-Duo, das irgendwo im wüstenartigen Hinterland Kaliforniens vor der Polizei flüchtet, weil es zuvor eine Bank überfallen hat. Doch das letzte Stündlein hat geschlagen. Schüsse fallen und bringen die Kleinganoven zur Strecke. Zurück bleibt eine Geisel (ASHLEY BELL aus THE LAST EXORCISM 2), die bald selbst ums Überleben bangen muss. Ein Vietnamveteran scheint von Sinnen zu sein und schießt auf alles und jeden, der sich auf sein Privatgrundstück verirrt hat. Dumm nur, dass die gekidnappte Bankangestellte Vivian unfreiwillig zum nächsten Ziel wird, weil sie im Kofferraum des Fluchtfahrzeuges eingesperrt war. Leider kennt der durchgeknallte Scharfschütze kein Erbarmen – auch nicht mit Unschuldigen. Er beginnt eine gnadenlose Jagd auf sein verängstigtes Opfer, das dem schießwütigen Militär hilflos ausgeliefert ist. Zartbesaitete Zuschauer halten da lieber Abstand – dieser Überlebenskampf setzt starke Nerven voraus.
 
 
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Als Hommage an die Crime- und Survival-Filme der 1970er beschreibt Regisseur MICKEY KEATING selbst seinen unbequemen Terrorstreifen CARNAGE PARK für den er sich von Werken alteingesessener Filmemacher wie SAM PECKINPAH, PETER WATKINS und angeblich sogar ROBERT ALTMAN hat inspirieren lassen. So erklärte Keating, dass er schon immer mal einen Film im Stile eines GRAF ZAROFF – GENIE DES BÖSEN machen wollte und sich nun endlich mit CARANAGE PARK die Möglichkeit ergeben hat, diesen Wunsch in die Tat umzusetzen. Selbstverständlich ist sein Ausflug ins Terrorfach nichts im Vergleich zu wegweisenden Klassikern wie BEIM STERBEN IST JEDER DER ERSTE oder DIEBE WIE WIR, die den kanadischen Filmemacher beim Schreiben des Drehbuchs beeinflusst haben sollen. Statt Nervenkitzel zu zelebrieren, liegt der Fokus auf schnellen Schocks und ein paar unappetitlichen Szenen. So wird der Zuschauer in erster Linie durch ein absurdes Szenario gejagt, das dann doch mehr an so ruppige Horrorstreifen wie TEXAS CHAINSAW MASSACRE oder THE HILLS HAVE EYES erinnert, die ebenfalls in den 1970ern entstanden sind. Visuell zumindest sind Vergleiche zu genannten Low-Budget-Schockern nicht von der Hand zu weisen, denn auch in CARNAGE PARK dominiert die vor Hitze flirrende Einöde des ländlichen Amerikas, in der die Schreie der verzweifelten Protagonisten ungehört bleiben.
 
 
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Auch wenn das Resultat ambitionierten Vorhabens dann doch mehr plakatives Zur Schau Stellen von Gewalt ist, muss man Macher MICKEY KEATING zu Gute halten, dass er den Terror souverän einfängt. Die Filmheldin wird nahezu unentwegt durch die trostlose Landschaft getrieben und entdeckt auf ihrem Irrweg weitere Opfer, die ganz unerwartet im Kugelhagel ihr Leben lassen müssen. Auf dem mit Leichen gepflasterten Grundstück des Bösewichts wird am Ende in einer verlassenen Mine der Showdown aufgetragen, der das willenstarke Opfer über sich hinauswachsen lässt. Gegen diese rastlose Überlebenshatz voller adrenalinreicher Momente ist eine Geisterbahn ein Scheißdreck. Trotz Lobesgesang auf die harten Überlebensthriller der 1970er gab es in der Vergangenheit schon Besseres zu sehen. Die Idee, von einem scheinbar unsichtbaren menschlichen Gegner attackiert zu werden, haben schon andere Filmemacher effektiv auf Zelluloid gebannt. Einer dieser zu Unrecht kaum beachteten Streifen ist der spanische KING OF THE HILL. Darin wird ebenso auf Unschuldige gefeuert – dort jedoch in den spanischen Bergen und mit einer Prise Gesellschaftskritik. Letztere sucht man in CARNAGE PARK leider vergebens. Logik übrigens auch – manchmal.
 
 
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CARNAGE PARK – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Wenn aus einem Crime-Thriller ein adrenalinreicher Terrorstreifen wird. Ruppiger Terrorfilm, vor dem ungeübte Zuschauer besser einen Bogen machen sollten. CARNAGE PARK lebt von der ungemütlichen Idee, einem scheinbar unsichtbaren Gegner ausgeliefert zu sein und treibt eine ahnungslose Frau rastlos durch staubige Wildnis, die von einem psychopathischen Sniper beschossen wird. Der unfaire Überlebenskampf scheint das Opfer nicht nur an den Rand mentaler Kräfte zu treiben; auch psychisch meint es Regisseur MICKEY KEATING nicht sonderlich gut mit seiner Heldin, die aus Angst beinahe den Verstand verliert, sich aber immerhin stets zu wehren weiß. CARNAGE PARK ist psychologisch nicht sonderlich raffiniert und auch die Beweggründe des Täters, sowie dessen übermenschliche Cleverness haben kaum Hand und Fuß. Das scheint aber auch nicht die eigentliche Intension des kanadischen Filmemachers gewesen zu sein. Der probiert sich in Exploitation aus und versucht mit Terror zu schockieren. Gelungen ist Keating das allemal, denn CARNAGE PARK ist allein schon wegen der bizarren Thematik und dem teils unerwarteten Munitionshagel im Film nichts für Zartbesaitete.
 
 
 


 
 
 

CARNAGE PARK – Zensur

 
 
 
CARNAGE PARK ist nicht einfach zu verdauen. Der Fokus liegt auf Terror. Die Heldin wird ununterbrochen durch den Film gehetzt. Dabei sieht sie übel zugerichtete Leichen und wird selbst von einer Kugel gestreift. Bereits am Boden liegende Opfer werden – insofern sie noch leben – noch einmal mit einem Schuss aus der Ferne in die ewigen Jagdgründe befördert. Weiterhin gibt es eine unappetitliche Szene mit einer Bärenfalle zu sehen. Grafische Kopfschüsse sind hier Standard. Demzufolge wurde der Film hierzulande erst für Erwachsene freigegeben mit „keine Jugendfreigabe“.
 
 
 


 
 
 

CARNAGE PARK – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Tiberius Film (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Carnage Park; USA 2016

Genre: Thriller, Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 81 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 02.01.2017 (BD KeepCase)

 
 
 


 
 
 

CARNAGE PARK – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken und Poster liegen bei TIBERIUS FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
King of the Hill (2007)

Outback – Tödliche Jagd (2011)

Tower Block (2012)

Beim Sterben ist jeder der Erste (1972)


Filmkritik: „Hidden in the Woods“ – Remake (2014)

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HIDDEN IN THE WOODS (REMAKE)

Story

 
 
 

Zwei Mädchen können sich zusammen mit ihrem kleinen Bruder aus den Fängen des tyrannischen Vaters befreien und begeben sich auf eine Reise voller Gefahren.

