Filmkritik: „Deranged – Geständnis eines Necrophilen“ (1974)

deranged-1974-poster
 
 
 

DERANGED – GESTÄNDNIS EINES NECROPHILEN

(DERANGED | BESESSEN | DERANGED: CONFESSIONS OF A NECROPHILE)

Story

 
 
 

Ezra Cobb lebt mit seiner Mutter in einem grässlichen Haus in den amerikanischen Hinterwäldern. Als die Frau Mama dies‘ irdische Jammertal verlässt, fackelt Ezra, übrigens ein auch nicht mehr ganz so junger Bursche, nicht lange und buddelt sie wieder aus. Das Leben könnte harmonisch weitergehen, hätte die Biologie nicht den Prozess der Verwesung in petto. Muttern bleibt nicht lang an einem Stück und Ol‘ Ezra steht unter Zugzwang, bevor seine Mutter, doch sowas wie die einzige Freundin in der Not, nur noch schleimiger Pilzmatsch ist. Also geht’s schwuppdiwupp zurück zum Gottesacker, wo der Unhold wieder und wieder Gräber knackt und Leichen zum Ausweiden klaut. Bald ist das Cobb’sche Domizil mit anliegender Scheune ein wahres Museum der amerikanischen Handwerks- und Einmach-Kunst.

 
 
 


 
 
 

DERANGED – Kritik

 
 
 
Horror-Geeks wissen Bescheid: Ezra Cobb ist eine nur hauchdünn verdeckte Darstellung des berüchtigten Leichenräubers Ed Gein (1906-1984). Dessen bizarrer Kriminalfall ist in weiten Teilen deckungsgleich mit den Abenteuern unserer Hauptfigur hier. Muss auch wirklich ein gehirnzerbröselnder Augenblick gewesen sein. Die örtlichen Bullen, alles im ländlichen Wisconsin wohlgemerkt, kommen bei ihren Ermittlungen zu rätselhaften Grabraubtaten aufs Farmgelände der Geins und finden einen semiprofessionell zum Schlachthof umfunktionierten Schuppen, Speisekammern voller eingekochter menschlicher Organe und einen prallgefüllten Kannibalen-Kühlschrank. Möbelüberzüge, charmante Gebrauchsgegenstände des Alltags und Lampenschirme aus Knochen und Hautfetzen grinsen die dem Überschnappen nahen Staatsdiener an. Psycho-Killer Ed wehrt sich nicht, gibt bereitwillig Auskunft und wandert schließlich ein. Auch im Zuchthaus macht das Männlein durch ausgemachte Höflichkeit von sich Reden.
 
 
deranged-1974-bild-1
 
 
Eigentlich ein armer Hund. Von einer kaputt-religiösen Mutter und einem gewalttätigen Vater von Kindesbeinen an in Richtung Irrsinn gelotst, ist Gein ein Musterbeispiel für einen Milieuschaden. Klaro, nicht jeder von den Alten Getriezte wird zum Hersteller von Unterkiefer-Aschenbechern, bei Ed hat’s aber dazu geführt. Sein Fall, wohl der erste medial ausgeschlachtete (Ha!) Serienkiller/Vollpsychopathen-Fang der Moderne, beeinflusst bis heute Literaten, Künstler und Filmemacher. Ohne den „Plainfield Ghoul“ kein „Psycho“, kein „Blutgericht in Texas“, bis hin zu den postmodernen Kolportage-Horror-Reißern Rob Zombies. Die Filmemacher Allen Ormsby und Jeff Gillen („Children Shouldn’t Play With Dead Things“) wählen für „Deranged“ die Form eines dokumentarisch anmutenden Filmporträts der Ereignisse zwischen Taten und Ermittlungen. Ein Kunstgriff aus der Orson-Welles-Trcikkiste, der den Zuschauern das Gefühl vermitteln soll, direkt Zeugen der auf der Farm geschehenen Unglaublichkeiten zu sein. Die Besetzung der Hauptfigur mit dem geachteten Charakterdarstelller Roberts Blossom (bekannt als der sich selbst verstümmelnde Handwerker in Clint Eastwoods/Don Siegels „Flucht von Alcatraz“) tut der Realitätsbezogenheit keinen Abbruch.
 
 
deranged-1974-bild-2
 
 


 
 
 

DERANGED – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Ezra Cobb mag zwar seine Leichen geschändet haben, diese Neuauflage von „Deranged“ tut der deutschen Sprache solcherlei Grausamkeiten allerdings nicht mehr an. Aus den „Geständnissen eines Necrophilen“ des früheren Artworks hat man das blöde Werbe-C wie Citronen, Cigaretten und Chocolade entfernt wie die Crankheit, die das war! Ja, wir achten auf solche Ästhtetik-Beleidigungen. Aber auch innerlich weiß das Package zu überzeugen. „Kuratiert“ von Jörg Buttgereit, versammelt man neben der Unrated-Fassung des Films selbst, ein ganzes virtuelles Regal von Dokumentationen und Featurettes über „Deranged“ und den Fall Ed Gein. Dürfte, was diesen Film angeht, nicht mehr zu toppen sein.
 
 
 


 
 
 

DERANGED – Zensur

 
 
 
Zum 45. Jahrestag hat der Rechteinhaber WICKED VISION „Deranged – Geständnis eines Necrophilen“ zum ersten mal in HD veröffentlicht. Die im Mediabook enthaltene Filmfassung beinhaltet die Unrated-Fassung des Klassikers, welche hierzulande bereits im Jahr 2004 auf DVD veröffentlicht wurde. Zuvor gab es den Streifen nie ungeschnitten zu sehen. Damit der Film in Amerika ins Kino kommen konnte, musste er bereits vor seiner Erstveröffentlichung Federn lassen. Diverse Szenen mussten aus dem Film entfernt werden, damit „Deranged“ ein R-Rating von der Motion Picture Association of America (MPAA) erhalten konnte. Seine Deutschland-Premiere hatte der Low-Budget-Horror im Free-TV. Das war 1994 – wenn auch leider nur in einer stark gekürzten Fassung. Das änderte sich erst 2004. Dann nämlich ließ der Anbieter LEGEND FILMS die Unrated-Fassung neu prüfen und erhielt für selbige eine Freigabe ab 16 Jahren. Diese ist nun auch im Mediabook enthalten. Wer seltene Horrorklassiker mag, sollte unbedingt zuschlagen.
 
 
 


 
 
 

DERANGED – Deutsche Blu-ray

 
 
 
deranged-1974-mediabook-cover-a

(c) WICKED VISION MEDIA (Mediabook – Cover A – auf 444 Stück limitiert)

deranged-1974-mediabook-cover-b

(c) WICKED VISION MEDIA (Mediabook – Cover B – auf 222 Stück limitiert)

deranged-1974-mediabook-cover-c

(c) WICKED VISION MEDIA (Mediabook – Cover C – auf 222 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Deranged; Kanada | USA 1974

Genre: Horror, Thriller, Klassiker

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 2.0

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1,85:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 84 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook

Extras: 24-seitiges Booklet mit einem Essay von Christoph N. Kellerbach, Audiokommentar mit Tom Savini und Calum Waddell, Audiokommentar mit Jörg Buttgereit und Dr. Gerd Naumann, Einleitung von Jörg Buttgereit, Interview mit Produzent Tom Karr, Deranged Chronicles: The Making of „Deranged“, The Ed Gein Story: Producer Tom Karr on Location, „A Blossoming Brilliance“: Scott Spiegel über „Deranged“, Ed Gein – American Maniac: True-Crime-Dokumentation, Das Sequel, das keines war: Hinter den Kulissen von „Creep“, „Kannibale und Liebe“ – Mitschnitt des Theaterstücks von Jörg Buttgereit, Kurzfilm: „Ein Moment der Stille am Grab von Ed Gein“, Original Kinotrailer, Alternativer Trailer, Teaser-Trailer, „Trailers from Hell“ mit Adam Rifkin, Trailer zu: „Kannibale und Liebe“, Bildergalerie

Release-Termin: 27.05.2019

 
 
deranged-1974-mediabook-zusammenfassung
 
 

Deranged [Mediabook – Cover A] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Deranged [Mediabook – Cover B] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Deranged [Mediabook – Cover C] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

DERANGED – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei WICKED VISION MEDIA)

 
 
Ähnche Filme:
 
Blutgericht in Texas (1974)
 
Maniac (1980)
 
Don’t Look In The Basement (1973)

Filmkritik: „Lords of Chaos“ (2018)

lords-of-chaos-2018-poster
 
 
 

LORDS OF CHAOS

Story

 
 
 

„Lords Of Chaos“ beschreibt ein Zeitfenster der achtziger Jahre, in dem in Skandinavien die Keimzelle des über-extremen „Black Metal“ entsteht. Im Zentrum der Geschichte stehen die blonden, bald schwarzgefärbten und weiß getünchten Bübchen der Band „Mayhem“. Die suhlen sich in betont satanischer (hier begriffen als menschenfeindlicher) Haltung, ritzen und quälen sich selbst, bluten aufs Publikum und werfen auch mal Teile von Tierkadavern in die Menge. Ein perverser Band-Wettkampf, wer wohl am besten singe, nein, wer wohl am finstersten brüte, bricht los und endet in einer Spirale aus Brandstiftung, Gewalt und Tod.

