Filmkritik: „Annette“ (2021)

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ANNETTE

Story

 
 
 
Ein zynischer Stand-Up-Comedian und eine berühmte Opernsängerin scheinen das unübliche Star-Couple ihrer Zeit zu sein, doch nach der Geburt ihrer Tochter tun sich langsam aber sicher Abgründe auf…

 
 
 


 
 
 

ANNETTE – Kritik

 
 
Der französische Regisseur Leos Carax dürfte zumindest Arthouse-Freunden spätestens nach seinem triumphalen „Holy Motor“ (9/10) kein Unbekannter mehr sein, doch so wirklich im internationalen Mainstream angekommen war er auch mit dieser verspielten, mehrsprachigen und zutiefst eigentümlichen Meisterleistung noch nicht so recht. Dies ändern könnte sich dem ersten Blick nach nun mit „Annette“, Carax‘ erstem englischsprachigem Film. Noch eindeutiger als Musical zu identifizieren, einer stringenten Story folgend und mit Adam Driver in der Hauptrolle ausgestattet sicherlich ein höchst vermarktbarer Film, der so manch nichtsahnenden Zuschauer hinters Licht führen könnte – doch zumindest meine Enttäuschung liegt leider nicht an einer gänzlich falschen Erwartungshaltung. Denn dass Carax mit Sicherheit keinen hohlen Feelgood-Film mit glücklichen, stereotypen Charakteren und Ohrwurmnummern für die ganze Familie inszenieren würde, das war klar – doch die große Frage ist, was hat die britische, zuletzt durch Edgar Wrights letztes Projekt wieder ins öffentliche Interesse gerückte Band „Sparks“, zusammen mit Carax und 134 Minuten Lauflänge (ohne Abspann), bitte stattdessen geschaffen? Was genau ist der Kern, Punkt oder Mehrwert von „Annette“? Der Versuch einer Annäherung.
 
 

„Breathing will not be tolerated during the show.“

 
 
Es könnte kaum besser beginnen: Die Sparks selber im Studio, flirrende Überblenden und flackernde Lichter, aufdringliches Editing läutet die ersten Sekunden ein, dann folgt direkt die euphorischste, schmissigste Nummer des gesamten Films: „So may we start?“ durchbricht die vierte Wand und richtet sich direkt an den Zuschauer, lässt intelligentes Meta-Kino á la „Birdman“ erwarten, prägt sich ein und lässt nach sechs Minuten mit der Titlecard den eigentlichen Film beginnen. Dieser lässt in minutenlangen Aufnahmen dann erst einmal die Bühnenshow des verbitterten Comedian Henry McHenry, gespielt von Adam Driver, für sich sprechen, in denen man sich nie ganz sicher sein kann, welche Parts seiner bizarren, publikumsbeschimpfenden Show auch als Teil des Filmuniversums als Musical inszeniert werden, und welche nur für den Zuschauer des Films so inszeniert werden, da „Annette“ ein Musical ist. Abseits dieser ggf. spannenden Ambiguität des Mediums aber gibt es rein narrativ sehr wenig zu holen, da eben „nur“ ein Charakerporträt von McHenry gegeben wird, von seiner Sicht auf die Welt, sein Leben, das Business und die Liebe zu seiner Verlobten.
 
 

„True love always finds a way.“

 
 
Diese heißt Ann Desfranoux und ist eine berühmte Opernsängerin, die Henry nach seinen Shows stets mit dem Motorrad abholt, „We love each other so much“, den zweiten Song des Films, singend. Eine unerfüllte Routine beider Shows zeichnet sich ab und ein paar Lieder später informiert eine merkwürdig billig aussehende News-Einblendung uns darüber, dass Ann schwanger ist. Möglichst sappy und quirky und süß und witzig und ulkig sollen dann wohl Inszenierung und Song zur Geburts wirken, doch stattdessen wird der Film hier, nach den ersten 40 Minuten, zum ersten Mal wirklich nervig und anstrengend, da dieses Gute-Laune-Musical weder in die Welt passt, noch einen erzählerischen Mehrwert hat.
 
 

„She’s not of this world!“

 
 
Das Baby wird „Annette“ getauft, wer hätte es gedacht, und wird forthin das Zentrum dieser Geschichte bilden, die sich den ersten Akt lang in erster Linie durch zwei Charaktere und ihre Beziehung aufgebaut hat. Doch auch wenn die grundsätzliche Idee, durch einen mutigen und gewagten inszenatorischen Kniff eben jenes Baby möglichst fremd und distanziert und objektifiziert zu zeigen, mir durchaus gefällt, so leidet der Film forthin doch unter einigen allzu kitschigen, technisch überraschend schwachen oder redundanten Szenen – sowie unter einer selten gesehenen Handlungsarmut, gerade für diese Lauflänge. Denn gerade da es sich natürlich nicht um ein Gute-Laune-Musical von Disney handelt, in dem die Lieder mit aufwendigst inszenierten Musikvideos einhergehen und eindeutig starten und enden, sondern um einen idiosynkratischen Film eines echten Autoren, werden Dialog und Gesang gerne mal so munter gemischt, dass nicht wirklich von einem Antizipieren von gesonderten Handlungsszenen oder Songs die Rede sein kann und mehr als ein Charakterporträt der Eltern, ihrer Unterhaltungsbranche und ein Stück weit des Publikums, gespiegelt an und beleuchtet durch Annettes Präsenz, braucht man die folgenden 80 Minuten lang nicht erwarten.
 
 
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Freilich sieht man an begeisterten Onlinekritiken und diversen gewonnen Preisen dass „Annette“ sehr wohl munden kann, spätestens wenn man ohnehin schon Fan des Casts, von Musicals oder den Sparks ist – auch haben sich zweifelsohne eine handvoll magischer Ideen, bildschöner Beleuchtungen und einzigartiger Szenen in dieses Werk geschlichen, die deutlich als Handschrift des Regisseurs zu sehen sind, dessen Oeuvre ich nur empfehlen kann. Doch so entfesselt, physisch und facettenreich Adam Driver auch spielt, so berauschend die wunderbar altmodische Rückprojektion im endlosen Wellengang auch war, wann immer hier minutenlang „lalala“ gesungen wird wähernd inhaltlich wenig passiert und sich kaum eine Komposition einprägt, habe ich mich viel zu sehr an die Art anstrengender Feel-Good-Musicalunterhaltung erinnert gefühlt, die ich sonst zu meiden versuche
 
 
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Obwohl eins der folgenden Themen des Films also tatsächlich Rache ist, obwohl es ein klassisches Finale inklusive Offenbarung gibt und obwohl jede CGI-freie Szene technisch nahezu perfekt eingefangen ist, war der gesamte Rest der Geschichte leider wirklich frustrierend einfach, vorhersehbar, minimalistisch und dafür zu langsam erzählt. Hätte mich die Story ergriffen oder angespannt, so hätte ich über einige der zu langen oder mir nicht mundenden Songs hinwegsehen können, hätte mich die Musik in Trance versetzt, so wäre das spannungsarme Script ein kleinerer Dorn im Auge gewesen – doch bei alles Liebe für merkwürdige, eigenwillige, lange und verspielte Filme war mir „Annette“ dann leider doch gleichzeitig zu viel – Kitsch, Künstlichkeit, Fokus auf Musik – und viel zu wenig – Story, Spannung, Charakterentwicklung, Themenvielfalt.
 
 
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ANNETTE – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
Technisch beeindruckendes und sehr gut gespieltes, einzigartiges Musical-Drama mit einem stark aufspielenden Adam Driver und einer äußerst simplen sowie geradlinigen Story und Charakterzeichnung.
 
 


 
 
 

ANNETTE – Zensur

 
 
 
Das Drama „Annette“ ist in Deutschland ungeschnitten und frei ab 12 Jahren zu haben.
 
 
 


 
 
 

ANNETTE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Alamode Film (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Annette; Belgien | Deutschland | Frankreich | Japan | Mexiko | Schweiz | USA 2021

Genre: Liebesfilme, Musicals, Musik, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Deutsch (Hörfilmfassung) DD 2.0, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte, Deutsch

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 141 Minuten

FSK: FSK12 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase

Extras: Deutsche Hörfilmfassung, Unsichtbare Fäden: Die Erschaffung von Annette, Interview mit Marion Cotillard, Trailer

Release-Termin: KeepCase: 22.04.2022

 

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ANNETTE – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Alamode Film)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Les Misérables (2012)
 
Sweeney Todd – Der teuflische Barbier aus der Fleet Street (2007)
 

Filmkritik: „Ammonite“ (2020)

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AMMONITE

Story

 
 
 
Im England der 1840er Jahre wird die junge Charlotte Murchison (Saoirse Ronan) zu der Paläontologin Mary Anning (Kate Winslet) ans Meer geschickt, um sich von ihrer Melancholie zu erholen.

 
 
 


 
 
 

AMMONITE – Kritik

 
 
Der 2017 mit seinem erfolgreichen Spielfilmdebüt „God’s Own Country“ bekannt gewordene, britische Regisesur Francis Lee versucht sich in „Ammonite“ erneut an einem gleichgeschlechtlichen Drama mit beeindruckender Landschaft und in der Tat, die Zutaten lesen sich vielversprechend: Die raue, englische Küstenlandschaft zur Mitte des 19. Jahrhunderts als Setting bietet Gelegenheit für eindrucksvolle Felsaufnahmen und Kostüme, Saoirse Ronan und Kate Winslet sind zahlreich erprobte, talentierte Schauspielerinnen mit breiter emotionaler Klaviatur und auch die Geschichte über eine unglücklich verheiratete, melancholische junge Frau die in der Isolation Lymes sich selber sowie eine neue Liebe findet, beherbergt Potential für einen emotionalen, bewegenden Film.
 
 
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Doch so ansprechend zudem selbst Coverdesign und Menü der Blu-ray auch sind, so schlußendlich zäh und ereignislos erzählt sich diese zweistündige, wortkarge Romanze deren wenige Settings und kleiner Cast nicht gerade für mehr Unterhaltung sorgen. Es beginnt mit einer den Boden schrubbenden Frau, Marys (Kate Winslet) schwer kranker Mutter nämlich, geht weiter mit dem Sammeln von Ammoniten am Strand, ruhigen Aufnahmen der malerischen Landschaft und spröden, dialoglosen Szenen des unspektakulären Alltags; die Story beginnt kurze Zeit später durch das Eintreffen des jungen Pärchens Roderick & Charlotte Murchison.
 
 
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Charlotte, gespielt von Saoirse Ronan, wird dabei stetig von ihrem Mann unterdrückt, hat keinen eigenen Willen, kaum Dialog und trägt dauerhaft schwarze Trauermode. All dies ändert sich weniger Szenen später, als Roderick zu einer mehrwöchigen Expedition aufbricht und seine Frau vor Ort bei Mary lässt, um sich von ihrer „mild melancholia“ zu erholen. Langsame Klaviermelodien und hübsch eingefangene Aufnahmen der Küste begleiten nun den ersten gemeinsamen Ausflug der beiden augenscheinlich grundverschiedenen Frauen und wer nun die Erwartung hat, dass die beiden sich durch Umstände näher kommen und vielleicht sogarverlieben
könnten, nun…der hat halt Recht.
 