 
 
 


 
 
 

HIDDEN IN THE WOODS – Kritik

 
 
 
Nicht ein einziges Jahr vergeht, in dem mindestens ein Horrorfilm gedreht wird, der die Geister in zwei Lager teilt. Das passiert vor allem immer dann, wenn Filme entstehen, die einzig darauf abzielen, mit möglichst viel Gewalt und polarisierendem Inhalt maximalen Reibach zu machen. So geschehen auch im Falle des chilenischen EN LAS AFUERAS DE LA CIUDAD (internationaler Titel: HIDDEN IN THE WOODS), der 2012 aufgrund seiner recht kontroversen Thematik die Horrorfans gegeneinander aufbrachte. Sein Regisseur, PATRICIO VALLADARES, nutzte geschickt Stilmittel des Exploitationfilms der 1970er und eckte damit vor allem bei den Zensurbehörden an. Auch die deutsche FSK verstand angesichts der Erniedrigung, Demütigung und Vergewaltigung wehrloser Frauen keinen Spaß, was dazu führte, dass der krude Genre-Mix aus Kannibalismus, Rape-and-Revenge und Überlebens-Thriller hierzulande kräftig Federn lassen musste. Trotz der semi-professionellen Machart fand der chilenische Exploitationer trotzdem viele Fans. Zu denen rechnet sich wohl auch der amerikanische Schauspieler MICHAEL BIEHN, der laut der Filmzeitschrift FANGORIA bis dato noch nie einen so heftigen Film gesehen hatte. Wegen seines realen Hintergrunds (das Original beruht angeblich auf wahren Begebenheiten) nahm ihn Biehn nicht einmal als unnötig brutal oder sonst ausbeuterisch wahr. Die weltweit stattfindende Gewalt gegenüber Frauen und deren (sexuelle) Ausbeutung muss gestoppt werden, forderte er in Interviews. Noch immer sei es an der Tagesordnung, dass Frauen sexuell missbraucht würden.
 
 
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Warum er sich mit dieser Kontroverse anschließend nicht tiefgründig in Form eines glaubhaften Dramas beschäftigt hat, weiß wohl nur Biehn selbst. Stattdessen beauftragte er den chilenischen Regisseur PATRICIO VALLADARES, seinen EN LAS AFUERAS DE LA CIUDAD für den amerikanischen Filmmarkt neu zu interpretieren. Die Finanzierung des Streifens kam zwar vom hauseigenen Produktionsstudio, doch das perverse Endprodukt spottet jeglicher Beschreibung. Dem chilenischen Filmemacher PATRICIO VALLADARES gelang das Kunststück aus der ohnehin schon missratenen Vorlage ein noch schlechteres Remake zu inszenieren, das obendrein nur aus einer Aneinanderreihung fragwürdiger Szenen besteht. Das muss ihm erst mal jemand nachmachen.
 
 
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Die Neuverfilmung mit dem Titel HIDDEN IN THE WOODS beginnt für zwei heranwachsende Schwestern nebst kleinem Bruder nicht gerade rosig. Die Mutter ist früh gestorben, weshalb der Vater (MICHAEL BIEHN aus THE VICTIM, ALIENS – DIE RÜCKKEHR oder PSYCH: 9) die Kinder großzieht und sich regelmäßig an ihnen vergeht. Jahre nach den täglichen psychischen und physischen Attacken des Familienoberhaupts soll damit Schluss sein. Die Geschwister wollen sich der Polizei anvertrauen und die Behörden von den gesetzesfernen Machenschaften des Vaters unterrichten. Der missbraucht seine Kinder nicht nur regelmäßig, sondern handelt zudem mit größeren Mengen an Drogen. So wandert der Vormund nach einem blutigen Amoklauf sogar ins Gefängnis, ruft aber das Interesse seines Bruders auf den Plan. Der hat nun Sorge um seine Drogen, die der Inhaftierte bei sich zu Hause verstecken sollte. Ein fleißiges Familienunternehmen. Was folgt wird für die fliehenden Kinder kein Zuckerschlecken. Die sind nun nicht mehr nur auf der Flucht vor dem tyrannischen Vater, sondern müssen sich auch noch vor den Launen des psychopathischen Onkels in Sicherheit bringen, der seine Drogen zurückhaben möchte – koste es was es wolle.
 
 
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Von häuslicher Gewalt, gesetzesfremden Bürgern und einem ernstlich verschobenen Frauenbild. Das Remake zu HIDDEN IN THE WOODS bietet im Grunde viel Zündstoff, der aber durch die exploitationhafte Inszenierung an Schlagkraft verliert. Neben verrohter Sprache und ebensolcher Gewalt hat der Film eines der haarsträubendsten Drehbücher zu bieten, die man in den letzten Jahren zu sehen genötigt wurde. Darin passiert reichlich Willkürliches und Unglaubhaftes. Man schüttelt den Kopf in Fassungslosigkeit. Weil jeder Handlungsstrang ins Extreme abdriften muss, ist das was in HIDDEN IN THE WOODS geboten wird Gewalt-Fetischisierung pur. Der Film schert sich keinen Deut, tiefgründiger in die Seelen von Täter und Opfer zu blicken. Stattdessen zelebriert er Gewalt der Gewalt wegen und um Fans derberer Unterhaltung glücklich zu stimmen. Sonderlich glaubwürdig ist hier gar nichts. Quälend dumme Dialoge gesellen sich zu hündisch schlechten Schauspielleistungen, die aber zumindest das kaum vorhandene Niveau des Streifens noch einmal ganz trefflich unterstreichen. Damit bleibt die amerikanische Version zu HIDDEN IN THE WOODS weit hinter den Erwartungen jener Filmfans zurück, die daran geglaubt haben, dass mit größerem Budget mehr heftige und professionell inszenierte Gewalteffekte umgesetzt würden. Sicher, die Neuauflage bietet genaug brutales Material – zu genüge sogar. Leider verfehlen all die roh zelebrierten Abartigkeiten im Film die nötige Intensität, weil ihnen dieser gewisse semi-professionelle Schmuddel-Charakter fehlt, der manchen Brutalo-Moment im spanisch-sprachigen Original noch unangenehmer zur Geltung kommen ließ. Was bleibt ist ein leidlich spannender True-Crime-Thriller mit Hang zum Extremen, der zwar zahlreiche Gewaltakte abspult, aber den Fan des Groben doch unbeeindruckt vor der Glotze zurücklässt. Alles schon mal gesehen – und das sogar weitaus besser. Wir empfehlen: Abschalten.
 
 
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HIDDEN IN THE WOODS – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
 
Ein Brutalo-Werk sondergleichen. HIDDEN IN THE WOODS ist die Neuverfilmung eines auch schon missratenen Films von 2012, dem das zweifelhafte Kunststück gelingt die miserablen Minus-Qualitäten der Vorlage noch in den Schatten zu stellen. Das Drehbuch ist eine lupenreine Schande, die Dialoge unter aller Kanone und die Schauspielleistungen mit viel gutem Willen als zweckmäßig zu betiteln. HIDDEN IN THE WOODS zielt ausschließlich darauf ab, einem bestimmten Publikum seinen Kick zu liefern. Zuschauer, denen im Genre gar nicht genug Frauen gequält, missbraucht und gefoltert werden können, werden hier definitiv auf ihre Kosten kommen. Weil man aber mittlerweile so viele ähnlich gestrickte Streifen gesehen hat, berührt das Gezeigte keineswegs. Vor allem auch deswegen, weil sich die Figuren so unsinnig verhalten, dass man sich kaum mit ihnen identifizieren kann oder auch nur möchte. So wird Gewaltexzess an Gewaltexzess geklebt und mit reichlich milieugeschädigter Sprache unterstrichen. Betrachtet man die Liste aller inszenierten Remakes der letzten zehn Jahre, ist die Neuverfilmung von EN LAS AFUERAS DE LA CIUDAD die wohl erbärmlichste Neuinterpretation, die überhaupt das Licht der Zelluloid-Welt erblickt hat. Gott sei Dank hat die deutsche FSK wegen der vielen fragwürdigen Szenen einige Schnitte gefordert, so dass dem Zuschauer mehr Lebenszeit bleibt. In solchen Momenten zahlt sich die Arbeit der sonst so oft kritisierten Zensurbehörde endlich mal aus.
 