 
 
 


 
 
 

LORDS OF CHAOS – Kritik

 
 
 
Aus dem unbeachteten Augenwinkel und eher der Rubrik „völlig unerwartet“ zuzuordnen steht da ein Monolith des Irrsinns im Raume, der „Lords Of Chaos“ heißt. Nicht nur unerwartet. Eigentlich noch extremer: Man würde sich diese Stories selbst nicht glauben. Selbst dann nicht, wenn man an geheimnisvollen Pilzen genuckelt hätte und sie sich auf einer Party selber erzählen würde. Das gilt für die Geschichte im Film genauso wie für dessen Entstehung und Hintergrund.
 
 
lords-of-chaos-2018-bild-1
 
 
Norwegen, Schweden, Finnland: Gelangweilte Mittelklasse-Rotzlöffel versuchen, sich in den Rubriken Menschenhass, Satans-Faschismus und allgemeiner spätpubertärer Kernigkeit zu überbieten. So weit, so normal. Hierfür gründen sie Bands und spielen eine nur noch aufs Extreme angelegte und mit derben Punk-Genres wie Grindcore verwandte Krachmucke und nennen sie Black Metal. Da der musikalischen Theorie auch praktische Taten folgen sollen, führt der Irrsinn zügig zu Mord, Totschlag und brennenden Kirchen. War aber nicht alles schlecht: Die Neurose, potentielle Plattenladen-Kunden erst einen fachlich anspruchsvollen Fragebogen ausfüllen zu lassen, bevor Eintritt gewährt wird, sollte wenigstens Schule machen. Bewundernswerte Konsequenz drückt sich eben nicht nur in Mord und Suizid aus.
 
 
lords-of-chaos-2018-bild-2
 
 
Michael Moynihan gelingt 1998 mit dem akribisch recherchierten und wahnsinnig unterhaltsamen Musik-Sachbuch gleichen Namens ein Erfolg, der sich – untypisch – eben nicht nur auf die Reihen der Metal- oder gar Black-Metal-Heads beschränkt. Nein, man konnte „Lords Of Chaos“ seinerzeit lesen, ohne sich für diese elendig unterproduzierten Lärmwände aus Röchelgesang, nach Küchengeräten klingenden Gitarren und albernen Stakkato-Drums zu erwärmen, die da eben Black Metal genannt werden. Obendrein wahrt der Amerikaner aus Boston eine politische Neutralität beim Berichten über die nach und nach immer faschistoider werdende Szene; und das obwohl er seine eigene, langjährige Musikkarriere mit Überzeugung im deutlich angebräunten Genre des sogenannten „Neofolk“ zelebriert. Für die Verfilmung des Sachbuch-Stoffs als Spielfilm ließ sich nach einigem Hin und her der Schwede Jonas Akerlund gewinnen. Der ist nicht nur vielfach ausgezeichneter Regisseur von Werbespots und Dutzenden weltberühmter Musikvideos, sondern auch noch in jungen Jahren als Schlagzeuger der Ur-Black-Metal-Schrubbkapelle „Bathory“ in Erscheinung getreten. So war’s natürlich ein echter Coup, den auch heute noch als bleichen Finsterling auftretenden skandinavischen Selbstvermarkter auf den Regiestuhl der „Lords Of Chaos“ packen zu können.
 
 
lords-of-chaos-2018-bild-3
 
 
Akerlund gelingt, ein eng miteinander verschweißtes Ensemble junger Schauspieler, unter anderen Abkömmlingen der infernalischen Showbusiness-Clans Culkin und Ochsenknecht, durch einen Alptraum von Tristesse und roher Gewalt zu dirigieren. „Lords Of Chaos“ ist gleichzeitig fesselnd und abstoßend, die Figuren, genau wie die realen Vorbilder eben, sind Arschlöcher sondersgleichen und die Ausbrüche in filmische Grausamkeit matschigster Splatter. Es bleibt einem glatt die Spucke weg und man möchte nie in einer Gegend verweilen, deren Grau-in-Grau die Gehirne der Beteiligten dermaßen in Haferflocken verwandeln konnte.
 
 
lords-of-chaos-2018-bild-4
 
 
Schwedischer Hipsterismus ist eine faszinierende Sache. Von dort kommen gerne mal Co-Autoren entsetzlicher Pop-Hits, angesagte Musiker mit beinahe „Blob“-artiger Anpassungsfähigkeit oder auch gesellschaftliche Trends, die sich nur Menschen mit viel Zeit, wenig Beschäftigung und staatlich gesicherten Einkommen ausdenken können. In diesem Geist wird uns das gleiche dünnbesiedelte Land demnächst mit der angeblich gleichzeitig emotionsunfähigen, weil aspergerkranken und trotzdem ständig ängstlich-aufgeladenen Greta Thunberg eine hanebüchene Friedensnobelpreis-Wahl bescheren. So bei it.
 
 
lords-of-chaos-2018-bild-5
 
 
Black Metal verkauft sich, Internet und Metal-Hype sei Dank, heute besser denn je und hat es inzwischen zu grotesken (wenn auch – siehe, im Knast zum Vollnazi mutiert, Varg Vikernes – nur folgerichtigen) Unterkategorien wie „NSBM“, das heißt tatsächlich „National Socialist Black Metal“, gebracht. Nazi-Satans-Metal ist genauso scheiße wie Du, geneigter Leser, Dir das hoffentlich gerade vorstellst.
 
 


 
 
 

LORDS OF CHAOS – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Wahre Geschichte, Motherfuckers! Das ist tatsächlich das Grellste an „Lords Of Chaos“. Die Moral von der Geschicht‘ scheint anzudeuten, dass Langeweile in nordeuropäischen Gefilden zu furchtbaren Szenarien führen kann. Oder doch eine Warnung vor der destruktiven Kraft schlechter Musik? Man weiß es nicht. Jedenfalls ist Alt-Hipster Jonas Akerlunds Biopic-Gore-Reißer ein Meisterstück der Verfilmung wahrer Ereignisse als Unterhaltungsfilm. Herausragend.
 
 
 


 
 
 

LORDS OF CHAOS – Zensur

 
 
 
„Lords of Chaos“ ist nicht nur verstörend – der Film ist auch sehr brutal. Da werden in diversen Szenen Morde derart lang zelebriert, dass dem Zuschauer Hören und Sehen vergeht. Umso überraschender, dass die FSK diesen Film ungeschnitten freigeben hat. Bis vor einigen Jahren wäre ein Film wie „Lords of Chaos“ wegen seiner zeigefreudigen Brutalität auf dem Index gelandet. Sammler und „Mayhem“-Fans können daher bedenkenlos zugreifen. Der Film ist mit seiner Erwachsenenfreigabe vollkommen komplett.
 
 
 


 
 
 

LORDS OF CHAOS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
lords-of-chaos-2018-bluray

(c) Studio Hamburg (KeepCase)

lords-of-chaos-2018-mediabook

(c) Studio Hamburg (Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Lords of Chaos; Großbritannien | Schweden 2018

Genre: Drama, Thriller, Mystery

Ton: Deutsch DD 5.1, Englisch DD 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 117 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer

Release-Termin: 05.04.2019

 

Lords of Chaos [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Lords of Chaos [Blu-ray im Mediabook] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

LORDS OF CHAOS – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Abbildungen stammen von Studio Hamburg)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Metalhead (2013)
 
This Is Spinal Tap (1984)
 
Almost Famous – Fast berühmt (2000)
 
Deathgasm (2015)
 
Until the Light Takes Us (2008)
 

Filmkritik: „Dark Waters“ (1993)

dark-waters-1993-poster
 
 
 

DARK WATERS

(DEAD WATERS | TEMNYE VODY)

Story

 
 
 

Die junge Britin Elisabeth reist auf der Suche nach ihrer Familiengeschichte gen Osteuropa. In einem ukrainischen Kloster hat sie ihre Mutter unter mysteriösen Umständen zur Welt gebracht. Kaum angekommen in diesem immer von schweren Stürmen geplagten Alptraumgemäuer, merkt Elisabeth, dass die Betschwestern nicht nur alle schwer einen an der Murmel haben, sondern auch einer Religion anhängen, die nicht wirklich christlich ist. Etwas altes und im Kloster omnipräsentes wird verehrt und vorm Ausbruch in die Welt der Menschen abgehalten.

 
 
 


 
 
 

DARK WATERS – Kritik

 
 
 
Ein Nonnenfilm ohne Nunsploitation zu sein, ein Italo-Horrorfilm ohne die groben Gore-Eskapaden des späteren Lucio Fulci und dem Genre treu ohne zu kopieren. Es ist wie ein Fluch: Mariano Bainos „Dark Waters“ ist schlicht ein Meisterwerk. Volle Punktzahl in allen Belangen. Böse gesagt ist dem neapolitanischen Regisseur mit seinem Spielfilmdebüt bereits das Magnum Opus gelungen, an dem sich seine weitere Filmographie messen lassen muss; ein zwickmühlenartiges Vergleichen, dem alles, was Baino in den letzten 25 Jahren an Filmen abgeliefert hat, gar nicht standhalten kann. Vielleicht weiß er das aber auch. Nachdem er über eine Spezialversion der amerikanischen Green Card an eine Arbeitserlaubnis gekommen ist, betätigt sich der Italiener nämlich von New York City aus mit einigem Erfolg als Multimedia-Künstler. Das Erschaffen von Spielfilmen ist längst nicht mehr sein primärer Fokus. Ganze drei sind es seit „Dark Waters“, der in seiner Wahlheimat unter dem Titel „Dead Waters“ firmiert, geworden.
 
 
dark-waters-1993-bild-3
 
 
„Dark Waters“ basiert auf einer Kurzgeschichte des Autors Andy Bark. Eine fadenscheinige Information, die nur zum Lückenfüllen in Kritiken dient, ist doch der eigentliche Motor der Story niemand Geringeres als der große H.P. Lovecraft. Selten ist einem Film das Projizieren der literarischen Alleinstellungsmerkmale des womöglich bedeutendsten Horror-Schriftstellers per se so vorzüglich gelungen wie diesem hier. Die Abgelegenheit des Handlungsortes, der Bezug auf das Meer als doch noch weitgehend unerforschte Heimstatt kosmisch-riesenhafter Monstrositäten, die Rolle der Menschen als nichtige, eigentlich nur der eigenen Beruhigung dienende „Wachmannschaft“ und die Verbindung des Protagonisten mit den erlebten Ereignissen. All das könnte direkt aus „Der Schatten über Innsmouth“ oder einer anderen maritimen Schreckensetüde Lovecrafts stammen. „Dark Waters“, dem ersten nach Zusammenbruch der Sowjetunion in der Ukraine gedrehten Film, gelingt hervorragend die karge, in einer undefinierten Vergangenheit steckengebliebene Parallelwelt dieses osteuropäischen Staats für seine Atmosphäre zu benutzen.
 
 
dark-waters-1993-bild-2
 
 
Wo er H.P. Lovecraft für den narrativen Unterbau des Films übernimmt, bedient sich Baino für die Optik bei einigen der besten und beliebtesten Bild-Komponisten der italienischen Kinogeschichte. So erinnert manche Einstellung und Farbwahl an den unerreichten Mario Bava, die eine oder andere verwegene Kamerafahrt an Dario Argento. Bei Erscheinen von „Dark Waters“ zuerst auf den einschlägigen Genrefilm-Festivals, lag es für manch einen Chronisten des Horrorkinos dann auch auf der Hand, Mariano Baino als logische Fortführung des Italo-Horror-Stammbaums zu erachten. Die Frage, was der Mann in einer kinofreundlicheren Epoche noch auf die Reihe bekommen hätte, muss leider im Reich der Hypothesen verpuffen.
 