 
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Denn ja, auch wenn es zu Beginn ein wenig kriselt zwischen unseren Protagonistinnen und auch wenn der genaue Verlauf der Romanze ganz genau so vielleicht noch nie erzählt oder inszeniert wurde, so sind es leider wirklich nur Nuancen, durch die sich „Ammonite“ von vergleichbaren Produktionen abheben kann. Das Setting und Marys Beruf haben sicherlich einen gewissen Eigenwert für sich, doch weder eine besonders spannende oder nahe gehende Chemie zwischen unseren Liebenden, noch nennenswert viel oder clever geschriebene Dialoge gibt es zu bewundern.
 
 
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Eine unerwartet direkte, spontane und unaufgebaute Sexszene mit einiges an Nacktheit könnte man wahlweise als überraschend authentisch und lebendig, oder aber voyeuristisch und aufgrund des männlichen Regisseurs problematisch auffassen, an anderer Stelle gilt es das gelungene Make-Up zu loben, das inhaltlich jedoch auch wenig aussagt. Im weiteren Verlauf wird ein prinzipiell sehr wichtiges und länger aufgebautes Event dann noch mit einer Nebensächlickeit und Sprödheit inszeniert, die endgültig die möglichst geerdete, unverblümte und schulterzuckende Art offenbart, mit der die gesamte Geschichte hier angegangen wurde.
 
 
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Der dritte Akt wusste durch die mit dramatischsten und emotionalsten Stellen, das forderndste Schauspiel und zumindest im Detail nicht allzu vorhersehbare Verläufe am ehesten zu überzeugen, das allzu belanglose und nichtssagende Ende hingegen hat der Restfreude allzubald einen erheblichen Dämpfer versetzt. „Ammonite“ ist ein gut produzierter, teils hübsch eingefangener Film mit routinierten Darstellerinnen und einem netten Setting – doch abseits davon auch leider ein wirklich spröder, langweiliger und überlanger Genrevertreter, der nichts Neues aussagt.
 
 


 
 
 

AMMONITE – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
Ein historisches, lesbisches Drama mit Kate Winslet und Saoirse Ronan in malerischer Küstenumgebung hat keine Berechtigung, so unspektakulär und langweilig zu sein.
 
 


 
 
 

AMMONITE – Zensur

 
 
 
Das Drama „Ammonite“ ist in Deutschland ungeschnitten und frei ab 12 Jahren zu haben.
 
 
 


 
 
 

AMMONITE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Tobis Home Entertainment (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Ammonite; Australien | Großbritannien | USA 2020

Genre: Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch für Hörgeschädigte

Bild: 1.85:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 118 Minuten

FSK: FSK12 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase

Extras: Trailer, Interviews, B-Roll, Making Of, Bildergalerie

Release-Termin: KeepCase: 07.01.2022

 

Ammonite [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

AMMONITE – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Tobis Home Entertainment)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Zeiten des Aufruhrs (2008)
 
Before Midnight (2013)

Filmkritik: „Girl Lost: A Hollywood Story“ (2020)

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GIRL LOST: A HOLLYWOOD STORY

Story

 
 
 
Eine junge Ausreißerin und eine Sexarbeiterin gelangen durch falsche Versprechen in die Fänge der dunklen Schattenseiten von Los Angeles.

 
 
 


 
 
 

GIRL LOST – Kritik

 
 
Robin Bain ist eine amerikanische Filmschaffende, die nach Jahren als Schauspielerin in kleineren Rollen und der Fernseharbeit sowie einem Playboyshooting anfang der 2000er auch zu größeren Produktionen gefunden hat, so vertonte sie u.a. mehrere Charaktere für zwei Episoden von adultswims „Robot Chicken“ – und drehte bereits 2016 ihr Langfilmdebüt als Regisseurin, einen Film namens „Girl Lost“. Besagter Film bemühte sich dabei bereits um ein realistisches, schonungsloses Abbild der Zwangsprostitution in den dunklen Abgründen Los Angeles‘ und konnte immerhin durchschnittliche Rezensionen einheimsen, sehr ähnlich sieht es nun, 6 Jahre sowie einen augenscheinlich furchtbaren Dämonen-Horror mit Danny Trejo später, erneut aus. Denn auch „Girl Lost: A Hollywood Story“ handelt von einer jungen Frau die in einer Mischung aus Naivität, Auswegslosigkeit und fehlgeleiteter Leichtgläubigkeit in eine furchtbare Situation gerät, die mit dem angestrebten Glamour-Showbiz so gar nichts zu tun hat.
 
 

„I’m a very bad girl. I have naughty thoughts. I wanna be punished. I fantasize about being gangraped. It totally turns me on.“

 
 
Das pinke, moderne Menü mit rockiger Musik leitet kurz ein, danach gibt es direkt diesen Monolog zu verarbeiten, gesprochen von Hauptdarstellerin Moxie Owens, die gerade für ein Spielfilmdebüt eine überzeugende Darstellung der verunsicherten jungen Frau gibt. Allzu unbekannt ist der Rest des Casts übrigens überraschenderweise nicht, da man hier – neben Erotikdarstellerinnen wie Brooke Haven oder Michelle Maylene – Schauspieler:innen wie Dominique Swain (Face/Off, Lolita, The Black Room, Stiletto), Christina Veronica (Road House, Malignant) oder Jonathan Nation (The Asylum-Produktionen, The Sixth Sense) in Nebenrollen besetzt hat, was szenenweise auch für funktionierende Dialoge oder ordentliches Schauspiel sorgt.
 
 
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Zu einem fetten Trapbeat wird unsere Hauptprotagonistin „Hope“ vorgestellt, die frustriert mit ihrer aggressiven Stiefmutter und ihrem trinkenden Vater lebt, doch Gott sei Dank hat Paige, ihre ehemalige Babysitterin, ihr ein Ticket nach L.A. gebucht. Paige wird dabei von Cody Renee Cameron gespielt, die man z.B. aus „The Neon Demon“ kennen könnte und lässt von Anfang an eine gewisse Kälte und Abgeklärtheit durchschimmern, die Böses erahnen lässt. Hope hingegen rennt in der Hoffnung auf ein besseres Leben durch die Nacht, die Titlecard erscheint. Percussionmusik eines Straßenkünstlers und hübsche Impressionen vom Hollywood Boulevard, dann wird der zweite Handlungsstrang von „Girl Lost“ eingefädelt. Eine junge Mutter wird von ihrem Job als Stripperin gefeuert und gibt ihre Tochter „Angel“ regelmäßig bei ihrer spanischen, älteren Nachbarin Lupe ab, um in der Zeit mit Prostitution Geld zu verdienen – denn die Miete ist überfällig und der Vermieter braucht den vollen Betrag bis morgen.
 
 

„Are you outta your mind? You’re like the hottest, sexiest bitch I know!“

 
 
So ansprechend gefilmt, sozialrealistisch, unbarmherzig und zumindest durchschnittlich gespielt diese ersten 9 Minuten Einstieg in den Film auch waren, sobald Paige und „Destiny“, gespielt von Brooke Haven, für mehrere Dialoge am Stück den Mund aufmachen, leidet der Genuss doch leider deutlich. Line delivery auf dem Level eines Pornos, entenähnliche Betonung und mehr Fokus auf der Zurechtrückung der Brüste, denn auf dem Inhalt der Szene. Die Mutter twerkt derweil zu lauter Trapmusik für ihre Tochter (?), bevor ein Kunde erscheint und sie ihren Nachwuchs im Nebenraum verstecken muss. Unsere andere Protagonistin läuft in der Tat lost durch Hollywood, doch da taucht auch schon Paige auf, die Abwärtsspirale in Gang zu setzen.
 
 

„We wanna keep you as young looking as long as possible!“

 
 
Obwohl das Setting nun das selbe ist wie zuvor in der miesen Dialogszene und obwohl auch jetzt „Destiny“ wieder dabei ist, ist die ganze Dynamik durch die sehr bodenständige, ängstliche Hope nun erträglicher, da nicht nur noch fake. Es wird betrunken Auto gefahren, vor Ort noch mehr getrunken und siehe da, auf einmal wird Hope genötigt probeweise an der Stange zu tanzen, dann direkt ein Fotoshooting zu machen. Klingt als Einstieg in das Glamour-Model Business nicht schlecht, wäre der Fotograf keine Redneck-Karikatur ersten Grades und nicht nur an den Fotos selber interessiert…
 
 

„This town is filled with sick, perverted fucks.“

 
 
Was für die betrunkene Hope folgt, ist gottseidank weder explizit noch erotisch gefilmt, zurückhaltend und doch unangenehm betroffen machend, zudem sich die perfide Psychologie hinter dem Plan der Übeltäter:innen zum ersten Mal entpuppt. Doch als wäre der Film bemüht, seine Qualitäten nach jeder gelungenen Szene möglichst wieder auszugleichen, folgt nun eine rätselhaft hässliche Green-Screen-Szene, da scheinbar nicht wirklich vor dem „Hollywood“-Schild gedreht werden konnte. Wieso man für eine reine Dialogsequenz so offensichtlich getrickste CGI-Effekte bemühen musste weiß ich nicht, hilft aber niemandem. Im Gespräch offenbart sich, dass Hope vom Schicksal noch gebeutelter als bereits angenommen und zudem mit Paige rummacht und in einer trashigen, peinlichen Montagesequenz mit schlimmer, unpassender 2000s-Industrialmusik kriegt der halbwegs positive Ersteindruck dieser Produktion einen ordentlichen Schlag ab.
 
 

„We’re just trying to help, that’s all.“

 
 
Das erste Fotoshooting selber ist dann zwar passabel eingefangen und gespielt, ich habe geglaubt dass Paige dauerhaft trinkt und dass Hope sich langsam aber sicher so ziemlich alles einreden lässt, doch zum ersten Mal musste ich an den besseren Film „Redlands“ denken, ebenfalls ein Drama über das Showbiz, nur eben deutlich ruhiger und statischer. Ein paar lange Einstellungen ohne Kamerabewegung, in denen man nur das Schauspiel und die Situation für sich sprechen lässt, hätten hier Wunder gewirkt. Doch auch an einen schmuckloseren, Welten billigeren, aber eben auch etwas substanzielleren „Neon Demon“ hab ich mich erinnert gefühlt, spätestens wenn ein anderes junges Model auf Hope trifft, und sie in einer hübsch beleuchteten Szene vor den Gefahren warnt, ihr ihre Nummer gibt. Und in der Tat: Um ihre „Schulden“ für das teure, eigentlich unfreiwillige und aufgequatschte Shooting zu bezahlen, soll Hope einen älteren Mann massieren. Erneut eine berunruhigende und Gott sei Dank nicht unpassend abgefilmte Szene, die mehr am emotionalen Effekt interessiert ist, denn an der Tat selber. Die erste halbwegs nackte oder „erotische“ Szene des Films inszeniert sich dann im zweiten Handlungsstrang, doch auch wenn hier alles freiwillig und sichtlich genüsslich geschieht, so sorgen die weiteren Umstände der Situation auch hier für Probleme, Traumata und ungewollte Situationen.
 