 
 


 
 
 

HIDDEN IN THE WOODS – Zensur

 
 
 
Es werden Frauen missbraucht und wild um sich geschossen. Zudem kommt eine Kettensäge zum Einsatz. Was im Film gezeigt wird ist keineswegs für Kinder und Jugendliche geeignet. Das sah auch die FSK so. Die deutsche Fassung wurde zwar erst für Erwachsene freigegeben, ist aber um knapp drei Minuten geschnitten.
 
 
 


 
 
 

HIDDEN IN THE WOODS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Tiberius Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Hidden in the Woods; USA 2014

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1,78:1 (1080p) | 24 Hz

Laufzeit: ca. 91 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (geschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wechselcover

Extras: Trailer

Veröffentlichung: 02.06.2016

 
 
 

Hidden in the Woods [Blu-ray] auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

HIDDEN IN THE WOODS – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei Tiberius Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Hidden in the Woods (2012)
 
I Spit on your Grave 2 (2013)
 
I’ll never die alone (2008)
 


Filmkritik: „Cabin Fever – Remake“ (2016)

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CABIN FEVER – REMAKE

(CABIN FEVER – THE NEW OUTBREAK)

Story

 
 
 

Eine Gruppe ausspannender Mittzwanziger bekommt es in einer Waldhütte mit einem fleischfressenden Bakterium zu tun, das durch Trinkwasser in den Körper gelangt. Dummerweise sind sie in der Abgeschiedenheit auf sich allein gestellt und erleiden nacheinander einen grausamen Tod.

 
 
 


 
 
 

CABIN FEVER – Kritik

 
 
 
Feingeister müssen jetzt tapfer sein, denn einer der Meister einfältiger Geschmacklosigkeiten ist zurück und hat neues Horrormaterial verbrochen. Vorgegebenes Ziel: Polarisieren! Diesmal sind es jedoch nicht bloß triviale Schauwerte und nackte Tatsachen, die Aufmerksamkeit erregen sollen. Da gab es im Vorfeld natürlich Kritik, nicht unbegründete obendrein. Warum einen Film von ELI ROTH neu verfilmen, der vor gerade einmal 15 Jahren im Kino gelaufen war. Letztendlich tat sich der kontroverse Regisseur selbst hervor, den Aufguss seines Debüts CABIN FEVER abzusegnen, voranzutreiben und zu produzieren. Bei vielen Horrorfans erntete er Unverständnis. Alte Fans hatten schnell den Braten einfach verdienten Geldes gewittert, das sich nun mal mit bekanntem Filmreihen verdienen lässt. Umso erfreulicher für Roth, der als Produzent der Neuverfilmung genug Geld für ein paar neue Autos gemacht haben dürfte.
 
 
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Weitaus weniger Ruhm: Newcomer TRAVIS ZARIWNY, dem die Regie zum Remake überlassen wurde. Der Bemitleidenswerte steht so hinter der Umsetzung eines Filmes, für den er in Horrorfankreisen, so steht zu befürchten, ausschließlich Tadel fangen wird. Ihm wurde die ungnädige Aufgabe zuteil, mit gerade einmal 1,5 Millionen Dollar Produktionsbudget den gleichen Film zu drehen, den Zuschauer bereits 2003 im Kino zu sehen bekommen haben – diesmal freilich mit anderen Schauspielern und glattgebügelter Optik. So erzählt auch der neue CABIN FEVER (der in Deutschland übrigens unter dem Titel CABIN FEVER – THE NEW OUTBREAK vermarktet wird) vom Leid stereotyper College-Absolventen, die in einer Waldhütte den Horror ihres Lebens durchleben müssen. Die wollten eigentlich dort ihren Abschluss feiern, bekommen aber ungebetenen Besuch von einem Mann, der von einem unbekannten Bakterium infiziert wurde. Tja, das Schicksal meint es nicht gut mit dem Fremden. Der endet als (kurz zumindest) lebende Fackel und lässt verängstigte Mittzwanziger zurück, die sich ebenfalls mit der mysteriösen Krankheit anstecken. Die Bedrohung lauert im Wasser, denn im See vor der Hütte vermehrt sich der Erreger in Windeseile. Leider trinken die Absolventen unwissendlich genau dieses Wasser und verleiben sich so selbst die tödlichen Bakterien ein, die sich brutal durch das Fleisch ihrer Opfer fressen.
 
 
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Kennste die Vorlage, kennste das Remake. Wer regelmäßig Neuigkeiten zu Horrorfilmen im Netz studiert, wartet vielleicht immer noch auf den vierten Teil der CABIN FEVER-Reihe. CABIN FEVER: OUTBREAK sollte eigentlich zusammen mit dem dritten Teil CABIN FEVER 3: PATIENT ZERO abgedreht werden, doch leider kam der vierte Film bisher nicht zustande. Stattdessen wurden die Pläne für ein weiteres Sequel über Bord geworfen, um Platz für einen Neuanfang schaffen zu können. Was im Vorfeld viel Trubel verursacht hat, ist letztendlich kalter Kaffee. CABIN FEVER 2016 ist so überflüssig, wie eine Grippe im Sommer. Neue Facetten, mehr Blut und neue Todesszenen – Fehlanzeige. Stattdessen wurde das gleiche Drehbuch mit abgeänderten Dialogen verfilmt, das sich vor Achtziger-Horrorstreifen wie TANZ DER TEUFEL, BRENNENDE RACHE und DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT verbeugt, aber für Kenner der Vorlage keinerlei Überraschungen oder gar Neuerungen zu bieten hat. Weil Roth im Hintergrund beteiligt gewesen ist, dürfte es niemanden wundern, dass auch die Neuinterpretation hin und wieder seine Handschrift erkennen lässt. Wie in Roths Werken üblich, darf auch in der Neuauflage sein typisch infantiler Humor nicht fehlen. Das fühlt sich manchmal befremdlich an, weil sich Roths platt-schwarzhumorige Art oftmals jenseits des guten Geschmacks bewegt. Interessanter wird es da schon bei den Spezialeffekten. Die waren bereits im Original von 2003 der eigentliche Star des Films, weil sie durch handgemachte Umsetzung bei zartbesaiteten Zuschauern für Brechreiz gesorgt haben. Selbstverständlich gibt es die auch im Remake zu sehen. Wer aber meint, dass ein Splatter-Gang nach oben geschalten wurde, irrt gewaltig. Aus Budgetgründen mussten Ekeleinlagen drastisch zurückgefahren werden, weshalb das CABIN FEVER Reboot nicht brutaler ist als Roths Debüt.
 
 
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Unterm Strich ist die CABIN FEVER-Neuauflage eine Enttäuschung – wenn man das Original kennt. Viel Neues gibt es nicht zu sehen, was das Frustpotenzial zusätzlich erhöht. Dem Zuschauer wird mit gleichen Szenenverläufen kostbare Lebenszeit gestohlen. Ein ergebnisloses Geschäft, diese Suche nach dem Sinn des Reboots. Warum musste das gleiche Drehbuch verfilmt, sich fast schon krampfhaft an der Vorlage orientiert werden?. Aus welchem Grund wurden nicht neue Todesarten in die Handlung hineingeschrieben, um zumindest abwechslungsreiche Schauwerte bieten zu können? Weshalb hat man nicht mehr Budget investiert, um CABIN FEVER 2016 spektakulärer und blutiger in Szene setzen zu können? Fragen über Fragen. Gleich noch eine: Geht Eli Roth etwa langsam die Luft aus? Bereits im kürzlich veröffentlichten KNOCK KNOCK überraschte der Filmemacher durch eine eher züchtige Inszenierung und stieß damit vor allem jenen Fans vor den Kopf, die sich von dem Thriller brutale Metzelei ohne Anspruch versprochen haben. Moment! Selbstverständlich fehlte in KNOCK KOCK der Anspruch – leider aber auch der Splatter. Wo Roth draufsteht, scheint nicht mehr unbedingt Roth drin zu sein. Demzufolge sollte man die Neuverfilmung seines auf Festivals gefeierten Virenschockers mit Vorsicht genießen, denn sonderlich erwähnenswert ist dieses Remake eigentlich nicht.
 