 
dark-waters-1993-bild-1
 
 


 
 
 

DARK WATERS – Fazit

 
 
 
9 Punkte Final
 
 
 
Als die italienische Kinoindustrie völlig im Einer war und man Geld nur noch über das korrupte Fernsehsystem Silvio Berlusconis verdienen konnte, schafft ein unbekannter Filmemacher aus dem Südzipfel des Landes das Unvorstellbare: „Dark Waters“ ist der letzte große Italo-Horrorfilm und ein Glanzstück des Genres an sich. Nebenbei stellt der Film noch eine der akkuratesten Leinwandabbildungen der Ideen H.P. Lovecrafts dar, was auch schon wieder Bonuspunkte sammelt
 
 
 


 
 
 

DARK WATERS – Zensur

 
 
 
„Dark Waters“ wurde bislang nicht in Deutschland veröffentlicht. Die nun erhältliche, deutsch synchronisierte Veröffentlichung ist somit die Erstveröffentlichung des Titels in Deutschland. Der Streifen wurde nicht von der FSK geprüft und ist somit ungeprüft. Die deutsche Fassung ist ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

DARK WATERS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
dark-waters-mediabook-a

(c) WICKED VISION MEDIA (Mediabook – Cover A – auf 333 Stück limitiert)

dark-waters-mediabook-b

(c) WICKED VISION MEDIA (Mediabook – Cover B – auf 444 Stück limitiert)

dark-waters-mediabook-c

(c) WICKED VISION MEDIA (Mediabook – Cover C – auf 333 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Dark Waters; Großbritannien | Italien | Russland 1993

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 2.0

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 92 Min.

FSK: ungeprüft

Verpackung: Mediabook

Extras: 48-seitiges Booklet mit einem Text und Kurzgeschichte von David Renske sowie einem Text von Michele De Angelis [in Deutsch/Englisch], Audiokommentar mit Regisseur Mariano Baino & Michele De Angelis, Vorwort von Mariano Baino, „Beneath Dark Waters“: Video-Essay von Pelle Felsch, Featurette: „Lovecraft Made Me Do It“, Featurette: „Let There Be Water“, Featurette: „Controlling the Uncontrollable“, Featurette: „Aqua Destruit Ecclesiam“ Featurette: „Alles Lovecrafts Schuld“, Featurette: „The Darkest Water (2019)“, Dokumentation: „Deep into the Dark Waters“, Kurzfilme mit Regie-Kommentar: „Dream Car“ – „Caruncula“ – „Never Ever After“, Making-of: „Never Ever After“, Musik-Video: „Face and the Body“, Promo-Clips 1-4 (2019), Wicked-Promo 2019, Geschnittene Szenen, Silent Bloopers, Vorwort des Regisseurs (2006), Originaltrailer, Deutscher Trailer, Bildergalerien

Release-Termin: 27.05.2019

 

Dark Waters (3-Disc Mediabook) – Cover A ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Dark Waters (3-Disc Mediabook) – Cover B ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Dark Waters (3-Disc Mediabook) – Cover C ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
Bei der erhältlichen Veröffentlichung von WICKED VISION im Mediabook handelt es sich um die deutsche Erstveröffentlichung des Titels. Das Label scheute keine Kosten und ließ den Film 25 Jahre nach der Welturaufführung synchronisieren. Zudem wurde „Dark Waters“ vom Anbieter sogar noch einmal in deutsche Kinos gebracht. Bei „Dark Waters“ handelt es sich um einen der ersten Horrorfilme, die nach dem Mauerfall in der Ukraine gedrehte wurden. Leider wurde dem Streifen hierzulande bisher kaum Beachtung geschenkt. Das ändert sich jetzt. WICKED VISION hat dem Okkult-Thriller eine besondere Veröffentlichung spendiert. Der Film erscheint hierzulande in drei limitierten Mediabooks. Die darin enthaltene Filmfassung ist ungeschnitten und ungeprüft.

 
 
 


 
 
 

DARK WATERS – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei WICKED VISION MEDIA)

 
 
Ähnche Filme:
 
Die Teufel (1971)
 
Die Mächte des Wahnsinns (1994)
 

Filmkritik: „Demonic Toys“ (1992)

demonic-toys-1992-poster
 
 
 

DEMONIC TOYS

Story

 
 
 

Ein Polizeieinsatz gegen Waffenschmuggler artet mächtig aus. Die Bösewichte befreien einen alten Dämon, dessen schwarzmagische Kräfte herkömmliche Spielzeuge zu Mordinstrumenten machen. Für seine eigene Reinkarnation pickt sich der Teufel das heranreifende Baby im Bauch der diensthabenden Polizistin Judith heraus. Jetzt ist die Arme bis über ihre kosmetisch gestrafften Ohren damit beschäftigt, sich das schlachtbereite Spielzeug vom Halse und den ätherischen Fiesling von der Schwangerschaftskugel zu halten.

 
 
 


 
 
 

DEMONIC TOYS – Kritik

 
 
 
Peter Manoogians „Demonic Toys“ ist ein Schüsselchen routinierten Low-Budget-Kartoffelsalats aus dem reichhaltigen Fundus von Phantastik-Film-Knallfröschen der berühmt-berüchtigten „Full Moon Studios“ aus Hollywood. Der karge Lagerhallen-Drehort spart Geld und das knackige Drehbuch hält sich nicht lange mit Petitessen wie Logik oder Stringenz auf, stammt es doch aus der Feder des Studiochefs höchstselbst: Charles Band.
 
 
demonic-toys-1992-bild-1
 
 
Als Charles, flankiert vom im höchsten Maß business-erfahrenen Vater Albert und Bruder Richard, seines Zeichens als Filmkomponist tätig, die „Full Moon Studios“ gründet, ist im Bereich des Popkultur-Horrorfilms gerade sowas wie ein Maskottchen-Fieber angesagt. Joe Dantes einflussreiche „Gremlins“ verbinden 1984 amerikanische Monsterfilm-Traditionen mit der Ironie eines langjährigen Genre-Liebhabers und – nicht zuletzt – einer schier endlosen Vermarktbarkeit. Zu den Nachzüglern der erst kuscheligen und dann schleimigen Mini-Ungeheuer gehören später zum Beispiel die populären „Critters“ (1986). Bei „Full Moon“ ist man jedoch schneller am Ball und präsentiert schon 1985 den ersten Teil der boshaften „Ghoulies“. Die flauschigen „Zone Troopers“ im gleichnamigen, bizarr-fantastischen Film laufen ebenfalls 1985 auf und beschäftigen sich nebenbei erstmals mit einem von Bands liebsten Filmcharakteren: Nazis.
 
 
demonic-toys-1992-bild-3
 
 
Ab 1989 produziert man die „Puppet Master“-Reihe, die ihre Inspirationen aus den bitterbösen EC-Comics und weiterhin dem Horrorkino des just zu Ende gehenden Jahrzehnts bezieht. Diese besessenen Spielzeuge sind teils „Gremlins“, teils „Chucky – Die Mörderpuppe“ und stehen am Anfang einer bis in die Gegenwart anhaltenden Veröffentlichungs-Lawine aus Puppen-Trash, Monsterspielzeug-Trash, Lebkuchenmann-Trash, Haschischpfeifen-Trash und beliebig geschnitzten Kombinationen dieser Zutaten.
In einigen Szenen der „Demonic Toys“ ist im Hintergrund auf Fernsehern dann auch ein Film der „Puppet Master“-Reihe zu sehen. 2005 wirft Charles Band – inzwischen in der kuschelweichen Welt der Retro-Phänomene angelangt – die beiden Filme in einen Topf und präsentiert „Puppet Master vs. Demonic Toys“. Mit der Continuity der Vorgängerfilme hat der allerdings nichts zu tun.
 
 
demonic-toys-1992-bild-2
 
 
Regisseur Manoogian und sein Impresario Charles Band kennen sich seit den 1980ern. „Empire“, das war Bands Firma vor „Full Moon“ übernimmt unter anderem den Vertrieb von Manoogians bestem Film, dem Alien-Gladiatoren-Beklopptheits-Fest „Steel Arena – Todematch der Giganten“ (1989). Den kann man sich übrigens so vorstellen wie die großen Monsterpuppen der „Fraggles“ als blutgierige Cagefighter. Ja, tatsächlich. They don’t make em like that anymore!
 
 
demonic-toys-1992-bild-4
 
 


 
 
 

DEMONIC TOYS – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Tempus Fungus! Die Zeit verpilzt. Oder so ähnlich. Zu seiner Erscheinungszeit 1992 war der passionierte Videothekenregal-Abgraser einem „Demonic Toys“ gegenüber noch eher negativ eingestellt. Zu ähnlich sahen sich die all schrägen Puppen-Horror-Trasher aus der Terrorschmiede des Charles Band, zu hoch der Output seiner Full Moon Studios. Fast 30 Jahre und 5000 beschissene Zombiefilme mit digitalen Splatter-FX später und man möchte der Famiglia Bandinelli und ihren Monstern aus Plastik eine Schachtel Entschuldigungs-Konfekt zukommen lassen.
 
 
 


 
 
 

DEMONIC TOYS – Zensur

 
 
 
„Demonic Toys“ wurde im Jahr 1993 in der ungeschnittenen Fassung indiziert. Es folgten ungeprüfte DVD-Veröffentlichungen wobei einer derer sogar für eine FSK16 heruntergeschnitten wurde. Im Dezember 2016 wurde „Demonic Toys“ vom Index genommen. Leider ist die nun erhältliche, ungeschnittene Blu-ray von WICKED VISION weiterhin ungeprüft. Würde der Streifen heutzutage neu von der FSK geprüft werden, dürfte er locker eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

DEMONIC TOYS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
demonic-toys-bluray-wicked-vision

(c) WICKED VISION MEDIA (Scanavo-Box)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Demonic Toys; USA 1992

Genre: Horror, Trash

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD Master Audio 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.78:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 83 Min.