 

„Don’t be sucha pedophile!“ – „What can I say baby, it’s human nature, human nature!“

 
 
Bildhübsch eingefangene, hochaufgelöste Einstellungen einer sonnigen Villa samt Pool und junger Schönheit mittendrin suggerieren im ersten Moment einen erstrebenswerten Zustand, doch dass hier eine verlorene, verstörte, langsam taub werdende junge Frau von einem alten Sack zu Sex genötigt wird, das sieht man halt erst auf dem zweiten Blick. Und auch die Wege der jungen Mutter und unserer manipulativen Babysitterin haben sich bereits gekreuzt, auf dass ein weiteres Schicksal ausgenutzt werden kann…
 
 

„You can’t backup now!“

 
 
Ungefähr die Hälfte der 90 Minuten Laufzeit ist erreicht und wie üblich werde ich an dieser Stelle aufhören direkt nachzuerzählen und ebenfalls wie üblich ist das Schlimmste noch nicht überlebt, der eigentliche Tiefpunkt im Schicksal unserer gebeutelten Protagonistinnen noch nicht erreicht. Doch wie ordnet man einen solchen Film jetzt qualitativ ein? Nun, glaubt man den meisten Kritiken, so ist Bains erster „Girl Lost“ der etwas bessere und überzeugendere Film, doch dabei handelt es sich wohl nur um Nuancen. Glaubt man den hochgeklickten Kommentaren unter dem Trailer des Films, so sind diese schmerzhaften, verstörenden Erfahrungen wohl leider Gottes sehr nachvollziehbar, glaubhaft und realistisch rübergebracht für viele Frauen und der Film demnach ein voller Erfolg. Und auf imdb oder Letterboxd ist das Bild zwar differenziert, aber trotzdem hagelt es Verrisse und Hass für diese schlecht gespielte, billige, ausbeutende und nichts Neues aussagende Schandtat von Film, die genau den male gaze bedient, den sie anprangert.
Die Wahrheit liegt, wie so häufig, meiner Meinung nach irgendwo in der Mitte: Hat man ähnlich traumatische Erfahrungen erlebt, so kann der Film diese sicherlich szenenweise gelungen wiedergeben und einen in seinen Bann ziehen, zumindest wenn man einiges an schwachen Performances verzeihen kann. Sucht man einen tiefgründigen Film mit starken Charakteren, Motivationen und Konflikten, so wird man sicherlich enttäuscht werden und auch als „Blender“, also einfach nur großartig aussehender oder klingender Streifen, ist „Girl Lost“ nur sehr selten zu gebrauchen.
 
 
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Doch wenn gelitten wird, dann wird auch richtig gelitten und in der Mischung aus neonfarbenen, nächtlichen Impressionen, auswegslosen Schicksalsschlägen und dauerhaft überhöhnter, falscher Selbstinszenierung lassen sich doch einige treffende Szenen finden. Dass der Soundtrack gefühlt nur laute Trapmusik oder leises Klavier kennt und wenig bis nichts dazwischen ist schade, ein paar Castentscheidungen sind misslungen und die Clubszene ist lächerlich, da der „Club“ wohl nur ein leerer Raum mit 4 Leuten ist, doch bei aller künstlichen Distanz und filmtechnischer Unbedarftheit ist die Intention die Richtige und darf eigentlich nicht ohne weiteres abgestraft werden. Wie eindrucksvoll und verstörend ein Gaspar Noé diesen Film wohl gedreht hätte, ist die Frage, die mir beim Finale von „Girl Lost: A Hollywood Story“ am ehesten gekommen ist. Doch statt farbenfroher Neonalpträume erinnert die Optik hier stellenweise wirklich mehr an 2000er- Eurosport-Erotikvideos. Der fiese Twist weiß dafür zu entschuldigen und stimmt wieder gnädig, dafür ist das Ende merkwürdig gewählt und spontan ziemlich unentschlossen nichtssagend. Es bleibt ein auf und ab bis zur letzten Sekunde.
 
 
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GIRL LOST – Fazit

 
 
 
4 Punkte Final
 
 
Qualitativ schwankender, gleichzeitig emotionaler und unterkühlter, motivierter aber schlecht gespielter, hübsch gefilmter aber billig inszenierter Indiefilm über die Missbrauchsabgründe des Showbusiness. Weder leichte Kost noch ein guter Film, aber in Ansätzen überzeugend.
 
 


 
 
 

GIRL LOST – Zensur

 
 
 
Das Drama „Girl Lost: A Hollywood Story“ ist in Deutschland ungeschnitten und frei ab 18 Jahren zu haben.
 
 
 


 
 
 

GIRL LOST – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Busch Media Group (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Girl Lost: A Hollywood Story; USA 2020

Genre: Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 2.35:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 90 Minuten

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase

Extras: Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 21.01.2022

 

Girl Lost: A Hollywood Story [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

GIRL LOST – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Busch Media Group)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Redlands (2014)
 
Girl Lost (2016)
 
The Neon Demon (2016)
 
Starry Eyes – Träume erfordern Opfer (2014)
 

Filmkritik: „Pig“ (2021)

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PIG

Story

 
 
 
Nachdem Rob sein Ein und Alles – sein Trüffelschwein – gestohlen wurde, tut er alles, um sein geliebtes Tier wiederzufinden.

 
 
 


 
 
 

PIG – Kritik

 
 
Die Sache mit der Erwartungshaltung ist eigentlich nicht so kompliziert, trotzdem schaffen es Film-News zusammen mit Trailern immer mal wieder, dem Zuschauer eine völlig andere Richtung vorzugaukeln, als er dann am Ende bekommt. Im Falle von „Pig“ liegt genau dies auch vor, denn als erste Informationen zum Film herauskamen, sprach die ganze Filmwelt plötzlich von „John Wick mit Schwein“. Der Vergleich ist nur leider völliger Blödsinn und jeder, der sich „Pig“ aufgrund dieser Beschreibung anschaut, kann nur zwangsläufig enttäuscht werden. Hier geht es nämlich weniger um Rache, als um Sinnfindung und man bekommt keinen Actionfilm, sondern ein lupenreines Drama geboten. Löst man sich also von der Erwartungshaltung, bekommt man tatsächlich einen richtig guten Film zu sehen.
 
 
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Robin Feld hat genug von der Gesellschaft und lebt zurückgezogen in einer Hütte im Wald mit seinem Trüffelschwein. Ab und zu kommt Amir vorbei, der Lebensmittel gegen Trüffel tauscht und somit der einzige, menschliche Kontakt für Robin ist. Doch eines nachts wird das Trüffelschwein von zwei Junkies gestohlen und Robin dabei niedergeschlagen. Sofort danach macht er sich auf die Suche, doch ist er dabei auf die Hilfe von Amir angewiesen. Dieser kann natürlich nicht verstehen, weshalb das Schwein so wichtig ist, aber für Rob ist dieses Schwein das Bedeutsamste auf der Welt. Was Amir ebenfalls nicht weiß: Früher war Rob ein begnadeter Koch mit einem tadellosen Ruf. Die Story ist irgendwie schon drollig und vor allen Dingen ganz schön eigenständig. Zwar braucht man nicht unbedingt mit der größten Logik zu rechnen, denn der Film macht sich ein paar Dinge schon etwas leicht, aber trotzdem weiß das Drehbuch zu überzeugen. Das liegt daran, dass es im Grunde genommen gar nicht um das Schwein an sich geht. „Pig“ dient fast eher als eine Art der Parabel und nutzt das Schwein als eine Metapher für die einzige Liebe, die Rob in seinem Leben noch kennt. Nach für nach erfährt der Zuschauer dann auch, was es mit diesem Rob eigentlich auf sich hat.
 
 
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Hier kann man die Figurenzeichnung durchaus loben, denn unser Protagonist ist anfangs kaum zu deuten. Robin resigniert, hält nichts von der oberflächlichen Außenwelt, doch erst mit der Zeit kann man seinen Charakter greifen. Er ist nicht sofort zugänglich und muss sich erst etwas erarbeitet werden. Dass dies nicht schwer fällt, ist vor allen Dingen Nicolas Cage zu verdanken. Ob man bei „Pig“ nun wirklich von der besten Rolle seines Lebens sprechen kann, ist fragwürdig. Dafür hat der Mann einfach in der Vergangenheit schon zu tolle Leistungen dargeboten, aber es ist auf jeden Fall die eigenartigste Rolle von Cage. Das liegt daran, dass er hier bemerkenswert ruhig agiert und von seinem bekannten Overacting absolut nichts mehr übrig ist. Und Cage steht diese resignierte, lebensmüde Rolle verdammt gut. Kein Wunder, dass die Kamera oftmals an seinem Gesicht klebt, denn was er hier alleine mit seinen Augen transportiert, ist wahrhaftig großes Kino. Alex Wolff kann da natürlich nicht ganz mithalten, aber sein Amir ist ebenfalls eine gute Rolle, die souverän verkörpert wird. Die Figurenzeichnung funktioniert gerade durch das Zusammenspiel der sehr unterschiedlichen Hauptfiguren. Es gibt dann auch nur diese beiden zu sehen, denn der Rest der Darsteller übernimmt nur winzig kleine Rollen. Hier kann Adam Arkin aber immerhin in wenigen Minuten auch noch mal beweisen, wie ausdrucksstark seine Performance sein kann.
 
 
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Regisseur Michael Sarnoski gab mit „Pig“ sein Regie-Debüt, was den Film nur noch bemerkenswerter macht. Zuvor schrieb er lediglich ein paar Drehbücher (was er hier zusammen mit Vanessa Block ebenfalls tat) und drehte ein paar Kurzfilme. Die Inszenierung kann sich auf jeden Fall sehen lassen und experimentiert nicht zu viel herum. Die Aufnahmen der Kamera sind ganz gerne mal leicht verwackelt, was dem Geschehen keinen so statischen Eindruck verleiht. Ansonsten folgt man den Bildern am ehesten, weil einen die Geschichte berührt und nicht weil man visuelle Aufregung sucht. Diese gibt es nämlich auch kaum zu sehen, dafür aber eine wunderschöne Atmosphäre, die einen in ihren Bann ziehen kann. „Pig“ ist anders und besitzt immer wieder Momente, in denen man sich als Zuschauer sogar leicht irritiert vorfinden kann, aber trotzdem wirken diese Emotionen erstaunlich authentisch. Zeitweise macht der Film sogar irgendwie Spaß, selbst wenn er im Grunde genommen recht traurig erscheint und ein paar ziemlich unangenehme Szenen besitzt.
 
 
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Eine davon gibt es bald nach der Ankunft in der Stadt zu sehen und diese ist auch so ziemlich die einzige, die etwas brutaler wird. Die Freigabe ab 16 Jahren ist trotzdem fast etwas zu übertrieben, weil die Message hinter dem Ganzen keinerlei Bösartigkeit besitzt. Im ersten Drittel kommt auch noch eine kleine Portion Action vor, aber die Rache rückt schon bald in den Hintergrund und dann beschäftigt man sich viel lieber mit den Charakteren. Hier übernimmt nun das reine Drama, welches sehr gefühlvoll ist. Obwohl der Film immer in Bewegung ist und fast schon an ein Roadmovie erinnert, sind die Szenen doch fast immer ruhig gehalten. Zu Längen kommt es aber trotzdem nicht, denn dafür ist alleine die Laufzeit viel zu gering. Mit gerade mal 90 Minuten ist „Pig“ fast schon etwas zu kurz geraten. Daran bemerkt man jedoch auch, wie gut die Figuren hier funktionieren, denn man folgt ihnen jede Minute lang aufmerksam. Das ist zwar eigentlich niemals spannend und trotzdem schön kurzweilig. Der leise Score mit seinen schönen Melodien begleitet vor allen Dingen die Atmosphäre wunderbar und könnte den einen oder anderen zu ein paar Tränchen verlocken.
 