 
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CABIN FEVER – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Kein Film für Hypochonder. Schmuddeliger Oldschool-Horror mit ekligen Effekten und trotzdem mit Vorsicht zu genießen. Im Vorfeld äußerte Eli Roth, dass die Neuauflage seines Debüts CABIN FEVER absolut genial werden würde. Von Genialität ist das Reboot allerdings weit entfernt. Der Aufguss orientiert sich fast schon peinlich präzise am Drehbuch der Vorlage und erzählt die gleiche Geschichte mit gleichen Szenenverläufen, aber anderen Dialogen. Roths Erstling aus dem Jahr 2003 wurde mit schmalem Budget von 1,5 Millionen Dollar zum Überraschungserfolg und glänzte durch infantilem Humor, unsympathischen Protagonisten (eines der Markenzeichen des Regisseurs) und jeder Menge ekliger Effekte. Was den Film aber seinerzeit so ansprechend gemacht hat, verblasst in der Neuinszenierung gänzlich, weil ihm einfach der naive Charme fehlt, der dem Original zum Horror-Hitstatus verholfen hat. Das Remake macht zwar technisch und visuell eine gute Figur, aufgrund mangelnder Eigenständigkeit wird’s aber zumindest für alle schnell langweilig, die die Vorlage kennen. Demzufolge ist es eigentlich egal, welche der beiden Verfilmungen man sich anschaut, wenn man keine der beiden Streifen kennt. Kenner der Vorlage sollten jedoch das Remake meiden. Die werden hier nur enttäuscht. Viel Neues zu erzählen hat der recycelte CABIN FEVER leider nicht.
 
 


 
 
 

CABIN FEVER – Zensur

 
 
 
Gewalttechnisch hält sich das Remake von CABIN FEVER (deutscher Titel: CABIN FEVER – THE NEW OUTBREAK) nahe am Original. Das bedeutet, dass der Film nicht wesentlich härter ist als die Vorlage. So gibt es handgemachten Splatter zu sehen, der dann doch hin wieder eklig ausfällt. Die Protagonisten zerfallen förmlich von innen, weil es Bakterium ihrer Körper auslösen lässt. Der Reboot hat von der FSK eine Erwachsenen-Freigabe mit rotem FSK-Flatschen erhalten und ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

CABIN FEVER – Deutsche Blu-ray

 
 
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(c) Tiberius Film (Blu-ray im KeepCase)

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(c) Tiberius Film (Steelbook mit 6 Blu-rays und allen bisher veröffentlichten CABIN FEVER-Teilen)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Cabin Fever; USA 2016

Genre: Horror

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 99 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Making of (11:24 Min.), Trailer, Trailershow

Release-Termin: 06.10.2016

 

Cabin Fever – The New Outbreak [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

Cabin Fever Ultimate Edition (Blu-ray-Futurepak mit 6 Discs) – mit allen CABIN FEVER TEILEN ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

CABIN FEVER – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken und Packshot liegen bei TIBERIUS FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Condemned (2015)

Contracted (2013)

Contracted: Phase II (2015)

Thanatomorphose (2012)

Cabin Fever (2003)

Cabin Fever 2: Spring Fever (2009)

Cabin Fever 3: Patient Zero (2012)


Filmkritik: „Martyrs“ (2015)

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Achtung: Diese Kritik verrät viel über das Original. Wer MARTYRS aus dem Jahre 2008 noch nicht gesehen hat, sollte besser erst den Vorgängerfilm sehen. Zudem beinhaltet die Kritik viele Spoiler zum Remake.
 
 
 

MARTYRS

Story

 
 
 
Eine sektenartige Organisation quält Menschen, bis sie nach verlorenen Todeskampf die Schwelle zum Jenseits betreten und berichten können, was sie dort sehen. Eines ihrer Opfer kann entkommen und fordert Jahre nach der Tat Vergeltung.

 
 
 


 
 
 

MARTYRS – Kritik

 
 
 
Niemand mag Neuverfilmungen – zumindest niemand, der eine Vorliebe für Horrorfilme besitzt. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass man sich mit Neuinterpretationen liebgewonnener Genre-Klassiker kaum Freunde macht. Ob A NIGHTMARE ON ELM STREET, IT’S ALIVE oder DAS OMEN – kaum ein erfolgreicher Horrorfilm aus den experimentierfreudigen 70er und schrillen 80er Jahren kam nicht in den zweifelhaften Genuss eines glattpolierten Remakes. Ihren Originalen das Wasser reichen konnten die wenigsten. Weil mittlerweile die wichtigsten Horrorfilme neu gedreht wurden, gehen profitgierigen Produzenten aus Amerika die Vorlagen aus. Die haben aber gemerkt, dass der Horrormarkt in Europa brodelt und dort viel Material in die Kinos gebracht wird, das unbedingt recycelt werden muss. So geschehen mit dem skandinavischen LET THE RIGHT ONE IN. Weil das Vampirdrama viel internationales Lob erhielt, musste eine amerikanische Fassung her. Die erschien unter dem Titel LET ME IN und hatte nur mäßigen Erfolg. Hierzulande dürften vermutlich nur die Wenigsten wissen, dass es diesen Aufguss überhaupt gibt.
 
 
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Weitaus populärer ist da schon der nächste Kandidat – ein kontroverser Psychoschocker, der während der Terrorfilm-Welle veröffentlicht wurde, die zwischen 2003 und 2008 in Frankreich wütete. Unter dem Namen MARTYRS bekannt, bekam der Zuschauer eine psychologische Studie über Gewalt und ihre erschütternden Folgen zu sehen, die aufgrund schroffer Spezialeffekte für viele Horrorfans als das wohl Härteste gilt, das man in den letzten Jahren zu sehen bekommen hat. Umso verständlicher die kritischen Stimmen, die sich häuften, als 2011 Informationen über eine Neuverfilmung aufkamen. Die sollte eigentlich der Deutsche DANIEL STAMM inszenieren, der mit THE LAST EXORCISM einen Großerfolg feierte, dieses Projekt aber verließ, weil ihm das Budget zu knapp war. Demzufolge ging das Regiezepter an die Brüder KEVIN und MICHAEL GOETZ, die aus dem bekannten Stoff einen deftigen Horrorstreifen gemacht haben, der aber keineswegs die zermürbende und nervenzehrenden Atmosphäre der Vorlage erreicht.
 
 
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Natürlich greift das Remake eine ähnliche Geschichte auf, wie sie auch der Franzose PASCAL LAUGIER zu Papier und auf Zelluloid gebracht hat. So kann sich die kleine Lucie aus den Fängen einer geheimnisvollen Organisation befreien, die den Menschen Furchtbares antut. Das Mädchen kommt in ein katholisches Waisenhaus und lernt dort Anna kennen, von der sie sich verstanden fühlt. Doch Lucie wird von schrecklichen Dämonen verfolgt, die sich in ihrem Unterbewusstsein manifestiert haben, als sie in ihrem Gefängnis gefoltert wurde. Zehn Jahre später findet die Gepeinigte (jetzt verkörpert von TROIAN BELLISARIO) die Täter und ermordet sie im Vergeltungsrausch. Mit dabei die langjährige Freundin Anna (BAILEY NOBLE aus der Serie TRUE BLOOD), die im Haus der Beschuldigten einen geheimen Gang entdeckt, der in ein unterirdisches Kellergefängnis führt. Dort stößt man auf die kleine Samantha, die hier ebenfalls für mysteriöse Versuche festgehalten wird. Doch ein Ende der Qualen ist nicht in Sicht. Die übrigen Organisationsmitglieder erfahren von der Bluttat, fangen die Mädchen ein und halten sie fest. Für die ohnehin labile Lucie beginnt der Albtraum von Neuem.
 