FSK: ungeprüft

Verpackung: Scanavo-Boxen mit Wendecover

Extras: Wendecover mit Original-Artwork, Audiokommentar mit Daniel Perée & Marco Erdmann, Videozone, Interview mit Charles Band, Deutscher Trailer, Originaltrailer, Bildergalerie

Release-Termin: 24.05.2019

 

Demonic Toys (Full Moon Selection Nr.4) [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
Anbieter Wicked Vision feiert die HD-Premiere von „Demonic Toys“ in einer neuen Sammler-Reihe. Unter dem Banner „Full Moon Classic Selection“ werden ab sofort diverse Produktionen der trashigen FULL MOON Schmiede in bester Qualität und zu einem erschwinglichen Preis veröffentlicht. Alle Veröffentlichungen werden nicht wie gewohnt im Mediabook veröffentlicht. Stattdessen setzt das Label dieses Mal auf Scanavo-Boxen mit Wendecover-Motiv. Auf Bonusmaterial muss selbstverständlich auch nicht verzichtet werden. Dass die Film ungeschnitten veröffentlicht werden, liegt auf der Hand. Sammler greifen schnell zu.

 
 
 


 
 
 

DEMONIC TOYS – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei WICKED VISION MEDIA)

 
 
Ähnche Filme:
 
Puppet Master (1989)
 
Tod im Spielzeugland – Dollman vs. Demonic Toys (1993)
 
Blood Dolls (1999)
 
Chucky – Die Mörderpuppe (1988)
 

Filmkritik: „Kannibalinnen im Avocado-Dschungel des Todes“ (1989)

kannibalinnen-im-avocado-dschungel-des-todes-poster
 
 
 

KANNIBALINNEN IM AVOCADO-DSCHUNGEL DES TODES

(CANNIBAL WOMEN IN THE AVOCADO JUNGLE OF DEATH)

Story

 
 
 

Die US-Regierung hat mal wieder Probleme. Mitten im Kalten Krieg und noch viel mittenererer im Regenwald von, ähm, Kalifornien ist die für das Volk lebenswichtige Avocado-Ernte bedroht. Oder geht es doch um mehr? Der wilde Amazonenstamm der Piranhas schneidet den entsandten Vertretern Washingtons den Weg ans Obst und bei der Gelegenheit auf gleich die Hälschen ab. Üble Kannibalinnen sind’s tatsächlich, die sich als neue Königin ausgerechnet eine Professorin für Feminismus-Studien (Adrienne Barbeau) ausgesucht haben. Diese Frau Doktor Kurtz ist kurzerhand übergeschnappt und so schickt man ihre Ex-Kollegin Margo Hunt (Shannon Tweed), auch am „Spritzer College“, jawohl, tätig, in die Tropen und der männerhassenden Neu-Primitiven auf die Spur.

 
 
 


 
 
 

KANNIBALINNEN IM AVOCADO-DSCHUNGEL DES TODES – Kritik

 
 
 
Was einst, wohl allein seinem geilen Titel geschuldet, in den VHS-Tauschlisten eines jeden Splatter-Bürschchens von Logales bis Madero zu finden war, dürfte exakt die Mitglieder dieser Fraktion so richtig ordentlich enttäuscht haben. „Kannibalinnen im Avocado-Dschungel des Todes“ ist viel weniger, wie man vermuten könnte, ein amerikanisches Pendant zu den besonders aus guter italienischer Herstellung berühmt-berüchtigten Gedärm-Manschereien in Spielfilmlänge. Nein, das Menschenfresser-Kino der europäischen Bahnhofslichtspiele der siebziger Jahre, diese „Cannibal Holocausts“ und „Mondo Cannibales“ wird höchstens am Rande touchiert. Tatsächlich ist dieser Dschungelfilm eine gar mal nicht so tumb orchestrierte Persiflage von Francis Ford Coppolas filmgewordener Größenwahns-Psychose „Apocalypse Now“ (aus Colonel Kurtz wird Frau Professor Kurtz), die ihrerseits ja eine in die Zeit des Vietnamkriegs verpflanzte Adaption von Joseph Conrads Afrika-zur-Kolonialzeit-Roman „Herz der Finsternis“ ist. Dieses verlockende Setting der Suche nach dem zu den primitiven Wurzeln der Menschheit zurückgekehrten Aussteiger verwendet Autor und Regisseur J.F. Lawton als Hintergrundkulisse für giftige Satire in Richtung wichtigtuerischer Feministinnen, wie sie in den 1980ern in ihrer ganzen zensurfreundlichen Zelotenhaftigkeit präsent waren. Ein 2019 gedrehter Film mit einer solchen Prämisse würde vermutlich zur medien-sozialen Hinrichtung aller Beteiligten führen.
 
 
kannibalinnen-im-avocado-dschungel-des-todes-bild-3
 
 
Als Persiflage auf andere popkulturelle Phänomene seiner Entstehungszeit rattern die „Kannibalinnen“ nicht ganz so stramm auf zwölf Zylindern wie die artverwandten Filme „Kentucky Fried Movie“ oder „Amazonen auf dem Mond“. Eher schon sind die Avocados im selben Beet zu finden wie die berüchtigten „Killertomaten“. Das heißt, man achtet die Vorbilder, über die man sich lustig macht, trotzdem noch irgendwo. Das merkt man als so etwas freundlich gesonnener Zuschauer und das tut gut! Mit an Bord als sexistische Witze reißender Dschungel-Guide ist der junge Bill Maher, heute einer der, wenn nicht sogar der bedeutendste US-amerikanische Links-Intellektuelle im Fernsehprogramm.
 
 
kannibalinnen-im-avocado-dschungel-des-todes-bild-2
 
 
Nicht zuletzt aufgeführt gehört selbstverständlich die erotische Kante des knackigen Filmchens hier. John Carpenters Ex-Frau und Muse Adrienne Barbeau spielt die Marlon-Brando-Rolle der Professorin Kurtz und erfüllt einmal mehr die harmlosen Nackedei-Wünsche eines Genre-Publikums. Verfolgt wird sie von Dr. Hunt. Die wiederum spielt keine Geringere als Shannon Tweed, damals ein enorm angesagtes Ex-Playmate und mittlerweile bekannter als die langjährige Gattin des KISS-Chefs und Profi-Kapitalisten Gene Simmons. Über jene Version von leichter Ferkelei im Film, für die seinerzeit Damen wie Shannon, gerne in Filmen von Meistern wie Jim Wynorski oder Fred Olen Ray, ihre nicht wirklich hübsch aufgeschraubten Silikon-Hupen während heißer Duschen oder in seidigen Laken präsentieren, könnte man Seiten füllen. Eine typisch amerikanische Harmlosigkeit, fast bubenhaft verschämt, nie derb oder allzu pornographisch. „Wholesome“ nennen die das dort. Könnte man grob mit „gesund“ übersetzen. Frauenzuchthaus-Exploitation funktioniert ähnlich.
 
 
kannibalinnen-im-avocado-dschungel-des-todes-bild-1
 
 


 
 
 

KANNIBALINNEN IM AVOCADO-DSCHUNGEL DES TODES – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Sowas könnte man sich nicht ausdenken. Außer, wenn man für „Family Guy“ arbeiten würde vielleicht. J.F. Lawton, seines Zeichens der Drehbuchautor hinter einem der entsetzlichsten Schmierig-Feelgood-Schmonzetten der Kinogeschichte – „Pretty-Würg !-Woman“ – schreibt und inszeniert nur ein Jahr vor diesem Mega-Hit mit Julia Roberts eine schneidige Parodie auf Abenteuer- und Dschungelfilme. Einige der Pointen sind naturgemäß nicht so schön gealtert, andere sitzen noch immer. Puritanische Verbotsmeierinnen gibt es heute schließlich mehr denn je. Obendrauf noch softe Erotik, wie sie in den frühen 90ern das amerikanische Kabelfernsehen über Wasser gehalten hat. Nettes Paket. Hashtag Menschenfleischmetoo.
 
 
 


 
 
 

KANNIBALINNEN IM AVOCADO-DSCHUNGEL DES TODES – Zensur

 
 
 
KANNIBALINNEN IM AVOCADO-DSCHUNGEL DES TODES erschien 1989 als Videopremiere bereits ungeschnitten mit FSK16. Das hat sich mit der DVD-Auswertung im Jahr 2008 und ebenso bei der nun erhältlichen HD-Veröffentlichung nicht geändert. Auch die von WICKED VISION veröffentlichte Blu-ray ist ungeschnitten und bereits ab 16 Jahren freigegeben.
 
 
 


 
 
 

KANNIBALINNEN IM AVOCADO-DSCHUNGEL DES TODES – Deutsche Blu-ray

 
 
 
kannibalinnen-im-avocado-dschungel-des-todes-bluray

(c) WICKED VISION MEDIA (Scanavo-Box)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Cannibal Women in the Avocado jungle of Death; USA 1989

Genre: Action, Komödie, Trash

Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 2.0

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.78:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 89 Min.

FSK: FSK16 – ungeschnittene Fassung

Verpackung: Scanavo-Boxen mit Wendecover

Extras: Originaltrailer, Deutscher Trailer

Release-Termin: 06.05.2019

 

Kannibalinnen im Avocado-Dschungel des Todes (Full Moon Classic Slection Nr.2) [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
Anbieter Wicked Vision feiert die HD-Premiere von „Kannibalinnen im Avocado-Dschungel des Todes“ in einer neuen Sammler-Reihe. Unter dem Banner „Full Moon Classic Selection“ werden ab sofort diverse Produktionen der trashigen FULL MOON Schmiede in bester Qualität und zu einem erschwinglichen Preis veröffentlicht. Alle Veröffentlichungen werden nicht wie gewohnt im Mediabook veröffentlicht. Stattdessen setzt das Label dieses Mal auf Scanavo-Boxen mit Wendecover-Motiv. Auf Bonusmaterial muss selbstverständlich auch nicht verzichtet werden. Dass die Film ungeschnitten veröffentlicht werden, liegt auf der Hand. Sammler greifen schnell zu.