 


 
 
 

PIG – Fazit

 
 
 
8 Punkte Final
 
 
„Pig“ ist ein eigenartiger und merkwürdiger Film, der etwas eigenwillig erscheint, eigenständig ist und seine Geschichte losgelöst von der realen Welt erzählt. Die Dialoge sind oftmals erstaunlich simpel und besitzen dennoch ihre Tiefe. Genau so wie die Charaktere, die man Stück für Stück etwas besser kennenlernt. Gerade wegen Nicolas Cage ist das so sehenswert, denn selten bis nie hat man den Mann dermaßen ruhig und gefühlvoll agieren sehen. Die Inszenierung funktioniert, die Emotionen sitzen und das Ergebnis ist trotz mancher Trauer reichlich warmherzig und schön. Selbst ohne viel Action oder Spannung wird man hier ordentlich unterhalten, aber man muss sich eben auf ein reines Drama gefasst machen. Zu rührselig wird dieses zum Glück nie und ein gewisser Hauch von Humor liegt ebenfalls in der Luft, aber gleichzeitig auch eine Prise Nihilismus. All diese Faktoren machen „Pig“ zu einem vielseitigen Film, den vielleicht nicht jeder gut finden wird, der aber sicher nicht so schnell aus der Erinnerung verschwinden wird!
 
 


 
 
 

PIG – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Pig“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

PIG – Deutsche Blu-ray

 
 
 
pig-bluray

(c) LEONINE (Blu-ray im KeepCase)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Pig; USA | Großbritannien 2021

Genre: Drama, Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bild: 2.40:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 96 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 19.11.2021

 

Pig [Blu-ray im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

PIG – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei LEONINE)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Killing of a Sacred Deer (2017)
 

Filmkritik: „The Outsiders“ (1983)

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THE OUTSIDERS

Story

 
 
 
Im Klassiker „The Outsiders“ bekämpfen sich zwei verfeindete Jugendgangs, doch im Endeffekt siegt die Erkenntnis, dass Gewalt keine Lösung ist.

 
 
 


 
 
 

THE OUTSIDERS – Kritik

 
 
„The Outsiders“ ist ein Jugendroman der Autorin Susan E. Hinton, die gleich mit ihrem ersten Buch ein enorm populäres Werk in Amerika erschuf. Der autobiografische Stoff avancierte sich zur Pflichtlektüre in den amerikanischen Schulen und ist dort auch heute noch sehr beliebt. Dass nun ausgerechnet Francis Ford Coppola, Regisseur von solch monumentalen Epen wie „Der Pate“ und „Apocalpyse Now“, 1983 eine Verfilmung von diesem Stoff tätigte, geschah nicht ohne Mitwirken von außen. Die Bibliothekarin einer Schule schrieb einen Brief an Coppola. Da „The Outsiders“ so ziemlich die einzige Lektüre war, an der auch Jungs Interesse zeigten, wünschten sich die Klassen eine ansprechende Verfilmung. Coppola, der erst 1979 mit „Der schwarze Hengst“ eine passende Jugendbuch-Verfilmung abgeliefert hatte, schien da der richtige Ansprechpartner zu sein. Und als Coppola sich „The Outsiders“ durchgelesen hatte, sah er das Potenzial für eine Verfilmung. Diese kam dann 1983 in die Kinos, allerdings in etwas anderer Form, als Coppola das gerne gehabt hätte. Die Studios empfanden seinen Film mit knapp zwei Stunden Laufzeit als zu lang für das Zielpublikum. Also wurde der Streifen auf ca. 90 Minuten heruntergekürzt. Erst 2005 brachte Coppola seine damalige Vision des Filmes unter dem Zusatztitel „The Complete Novel“ heraus. Hier gab es rund 22 Minuten mehr Material zu sehen, wobei leider auch ein paar wenige Szenen, die in der Kinofassung existierten, nicht mehr mit dabei waren. Zusätzlich wurde der Soundtrack erweitert, so dass „The Complete Novel“ noch einige Songs von Elvis Presley besitzt. 2021 bekam „The Outsiders“ nun noch eine aufwendig restaurierte Fassung spendiert, die es auch erneut in die Kinos geschafft hat. Zeit, sich mit diesem Klassiker noch mal zu beschäftigen.
 
 
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Der Film handelt von zwei rivalisierenden Jugend-Gangs. Auf der einen Seite, die der Zuschauer am nächsten erfährt, wären da die Greasers, die auf Rock’n’Roll abfahren und einen auf Rebellen machen, weil sie aus eher ärmlichen Verhältnissen stammen. Auf der anderen Seite gibt es die Socs, die sich aus wohlhabenderen Jugendlichen bilden. Die Unterschiede könnten größer nicht sein und deshalb steht Streit auf dem Tagesprogramm. Als eines Abends aus Notwehr einer der Socs umgebracht wird, soll sich das Leben aller Beteiligten drastisch ändern. Das ist gänzlich klassischer Stoff, den Hinton damals im Alter von nur 19 Jahren schrieb und er eignet sich tatsächlich wunderbar für eine Verfilmung. Dabei muss man jedoch sagen, dass Coppola in seiner Version von „The Outsiders“ eher auf Style-over-substance setzt, denn die Tiefe, welche die Vorlage hergibt, erreicht er nie. Das wurde damals auch von den Kritikern so gesehen, weshalb der Film früher kaum gute Rezensionen erhielt. Erst im Laufe der Zeit wurde daraus ein Kult-Streifen.
 
 
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Ganz sicher ist die Besetzung daran nicht ganz unschuldig, denn was man in „The Outsiders“ an Schauspielern sieht, kann jedem Nostalgiker eine Gänsehaut bescheren. C. Thomas Howell, Matt Dillon, Ralph Macchio, Patrick Swayze, Rob Lowe, Emilio Estevez und Tom Cruise gaben sich die Ehre als Greasers. Allerdings waren sie damals alle noch sehr jung und kaum einer von ihnen war ein großer Name in Hollywood. Eine Sache, die sich in den kommenden Jahren stark ändern sollte und gerade deshalb ist es eine Freude sich „The Outsiders“ auch heute noch anzusehen. Howell und Macchio spielen definitiv die größten Rollen und machen das ordentlich, aber auch Dillon und Swayze konnten schon damals mit enormen Charisma punkten. Der Rest ist eher weniger zu sehen und andere Darsteller spielen auch keine größere Rolle, aber alleine wegen diesen ganzen Namen macht der Film selbst knapp 40 Jahre später noch immer Spaß.
 
 
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Die Figurenzeichnung hingegen ist doch deutlich flacher ausgefallen, denn leider schöpft Coppola auch hier nicht das Potenzial aus, was aber sicher auch mit am Drehbuch liegt, welches man einfach tiefgründiger hätte schreiben können. Man muss die Vorlage nicht kennen, um zu erahnen, welche Rolle die verschiedenen Charaktere in „The Outsiders“ übernehmen. Die Verfilmung macht es sich in diesem Punkt ziemlich leicht und dient dem Publikum vor allen Dingen mit einem: Mit reichlich Schmalz. Ja, es wird nicht gerade geringfügig kitschig und sentimental. Das alleine soll allerdings nicht das große Problem sein und hätte ja eigentlich sogar gepasst. Viel schlimmer ist, dass die Emotionen beim Publikum einfach nicht so richtig ankommen. Für ein Drama bzw. ein Melodram ist das deutlich zu wenig. Die Figuren tun einem ein wenig Leid und was dort geschieht, ist manchmal leicht dramatisch, doch für echte Emotionen reicht dies kaum aus. Da es nebenbei jedoch selten Anflüge von Humor gibt, fühlt man sich von den Gefühlen etwas enttäuscht. Hier wäre definitiv mehr drin gewesen. Wenn der emotionalste und ehrlichste Moment erst ganz zum Schluss geschieht, fragt man sich, was die ganzen Szenen zuvor eigentlich sollten.
 
 
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Diese sind natürlich in erster Linie für Francis Ford Coppola höchstpersönlich da, denn was „The Outsiders“ an Tiefe nicht hergibt, macht er mit seinen Bildern wieder wett. Die Inszenierung ist ein Traum und die Optik könnte besser gar nicht sein. Man fühlt sich sofort wie in einem Film der 80er Jahre, wobei dieser einen dann wiederum bestens in das Zeitalter der 60er wirft. Da dürfen auch zahlreiche Anspielungen auf Klassiker nicht fehlen. Für den Cineasten sicher eine wahre Freude. Coppola macht aus der doch relativ simplen Geschichte einen epischen Stoff, so wie man das damals von ihm gewohnt war. Seine Inszenierung ist toll und entwirft Szenen, die sich in die Netzhaut brennen. Aus handwerklicher Sicht ist „The Outsiders“ auch heute noch ein echter Genuss, denn hier sieht einfach alles genial aus. Dass die Inszenierung dabei auf völlig theatralische Übertreibung setzt, passt zu Coppola. So muss es bei der finalen Schlägerei natürlich regnen, doch wenn das Ergebnis so wunderbar aussieht, dann soll das auch einfach so sein.
 
 
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Der Director’s Cut ist dabei die klar zu empfehlende Version, denn selbst wenn es schon hier an Tiefe mangelt, bekommt man doch noch mehr Hintergründe zu den Verhältnissen der Greasers und der Socs geboten. Außerdem ist diese Version mit seinen knapp zwei Stunden Laufzeit auch keineswegs zu lang geraten. Es ist schon erstaunlich, wie wenig man der Jugend schon Anfang der 80er Jahre zugetraut hat. Zu Längen kommt es eigentlich nie, weil alle Szenen ihre Berechtigung besitzen. Fast schon ist man geneigt zu sagen, dass noch mehr Laufzeit besser gewesen wäre. Gerade die ruhigen Momente besitzen ihre gewisse Melancholie und Nachdenklichkeit. Auf Action setzt „The Outsiders“ zwar sowieso eher weniger, aber meistens ist doch relativ viel los und das Tempo ist recht hoch. Hier passt dann natürlich auch der überarbeitete Soundtrack bestens.
 
 


 
 
 

THE OUTSIDERS – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
„The Outsiders“ ist ein Stück 80er-Jahre-Nostalgie, welches sich seinen Kult-Ruf erst erarbeiten musste und heute viel weniger kritisch aufgenommen wird, als damals noch. Die Geschichte ist sehr simpel, kommt mit guter Moral daher, wird im Film aber nicht so intensiv behandelt, wie man das hätte tun können. Allgemein geht es gerne mal kitschig zur Sache, aber gerade weil die Inszenierung so perfekt ist, verzeiht man das gerne. Außerdem wäre da ja noch dieser beeindruckende Cast. So viele angehende Superstars sieht man selten zusammen. Die Emotionen sitzen leider nicht so richtig und allgemein bleibt „The Outsiders“ ein recht oberflächlicher Film, der nicht mal in der längeren Fassung zu viel mehr Tiefe führen kann, doch aufgrund der echt tollen Atmosphäre wiegt das nicht so schwer. Jeder, der ein Faible für 80er-Jahre-Filme hat, kommt an diesem Klassiker eigentlich kaum vorbei!
 
