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Filmkritik: „Stanley“ (1972)

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STANLEY

Story

 
 
 
Tim hat es wahrhaftig nicht einfach. Am amerikanischen Arsch der Welt, den gruseligen Sümpfen Floridas, lebt der Halbindianer sein einfaches Leben und will eigentlich nur seine kleine Schlangenfarm pflegen. Menschen kann er nicht leiden – beruht auf Gegenseitigkeit – und sein bester Freund ist daher die Klapperschlange Stanley. Eines Tages dringt eine Rotte Wilderer in das Areal des Knaben ein. Das gefällt ihm gar nicht, haben die degenerierten Backwoods-Lumpen doch schon seinen Vater auf dem Gewissen. Das Fass wird zum Überlaufen gebracht und Tim und seine Schlangengang machen sich auf, all denen den Zahn zu ziehen, die ihnen gegenüber sich nicht PETA-kompatibel verhalten haben.
 
 
 


 
 
 

STANLEY – Kritik

 
 
 
Wenn wir den einzelnen Jahrzehnten der Horrorfilm-Geschichte charakteristische Trends zuordnen möchten, müssten wir den Fünfzigern Science-Fiction-nahe Monsterfilme zuweisen oder den Achtzigern die Slasher-Welle im Fahrwasser charmanter Herren wie Freddy Krueger, Jason Vorhees und Michael Myers (aus Halloween, nicht der aus Austin Powers). Die Siebziger, mit denen wir uns durch STANLEY heute beschäftigen wollen, standen eine ganze Zeitlang unter dem Kommando des Tierhorrorfilms. Die Natur schlägt zurück. Immer wieder. Unaufmerksame Fans und Beobachter verleihen die Medaille für den Trendstarter der animalischen Randale gegen den bösen Menschen leichtfertig einem der ersten großen Blockbuster der Kinogeschichte. Steven Spielbergs DER WEISSE HAI (Jaws, 1975) war, neben seinem jegliche Konkurrenz zwischen den Kiefern zermalmenden Erfolg am Box Office, schließlich, zieht man die Inszenierung von Meisterhand einmal ab, ein Tierhorror-Reißer wie aus dem Lehrbuch. Aber: Er erschien eben erst 1975. Vereinzelte Beispiele für Kino mit sich rächenden Kreaturen nicht menschlicher Spezies gab es immer mal. Im Prinzip fällt schon der alte Affe KING KONG ins Raster – und der war immerhin schon 1931 zu Gange. 1971 sollte es aber Regisseur DANIEL MANN sein, der mit der Romanverfilmung WILLARD eine der noch heute gern verwursteten Plot-Blaupausen für das Subgenre Tierhorror schaffen würde. Die Story: Ein gesellschaftlicher Misfit, also ein Außenseiter sondersgleichen, muss allerlei Hänseleien über sich ergehen lassen. Graduell steigt die Wut. Zum Glück verfügt der Antiheld über eine psychische Verbindung zu einem oder mehreren Tieren, Diese Tiere können sich den Frust des menschlichen Dampfkessels irgendwann nicht mehr mit ansehen und reißen den zuständigen Übeltätern hernach die Hintern auf. Bei WILLARD ist´s eine ganze Armee von gemeinen Wanderratten die effektiv des Zuschauers Knopf der Angst vor dieser Art Vierbeiner drückt. Bei STANLEY bekommt es das schmierige Wilderergesindel mit der titelgebenden Klapperschlange und ihren bei der Menschenheit nicht minder gefürchteten schuppigen Kumpels zu tun.
 
 
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Diese WILLARD-Grundidee würde auch STANLEY-Regisseur WILLIAM GREFÉ noch mehrfach aufgreifen. Unter anderem anno 1976 in MAKO, DIE BESTIE (Mako, The Jaws Of Death) mit einem trainierten Hai. Die Flossenträger mochte der Amerikaner ohnehin gern: Sein mainstreamigster Credit ist die Regie der Haifischszenen im achten James-Bond-Film LEBEN UND STERBEN LASSEN (Live And Let Die, 1973) – passenderweise einem der sicherlich exploitationhaftesten Beiträge zur 007-Reihe. Da wuchs zusammen, was zusammengehört. Ansonsten verdingte sich der Filmemacher in unterschiedlichen Sparten des Nackedei-und/oder- Blut-Films. Meistens in den Sumpflandschaften der Everglades im Staate Florida. Dieser Südostzipfel der Vereinigten Staaten, hier wurde er vor fünfundachtzig Jahren auch geboren, hat es GREFÉ bis heute angetan. Verständlich. Besonders empfohlen seien an dieser Stelle der debile Medizinmannzombie-Horror DEATH CURSE OF TARTU und der Strandparty mit Quallenmutanten-Heuler STING OF DEATH. Hier wird getanzt, die Quallen sind Gefrierbeutel und verfügbar ist das ganze als DVD-Double-Feature auf dem essentiellen US-Label Something Weird Video. Da gab es auch STANLEY – in deutlich ruppigerer Qualität als die jetzt vorliegende Version aus deutschen Landen. Für den Ton in unserer schönen Sprache musste der geneigte Filmliebhaber bis dato auf eine der beiden unbotmäßig seltenen VHS-Auflagen zurückgreifen (wie etwa der Autor dieser Zeilen) und dafür tief in den Säckel langen. STANLEY ist – entgegen des Marketings auf dem Backcover – kein harter Horrorfilm. Er vereint die eben beschriebene Prämisse mit der Hauptfigur des von Rassisten geprügelten Indianers – ein Thema, das in den Siebzigern in der amerikanischen Drive-In-Welt ebenfalls nicht unbeliebt war. Trotzdem oder gerade deswegen ist der Film eine saftige Scheibe regionalen Exploitationkinos made in USA, dessen Präsentation auf respektablem einheimischen Datenträger man sich nicht entgehen lassen möge.
 
 
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STANLEY – Fazit

 
 
 
6 Punkte Final
 
 
Alles dabei im Tierhorror-Goldstück STANLEY: Nature strikes back. Die Viecher sind Schlangen, seit biblischen Zeiten schon eher unbeliebt, der Held ein Indianer und die Böslinge Redneck-Wilderer. Flott gibt es in Seventies-Optik auf die Ohren und im Sumpf zirpen die Grillen. That´s Exploitation.
 
 


 
 
 

STANLEY – Zensur

 
 
 
Die endlich auf DVD erhältliche Fassung ist ungeschnitten und bereits frei ab 16 Jahren. Sammler und Liebhaber des Tier-Horrorfilms können demzufolge bedenkenlos zugreifen. Aber: viele Schauwerte bietet STANLEY für Fans derber Unterhaltung jedoch nicht.
 
 
 


 
 
 

STANLEY – Deutsche DVD

 
 
 
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(c) Edel Germany

 
 
 

TECHNISCHE DATEN


Originaltitel: Stanley; USA 1972

Genre: Klassiker, Horror, Thriller

Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0 Stereo), Englisch (Dolby Digital 2.0 Stereo)

Untertitel: Keine

Bild: 1,78:1 (anamorph / 16:9)

Laufzeit: ca. 100 Min.

FSK: FSK 16 (ungeschnittene Fassung)

Verpackung: KeepCase mit Wechselcover

Extras: Keine

Release-Termin: 05.06.2015

 

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STANLEY – Trailer

 
 

 
 
 

Christian Ladewig

Die Rechte aller Grafiken in dieser Review liegen bei Edel Germany.

 
 
 
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