Filmkritik: „Dark Justice – Du entscheidest!“ (2018)

dark-justice-du-entscheidest-2018-poster
 
 
 

DARK JUSTICE – DU ENTSCHEIDEST!

(DARK JUSTICE | JUSTICE DOT NET)

Story

 
 
 
Im Thriller „Dark Justice“ werden Umweltsünder entführt und direkt per Live-Übertragung ins Netz mit ihrer Schuld konfrontiert. Die Welt soll entscheiden, ob sie nicht vielleicht doch unschuldig sind.

 
 
 


 
 
 

DARK JUSTICE – Kritik

 
 
Unserem Planeten geht es nicht gut. Egal ob Ressourcen-Knappheit, Umweltverschmutzung oder Klimawandel – Der Mensch geht mit der Erde nicht gerade schonend um. Natürlich nehmen sich auch Filme diesem Thema an. So macht es z.B. „Dark Justice“, der dieses Thema mit einem Cyberthriller kombiniert und dabei durchaus kurzweilige Unterhaltung parat hält.
 
 
dark-justice-du-entscheidest-2018-bild-1
 
 
Der Computerprogrammierer Jake hat sich schon lange dem Kampf gegen Ungerechtigkeit gegen Mutter Natur verschrieben. Er stellt ein Team zusammen und das Ziel ist es ein paar einflussreichen Umweltsündern den Kampf anzusagen. Dabei geht Jake sogar so weit, diese zu entführen und sie per Stream ins Internet zu übertragen. Die Zuschauer sollen entscheiden, ob die Enführten schuldig oder unschuldig sind. Doch natürlich schaltet sich auch die Polizei ein und so beginnt ein Wettlauf mit der Zeit. Die Story ist alles andere als schlecht und besitzt ihre gewisse Eigenständigkeit. Es gibt viele Filme, die sich mit dieser Thematik auseinandersetzen, aber „Dark Justice“ macht es doch auf etwas andere Art und Weise. Dabei wirkt die Umwelt-Message manchmal etwas plakativ (was das Ende noch mal deutlich unterstreicht), doch verkehrt ist diese Herangehensweise keineswegs. Somit bekommt man hier eine gute Portion Anspruch, die man vielleicht noch etwas subtiler hätte verpacken können, die aber trotzdem ihre Wirkung entfalten kann. Außerdem dient das Drehbuch noch mit ein paar Wendungen, so dass es stets interessant bleibt das Geschehen zu verfolgen.
 
 
dark-justice-du-entscheidest-2018-bild-2
 
 
Für den luxemburgischen Regisseur Pol Cruchten war „Dark Justice“ der letzte Film, da er 2019 leider verstarb. Dass er eine gewisse Inszenierung beherrschte, kann man in diesem Werk jedoch noch deutlich sehen. Der Schauplatz ist zwar an sich begrenzt, aber es ist genügend Dynamik mit im Spiel. Die Kulissen machen allesamt etwas her und aus handwerklicher Sicht ist das durchaus zufriedenstellend. Darüberhinaus lebt das Szenario von einem hohen Tempo. Mit einer langen Einleitung hält man sich nicht auf und bevor man als Zuschauer alles verstanden hat, geht es auch schon zur Sache. Erst nach für nach erklären sich die Dinge und das sorgt schon für eine gewisse Spannung. Zu groß wird diese nie, denn dafür ist das Szenario zu klein angelegt, aber Langeweile kommt so trotzdem nie auf. Viel Action gibt es nicht, doch diese benötigt es nicht, denn mit seinen 87 Minuten Laufzeit ist „Dark Justice“ kurzweilig genug. Am Ende fehlt es sogar noch etwas an Tiefe, denn manchmal kommt man sich hier so vor, als hätte man es mit einer Pilotfolge für eine anstehende Serie zu tun. Uninteressant wäre eine solche sicherlich nicht, denn mit den Figuren, die man hier eingeführt hat, hätte man bestimmt noch mehr machen können.
 
 
dark-justice-du-entscheidest-2018-bild-4
 
 
Das liegt auch daran, dass die Darsteller überzeugen können. Martin McCann gerät als Hauptfigur erst ein bisschen später in den Fokus, liefert dann aber durchaus ab. Mit Pascale Bussières kann man sich als Polizistin ebenfalls anfreunden, weil sie eine unparteiische Rolle einnimmt. Philippe Duclos nimmt man das reiche Arschloch sofort ab und in einer etwas unbedeutenden Nebenrolle gibt es noch Desiree Nosbusch zu sehen. Alle Schauspieler machen ihre Sache mindestens solide und tragen so weite Strecken des Filmes. Überwiegend gibt es nämlich Dialoge zu hören und besonders spektakulär wird es eher selten. Umso erfreulicher ist, dass die deutsche Synchronisation sich sehr gut anhören lässt und man dem Inhalt auch gerne lauscht. Dumm ist „Dark Justice“ nämlich keineswegs. Er besitzt eine gute Substanz und geht auch mit den Cyber-Thriller-Elementen ansprechend um. Das sehr offene Ende lässt schon fast eine Fortsetzung vermuten, aber vielleicht muss diese der Mensch einfach selber gestalten.
 
 
dark-justice-du-entscheidest-2018-bild-3
 
 


 
 
 

DARK JUSTICE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
„Dark Justice“ ist ein kleiner, recht unspektakulärer Thriller, der sich einer wichtigen Thematik annimmt, diese mit genügend Wendungen serviert und von der Story her schon mal punkten kann. Nicht alles daran ist komplett glaubwürdig und manchmal wird es etwas zu plakativ, aber lobenswert ist der Ansatz durchaus. Abgerundet wird das Szenario von guten Darstellern, einer funktionierenden Figurenzeichnung und einer handwerklich runden Umsetzung. Etwas mehr Ambivalenz hätte nicht geschadet und besonders aufregend ist der Film ebenfalls nicht, dafür stimmt jedoch das Tempo und Langeweile kommt nie auf. Wer sich für das Thema Umwelt interessiert und zusätzlich einen Thriller zu schätzen weiß, kommt hier jedenfalls auf seine Kosten!
 
 


 
 
 

DARK JUSTICE – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Dark Justice – Du entscheidest! “ ist ungeschnitten und frei ab 12 Jahren.
 
 
 


 
 
 

DARK JUSTICE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
dark-justice-du-entscheidest-2018-bluray

(c) Eurovideo Medien (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Justice Dot Net; Irland | Kanada | Luxemburg 2018

Genre: Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 2.38:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 87 Min.

FSK: FSK12 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 14.01.2021

 

Dark Justice – Du entscheidest! [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

DARK JUSTICE – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Eurovideo Medien)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Snowden (2016)
 
Saw (2004)
 
Panic Room (2002)
 

Filmkritik: „The Outpost – Überleben ist Alles“ (2020)

the-outpost-2020-poster
 
 
 

THE OUTPOST – ÜBERLEBEN IST ALLES

(THE OUTPOST)

Story

 
 
 
Nach wahren Begebenheiten erzählt „The Outpost“ von ein paar US-Soldaten, die sich gegen eine Schar von Taliban im Afghanistan-Krieg verteidigen müssen.

 
 
 


 
 
 

THE OUTPOST – Kritik

 
 
Der Afghanistan-Krieg liegt noch nicht lange zurück und hat sicherlich auch Amerika in keinem besonders guten Licht dargestellt. Einen Film über diese wahren Begebenheiten braucht man in momentaner Zeit bestimmt nicht unbedingt, aber gute Geschichten verdienen es auch erzählt zu werden. „The Outpost“ schlägt sich da ganz solide, denn er driftet nie zu sehr in die Patriotismus-Schiene ab und versucht das Geschehen authentisch nachzustellen.
 
 
the-outpost-2020-bild-1
 
 
Im Norden Afghanistans liegt das Camp Keating. Hier sind 54 amerikanische Soldaten stationiert, die eigentlich Frieden bringen sollen und sich um die Bevölkerung kümmern. Gestört werden sie dabei jedoch immer wieder von feindlichen Taliban, die sich die ungünstige Lage zu nutze machen. Camp Keating liegt nämlich in einem Tal umgeben von Bergen und es gehört für die Soldaten zur Routine, dass jeden Tag ein paar Kugeln verschossen werden. Als eines Tages hunderte Taliban das Lager stürmen, kommt es zur finalen Konfrontation.
 
 
the-outpost-2020-bild-2
 
 
Während viele Filme mit dem Spruch „Basierend auf wahren Begebenheiten“ dienen, stimmt dies bei „The Outpost“ wohl auch mal, denn der Film basiert auf einem Sachbuch, welches 2012 erschien und eine reale Situation beschreibt. Das wird besonders beim Abspann erkennbar, in welchem man die realen Vorbilder zeigt und diese auch ehrt. Diese Herangehensweise ist nicht neu, funktioniert aber dennoch immer wieder und die Ehrung ist definitiv lobenswert. Ansonsten lebt die Story am ehesten von einer etwas unüblichen Kriegs-Prämisse, weil man sich eben nicht im offenen Gefecht befindet, sondern umlagert und somit eher gefangen ist. Etwas Neues hat das Drehbuch dem Kriegsdrama dabei kaum hinzuzufügen, jedoch funktioniert die Herangehensweise solide und sie lässt den Zuschauer sicherlich nicht gänzlich kalt.
 
 
the-outpost-2020-bild-4
 
 
Dafür investiert man in der ersten Hälfte nämlich zu viel Zeit in die Menschen. Zwar ist „The Outpost“ etwas überladen mit Charakteren, die man anfangs nicht wirklich auseinander halten kann, aber er versucht wenigstens Menschlichkeit zu erzeugen. Der Zuschauer wird nicht mit allen Figuren etwas anfangen können, aber genügend Profil ist eigentlich vorhanden und man lässt den verschiedenen Charakteren genug Raum. Allerdings profitieren nicht alle Darsteller davon. Scott Eastwood ist zwar wirklich solide, besitzt aber einfach noch immer nicht das Charisma seines Vaters und geht ein wenig unter. Anders ergeht es da schon Orlando Bloom, mit dem natürlich fleißig geworben wird, der nach einem Viertel der Laufzeit aber auch schon das Geschehen verlässt. Das ist wirklich schade, denn Bloom macht seine Sache einprägsam. Alle Darsteller sind gut und geben sich Mühe, aber viele bleiben dennoch hinter den Möglichkeiten zurück, was wohl auch an der Vielzahl liegt. Am ehesten fällt da noch Caleb Landry Jones aus dem Raster, der besonders in der zweiten Hälfte eine eindrucksvolle Leistung abliefert.
 