 


 
 
 

THE OUTSIDERS – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „The Outsiders“ ist ungeschnitten und frei ab 12 Jahren.
 
 
 


 
 
 

THE OUTSIDERS – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) ARTHAUS | STUDIOCANAL (2 Blu-rays im KeepCase)

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(c) ARTHAUS | STUDIOCANAL (2 UHDs + 2 Blu-rays im Digipack)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Outsiders; USA 1983

Genre: Drama, Krimis

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte

Bild: 2.40:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 115 Minuten

FSK: FSK12 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im Keepcase (Blu-ray) | Digipak im Schuber (4K-UHD)

Extras: Disc 1: Blu-ray Director’s Cut (The Complete Novel) (HD, ca. 115 Min.), Über die Restaurierung: Interviews, Geschnittene Szenen, Einführung von Francis Ford Coppola, “Outsider Looking In” – neues Interview mit Francis Ford Coppola über Schlüsselszenen eines Kultfilms, Featurette “Old House New Home” – Ein Museum für die “Outsiders”, Trailer, Audiokommentare, Featurette “Stay Gold”: Ein Blick zurück auf The Outsiders, Disc 2 Blu-ray: Kinofassung (HD, ca. 91 Min.), S.E. Hinton am Drehort in Tulsa, Das Casting der “Outsiders”, NBC’s News Today von 1983, ‚The Outsiders‘ Started by School Petition, Sieben Teammitglieder (Lowe, Swayze, Howell, Dillon, Macchio, Garret and Lane) lesen Auszüge aus dem Roman, Geschnittene und erweiterte Szenen, Kinotrailer von 1983

Release-Termin: KeepCase + Digipack: 11.11.2021

 

The Outsiders [2 Blu-rays im KeepCase] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

The Outsiders [2 UHDs + 2 Blu-rays im Digipack] ungeschnitten im ARTHAUS-Shop kaufen

 
 


 
 
 

THE OUTSIDERS – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei ARTHAUS | STUDIOCANAL)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
… denn sie wissen nicht, was sie tun (1955)
 
Rumble Fish (1983)
 
Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommers (1986)
 

Filmkritik: „She Dies Tomorrow“ (2020)

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SHE DIES TOMORROW

Story

 
 
 
Amy spürt, dass sie morgen sterben wird. In einer Mischung aus Panik, Befreiung, Disassoziation und Manie steckt sie ungewollt ihre Freundin mit dem Gedanken an, die ihrerseits auf eine Party eingeladen ist…

 
 
 


 
 
 

SHE DIES TOMORROW – Kritik

 
 
Die US-amerikanische Produzentin, Schauspielerin und, nach mehreren Kurzfilmen und dem Florida-Thriller „Sun Don’t Shine“ (2012), auch Regisseurin Amy Seimetz dürfte Genrefans spätestens durch Adam Wingard’s „You’re Next“, Shane Carruths grandiosen „Upstream Color“, in letzterer Zeit sonst durch das Pet Sematary-Remake oder „Alien: Covenant“ ein Begriff sein. Weniger „Alien“, Mainstream, Genreware und Action, mehr Arthouse-Anleihen, introvertiertes Reflektieren und persönliches Erzählen gilt es nun in ihrem zweiten Langfilm zu erwarten, dessen Protagonistin nicht zufällig den Vornamen mit der Regisseurin teilt.
 
 
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Der erste Akt des Films ist ein langsames Einatmen und realisieren, taktile Reize werden ausgespielt, haptisches, sinnliches Ergreifen der Umwelt sichtbar gemacht, kunstvolle Kameraarbeit und Lichtsetzung trifft auf eine One-Man-Show von Kate Lyn Sheil, einer begabten jungen Darstellerin die sich bereits in etlichen Indie-Perlen wie „The Comedy“, „Buster’s Mal Heart“ oder „The Sacrament“ beweisen konnte, häufig an Seimetz‘ Seite. In dieser Phase werden das behutsame Tempo des Films, der persönliche Ansatz an das Thema einer zutiefst beunruhigenden Vorahnung des eigenen Todes sowie die vortreffliche, soghafte Cinematographie etabliert. Und dadurch eine Erwartungshaltung aufgebaut, der die folgende Stunde leider nicht standhält. Sobald sich die durch „Happiness“, „Twin Peaks: The Return“ oder „Eternal Sunshine of the spotless mind“ berühmte Jane Adams nämlich als nächste Protagonistin herausstellt, deren Panik und Beunruhigung üblicherer und extrovertierter Natur ist, gleitet der Film in eine Reihe von Vignetten oder Episoden, in denen sich die Verzweiflung und Ängste wie eine Epidemie verbreiten.
 
 
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Langsamer, modern gefilmter, eindringlich persönlich gespielter sowie geschriebener, existentieller Grusel mit metaphorischer Doppelbödigkeit und Symbolgehalt, der den schwarzen Humor der Absurdität seiner konstruierten Situationen nicht zu kurz kommen lässt, liest sich erstmal wie der Traum vom perfekten Indie-Projekt und auch ich war sehr angetan, bin vorfreudig bei Nacht und mit Headset gewappnet an diesen Film getreten. Doch durch die Zerfaserung des Scripts in mehrere Einzelsituationen und -schicksale gehen Identifikationsfaktor und Stringenz einer einzelnen Protagonistin leider verloren. Dazu leider auch die Bildgewaltigkeit der Cinemtatographie, da die ansprechendsten Einstellungen und interessantesten Konzepte direk zu Beginn präsentiert werden.
 
 
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Der opulente Soundtrack impliziert Gänsehaut-Momente oder große Realisierungen, setzt aber zu hohe Ansprüche an die Bildebene des Films, die diegetische, sehr stimmige, klassische Musik der Exposition, ein letztes Feiern der Künste und Menschlichkeit vorm Abstieg, weicht immer öfter Szenen ohne Musikuntermaltung, die sich nur auf der Situation, dem Schauspiel und den Dialogen ausruhen. Trockener Humor, bunt beleuchtete, leicht trippige Szenen mit erhebender Score, tragisch angedachte Momente und romantisch-nostalgische Erinnerungen geben sich die Hand, doch vieles davon geht in der Montage und akuten Überlänge leider Gottes unter.
 
 
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Denn so kurz dieser knapp 80-minütige, leicht halluzinogene, lobenswert ambitionierte, von Ängsten und Neurosen und der Ahnung, dass etwas Schlimmes geschehen wird bestimmte Film, dessen spätere Cameos Spaß machen, dessen Schauspiel größtenteils sehr lobenswert ist, dessen Bilder sich einprägen und sehen lassen können und dessen Score ich immer wieder genießen konnte auch ist, so sehr fühlt es sich an, als würde sich hier ein prinzipiell überragender Kurzfilm verstecken, der, auf seine Langfilmzeit gestreckt, zu selten dazu kommt, seine Visionen und Stärken adäquat auszuspielen.
 
 
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SHE DIES TOMORROW – Fazit

 
 
 
5 Punkte Final
 
 
Eigenständiges, sehenswertes und technisch nahezu makelloses, existentielles Drama im Gewand eines Horrorfilms, mit starken Peformances und super Exposition, aber auch einigen Längen und zu hinterfragenden Entscheidungen.

 
 


 
 
 

SHE DIES TOMORROW – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „She Dies Tomorrow“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

SHE DIES TOMORROW – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Films (Blu-ray + DVD im Mediabook)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: She Dies Tomorrow; USA 2020

Genre: Horror, Mystery, Thriller, Drama, Fantasy, Komödien, Science Fiction

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.78:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 85 Minuten

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray + DVD im Mediabook

Extras: Original Trailer, Trailershow, Booklet, Film auf DVD

Release-Termin: KeepCase: 22.07.2021

 

She Dies Tomorrow [Blu-ray + DVD im Mediabook] auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

SHE DIES TOMORROW – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Koch Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Signal (2014)
 
The Other Lamb (2019)
 

Filmkritik: „Dark Justice – Du entscheidest!“ (2018)

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DARK JUSTICE – DU ENTSCHEIDEST!

(DARK JUSTICE | JUSTICE DOT NET)

Story

 
 
 
Im Thriller „Dark Justice“ werden Umweltsünder entführt und direkt per Live-Übertragung ins Netz mit ihrer Schuld konfrontiert. Die Welt soll entscheiden, ob sie nicht vielleicht doch unschuldig sind.

 
 
 


 
 
 

DARK JUSTICE – Kritik

 
 
Unserem Planeten geht es nicht gut. Egal ob Ressourcen-Knappheit, Umweltverschmutzung oder Klimawandel – Der Mensch geht mit der Erde nicht gerade schonend um. Natürlich nehmen sich auch Filme diesem Thema an. So macht es z.B. „Dark Justice“, der dieses Thema mit einem Cyberthriller kombiniert und dabei durchaus kurzweilige Unterhaltung parat hält.
 
 
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Der Computerprogrammierer Jake hat sich schon lange dem Kampf gegen Ungerechtigkeit gegen Mutter Natur verschrieben. Er stellt ein Team zusammen und das Ziel ist es ein paar einflussreichen Umweltsündern den Kampf anzusagen. Dabei geht Jake sogar so weit, diese zu entführen und sie per Stream ins Internet zu übertragen. Die Zuschauer sollen entscheiden, ob die Enführten schuldig oder unschuldig sind. Doch natürlich schaltet sich auch die Polizei ein und so beginnt ein Wettlauf mit der Zeit. Die Story ist alles andere als schlecht und besitzt ihre gewisse Eigenständigkeit. Es gibt viele Filme, die sich mit dieser Thematik auseinandersetzen, aber „Dark Justice“ macht es doch auf etwas andere Art und Weise. Dabei wirkt die Umwelt-Message manchmal etwas plakativ (was das Ende noch mal deutlich unterstreicht), doch verkehrt ist diese Herangehensweise keineswegs. Somit bekommt man hier eine gute Portion Anspruch, die man vielleicht noch etwas subtiler hätte verpacken können, die aber trotzdem ihre Wirkung entfalten kann. Außerdem dient das Drehbuch noch mit ein paar Wendungen, so dass es stets interessant bleibt das Geschehen zu verfolgen.
 