 
 
 


 
 
 

KANNIBALINNEN IM AVOCADO-DSCHUNGEL DES TODES – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei WICKED VISION MEDIA)

 
 
Ähnche Filme:
 
Amazonen auf dem Mond oder Warum die Amis den Kanal voll haben (1987)
 
Elvira, Herrscherin der Dunkelheit (1988)
 
Stay Tuned – Höllische Spiele (1992)

Filmkritik: „Die tödlichen Bienen“ (1967)

die-toedlichen-bienen-1966-poster
 
 
 

DIE TÖDLICHEN BIENEN

(THE DEADLY BEES)

Story

 
 
 

Ein durchgedrehter Bienenzüchter schreibt den Behörden Drohbriefe. Seinen geplanten Terrorszenarien unter dem Einsatz steuerbarer Schwärme von Killerbienen werden als Spinnereien abgetan. Das Geschehen verlagert sich an die Seite der Schlagersängerin Vicki Robbins, die der Stress während einer Fernsehshow von den Beinen gehauen hat. In ein nobles Sanatorium auf einer Insel verfrachtet, trifft das Popsternchen auf verschiedene exzentrische Charaktere, unter denen sich, wie es der Zufall will, ein schräger Bienenfreund befindet. Plötzlich scheint der erpresserische Imker seine Drohungen in die Tat umzusetzen…

 
 
 


 
 
 

DIE TÖDLICHEN BIENEN – Kritik

 
 
 
Wenn man auf einer dieser klischeebelasteten Cocktail-Parties, zu denen man ja glücklicherweise gar nicht erst eingeladen wird, den Kultur-Smalltalk mit dem Bonmot „Hammer Films dürfte die wichtigste Produktionsgesellschaft der englischen, wenn nicht gar europäischen Horrorfilmgeschichte gewesen sein“ bereichern würde, wäre das nicht einmal aus der Luft gegriffen. Klassische Figuren des viktorianischen Schauer-Entertainments wie Graf Dracula oder Dr. Frankenstein samt dessen Monster, stilecht anzutreffen in gotischen, obskur-alteuropäischen Gemäuern, treffen auf knallige Technicolor-Blutspritzer auf den zugeschnürt-bebenden Dekolletés überrumpelter Jungfern, die vor lauter Unschuld und Weltfremde kaum geradeausschauen können. Die Charakterausarbeitung erwähnter Damen bleibt hierbei stets weit weniger-dimensional ausgearbeitet als ihre Körperbauten. Eine oft wiederholte Rezeptur, die das „House Of Horror“ über Jahre hinweg zu einer veritablen Gelddruckmaschine macht.
 
 
die-toedlichen-bienen-1966-bild-1
 
 
Beginnend in den frühen Sechziger Jahren erhalten die ehrwürdigen Studios Konkurrenz im eigenen Vorgarten. Die in die Alte Welt eingereisten Amerikaner Max J. Rosenberg und Milton Subotsky verpassen dem britischen Genrekino eine Infusion, nein, eine Dopingbehandlung. Unter dem Namen Amicus Films erhöht das Produzenten-Team M und M die Drehzahl deutlich. Der englische Horrorfilm gewinnt an bizarren Todesszenen, die erahnen lassen, wie das Splatter-Genre bald aussehen wird. Gleiches gilt für die Taktung der, im internationalen Vergleich sicherlich noch immer zahmen, Szenen von Nacktheit und Erotik. Der größte Input von Amicus ist allerdings das Verlagern eines Großteils der produzierten Filmhandlungen in die Gegenwart. Wo Hammer noch mit Vorliebe in einer nicht näher bezifferten Zeitzone der Spukschlösser und Postkutschen dreht, finden sich bei Amicus schon früh moderne Settings. In den späten Sechzigern und dann den Siebzigern muss sich das heute zuschauende Auge dann auch erstmal an die Potpourris schmieriger Frisuren und fieser Kleidung gewöhnen.
 
 
die-toedlichen-bienen-1966-bild-2
 
 
„Die tödlichen Bienen“ ist für solcherlei Swinging-London-Ausstattungs-Exzesse noch nicht ganz zu haben. Allein die Entstehungsgeschichte aber zeugt von der künstlerischen Vision seiner Produzenten: Ursprünglich 1941 als Roman „Bitterer Honig“ des Krimischriftstellers H.F. Heard erschienen, ist der Plot noch ein stark an den Logik-Detektivabenteuern um Sherlock Holmes und Dr. Watson orientiertes Unterhaltungsstück. Rosenberg und Subotsky beauftragen Robert Bloch, Horror-Autor und Verfasser des Drehbuchs zu Alfred Hitchcocks „Psycho“, mit dem Aufpolieren der Buchvorlage. Bloch merkt, nicht ganz zu Unrecht, dass spätestens mit „Die Vögel“, natürlich ebenfalls vom großen Sir Alfred, die Zeichen der Zeit auf Filme deuten, in denen die Natur sich gegen die Vorherrschaft des Menschen auf Erden wendet. Ob diese Rache der Umwelt nun mit Erdbeben oder Sturmfluten erfolgt oder die Tierwelt auf die arroganten Zweibeiner loslässt – alles legitim und zuschauerfreundlich. Realistischer Horror eben. Ein seit ein paar Jahren in den Medien hochgeschriebenes Ereignis kommt dem talentierten Scriptwriter dazu gerade Recht: Ende der Fünfziger Jahre wirkt eine Real-Life-Frankensteiniade fest auf die Vorstellungskraft der schockierten Zeitungsleser. Ein Biologe namens Kerr züchtet, hochoffiziell mit Staatsauftrag, im brasilianischen Dschungel eine neue, zu höherer Produktionsleistung fähige Bienenart. Hierzu bedient sich der Wissenschaftler einer eigens aus Afrika importierten Unterart der Insekten. Kerrs neue Biene fällt zuerst durch ihre markanteste negative Eigenschaft auf: Sie ist ungemein aggressiv. Der Begriff der „Killerbiene“ erobert die Medien. Selbstredend ist der 1967, also nur ein paar Jährchen nach Hitchcocks Gefieder-Horror und noch keine Dekade nach den echten Monsterinsekten in Südamerika, entstandene „Die tödlichen Bienen“ kein hoch-budgetierter Hollywood-Schocker. Der Film ist ganz und gar britisch. Die Settings, die Gesichter, die Regierarbeit des Hammer-Veteranen Freddie Francis. Unverkennbar und Muss für Fans des Genrefilms von der Insel.
 
 
die-toedlichen-bienen-1966-bild-3
 
 


 
 
 

DIE TÖDLICHEN BIENEN – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
„Die tödlichen Bienen“ ist vieles. Eine frühe Wegmarke fürs Genre Tierhorror, Englands Antwort auf „Die Vögel“, ein klassischer Amicus-Film und nicht zuletzt der erste Film, in dessen Zentrum kriegerische Honigbienen auf Menschenjagd stehen. Besonders ist den Siebzigern, jenem Jahrzehnt des Katastrophenfilms, werden die Tierchen zur festen Bank im Kino und bis heute erleben wir immer wieder, wie die Thematik neu aufgegriffen wird. Ohne diesen selten gesehenen und doch so wichtigen Film wäre das nicht möglich.
 
 
 


 
 
 

DIE TÖDLICHEN BIENEN – Zensur

 
 
 
DIE TÖDLICHEN BIENEN gehört zu den ersten Bienen-Horrorfilmen, die jemals gedreht wurden. Der Streifen wurde für seine Kino-Uraufführung in Deutschland von der FSK ab 16 Jahren in ungeschnittener Form freigegeben. Auch die späteren Ausstrahlungen im Pay- und Free-TV waren ungeschnitten. Leider wurde DIE TÖDLICHEN BIENEN nie auf Blu-ray und DVD ausgewertet. Dank dem Label WICKED VISION ändert sich das jetzt. Dort hat man sich dem Amicus-Klassiker angenommen und eine aufwendige HD-Veröffentlichung spendiert. Das Release von WICKED VISION im Mediabook ist ebenso ungeschnittenen, wie alle bisher erhältlichen Fassungen und natürlich frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

DIE TÖDLICHEN BIENEN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
wicked-vision-die-toedlichen-bienen

(c) WICKED VISION MEDIA (Mediabooks)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Deadly Bees; Großbritannien 1966

Genre: Horror, Thriller, Drama

Ton: Deutsch (DTS-HD Master Audio 2.0 Mono), Englisch (DTS-HD Master Audio 2.0 Mono)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 1.78:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 84 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: 3 verschiedene Mediabooks

Extras: 24-seitiges Booklet mit einem Essay von Dr. Rolf Giesen, Audiokommentar mit Dr. Gerd Naumann & Dr. Rolf Giesen, „Hives of Horror“: Interview mit Produktionsmanager Ted Wallis und Requisiteur Peter Allchorne, „Monsterama“: Interview mit Suzanna Leigh, Bildergalerie, Originaltrailer

Release-Termin: 29.03.2019

 

Die tödlichen Bienen (Mediabook Cover A) auf AMAZON kaufen

Die tödlichen Bienen (Mediabook Cover B) auf AMAZON kaufen

Die tödlichen Bienen (Mediabook Cover C) auf AMAZON kaufen

 
 
DIE TÖDLICHEN BIENEN war bis zum Jahr 2019 weder auf VHS, DVD oder gar Blu-ray erhältlich. Doch das Label WICKED VISION schafft nun Abhilfe. Dort hat man sich die Rechte am britischen Tier-Horror gesichert und bringt den Amicus-Klassiker auch gleich als deutsche HD-Premiere auf den Markt. Hierbei hat der Horrorfilm-Fans die Wahl der Qual. WICKED VISION spendiert dem Horrorthriller drei unterschiedliche Cover-Varianten im Mediabook. Entscheides Euch zwischen dem deutschen, amerikanischen und italienischen Kinoplakat. Jedes Mediabook ist streng limitiert und mit reichlich Bonusmaterial ausgestattet. Neben dem Hauptfilm auf Blu-ray und DVD besitzt das Release einige Extras, sowie das 50-minütige Monsterama Special mit Suzanna Leigh. Ein 24-seitiges Booklet mit einem Essay von Dr. Rolf Giesen runden dieses tolle Sorglos-Paket ab.