 
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Typisch amerikanisch, aber ganz okay. Wer mit vorurteilsbehafteter Meinung diese Neuverfilmung sieht, wird eines Besseren belehrt, denn der MARTYS-Aufguss ist nicht so schlecht, wie anfangs befürchtet. Während sich die erste Hälfte so nah wie möglich am Original orientiert, gehen die Goetz-Brüder in den übrigen 45 Minuten eigene Wege. So liegt hier weniger Terror, Angst und Folter im Mittelpunkt, sondern Rache, Adrenalin und Tempo. Der amerikanische MARTYRS ist vornehmlich um aussagekräftige Bilder und plausible Erklärungen bemüht. Das ist dahingegen nicht ungewöhnlich, weil man Zuschauern in Übersee vornehmlich Antworten auf dem Silbertablett servieren muss – vermutlich, um ihre Hirne nicht zu überfordern. Demzufolge werden Beweggründe der Filmsekte genauer studiert und das psychische Martyrium der Filmfiguren in den Hintergrund gerückt. Die schießen sich am Ende mit scharfem Gerät durch eine stattliche Anzahl an Bösewichten und wollen nur eins: in die Freiheit. Leider wirkt die neue Verfilmung nicht lange nach, wohl auch deswegen, weil die psychische Qual von Heldin Lucie nicht sonderlich viel Spielraum erhält. Die darf zwar bis kurz vor dem Abspann überleben, muss aber bis dahin seltsame Versuche über sich ergehen lassen, während Komplizin Anna Forschungsräume mit Lebenssaft der Täter besudelt. Trotz weitaus blutigeren Bildern, bleiben Schockwirkung und unwohliges Magengefühl aus. Stattdessen fiebert der Film zu überhastet seinem Finale entgegen und verliert die Angst und das psychische Ungleichgewicht seiner Hauptdarstellerinnen aus dem Auge. Immerhin: Das alles erreicht zwar nie die psychologische Härte des französischen Originals; kurzweilig ist das Reboot aber erstaunlicherweise allemal. Wer sich bisher nicht an die Vorlage herangewagt hat, weil er schlaflose Nächte befürchtet, sei der Griff zum Remake empfohlen. Das ist nicht perfekt und hinkt dem von PASCAL LAUGIER inszenierten Angstmacher hinterher. Dafür ist es nicht ganz so unerträglich und über weite Strecke spannend – trotz konventionellerer Machart.
 
 
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MARTYRS – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Konventionell und nicht so hart, wie der Vorgänger – aber spannend. Vergleicht man den amerikanischen MARTYRS mit der französischen Vorlage, zieht die von den Goetz-Brüdern inszenierte Neuauflage definitiv den Kürzeren. Das überrascht wenig, gehört das französische Terrorstück zum Besten, was das moderne Horrorgenre hervorgebracht hat. Trotzdem, nach vielen missratenen Remakes in den letzten Jahren, sollte man nicht zu vorurteilsbehaftet mit dem 2015er MARTYRS ins Gericht gehen. Zu aller Überraschung kann der neue Film was – nämlich unterhalten. Statt Angst, Terror und Psychoqual stehen im Neuaufguss Tempo, Hektik und Rache auf dem Umsetzungsplan. Das ist zwar nicht gerade das, mit dem die Vorlage ihren Siegeszug angetreten hat. Dennoch, der neue MARTYRS überzeugt als kurzweiliger und packend Inszenierter Überlebens- und Rachethriller in allen Belangen. Leider mangelt es dem Streifen in der zweiten Hälfte an Logik, denn die Figuren verhalten sich auf ihrer Flucht vor bösen Sektenmitgliedern etwas hanebüchen. Zudem fehlen dem neuen MARTYRS psychischen Strapazen, die das Original auszeichneten und unwohliges Baugefühl verursacht haben. Das ist bedauerlich, weil das MARTYRS-Remake trotz souveräner Machart zwar kurzweilige 90 Minuten verspricht; aufgrund fehlender Terror-, Holzhammer- oder Schockmethoden leider nur ein weiterer Rache- und Überlebensthriller unter so vielen bleiben dürfte.
 
 


 
 
 

MARTYRS – Zensur

 
 
 
Während das Original hauptsächlich mit psychischem Terror überzeugen konnte, fehlt der im Remake fast gänzlich. Hier zählen hauptsächlich blutige Schauwerte, die zum größten Teil aus Schussverletzungen mit einer Schrotflinte bestehen. Außerdem gibt es Elektro-Folterung und Menschenverbrennung zu sehen, sowie eine kurze Häutungsszene. Weil es in der zweiten Hälfte sehr hektisch zugeht, verpuffen jedoch die Gewaltdarstellungen im Eifer des Gefechts. Dennoch musste das MARTYRS-Remake geschnitten werden, um eine FSK-Freigabe erhalten zu können. Diese zensierte Fassung besitzt den roten FSK-Flatschen. Keine Jugendfreigabe.
 
 
 


 
 
 

MARTYRS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Tiberius Film (KeepCase Blu-ray)

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(c) Tiberius Film (Mediabook mit dem Original von 2008 und Remake)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Martyrs; USA 2015

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 85 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (geschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | Mediabook

Extras: Trailer, Trailershow, Inside the Creature – Featurette | zusätzlich im Mediabook: Booklet, der Originalfilm Martyrs von 2008

Release-Termin: 03.11.2016 (BD KeepCase und Mediabook)

 

Martyrs – Remake [KeepCase Blu-ray] auf AMAZON bestellen

Martyrs – Original & Remake [Mediabook] auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

MARTYRS – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei TIBERIUS FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Martyrs (2008)

Eden Lake (2008)

Funny Games (1997)

Menschenfeind (1998)

Inside (2007)

Undocumented (2010)


Kritik: „Closer to God – Frankensteins Kinder“ (2014)

 Closer to God (2014)
 
 
 

CLOSER TO GOD – FRANKENSTEINS KINDER

Story

 
 
 
Ein geklonter Junge bricht aus seinem Gefängnis aus, läuft Amok und verwandelt sich in eine Killermaschine.

 
 
 


 
 
 

CLOSER TO GOD – Kritik

 
 
 
Eine weitere Episode aus der Reihe: Unethische Experimente und ihre Folgen. Mittlerweile ist die Geschichte von Dr. Frankenstein und dem von ihm künstlich erschaffenen Menschen nicht mehr ganz so taufrisch. Knapp 200 Jahre ist es bereits her, dass der Roman aus der Feder von MARY SHELLEY anonym veröffentlicht wurde, zu Weltruhm kam und mittlerweile unzählige Regisseure zu Filmen inspiriert hat. Einer derer ist BILLY SENESE. Der befasst sich in CLOSER TO GOD – FRANKENSTEINS KINDER mit dem heiklem Thema, das wohl nie an Brisanz verlieren dürfte, denn auch die moderne Interpretation des zeitlosen Frankenstein-Stoffs klärt auf, dass die Erschaffung von Mensch und Tier lieber Gott oder Natur überlassen werden sollte. Es ist die Debatte vom Klonen menschlicher Individuen, die in CLOSER TO GOD neuen Zündstoff erhält. Darin spielt JEREMY CHILDS den modernen Frankenstein namens Victor (was für ein Zufall), dem es gelingt den ersten menschlichen Klon zu erschaffen. Das Kind namens Rebecca kommt gesund im Labor auf die Welt und wird zugleich der Presse vorgestellt. Leider findet das Experiment nicht nur Befürworter. Unmengen Gegner machen dem Wissenschaftler das Leben schwer, weshalb sich Genetiker Victor Reed in sein Anwesen zurückzieht, um den Klon dort großziehen und erforschen zu können. Was die Öffentlichkeit nicht weiß: Rebecca ist nicht die erste künstlich erschaffene Kopie eines Lebewesens. Im Haus nebenan haust hinter dicken Türen Testobjekt Ethan – ein ebenfalls geklonter Mensch, bei dessen Erschaffung nicht alles nach Plan gelaufen ist. Der deformierte Junge legt aggressives Verhalten an den Tag, flüchtet aus seinem Gefängnis und schlägt jeden mit einer Eisenstange nieder, der sich ihm in den Weg stellt.
 