 
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Für den luxemburgischen Regisseur Pol Cruchten war „Dark Justice“ der letzte Film, da er 2019 leider verstarb. Dass er eine gewisse Inszenierung beherrschte, kann man in diesem Werk jedoch noch deutlich sehen. Der Schauplatz ist zwar an sich begrenzt, aber es ist genügend Dynamik mit im Spiel. Die Kulissen machen allesamt etwas her und aus handwerklicher Sicht ist das durchaus zufriedenstellend. Darüberhinaus lebt das Szenario von einem hohen Tempo. Mit einer langen Einleitung hält man sich nicht auf und bevor man als Zuschauer alles verstanden hat, geht es auch schon zur Sache. Erst nach für nach erklären sich die Dinge und das sorgt schon für eine gewisse Spannung. Zu groß wird diese nie, denn dafür ist das Szenario zu klein angelegt, aber Langeweile kommt so trotzdem nie auf. Viel Action gibt es nicht, doch diese benötigt es nicht, denn mit seinen 87 Minuten Laufzeit ist „Dark Justice“ kurzweilig genug. Am Ende fehlt es sogar noch etwas an Tiefe, denn manchmal kommt man sich hier so vor, als hätte man es mit einer Pilotfolge für eine anstehende Serie zu tun. Uninteressant wäre eine solche sicherlich nicht, denn mit den Figuren, die man hier eingeführt hat, hätte man bestimmt noch mehr machen können.
 
 
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Das liegt auch daran, dass die Darsteller überzeugen können. Martin McCann gerät als Hauptfigur erst ein bisschen später in den Fokus, liefert dann aber durchaus ab. Mit Pascale Bussières kann man sich als Polizistin ebenfalls anfreunden, weil sie eine unparteiische Rolle einnimmt. Philippe Duclos nimmt man das reiche Arschloch sofort ab und in einer etwas unbedeutenden Nebenrolle gibt es noch Desiree Nosbusch zu sehen. Alle Schauspieler machen ihre Sache mindestens solide und tragen so weite Strecken des Filmes. Überwiegend gibt es nämlich Dialoge zu hören und besonders spektakulär wird es eher selten. Umso erfreulicher ist, dass die deutsche Synchronisation sich sehr gut anhören lässt und man dem Inhalt auch gerne lauscht. Dumm ist „Dark Justice“ nämlich keineswegs. Er besitzt eine gute Substanz und geht auch mit den Cyber-Thriller-Elementen ansprechend um. Das sehr offene Ende lässt schon fast eine Fortsetzung vermuten, aber vielleicht muss diese der Mensch einfach selber gestalten.
 
 
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DARK JUSTICE – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
„Dark Justice“ ist ein kleiner, recht unspektakulärer Thriller, der sich einer wichtigen Thematik annimmt, diese mit genügend Wendungen serviert und von der Story her schon mal punkten kann. Nicht alles daran ist komplett glaubwürdig und manchmal wird es etwas zu plakativ, aber lobenswert ist der Ansatz durchaus. Abgerundet wird das Szenario von guten Darstellern, einer funktionierenden Figurenzeichnung und einer handwerklich runden Umsetzung. Etwas mehr Ambivalenz hätte nicht geschadet und besonders aufregend ist der Film ebenfalls nicht, dafür stimmt jedoch das Tempo und Langeweile kommt nie auf. Wer sich für das Thema Umwelt interessiert und zusätzlich einen Thriller zu schätzen weiß, kommt hier jedenfalls auf seine Kosten!
 
 


 
 
 

DARK JUSTICE – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „Dark Justice – Du entscheidest! “ ist ungeschnitten und frei ab 12 Jahren.
 
 
 


 
 
 

DARK JUSTICE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Eurovideo Medien (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Justice Dot Net; Irland | Kanada | Luxemburg 2018

Genre: Thriller

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 2.38:1 (1080p) | @24 Hz

Laufzeit: ca. 87 Min.

FSK: FSK12 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 14.01.2021

 

Dark Justice – Du entscheidest! [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

DARK JUSTICE – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Eurovideo Medien)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Snowden (2016)
 
Saw (2004)
 
Panic Room (2002)
 

Filmkritik: „The Outpost – Überleben ist Alles“ (2020)

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THE OUTPOST – ÜBERLEBEN IST ALLES

(THE OUTPOST)

Story

 
 
 
Nach wahren Begebenheiten erzählt „The Outpost“ von ein paar US-Soldaten, die sich gegen eine Schar von Taliban im Afghanistan-Krieg verteidigen müssen.

 
 
 


 
 
 

THE OUTPOST – Kritik

 
 
Der Afghanistan-Krieg liegt noch nicht lange zurück und hat sicherlich auch Amerika in keinem besonders guten Licht dargestellt. Einen Film über diese wahren Begebenheiten braucht man in momentaner Zeit bestimmt nicht unbedingt, aber gute Geschichten verdienen es auch erzählt zu werden. „The Outpost“ schlägt sich da ganz solide, denn er driftet nie zu sehr in die Patriotismus-Schiene ab und versucht das Geschehen authentisch nachzustellen.
 
 
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Im Norden Afghanistans liegt das Camp Keating. Hier sind 54 amerikanische Soldaten stationiert, die eigentlich Frieden bringen sollen und sich um die Bevölkerung kümmern. Gestört werden sie dabei jedoch immer wieder von feindlichen Taliban, die sich die ungünstige Lage zu nutze machen. Camp Keating liegt nämlich in einem Tal umgeben von Bergen und es gehört für die Soldaten zur Routine, dass jeden Tag ein paar Kugeln verschossen werden. Als eines Tages hunderte Taliban das Lager stürmen, kommt es zur finalen Konfrontation.
 
 
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Während viele Filme mit dem Spruch „Basierend auf wahren Begebenheiten“ dienen, stimmt dies bei „The Outpost“ wohl auch mal, denn der Film basiert auf einem Sachbuch, welches 2012 erschien und eine reale Situation beschreibt. Das wird besonders beim Abspann erkennbar, in welchem man die realen Vorbilder zeigt und diese auch ehrt. Diese Herangehensweise ist nicht neu, funktioniert aber dennoch immer wieder und die Ehrung ist definitiv lobenswert. Ansonsten lebt die Story am ehesten von einer etwas unüblichen Kriegs-Prämisse, weil man sich eben nicht im offenen Gefecht befindet, sondern umlagert und somit eher gefangen ist. Etwas Neues hat das Drehbuch dem Kriegsdrama dabei kaum hinzuzufügen, jedoch funktioniert die Herangehensweise solide und sie lässt den Zuschauer sicherlich nicht gänzlich kalt.
 
 
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Dafür investiert man in der ersten Hälfte nämlich zu viel Zeit in die Menschen. Zwar ist „The Outpost“ etwas überladen mit Charakteren, die man anfangs nicht wirklich auseinander halten kann, aber er versucht wenigstens Menschlichkeit zu erzeugen. Der Zuschauer wird nicht mit allen Figuren etwas anfangen können, aber genügend Profil ist eigentlich vorhanden und man lässt den verschiedenen Charakteren genug Raum. Allerdings profitieren nicht alle Darsteller davon. Scott Eastwood ist zwar wirklich solide, besitzt aber einfach noch immer nicht das Charisma seines Vaters und geht ein wenig unter. Anders ergeht es da schon Orlando Bloom, mit dem natürlich fleißig geworben wird, der nach einem Viertel der Laufzeit aber auch schon das Geschehen verlässt. Das ist wirklich schade, denn Bloom macht seine Sache einprägsam. Alle Darsteller sind gut und geben sich Mühe, aber viele bleiben dennoch hinter den Möglichkeiten zurück, was wohl auch an der Vielzahl liegt. Am ehesten fällt da noch Caleb Landry Jones aus dem Raster, der besonders in der zweiten Hälfte eine eindrucksvolle Leistung abliefert.
 
 
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In dieser geht es dann sowieso zur Sache. Während Regisseur Rod Lurie so ziemlich genau die erste Stunde dafür nutzt, um die Situation darzustellen, geht es in der letzten Stunde um die finale Schlacht, die es in sich hat. Hier gibt es Nonstop-Action mit Explosionen und Kugelgewitter. Das wurde schon aufwendig inszeniert und lässt einen den Krieg ansatzweise spüren. Völlige Intensität wird zwar nicht erreicht, weil es z.B. verhältnismäßig harmlos zur Sache geht (FSK-16er wie „Der Soldat James Ryan“ sind hundert Mal schonungsloser), aber Spannung wird trotzdem erzeugt und weil einem die Charaktere eben nicht völlig egal sind, man einen leichten Draht zu ihnen aufbauen konnte, fiebert man schon etwas mit. Die Schauplätze wirken ebenfalls authentisch und aus handwerklicher Sicht gibt es daran kaum etwas zu bemängeln. Nur ist der Anfang vielleicht etwas zu ausgedehnt. Dass man sich rund zwei Stunden Laufzeit genommen hat, ist an sich löblich, fördert anfangs jedoch nicht gerade die Spannung. Böse ist man „The Outpost“ dafür im Endeffekt nicht, denn er wirkt niemals zu stumpf, verzichtet auf zu viel Patriotismus, ist nie zu einseitig und dient zudem mit einem guten Score und soliden Effekten.
 
 
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THE OUTPOST – Fazit

 
 
 
7 Punkte Final
 
 
„The Outpost“ ist ein Kriegsdrama, welches sich diesen Namen durchaus verdient hat und fast schon als Antikriegs-Film durchgehen könnte. Erfreulicherweise geht man mit der Thematik keineswegs plakativ um und zeigt einfach nur einen realen Fall, der den Wahnsinn des Kriegs ganz gut beschreibt. Für einen Klassiker reicht das nicht, denn dafür sind die Figuren nicht ausgefeilt genug, die Darsteller nicht markant genug und das Gefecht nicht packend genug, aber wer niedrige Erwartungen hat, wird sicherlich überrascht sein. Die Inszenierung kann nämlich wirklich etwas, Spannung kommt auf und allgemein ist hier alles relativ hochwertig verpackt. Die erste Hälfte zieht sich zwar etwas in die Länge, aber die zweite belohnt den Zuschauer dafür mit reichlich Action. Außerdem sind die Darsteller alles andere als schlecht und mit den Charakteren kann man zum Glück auch etwas anfangen. Alles in einem ein sehenswertes Kriegs-Drama!
 
 


 
 
 

THE OUTPOST – Zensur

 
 
 
Die deutsche Fassung von „The Outpost – Überleben ist Alles“ ist ungeschnitten und frei ab 16 Jahren.
 
 
 


 
 
 

THE OUTPOST – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Eurovideo Medien (KeepCase Blu-ray)

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Outpost; Bulgarien | USA 2020

Genre: Thriller, Action, Drama, Krieg, Historienfilm

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: keine

Bild: 1.85:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 124 Min.

FSK: FSK16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Blu-ray im KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Trailershow

Release-Termin: KeepCase: 28.01.2021

 

The Outpost – Überleben ist Alles [Blu-ray] ungeschnitten auf AMAZON kaufen

 
 


 
 
 

THE OUTPOST – Trailer

 
 


 
 
 

Benjamin Falk

(Rechte für Grafiken liegen bei Eurovideo Medien)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
Lone Survivor (2013)
 
Operation: 12 Strong (2018)
 
Sniper: Special Ops (2016)
 
Fort Bliss (2014)
 

Filmkritik: „Rent-A-Pal“ (2020)

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RENT-A-PAL

Story

 
 
 

Seltsame Freundschaft und beunruhigende Liebesgeschichte. Ein Einzelgänger bekommt eine Videokassette in die Hände, auf der ein Moderator zu sehen ist, welcher schnell das Vertrauen seines neugierigen Gegenübers gewinnt und für eigene Zwecke missbraucht.