 
 
 


 
 
 

DIE TÖDLICHEN BIENEN – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei WICKED VISION MEDIA)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Die Vögel (1963)
 
Der tödliche Schwarm (1978)
 
Killerbienen (1976)
 

Filmkritik: „Haus der Todsünden“ (1976)

haus-der-todsuenden-1976-poster
 
 
 

HAUS DER TODSÜNDEN

(HOUSE OF MORTAL SIN | THE CONFESSIONAL MURDERS)

Story

 
 
 

Jenny (Susan Penhaligon) ist jung, hübsch und verfügt über einen, nun ja, nicht gerade strengen Moralkodex. Nachdem sie ihren alten Freund Bernard trifft, der zwischenzeitlich zu Gott gefunden und sogar die Priesterweihe erhalten hat, denkt sie über Religion nach. Passt gut, verlässt sie doch gleich ihr Lover Terry. Jenny möchte bei Bernard beichten gehen. Leider hat der ältere Priester Meldrum (Anthony Sharp) Dienst. Er nimmt ihr die Beichte ab und dreht anschließend ordentlich am Rad. Eine schiere Besessenheit von der jungen Frau packt den Gottesmann. Erpressung mit Jennys auf Tonband aufgenommener Beichte ist da noch das harmloseste Vergehen, da der Pfarrer zu einem ausgewachsenen Slasher mutiert, dessen Mord-Arsenal immer einen Kirchenbezug hat. Giftige Hostien oder ein geschwungener Weihrauchkessel kommen zum irren Einsatz.

 
 
 


 
 
 

HAUS DER TODSÜNDEN – Kritik

 
 
 
Nicht erst im schleimigen Glanze der ständig aktuellen Skandale um sexuell ausgebeutete kleine Bübchen ist Kritik an der Katholischen Kirche angebracht. Der nach eigener Einschätzung heilige Moloch aus Rom ist seit zweitausend Jahren das finanzstärkste Unternehmen des Planeten und geht im Namen seines absoluten Machterhalts und der Deutungshoheit über einen Großteil der weltweit religiös engagierten Menschlein buchstäblich über Leichen. Politik, Dominanz, Krieg. Wenn es der Organisation nützt, werden auch ganz und gar nicht fromme Herrscher der weltlichen Fraktion gefördert. So weit, so brachial-banal. Kirchenkritische Filme gibt es ähm, Gottseidank, fast seit Anbeginn der Kinowirtschaft. Das Spektrum ist breit gefächert, reicht zum Beispiel von Luis Bunuels karriereumspannender Prügel für den Klerus über beinahe körperlich schmerzende Leinwand-Exzesse wie Pier Paolo Pasolinis „Salo – Die 120 Tage von Sodom“ (1975) oder Ken Russels „Die Teufel“, vier Jahre davor bis hin zu derben Quatsch-Komödien aus – eigentlich pervers – stramm katholischen Ländern wie Italien oder Spanien. Mit „Haus der Todsünden“ betritt 1975 niemand Geringeres als der Brite Pete Walker die Bühne des cinematischen Anprangerns kommerziell organisierter Religionen. …und das tut er auf seine ganz eigene Weise.
 
 
haus-der-todsuenden-1976-bild-3
 
 
Peter Walker, 1939 in Brighton geboren, ist während seiner Schaffenszeit, 1968 bis 1983, so etwas wie die Exploitation-Geheimwaffe des britischen B-Films. Zielsicher und einsetzbar an jedem Schauplatz. Kaum eine Sparte des grellen Bahnhofskinos, die nicht mit ätzenden Juwelen aus der Hand dieses boshaft-zynischen Regisseurs beschenkt worden wäre. Eindeutig britisch kommt sein Stil daher. Grundsätzlich. Deprimierende, graue Außenaufnahmen trister englischer Stadtpanoramen, seltsame, völlig in ihrer Zeitepoche verhaftete Figuren, von denen niemand wirklich komplett sympathisch gezeichnet ist und plötzliche Ausbrüche von über die Lächerlichkeit der menschlichen Tragödie spottender Brutalität zeichnen das Oeuvre Peters des Großen aus.
 
 
haus-der-todsuenden-1976-bild-2
 
 
In Pete Walkers an Höhepunkten nicht armer Filmografie leuchten herausragende Werke wie der fiese Vorstadt-Kannibalismus-Klassiker „Frightmare“ (1974) oder schräge Erotik-Trasher á la „The Four Dimensions of Greta“ (1972) und der hierzulande brillant betitelte „Der Porno-Graf vor Schweden“ (1969), harr, harr. Für seinen letzten Film, die 1983 erschiene Spaß-Horrorschau „Das Haus der langen Schatten“ versammelt er sogar die rüstige Gruselfilm-Altstar-Gang Vincent Price, Christopher Lee, Peter Cushing und John Carradine vor der Kamera. Seine größten Momente hat Pete Walker, wenn er mit dem Drehbuchautor David McGillivray zusammenarbeiten kann. Der ist auch nicht minder menschenfeindlich bei der Sache. Regisseur und Autor ergänzen sich derart kongenial, dass wahre Glücksfälle entstehen können. „Haus der Todsünden“ ist ein solcher Glücksfall. McGillivray bekommt als Ausgangsbasis eine Story aus der Feder Walkers vorgelegt und verwandelt die in ein Skript, bereit für Walkers Verfilmung. Da ist Gedankenübertragung in beide Richtungen am Werk – künstlerisch ideal. Im Bonusmaterial des nun erhältlichen Mediabooks aus dem Hause Wicked Vision findet sich ein Gespräch McGillivrays mit dem unverwüstlichen englischen Horror-Kenner Kim Newman.
 
 
haus-der-todsuenden-1976-bild-1
 
 
Die dem „Haus der Todsünden“ zu Grunde liegende Kurzgeschichte Walkers ist geprägt von persönlichen Eindrücken und entsprechend wütend geschrieben. Man kann den Groll des desillusionierten Katholiken im Regisseur deutlich herauslesen. Daher ist Susan Penhaligon – für Pete-Walker-Verhältnisse – in der Hauptrolle auch erstaunlich positiv angelegt. Anthony Sharps hervorragend gespielter Gaga-Priester ist eine regelrechte Verkörperung der Verlogenheit und Zielstrebigkeit von Mutter Kirche. Ein „der Zweck heiligt die Mittel“ personifiziert in der Gestalt eines einzelnen, Vernunft und Mitgefühl gleichermaßen unterdrückenden Würdenträgers im Auftrag des Herrn, dem aber die Realität längst zwischen den Fingern durchgeronnen ist. Der bereits erwähnte Berufswahnsinnige Ken Russell, dessen noch heute viel-zensierter „Die Teufel“ jedem englischsprachigen Film-Provokateur nach 1971 ein Vorbild gewesen sein muss, wirkt von Sharps Performance inspiriert. In seinem 1984 erschienen Schmier-Thriller „China Blue – Bei Tag und Nacht“ quält der verrückte Pfarrer Peter Shayne (Anthony Perkins, natürlich ebenso top wie over-the-top) seine Opfer zum Beispiel mit messerscharfen Dildos. Parallelen, auch im Spiel der beiden Anthonys, sind deutlich.
 
 


 
 
 

HAUS DER TODSÜNDEN – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
„Haus der Todsünden“ ist ein späterer und ungewöhnlich persönlicher (man höre sich seinen Audiokommentar an) Film eines der wenigen noch lebenden Exploitation-Zauberer und natürlich ein toller zweiter Eintrag in die Pete-Walker-Collection, welche das Label Wicked Vision nun ins Leben gerufen hat. Ein Projekt, von dem man sich Komplettismus wünschen möchte. Zur makellosen Ausstattung der Mediabook-Veröffentlichung kommt die mutige und ungemein begrüßenswerte Entscheidung des Labels, die unvermeidliche deutsche Audiokommentar-Spur mal von anderen als den üblichen zweieinhalb Wichtigtuern des heimischen Marktes einsprechen zu lassen. Der gute Rolf Giesen war dazu schon eine Autorität auf dem Gebiet des Phantastischen Films als man für solcherlei Passionen hierzulande noch quasi-öffentlich für geistesgestört gehalten wurde. Herausragendes Mediabook.
 
 
 


 
 
 

HAUS DER TODSÜNDEN – Zensur

 
 
 
Die damaligen deutschsprachigen VHS-Veröffentlichungen vom Anbieter VMP waren ungekürzt. Eine dieser erhielt sogar in der ungeschnittenen Fassung eine FSK18. „Haus der Todsünden“ wurde 1984 von der BPjM indiziert. Erst im Jahre 2009 wurde die Indizierung aufgehoben. Das Label Wicked Vision hat den Streifen nun erneut im Mediabook veröffentlicht – erstmalig sogar auf DVD und Blu-ray. Die Veröffentlichung ist zwar ungeprüft, aber ebenso ungeschnitten.
 
 
 


 
 
 

HAUS DER TODSÜNDEN – Deutsche Blu-ray

 
 
 
wicked-vision-haus-der-todsuenden

(c) WICKED VISION MEDIA (Mediabooks)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: House of Mortal Sin; Großbritannien 1976

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch (DTS-HD Master Audio 2.0 Mono), Englisch (DTS-HD Master Audio 2.0 Mono)

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.66:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 104 Min.

FSK: ungeschnittene, ungeprüfte Fassung

Verpackung: 3 verschiedene Mediabooks

Extras: 24-seitiges Booklet mit einem Essay von Jonathan Rigby, Audiokommentar mit Regisseur Pete Walker und Jonathan Rigby, Audiokommentar mit Dr. Rolf Giesen, Dr. Gerd Naumann und Matthias Künnecke, Featurette: „Sheila Keith – Eine nette alte Frau?“, Interview mit Pete Walker, „House of Walker“: David McGillivray & Kim Newman über „Das Haus der Todsünden“, Bildergalerie, Originaltrailer

Release-Termin: 29.03.2019

 

Haus der Todsünden (Mediabook Cover A) auf AMAZON kaufen

Haus der Todsünden (Mediabook Cover B) auf AMAZON kaufen

Haus der Todsünden (Mediabook Cover C) auf AMAZON kaufen

 
 
Anbieter Wicked Vision feiert die HD-Premiere von „Haus der Todsünden“ mit drei Mediabooks und veröffentlicht den Streifen in der Pete-Walker-Collection Nr. 2. Jedes der Bücher besitzt ein anderes Cover-Motiv und ist streng limitiert. Darüber hinaus wurde die Veröffentlichung mit ausführlichem Bonusmaterial ausgestattet. Neben diversen Audiokommentaren, einem Interview mit Pete Walker sowie weiteren Featurettes liegt ein 24-seitiges Booklet mit einem Essay von Jonathan Rigby bei. Natürlich ist diese Veröffentlichung von „Haus der Todsünden“ ungeschnitten. Sammler greifen schnell zu, denn lange wird es diese Mediabooks wegen der hohen Nachfrage nicht geben.