 
the-outpost-2020-bild-5
 
 
In dieser geht es dann sowieso zur Sache. Während Regisseur Rod Lurie so ziemlich genau die erste Stunde dafür nutzt, um die Situation darzustellen, geht es in der letzten Stunde um die finale Schlacht, die es in sich hat. Hier gibt es Nonstop-Action mit Explosionen und Kugelgewitter. Das wurde schon aufwendig inszeniert und lässt einen den Krieg ansatzweise spüren. Völlige Intensität wird zwar nicht erreicht, weil es z.B. verhältnismäßig harmlos zur Sache geht (FSK-16er wie „Der Soldat James Ryan“ sind hundert Mal schonungsloser), aber Spannung wird trotzdem erzeugt und weil einem die Charaktere eben nicht völlig egal sind, man einen leichten Draht zu ihnen aufbauen konnte, fiebert man schon etwas mit. Die Schauplätze wirken ebenfalls authentisch und aus handwerklicher Sicht gibt es daran kaum etwas zu bemängeln. Nur ist der Anfang vielleicht etwas zu ausgedehnt. Dass man sich rund zwei Stunden Laufzeit genommen hat, ist an sich löblich, fördert anfangs jedoch nicht gerade die Spannung. Böse ist man „The Outpost“ dafür im Endeffekt nicht, denn er wirkt niemals zu stumpf, verzichtet auf zu viel Patriotismus, ist nie zu einseitig und dient zudem mit einem guten Score und soliden Effekten.
 
 
the-outpost-2020-bild-16jpg
 
 


 
 
 

THE OUTPOST – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
„The Outpost“ ist ein Kriegsdrama, welches sich diesen Namen durchaus verdient hat und fast schon als Antikriegs-Film durchgehen könnte. Erfreulicherweise geht man mit der Thematik keineswegs plakativ um und zeigt einfach nur einen realen Fall, der den Wahnsinn des Kriegs ganz gut beschreibt. Für einen Klassiker reicht das nicht, denn dafür sind die Figuren nicht ausgefeilt genug, die Darsteller nicht markant genug und das Gefecht nicht packend genug, aber wer niedrige Erwartungen hat, wird sicherlich überrascht sein. Die Inszenierung kann nämlich wirklich etwas, Spannung kommt auf und allgemein ist hier alles relativ hochwertig verpackt. Die erste Hälfte zieht sich zwar etwas in die Länge, aber die zweite belohnt den Zuschauer dafür mit reichlich Action. Außerdem sind die Darsteller alles andere als schlecht und mit den Charakteren kann man zum Glück auch etwas anfangen. Alles in einem ein sehenswertes Kriegs-Drama!
 
 


 
 
 

THE OUTPOST – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „The Outpost – Überleben ist Alles“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

THE OUTPOST – Deutsche Blu-ray

 
 
 
the-outpost-2020-bluray

(c) Eurovideo Medien (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Outpost; Bulgarien | USA 2020

Genre: Thriller, Action, Drama, Krieg, Historienfilm

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 124 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 28.01.2021

 

The Outpost – Überleben ist Alles [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

THE OUTPOST – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Eurovideo Medien)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Lone Survivor (2013)
 
Operation: 12 Strong (2018)
 
Sniper: Special Ops (2016)
 
Fort Bliss (2014)
 

Filmkritik: „Rent-A-Pal“ (2020)

rent-a-pal-2020-poster
 
 
 

RENT-A-PAL

Story

 
 
 

Seltsame Freundschaft und beunruhigende Liebesgeschichte. Ein Einzelgänger bekommt eine Videokassette in die Hände, auf der ein Moderator zu sehen ist, welcher schnell das Vertrauen seines neugierigen Gegenübers gewinnt und für eigene Zwecke missbraucht.

 
 
 


 
 
 

RENT-A-PAL – Kritik

 
 
 
Das Besondere an Horrorfilmen ist, dass fantasiebegabte Drehbuchautoren die Möglichkeit haben jede noch so belanglose Situation auszunutzen, um darum Albträume zu weben. Da können Duschvorhänge – wie in CURTAIN – schon mal schlaflose Nächte bereiten, weil die immer wieder von Geisterhand verschwinden. Aber auch ein schlichtes Loch in der Wand wurde schon als Aufzieher verwendet, um eine schaurige Geschichte zu erzählen, die sich ins Gedächtnis gebrannt hat – DEEP DARK lässt grüßen. Den Möglichkeiten für Angstmacherei sind kaum Grenzen gesetzt. Treu der Devise „je sonderbarer, umso genialer“ wurden sogar schon Sitzmöbel (KILLER SOFA), Reifen (RUBBER) und Nahrungsmittel (ANGRIFF DER KILLERTOMATEN) dafür verwendet, um Zuschauern Schrecken einzujagen. Die Liste absurder Horrorszenarien ist lang. Der Psychothriller RENT-A-PAL ist da noch lange nicht die Spitze des Eisbergs.
 
 
rent-a-pal-2020-bild-5
 
 
Der spielt in den 1990ern, beginnt ganz unscheinbar und erzählt vom traurigen Leben des Einzelgängers David (BRIN LANDIS FOLKINS aus SLASHED – AUFGESCHLITZT). Der lebt zurückgezogen mit der an Alzheimer erkrankten Mutter in einer Wohnung und kümmert sich liebevoll um das Familienmitglied. Leider verlangt die Pflege so einiges von unserem Helden ab. Der muss auf Privatleben verzichten, weil er dafür schlichtweg keine Zeit mehr hat. Dennoch sehnt es ihn nach Geborgenheit. Deshalb hat sich David bei einer Video-Dating-Firma angemeldet. Die dreht Kontaktanzeigen, spielt diese auf Videokassette und vermittelt so unter den Suchenden untereinander. Leider hat David damit gar kein Glück. Keine Frau will sich auf seine Videoannonce melden. Bis ihm ein mysteriöses Videoband namens „Rent-A-Pal“ in die Hände kommt. Darauf sind zwar keine Kontaktanzeigen interessierter Damen zu sehen. Dafür wirbt aber der charismatischer Andy (WIL WHEATON) für genau das, was der einsame David sucht: Freundschaft, Verständnis und Zugehörigkeit. Bei so verheißungsvollen Botschaften kommt es unserem Helden gar nicht seltsam vor, dass das Videoband offenbar ein Eigenleben führt. Für jede Frage hat Andy nämlich eine Antwort. Für jedes Problem die passende Lösung. So entwickelt sich eine skurrile Männerfreundschaft, die im wahrsten Sinnes des Wortes bald keine Grenzen mehr kennt.
 
 
rent-a-pal-2020-bild-3
 
 
Kennt Ihr noch WIL WHEATON? Wem der Namen gar kein Begriff ist, dürfte den Schauspieler dennoch schon einmal auf der Mattscheibe gehabt haben. Hierbei handelt es sich um einen der Freunde im King-Drama STAND BY ME. Mittlerweile ist der Kinderdarsteller erwachsen geworden und hat die Seiten gewechselt. Aus Gut wurde Böse und hinter treu blickenden Rehaugen verbirgt sich schon mal das personifizierte Böse – wie RENT-A-PAL beweist. Hier hält der Filmfan den wohl sonderbarsten Horrorstreifen des Jahres 2020 in den Händen, der auch gleich einen der ungewöhnlichsten Schurken innerhalb des Horror-Genres mitbringt. Statt messerschwingende und maskierte Irre auf das Publikum loszulassen, geht es Regisseur JON STEVENSON weitaus psychologischer an. Sein Killer ist ungewöhnlich anders und tötet gar nicht selbst. Statt Killer aus Fleisch und Blut zur Tat schreiten zu lassen, stiftet ein Videoband zum Mord an, indem es manipuliert. Darauf zu sehen: ein Moderator der mit vertrauenswürdigen Floskeln das Gehirn seines Zuschauers wäscht. Eine makabre wie kontroverse Prämisse – vor allem auch deshalb, weil der Film auf erschreckende Weise zeigt, was Menschen tolerieren, um geliebt zu werden. Liebe macht eben bekanntlich blind.
 
 
rent-a-pal-2020-bild-2
 
 
Filmemacher JON STEVENSON thematisiert in seinem Film die ausweglose Suche nach Liebe, Zugehörigkeit und Verständnis in einer anonymen Welt, wo es immer schwieriger wird, Freundschaften zu pflegen und Partner zu finden. RENT-A-PAL zeigt hierbei wie schnell sich Suchende vom rechten Weg locken lassen, in dem sie gutgläubig und blind dem verzweifelten Ruf der Liebe folgen, ohne zu hinterfragen, ob das Gegenüber ernsthafte Absichten hegt oder nicht. Geht es nach Stevenson haben moderne Gesellschaften sogar verlernt, Kontakte auf herkömmlichem Wege zu knüpfen und gesundes Misstrauen zu entwickeln. Eine kranke Entwicklung, die in RENT-A-PAL beinahe schon zynisch auf die Spitze getrieben wird. Demzufolge findet es Held David im Filmverlauf gar nicht so ungewöhnlich mit einem Videoband zu sprechen. Statt das Herz für interessierte Frauen zu öffnen und raus in die Welt zu gehen, verkriecht er sich stattdessen in seinem Zimmer und knüpft dort Bande mit einer anonymen und nicht greifbaren Person. Die heuchelt auf einem Videoband Freundschaft vor und macht das Gegenüber emotional gefügig. Das mag zwar alles auf den ersten Blick gaga, grotesk und surreal wirken. Dennoch ist Thematik hinter dem Genre-Film gar nicht weit hergeholt. Zieht man nämlich Parallelen zum heutigen Zeitgeschehen, könnte die Geschichte hinter RENT-A-PAL gar nicht aktueller sein.
 
 
rent-a-pal-2020-bild-4
 
 
Die Digitalisierung hat es möglich gemacht, dass es einerseits zwar leichter geworden ist, mit Mitmenschen in Kontakt zu treten. Dennoch heißt das nicht zwangsläufig, dass es im Internet leichter ist die Liebe des Lebens oder gar echte Freunde zu finden. Dennoch wird zu schnell und leichtsinnig dem Unbekannten vertraut. So tummeln sich zwar auf Social Media Plattformen, Dating-Portalen oder Partner-Börsen kontaktfreudige Menschen, die Gleichgesinnte suchen. Leichter wird dort die Suche nach Mitgliedern mit ernstzunehmenden Absichten nicht zwangsläufig. Hinter anonymen Profilen tummeln sich gern auch zwielichte Gestalten, die alles andere – nur nicht ernstzunehmende Absichten suchen. Ein gefundenes Fressen für Cyberkriminelle, Stalker und Abzocker, die die Gutgläubigkeit des Gegenübers ausnutzen und Zuneigung vortäuschen. Brisanter Stoff, der schon einige Male im Horror-Genre behandelt wurde. Filme wie UNKNOWN USER und THE DEN sollten an dieser Stelle Erwähnung finden.
 