 
 
 


 
 
 

RENT-A-PAL – Kritik

 
 
 
Das Besondere an Horrorfilmen ist, dass fantasiebegabte Drehbuchautoren die Möglichkeit haben jede noch so belanglose Situation auszunutzen, um darum Albträume zu weben. Da können Duschvorhänge – wie in CURTAIN – schon mal schlaflose Nächte bereiten, weil die immer wieder von Geisterhand verschwinden. Aber auch ein schlichtes Loch in der Wand wurde schon als Aufzieher verwendet, um eine schaurige Geschichte zu erzählen, die sich ins Gedächtnis gebrannt hat – DEEP DARK lässt grüßen. Den Möglichkeiten für Angstmacherei sind kaum Grenzen gesetzt. Treu der Devise „je sonderbarer, umso genialer“ wurden sogar schon Sitzmöbel (KILLER SOFA), Reifen (RUBBER) und Nahrungsmittel (ANGRIFF DER KILLERTOMATEN) dafür verwendet, um Zuschauern Schrecken einzujagen. Die Liste absurder Horrorszenarien ist lang. Der Psychothriller RENT-A-PAL ist da noch lange nicht die Spitze des Eisbergs.
 
 
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Der spielt in den 1990ern, beginnt ganz unscheinbar und erzählt vom traurigen Leben des Einzelgängers David (BRIN LANDIS FOLKINS aus SLASHED – AUFGESCHLITZT). Der lebt zurückgezogen mit der an Alzheimer erkrankten Mutter in einer Wohnung und kümmert sich liebevoll um das Familienmitglied. Leider verlangt die Pflege so einiges von unserem Helden ab. Der muss auf Privatleben verzichten, weil er dafür schlichtweg keine Zeit mehr hat. Dennoch sehnt es ihn nach Geborgenheit. Deshalb hat sich David bei einer Video-Dating-Firma angemeldet. Die dreht Kontaktanzeigen, spielt diese auf Videokassette und vermittelt so unter den Suchenden untereinander. Leider hat David damit gar kein Glück. Keine Frau will sich auf seine Videoannonce melden. Bis ihm ein mysteriöses Videoband namens „Rent-A-Pal“ in die Hände kommt. Darauf sind zwar keine Kontaktanzeigen interessierter Damen zu sehen. Dafür wirbt aber der charismatischer Andy (WIL WHEATON) für genau das, was der einsame David sucht: Freundschaft, Verständnis und Zugehörigkeit. Bei so verheißungsvollen Botschaften kommt es unserem Helden gar nicht seltsam vor, dass das Videoband offenbar ein Eigenleben führt. Für jede Frage hat Andy nämlich eine Antwort. Für jedes Problem die passende Lösung. So entwickelt sich eine skurrile Männerfreundschaft, die im wahrsten Sinnes des Wortes bald keine Grenzen mehr kennt.
 
 
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Kennt Ihr noch WIL WHEATON? Wem der Namen gar kein Begriff ist, dürfte den Schauspieler dennoch schon einmal auf der Mattscheibe gehabt haben. Hierbei handelt es sich um einen der Freunde im King-Drama STAND BY ME. Mittlerweile ist der Kinderdarsteller erwachsen geworden und hat die Seiten gewechselt. Aus Gut wurde Böse und hinter treu blickenden Rehaugen verbirgt sich schon mal das personifizierte Böse – wie RENT-A-PAL beweist. Hier hält der Filmfan den wohl sonderbarsten Horrorstreifen des Jahres 2020 in den Händen, der auch gleich einen der ungewöhnlichsten Schurken innerhalb des Horror-Genres mitbringt. Statt messerschwingende und maskierte Irre auf das Publikum loszulassen, geht es Regisseur JON STEVENSON weitaus psychologischer an. Sein Killer ist ungewöhnlich anders und tötet gar nicht selbst. Statt Killer aus Fleisch und Blut zur Tat schreiten zu lassen, stiftet ein Videoband zum Mord an, indem es manipuliert. Darauf zu sehen: ein Moderator der mit vertrauenswürdigen Floskeln das Gehirn seines Zuschauers wäscht. Eine makabre wie kontroverse Prämisse – vor allem auch deshalb, weil der Film auf erschreckende Weise zeigt, was Menschen tolerieren, um geliebt zu werden. Liebe macht eben bekanntlich blind.
 
 
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Filmemacher JON STEVENSON thematisiert in seinem Film die ausweglose Suche nach Liebe, Zugehörigkeit und Verständnis in einer anonymen Welt, wo es immer schwieriger wird, Freundschaften zu pflegen und Partner zu finden. RENT-A-PAL zeigt hierbei wie schnell sich Suchende vom rechten Weg locken lassen, in dem sie gutgläubig und blind dem verzweifelten Ruf der Liebe folgen, ohne zu hinterfragen, ob das Gegenüber ernsthafte Absichten hegt oder nicht. Geht es nach Stevenson haben moderne Gesellschaften sogar verlernt, Kontakte auf herkömmlichem Wege zu knüpfen und gesundes Misstrauen zu entwickeln. Eine kranke Entwicklung, die in RENT-A-PAL beinahe schon zynisch auf die Spitze getrieben wird. Demzufolge findet es Held David im Filmverlauf gar nicht so ungewöhnlich mit einem Videoband zu sprechen. Statt das Herz für interessierte Frauen zu öffnen und raus in die Welt zu gehen, verkriecht er sich stattdessen in seinem Zimmer und knüpft dort Bande mit einer anonymen und nicht greifbaren Person. Die heuchelt auf einem Videoband Freundschaft vor und macht das Gegenüber emotional gefügig. Das mag zwar alles auf den ersten Blick gaga, grotesk und surreal wirken. Dennoch ist Thematik hinter dem Genre-Film gar nicht weit hergeholt. Zieht man nämlich Parallelen zum heutigen Zeitgeschehen, könnte die Geschichte hinter RENT-A-PAL gar nicht aktueller sein.
 
 
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Die Digitalisierung hat es möglich gemacht, dass es einerseits zwar leichter geworden ist, mit Mitmenschen in Kontakt zu treten. Dennoch heißt das nicht zwangsläufig, dass es im Internet leichter ist die Liebe des Lebens oder gar echte Freunde zu finden. Dennoch wird zu schnell und leichtsinnig dem Unbekannten vertraut. So tummeln sich zwar auf Social Media Plattformen, Dating-Portalen oder Partner-Börsen kontaktfreudige Menschen, die Gleichgesinnte suchen. Leichter wird dort die Suche nach Mitgliedern mit ernstzunehmenden Absichten nicht zwangsläufig. Hinter anonymen Profilen tummeln sich gern auch zwielichte Gestalten, die alles andere – nur nicht ernstzunehmende Absichten suchen. Ein gefundenes Fressen für Cyberkriminelle, Stalker und Abzocker, die die Gutgläubigkeit des Gegenübers ausnutzen und Zuneigung vortäuschen. Brisanter Stoff, der schon einige Male im Horror-Genre behandelt wurde. Filme wie UNKNOWN USER und THE DEN sollten an dieser Stelle Erwähnung finden.
 
 
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RENT-A-PAL – Fazit

 
 
8 Punkte Final
 
 
Die wohl krankeste aber auch traurigste Liebesgeschichte des Jahres. Intensiver Psycho-Horror, der unscheinbar beginnt und ganz unerwartet den Boden unter den Füßen wegzieht. Man sollte sich daher keinesfalls vom nichtssagenden Titel und dem doch schon langweilig gestalteten Filmplakat blenden lassen. Der Psychothriller RENT-A-PAL ist ein Geheimtipp für Genre-Fans und sollte unbedingt gesehen werden. Warum? Weil der Zuschauer hier einen der ungewöhnlichsten Psychopathen der Filmgeschichte zu sehen bekommt. Der zieht sein Opfer schnell in den Bann und treibt ihn mit allen Mitteln der Manipulation in den Abgrund, ohne dabei aktiv oder gar selbst zum Mordwerkzeug greifen zu müssen. Das ist teils erschreckend pervers und makaber anzusehen – hat aber alles Hintergrund. RENT-A-PAL strotzt nämlich so vor Gesellschaftskritik und zeigt einmal mehr als deutlich in welchen abartig kranken Zeiten wir eigentlich leben. Dass der Streifen trotz Erstlingswerk ganz ordentlich geworden ist und hervorragende Schauspieler zu bieten hat, mag nicht von Ungefähr kommen. Hinter dem Psycho-Horror, das sich irgendwo im Stalker-Genre ansiedeln lässt, steckt nämlich der genreerprobte JON STEVENSON. Der war vor einigen Jahren am Body-Horror EAT als Kameramann am Start und feiert mit RENT-A-PAL sein Regiedebüt. Statt sich – wie die meisten Newcomer durch Gewalt, Blut und Gore ins Gedächtnis der Horrorfangemeinde einzubrennen – geht er es subtil und bedacht an. Viel Hintergrund, bedachte Charakterentwicklung und Spannungsaufbau. Das Ergebnis: Ein filmisches Experiment mit brisanter Botschaft, das zum Nachdenken anregt und doch schon irgendwie Angst macht.
 
 
 


 
 
 

RENT-A-PAL – Zensur

 
 
 
RENT-A-PAL ist mehr Charakterstudie mit psychologischem Horror statt krasse Schlachtplatte. Am Ende wird es etwas „tödlich“. Gründe, die dem Streifen eine FSK16 einbringen dürften. Es würde wundern, wenn sich in Deutschland für diese sehenswerten Streifen kein Rechteinhaber finden sollte.
 
 
 


 
 
 

RENT-A-PAL – Trailer

 
 


 
 
 

Marcel Demuth

(Rechte für Grafiken liegen bei IFC FILMS)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
One Hour Photo (2002)
 
13 Cameras (2015)
 
I Trapped the Devil (2019)
 

Filmkritik: „The Nightingale – Schrei nach Rache“ (2018)

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THE NIGHTINGALE – SCHREI NACH RACHE

(THE NIGHTINGALE)

Story

 
 
 
Jennifer Kent präsentiert eine verstörende Rachegeschichte im dunkelsten Kapitel der australischen Geschichte

 
 
 


 
 
 

THE NIGHTINGALE – Kritik

 
 
Da ist er also, so fühlt es sich also an, ich hatte es schon fast vergessen. Von den allzu abtrünnigen, widerwärtigen, Gewalt- und Erniedrigungspassagen durchexerzierenden Auswürfen transgressiver bis hin zu ziellos schockender, niederträchtiger Filmkunst habe ich bisher mein ganzes Leben lang wohlweislich Abstand gehalten. Denn so interessant und spannend Pseudosnuff und Torture Porn, Babygematsche im Amateursplatter und unerträglich explizite Demütigung halbnackter Opfer sein kann, so wenig Unterhaltungs- oder Mehrwert hab ich in solchen Filmen meistens gesehen, zumal ich – und das dürfte der eigentliche Grund sein – auch einfach keine Lust habe, völlig abzustumpfen, nicht mehr geschockt werden zu können, bis dahin aber umso traumatisierender verstört zu werden. Abstecher in den extremeren Horrorbereich sind dabei natürlich trotzdem dann und wann im Programm, teils absolut berechnet und erwartet wie bei Brian Paulins Undergroundsplatter „Fetus“, der aber eben so trashig und billig und schlecht gespielt und inszeniert ist, dass man vieles kaum noch ernst nehmen kann, oder auch unerwartet und nachhaltig packend wie bei dem spanischen Weihnachtskurzfilm „Merry Little Christmas“ geschehen, der häusliche Gewalt, Inzest und Traumata mit einer manifestierten Alptraumfigur gemixt hat, um in Rekordzeit das Nervenkostüm des Zuschauers zu zerfetzen. Auch der französische „Inside“ hat mich bei der ersten Sichtung, damals noch als Jugendlicher, böse erwischt und fast katatonisch werden lassen, doch hier waren es dann Unlogik und -realismus, die das Gezeigte im Nachinein rationalisieren konnten. Als jüngste Beispiele meiner drastischeren Seherfahrungen seien Douglas Buck‘ exzellentes Episodendrama „Family Portraits: A Trilogy of America“ sowie Satos legendärer „Splatter: Naked Blood“ genannt, beide zweifelsohne auch mit Verstörungspotential gesegnet, nicht nur selbstzweckhaft und trotzdem drastisch bis zum Anschlag.
 