 
 
 


 
 
 

HAUS DER TODSÜNDEN – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei WICKED VISION MEDIA)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Die Teufel (1971)
 
China Blue – Bei Tag und Nacht (1984)
 
Killer Nun (1979)
 

Kritik: „She – Eine verrückte Reise in die Zukunft“ (1982)

she-eine-brutale-reise-in-die-zukunft-poster
 
 
 

SHE – EINE VERRÜCKTE REISE IN DIE ZUKUNFT

(SHE | SHE – EINE BRUTALE REISE IN DIE ZUKUNFT)

Story

 
 
 
Neulich in der Post-Apokalypse. Einmal mehr hat die dämliche Menschheit atomar gezündelt, sich den rettenden Ast unterm Hinterteil weggebombt. Klingt angesichts der gegenwärtigen Wendungen der menschlichen Saukomödie gar nicht mehr so abwegig. Die Ödlande sind nach dem großen Knall in die Hände sich meistens bekriegender Amazonenclans gefallen. Also weiter Kampf. Als der Wasteland-Cowboy Tom die Entführung seiner Schwester erleben muss, tritt ihm die Kämpferin „She“, verstrahlt verkörpert von Tänzerinnen-Hardbody und Schwarzenegger-Co-Star Sandahl Bergman, zur Seite.
 
 
 


 
 
 

SHE – Kritik

 
 
 
SHE ist nicht die intellektuelle Sci-Fi-Dystopie eines Philip K. Dick oder der endlos einflussreichen Schriftsteller-Gebrüder Strugatsky. Paten stehen hier eher Schnellfilm-Ungeheuer wie Joe D’Amato oder David A. Prior. Das Projekt SHE, entstanden als italienisch-amerikanische Co-Produktion, orientiert sich wenig überraschend an den trendigen Endzeitfilmen jener Jahre, wie sie auf beiden Seiten des Großen Teichs kostengünstig auf ausrangierten Steinbrüchen und in kargen Waldlandschaften entstehen. Regisseur Avi Nesher verbindet auf virtuose Art die Schwachsinnigkeit der Genrefilme von USA und ITA. Ein World-Cup-Unentschieden, könnte man sagen. Im Stil einer Comic-Erstausgabe bietet der Film Herkunftsgeschichten der Figuren, um sie final aufeinandertreffen zu lassen. Nüchtern betrachtet, entfaltet sich vorm Auge des geneigten Schlockfilm-Glotzers ein Potpourri aus allem, was schon einzeln zündet: Science-Fiction, Action, nackte Möpse, Spaß. Ein sicherer Treffer für Freunde des guten schlechten Geschmacks. Kommen wir hiermit zum Ende der halbwegs seriösen Faktenbeschreibung dieses schönen Films, der, möglich gemacht durch das Abgrasen noch nicht vergebener Lizenzen, über dreißig Lenze nach Entstehung auf DVD erscheint. Eine VHS im schicken, roten VPS-Cover gab es hierzulande mal.
 
 
she-eine-brutale-reise-in-die-zukunft-bild-1
 
 
Was SHE – EINE VERRÜCKTE REISE IN DIE ZUKUNFT vor vielen Jahren zum Liebling bierseliger Videoabende macht, ist, wie so oft im VHS-Zeitalter, die deutsche Synchronisation. Zu den großangelegten Mechanismen der Alltags-Straffung gehört das strenge Einsortieren und Benennen jedeweder Sache. Filmgenres entstehen auf Blogs und an den Vermarktungsschreibtischen der Hersteller bereits nach der Sichtung von drei Filmen mit sich ähnelnden Handlungselementen. Ärgerlich alberne tags wie Home-Invasion-Film versprechen Vereinfachung des Konsums und Schonung der grauen Zellen. Dieser Arbeitsweise benutzen wir heute auch einmal und ordnen SHE einem ganz besonderen Genre zu: Filme, in denen kein normaler Satz gesprochen wird. Einsamer Rekordhalter dieses Konstrukts ist der italienische Barbaren-Irrsinn SUPERMÄNNER GEGEN AMAZONEN, zufälligerweise damals auch bei VPS veröffentlicht. Avi Neshers Apokalypsen-Klopper hier braucht sich hinter dem aber nicht zu verstecken. Ein Fest.
 
 
she-eine-brutale-reise-in-die-zukunft-bild-2
 
 


 
 
 

SHE – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
 
Wie muss es sich für den Videothekenpilger in den späten Achtzigern angefühlt haben, verleitet von Covergestaltung und dem Hunger nach dem nächsten TERMINATOR, dem nächsten MAD MAX, Avi Neshers unglaublicher Trash-Atomrakete auf den Leim gegangen zu sein? Der Zuseher des Jahres 2018 kann den exotischen Hasscocktail aus Enttäuschung und Hirnverknotung quasi auf der Zunge schmecken, trotzdem nur ahnen und sich glücklich schätzen, SHE bewusst ausgewählt zu haben. Ein Film, den man mit dem Sticker „Das ist Trash“ mit einer Sonde ins All schießen müsste, auf dass unsere außerirdischen Herrscher in spe wissen, worauf sie sich hier unten einlassen.
 
 


 
 
 

SHE – Zensur

 
 
 
Im Kino und auf VHS gab es SHE nur gekürzt. Im digitalen Zeitalter ist das jetzt anders. Die erhältliche DVD beinhaltet die ungeschnittene Fassung. Fans und Sammler trashiger Perlen aus den 1980ern dürfte das freuen. Aber Obacht: SCHRÖDER MEDIA hat den Titel geändert. Auf dem Cover steht nun nicht mehr SHE – EINE VERRÜCKTE REISE IN DIE ZUKUNFT. Das „verrückte“ wurde gegen „brutale“ ausgetauscht.
 
 
 


 
 
 

SHE – Deutsche DVD

 
 
 
she-eine-brutale-reise-in-die-zukunft-dvd

(c) Schröder Media (DVD auf 1000 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: She; USA | Italien 1982

Genre: Abenteuer, Action, Fantasy

Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0 Stereo), Englisch (Dolby Digital 2.0 Stereo)

Untertitel: Keine

Bild: 1,66:1 (anamorph / 16:9)

Laufzeit: ca. 100 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wendecover

Extras: Ausgetauschte Szene (1:38 Min.), Genauso bekloppt! („Mission Force“-Trailer, 6:09 Min.), Damals war alles besser (Trailershow, 15:47 Min.)

Release-Termin: 07.09.2017

 

SHE – Eine brutale Reise in die Zukunft [Limited DVD Edition] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 


 
 
 

SHE – Trailer

 
 


 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Packshot, Abbildungen und Szenenbilder liegen bei Schröder Media)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Conan der Barbar (1982)
 
Red Sonja (1985)
 
Die Barbaren (1987)
 
Drei Engel auf der Todesinsel (1984)

Filmkritik: „Neon Maniacs“ (1986)

neon-maniacs-poster
 
 
 

NEON MANIACS

(MANIACS – DIE HORRORBANDE)

Story

 
 
 
Aus den Tiefen der Hölle, einer anderen Dimension oder dem schwefelsauren Planeten Rotktraut 9 flutschen zwölf blutgierige Mutanten in die Welt der Menschen und töten, was ihnen vors vielfältige Waffenarsenal läuft. Die Begegnung verschiedener unwichtiger Menschlein mit den NEON MANIACS findet ihren Höhepunkt auf einer Battle-Of-The-Bands-Show.

 
 
 


 
 
 

NEON MANIACS – Kritik

 
 
 
Viel Handlung is‘ da nich. Da wollen wir auch keine schrägen Behauptungen in andere Richtungen aufstellen. Was soll auch groß an Plot-Twists und narrativen Vielschichtigkeiten aufgefahren werden, wenn in Prinzip auf dem Tapet steht, ein gutes Dutzend sagenhaft maskierter Unholde auf blödes Teenager-Kanonenfutter loszulassen? Darum geht’s, sonst um nicht viel. NEON MANIACS bringt praktisch auf den Punkt, was man in den Achtzigern und frühen Neunzigern mittels durchgerittener Vorspultasten herbeizaubern musste. Monster metzeln Menschen. Und das mit Volldampf und obendrein im Rahmen eines Bandwettbewerbs, der glatt aus HOWARD THE DUCK stammen könnte. Wahnsinn.
 
 
neon-maniacs-bild-3
 
 
Gigantischer Pluspunkt dieses Films, der in vielen Momenten wirkt, als habe man im Hause TROMA vergessen, ihn für die eigene Distribution zu lizensieren, ist die Arbeit der Make-Up-Abteilung. Mit echter, zweifellos als amerikanisch zu erkennender Latex- und Gummi-Prop-Kunst erschafft der Film einen fantastischen Kanon von Bösewichtern als Dreh- und Angelpunkt, wie sie in einer derartigen Tiefe vielleicht noch in Clive Barkers seinerzeit völlig zu Unrecht untergegangenem Monster-Feuerwerk CABAL zu finden ist. Jede dieser fleischgewordenen Monsterpuppen hat eigene Merkmale in Optik und Verhalten, ruft praktisch nach einer Verwertung als detailgetreue Action Figures fürs Regal des Horror-Fans von echtem Schrot und Korn. Eine Liebe zum Detail, die fast vermuten lässt, es mit dem ersten Film einer avisierten Reihe zu tun zu haben. Leider wurde NEON MANIACS nicht fortgesetzt.
 
 
neon-maniacs-bild-1
 
 
Regisseur Joe Mangine war maßgeblich Kameramann, stand bei einigen sehr undergroundigen Produktionen seiner New Yorker Heimat seit jungen Jahren hinter der Linse. In seiner Filmographie stehen neben Exploitationern wie einem sudeligen Krokodil-Horrorfilm auch Ausflüge in die Welt des Bumskinos – CAPTAIN LUST aus dem Jahre 1977 etwa. Somit ist der Mann seinerzeit irgendwie prädestiniert für die Leitung der Aufnahmen zu einem Genre-Destillat, wie es NEON MANIACS darstellt. Genug fiese Handlungsarmut für einen schmissigen Grindhouse-Kracher, genug Effekt-Brutalität für einen Splatter-VHS-Hit, der mehr Zuschauer verdient hätte. Mit diesem neuen Release des Films hierzulande wünschen wir dem Film neue Popularität. Verdient hat er’s seit Jahrzehnten. Motherfuckers.
 
 
neon-maniacs-bild-2
 
 
 


 
 
 

NEON MANIACS – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Wir wünschen uns eine Sekunde was von Euch. Ausnahmsweise. Seid tolerant gegenüber einer Horde ältlicher Horror-Geeks, wenn sie einem Film, der andernorts das sprichwörtliche Fell über die Ohren gezogen bekommt, mehr Lorbeeren ans gummige Hälschen werfen als rational zu begründen. NEON MANIACS macht auf der Schiene von Logik und Spannungskurve manch‘ unbotmäßigen Fehler, leider. Dann aber diese Figuren. Diese Masken! Schmacht! Ein Horrorfilm, Kind seiner Zeit und doch aus der Zeit gefallen. Wie wunderbar!
 