 
rent-a-pal-2020-bild-1
 
 


 
 
 

RENT-A-PAL – Fazit

 
 
8 Punkte Final
 
 
Die wohl krankeste aber auch traurigste Liebesgeschichte des Jahres. Intensiver Psycho-Horror, der unscheinbar beginnt und ganz unerwartet den Boden unter den Füßen wegzieht. Man sollte sich daher keinesfalls vom nichtssagenden Titel und dem doch schon langweilig gestalteten Filmplakat blenden lassen. Der Psychothriller RENT-A-PAL ist ein Geheimtipp für Genre-Fans und sollte unbedingt gesehen werden. Warum? Weil der Zuschauer hier einen der ungewöhnlichsten Psychopathen der Filmgeschichte zu sehen bekommt. Der zieht sein Opfer schnell in den Bann und treibt ihn mit allen Mitteln der Manipulation in den Abgrund, ohne dabei aktiv oder gar selbst zum Mordwerkzeug greifen zu müssen. Das ist teils erschreckend pervers und makaber anzusehen – hat aber alles Hintergrund. RENT-A-PAL strotzt nämlich so vor Gesellschaftskritik und zeigt einmal mehr als deutlich in welchen abartig kranken Zeiten wir eigentlich leben. Dass der Streifen trotz Erstlingswerk ganz ordentlich geworden ist und hervorragende Schauspieler zu bieten hat, mag nicht von Ungefähr kommen. Hinter dem Psycho-Horror, das sich irgendwo im Stalker-Genre ansiedeln lässt, steckt nämlich der genreerprobte JON STEVENSON. Der war vor einigen Jahren am Body-Horror EAT als Kameramann am Start und feiert mit RENT-A-PAL sein Regiedebüt. Statt sich – wie die meisten Newcomer durch Gewalt, Blut und Gore ins Gedächtnis der Horrorfangemeinde einzubrennen – geht er es subtil und bedacht an. Viel Hintergrund, bedachte Charakterentwicklung und Spannungsaufbau. Das Ergebnis: Ein filmisches Experiment mit brisanter Botschaft, das zum Nachdenken anregt und doch schon irgendwie Angst macht.
 
 
 


 
 
 

RENT-A-PAL – Zensur

 
 
 
RENT-A-PAL ist mehr Charakterstudie mit psychologischem Horror statt krasse Schlachtplatte. Am Ende wird es etwas „tödlich“. Gründe, die dem Streifen eine FSK16 einbringen dürften. Es würde wundern, wenn sich in Deutschland für diese sehenswerten Streifen kein Rechteinhaber finden sollte.
 
 
 


 
 
 

RENT-A-PAL – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei IFC FILMS)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
One Hour Photo (2002)
 
13 Cameras (2015)
 
I Trapped the Devil (2019)
 

Filmkritik: „The Nightingale – Schrei nach Rache“ (2018)

the-nightingale-2018-poster
 
 
 

THE NIGHTINGALE – SCHREI NACH RACHE

(THE NIGHTINGALE)

Story

 
 
 
Jennifer Kent präsentiert eine verstörende Rachegeschichte im dunkelsten Kapitel der australischen Geschichte

 
 
 


 
 
 

THE NIGHTINGALE – Kritik

 
 
Da ist er also, so fühlt es sich also an, ich hatte es schon fast vergessen. Von den allzu abtrünnigen, widerwärtigen, Gewalt- und Erniedrigungspassagen durchexerzierenden Auswürfen transgressiver bis hin zu ziellos schockender, niederträchtiger Filmkunst habe ich bisher mein ganzes Leben lang wohlweislich Abstand gehalten. Denn so interessant und spannend Pseudosnuff und Torture Porn, Babygematsche im Amateursplatter und unerträglich explizite Demütigung halbnackter Opfer sein kann, so wenig Unterhaltungs- oder Mehrwert hab ich in solchen Filmen meistens gesehen, zumal ich – und das dürfte der eigentliche Grund sein – auch einfach keine Lust habe, völlig abzustumpfen, nicht mehr geschockt werden zu können, bis dahin aber umso traumatisierender verstört zu werden. Abstecher in den extremeren Horrorbereich sind dabei natürlich trotzdem dann und wann im Programm, teils absolut berechnet und erwartet wie bei Brian Paulins Undergroundsplatter „Fetus“, der aber eben so trashig und billig und schlecht gespielt und inszeniert ist, dass man vieles kaum noch ernst nehmen kann, oder auch unerwartet und nachhaltig packend wie bei dem spanischen Weihnachtskurzfilm „Merry Little Christmas“ geschehen, der häusliche Gewalt, Inzest und Traumata mit einer manifestierten Alptraumfigur gemixt hat, um in Rekordzeit das Nervenkostüm des Zuschauers zu zerfetzen. Auch der französische „Inside“ hat mich bei der ersten Sichtung, damals noch als Jugendlicher, böse erwischt und fast katatonisch werden lassen, doch hier waren es dann Unlogik und -realismus, die das Gezeigte im Nachinein rationalisieren konnten. Als jüngste Beispiele meiner drastischeren Seherfahrungen seien Douglas Buck‘ exzellentes Episodendrama „Family Portraits: A Trilogy of America“ sowie Satos legendärer „Splatter: Naked Blood“ genannt, beide zweifelsohne auch mit Verstörungspotential gesegnet, nicht nur selbstzweckhaft und trotzdem drastisch bis zum Anschlag.
 
 
the-nightingale-2018-bild-1
 
 
Doch was all diese Filme teilen, all diese Titel die mir nahe gegangen sind auf einer viszeralen, physisch spürbaren, unangenehmen Ebene mit ihren teils allzu realistischen Szenarien, das ist, dass wir es hier stets noch mit „fairen“ Umständen oder zumindest zahlenmäßig ausgewogenen Konfrontationen zu tun haben, eine einelne Person verletzt eine andere, oder sich jemand selber, oder es ist der Protagonist, der mehreren anderen, gar Unschuldigen, Leid widerfahren lässt. Doch es ist keine Gruppe, keine sadistische Mentalität organisierter Gewalt oder Folter, keine Ohnmacht gegenüber Zuständen, denen man kampflos ausgeliefert ist, weil ein einzelnes Messer oder eine glückliche Sekunde nicht reichen würde, um zu entkommen. Grenzt man die Auswahl effektiv verstörender Filme, die ich gesehen habe, auf diese Weise weiter ein, so gelangt man schnell zu einem sehr kleinen Pool: Den sehenswerten Indiehorror „REEL“ hab ich aufgrund genau der Thematik z.B. überlegt abzubrechen, „Eden Lake“ sitzt auch wie ein Stein im Magen, am Ärgsten hat mich aber tatsächlich der deutsche Film „Das Experiment“ erwischt, der auf allzu realistische und ungeschönte Weise von einer eskalierenden Spirale aus Gewalt, Erniedrigung und Sadismus erzählt.
 
 
the-nightingale-2018-bild-3
 
 
Was man bei keinem dieser Filme, die ich allesamt zu unterschiedlichen Graden empfehle, findet, das ist ein historisches Setting, das seltenst im Film behandelt oder erzählt wurde, und zwar das des „Black Wars“, dem erbarmungslosen Genozid an den australischen Ureinwohnern und das grausame Leben in den Strafkolonien der Briten im 19. Jahrhrundert, denn genau so eine war ganz Tasmanien, „Van Diemen’s Land“, damals noch. Eine Zeit, in der von den Briten gefangen genommene, weiße Männer bereits leiden mussten und unfair behandelt und ausgebeutet wurden, ja, aber erst recht eine, in der von Gleichberechtigung, Frauenrechten oder Black lives matter-Bewegungen noch dekadenlang nichts gehört wurde. Und mit diesem Setting, das auf dem Papier also schon eine absolut toxische und lebensfeindliche Umgebung ist, im Hinterkopf, erzählt Jennifer Kent eine tief mit seinem historischen Setting verwobene Geschichte, die von schreiender Ungerechtigkeit und dem Drang nach Rache, aber auch Humanismus in den schwersten Zeiten der Menschheit und kultureller Identität erzählt.
 
 
the-nightingale-2018-bild-4
 
 
137 Minuten lang eine solche erdrückend hoffnungslose Geschichte erzählt zu bekommen, das könnte wahlweise ermüdend oder einfach nur durchgängig unerträglich sein, doch die atemberaubende Cinematographie, die die makellosen und oscarwürdigen Kostüme der Generäle und Offiziere ebenso bildgewaltig einfängt wie die unbändige Natur Tasmaniens, die kerzenbeleuchteten, kargen Innenräume verarmter Sträflinge oder die gefährlichen Steilpässe und sich durch sie windenen Vollblüter ebenso wie sich einbrennende Nahaufnahmen in Angst erstarrter Gesichter, hat es mir keine Sekunde lang erlaubt, wegzuschauen. Und das darf man auch nicht und das sollte man auch nicht, denn alles was hier ungeschönt gezeigt wird, wurde präzise recherchiert, mit viel Aufwand übersetzt und so gottverdammt intensiv und perfekt gespielt, dass ich aus der Gänsehaut teils nicht mehr heraus kam, den Tränen nahe war. Eine gute halbe Stunde lang ist „The Nightingale“ zwar bereits hochästhetisch und erinnert an Eggers Werke, erzählt sich aber gleichzeitig so unfassbar grausam, unerbitterlich, bösartig und echt, dass einem wirklich schlecht werden kann.
 
 
the-nightingale-2018-bild-2
 
 
Doch genau wie die Cinematographie nun das volle Potential des Settingwechsels nutzt, Waldatem verbreitet und den Morgentau spürlich schmecken können lässt, speist die Narrative des Films auf vorallem emotionaler Ebene von dem schrecklichen Einstieg, den wir zusammen erleben mussten, und mahnt durch pointierte, kurz gehaltene Träume immer wieder die schiere Brutalität an, mit der alles begann. Und das soll keinesfalls heißen, dass der Film das Tempo nach dem Einstieg runter nehmen oder sich entspannen würde, ganz im Gegenteil – „The Nightingale“ bleibt durch das perfekte technische Niveau, die authentische Mehrsprachigkeit, die oscarreifen Performances, allen voran von Aisling Franciosi und Sam Claflin als gebrochen-nuancierte, kalte, zielstrebrige aber im Endeffekt völlig überforderte Protagonistin, bzw. extrem hassenswerten und wiederwärtigen Antagonisten und die ultimative Synchronisierung mit unserer Heldin zu jeder Sekunde sehenswert, spannend, atmosphärisch, ästhetisch und emotional packend wie selten ein Film.
 