 
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Doch was all diese Filme teilen, all diese Titel die mir nahe gegangen sind auf einer viszeralen, physisch spürbaren, unangenehmen Ebene mit ihren teils allzu realistischen Szenarien, das ist, dass wir es hier stets noch mit „fairen“ Umständen oder zumindest zahlenmäßig ausgewogenen Konfrontationen zu tun haben, eine einelne Person verletzt eine andere, oder sich jemand selber, oder es ist der Protagonist, der mehreren anderen, gar Unschuldigen, Leid widerfahren lässt. Doch es ist keine Gruppe, keine sadistische Mentalität organisierter Gewalt oder Folter, keine Ohnmacht gegenüber Zuständen, denen man kampflos ausgeliefert ist, weil ein einzelnes Messer oder eine glückliche Sekunde nicht reichen würde, um zu entkommen. Grenzt man die Auswahl effektiv verstörender Filme, die ich gesehen habe, auf diese Weise weiter ein, so gelangt man schnell zu einem sehr kleinen Pool: Den sehenswerten Indiehorror „REEL“ hab ich aufgrund genau der Thematik z.B. überlegt abzubrechen, „Eden Lake“ sitzt auch wie ein Stein im Magen, am Ärgsten hat mich aber tatsächlich der deutsche Film „Das Experiment“ erwischt, der auf allzu realistische und ungeschönte Weise von einer eskalierenden Spirale aus Gewalt, Erniedrigung und Sadismus erzählt.
 
 
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Was man bei keinem dieser Filme, die ich allesamt zu unterschiedlichen Graden empfehle, findet, das ist ein historisches Setting, das seltenst im Film behandelt oder erzählt wurde, und zwar das des „Black Wars“, dem erbarmungslosen Genozid an den australischen Ureinwohnern und das grausame Leben in den Strafkolonien der Briten im 19. Jahrhrundert, denn genau so eine war ganz Tasmanien, „Van Diemen’s Land“, damals noch. Eine Zeit, in der von den Briten gefangen genommene, weiße Männer bereits leiden mussten und unfair behandelt und ausgebeutet wurden, ja, aber erst recht eine, in der von Gleichberechtigung, Frauenrechten oder Black lives matter-Bewegungen noch dekadenlang nichts gehört wurde. Und mit diesem Setting, das auf dem Papier also schon eine absolut toxische und lebensfeindliche Umgebung ist, im Hinterkopf, erzählt Jennifer Kent eine tief mit seinem historischen Setting verwobene Geschichte, die von schreiender Ungerechtigkeit und dem Drang nach Rache, aber auch Humanismus in den schwersten Zeiten der Menschheit und kultureller Identität erzählt.
 
 
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137 Minuten lang eine solche erdrückend hoffnungslose Geschichte erzählt zu bekommen, das könnte wahlweise ermüdend oder einfach nur durchgängig unerträglich sein, doch die atemberaubende Cinematographie, die die makellosen und oscarwürdigen Kostüme der Generäle und Offiziere ebenso bildgewaltig einfängt wie die unbändige Natur Tasmaniens, die kerzenbeleuchteten, kargen Innenräume verarmter Sträflinge oder die gefährlichen Steilpässe und sich durch sie windenen Vollblüter ebenso wie sich einbrennende Nahaufnahmen in Angst erstarrter Gesichter, hat es mir keine Sekunde lang erlaubt, wegzuschauen. Und das darf man auch nicht und das sollte man auch nicht, denn alles was hier ungeschönt gezeigt wird, wurde präzise recherchiert, mit viel Aufwand übersetzt und so gottverdammt intensiv und perfekt gespielt, dass ich aus der Gänsehaut teils nicht mehr heraus kam, den Tränen nahe war. Eine gute halbe Stunde lang ist „The Nightingale“ zwar bereits hochästhetisch und erinnert an Eggers Werke, erzählt sich aber gleichzeitig so unfassbar grausam, unerbitterlich, bösartig und echt, dass einem wirklich schlecht werden kann.
 
 
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Doch genau wie die Cinematographie nun das volle Potential des Settingwechsels nutzt, Waldatem verbreitet und den Morgentau spürlich schmecken können lässt, speist die Narrative des Films auf vorallem emotionaler Ebene von dem schrecklichen Einstieg, den wir zusammen erleben mussten, und mahnt durch pointierte, kurz gehaltene Träume immer wieder die schiere Brutalität an, mit der alles begann. Und das soll keinesfalls heißen, dass der Film das Tempo nach dem Einstieg runter nehmen oder sich entspannen würde, ganz im Gegenteil – „The Nightingale“ bleibt durch das perfekte technische Niveau, die authentische Mehrsprachigkeit, die oscarreifen Performances, allen voran von Aisling Franciosi und Sam Claflin als gebrochen-nuancierte, kalte, zielstrebrige aber im Endeffekt völlig überforderte Protagonistin, bzw. extrem hassenswerten und wiederwärtigen Antagonisten und die ultimative Synchronisierung mit unserer Heldin zu jeder Sekunde sehenswert, spannend, atmosphärisch, ästhetisch und emotional packend wie selten ein Film.
 
 
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Lange Zeit war ich völlig hin und weg davon, wie dieses Meisterwerk die mit besten Einstellungen der letzten Jahre mit einer Welt paart, die nur auf Sadismus und Machtspielen, Befehlen und Erniedrigung, Folter und Vergewaltigung aufgebaut scheint, wie der Konflikt zwischen „Will ich unbedingt nochmal sehen!“ und „Will ich nie wieder sehen!“ sich immer wieder in den Vordergrund drängt und wie ich am laufenden Band an Filme erinnert werden, die ich alle für Meisterwerke halte – doch dann, leider kamen kleine Stolpersteine im Pacing des dritten Akts. Das Ende ist zwar beiweitem nicht beliebig, aber mir war es nicht pointiert oder perfekt genug gewählt, auch hätte „The Nightingale“ mit ziemlich genau 10 Minuten weniger zum Ende hin auskommen können, ohne etwas von seiner Wucht oder Brillianz zu verlieren. Aber das soll diese einmalige Seherfahrung trotzdem kein bisschen abwerten. Wer mitreißende Genrefilme schätzt, Thriller oder Rachefilme, historische Dramen oder feministisches Kino, wer Robert Eggers und A24-Fan ist, wer keine Angst vor erbarmungslosen Filmen hat, wer geschichtliches Interesse hat oder auch nur kulturelles, wer Kostüme designen oder Fotos machen und sich mit Framing auseinandersetzen will, wer filmische Überlebenskämpfe mag oder auch „nur“ elaborierte Rape & Revenge-Filme, dem sei dieser Film explizit ans Herz gelegt. Egal aus welchem Blickwinkel, kalt dürfte „The Nightingale“ niemanden lassen, der das Handy weglegt und sich 2 Stunden auf diese Reise einlässt. Ich habe nach langer Zeit nicht einmal pausiert, nicht einen Schluck getrunken, nicht einen Blick auf die Timeline geworfen und keinen hämischen Kommentar zu irgendwas gehabt – „The Nightingale“ war fast zu jeder Sekunde eine lohnenswerte Seherfahrung, und das erste Mal in einer langen Zeit, dass ich a) fast eine 10/10 vergeben hätte und b) von einem Film so derart verstört wurde, dass ich in dem Moment geschwitzt, mich elendig schlecht gefühlt habe und mein Herzschlag rapide hochgeschellt ist. Wichtiges, nahezu transgressives, fantastisch inszeniertes, makellos gespieltes, unbarmherziges, ehrliches Kino.
 
 


 
 
 

THE NIGHTINGALE – Fazit

 
 
 
9 Punkte Final
 
 
Wahnsinnsfilm. Schauspiel und Drehbuch auf höchstem Niveau, Kameraeinstellungen und Kulissen zum Verlieben, eine unbändige Wildnis mit perfekten Kostümen, ein period piece mit Bildern zum Niederknien, perfekt geframed im 1.37:1-Format. Und das alles dann effektivst kontrastiert mit einer erbarmungslosen, selten so intensiv inszenierten Vergewaltigung, mit konstanten Befehlen und Machtspielen, Erniedrigungen und sadistischem Rassismus, der ungeschönt gezeigt wird. Kein perfekter Film, mit dem dritten Akt und Ende hatte ich ein paar Probleme, aber wenn ich je große Werbephrasen dreschen konnte, dann hier: Eine Meisterwerk, das an „The Revenant“ erinnert, Rassismus und Sklaverei noch ungeschönter und ehrlicher angeht als „Django Unchained“, Trauma und Auswegslosigkeit so intensiv inszeniert wie „I Spit on Your Grave“ und ästhetisch an ein experimentelleres „The Witch“ erinnert. Ganz starke 9/10
 
 


 
 
 

THE NIGHTINGALE – Zensur

 
 
 
Die Veröffentlichung von „The Nightingale“ hat von der FSK in der ungeschnittenen Fassung die Einstufung „keine Jugendfreigabe“ erhalten. Die Freigabe ist berechtigt, denn neben einer Vergewaltigung gibt es auch diverse Morde zu sehen, die es in sich haben.
 
 
 


 
 
 

THE NIGHTINGALE – Deutsche Blu-ray

 
 
 
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(c) Koch Films (Mediabook)

 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: The Nightingale; Australien | Kanada | USA 2018

Genre: Thriller, Abenteuer, Drama

Ton: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1

Untertitel: Deutsch

Bild: 1.37:1 (1080p) | @23,976 Hz

Laufzeit: ca. 136 Min.

FSK: Keine Jugendfreigabe (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: Mediabook | KeepCase mit Wechselcover

Extras: Trailer, Making of, The Nightingale in Context | zusätzlich im Mediabook: Film auf DVD + Booklet

Release-Termin: Mediabook + KeepCase: 25.06.2020

 

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THE NIGHTINGALE – Trailer

 
 


 
 
 

Alexander Brunkhorst

(Rechte für Grafiken liegen bei Koch Films)

 
 
 
Ähnche Filme:
 
The Revenant – Der Rückkehrer (2015)
 
I Spit on Your Grave (2010)
 
The Witch (2015)
 
Van Diemen’s Land (2009)