 
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Bis das wütende Kind jedoch durch den Film hetzen darf, vergeht viel Zeit. Regisseur und Drehbuchautor BILLY SENESE macht nämlich von der altmodischen Methode des Angstmachens Gebrauch. Das bedeutet, dass sich der Film (zu) viel Zeit mit dem Erzählen seiner Geschichte nimmt und sich weniger auf die Zurschaustellung missgebildeter Kreaturen oder auf möglichst blutige Gewaltmomente konzentriert. Stattdessen entwickeln sich die Ereignisse gemächlich und die Gestalt des ungeliebten Klon Ethan wird aus Spannungsgründen erst am Ende gezeigt. Ein geschickter Schachzug den ohnehin gelangweilten Zuschauer bis zum Abspann vor dem Fernsehapparat zu halten, denn sonderlich packend ist CLOSER TO GOD nicht inszeniert. Interessanterweise ist CLOSER TO GOD der erst zweite Film von Regisseur BILLY SENESE, welcher sich bei seinen bisherigen (Kurz)Filmen von Thrillern der 1970ern (darunter: DER DIALOG oder DIE UNBESTECHLICHEN) inspirieren lies. Der hatte bereits 2007 den Indie-Thriller DARK AWAKENING inszeniert, war aber nach dem stressigen Dreh derart ausgepowert, dass er vom Filmemachen lange Zeit nichts wissen wollte. So fand er Erfüllung in der Produktion von gruseligen Hörspielen. Eine dieser unheimlichen Erzählungen mit dem Titel THE SUICIDE TAPES brachte er sogar 2014 in Form eines Kurzfilms auf die große Leinwand und wurde auf dem internationalen Filmfestival FANTASIA mit Preisen und Lob überhäuft. Das spornte den Filmemacher an, an einem neuen Langfilm zu arbeiten. Kurzum war die Idee zu CLOSER TO GOD geboren, die er anschließend mit kleinem Budget und viel Herzblut fürs Kino aufbereitete.
 
 
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In Interviews erklärte BILLY SENESE, dass er eigentlich nie vorhatte, in erster Linie einen Film über das Klonen zu drehen. Er war viel mehr daran interessiert, sich mit der Unvermeidlichkeit des Fortschritts zu beschäftigen. Während seiner Recherchen zum Film stieß er auf das Zitat eines Genetikers, das die Rastlosigkeit der Wissenschaft zum Ausdruck brachte. Der Gedanke, dass Experimente – wie das Klonen – durchgeführt werden, ohne dass jemand davon weiß, lies den Regisseur derart erschauern, dass er darüber ein Drehbuch schreiben musste. Leider verlieren die schaurigen Gedanken des Regisseurs im Film an Intensität, denn CLOSER TO GOD hat so seine Probleme, die im Grunde kontroverse Problematik ansprechend verpackt an den Zuschauer zu bringen. So quält sich CLOSER TO GOD damit eine Geschichte zu erzählen, die eigentlich auf einen Bierdeckel passt, jedoch auf Spielfilmlänge gestreckt werden musste, um der Bezeichnung Spielfilm gerecht werden zu können. Was bleibt ist ein zäher und trocken inszenierter Versuch sich mit Vor- und Nachteilen medizinischen Fortschritts zu beschäftigen, mit dem man sich aufgrund sperriger Inszenierung nicht ernsthaft auseinandersetzen möchte. Der zähe Mix aus Drama, Thriller, Science-Fiction und Horror kann zwar mit ungeschliffenem und morbidem Indie-Look überzeugen, dürfte aber wegen seiner spannungsarmen Inszenierung schnell zum Abschalten animieren. Mehr Pepp und Tempo hätte in diesem Falle Wunder bewirken können.
 
 
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CLOSER TO GOD – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
 
Düstere Zukunftsvision, schaurig verpackt: Darf man Menschen künstlich erschaffen? Haben Klone ein Recht auf Leben? Welche Vorteile besitzt das Klonen menschlicher Individuen für die gesamte Menschheit? Regisseur und Drehbuchautor BILLY SENESE greift in CLOSE TO GOD essenzielle Fragen auf und beschäftigt sich in CLOSER TO GOD – FRANKENSTEINS KINDER mit der Unvermeidlichkeit medizinischen Fortschritts. Leider dürfte die brisante Thematik in diesem Falle schnell zu Ermüdungserscheinungen führen, denn CLOSER TO GOD ist ziemlich zäh und spannungsarm inszeniert. Erst im Finale erwacht der Streifen aus seiner Lethargie und kann dank amoklaufenden Probanden eines fehlgeleiteten Experiments noch Pluspunkte sammeln. Zu einem guten Film reicht es dennoch nicht. Dafür wurmt es zu gewaltig im zu lang geratenen Drehbuch, das mit viel Langeweile Lebenszeit raubt.
 
 
 


 
 
 

CLOSER TO GOD – Zensur

 
 
 
Schauwerte halten sich in CLOSER TO GOD – FRANKENSTEINS KINDER leider in Grenzen. Am Ende werden einige Erwachsene von einem aggressiven Kind mit einer Eisenstange verprügelt. Zwei Protagonisten müssen ihr Leben lassen. Doch das ist nicht alles. Auch der Schöpfer der Klone bekommt sein Fett weg und wird am Ende erschossen. Hierzulande hat der Film ohne Probleme die FSK mit einer Freigabe ab 16 passiert.
 
 
 


 
 
 

CLOSER TO GOD – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Tiberius Film

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Closer to God; USA 2014

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | 24 Hz

Laufzeit: ca. 80 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wechselcover

Extras: Trailer

Veröffentlichung: 11.08.2016

 
 
 

Closer to God – Frankensteins Kinder [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

CLOSER TO GOD – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken und Packshot liegen bei TIBERIUS FILM)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Die Wiege des Bösen (1974)
 
Die Wiege des Satans (1974)
 
Die Wiege des Schreckens (1987)
 
Godsend (2004)
 


Filmkritik: „Shark Lake“ (2015)

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SHARK LAKE

Story

 
 
 
Willkommen zum gefühlt tausendsten Horrorfilm über hungrige Killerfische: DOLPH LUNDGREN kämpft in einem Badesee gegen aggressive Riesenhaie und rettet am Ende die Menschheit. Gott habe ihn selig.

 
 
 


 
 
 

SHARK LAKE – Kritik

 
 
 
Manche Menschen sind einfach nicht zum Drehbuchschreiben geboren. Eine Weisheit, die für viele selbsternannte Drehbuchautoren von Horrorfilmen zutrifft. Von denen gibt es mittlerweile Unzählige und die meisten von ihnen wollen nur eins: dem Liebhaber von Horrorfilmen Lebenszeit rauben. Zwei dieser üblen Geschichtenerzähler sind GABE BURNSTEIN und DAVID ANDERSON. Die haben SHARK LAKE zu Papier gebracht und kommen hoffentlich dafür in die Hölle, schließlich verbirgt sich hinter dem faden Hai-Horror einer der wohl schlechtesten Tier-Horrorfilme der letzten Jahre. Zu sehen gibt es nicht viel. So vermiesen nicht nur eine hanebüchene Story und miserable Spezialeffekte aus dem Computer die gute Laune; auch Action-Legende DOLPH LUNDGREN stellt einmal mehr unter Beweis, dass er kein sonderlich begabter Schauspieler ist und statt Dialoge zu büffeln, lieber Fäuste im Film sprechen lässt.
 