 
the-nightingale-2018-bild-5
 
 
Lange Zeit war ich völlig hin und weg davon, wie dieses Meisterwerk die mit besten Einstellungen der letzten Jahre mit einer Welt paart, die nur auf Sadismus und Machtspielen, Befehlen und Erniedrigung, Folter und Vergewaltigung aufgebaut scheint, wie der Konflikt zwischen „Will ich unbedingt nochmal sehen!“ und „Will ich nie wieder sehen!“ sich immer wieder in den Vordergrund drängt und wie ich am laufenden Band an Filme erinnert werden, die ich alle für Meisterwerke halte – doch dann, leider kamen kleine Stolpersteine im Pacing des dritten Akts. Das Ende ist zwar beiweitem nicht beliebig, aber mir war es nicht pointiert oder perfekt genug gewählt, auch hätte „The Nightingale“ mit ziemlich genau 10 Minuten weniger zum Ende hin auskommen können, ohne etwas von seiner Wucht oder Brillianz zu verlieren. Aber das soll diese einmalige Seherfahrung trotzdem kein bisschen abwerten. Wer mitreißende Genrefilme schätzt, Thriller oder Rachefilme, historische Dramen oder feministisches Kino, wer Robert Eggers und A24-Fan ist, wer keine Angst vor erbarmungslosen Filmen hat, wer geschichtliches Interesse hat oder auch nur kulturelles, wer Kostüme designen oder Fotos machen und sich mit Framing auseinandersetzen will, wer filmische Überlebenskämpfe mag oder auch „nur“ elaborierte Rape & Revenge-Filme, dem sei dieser Film explizit ans Herz gelegt. Egal aus welchem Blickwinkel, kalt dürfte „The Nightingale“ niemanden lassen, der das Handy weglegt und sich 2 Stunden auf diese Reise einlässt. Ich habe nach langer Zeit nicht einmal pausiert, nicht einen Schluck getrunken, nicht einen Blick auf die Timeline geworfen und keinen hämischen Kommentar zu irgendwas gehabt – „The Nightingale“ war fast zu jeder Sekunde eine lohnenswerte Seherfahrung, und das erste Mal in einer langen Zeit, dass ich a) fast eine 10/10 vergeben hätte und b) von einem Film so derart verstört wurde, dass ich in dem Moment geschwitzt, mich elendig schlecht gefühlt habe und mein Herzschlag rapide hochgeschellt ist. Wichtiges, nahezu transgressives, fantastisch inszeniertes, makellos gespieltes, unbarmherziges, ehrliches Kino.
 
 


 
 
 

THE NIGHTINGALE – Fazit

 
 
 
9 Punkte Final
 
 
Wahnsinnsfilm. Schauspiel und Drehbuch auf höchstem Niveau, Kameraeinstellungen und Kulissen zum Verlieben, eine unbändige Wildnis mit perfekten Kostümen, ein period piece mit Bildern zum Niederknien, perfekt geframed im 1.37:1-Format. Und das alles dann effektivst kontrastiert mit einer erbarmungslosen, selten so intensiv inszenierten Vergewaltigung, mit konstanten Befehlen und Machtspielen, Erniedrigungen und sadistischem Rassismus, der ungeschönt gezeigt wird. Kein perfekter Film, mit dem dritten Akt und Ende hatte ich ein paar Probleme, aber wenn ich je große Werbephrasen dreschen konnte, dann hier: Eine Meisterwerk, das an „The Revenant“ erinnert, Rassismus und Sklaverei noch ungeschönter und ehrlicher angeht als „Django Unchained“, Trauma und Auswegslosigkeit so intensiv inszeniert wie „I Spit on Your Grave“ und ästhetisch an ein experimentelleres „The Witch“ erinnert. Ganz starke 9/10
 
 


 
 
 

THE NIGHTINGALE – Zensur

 
 
 
Die Veröffentlichung von „The Nightingale“ hat von der FSK in der ungeschnittenen Fassung die Einstufung „keine Jugendfreigabe“ erhalten. Die Freigabe ist berechtigt, denn neben einer Vergewaltigung gibt es auch diverse Morde zu sehen, die es in sich haben.
 
 
 


 
 
 

THE NIGHTINGALE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
the-nightingale-2018-bluray

(c) Koch Films (KeepCase Blu-ray)

 
the-nightingale-2018-mediabook

(c) Koch Films (Mediabook)

 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Nightingale; Australien | Kanada | USA 2018

Genre: Thriller, Abenteuer, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.37:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 136 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook | KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Making of, The Nightingale in Context | zusätzlich im Mediabook: Film auf DVD + Booklet

Release-Termin: Mediabook + KeepCase: 25.06.2020

 

The Nightingale – Schrei nach Rache [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

The Nightingale – Schrei nach Rache [Mediabook] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

THE NIGHTINGALE – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Koch Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Revenant – Der Rückkehrer (2015)
 
I Spit on Your Grave (2010)
 
The Witch (2015)
 
Van Diemen’s Land (2009)
 

Filmkritik: „Scars of Xavier“ (2017)

scars-of-Xavier-2017-poster
 
 
 

SCARS OF XAVIER

Story

Ein Serienmörder verursacht mit seinem brutalen Treiben in Prag Angst und Schrecken.

 
 
 


 
 
 

SCARS OF XAVIER – Kritik

 
 
Horrorfilme aus Deutschland werden in der Regel nicht staatlich gefördert. Demzufolge gehen diese nur selten in Produktion und existieren demzufolge kaum. Doch es gibt immer mehr Filmemacher, die das nicht hinnehmen wollen. Die gehen Risiken ein und finanzieren Horrorfilme mittlerweile selbst. Vorbei die Zeiten von übler Amateur-Ware aus dem Hause OLAF ITTENBACH. Der deutsche Horrorfilm hat sich im Untergrund längst weiter in Richtung Professionalität entwickelt. Das Ergebnis: DER NACHTMAHR oder LUZ. Eine Reihe mutiger und vor allem ungewöhnlicher Genre-Filme aus Deutschland, die nun mit SCARS OF XAVIER erweitert wird. Letzterer ist deftig und verursacht in erster Linie Aufsehen durch Brutalität. In Anbetracht dessen, wer da auf dem Regiestuhl sitzt, ist das kein Wunder. Regisseur und Drehbuchautor KAI E. BOGATZKI ist kein unbeschriebenes Blatt in der deutschen Independent-Horrorfilm-Szene. Der war schon an Genre-Streifen wie BLOOD FEST und HI8: RESURRECTIO als Editor beteiligt. Die Konsequenz daraus: Endlich mal selbst einen eigenen Horrorschocker drehen. Nach einigen Kurzfilmen ist der nun erschienen. SCARS OF XAVIER schlug auf Festivals ein, wie eine Bombe und erhielt jede Menge Lob. Deshalb erschien er jüngst auf Blu-ray und DVD im limitierten Mediabook.
 
 
scars-of-Xavier-2017-bild-2
 
 
SCARS OF XAVIER beschreibt nicht unbedingt die inneren Narben, Gewissensbisse und Ängste, welche die Taten als Serienkiller rechtfertigen. Stattdessen handelt der Film vom Treiben eines Mannes, der seinen fehlgeleiteten Emotionen in Form von Morden Herr werden muss. Xavier nennt sich der Einzelgänger und kann in Rom gerade noch so der Polizei entkommen, die seinen schrecklichen Taten auf die Schliche kommen konnte. Nun wird ein neues Versteck benötigt. Das Goldene Prag scheint hierfür prädestiniert zu sein. Schnell hat Xavier eine Anstellung als Fahrzeugreiniger an einer Tankstelle gefunden. Von hier aus kann er seinen Hass auf Frauen ungestört weiter ausleben. Der mordet unbemerkt in Diskotheken oder lockt Frauen zu sich nach Hause, um sie dort zu zerstückeln. Da trifft unser Held in einem Lokal auf eine junge Kellnerin mit Problemen. Offenbar scheint die anders zu sein, als alle andere Frauen zuvor. Doch Horrorfilmkenner ahnen: Diese Liebe wird nicht von langer Dauer sein.
 
 
scars-of-Xavier-2017-bild-3
 
 
Man muss SCARS OF XAVIER durch die rosarote Indie-Brille betrachten. Das ist kein Film für jedermann, der sich mal soeben von etwas Horrorfilmunterhaltung berieseln lassen möchte. SCARS OF XAVIER ist schon harter Tobak, der sich durch das Zelebrieren von Gewalt Eindruck verschafft. Wir sehen, wie Filmfigur Xavier einen wahren Blutrausch durchlebt, in dessen Verlauf diverse Menschen das Leben lassen müssen. Da werden Kehlen durchgeschnitten, Körper zerteilt und Fleischwunden zugefügt. Die Spezialeffekte fallen für Indie-Horror beachtlich professionell aus. Der technisch hohe Standard bekräftigt die Vermutung, dass hier wohl Menschen am Werk waren, die schon länger mit Filmen zu tun haben. Ob Schnitt, Kamera oder Filmmusik – SCARS OF XAVIER beweist eindrucksvoll, dass Indie-Horror aus Deutschland schon lange die Grenzen sinnbefreiter Amateur-Ware überschritten hat.
 
 
scars-of-Xavier-2017-bild-1
 
 
So viel Lob dem Visuelle zuzuschreiben ist, so enttäuschender jedoch die Handlung selbst. SCARS OF XAVIER ist bei genauerer Betrachtung ein zweischneidiges Schwert. Das Drehbuch ist nämlich sein größter Feind. Regisseur und Drehbuchautor KAI E. BOGATZKI (übrigens ein sehr sympathischer Zeitgenosse) treibt seinen Antihelden von Mord zu Mord. Letztere laufen nach immer gleichem Schema ab – nur Todesarten und die Frauen selbst unterscheiden sich voneinander. Spannung kommt da natürlich nur selten auf, was auch daran liegt, dass Filmfigur Xavier unnahbar bleibt. In Rückblenden, die stets in Egoansicht zu sehen sind, erfährt der Zuschauer Ursachen für die Taten. So ist mal wieder die Mutter an allem Schuld, die ihren Jungen in Jugendtagen missbraucht, gedemütigt und schikaniert hat. Klischees, die nur oberflächlich angerissen werden. Der innere Kampf mit sich selbst und seiner Vergangenheit findet im Film nur selten Erwähnung. Stattdessen werden Ängste, Traumata und Emotionen in Blut ersäuft. Jeder Psychologe dürfte da nicht unbegründet die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Als ernst zu nehmendes Psychogramm eines Psychopathen, der durch eine vermasselte Kindheit zum Serienkiller geworden ist, taugt SCARS OF XAVIER daher nicht unbedingt.
 
 
scars-of-Xavier-2017-bild-4
 
 
Übrigens bewiesen alle Beteiligten des Films Herzblut und Engagement. So erklärte Xavier-Darsteller MARC ENGEL im Making-of, welches sich auf Blu-ray und DVD zu SCARS OF XAVIER finden lässt, dass er seinen Charakter so glaubhaft wie möglich erscheinen lassen wollte. Hierfür hungerte er sich auf 52 Kilo herunter. Damit machte er es Schauspieler CHRISTIAN BALE gleich. Letzterer nahm für seine Rolle in DER MASCHINIST knapp 30 Kilogramm ab. Dass Engel offenbar für Filme lebt und quasi alles dafür gibt, zeigt auch der Mut für Extreme. So nahm der deutsche Schauspieler für eine Szene einen Lötkolben in die Hand und fügte sich damit schmerzhafte Verbrennungen zu. Die im fertigen Film gezeigte Wunde ist daher echt. Krasser Shit.
 