 
 


 
 
 

NEON MANIACS – Zensur

 
 
 
Wie viele andere Horrorfilme in den 1980ern hatte es auch NEON MANIACS in Deutschland nicht leicht. Der Streifen wurde zwar ungeschnitten auf VHS-Kassette veröffentlicht, anschließend jedoch auf den Index gesetzt. NEON MANIACS war von 1988 bis 2013 indiziert. Erst 2013 wurde die trashige Komödie aus der Liste der jugendgefährdenden Medien gestrichen. Mittlerweile kann er ohne Probleme im Kaufhaus gekauft werden – ungeschnitten und mit FSK18-Flatschen. Letzterer wirkt für heutige Verhältnisse ungerechtfertigt. Bei einer Neuprüfung würde vermutlich eine FSK16 rausspringen.
 
 
 


 
 
 

NEON MANIACS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
neon-maniacs-mediabook

(c) CMV LASERVISION – Mediabook Motiv A (limitiert auf 666 Stück)

Neon Maniacs - mediabook-b

(c) CMV LASERVISION – Mediabook Motiv B (limitiert auf 333 Stück)

neon-maniacs-blu-ray

(c) CMV LASERVISION – Blu-ray KeepCase

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Neon Maniacs; USA 1986

Genre: Komödie, Horror, Trash, Klassiker

Ton: Deutsch DD 2.0 (Mono), Englisch DD 2.0 (Mono)

Untertitel: Keine

Bild: 1.78:1 (1920 x 1080p)

Laufzeit: ca. 91 Min.

FSK: FSK18 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover | Mediabook in 2 Cover-Varianten

Extras: Booklet, Original Trailer, Interview mit Special Make-Up Artist Allan Apone, Isolated „Music Only“ Track, umfangreiche Bildergalerie, Programmtrailer

Release-Termin: 08.12.2017

 

Neon Maniacs (Mediabook – Cover A mit Blu-ray und DVD) ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 

Neon Maniacs (Blu-ray im Keepcase) ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

NEON MANIACS – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

Die Rechte aller verwendeten Bilder liegen bei CMV LASERVISION

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Sgt. Kabukiman N.Y.P.D. (1990)
 
Cabal – Die Brut der Nacht (1990)
 
Atomic Hero (1984)
 

Filmkritik: „Stephen Kings Stark“ (1993)


 
 
 

STEPHEN KINGS STARK

(THE DARK HALF)

Story

 
 
 

Schöngeist Thad Beaumont verfasst Horror-Romane, deren blutrünstigste niedergeschriebene Aussetzer er unter dem Nome de plume George Stark veröffentlicht. Als ein schmieriger Neider Beaumont erpressen will, es geht um die Enttarnung des Pseudonyms, werfen wir einen Blick in die sonderbare medizinische Vergangenheit des ach so harmlosen Autoren und werden Zeugen einer gänzlich andersartigen Manifestation des Unholds Mr. Stark.

 
 
 


 
 
 

STEPHEN KINGS STARK – Kritik

 
 
 
Als erstes ist STARK, das sieht der sprichwörtliche Blinde mit dem Krückstock, Stephen Kings Variation einer der bekanntesten Horrorliteratur-Ideen überhaupt: Der böse Zwilling, der Doppelgänger, das andere Ich. Populärstes Exempel R.L. Stevensons Dr. Jekyll & Mr. Hyde. Direkter Einfluss der Ende des 19. Jahrhunderts aufkommenden Erfolgsgeschichte der Psychoanalyse Siegmund Freuds auf das Genre des Schauerromans. Unter dieser ersten, inhaltlichen Oberfläche bekommt es der Leser, hier besser gesagt und fortgesetzt: der Zuschauer, mit dem möglicherweise am stärksten autobiographisch gefärbten Stoff des Meisters aus Maine zu tun. Schreiben, Saufen, Schreiben, Saufen, Ohnmacht, Saufen, Schreiben. Heute weiß man, wie heftig die Todeskämpfe mit König Alkohol getobt haben müssen, der besonders in der ersten Lebenshälfte Kings mehr und mehr Kontrolle über seine Person und sein kreatives Ich gewinnen sollte. Mit ein paar Jahrzehnten Distanz spricht der im Zweifel wichtigste Horror-Romancier nicht nur der Gegenwart offen, ehrlich und sogar ironisch von jenen Jahren, in denen zwar unbestrittene Meisterwerke des Horrors wie CARRIE – DES SATANS JÜNGSTE TOCHTER entstanden, über die er jedoch vom herbeigesoffenen Filmriss bedingt keinerlei Erinnerung besitzt. Man kann sagen, Stephen King sind die misslichen Abenteuer seines Buchhelden Beaumont mit dem hemmungslosen Herrn Stark nur all zu bekannt. So lohnt sich mehrfaches Beschäftigen mit STARK ungemein, möchte man nicht nur hervorragend unterhalten werden, sondern auch noch intime Einblicke ins Unterbewusstsein seines Schöpfers gewinnen. Hier können jetzt Beaumont und King gemeint sein. Viele Häute hat die Zwiebel.
 
 
stephen-kings-stark-bild-2
 
 
Der erst jüngst – das wisst Ihr natürlich – abgetretene George A. Romero war nicht nur selbst langjähriger guter Freund der Whiskeyflasche, er teilte den Rausch auch regelmäßig mit seinem Bruder im Geiste King. Bei den Dreharbeiten zu CREEPSHOW etwa, waren beide nur mit vier Promille an Bord. Trotzdem oder gerade deswegen brachte die hochprozentige Zusammenarbeit der beiden Ostküsten-Spritmeister immer wieder schöne Ergebnisse mit sich. STARK ist ein Höhepunkt. Er funktioniert als Horror-Reißer und unterhält wirklich ganz prächtig. Dazu ist er einer der stärksten Filme, die Kings real life diabolischer Zwilling George abseits seiner ersten „…OF THE DEAD“- Zombie-Kultwerke hinbekommen würde, machen wir uns da mal nichts vor. Bei aller Verbundenheit zu Einkaufszentren in Pittsburgh.
 
 
stephen-kings-stark-bild-1
 
 


 
 
 

STEPHEN KINGS STARK – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Stephen Kings sehr persönlicher Stoff, verständnisvoll und doch effektiv von seinem echten Freund George A. Romero auf die Leinwand gebracht. Hier wurde tatsächlich mal alles richtig gemacht.
 
 
 


 
 
 

STEPHEN KINGS STARK – Zensur

 
 
 
STEPHEN KINGS STARK hatte es bisher in Deutschland nicht leicht. Wenige Monate nach der Veröffentlichung landete der Gruselstreifen im Jahr 1994 auf dem Index. Die Indizierung besteht bis heute. Neben der ungeschnittenen, indizierten Fassung wurde eine FSK-geprüfte Filmversion auf VHS veröffentlicht. Diese musste knapp sechs Minuten geschnitten werden, um eine Freigabe erhalten zu können. Im Jahr 2017 feierte der King-Klassiker seine HD-Premiere. OFDB FILMWORKS erwarb die Rechte und warf den Streifen in einer limitierten Sonderausgabe auf den Markt. Diese Filmversion ist ungeschnitten, ist aber wegen der Indizierung nur in einschlägigen Onlineshops erhältlich und darf nur an volljährige Filmfans verkauft werden. Weil sich Sehgewohnheiten geändert haben, ist die Indizierung jedoch ungerechtfertigt. Für heutige Verhältnisse befinden sich die Gewaltakte im Film aus FSK16-Niveau. Sollte die Indizierung irgendwann aufgehoben und STARK neu geprüft werden, ist eine Jugendfreigabe nicht unwahrscheinlich.
 
 
 


 
 
 

STEPHEN KINGS STARK – Deutsche Blu-ray

 
 
 
stephen-kings-stark-digipack-front

(c) OFDB Filmworks (Digipack – Front)

stephen-kings-stark-digipack-backcover

(c) OFDB Filmworks (Digipack – Rückseite)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Dark Half; USA 1993

Genre: Horror, Thriller, Klassiker

Ton: Deutsch (Linear PCM 2.0), Englisch (Linear PCM 2.0)

Untertitel: Film: Deutsch, Englisch | Extras: Deutsch

Bild: 1,85:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 121 Min.

FSK: Ungeprüfte Fassung – indiziert (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Digipack – limitiert auf 2000 Stück

Extras: Audiokommentar mit Regisseur George A. Romero (englisch), Audiokommentar von Kai Naumann & Marcus Stiglegger (deutsch), The Directors: George A. Romero – Dokumentation über den Regisseur, The Sparrows Are Flying Again – The Making of „The Dark Half“, Deleted Scenes, Behind The Scenes Footage: Special Effects, Behind The Scenes Footage: On The Set, Vintage Making of Featurette, Vintage Interviews, deutscher und englischer Kino-Trailer, TV-Spot, Booklet mit einem Text von Thorsten Hanisch

Veröffentlichung: Digipack: 07.07.2017

 
 
stephen-kings-stark-digipack-ausgepackt
 
 

Stephen Kings Stark [3-Disc Digipak mit DVD + Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON bestellen

 
 
 


 
 
 

STEPHEN KINGS STARK – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Rechte für Grafiken liegen bei OFDB FILMWORKS)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Die Unzertrennlichen (1988)
 
Schwestern des Bösen (1973)