 
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SHARK LAKE ist Horrorkino zum Abgewöhnen. Während die Schrottpresse THE ASYLUM regelmäßig bewusst schlechte Filme mit sogar fliegenden Haifischen (SHARKNADO) produzieren lässt, sind abgefahrene Ideen in dem von JERRY DUGAN inszenierte Tier-Schnarcher Mangelware. Der Regisseur stand bisher nur für einige Kurzfilme hinter der Kamera und feiert mit besagtem Hai-Thriller seinen Regieeinstand. Statt jedoch mit dem Debüt für Lacher zu sorgen, um so Defizite verschleiern zu können, nimmt sich sein Erstling bierernst. In Anbetracht der unsagbar schlechten Umsetzung keine gute Idee, denn SHARK LAKE gleicht einer filmischen Katastrophe. DER WEIßE HAI stand wie so oft Pate. Ein Klassiker, der vor 40 Jahren gezeigt hat, wie furchteinflößender Fisch-Horror aussehen muss. Leider schien wohl keiner der am Film Beteiligten Lust gehabt zu haben, den von Spielberg gedrehten Kult-Schocker etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. So verläuft zwar SHARK LAKE nach ähnlichem Muster; die für diese Art von Filmen berüchtigten Adrenalin-Momente bleiben jedoch aus. Stattdessen quält sich der Streifen damit, eine mehr als ausgelutschte Geschichte zu beleuchten, die im Grunde das erzählt, was zuvor schon hundert ähnliche gestrickte Horrorfilme berichtet haben. Überraschungsmomente? Fehlanzeige!
 
 
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Im Mittelpunkt steht die junge Polizistin Meredith Hernandez (SARA MALAKUL LANE), die seltsamen Vorkommnissen auf den Grund gehen muss. In einer friedlichen Kleinstadt gehen seltsame Dinge vor sich. Eine Leiche mit abgerissenem Arm wird am Ufer eines Sees gefunden und Bären für die Attacke verantwortlich gemacht. Doch die wahren Übeltäter sind nicht an Land zu finden. In einem nahe liegenden See haben es sich zwei Haie gemütlich gemacht, denen die kleinen Heringshappen im Wasser nicht mehr ausreichen. Der Mensch steht nun auf dem Speiseplan und Badegäste werden von den gierigen Raubtieren in Stücke gerissen. Natürlich sind Presse, Polizei und DOLPH LUNDGREN vor Ort. Letztgenannter macht mit den Fischen kurzen Prozess, schließlich verirrt sich auch bald dessen Tochter versehentlich ins Gewässer und sieht sich mit den hungrigen Kreaturen konfrontiert. Da muss Papa natürlich einschreiten.
 
 
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Kennste einen, kennste alle. Es scheint oftmals schleierhaft, als welchen Gründen Horrorfilme gedreht werden, wenn man doch nichts Neues zu erzählen hat. Weitaus unverständlicher ist jedoch die Tatsache, warum Horrorabfall wie SHARK LAKE knapp zwei Millionen Dollar kosten konnte. Dem Film sieht man das üppige Kapital zu keiner Minute an. Das beschämt vor allem viele unabhängige Horrormacher, die den Dollar beim Drehen von Genre-Streifen zweimal umdrehen müssen und dennoch weitaus bessere Horrorfilme auf Zelluloid bannen. Demzufolge sollte man vorsichtig sein. Auch wenn mit DOLPH LUNDGREN auf dem Cover geworben wird (viel Screentime hat er im Film übrigens nicht) handelt es sich bei diesem Hai-Thriller um austauschbaren und vor allem ereignislosen Media-Markt-Wühltisch-Müll, dem man besser keine Beachtung schenken sollte.
 
 
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SHARK LAKE – Fazit

 
 
 
3 Punkte Final
 
 
 
DOLPH LUNDGREN tritt in die Fußstapfen von ROY SCHEIDER und – oh Wunder – scheitert. Der einstige Actionstar hält sich seit den großen Erfolgen in den 80er und 90ern mit hauptsächlich günstige produzierten Horror- und Actiontiteln über Wasser und lies es sich natürlich nicht nehmen in SHARK LAKE mit Haifischen zu ringen. Leider handelt es sich bei diesem Tier-Horror um überflüssigen Videoschund, der mit – für heutige Verhältnisse – fast schon beschämenden Effekten schnellen Herzschlag bescheren will. Die wurden mehr als bescheiden am Computer erstellt und lassen die animierten Kreaturen aus den meisten SYFY und ASYLUM-Werken dagegen Oscar-verdächtig erscheinen. Für knapp zwei Millionen Dollar wurden 90 Minuten Langeweile auf Zelluloid gebannt, die dem Zuschauer Lebenszeit rauben. Die Effekte sind schlecht, die Geschichte mies und schauspielerisch wird auf Sparflamme geköchelt. Wer den Nervenkitzel sucht ist hier falsch, denn in SHARK LAKE passiert nicht viel. So werden ein paar Menschen unter Wasser gezogen – dazwischen herrscht das ermüdende Grauen. Das ist beschämend – vor allem deswegen, weil vor 40 Jahren einer der besten Hai-Horrorfilme gedreht wurde und es Regisseur JERRY DUGAN nicht einmal ansatzweise geschafft hat, wenigstens eine Szene aus DER WEIßE HAI ansprechend zu kopieren. Wir meinen: Ein Armutszeugnis!
 
 
 


 
 
 

SHARK LAKE – Zensur

 
 
 
Zu sehen gibt es einen abgerissenen Arm, etwas Pixelblut aus dem Rechner und viel rot gefärbtes Wasser. Fans üppiger Gewaltorgien kommen zu kurz, denn in SHARK LAKE wird mit blutigen Gemeinheiten gegeizt. Hierzulande erscheint der Film ungeschnitten mit FSK16 im Handel. Die Freigabe ist angemessen.
 
 
 


 
 
 

SHARK LAKE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Tiberius Film GmbH

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Shark Lake; USA 2015

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.78:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 92 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Originaltrailer, Trailershow

Release-Termin: 06.04.2017

 

Shark Lake [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 


 
 
 

SHARK LAKE – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Tiberius Film GmbH)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Bait (2012)
 
Shark Night 3D (2011)
 


Kritik: „Der Fluch der Hexe – Queen of Spades“ (2015)

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DER FLUCH DER HEXE – QUEEN OF SPADES

(PIKOVAYA DAMA: CHERNIY OBRYAD)

Story

 
 
 
Einige Kids rufen den Geist einer bösen Kreatur beim Namen. Sie befreien das Böse versehentlich aus ihrem Gefängnis ohne dabei zu ahnen, dass sie damit die Büchse der Pandora geöffnet haben.

 
 
 


 
 
 

DER FLUCH DER HEXE: QUEEN OF SPADES – Kritik

 
 
 
Russland gehört nicht gerade zu jenen Ländern der Welt, die sich im Drehen von Horrorfilmen mit Ruhm bekleckern. Man muss schon gründlicher im Internet forschen, um Gruselware finden zu können, die im größten Land der Erde entstanden ist. Die Liste russischer Horrorproduktionen liest sich übersichtlich und nicht sonderlich interessant, was vor allem daran liegt, dass sich das gesamte Genre in Russland bisher überhaupt nicht entwickeln konnte. Statt die Produktionen von Horrorfilmen zu unterstützen, fördert das russische Kulturministerium bevorzugt die Entstehung von Komödien oder Melodramen, weil man lieber Filme finanzieren möchte, mit denen Menschen Positives assoziieren. Für den Russen VICTOR BOULANKIN unverständlich. Der ist der Direktor des alljährlichen Horrorfilmfestivals KAPLYA und beobachtet die Entwicklung des Genres im eigenen Land aufmerksam. Schenkt man seinen Aussagen glauben, soll sich die Anzahl inländischer Horrorproduktionen seit Bestehen des Horrorfestes verdoppelt haben. So scheint man auch in Russland allmählich den Horrortrend erkannt zu haben, sind doch Kinos gut gefüllt, wenn internationale Horrorfilme über Leinwände flimmern. Leider ist es immer noch so, dass Horrorprojekte allein aus dem Boden gestampft werden müssen, denn die Regierung hält sich mit der Finanzierung dieser Filme zurück. Ganz zum Leidwesen ambitionierter Filmemacher, die zwar Horrorfilme drehen wollen, aber kläglich am Budget scheitern.
 