 


 
 
 

SCARS OF XAVIER – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
Kontroverses Serienkiller-Gemetzel aus deutschen Landen, das Indie-Horrorfilme aus Deutschland auch international interessant machen dürfte. Zwar hat das Drehbuch so einige Schwächen. Die Professionalität und der hohe technische Standard sind aber beachtlich. SCARS OF XAVIER tritt in die Fußstapfen von so Filmen wie MANIAC oder HENRY. Mit denen kann diese Produktion zweifelsohne mithalten.
 
 


 
 
 

SCARS OF XAVIER – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von SCARS OF XAVIER ist ungeschnitten, aber auch ungeprüft. Wegen fragwürdiger Szenen dürfte es der Streifen generell schwer haben überhaupt durch eine FSK-Prüfung zu gelangen. Wer den ungeschnitten Streifen haben möchte, muss daher genauer suchen. Online-Shops mit großem FSK18-Sortiment dürften SCARS OF XAVIER im Sortiment haben. Alternativ kann man den Film auch im Webshop der WICKED VISION DISTRIBUTION GMBH kaufen.
 
 
 


 
 
 

SCARS OF XAVIER – Deutsche Blu-ray

 
 
 
scars-of-Xavier-mediabooks-ajpg

(c) Wicked Vision | Rawside Entertainment (limitiertes Mediabook – Cover A – auf 222 Stück limitiert)

scars-of-Xavier-mediabooks-b

(c) Wicked Vision | Rawside Entertainment (limitiertes Mediabook – Cover B – auf 222 Stück limitiert)

scars-of-Xavier-mediabook-c

(c) Wicked Vision | Rawside Entertainment (limitiertes Mediabook – Cover C – auf 222 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN

Originaltitel: Scars of Xavier; Deutschland | Tschechien 2017

Genre: Horror, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 91 Min.

FSK: ungeprüft (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook

Extras: 24-seitiges Booklet mit einem Text von Mike Blankenburg, Nummerierte Sammelkarte (Nur für die ersten 100 Vorbesteller im Wicked Shop), Deleted Scenes, Making-of, Interviews, Making-of Synchronisation, Teaser, Trailer, Musikvideo, Kurzfilm, Bildergalerie, Hauptfilm auf DVD

Veröffentlichung: Mediabook: 07.04.2020

 
Nachdem SCARS OF XAVIER seine Weltpremiere auf dem US-Nightmares Film Festival im Jahr 2017 feiert, wurde er seither u. a. in den Niederlande auf DVD (ab 16) sowie in Norwegen als VOD (ab 15) veröffentlicht. Nun – im Jahr 2020 – hat es der Streifen auch auf den deutschen Markt geschafft. Das beliebte Label WICKED VISION hat SCARS OF XAVIER als Teil seiner Uncut Rawside Edition veröffentlicht. Diese ziert die Nummer fünf. SCARS OF XAVIER kann demzufolge in drei Mediabooks mit unterschiedlichem Cover gekauft werden. Jedes Mediabook ist streng limitiert auf 222 Stück. In jedem Mediabook ist eine DVD und eine Blu-ray zum Film enthalten.
 

wicked-vision-shop

Unterstützt WICKED VISION und kauft hochwertige Sammlerveröffentlichungen im WICKED Shop zu Top Preisen!

 

Scars of Xavier [Mediabook – Cover A] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Scars of Xavier [Mediabook – Cover B] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Scars of Xavier [Mediabook – Cover C] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

SCARS OF XAVIER – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei WICKED VISION DISTRIBUTION GMBH | Rawside Entertainment)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
H6 – Tagebuch eines Serienkillers (2005)
 
Maniac (1980)
 
Enter the Dangerous Mind (2013)
 
Alexandre Ajas Maniac (2012)
 
Simon Killer (2012)
 

Filmkritik: „Ein Schrei in der Dunkelheit“ (1988)

ein-schrei-in-der-dunkelheit-1987-poster
 
 
 

EIN SCHREI IN DER DUNKELHEIT

(A CRY IN THE DARK | EVIL ANGELS)

Story

 
 
 

Tatsächlich – man mag es nicht glauben – wird hier eine wahre Geschichte verfilmt. Das Ehepaar Chamberlain, er ist der Pfarrer einer strammen evangelikalen Freikirche, steht vor Gericht. Dort soll herausgefunden werden, wie es zum Verschwinden der kleinen Tochter der beiden gekommen ist. Heftige Vorurteile gegen die so archaisch daherkommende Religion der Chamberlains und das strenge und emotionsarme Agieren gerade der Mutter vor Gericht führen zur Stimmungsmache gegen die Angeklagten und es scheint der Verteidigung beinahe unmöglich, gegen die wütende Vorverurteilung von Seiten der Öffentlichkeit zu bestehen.

 
 
 


 
 
 

EIN SCHREI IN DER DUNKELHEIT – Kritik

 
 
 
Eine echte Urban Legend ist jene doch sehr abenteuerliche Schote von dem Baby, das im unendlichen australischen Outback von einem Dingo, also dem ortstypischen Wildhund, verschleppt wird. Das eigentlich gar nicht so lustige aber hochbizarre Szenario dürfte es in manche Parodie geschafft haben und kam sogar schon bei den SIMPSONS und FAMILY GUY vor. Die Story hinter EIN SCHREI IN DER DUNKELHEIT allerdings ist the real deal. Im Land down under schon ganz kurz nach dem Prozess gegen das Pfarrersehepaar in Buch- und Film-Form veröffentlicht, ist die Geschichte eigentlich deutlich zu wahnsinnig um wahr zu sein und dürfte der medienpräsenteste Fall eines verschwundenen Kindes seit der des Lindbergh-Babys, viele Jahre zuvor, gewesen sein. Regisseur Fred Schepisi ist ein echter Exportschlager der australischen Kinoindustrie, der für zahlreiche große, weltweit kassenträchtige Hits verantwortlich zeichnet. Einige seiner Filme kennt wirklich jeder. Das Horror- oder Thriller-Genre touchiert er eher selten, wobei wir Euch sein 1978 entstandenes Frühwerk DIE BALLADE VON JIMMIE BLACKSMITH, einen sehr blutigen und bedrückenden Historienfilm über das elende Schicksal eines jungen Aborigine-Arbeiters, hier ausdrücklich empfehlen möchten.
 
 
ein-schrei-in-der-dunkelheit-1987-bild-2
 
 
Machen wir uns nichts vor: EIN SCHREI IN DER DUNKELHEIT ist natürlich zu weiten Teilen ein Gerichtsfilm. Dieses kammerspielartige und betont dialogschwere Genre muss man mögen, wenn man an diesem äußerst gelungenen Film seine Freude haben möchte. Des Weiteren bietet er Kinofans mit einem Sinn für die Arbeiten der größten Leinwand-Könner die Möglichkeit, Meryl Streep im Rahmen einer echten One-Woman-Show zu erleben. Diese unglaubliche Schauspielerin gilt nicht umsonst als die wohl bedeutendste Vertreterin ihrer Zunft der letzten fünfzig Jahre.
 
 
ein-schrei-in-der-dunkelheit-1987-bild-1
 
 


 
 
 

EIN SCHREI IN DER DUNKELHEIT – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Ein wärmstens ans Herz gelegtes Thriller-Drama zwischen True-Crime- und Courtroom-Film. Das vom fähigen Fred Schepisi geführte Ensemble agiert auf höchstem Niveau und bietet der unvergleichlichen Meryl Streep in der Rolle der auf protestantische Selbstzucht bedachten Mutter eine Bühne, die sie mit Bravour zu der ihren macht. Solche Filme werden heute leider nicht mehr gedreht.
 
 
 


 
 
 

EIN SCHREI IN DER DUNKELHEIT – Zensur

 
 
 
Alle Fassung zu EIN SCHREI IN DER DUNKELHEIT waren bisher ungeschnitten frei ab 12 Jahren. Das traf auf die VHS ebenso wie diverse DVD-Auswertungen zu. Natürlich hat sich das auch im HD-Zeitalter nicht geändert. A CRY IN THE DARK (Originaltitel) ist hierzulande auf Blu-ray ungeschnitten und besitzt einen grünen FSK12-Sticker.
 
 
 


 
 
 

EIN SCHREI IN DER DUNKELHEIT – Deutsche Blu-ray

 
 
 
ein-schrei-in-der-dunkelheit-1987-bluray

(c) NSM Records (Blu-ray KeepCase)

ein-schrei-in-der-dunkelheit-1987-mediabook-cover-a

(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover A – auf 222 Stück limitiert)

ein-schrei-in-der-dunkelheit-1987-mediabook-cover-b

(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover B – auf 111 Stück limitiert)

ein-schrei-in-der-dunkelheit-1987-mediabook-cover-c

(c) NSM Records (limitiertes Mediabook – Cover C – auf 111 Stück limitiert)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: A Cry in the Dark; USA | Australien 1988

Genre: Drama

Ton: Englisch DTS-HD MA 2.0, Deutsch DTS-HD MA 2.0

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p)

Laufzeit: ca. 122 Min.

FSK: FSK12 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Amaray mit Wechselcover | Mediabook

Extras: Deutscher Trailer, Original Trailer | zusätzlich im Mediabook: 16 -seitiges Booklet von Mike Blankenburg und den Film auf DVD

Veröffentlichung: Mediabook: 27.09.2019 | KeepCase: 28.02.2020

 
 
NSM hat 2019 drei limitierte Mediabooks mit zusätzlichem Booklet zum Film veröffentlicht. Seit Februar 2020 kann man EIN SCHREI IN DER DUNKELHEIT auch in Deutschland als Blu-ray im KeepCase im Handel erwerben und muss keine Umwege über das deutschsprachige Ausland in Kauf nehmen. Die darin enthaltene Filmfassung ist selbstverständlich ungeschnitten.
 