 
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Zu einem jener Filmschaffenden, die es dann doch irgendwie geschafft haben, gehört Regisseur SVYATOSLAV PODGAYEVSKIY. Der hat konventionellen Gruselstoff auf Zelluloid gebannt, der sich auch international gut vermarkten lassen dürfte. PIKOVAYA DAMA – CHYORNYY OBRAYAD nennt sich dessen Schauermärchen, das für den Weltmarkt besser verständlich in QUEEN OF SPADES – THE DARK RIDE umgetauft wurde und von unheimlichen Ritualen und bösen Geistern erzählt. Anna und ihre Freunde spielen hier mit den Mächten der Finsternis und rufen im Spaß eine Kreatur herbei, die es nicht gut mit der Menschheit meint. Die Kinder kritzeln Türensymbole auf einen Spiegel und rufen das Böse beim Namen (BLOODY MARY lässt grüßen). Das lässt sich nicht lange bitten und krabbelt durch den Spiegel hinein in die Welt der Menschen. Was folgt ist unheimlich, denn Macher SVYATOSLAV PODGAYEVSKIY lässt Lichter flackern und Kinder sterben. Die Kreatur hat es auf die kleine Anna abgesehen und versucht in ihren Körper zu schlüpfen. So muss das Böse durch einen Exorzismus aus dem Leib des Kindes getrieben werden. Doch ob es dem Vater gelingen wird, die Tochter aus den Fängen der Bösen befreien zu können?
 
 
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DER FLUCH DER HEXE – QUEEN OF SPADES (so wie der Film jetzt in Deutschland genannt wird) beruht auf der urbanen Legende der Pik-Dame. So soll sich Ende des 19. Jahrhundert in Russland Schreckliches zugetragen haben. Eine habgierige Dame eröffnete im russischen Hinterland ein Waisenhaus und erhielt für ihre scheinbar selbstlose Arbeit finanzielle Unterstützung. Doch ihr lag nicht das Wohl der Kinder am Herzen. Statt sich um die kleinen Bewohner zu kümmern, wurden die Kinder hinterhältig im Badezimmer ertränkt, damit das Geld nicht für die die Beköstigung der Waisen ausgegeben werden musste. Als die Dorfbewohner von den Machenschaften erfuhren, wurde die Übeltäterin für ihre Taten bestraft. Sie rissen der Frau die Zunge aus dem Mund und rasierten ihr eine Glatze. Danach wurde sie zusammengeschlagen und lebendig unter der Erde verscharrt. Seither sollen schaurige Dinge passieren, wenn man die Alte dreimal beim Namen ruft.
 
 
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Russland scheint bereit zu sein, den internationalen Horrormarkt zu erobern. Mit souveräner Machart, subtiler Gänsehautatmosphäre und lauten Schockmomenten orientiert sich DER FLUCH DER HEXE – QUEEN OF SPADES an den Konventionen des westlichen Gruselkinos und kopiert fleißig jene Horrorrezeptur mit der Hollywood am Fließband Geld verdient. Umso bemerkenswerter, dass Regisseur SVYATOSLAV PODGAYEVSKIY mit knapp einer Million Dollar einen Film nach amerikanischem Vorbild auf die Beine gestellt hat, der nach deutlich mehr ausschaut, als er gekostet hat. Doch dazu nicht genug. Geschickt wird die Herkunft verschleiert, denn im Rausch digitaler Spukeffekte und glattgebügelter Hochglanzoptik fällt zu keinem Zeitpunkt ins Gewicht, dass es sich bei DER FLUCH DER HEXE eigentlich um einen russischen Geisterfilm handelt. Trotz Lobgesang und technisch tadelloser Umsetzung sollte man sich jedoch nicht von der ansprechenden Optik blenden lassen. DER FLUCH DER HEXE ist konventionell gestrickter Horrorstoff, der etwas zu verkrampft nach den großen Gruselerfolgen aus Amerika schielt und dabei kaum eigenständige oder gar neue Ideen entwickelt, um dem Zuschauer das Fürchten lehren können. Dem Mix aus Besessenheits- und Geisterstreifen mangelt es an Originalität und Mut etwas Neues auszuprobieren. So werden die Etappen gängiger Mainstream-Spukfilme abgeklappert und das Böse am Ende mit viel Krawall in die Flucht geschlagen. Freunde erfolgreicher Kassenschlager wie RING, DER FLUCH VON DARKNESS FALLS oder THE CONJURING dürfe das aber kaum Sorge bereiten. Auch wenn DER FLUCH DER HEXE – QUEEN OF SPADES nach bekanntem Gruselschema für Hollywood-Horror abgearbeitet wird, dürften die meisten Zuschauer mit diesem tempo- und (er)schreckreichen Hochglanzspuk trotzdem eine herrlich schaurige Zeit haben. FILMCHECKER meint: Remake, wir hörn dich tapsen.
 
 
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DER FLUCH DER HEXE: QUEEN OF SPADES – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Achtung, Achtung – Bitte machen Sie Platz! Russland mischt jetzt mit auf dem internationalen Horrorfilmmarkt. DER FLUCH DER HEXE – QUEEN OF SPADES ist ein technisch tadellos inszenierter Gruselstreifen nach amerikanischem Vorbild, mit schauriger Optik und gelungenen Geistereffekten. Leider erinnert der Film etwas zu sehr an die vielen Horrorproduktionen, die regelmäßig in der Traumfabrik gedreht und nach konventioneller Rezeptur zusammengeschnippelt werden. Das stößt leider bei all jenen übel auf, die in Sachen Horror schon einmal über den Tellerrand geschaut haben. Die werden den Fortlauf der Geschichte bereits vorhersagen können, ohne den Film zu Ende gesehen zu haben. Nichtsdestotrotz sollte man mit Regisseur SVYATOSLAV PODGAYEVSKIY nicht zu hart ins Gericht gehen. Der hat mit DER FLUCH DER HEXE zwar einen stark westliche orientierten Gruselstreifen inszeniert, rüttelt aber das Genre in einem Land aus dem Tiefschlaf, das sich bisher mit der Produktion von Horrorfilmen schwer getan hat. Demnach heißen wir Russland herzlich willkommen, schließlich beweisen die Russen mit DER FLUCH DER HEXE – QUEEN OF SPADES, dass sie weitaus mehr können, als Wodka brauen und Matroschkas bemalen.
 
 
 


 
 
 

DER FLUCH DER HEXE: QUEEN OF SPADES – Zensur

 
 
 
Viel blutiges Zeug gibt es nicht im Film zu sehen, denn DER FLUCH DER HEXE – QUEEN OF SPADES setzt eher auf subtiles Grauen. Bia auf ein paar Spuk- und Make-up-Effekte (am Ende in Szenen der Besessenheit) gibt es gewalttechnisch kaum Schauwerte zu bestaunen. Die erhaltene FSK16 ist demnach gerechtfertigt.
 
 
 


 
 
 

DER FLUCH DER HEXE: QUEEN OF SPADES – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Tiberius Film (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Pikovaya dama. Chyornyy obryad; Russland 2015

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2,35:1 (1080p/24 HD)

Laufzeit: ca. 93 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: 09.02.2017 (BD KeepCase)

 

 
 
 


 
 
 

DER FLUCH DER HEXE: QUEEN OF SPADES – Trailer

 
 

 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken und Packshot liegen bei Tiberius Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Der Fluch von Darkness Falls (2003)
 
Bloody Mary (2006)
 
The Legend Of Bloody Mary (2008)
 
Candyman’s Fluch (1992)