 

Ein Schrei in der Dunkelheit [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Ein Schrei in der Dunkelheit [Mediabook – Cover A] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Ein Schrei in der Dunkelheit [Mediabook – Cover B] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

Ein Schrei in der Dunkelheit [Mediabook – Cover C] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 
 


 
 
 

EIN SCHREI IN DER DUNKELHEIT – Trailer

 
 


 
 
 

Christian Ladewig

(Die Rechte aller verwendeten Bilder und fürs Packshot liegen bei NSM Records)

 
 
 
Ähnliche Filme:
 
Die Ballade von Jimmie Blacksmith (1978)
 
Die Jury (1996)
 
Das perfekte Verbrechen (2007)
 
A Fall From Grace (2020)
 

Filmkritik: „Still/Born“ (2017)

still-born-2017-poster
 
 
 

STILL/BORN

Story

 
 
 

Eine frisch gebackene Mutter erlebt nach der Schwangerschaft den Horror auf Erden. Offenbar will ihr jemand den Nachwuchs stehlen. Doch die Verdächtigungen bringen Mary in Teufels Küche. Nicht jeder will ihr Glauben schenken, dass eine Kreatur aus der Welt des Okkulten das Kind nehmen möchte.

 
 
 


 
 
 

STILL/BORN – Kritik

 
 
 
Als junge Mutter hat man es nicht leicht. Nicht nur, dass man neun Monate mit Stimmungsschwankungen und unstillbaren Futterattacken zu kämpfen hat. Auch die Zeit nach der Geburt kann zur Tortur werden – vor allem, wenn das Kind unermüdlich schreit. Umso heimtückischer, wenn sich Filmemacher genau jene Thematik zunutze machen und daraus einen Horrorfilm drehen. So geschehen mit dem Schocker STILL/BORN, der von jemandem inszeniert wurde, der bisher nur wenig aufgefallen ist. Regisseur BRANDON CHRISTENSEN fungierte als Produzent des etwas anderen Zombiefilms IT STAINS THE SAND RED. Offenbar leckte der noch unerfahrene Filmemacher nach den Dreharbeiten Blut. Daher entstand die Idee zum Psychothriller STILL/BORN, die er mit Kollege COLIN MINIHAN zu Papier brachte, nur um danach selbst auf dem Regiestuhl Platz nehmen zu können. Entstanden ist ein Glückstreffer, wie wir meinen, denn Regisseur BRANDON CHRISTENSEN scheint trotz Unerfahrenheit ein gutes Gespür für Horror zu besitzen. STILL/BORN fesselt nämlich schnell und wird rasch zur schaurigen Achterbahn der Emotionen. Ein solches Talent ist nicht jedem Newcomer in die Wiege gelegt.
 
 
still-born-2017-bild-1
 
 
Ein junges Paar steht vor der Prüfung ihres Lebens. Einerseits ist man glücklich über frischen Nachwuchs. Andererseits bringt ein schrecklicher Schicksalsschlag das Leben von Mary und Jack ins Wanken. Die beiden sind Eltern eines Zwillingspaares. Leider hat nur eines der beiden Kinder die stressige Geburt überlebt, weshalb man nach tränenreichen Tagen versucht das Beste aus der Sache zu machen. Das neue Leben zu dritt soll in einem Traumhaus in einer privilegierten Nachbarschaft beginnen. Doch die Freude schlägt bei Mutter Mary bald in Angst um. Die hört nämlich plötzlich mysteriöse Stimmen aus dem Babyphone und hat auch sonst kein gutes Gefühl mehr. Offenbar schleicht jemand durch die Zimmer und hat es auf Baby Adam abgesehen. Die ominösen Verdächtigungen kommen vor allem bei Vater Jack gar nicht gut an. Der ist nämlich fest davon überzeugt, dass seine Gattin mit einem Trauma zu kämpfen hat, das auf den plötzlichen Tod des Zwillingskindes zurückzuführen ist. Ob er damit Recht behält? Seiner Frau zumindest geht es von Tag zu Tag schlechter. Die ist fest der Überzeugung, dass hier ein Dämon durch das Haus wandelt, der den Nachwuchs fressen will. Da muss jemand her, der helfen kann. Psychologe oder Exorzist? Die Antwort darauf wollen wir an dieser Stelle nicht verraten.
 
 
still-born-2017-bild-3
 
 
Eine traumatisierte und offenbar überforderte Mutter – das ist Stoff aus dem sich effektiver Psychoterror inszenieren lässt, der nicht nur die Hauptdarstellerin von STILL/BORN an den Rand des Wahnsinns treiben lässt. Auch der Zuschauer wird hier gefordert und immer wieder mit heimtückischen Fährten um den Verstand gebracht. Was ist denn nun des Pudels Kern? Will der Familienvater bewusst seine Frau in die Psychiatrie einliefern lassen, um das alleinige Sorgerecht des einzigen Sohnes für sich beanspruchen zu können? Ist Mutter Mary so schwer traumatisiert, dass sie nicht mehr zwischen Realität und Einbildung unterscheiden kann? Oder sind in STILL/BORN tatsächlich paranormale Kräfte am Werk, die es nicht gut mit der jungen Familie meinen? Regisseur BRANDON CHRISTENSEN gelingt das Kunststück, die Antwort darauf bis zum Schluss zu bewahren. Erst wenige Sekunden vor Abspann, wird das Publikum mit der schlüssigen Auflösung konfrontiert, die – wie hätte man es anders erwartet – doch etwas sehr konventionell ausgefallen ist. Das tut der Gruselstimmung aber keinen Abbruch. STILL/BORN ist durchaus sehenswert, weil der Film permanent Verwirrung stiftet und mit seinem Geflecht aus Verdächtigungen und falschen Fährten kaum Leerlauf bietet. Schnell entwickelt sich eine ungemütliche Aura permanenter Hilflosigkeit. Mutter Mary weiß nämlich bald nicht mehr weiter und ist mir ihren Problemen vollkommen allein. Niemand will der überforderten Frau Glauben schenken, weshalb die nach und nach in einen Strudel von Umständen gerissen wird, der natürlich genrebedingt ins Desaster mündet. Dabei entwickelt sich der Streifen schnell zu einem unbequemen Höllentrip, der so einiges abverlangt und – das ist so ziemlich gemein – vor allem Kompromisse scheut. Manch Drehbuchautor scheint es nicht gut mit Figuren und Zuschauern zu meinen. So auch BRANDON CHRISTENSEN. Der spielt mit Publikum und Figuren und hat damit offenbar richtig viel Spaß. Dieser Sauhund!
 
 
still-born-2017-bild-2
 
 


 
 
 

STILL/BORN – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
ROSEMARIES BABY lässt grüßen: Dieser Thriller ist definitiv kein Film für werdende Mamas oder frisch gebackene Eltern. STILL/BORN nutzt das Thema „Stress nach der Schwangerschaft“ aus, um daraus irreführenden Horror zu machen. Die junge Hauptdarstellerin genannten Psychothrillers scheint mit ihrer neuen Rolle aus Mutter überfordert zu sein. Das wird als Aufhänger verwendet, um den Zuschauer mithilfe von falschen Fährten zu blenden. Das gemeine Verwirrspiel funktioniert tadellos, denn Macher BRANDON CHRISTENSEN macht es so Filmen wie ROSEMARIES BABY oder DARK CIRCLES gleich. Auch dort bekommen es jungen Eltern mit der Angst zu tun, weil mit der Geburt des Nachwuchses plötzlich seltsame Dinge geschehen. Stress, Depressionen, Einbildung oder doch übernatürliche Ereignisse? Das Spiel mit falschen Fährten gelingt im Falle von STILL/BORN tadellos – auch wenn das kontroverse Ende in seiner Schonungslosigkeit dann doch etwas sehr bitter ausgefallen ist. Low-Budget-Horror at his best. Kann man sich durchaus mal anschauen.
 
 
 


 
 
 

STILL/BORN – Zensur

 
 
 
STILL/BORN ist kein Gewaltfilm. Der Horror ist in diesem Streifen subtiler Natur und wird hauptsächlich durch unheimliche Geräusche und schaurige Visionen bewirkt. Erst am Ende gibt es eine kurze Gewaltszene. Sollte der Film hierzulande veröffentlicht werden, dürfte es für STILL/BORN eine FSK16 geben.
 
 
 


 
 
 

STILL/BORN – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Vertical Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Dark Circles (2013)
 
The Noonday Witch (2016)
 
Little Devil (2014)
 

Filmkritik: „My Friend Dahmer“ (2017)

my-friend-dahmer-2017-poster
 
 
 

MY FRIEND DAHMER

Story

 
 
 

Außenseiterdasein, Pubertät und Probleme im Elternhaus. Auch Serienmörder – wie Jeffrey Dahmer – mussten sie einmal durchleben: die Jugend.

 
 
 


 
 
 

MY FRIEND DAHMER – Kritik

 
 
 
Ein neuer Trend im Horror-Genre ist die Erforschung von Jugendjahren bekannter Horror-Ikonen. So sind schon lange nicht mehr nur Fortsetzungen beliebter Horror-Reihen eine sichere Bank. Auch sogenannte Prequels – also Vorgeschichten – haben sich in den letzten Jahren zu einer lukrativen Geldeinnahmequelle entwickelt, sobald man mit Fortsetzungen nicht mehr weiterkommt. Hierbei immer wieder gern verfilmt: die Kindheit gerissener Filmkiller. So musste nicht nur der Mythos LEATHERFACE für den schnellen Dollar genauer unter die Lupe genommen werden. Auch die Jugendjahre von Killer-Kollegen MICHAEL MEYERS oder NORMAN BATES füllten die Bankkonten profitorientierter Studiobosse und nahmen so den legendären Filmbösewichten einen Teil ihres Schreckens. Doch nicht immer muss nur Fiktives genauer ergründet werden. Mit MY FRIEND DAHMER geht es einem an den Kragen, der tatsächlich gelebt hat. Wie es der Titel des Films bereits vermuten lässt, dreht sich in diesem Streifen alles um einen der grausamsten Serienmörder des 20. Jahrhunderts: Jeffrey Dahmer. Der wurde von der Presse auch als „Monster von Milwaukee“ betitelt, weil er zwischen 1978 und 1991 siebzehn Männer ermordete, vergewaltigte und teilweise sogar aufgegessen hatte. Doch Dahmer wurde nicht als Killer geboren. Der folgende Film behandelt einen unbekannten Teil von Dahmers Leben. Rückten alle bisher erschienen Filme in erster Linie die Taten des Mörders in den Fokus, geht es dieser Film etwas anders an. MY FRIEND DAHMER erzählt von der Highschool-Zeit des späteren Serienkillers. Ein interessanter Blickwinkel, um vielleicht einige Ursachen seiner Taten verstehen zu können.
 
 
my-friend-dahmer-2017-bild-1
 
 
Amerika in den 1970ern: Der Teenager Jeffrey Dahmer ist schon ein komischer Kauz. Der beschäftigt sich lieber mit überfahrenen Tieren, die er sammelt und in Säure einlegt, statt sich mit Gleichaltrigen auszutauschen. In der Schule nimmt kaum jemand Notiz von ihm, bis er unter viel Gelächter seltsame Ticks inszeniert und so die Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Plötzlich verwandelt sich Dahmer vom Niemand zum Pausenclown. Dessen komödiantische Gabe erkennt auch Mitschüler John Backderf, der kurzum den Dahmer-Fanclub gründet und den Sonderling zu komischen Taten anstiftet. Doch Dahmer hat Sorgen – große Sorgen. Die Eltern liegen im ständigen Streit und auch die Sexualität des einsamen Teenagers bereitet Probleme. Da kommt der neue Freund „Alkohol“ gerade recht. Leider führt der den desorientierten Jugendlichen genau in den Abgrund.
 
 
my-friend-dahmer-2017-bild-2
 
 
Bevor falsche Erwartungen geschürt werden: MY FRIEND DAHMER ist kein reißerischer Schocker über die Taten des berüchtigten Serienkillers. Wer Blut und Gewalt sucht, ist hier an der falschen Adresse. Der Film rückt nicht die Bestie „Dahmer“ in den Mittelpunkt, sondern untersucht den Mensch dahinter. Dafür stand die Graphic Novel „My Friend Dahmer“ Pate, die von einem Schulfreund Dahmers gezeichnet wurde, der zu Schulzeiten mit dem Eigenbrötler gemeinsam die Bank drückte. Nachdem die Taten des Serienkillers durch die Medien gingen und Dahmer 1994 von einem Mithäftling getötet wurde, begann Schulfreund JOHN BACKDERF Material zu sammeln und seine Begegnungen mit dem Sonderling zu Papier zu bringen. Dabei entstanden Kurzgeschichten, die nicht die Taten des Mörders in den Fokus rücken sollten. Stattdessen analysierte der talentierte Comicautor die Probleme und Sorgen mit denen Dahmer in der Schule und Elternhaus zu kämpfen hatte. Das Resultat entpuppte sich als traurige und erschreckende Charakterstudie eines einsamen Heranwachsenden, die mehrfach Auszeichnungen erhielt. Auf genau jenen Bildergeschichten basiert nun der hier vorliegende Film, der weit tiefgründiger ausgefallen ist, als erwartet.
 
 
my-friend-dahmer-2017-bild-3
 
 
So hat man für die Rolle des jungen Jeffrey Dahmer jemanden gefunden, der wohl sein Image als Kinderstar loswerden wollte. ROSS LYNCH machte sich vor allem mit Auftritten in bekannten Disney-Produktionen einen Namen. Offenbar war ihm leichte Unterhaltung auf Dauer zu wenig, weshalb er mit der Hauptrolle in MY FRIEND DAHMER einen mutigen Richtungswechsel antritt, der ihm außerordentlich gut steht. Der haucht der Rolle des Jeffrey Dahmer eine gewisse Menschlichkeit ein und verdeutlicht dem Zuschauer eindrücklich, was für ein bemitleidenswerter Mensch der spätere Serienkiller tatsächlich war. Seine Verkörperung des wortkargen Sonderlings mutet unheimlich an, faszinierend aber zugleich. Das macht MY FRIEND DAHMER vor allem bei denen interessant, die sich weniger mit Taten sondern eher mit der Psyche fehlgeleiteter Menschen auseinandersetzen wollen. Regisseur MARC MEYERS dämonisiert seinen Filmhelden nicht. Stattdessen kümmert er sich behutsam um seine Filmfigur und studiert sie ausführlich, ohne zwangsläufig ihre Taten zu beurteilen. Das macht die filmische Umsetzung der Graphic Novel besonders, weil man mit dem Namen „Jeffrey Dahmer“ wohl etwas ganz anderes erwartet hat, als es der Film zu vermitteln versucht. Sehenswert!
 
 
my-friend-dahmer-2017-bild-4
 
 


 
 
 

MY FRIEND DAHMER – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Mehr Drama, statt Horror. Beunruhigende und deprimierende Charakterstudie, die niemanden kalt lässt. MY FRIEND DAHMER geht das Thema „Jeffrey Dahmer“ vollkommen anders an. Normalerweise erwartet man hier eine detaillierte und reißerische Ausschlachtung der Taten des berüchtigten Serienmörders. Aber Regisseur MARC MEYERS macht alles anders. Der betrachtet die Jugendjahre des Einzelgängers und versucht damit dem Zuschauer nahezubringen, was für ein desorientierter und verunsicherter Mensch Jeffrey Dahmer wirklich war. Statt die „Bestie“ Dahmer zu analysieren, betrachtet der Filmemacher den „Mensch“ Dahmer mit all seinen Ängsten, Sorgen und Problemen. Damit nimmt dieser Streifen eine Sonderstellung in der Reihe an Verfilmungen über den Serientäter ein. MY FRIEND DAHMER ist ein interessantes und vor allem unkonventionelles Filmprojekt, das neugierigen Cineasten ans Herz gelegt sei. Ein Geheimtipp, der auch bei Filmfestivals wegen des anderen Umgangs mit dem kontroversen Thema „Dahmer“ gelobt wurde.
 
 
 


 
 
 

MY FRIEND DAHMER – Zensur

 
 
 
MY FRIEND DAHMER hat keine Gewaltmomente zu bieten. Es gibt einige tote Tiere zu sehen, die der Antiheld von der Straße kratzt und in Säure einlegt. Eigentlich wäre der Film daher ein sicherer FSKL12-Kandidat. Wegen des kontroversen Zusammenhangs mit dem Serienmörder Jeffrey Dahmer dürfte der Film aber eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

MY FRIEND DAHMER – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei FilmRise)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Enter the Dangerous Mind (2013)

Hemorrhage (2012)

Simon Killer (2012)

Filmkritik: „Rift“ (2017)

rift-2017-poster
 
 
 

RIFT

(RÖKKUR)

Story

 
 
 
Herausforderndes, genreübergreifendes und mehrdeutiges Kino aus Island. Ein mysteriöser Anruf mit Folgen: Der psychisch labile Einar braucht Hilfe und der Ex-Freund schaut nach dem Rechten. Was ihn aber erwartet, lässt ihm das Blut in den Adern gefrieren.

 
 
 


 
 
 

RIFT – Kritik

 
 
 
Es ist schon lange her, dass wir auf FILMCHECKER einen Genre-Streifen aus Island besprochen haben. Kein Wunder, hat sich das Land im kühlen Norden nicht unbedingt durch harte Horrorfilme einen Namen gemacht, sondern werkelt eher an anspruchsvollen Produktionen, die im Thriller, Dramen- oder Krimifach Zuhause sind. Umso mehr erfreut es uns alte Filmfüchse, wenn uns dann doch mal wieder etwas Isländisches vor die Linse kommt und uns in Welten entführt, die wir nur von Ansichtskarten kennen. RIFT nennt sich der folgende Mystery-Thriller aus Island, der natürlich Konventionen strotzt und den Filmfan mit Anspruch konfrontiert. Gute Abwechslung also, um kurz vergessen zu können, dass die Mehrheit der Horrorstreifen neueren Datums eigentlich immer nur aus einer Aneinanderreihung bekannter Szenen besteht, in denen billige Schocks, Stereotypen und Klischees die Angst-Sucht des Zuschauers befrieden sollen.
 
 
rift-2017-bild-1
 
 
Wenn sich zwei Menschen trennen und gezwungen sind über ihre gescheiterte Beziehung zu sprechen. RÖKKUR (so der Originaltitel) feierte 2017 auf dem 35. Filmfest in München Deutschlandpremiere und handelt von einem mysteriösen Anruf, der Gunnar (BJÖRN STEFÁNSSON) aus dem Schlaf reißt und mit Sorgen zurücklässt. Ex-Freund Einar (SIGUROUR PÓR ÓSKARSSON) scheint in Not zu sein, was Gunnar dazu bewegt nach dem Rechten zu sehen. Der reist in die Einöde Islands und hat gar kein gutes Bauchgefühl. Doch der Ex ist über den Besuch überrascht. Er kann sich an keinen Anruf erinnern und hat sich in das Sommerhäuschen der Eltern zurückgezogen, um nach der Trennung wieder klaren Kopf zu bekommen. Für den Besorgten Grund genug für ein paar Tage zu bleiben. Doch die verlaufen anders als gedacht. Nachts klopft es an der Tür, doch niemand steht davor. Und auch Ex-Freund Einar verhält sich neuerdings seltsam. Der beginnt in der Nacht schlafzuwandeln und irrt nackt durch die Einöde. Was das zu bedeuten hat? Der Zuschauer muss sich gut konzentrieren, denn RIFT beansprucht dessen gesamte Aufmerksamkeit.
 
 
rift-2017-bild-3
 
 
RIFT ist zweifelsohne kein übler Mystery-Thriller. Das unverbrauchte Setting zieht schnell in den Bann und auch die von hervorragenden Schauspielern verkörperten Figuren bleiben über weite Strecken interessant. Was den LGBTQ-Streifen aber problematisch macht sind die falschen Fährten. Davon gibt es in RIFT reichlich, was eigentlich lobenswert ist, um des Pudels Kern des Films möglichst lang verschleiern zu können. Leider verlaufen vieler derer ins Leere und führen den Zuschauer nicht wieder auf den richtigen Weg zurück. So verwirrt die Handlung schnell und der rote Faden geht verloren. Was bleibt sind viele Fragen, die am Ende ein unbefriedigendes Gefühl hinterlassen, weil wohl die meisten Filmfans die Auflösung nicht verstehen. Fatal für einen Horrortrip, der erst am Ende die Katze aus dem Sack lässt. In Interviews erklärte Regisseur ERLINGUR THORODDSEN, dass sich der Zuschauer nicht so sehr auf Logik konzentrieren soll. Vielmehr soll dieser den Fokus auf die Emotionen der Figuren legen. Diese durchleben im Verlauf von RIFT eine Achterbahn der Gefühle. Letztendlich sei darin die Auflösung des Ausnahmestreifens zu suchen. Ob das jedoch ausreicht, um den genreübergreifenden RIFT verstehen zu können, bleibt fraglich.
 
 
rift-2017-bild-2
 
 


 
 
 

RIFT – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
 
Anspruchsvoller Arthaus-Grusel mit atemberaubenden Bildern und beklemmender Schauerstimmung, der sich in keine Schublade pressen lässt. Der isländische Regisseur ERLINGUR THORODDSEN braucht nicht viel, um Grauen heraufbeschwören zu können. Er nutzt die menschenleere Einöde Islands, um maximales Unbehagen entstehen zu lassen. So reicht ein abgelegenes Haus und vier Figuren aus, um RIFT (Originaltitel: RÖKKUR) tragen zu können. Den Rest bescheren Dunkelheit und Geheimnisse. Letztere verbergen Protagonisten nicht ohne Grund. Leider macht sich RIFT das Leben mit falschen Fährten schwer. Irgendwann findet der Zuschauer den roten Faden nicht mehr. Unkonventionell – gut und schön. Doch was nützen die anspruchsvollsten Drehbücher, wenn selbst das Kopfkino des Zuschauers die vielen offenen Fragen des Films nicht beantworten kann. Demzufolge sollte man den Mix aus Mystery-Thriller und Beziehungsdrama mit Vorsicht genießen. Immerhin: Atmosphärisch wird groß aufgefahren. Zumindest in diesen Belangen kann man RIFT nichts vorwerfen, für den sich Macher ERLINGUR THORODDSEN übrigens von Streifen wie DER FREMDE AM SEE und WENN DIE GONDELN TRAUER TRAGEN inspirieren ließ.
 
 
 


 
 
 

RIFT – Zensur

 
 
 
Erst am Ende zeigt der Film etwas Gewalt. So wird ein Kopf mit einem Stein eingeschlagen und ein Gesicht wird mit einem Teppichmesser bearbeitet. RIFT dürfte ohne Probleme eine FSK16 erhalten.
 
 
 


 
 
 

RIFT – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei Breaking Glass Pictures)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Wenn die Gondeln Trauer tragen (1973)
 
Rosemaries Baby (1968)
 

Filmkritik: „Alone“ (2017)

alone-seuls-2017-poster
 
 
 

ALONE

(SEULS)

Story

 
 
 

Fünf Teenager müssen sich in eine Welt ohne Menschen durchschlagen und sind dabei vielen Gefahren ausgesetzt.

 
 
 


 
 
 

ALONE – Kritik

 
 
 
Ein Endzeitszenario aus Frankreich, in dem Jugendliche in einer Welt ohne Erwachsene ums Überleben kämpfen müssen. Aufmerksamen Horrorfans dürfte da nicht unbegründet ein Licht aufgehen. Vor einigen Monaten haben wir nämlich schon einmal einen Film besprochen, der ähnliche Geschichte erzählt hat. DON’T GROW UP hat aber nichts mit dem folgenden Film am Hut. Die Storyähnlichkeiten in ALONE sind rein zufällig, ebnen jedoch die Grundlage für packende 90 Minuten, die sich vor teuren Kinohits aus Hollywood nicht verstecken müssen. Der hier vorgestellte ALONE wurde nämlich von STUDIOCANAL mitproduziert und macht (vielleicht auch gerade deshalb) visuell einiges her. Trotz aufwändiger Machart kam der Streifen im Entstehungsland nicht besonders gut an, denn niemand wollte ALONE im Kino sehen. Etwas unverständlich, hat der Thriller doch all das zu bieten, was man von dieser Art von Filmen erwartet. Wohl möglich hat’s an Zombies gemangelt. Die sind immer dann zu sehen, wenn sich Überlebende einer menschenleeren Welt durch vereinsamte Straßenzüge arbeiten müssen. Leider muss ALONE ohne die Untoten auskommen. Der Film suggeriert Angst auf anderem Weg und das macht ihn so besonders. Fans mit einer Leidenschaft für Endzeit- und Weltuntergangsszenarien kommen da auf Ihre Kosten, denn auch wenn der Streifen von den französischen Nachbarn kommt, kann der Film weit mehr, als manch millionenschwerer Schnarcher aus der Mache von Bay, Emmerich oder Konsorten.
 
 
alone-seuls-2017-bild-2
 
 
Irgendwo in Frankreich geht der sonst so taffen Araberin Leila plötzlich der Hintern auf Grundeis. Als die nämlich eines Morgens aus dem Bett kriecht, stimmt die Welt nicht mehr. Alle Erwachsenen und Kinder sind verschwunden. Die Stadt scheint menschenleer zu sein. Was ist hier geschehen? Weil Telefon und Internet nicht funktionieren, muss sie zu Fuß nach Antworten suchen. So trifft die Teenagerin auf andere Jugendliche, die sich über die gleiche Frage den Kopf zerbrechen. Was man schnell in Erfahrungen bringen kann, ist wenig erbaulich. Eine Rauchwolke hat die Stadt umschlossen und lässt niemanden hinaus. Die bahnt sich ihren Weg ins Zentrum und hat den Tod im Schlepptau. Doch der mysteriöse Rauch ist bald das kleinere Übel. Durch die Straßen der Stadt schleicht eine weitaus schlimmere Bedrohung in Menschengestalt. Die hat es auf die Alleingelassenen abgesehen und will den Tod der fünf Jugendlichen. Bei so viel Geheimniskrämerei stellt sich doch glatt die Frage, wer hinter all dem steckt und was hier wohl im Argen liegt. An alle Filmdetektive ein gut gemeinter Rat: Vergeudet keine Zeit mit der Suche nach Erklärungen. Die Auflösung errät man nie.
 
 
alone-seuls-2017-bild-1
 
 
Hinter dem nicht ungeschickten ALONE steckt ein französischer Comic mit dem Titel SEULS. Der umfasst mittlerweile 25 Bände und wurde hierzulande unter dem Titel ALLEIN in die Buchläden gebracht. Weil Comicverfilmungen offenbar immer noch schwer angesagt sind, hat man sich nun auch an die ersten fünf Bände besagter Bildergeschichten gewagt und daraus einen spannenden Endzeitthriller inszeniert, der definitiv nichts für Kinder ist. Eine kuriose Angelegenheit, richtet sich doch die Comicvorlage selbst an eine junge Leserschaft, die hier packende Abenteuer gleichaltriger Grundschüler erlebt. Offenbar wollten die Macher der Filmadaption mit den Möglichkeiten der Vorlage spielen. Um zu vermeiden, dass kleine Kinogänger wegen der zugrundeliegende Thematik und einiger unschöner Bilder verstört werden könnten, wurde ALONE letztendlich so konzipiert, dass sich der Streifen dann doch an ein erwachsenes Publikum richtet. Eine lobenswerte Prämisse, kann erst so von einer beunruhigenden Bildsprache Gebrauch gemacht werden, die absolute und zermürbende Ausweglosigkeit vermittelt. So wurden aus den kleinen Kindern der Bücher junge Erwachsene, die sich nun im Film durch eine trostlose Welt kämpfen müssen in der Zusammenhalt zählt, um Überleben zu können. Freundschaft ist eben alles.
 
 
alone-seuls-2017-bild-3
 
 
ALONE geht auf das Konto von jemandem, der sich mit Jugendlichen und Horror auskennt. Der Franzose DAVID MOREAU schockierte 2006 schon einmal mit kontroversem Zündstoff. Der hieß THEM und handelte von einem Paar, das von maskierten Teenagern terrorisiert wurde. Ganz so heftig wird es diesmal nicht – aber mindestens genauso spannend. ALONE entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als französische Version ähnlicher Verfilmungen von Jugendbüchern wie DIVERGENT oder MAZE RUNNER und besitzt sogar Gemeinsamkeiten zu einigen Büchern des viel gelobten STEPHEN KING – darunter DER NEBEL und THE LANGOLIERS. Der Mysterythriller beginnt dabei wie nahezu jeder Endzeitstreifen und steigert die Spannung mit seltsamen Vorkommnissen, die natürlich ergründet werden wollen. So müssen die Helden nach der Ursache suchen, die dazu geführt hat, dass plötzlich alle Menschen verschwunden sind. Zudem muss herausgefunden werden, wer da den Teenagern auf der Lauer liegt und diese am liebsten in den Filmhimmel befördern möchte. Die Antworten darauf sind lobenswerterweise relativ unverbraucht und machen ALONE deshalb zum Geheimtipp. Leider ist der Streifen im Entstehungsland gefloppt. Dies dürfte zur Folge haben, dass (nötige) Fortsetzungen auf sich warten lassen werden. Bedauerlich, hat doch ALONE das Potenzial zu einem Mehrteiler im Stile von Buchverfilmungen wie TRIBUTE VON PANEM oder HARRY POTTER.
 
 


 
 
 

ALONE – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
 
Eine der besten Endzeitstreifen aus Europa. Ja, auch Europa kann Filme drehen, die das Ende der Menschheit thematisieren. ALONE sieht verdammt gut aus und hat auch noch sympathische Filmfiguren in petto. Die erhalten sogar so etwas wie Tiefe und wachsen daher schnell ans Herz. Leider kam die Comicverfilmung im Entstehungsland nicht sonderlich gut an. Der Film floppte unverständlicherweise, weshalb wohl die Verfilmungen der übrigen Bücher auf Eis gelegt wurden. Angesichts des offenen Endes eine bittere Erkenntnis. Die Comic-Realverfilmung ALONE packt nämlich den Zuschauer schnell. Der will natürlich am Ende wissen wie es weitergeht. Leider muss man sich da wohl vorerst mit den bisher erschienenen Comicbüchern zufriedengeben. Die spinnen die Geschehnisse weiter – wenngleich aber kindgerecht. Anders als die Verfilmung richten sich nämlich die Comics an eine eher junge Fangemeinde. Dementsprechend züchtiger geht es dort auch zu. Da kann man nur hoffen, dass Hollywood nicht Wind davon bekommt. ALONE (der im französischen Original übrigens SEULS heißt) hat Remake-Potenzial. Es würde daher nicht wundern, wenn bald eine amerikanische Version von ALONE um den Globus geht. Mit der Verfilmung von Buchreihen hat die Traumfabrik nämlich Erfahrung, weil sich damit auf Dauer gut Geld verdienen lässt.
 
 
 


 
 
 

ALONE – Zensur

 
 
 
Die Gewalt im Film ist überschaubar. Ein Körper wird mit einem Pfeil durchbohrt und am Ende bekommt der Filmbösewicht auch noch sein Fett weg. Hierzulande dürfte ALONE demzufolge ohne Probleme eine FSK12 erhalten. Dennoch ist der Film – vor allem wegen der apokalyptischen Stimmung – definitiv nichts für Kinder.

 
 
 


 
 
 

ALONE – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Abbildungen liegen bei StudioCanal)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth (2014)
 
Maze Runner – Die Auserwählten in der Brandwüste (2015)
 
Bad Kids of Crestview Academy (2017)
 
Die Bestimmung – Divergent (2014)
 
Stephen Kings Langoliers – Verschollen im Zeitloch (1995)